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Stimmt das: Ohne Staatsschulden kein Kapitalismus?

Ich misstraue den Politikern schon deshalb,
weil sie nichts anderes tun,
als den Wähler mit seinem eigenen Geld zu bestechen.
Paul C. Martin

Ich fand den folgenden Text am Wochenende und möchte ihn zur weiteren Diskussion in die Runde werfen, haben wir doch schon reichlich Kritik am Konzept des Staates hier formuliert, und weitere Perspektiven helfen noch weiter zu denken …

OHNE STAATSSCHULDEN KEIN KAPITALISMUS

Warum? Weil der Staat sich bekanntlich irgendwie (vor-) finanzieren MUSS.

Ein Wirtschaftssystem ist der Empirie gemäss ein Herrschaftssystem. Jeder Wirtschaftstheorie muss die Machttheorie vorn angestellt werden, und eine Macht strebt per se nach mehr Macht, ist unersättlich und auf Expansion aus, und um dieses Ziel zu maximieren, verschuldet sie sich, auch wenn sie es theoretisch nicht müsste. Sie könnte theoretisch auch aus Idealismus arbeiten, statt arbeiten zu lassen. Aber sie will nicht, denn dann wäre sie keine Macht – DIE Macht.

Wie beginnt denn eine erste (bewaffnete) Macht mit dem Wirtschaften? Mit Gewalt und mit der Waffe, indem sie Schergen (Söldner, Polizei, Militär) anheuert und denen Zahlung auf Termin verspricht, dafür, dass sie ihrerseits Menschen dazu zwingen, Tribut auf Termin zu liefern. Es beginnt also sofort mit Schulden, sowohl bei der Macht selber, als auch bei den Unterworfenen. Der Staat finanziert sich also bereits zu Beginn durch ein Zahlungsversprechen.
Auf die Aktivseite könnte der Staat theoretisch sein Eigentum, die Waffen sowie die Beute aus den Raubzügen einbuchen, aber der Staat bilanziert ja bekanntlich nicht. Vermutlich ist es ihm peinlich, so eine Aktivseite zu zeigen.

Echte Demokratien gab es noch nie. Staatssysteme waren immer Herrschaftssysteme der Mächtigen über die Machtlosen, egal wie sie organisiert waren.

Beispiel, wie der Staat nach der Währungsreform startete:

Der Staat hat Steuereinnahmen auf Termin verkauft.
Dieser „Vorschuss“ ist bis heute nicht zurück gezahlt. Er steht unter Position 8. der Bundesbank-Bilanz mit 4,44 Mrd. Euro als „Forderungen an den Bund“, wird mit 1 % p.a. verzinst und muss Laut Artikel 104 Maastricht-Vertrag ab 2024 in zehn Jahresraten an die Bundesbank getilgt werden, was nur mit Hilfe von zusätzlichen Steuereinnahmen bzw. zusätzlicher Staatsverschuldung (= Vorgriff auf kommende
Steuereinnahmen) möglich ist (Bundesbank 2003, 186).

Wie sähe denn das saldenmechanische Wunsch-Konstrukt der Austrians aus? Der Staat hätte keine Schulden, sondern nur Vermögen, und die Privaten insgesamt hätten im Gegenzug gefälligst gleichviel Schulden zu haben, wie der Staat Vermögen?

Wachstums- und Verschuldungszwang des Staates

a) Droht eine deflationäre Spirale, weil die Privaten sich nicht mehr verschulden wollen oder können, dann springt der Staat als Nachschuldner ein.

b) Bürokratische Systeme und Verwaltungszentren wuchern aus sich selbst heraus. Die zunehmende Arbeitsteilung, Ausdifferenzierung von Arbeit (Outsourcing, Spezialisierung, Permanente Erhöhung der Komplexität durch neue Basisinnovationen) muss vom Staat durch immer mehr Beamten verwaltet werden (immer komplexer werdende Gesetzgebung, Steuergesetze, Unternehmensanforderungen, Kontrolle).

c) Das bessere Bewirtschaften einer Eigentums-Gesellschaft führt immer zu einem Gewinn an Zeit, so dass die Steuer früher als zum Termin an die Macht bezahlt werden könnte. Da die Macht mit einem fixen Steuertermin arbeiten muss, bedeutet der Gewinn an Zeit, dass private Forderungen (in Form von Geld) angehäuft werden, was den Wert der Steuer automatisch senkt. »Dagegen wehrt sich die Macht mit laufend steigender Abgabenbelastung plus zusätzlichem Diskont künftiger Abgaben (Staatsverschuldung) und damit verbundener zusätzlicher Bürokratisierung“ (Zitat Paul. C. Martin).

d) Rüstungswettläufe

e) Rohstoffkriege um das kapitalistische Gewerk weiter am Laufen zu halten

f) Ein Machtsystem steht immer in Konkurrenz zu anderen Machtsystemen, sowohl außerhalb (andere Staaten oder Staatenbünde), was zum Wettrüsten führt, als auch innerhalb – durch Zerfallserscheinungen, die durch Staatsverschuldung (Ausbau der Verwaltungseinheiten und Erkauf der Loyalität) verhindert werden müssen. Letztendlich aber entstehen in großen Reichen immer Machtcliquen im Verwaltungsapparat, die ihr eigenes Süppchen kochen und nur durch Geldfluss (Staatsverschuldung für Verwaltungskosten) ruhiggehalten werden können.

g) Die schlimmsten Staatsverschuldungsexzesse gibt es in einer Demokratie, in welcher die Parteien Stimmen zur Wiederwahl kaufen, siehe Zitat oben.

 

Kategorien:Gesellschaft
  1. chattison
    Juli 8, 2014 um 10:56 am

    Also:

    Es gab bereits Kapitalismus vor dem Staat als Institution.
    Am Anfang standen die Stadt“staaten“, sagen wir mal das sumerische Uruk im damaligen Mesopotamien.
    Dieser Stadtstaat eroberte Tributzonen, die aber nicht „verstaatlicht“ wurden, sondern eben nur tributpflichtige Gewaltreichweiten des erobernden Stadtstaates waren.
    Der Stadtstaat kapitalisierte sich also durch Tribut und Raub.
    Aber „sich kapitalisieren“ ist nicht gleich „Kapitalismus“!
    Kapitalisieren bedeutet grundlegend nichts anderes als etwas verwerten, umwandeln für bestimmte Zwecke.
    Ein Eroberer brauchte „Wertstoffe“, einmal, um eigene diesbezügliche Defizite auszugleichen und zum anderen, um die Machtstruktur die diese Defizitkompensation ermöglichte, strukturell aufrecht und funktionsfähig zu erhalten.
    Kapitalisieren meint es also wörtlich: sich behaupten!

    Kapitalismus bedeutet aber etwas wesentlich anderes:
    Er benötigt nicht nur ein reglementiertes, allgemein verbindliches Geldwesen, sondern auch Banken und – das eigentlich entscheidende unterscheidende Moment – im Kapitalismus ist Geld ein Selbstzweck!
    Dies trifft auf die stadtstaatlichen und selbst noch frührömische Staatsform nicht zu.
    Diese orientierten sich an werthaltigen, begehrten Gütern, die direkt durch Okkupation der Rohstoff-/ Produktionsstätten oder eben die Tributpflicht erworben und verbraucht(!) wurden.
    Geld wird nicht verbraucht, nur getauscht!

    Der erste Staat, der diesen Namen verdient, war das Römische Reich – res publica.
    Hier wurde eingemeindet und der Eroberte Bestandteil des Staates, wobei hier zum ersten Mal auch der Staat nicht nur Pflichten einforderte, sondern dafür auch Rechte anbot.
    Aber Geld wurde erst ab dem 1.Jahrhundert vor Christus zunehmend ein eigenständiger Faktor im Römischen Reich.

    Verbürgte(!) Rechtssicherheit gab es schon vorher unter Hammurabi, aber da ging es nicht wirklich um Bürgerrechte per se, sondern um Normierung von Handelsrechten zum Vorteil des (Stadt)Staates in erster Linie.
    Und die Handelsrechtslegung wiederum diente der Kapitalisierung, also der Behauptung der Vormachtstellung Babylons, aber nicht der wertspeichernden wachsenden Bereicherung selbst.
    Nicht umsonst wird aus diesem Grund auch zwischen Feudalismus und Frühkapitalismus noch im Mittelalter unterschieden!

    So gesehen ist diese These also vom Ansatz her insofern falsch, als sie durch Begriffsverwirrung und Trennunschärfe bei der Gewichtung der historischen Gegebenheiten zum Thema deutliche logische Lücken aufweist.

  2. chattison
    Juli 8, 2014 um 11:06 am

    Nachtrag – Conclusio vergessen:

    Es gab also schon seit den Zeiten von Führungsmachtstrukturen Kapitalisierung zur Behauptung derselben, aber keinen „echten“ Kapitalismus, auch dann nicht, als es echte Staaten gab, die sich unter anderem mit Geld behaupteten.

    Kapitalismus gibt es erst seit dem Auftreten von klassischem Bankenwesen, wo Geld Selbstzweck wird und die Feudalmacht durch die Finanzmacht abgelöst wird (siehe schönes Beispiel Karl V. und Jacob Fugger!).

  3. Juli 9, 2014 um 6:04 am

    Hat dies auf Forum Politik rebloggt und kommentierte:
    Staatsschulden und Kapitalismus

  4. Cource
    Juli 11, 2014 um 8:40 am

    Wohlstand und Kapitalismus schließen sich gegenseitig aus– Wohlstand macht frei und unabhängig–man kann es sich leisten verkürzt zu arbeiten, geht früher in Rente oder hat es nicht mehr nötig jeden schlecht bezahlten Job anzunehmen– nur durch eine gezielte Verarmung/Lohndumping kann man jetzt wieder jeden zwingen für’n Apel und nen Ei zu malochen

  5. Juli 11, 2014 um 8:45 am

    Von unserem Blog-Begleiter, von dem wir vermuten müssen, dass er ein Troll ist, kam gerade diese Nacht noch:

    Es gibt zwei Formen der Demokratie: 1.) Jene die auf der Freiwilligkeit (Freiheit) basiert 2.) Diejenige die die eigenen Ziel autoritär b.z.w. totalitär umzusetzen Gedenkt (Politik als Ideal). So, jetzt solltet ihr auch die Entscheidungen bezüglich der Finanzsysteme verstehen.

    Ich verstehe zwar nicht, was da nun zu verstehen sei, mag aber auf meinen neuen Artikel zum Thema „I.W.F = Ich WILL Freiheit“ hinweisen:
    Planet des Ungehorsams – pure Anarchie

  6. Juli 11, 2014 um 9:53 am

    Sie schreiben:

    Wie sähe denn das saldenmechanische Wunsch-Konstrukt der Austrians aus? Der Staat hätte keine Schulden, sondern nur Vermögen, und die Privaten insgesamt hätten im Gegenzug gefälligst gleichviel Schulden zu haben, wie der Staat Vermögen?

    Die Austrians sind eben nicht für Schuldgeld, sondern Warengeld resp. frei wählbares Geld. Sie aber denken in Schuldgeld.

    Droht eine deflationäre Spirale, weil die Privaten sich nicht mehr verschulden wollen oder können, dann springt der Staat als Nachschuldner ein.

    Da jegliche Zurückhaltung von Geld – IM SCHULDGELDSYSTEM – die Schulden unrückzahlbar macht (darum ist ja auch die Kreditmenge immer kleiner als die Geldmenge, was Creutz nicht versteht: http://userpage.fu-berlin.de/roehrigw/creutz/geldsyndrom/kap11.htm), wie Sparen, Reserven, Kassahaltung oder auch Abschreibungen auf Krediten, kann ja nicht einfach neuer Kredit vergeben werden, weil so sowohl Kredite als auch Geldmenge steigen und das Problem nicht gelöst wird. Darum springt da der Staat ein mit zusätzlicher Verschuldung, denn seine Schulden werden nicht unter Krediten, sondern unter Wertschriften verbucht und das Spargeld wird damit wieder „in die Wirtschaft“ gepumpt. Das ist auch der Grund, weshalb der Staat seine Verschuldung nicht abbauen kann und lieber das Geld dazu ver(sch)wendet, die Bürger zu bestechen.
    @ chattison
    Haben Sie als Geschichtskenner vielleicht eine Lösung betreffend des unlösbaren Problems gemäss Paul C. Martin: http://tinyurl.com/o5k6hfr ?
    Weitere Infos: https://sites.google.com/site/geldsystemfolien/

    • chattison
      Juli 14, 2014 um 1:43 pm

      Das Problem:
      Die Geschichte von Staat und vom Geld ist zuallererst genau das – eine Geschichte, vulgo Historie.
      Mit anderen Worten:
      Das, was wir über kulturelle Kontexte zu wissen glauben, entnehmen wir ausschließlich irgendwelchen Berichten von irgendwelchen Personen, die alle nicht mehr befrgt werden können bezüglich möglicher Interpetationsirrtümer oder der Verfolgung subjektiver Absichten mithilfe der niedergelegten „Zeugnisse“ der Vergangenheit.
      Kurz:
      Über kulturellen Kontext der älteren Vergangenheit (also außerhalb der letzten 3 Generationen) wissen wir nichts außer dem, was wir an Exzerpten von Überlieferungen in medialer Form (Schriften, Kunstwerke, Relikte u.ä.) mitgeteilt bekommen haben bzw. glauben so verstanden zu haben, weil wir annehmen, dass unsere Interpretation plausibel genug sei, um als historische Wahrheit gelten zu können.

      Mithin ist der Konjunktiv alleiniges Aushängeschild für die postulierte Vergangenheit.
      Ob das reicht?^^

      Weiter:
      „Geschichte“ ist überwiegend wie vornehmlich Ergebnis von zentralistisch orientierten Machtstrukturen, die damit die Absicht verfolgen, sich einerseits dadurch im Anspruch zu legitimieren und andererseits dadurch den weiteren Verlauf entscheidend zu prägen, indem sie durch „Überlieferung“ diese zur Grundlage künftiger Entscheidungen machen.

      „Geld“ wiederum ist Machtsubstrat und Bindemittel für Machtgefüge seitdem Metallen eine besondere Bedeutsamkeit zugeschrieben wurde.
      Denn bereits in den allerersten Anfängen wurde die Abhängigkeit eines Konsumenten von seinem Lieferanten mehr als deutlich und somit zum Machtfaktor.
      Der bereits steinzeitlich verbürgte Handel von Rohstoffen mit Bedeutung für den kulturellen Status einer Gemeinschaft belegt dies deutlich, wie ich meine.

      Was bedeutet das hinsichtich der angesprochenen Problematik (Staat, Kapitalismus, Schulden, Geld etc.)?

      Es bedeutet, dass das Staatswesen seit jeher eine Abhängigkeitsverwaltung darstellt, die durch Abhängigkeit von kulturellen Rohstoffen (in abstraktester Form im „Geld“ repräsentiert) seine macht daraus gewinnnt und dadurch erhält.

      Das Geldwesen ist also nicht reformierbar, sowenig wie ein Staatswesen, da beide direkt proportional voneinander abhängig sind und, egal in welcher Verkleidung von -ismen sie daher kommen, immer prinzipiell dasselbe bedeuten: Abhängigkeit zum Zwecke der Macht.

      Solange das nicht wirklich verstanden und akzeptiert wurde, braucht man diesen Gegenstand nicht weiter verhandeln, da man sonst einfach nur in den Kannibalenkessel steigt und sich mit den anderen Insassen über die auskömmliche Kochtemperatur und die favorisierten schmackhaften Zutaten streitet, wobei doch letztlich alle im Topf als Fraß enden?!

      Fazit:
      Solange das Wesen von Macht durch die Ohnmächtigen nicht verstandesgemäß reflektiert wird, sind alle Diskussionen zum Thema nur Bindefäden fürs Wickelfleisch…

      • federleichtes
        Juli 14, 2014 um 3:02 pm

        Das Problem, das Menschen demonstrieren, formuliere ich vereinfacht, oder, wenn Guidos letzte Einlassungen stimmen, beschränkt, als wahnhaften Geist, der sich zu manifestieren versteht.

        Da kommt ein Klapskopp und sagt, da ist ein Grenze. Ein anderer Klapskopp malt ein Schild und sein Bruder stellt es auf. Da kommt ein Klapskopp und sagt, das ist Recht. Ein anderer Klapskopp kommt und schreibt ein Gesetz. Sein Großneffe mauert derweil, von allen guten Geistern verlassen, an einem Verließ.
        Aber damit nicht genug. Der akive Klapskopp-Clan ist kollektiv verbandelt mit dem passiven Klapskopp-Clan, der glaubt, was geschrieben steht und folgt, was befohlen wurde.
        Auch damit nicht genug. Es gibt Menschen, die über das Zusammenwirken von Größenwahn und Schwachsinn nachdenken und schreiben.

        „… sind alle Diskussionen zum Thema nur Bindefäden fürs Wickelfleisch…“

        Wer die Roulade ein Mal aufwickelte, entdeckte vielleicht das Geheimnis der Lüge. Und irrt seitdem planlos in der Natur herum. Wir machen das morgen gemeinsam mit einer Freundin, in Münster auf den Feldern der relativen Unberechenbarkeit. Relativ, weil wir ganz sicher keinen einzigen Gedanken und kein einziges Wort investieren werden in das wirklich Wichtige des Lebens. Für das Schneidern der neuen Kleider des Kaisers lassen wir der Kompetenz den Vortritt.

        „Solange das Wesen von Macht durch die Ohnmächtigen nicht verstandesgemäß reflektiert wird, …“

        Dazu fällt mir der Sanktnimmerleinstag ein.

        Als gestern Nacht nicht mehr gebrüllt und getrötet wurde, rief ich Susanne an: 3:1, wir sind Weltmeister. Ich bin kein Weltmeister, sagte sie. Wie ich auf die Idee des 3:1 kam: Nebenan wurde drei Mal Tor gebrüllt und ein Mal Scheiße. Ja, ja, die alten Gemäuer taugen zu klarer Kommunikaton halt nicht so wirklich.

        Danke und Gruß
        Wolfgang

        • chattison
          Juli 14, 2014 um 4:55 pm

          „Es gibt Menschen, die über das Zusammenwirken von Größenwahn und Schwachsinn nachdenken und schreiben.“

          Ich halte es für ein überlebensnotwendiges Übel, sich mit Größenwahn und Schwachsinn in Konkordanz und deren Auswirkungen zu beschäftigen – nicht, um diese zu verändern oder zu vernichten etc., sondern um selbst der Veränderung und Vernichtung durch diese – sei es, dass man beginnt denselben durch nachlassende Achtsamkeit anheim zu fallen, sei es, dass man diese in ihrer bösartigen Reichweite unterschätzt hätte – zu entgehen.

          Das ist definitiv möglich und darum aus meiner Sicht sinnvoll.
          Sinnvoll insofern, als man sich keinerlei Angst mehr einjagen, einimpfen, einbleuen lässt und sich den diversen Zwängen dieser Angstmanager zu entziehen vermag, auch wiederum, ohne deswegen Angst zu haben.

          Um in einem Seminar zum Thema irgendwann mal zu versinnbildlichen, was es damit auf sich hat, habe ich den „Quippuman“ ins Leben gerufen, argestellt als Knäuel von gordischen Knoten aus Daten, Informationen, Konditionierungen, Bedingungen etc..
          („quippu“ = Knotenschnursystem der Inkas zur Codierung und Decodierung von Daten https://de.wikipedia.org/wiki/Quipu).
          => erst wenn die letzte „Bindung“, der letzte „Knoten“ (der durch Daten, Informationen entstanden ist) gelöst ist, entsteht Angst- u. Zwangsfreiheit…

          Die Bindung an Muster, gleich welcher Art, schafft diejenige Form der Unfreiheit, die Angst auslöst vor Veränderungen, Andersartigem, Unbekanntem und, um sich vor diesem Terror-Trio zu bewahren, Zwänge entwirft, die als Mauer aus Regeln, Normen, Gesetzen Schutz vor dem Terror-Trio verspricht.
          Genau so gut könnte man aber auch ein Gefängnis unter diesem Aspekt umdeklarieren zu einer Rettungsinsel vor dem Außen.^^

          Aber wem erzähl ich das….

          Stichwort „St. Nimmerleinstag“:
          Im Englischen wird das umschrieben mit „until the cows come home„.
          Also unmöglich ist das nicht, dass Kühe freiwillig in einen Stall zurück gehen^^
          Wenn´s draußen nix mehr zu fressen gibt, brüllend heiß ist oder saukalt, der Blitz die Herde serienweise dezimiert – dann dackelt der eine oder andere Spalthufer schon mal in die schützende Hornviehgarage.

          Wenn man jetzt Hornviehgarage mit Verstandeswerkschuppen oder Ratioreparatur-Raststätte gleich setzt, macht es wieder Sinn^^

          Allerdings wird sich der überwiegende Rest mal wieder in die Stampede flüchten und einfach losrennen und alles niederwalzen, was im Weg steht, bis der ausgepowerte Haufen kollektiv kollabiert.
          Das einzig Gute daran ist, dass so eine Stampede, wenn schon nicht die inneren, so doch die äußeren Zäune niederreißt…

          Dann kommen die Ratio-Rinder aus ihrem Versteck und vernichten hoffentlich erst mal alles Gerät zum Zaunziehen und rammen jeden ungespitzt in den Boden, der es trotzdem versucht.

          Und ein bißchen science-fiction darf auch mal sein, denn ohne jegliche Hoffnung kann man gleich selber den Sarg von innen zunageln.
          Aber besucht dann noch Rohrsänger & Co.???

      • Juli 14, 2014 um 3:06 pm

        Danke!

  7. Juli 11, 2014 um 1:17 pm

    Hier nochmals eine Antwort unseres vermutlichen Trolls:

    Ich erkläre es noch mal: Typen wie Du die andere als Trolle oder sonst was beschimpfen und in Schubladen einsortieren, brauchen eine Art von totalitärer Demokratie basierend auf sanfter Gewalt und Entmündigung. Anders kann man Recht und Ordnung überhaupt nicht aufrechterhalten. Ihr versteht ja nicht mal die grundlegenden historischen Entwicklungen und das lässt für die Zukunft nur das aller schlechteste Vermuten. Viel Spaß dann noch mit eurem Schweinestaat. 🙂

    Nun wird die Gesinnung etwas deutlicher. Interessant, dass eine von uns bevorzuge Herrschafts- und damit Gewalt-freiere Gemeinschaft als Schweinestaat empfunden wird.

    Und dann kamm noch:

    Ich finde bevor ihr über freiheitliche Lebensweisen nachdenkt solltet ihr erst einmal grundlegende Begrifflichkeiten definieren und diese dann in die Praxis umsetzen. Dazu gehört: 1.) Demut und 2.) Verantwortungsgefühl 3.) Vernunft. Wenn ihr dann damit fertig werdet, können wir uns daran machen ein Gesellschaftssystem zu entwickeln das diesen Prinzipien gerecht wird. So in 2344 Jahren 🙂

  8. federleichtes
    Juli 14, 2014 um 5:55 pm

    „Ich halte es für ein überlebensnotwendiges Übel, sich mit Größenwahn und Schwachsinn in Konkordanz und deren Auswirkungen zu beschäftigen – nicht, um diese zu verändern oder zu vernichten etc., sondern um selbst der Veränderung und Vernichtung durch diese – sei es, dass man beginnt denselben durch nachlassende Achtsamkeit anheim zu fallen, sei es, dass man diese in ihrer bösartigen Reichweite unterschätzt hätte – zu entgehen.

    Das ist definitiv möglich und darum aus meiner Sicht sinnvoll.
    Sinnvoll insofern, als man sich keinerlei Angst mehr einjagen, einimpfen, einbleuen lässt und sich den diversen Zwängen dieser Angstmanager zu entziehen vermag, auch wiederum, ohne deswegen Angst zu haben.“

    Die Bongobingotrommel schrei(b)t: Jetzt weiß ich, warum Trommeln unerlässlich ist.
    Ja, es geht nicht anders.

    Was die De-Chiffrierung betrifft, paßt sie zu meiner Sicht, es ginge dem Leben um das Knacken eines System(code)s

    Was das System betrifft, fällt mir manchmal echte nix mehr ein.

    Sengende Hitze, das Pferd auf einer mit Matsch bepflanzten Koppel, freie Sicht auf eine große, saftige Weide, auf der sich diverse Kollegen grasend tummelten. Schaust du auf dieses Pferdebild, ohne die Umstände zu kennen, denkst du, es sei verrückt.
    Auf Kreta schrieb ich anlässlich des Anblicks eines schutzlos in der Sonne stehenden, angepflockten Esels eine Geschichte, die endete mit dem Wort: Helden.

    Am Rande des Schwachsinns und außerhalb jeglichen Größenwahns entdeckte Susanne ein Kind der Singdrossel.

    Als Susanne fotografierte, hampelte es auf dem Ast umher, als ich mich näherte, saß es stocksteif, schockiert wohl von meinen Gedanken um dieses Thema. Tscha, so’n Vogel scheint einfach zu blöd zu sein.

    Da ich selber bereits von Verzagtheit befallen war, drücke ich für Ihren Text gleich mal auf die Fetttaste.

    Herzlich
    Wolfgang

  1. Juli 7, 2014 um 6:40 pm

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