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Wolf of Wall Street: Ein tiefer Blick in das soziopathische Tun von Aktien-Dealern …

Foto: Thorben Wengert - pixelio.de

Foto: Thorben Wengert – pixelio.de

Mir sagte gerade Jemand:

Ich habe mal über die Bankenmanager gelesen, die sagen: Wir stellen keine guten Menschen ein, die Arschlöcher sein können, sondern Arschlöcher, die auf guter Mensch machen können. Wortwörtlich. Und: Wir muten unseren Kunden alles zu bis zu dem Punkt, an dem sie kurz davor sind, vor uns wegzulaufen. Wenn man weiss, wer uns regiert, kann man es auch einfach auf die Politik übertragen.

Dieses Jahr kam ein Film in die Kinos, der mir einen guten Einblick in diese Bänkerzockerwelt gegeben hat, zumal ich selbst einschlägige Erfahrung mit solchen Typen gamacht habe: sie kommen absolut seriös und angenehm daher und haben keinerlei Skrupel (siehe), dich über das Ohr zu hauen.

Bevor ich lange in die Tasten tippe, möchte ich einen Blogger-Kollegen zu Wort kommen, der wie folgt passend kritisierte:

Jordan Belfort ist der Wolf of Wall Street. Seine Ausbildung zum Börsenmakler absolviert er am New York Stock Exchange. Belfort wird beigebracht, dass Exzentrik und Rücksichtslosigkeit die wesentlichen Erfolgsfaktoren sind, um an der Wall Street erfolgreich sein zu wollen – je nachdem, was unter Erfolg definiert wird. Und je nach Betrachtungsweise wird Belfort tatsächlich erfolgreich – allerdings tatsächlich nicht an der Wall Street, sondern mit dem eigens gegründeten Unternehmen Stratton Oakmont, dessen Geschäfte sich kurz und knapp mit dubios und illegal beschreiben lassen.

Leonardo DiCaprio liefert als Jordan Belfort eine hemmungslose Performance ab. Es gelingt ihm, all die Attribute, die die reale Person Jordan Belfort kennzeichen (und die auch dem stereotypen Börsenmakler zugeschrieben werden), auf die Leinwand zu bringen. Einfach gesagt: Die Hauptfigur des Films ist ein Arschloch. Hier kommt nun also die filmtheoretische Weisheit ins Spiel, dass der Film im Kopf des Zuschauers entsteht. Man kann die Filmfigur hassen. Man kann ihn bewundern. Man kann über ihn lachen. Man kann Mitleid mit ihm haben.

Einige Kritiken werfen dem Film vor, dass er die Machenschaften Belforts verherrlicht. Dies muss jedoch differenzierter betrachtet werden. Wie gesagt, der Film zeigt Belforts Leben als nahezu dauerhaften Rauschzustand. So muss es sich für den realen Belfort vermutlich auch angefühlt haben. Drogenkonsum, Materialismus und viel nackte Haut haben eben diesen verführerischen Duft, den der Film – nicht olfaktorisch, aber visuell – zu vermitteln vermag. Dass dem so viele Menschen verfallen, zeigt, warum Wall Street & Co. so sind, wie sie sind.

Fundstelle: Hassen, bewundern, auslachen oder bemitleiden? (Filmkritik: The Wolf of Wall Street)

Ich selbst sah in diesem Film keine Verherrlichung dieser Abzockermanieren, sondern ganz im Gegenteil wirft er einen schonungslosen Blick auf diese kaputten und Andere kaputmachenden Menschen. Der Trailer bringt recht gut die Stimmung des sehenswerten Films rüber:

Kategorien:Gesellschaft Schlagwörter:
  1. chattison
    August 10, 2014 um 10:52 am

    Der Film ist nur eine Symptombeschreibung.
    Die „Tiefe“ erschöpft sich in der Bandbreite der Darstellung von soziopathischen Aktionen/Reaktionen.
    Die Tiefe, die Ursache der Soziopathie zu erkunden, folgerichtig darzustellen und möglichereise als Sahnehäubchen eine Art Umgangsempfehlung zu bieten, hát er leider vollends verweigert.

    Mit Gordon Gecko (Film „Wall Street“: https://www.youtube.com/watch?v=On_V059Tz0E) wurde ja damals auch so was wie ein Klischeéköder geschaffen, der für hochfunktionelle Soziopathieanwärter mehr Faszination ausstrahlte als abschreckungsdienlich zu sein.

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