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Foodwatch ringt mit den Lobbyisten für bekömmliche Lebensmittel …

Ich habe gerade einen Newsletter in meinem Eingangskorb gefunden, der die  eh schon angegriffene Reputation unserer psychopathischen Konzerne weiter angreift. Die Einen mögen sagen, dass es sie nicht tangiert, da sie schon lange keine Lebensmittel mehr von diesen Konzernen kaufen. Auf der anderen Seite sind wir über unsere Krankenkassen alle miteinander vernetzt. Insofern könnte es helfen, die folgende Nachricht gelesen zu haben, um für sich z.B. zu entscheiden, besser die Finger von Lebensmitteln zu lassen, die in Wirklichkeit keine Nahrungsmittel sind:

Kennen Sie eigentlich die Deutsche Lebensmittelbuchkommission?

Nein? Und Sie wissen auch nicht, was diese Kommission so treibt? Kein Wunder, denn diese Kommission ist extrem lichtscheu: Dass sie niemand kennt, sie im Geheimen tagt und die Protokolle der Sitzungen ebenfalls geheim sind, hat nämlich System. Diese Kommission ist der schlagende Beweis dafür, dass bei uns nicht der Kunde der König im Lebensmittelmarkt ist, sondern die Lebensmittel-Lobby die Regeln diktiert!

Alles halb so wild? Mitnichten! Denn diese Kommission beeinflusst unsere tägliche Ernährung und damit unser tägliches Leben. Sie legt nämlich die sogenannten „Verkehrsbezeichnungen“ für Lebensmittel fest. Zum Beispiel, aus was und auf welche Weise eine Leberwurst hergestellt werden muss, damit sie den Namen „Kalbfleisch-Leberwurst“ tragen darf. Oder ob überhaupt und wie viele Kirschen in einem Tee sein müssen, damit er als Kirsch-Tee verkauft werden darf.

Die deutsche Lebensmittelbuchkommission fasst ihre Entscheidungen im „Deutschen Lebensmittelbuch“ auf über 500 Seiten zusammen. Dieses Lebensmittelbuch müsste aber eigentlich „Anleitung zum legalen Etikettenschwindel“ heißen.

Beispiel 1: Fruchtfüllung und Fruchtcremefüllung
Das Deutsche Lebensmittelbuch sieht vor, dass Fruchtfüllungen aus einem wesentlichen Anteil an Früchten bestehen müssen. Fruchtcreme- oder Fruchtkremfüllungen – wie sie im Deutschen Lebensmittelbuch heißen – hingegen müssen keine Früchte enthalten. Statt der Früchte dürfen Aromen und Farbstoffe Geschmack und Farbe einer echten Fruchtfüllung imitieren. Hätten Sie den Unterschied gekannt? Vermutlich nicht – außer natürlich, Sie gehen stets mit dem Deutschen Lebensmittelbuch unter dem Arm einkaufen.

Wir fragen uns: Warum heißt „Fruchtcremefüllung“ eigentlich nicht „Cremefüllung ohne Früchte mit Aromen und Farbstoffen“? Beispiel 2: Zitronenlimonade

Zitronenlimonade muss absolut nichts mit echten Zitronen zu tun haben. Das Deutsche Lebensmittelbuch erlaubt es Unternehmen, einen Mix aus Wasser, Zucker, Aroma und der chemisch hergestellten zahnschädigenden Zitronensäure E330 herzustellen und als „Zitronenlimonade“ zu verkaufen. Obwohl das Getränk niemals eine einzige Zitrone zu Gesicht bekommen haben muss, dürfen diese gelb und lecker auf dem Etikett prangen.

Wir fragen uns: Warum heißt eine solche Zitronenlimonade eigentlich nicht „Zucker-Wasser mit Aroma und E330 (chemisch hergestellte Zitronensäure)“?

Beispiel 3: Geflügelwürstchen
Wissen Sie, woraus Geflügelwürstchen hergestellt werden? Aus Geflügel. Klar. Aber war Ihnen bewusst, dass „Geflügelwürstchen“ auch Schweinespeck beigemischt wird? Wer aus welchen Gründen auch immer auf Schweinefleisch verzichten möchte, der wird mit der Bezeichnung „Geflügel“ nach allen Regeln der Kunst getäuscht!

Wir fragen uns: Warum heißen solche Geflügelwürstchen nicht einfach „Geflügelwürstchen mit Schweinespeck“?

Der Grund ist einfach: Weil in der Lebensmittelbuchkommission – es ist nicht zu fassen – die Lobbyisten der Lebensmittelindustrie alles blockieren können, was ihnen nicht in den Kram passt. Weil Vertreter von Unilever (Knorr, Becel, Rama, Langnese) und Co. ihren festen Platz in der Lebensmittelbuchkommission haben! Kein Wunder also, dass die Heimlichtuerei dieser Kommission Programm ist. Wenn Sie das genauso unerträglich finden wie wir, dann helfen Sie uns, diese Kommission abzuschaffen – und werden Sie Förderer/Förderin von foodwatch.

Wir bei foodwatch kämpfen dafür, dass in Lebensmitteln drin ist was draufsteht und auch drauf steht was drin ist. Ein selbstverständliches Ziel, möchte man meinen. Aber die Hürden sind hoch! Allein schaffen wir das nicht. Ich bitte Sie deshalb, liebe foodwatch-Interessierte, unterstützen Sie uns, werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch.

Vor einigen Jahren klagte foodwatch, damit die Abstimmungsprotokolle der Kommission offengelegt werden. Schließlich erlässt die Kommission gesetzesähnliche Vorschriften – und diese dürfen nicht in Hinterzimmern mit den Lobbyisten der Lebensmittelindustrie ausgekungelt werden. Leider sind wir damit gescheitert. Aber davon lassen wir uns nicht abschrecken. Doch natürlich kosten Prozesse auch Geld. Deshalb meine Bitte: Unterstützen Sie uns und werden Sie Förderer/Förderin. Ich verspreche Ihnen: Wir werden nicht aufgeben!

Die Industrie darf nicht länger ihre eigenen Regeln machen! foodwatch fordert deshalb die Auflösung dieser Geheim-Kommission und stattdessen die Schaffung einer demokratischen und transparent arbeitenden Institution. Ich bitte Sie, helfen Sie uns dabei! Stärken Sie unsere Schlagkraft durch Ihre Mitgliedschaft. Werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch!

Vielen Dank und herzliche Grüße,

Ihre

Lena Blanken
Kampagnen

P.S.: Geld ist das eine. Die Anzahl unserer Förderer spielt aber auch eine große Rolle, um uns als Organisation Gehör zu verschaffen. Je mehr Unterstützer wir haben, desto leichter können wir Druck ausüben. Deshalb: Werden Sie bitte Förderer/Förderin und kämpfen gemeinsam mit uns für Ihr Recht!

Kategorien:Gesellschaft
  1. hans kreimel
    Juli 28, 2014 um 8:08 am

    diese öko-anarchisten sind genauso schlimm wie die bösen konzerne, die sie anprangern. sie betreiben ein geschäft mit angst und verunsicherung, kreieren bedrohliche szenarien, je besser umso größer der spendenumsatz. methodisch stehen sie ihren feindbildern um nichts nach. und wir der natur ausreichend entfremdet werden von ihnen hin und her gehetzt wie batteriehühner auf einer weide.

  2. chattison
    Juli 28, 2014 um 10:01 am

    Es wurde doch schon x-mal aus unterschiedlichster Richtung darauf hingewiesen, dass eben bewusster Konsum und Verzicht die Lösung sind?

    Ein Konzern bezieht seine Machtstellung ausschließlich aus seiner Umsatzgröße!
    Kauft nix bei ihm, gebt ihm keine Kohle und Schluß mit lustig.

    Ja, das erfordert ein gewisses Maß an Aufwendung:
    – man muss sich informieren, welche Marken wem gehören
    – man muss sich informieren, was ein Produkt tatsächich beinhaltet und inwiefern diese mit Risiken verknüpft sein könnte
    – man muss sich vielleicht entquemen und von Geschäft zu Geschäft tigern, um zu bekommen, was man meint für sich verantworten zu können
    – man muss vielleicht einfach seinen Grundkonsum reduzieren, um sich höherwertige Lebensmittel, die diesen Namen auch verdienen, leisten zu können (die meisten fressen eh zuviel, kaum einer, der weiß, wieviel Kalorien er tatsächlich braucht und dies auch einigermaßen beachtet)
    – man muss vielleicht einfach seine Verwertungseffizienz von Lebensmitteln steigern, indem man lernt, sich anders zu bewegen, seine Atmung gezielt für die verbesserte Verstoffwechselung einzusetzen und dergleichen mehr
    – man muss vielleicht einfach mal gucken, ob es nicht möglich ist, in Teilen Selbstversorger zu werden oder sich zusammen zu schließen in Kollektiven (ohne Zwangsneurose)
    – kann fortgesetzt werden

    Wenn einem die eigene Gesundheit nichts wert ist, das Beschäftigen mit sich und seinem Körper zuviel abverlangt, wer´s lieber maximal bequem hat – der soll sich halt vorsätzlich verfetten, vergiften und an sich verrecken?!
    Dann soll er aber auch nicht rumpetitionieren und rumjammern, sondern still vor sich hin siechen.

    Wo liegt das Problem?

    Food-watch?
    Jeder ist sein eigenes Food-watch, verdammt nochmal!

    • federleichtes
      Juli 28, 2014 um 5:25 pm

      „Es wurde doch schon x-mal aus unterschiedlichster Richtung darauf hingewiesen, dass eben bewusster Konsum und Verzicht die Lösung sind?“

      Die, die Lösung (für sich) praktizieren, sind für die, die mit KZN gestempelt wurden, bestenfalls Verrückte. Tatsächlich sind sie jedoch Volksfeinde, weil sie nicht im Modell des Systemwahns mitwirken. Der nicht-kämpfende Autarke ist das schleichende Gift, viel schlimmer als der wütend proklamierende Anarchist.

      Die „normal“ Arbeitenden haben die Systematik nicht begriffen, in der sie wirken und die in ihnen wirkt. Sie glauben, indem sie entlohnt werden, impliziere das auch, sie hätten etwas Wertvolles (oder Leistungsadäquates) geleistet. Aber sie leisten nur das, was man von ihnen verlangt, und beschimpfen andere für die Ergebnisse ihrer fehlenden Selbstverantwortung.

      Die, die Gesellschaft und den Menschen maßregelnden Systeme (Kirchen-, Staats-, Unternehmer- und Managertum) versagten nicht zuletzt wegen ihrer Maßlosigkeit – allerdings nicht unter dem Gesichtspunkt, die Menschheit auszuradieren. Bitte sehr, radiert mal sauber weiter. Natürlich vorbildhaft. Damit nur Wenige auf die Idee kommen, die Art und Weise ihres „Verreckens“ selber bestimmen zu können.

      Gruß und danke.
      Wolfgang

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