Startseite > Gesellschaft > Sind Saaten ursprünglich Produkte der Gewalt?

Sind Saaten ursprünglich Produkte der Gewalt?

In meinem letzten Artikel habe ich das Thema Nationalstolz in die Diskussionsrunde geworfen. Heute bekam ich dazu noch den folgenden Text von Joachim Weiß, der sich damit befasst, wie sich das Staatswesen entwickelt hat. Hier kommen weitere interessante Gedanken zur Entstehung von Staatswesen hinzu, u.a. wie Menschen früher über ihre Führer gedacht haben, inkl. der Herleitung von „Heil“:

SIND STAATEN URSPRÜNGLICH PRODUKTE DER GEWALT?

Wie ist der Übergang vom herrschaftsfreien Urzustand zum Zustand Herrscher/Beherrschte zu erklären? Warum haben die herrschaftsfreien Menschen sich auf diesen Übergang überhaupt eingelassen? Das ist bis heute noch nicht vollständig geklärt und es gibt verschieden Theorien.

Die meisten „Staaten“ in der Geschichte waren Gottkönigtümer („Monarchien“). Die Bevölkerung nahm dort den Herrscher gerade NICHT als Unterdrücker wahr, sondern als vom Himmel eingesetzten und des öfteren auch einen Himmelsgott vertretenden, der sie nicht etwa unterdrückte, sondern ihnen Heil brachte und für Ordnung in der Gesellschaft und analog im Universum sorgte, den sie also dringend zu brauchen meinten.
Diesen Staaten sind Konsenstheorien der Staatsentstehung meineswissens auch fremd. Das Königtum kam für diese Leute ganz klar nicht von den Menschen, sondern vom Himmel.

Der Nutzen bestand höchstwahrscheinlich darin, eine gemeinsame Not abzuwenden. Nicht zufällig galten ja die Priesterkönige als Heilsbringer.

Götter waren also „Blends“ in die vermutlich „Inputs“ eingegangen sind: möglicherweise tatsächlich Himmelsbeobachtungen und zum anderen Familienerfahrungen. Denn Mythen sind meistens Geschichten über Götter-Familien. Chefgott ist oder war der Papa bzw. der „Vater unser im Himmel“ (vgl. Eliade das Deus Otiosus“ etc.).

(Quelle zum „Blending“: Mark Turner/Gilles Fauconnier: „The Way We Think“; und speziell zur Religion Turner: „The Artful Mind“; und zur anthropologischen Bedeutung des Konzepts z. B. Michael Tomasello: „Origins of Human Communication“.

Unter diesen Gottkönigen, als höchste Autorität, wurde dann der
Staatsapparat zur Lösung drängender Probleme unter allgemeiner Zustimmung (?) aufgebaut. Der konnte dann später, nachdem er eine kritische Grösse erreicht hatte, korrumpiert werden oder sich auch selbstständig machen, was dann zu den entarteten Staatswesen führte, wie sie allgemein bekannt sind und von vielen als die einzig Möglichen betrachtet werden. Man kann durchaus die Entstehung der ersten Staaten aus einem „Konsens“ heraus verstehen – jedenfalls aus freiwilligem Mittun derer, die sich dann später auch unterdrückt gefühlt haben und auch unterdrückt wurden – und teilweise ja auch mit gewaltsamer Revolution darauf reagiert haben.

Gunnar Heinsohn hat eine Story zur historischen Erstentstehung des „Staats“-Phänomens in Mesopotamien angeboten, die die obigen Bedingungen („Konsens“ in einer Notsituation) erfüllt und auch versucht, den Ursprung der religiösen Vorstellungen mitzuerklären… sicherlich kontrovers, aber wenig bekannt. Sein Buch dazu heißt „Die Erschaffung der Götter – das Opfer als Ursprung der Religion“.
Er sieht die Notsituation, die den Hintergrund der Entstehung des Königtums bildet, in Naturkatastrophen. Dass auch der griechischen Polis (archische Zeit) Naturkatastrophen vorausgehen, die das vorhergehende mykenische Königtum samt Palästen vernichtet haben, ist ja kaum strittig und steht in jedem Lehrbuch. Bei der Entstehung des mesopotamischen Königtums geht es allerdings um historisch frühere Katastrophen.
http://www.guenter-schulte.de/…/philoreligion_11.html

– Ganz sicher ist Angst auch heute noch ein wichtiger Faktor zur Erlangung von Macht. Bei fehlender sozialer Kontrolle können einzelne Macht über andere ausüben, auch ohne dabei direkte physische Gewalt anzuwenden. Die Fähigkeit eine Gruppe von Menschen in einem gewissen Hypnose-Zustand zu bringen und dort zu halten, um damit Macht auszuüben, wurde von Einzelnen sicher irgendwann erkannt und missbraucht und später dann auch weitergegeben bzw. an die Kinder vererbt.
Es war z. B. immer die selbe Blutslinie, die sich an der Spitze so eines solchen religioesen Königsherrschaft hielt und die Herrscher wechselten nicht je nach Begabung, Erfahrung etc. Die Bildung solcher Staaten ging immer mit Landwirtschaft einher, die eine radikale Änderung der Ernährung zur Folge hatte.

Einerseits wuchs die Bevölkerung jenseits der „Dunbar-Zahl“ (fehlende soziale Kontrolle) und blieb sesshaft, andererseits kam es durch einseitige Ernährung zu Mangelerscheinungen die zu hormonellen Veränderungen und damit zur Änderung der Psyche führte – alles sehr gute Voraussetzungen, um Macht ohne direkte physische Gewalt auszuüben, wobei die Tötung von Mitgliedern zum einem essentiellen Ritual (Menschenopfer) zu gehören schien – mit Konsens=Einvernehmen hat diese Art der Unterwerfung aber sehr wenig zu tun. (Bei Sekten kann man heute noch das Funktionieren solcher Machttechniken beobachten ohne dass es zu direkter physischer Gewaltanwendung kommt).

Man könnte auch als These sagen: Die Not des Menschen liegt im Wissen um seine Unvollkommenheit und dem Ausgeliefertsein gegenüber der Natur.

Das Menschlein, als Individuum in die Welt geworfen , steht ziemlich einsam und hilflos in der Gegend rum. 
(Paul Satre)

Zur Überwindung dieser misslichen Lage, ist das arme Menschlein über jeden Priesterkönig dankbar, der ihn ans Händchen nimmt und ihm seine Bestimmung in der Gemeinschaft zuweist. Diese Bestimmung war bei den Ägyptern der Pyramidenbau, Anfang des 20. Jahrhunderts die Aufopferung für Volk und Vaterland und zum Beginn des neuen Jahrtausends die Erwerbsarbeit und einkaufen bei Media Markt.
Seine Bestimmung lässt sich der Mensch auch ziemlich gewaltLOS verpassen. Besonders im Zeitalter der sogenannten Meinungsfreiheit zeigt er sich auf diesem Gebiet ausgesprochen flexibel und formbar –

Die griechische Polis ist, im Gegensatz zum altorientalischen Gottkönigtum, allerdings einzigartig. Die Entwicklung scheint von Anfang an deutliche Unterschiede aufzuweisen. Während in Ägypten immer eine sehr starke Priesterkaste den Ton angab, scheint in Athen unter dem Basileus ein grosser Teil der politischen Verantwortung weiterhin in den Händen der Stämme gelegen zu haben, was dort zur Entstehung einer weltlichen Oberschicht führte. Es soll dort auch von Anfang an eine zentrale Versammlung der Stammesvertreter gegeben haben.

Es gibt einen ganz klaren Bruch mit der vorhergehenden mykenischen Palastkultur, die anscheinend fast komplett zerstört und ausgelöscht wurde (ein Lehrbuch beschreibt für die „Dark Ages“ auch extremen Bevölkerungsrückgang).

Dazu Michael Stahl: […] Das Ende der mykenischen Hochkultur ist nicht durch dynamisch wirkende Veränderungen herbeigeführt worden, die auf die Institutionalisierung eines neuen gesellschaftlichen Organisationsmodells gedrängt hätten. Statt dessen stand am Ende die Rückkehr zu einer weit weniger komplexen Gesellschaft mit einer dezimierten Bevölkerung, die auf einem weithin verödeten Land unter zunächst einfachsten Bedingungen ihr Leben fristete.“ (Gesellschaft und Staat bei den Griechen: Archaische Zeit, S. 119).

Verbunden mit den ersten Staaten ist eine komplette Revolution auch im Denken und der Kultur insgesamt („mythic culture“); mit der Entstehung der griechischen Polis dann wieder ein fundamentaler Bruch im Denken, vom mythischen zum „theoretischen“ Denken („griechische Aufklärung“). Sehr schön beschrieben (ohne die Brüche zu erklären) von Merlin Donald in „Origins of the Modern Mind“.
Das müssen Erklärungen für diese Brüche jeweils miterklären – Geschichten wie die von den kriegerischen Nomaden, die sesshafte friedliche Bauern überfallen und unterwerfen („Unterwerfungstheorie“), sind nur ad hoc – Geschichten, deren Erklärungsleistung für den Kulturbruch insgesamt unzureichend sind.

Denn das Problem mit den damaligen bezahlten Lohnschreibern ist, dass sie die Welt damals so beschrieben, wie sie damals von ihresgleichen und den Auftraggebern gesehen werden sollte.

Wortstamm Hier– Die Bedeutung von gr. hier~

Hier~ entwickelte sich aus der indogermanischen Wurzel eis- für “heftig, ungestüm, schnell bewegen”, z.B. auch beim Schleudern von Geschossen/Pfeilen.
Später im Griechischen *oisma und vedisch ēṣati = “stürmischer Angriff, Attacke bei Raubvögeln”. Lateinisch dann īra, eira (von indg.*eisā) = “Zorn”. Germanisch *īsarnan, gotisch eisarn, althochdeutsch, altschwedisch und altnordisch īsarn = “Eisen“. Stürmischer Angriff mit Eisen(waffen)

…Im Laufe der Zeit brauchten die Hirten mehr Platz durch den starken Vermehrungsdrang, der allmählich von den Herden auf die Menschen überging. Die Entdeckung des harten Eisenmetalls und seiner Verarbeitung zu Waffen, befähigte die Söhne und Töchter neues Land für sich zu erobern.

Mit dieser Wortentwicklung des ursprünglichen indogermanischen eis- ging parallel eine Bewertung einher. Worte wie “heftig, ungestüm” sind wertneutral, besonders wenn sie sich auf das Verhalten eines Raubvogels beziehen. In Bezug auf die Eroberungstätigkeit mit Waffengewalt erfuhren sie jedoch eine Aufwertung, die bis heute Gültigkeit besitzt.

Die Glorifizierung von Eroberungskriegen in unseren Geschichtsbüchern sind der Beweis. Dichterpriester waren die ersten Geschichtsschreiber.
Bewerkstelligt wurde diese gezielte Glorifizierung durch die Dichterpriester, die mit Hilfe der Hieroglyphen heilige Schriftzeichen) diejenigen und ihre Taten rühmten, die sie dafür reich bezahlten. Das war die Aufgabe der frühen Dichter, den Vorläufern von Predigern und Medien: Wer zahlt schafft an, was publiziert wird.

Die Vorsilbe *is-(e)ro- (von indog. eis-) bekam die Bedeutung “stark, heilig”; im Griechischen hieros = “gefüllt mit überirdischer Kraft”, heilig. Germanisch (aus dem Keltischen übernommen) *isarno-, “heiliges Metall”.

Gemeinhin wird die Vorsilbe hier- in Worten wie Hieroglyphe, Hieros Gamos, Hierarchie usw. einfach mit “heilig” übersetzt.

Das Wort “heilig” empfinden wir nicht als zerstörerisch, was Waffen aus “heiligem Eisen” jedoch sind. Das Substantiv “Heilung” wird gefühlsmäßig als positiv erlebt, weil es mit “Gesundheit” verbunden ist. Eine ambivalente Wortverwandtschaft.

Dies ist beispielhaft dafür, dass wir auf die Einstellung hinter einer Handlung oder Bewertung schauen müssen, um die Absicht zu verstehen. Es kommt auf die Geisteshaltung an. Menschen, die extreme Angst spüren und Sicherheit um jeden Preis suchen, um sich wohl und gesund zu fühlen, verwenden eben “heiliges Eisen”, weil sie glauben, dass materieller Reichtum zu Wohlbefinden führt. Und sie tun alles, um den größtmöglichen Reichtum aufzuhäufen, obwohl sich die ursprüngliche, auslösende katastrophische Situation längst verändert hat. Diese Geisteshaltung, verbunden mit der alten Angst zu verhungern ist bis heute weit verbreitet!

Die Älteren (Eltern) traumatisieren die Kinder über Jahrtausende, so wie ihre überlebenden Vorfahren traumatisiert wurden und in diesem Prozess verändert sich der Charakter.

Es war Wilhelm Reich, der diese Charakterverformung entdeckt hat.
Alle Wörter im Deutschen, die mit dem griechischen hier- beginnen, haben mit Priester-/Hirten-/Herrschertum und der offenen oder indirekten Unterdrückung anderer zu tun.
Hier die Liste der Wörter, die ins Deutsche übernommen wurden (via):
• Hierarch: heiliger Erster (kirchlicher Oberster)
• Hierarchie: heiliger Anfang, Oberstes (Spitze), Aufbau in verschiedenen Stufen
• Hieroglyphen: heilige Schriftzeichen (Schrift ist Herrschaftsinstrument ebenso wie eine Geschichtsschreibung)
• hieratisch: Schriftzeichen, ähnlich den Hieroglyphen
• Hierodulen: Heilige Sklav/innen (grch. doulos “Sklave”), Tempel-Knechte, die auf den Ländereien arbeiteten, Tempel-Prostituierte (modern ausgedrückt “Edelnutten”), rekrutiert aus den Kindern der “großen Familen” also den Herrscherfamilien, oder aus Kriegsgefangenen
• Hierogramm: ein formelhaftes, grafisches Zeichen im sakralen Bereich mit festgelegter Bedeutung (z.B. Hl. Geist – Taube, Petrus – Schlüssel), um den Betrachtern “die Botschaft” einzuschärfen
• Hierogamie: Heilige Hochzeit (Hieros Gamos, grch. gamos = Vermählung/Vermählungsfest) – Rituelle Vereinigung zwischen Mensch und Gott/Göttin (Teil des patriarchalen Fruchtbarkeitskults zur Maximierung des lebenden Inventars)
• Hierokratie: heilige Herrschaft (grch. kratein “herrschen”), Priesterherrschaft
• Hieromantie/Hieroskopie: Wahrsagerei aus Tieropfern (grch. manteia “Weissagung”, skopein “schauen, betrachten”) Opfern ist etwas spezifisch Patriarchales.
• Hieromonachos: Priestermönch
• Hierophant: Oberpriester, “der die Mysterien/Geheimnisse auslegt” (grch. phainein “zeigen”)

Auch Bernbeck geht von der gewaltfreien Entstehung des Staates aus.
Vgl. Bernbeck: „Die Auflösung der häuslichen Produktionsweise“ (in 43 Punkten)

[88] Die zentralen Institutionen legen zur Risikominderung Vorräte an und garantieren so in Notlagen eine ausreichende Redistribution. Jene Institutionen werden allein zu diesem Zweck geschaffen und nehmen zunehmend den Charakter allgemein politischer Ämter an. [70] Aus diesen Ämtern etabliert sich bald (nach der Phase der Häuptlingstümer!) eine „politische Macht, die das wirtschaftliche System auch mit Gewalt aufrechterhalten kann, nämlich zum Staat.“
Bernbeck weist also darauf hin, dass es in Häuptlingstümern noch keine zentralen Institutionen gibt, die Sanktionen und Strafen verhängen.
Er geht zwar offensichtlich davon aus, dass sich der Staat von innen heraus, also ohne äusseren Zwang, entwickelt hat.

Es ist allerdings bis heute nicht geklärt, wie sich die Staatenbildung vollzogen hat. Das was wir von Sumer wissen ist ja schon als Staat geschrieben. Was war vorher? Ging es schleichend bzw. wie einen beschrieben gewaltlos oder abrupt?

Den Übergang von Stamm zu Staat kann man auch ganz anders erklären. 

Wenn zwei Stämme eine gewisse Größe erreicht haben, und einer davon einen (waffen)technischen Vorsprung hat, wird er dem anderen gegenüber seine „Macht“, wie auch immer ausspielen. Der Frauenraub war mal so etwas, daraus entwickelt sich das „Recht der ersten Nacht“ , dann Abgaben usw.

Dr. Paul C. Martin zum Beispiel tippt auf abrupt, nachdem die entsprechende „Dunbarzahl“ überschritten wurde. Also vor Sumer waren die Proto-Dynasten. Städtebildungen (außer es sind °heilige Bereiche“) setzen Latifundienwirtschaften (Ur o. ä.) voraus, wobei zunächst ein kleines „Verwaltungszentrum“ (Sitz des Stammesfürsten) langsam anschwillt (Bürokraten, Ministerliale). Städte sind befestigt (town = Zaun). Die Verwaltungszentren gegen Aufstände der eroberten Unterhunde, Städte contra Latifundien (plus deren Zentren) laufen eher nach der Methode „Stadtluft macht frei“ abgabenfrei).
Nehmen wir die Geschichte von Kain als Beispiel. Nach dem Brudermord bleibt er nicht auf seinem Acker sitzen, sondern er wird Städtebauer.

Vor den frühen„Stadtstaaten“ müssen Kleinstsiedlungen unterjocht worden sein.

Das ging mit der überlegenen Waffe Bronze, deren „Erfindung“ ich nach Tadschikistan setzen würde (Muschiston). Dazu kommt das Sprengen der „kleinen“ Dunbarzahl“ (150 bis max 300), es werden mehr als 1000 (große Dundbarzahl) und es muss neuer „Lebensraum“ her. Naturprobleme (Katastrophen) tun dann ihr Übriges. Die Muschiston-Bergwerke liegen immerhin ca. 2500/3000 m hoch. Also runter ins Tal und das Phänomen Luristan entsteht. Von dort (persisches Hochland) geht’s dann in die großen Flußtäler (Indus, Mesopot, Nil). Die Proto-„Staaten“ entstehen.

Die Matriarchat-Großsiedlungen (keine Städte, da nicht befestigt) wie Catal Hüyük verschwinden rätselhaft.

Mir scheint es logisch und natürlich, dass es eine Art vorstaatliche Kontrakte in Form von Bräuchen und ungeschriebenen Gesetzen unter verschiedenen, durch Einheirat oder andere gemeinsame Projekte verbundene Sippen gab, deren Missachtung Konsequenzen hatten, auch wenn es noch keine richtende Zwinginstanz gab. Der Staat ist dann bei der Näherung eines Sippenverbundes an die Dunbarzahl nur noch ein logischer Schritt, hat in diesem Fall noch nichts mit Vorfinanzierung und Gewaltherrschaft zu tun.

Fraglich ist auch, wieviel wirklich natürliche Verpflichtungen es ursprünglich gab. Sowohl bei den Piraha (Daniel Everett: „Das glücklichste Volk“) wie auch bei den Yequana (Jean Liedloff: „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“) ist eine deutliche Verpflichtungs-Abgrenzung sichtbar. Die Piraha sagen ganz klar, dass jeder um seine eigenen Dinge besorgt sein und stark sein muss, bei den Yequana zeigt sich die Abgrenzung z. B. dadurch, dass es für sie ein No-go ist, andere um Hilfe zu fragen.

Hier zeigt sich die andere Seite der Medaille der natürlichen Selektion: Eine Sippe braucht nicht nur eine starke, sich unterstützende, verbundene Gemeinschaft sondern mindestens genau so braucht sie starke Einzelmitglieder, die für sich selber sorgen können und nicht die Hilfe anderer bedürfen. Deshalb ist m. E. generell ein idealistischer und utopistischer Blick auf nichtzivilisatorische Gemeinschaften unrealistisch. Bei den Pirahas gab es jedenfalls soweit mir bekannt ist keine Eifersucht. Allerdings auch keinen Trost.

Es ist nicht zwingend, dass ALLE Sippenverbände matrilinear organisiert waren. Ich erinnere an eines der wohl von der Zivilisation unberührtesten Völker, an die Piraha. Sie leben als Paarungsfamilien zusammen und es ist, wenn man ihre Art zu leben kennt, schwer vorzustellen, dass sie sich über die Jahrhunderte und Jahrtausende in irgendeiner Form um- oder weiterentwickelt haben, da ihre Aufmerksamkeit nur auf das Geschehen im Jetzt fokussiert ist.

Grundsätzlich kann es sein, dass es sowohl die freiwillige Form von Staatsentstehung wie auch die gewaltsame gab. Je nach Klima, menschlichen Temperamenten, vergangenen Ereignissen und Katastrophen in und um die Sippe(n) herum.

Es kann also durchaus sein, dass Staaten ursprünglich auch durch externe Gewalt entstanden sind entgegen der oberen Beschreibung als internen freiwilligen Prozess. Aber eben durch Gewalt und Unterwerfung von außen („Nomaden unterwerfen Ackerbauern“). Dieser Machtapparat, der die „Nomaden“ befähigte, die „Ackerbauern“ zu unterwerfen, musste aber durch Konsens innerhalb des Nomadenstammes hergestellt werden.

Woran ich nicht glaube ist, dass innerhalb eines (machtfreien) Stammes auf einmal ein Teil des Stammes den anderen Teil unterwerfen kann, weil mir einfach noch niemand ein plausibles Scenario dafür aufzeigen konnte.
Vielleicht wäre ein Szenario, dass die Männer durch die Viehhaltung gemerkt haben, dass sie an der Entstehung des Lebens beteiligt sind. Damit war der Vermehrungsvorteil der körperlich schwächeren Frau dahin und ihrer Unterdrückung sowie dem Konkurrenzdenken unter den künftigen „Herren der Schöpfung“ war Tür und Tor geöffnet.

Der Übergang zum Patriarchat muss aber nicht durch rohe Gewalt zu erklären sein, sondern eher durch die mit der Umstellung auf Ackerbau und Viehzucht einhergehenden Umwälzungen in der Lebensweise. Auch diese Umstellung wird zum Anfang zum beiderseitigen Vorteil gewesen sein, wegen der nun veränderten Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern. Oder kam es durch konkurrierende Patriarchen (um Frauen und Besitztum) zu organisierter Gewalt? Hm…

Dazu das Buch von Prof. Uwe Wesel: „Juristische Weltkunde“ (Vorrechtliche Gesellschaften). Dort ab Seite 21 – 34 – Die ersten Anfänge menschlicher Ordnung. Es liegt in unserer Natur, abzugrenzen. Schon ein Muttertier erkennt ihres. Das Verständnis von mein und dein ist also uralt.

Ebenso dazu auch Hannelore Vonier:„Entstehung Patriarchat“

[…]Das Hirtentum entwickelte sich erst, als die Nomaden begannen, den Nahrungskonkurrenten den gewohnten Zugang zu den Herden, denen sie folgten, zu versperren.

Sie nahmen die Herden für sich allein in Anspruch und beendeten das Teilen.

Während sich dieses ausgrenzende Verhalten über die Jahre und Jahrhunderte zur Alltäglichkeit entwickelte, wurde es durch die aufwachsenden Kinder von Generation zu Generation als Sitte weiter gegeben. […]

Allerdings ist die Entstehung des Patriarchats nicht das Gleiche wie Entstehung des Staates.

Hier breche ich mal ab. Frohes Weiterdenken

  1. Senatssekretär FREISTAAT DANZIG
    Dezember 20, 2014 um 11:36 pm

    Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
    Die Frage ist ja auch, warum die Affenstämme keinen Staat haben oder gar die Löwen, wo die doch alle soviel mehr haben? Einbischen Sprache und den Verstand zur Anerkennung von Rechten gehört auch dazu und da haben wir die Beigesteuerten Länder im Reiche der Deutschen, wie auch dem Verstand einen Völkerbund anzustreben! Das aber paßte weder Napoleon noch Rothschild! Man lese daher sehr genau die Diebesrangliste der Machthaber, wie auch die Protokolle der Waisen von Zion! Und etwas zu Amerika und seinem Appel-Konzern, siehe da die Asienproblematik wächst denen über den kopf, weil da Kinderarbeit und auch Sklaverei gefordert wird und die Gewinne nach Amerika und dan zu deren banken fließen und wieder Krieg erzeugt werden kann! Glück, Auf, meine Heimat!

  2. Dezember 21, 2014 um 4:01 pm

    Saaten oder Staaten oder Staaten aus Saaten

    Gewalt

    Mord und Totschlag, Killerspiele und Amokläufer, Vergewaltigung und Kindesmisshandlung: An all das denkt man beim Wort Gewalt. Doch der Begriff hat noch mehr Bedeutungen, auch neutrale und positive. So sagt man zum Beispiel, wenn man von etwas begeistert ist oder jemanden lobt: „Das war gewaltig.“ Und bei der Gewaltenteilung im Staat ist der Begriff sachlich und unparteiisch. Das Wort Gewalt selbst stammt übrigens aus dem Althochdeutschen: Da bedeutete „waltan“ so viel wie stark sein oder beherrschen.

    Materielle und immaterielle Gewalt
    Gewalt verfolgt verschiedene Ziele
    Gewalttätige Männer, gewalttätige Frauen
    Gewaltpotenzial im Gehirn entdecken

    http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/psychologie/gewalt/

    Welche Gewalt ist gemeint und ist letzenendes nicht alles Gewalt?!

    Sind Sie gefragt worden, von Ihren Erzeugern, Herr Bartonitz oder sind Sie nicht eher gezeugt aus dem egomanischen Prinzip Ihrer Erzeuger? Mächtig Gewaltig, Egon.

  3. Dezember 21, 2014 um 8:13 pm

    Vorweg ich bin nicht der Meinung, daß die Staatenentstehung freiwillig also ohne Gewalt entstand.

    Frühere Menschen ließen sich auch nicht ihr Dasein von Priestern oder Gottkönigen freiwillig aus der Hand nehmen. In meinem parallel-optischen Geschichtsbuch wird von meist niedergeschlagenen „Erhebungen und Aufständen“ für alle alten sog. Reiche, Hochkulturen (sumerische, äqyptische, persische, römische) berichtet, manchmal binnen weniger Jahre. Irgendwann zerfielen die Reiche trotzdem.

    Dazu mein Vater: „Jede Burg fällt von innen.“ Was ich so auslege, daß ein „Staat“ oder Stadtstadt, was sie früher waren (Phoenikier) irgendwann der Konsens, die Rückendeckung oder Identifikation fehlte. Auch das ist wieder aktuell – so ohne Nationalbewusstsein – vorallem wenn kaum positive Resonanz zu dem was Regierungen so ständig neu erlassen und „verabschieden“.

    Im Geschichtsbuch wird explixit erklärt, daß das Volk in Sumer am meinsten litt, wenn Priesterschaft und Könige um die Macht rangen und so beide das Volk ausquetschten, um diese besser zu beherrschen.

    Ähnliche Erhebungen und Aufstände sind für Europa, besonders Deutschland, das es noch nicht war, überliefert. Zumindest nach den Kreuzzügen, weil ich mir vorstellen kann, dass die sog. Fluchtburgen vorallem den Fürsten und ihren Söldnern zum Schutz dienten und weniger den „Schutzbefohlenen durch Schutzgeldabverlangen“. Vielleicht gab es auch früher Aufstände und wurden nicht überliefert? Weil immer nur das aufgezeichnet wurde, was man wollte (Propaganda und Verstecken von tatsächlich Geschehenem).

    Die jüngsten Landnahmen fanden wohl gleich nach dem 30-jährigen Krieg in Schottland statt. Wie ungünstig für die Schotten, die sich … vielleicht opportun gedacht (Schäferhunden passiert sowas nicht) … vorher als Söldner (1618-1648) gegen hauptsächlich das germanische Volk und deren Befreiung von Land, Besitz und Leben tatkräftig einsetzten.
    Nun zahlenmäßig geschwächt oder was auch immer, unterlagen sie letztlich auch den Auseinandersetzungen mit Oliver Cr.omwell und büßten ihre Freiheit, Land und/oder Leben ein.

    Ich überlege mir schon seit einiger Zeit, wie alt diese Strategie ist, „schaffe Probleme … und biete dann Lösungen an“ und meine damit den false-flag-Terror vor langer Zeit auf ländliche Gebiete, Plünderungen und dann die Proklamationen „wer hinter die Mauern unserer Stadt kommt … wird vom König (Obrigkeit) geschützt“.

    Bernbeck Die zentralen Institutionen legen zur Risikominderung Vorräte an und garantieren so in Notlagen eine ausreichende Redistribution.

    Was hier darüber steht, daß es einem Staat gelingt Vorräte anzuschaffen, ist nicht falsch, nur können es einzelne oder ein Familien-Clan auch. Das Wissen um die Haltbarmachung von Lebensmitteln, Viehfutter entstand nicht beim söldnerischen Komplex.

    Ich nehme nicht an, daß Vorratswirtschaft durch Staaten entstand oder organisiert wurde, sondern durch klimatische Bedingungen gefördert und/oder notwendig war. Es ist auch anzunehmen, daß eine durch Clans organisierte Verteidigung, durch Vorratswirtschaft flexibler war.

    Doch wird es wie auch vermutet, eine Menge „empfundener“ Freiwilligkeit gegeben haben, sein Glück in Siedlungen und Städten zu suchen – zu aller Zeit.

    Zu den Stadtgründungen gibt es zwar viel Überliefertes und Gerede über Privilegien, was sicher stimmen mag, das habe ich auch für militärisch organisierte Siedlungen für den bulgarischen Raum (aus angeblich Ost-byzantinischer Zeit) gelesen, daß an strategischen Orten Ansiedlungen von „Verteidungen“ abgabenmäßig oder sogar durch Sold-Einkommen befördert wurde – Zeitraum etwa um 700 n.Chr.

    Auch als ich bei einer meiner üblichen geschichtlichen Recherchen gefunden habe, daß jemand die vielen Stadtgründungen (70) von Alexander dem Großen anzweifelt und auch vorschlägt, daß es sich hierbei möglicherweise nur um Militärkolonien also zur Machterhaltung seines Reiches handelte, könnte man auch darauf kommen, daß die Versorgung von Söldnern größere Vorratshaltung bedarf und für deren Versorgung Siedlungen und Städte gefördert wurden, u.a. durch Proklamation von Handels-, Gilden- und anderen Privilegien und Rechten.

    Falls also ein Volk jemals den Eindruck gewonnen hat, es hat nicht seine Beschützer ernährt sondern seine Unterjocher, wird es wohl zu den oben genannten Erhebungen, Aufbegehren, Aufständen gekommen sein.

    Einen sonntäglicher Gruß an die Leser

    • Dezember 22, 2014 um 5:27 pm

      Liebe Petra,

      Danke für Deine Ergänzungen, die mir plausibel scheinen. Der 30-jährige Krieg hat in Deutschland allerdings auch die Wehrhaftigkeit der Dörfer befördert. Noch heute gibt es die Schützenvereine, die ihre Kultur pflegen.

      VG Martin

      • Dezember 22, 2014 um 8:33 pm

        Aha, daher kommen die weit verbreiteteten Schützenvereine, darüber hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht.

  4. Dezember 22, 2014 um 9:08 pm

    Die Geschichte der Freiheit

    Als die Zeit der Könige dem Ende zuging, begannen seine Kulturen zu zerfallen und Freiheit erwachte. Der Zerfall der Monarchie wurde durch zwei sehr mächtige Schriften herbeigeführt, der Magna Charta und der Unabhängigkeitserklärung.
    Jedes Mal wenn Kulturen ins Wanken gerieten, lernten die Menschen mehr über ihren eigenen Wert. Wenn Rebellion sich unter den Menschen mit erstaunlicher Kraft ausbreitete, verloren Kulturen ihre Macht und die Leute waren plötzlich in der Lage zu erkennen, dass kein König einen Anspruch auf sie hat. Sie begannen, ihren eigenen Wert zu erkennen.
    Die Ingenieure des Bösen verstanden, dass die Welt schließlich gelernt hatte, die Kultur der Monarchie zu durchschauen. Mit der erstaunlichen Geschwindigkeit von nur wenigen Generationen entwickelten sie die Kultur der Staaten, um sie zu ersetzen.
    Unter dem Dach der Staatsangehörigkeit, sind die Menschen mehr Sklaven der Grenzen, als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in der Geschichte. Die Macht von „mein König“ wurde von der kulturell überlegenen Macht des „mein Land“ ersetzt. Staaten haben mehr Tod und Sklaverei über die Menschen gebracht, als jede Monarchie es jemals getan hat.
    Die Geschichte der Freiheit zeigt, dass selbst als die Staaten immer stärker wurden, die Menschen die Lektionen der Kultur der Monarchie erinnerten. Der Ruf nach Freiheit wurde immer lauter, umso mehr Menschen die Erde bevölkerten. Kulturen wurden im Laufe der Zeit durch den Ruf nach Freiheit immer wieder zerstört und die Lehren und die Erkenntnisse jeder neuen Taktik der Täuschung, verbreiteten sich über die ganze Welt.
    Die Gewalt der Nationen nahm in dem Maße zu, in dem die Schreie nach Freiheit lauter wurden. Hunderte Millionen wurden ermordet und Milliarden Menschen wurden alleine in der jüngeren Geschichte versklavt; alle durch die vergeblichen Versuche der bösen Menschen, an der Macht zu bleiben. Während die Imperien Herrscher in Frage gestellt wurden, regnete es Blut auf die Köpfe der Menschen.
    Die Geschichte der Freiheit zeigt, dass solche Gewalt nicht das Wachstum des Bösen anzeigt, sondern seinen Tod. Gewalt und die Durchsetzung von Gesetzen sind nur erforderlich, wenn die Kultur die Menschen nicht mehr ausreichend steuern kann. Der Tod der Könige, die Übergänge hin zu den Staaten die Veränderungen der Kultur und der Gewalt der Regierungen, sind ein Beweis für das Ende des Bösen.

    Die Autoritäten ringen nach Atem, während die Menschen überall auf der Welt lernen, das Böse für immer zu ersticken. In dieser Zeit, in der wir leben, ist der Krieg bereits gewonnen. Wir müssen dem Bösen nur beim Sterben zusehen.

    Jeremy Locke

  5. Th. Körner
    April 24, 2015 um 7:46 am

    zuerst, also vor ca.8500 jahren waren die deutschen könige den freien gleich gestellt nur das deren göttliche einsetzung akzeptiert wurde und somit nur als oberster entscheider für die mehrheit auftrat. die römer haben diese könige abgesetzt und andere von den freien nicht anerkannte könige eingesetzt, was dann ja zu dem immer noch aktuellem und geplantem chaos führte. (aus den übersetzungen der damaligen römischen geschitsschreibern wie tacitus u. a. er war leider einer der letzten) laut denen soll der name germane von den galliern stammen, die ihre direkten rechtsreinischen nachbarn so bezeichneten. nur so nebenbei

    • April 24, 2015 um 7:55 am

      Denkbar. Hast Du eine Quelle, sprich, woher kommt diese Überlieferung, wo es die Schrift erst seit ca. 6.000 Jahren gab (zumindest Sanscrit nicht mitgerechnet) ?

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: