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Kapitalismuskritik: Manifest gegen die Arbeit

Antreiben

Motivation zur Arbeit …

Der Gauner hatte die Arbeit zerstört,
trotzdem aber den Lohn eines Arbeiters sich weggenommen;
nun soll er arbeiten ohne Lohn,
dabei aber den Segen des Erfolgs und Gewinnes
selbst in der Kerkerzelle ahnen.
[…] Er soll zur sittlichen Arbeit als einer freien persönlichen Tat erzogen werden durch Zwangsarbeit.
Wilhelm Heinrich Riehl, Die deutsche Arbeit, 1861

Auf die Seite krisis – Kritik der Warengesellschaft, auf der ich diesen „Über“-Text gefunden habe …

Kapitalismuskritik heißt für uns: Kritik einer Gesellschaft, die auf Warenproduktion, abstrakter Arbeit und Verwertung des Werts beruht und einer verselbstständigten historischen Dynamik unterliegt, welche im gegenwärtigen Krisenprozess kulminiert. Diese Krise hat einen fundamentalen Charakter. Sie untergräbt nicht nur die Grundlagen der kapitalistischen Verwertung, sondern bedroht zugleich auch die Bedingungen menschlichen Zusammenlebens überhaupt und wirft daher die Frage nach einer emanzipatorischen Aufhebung des Kapitalismus mit neuer Dringlichkeit auf.

… bin ich vor einiger Zeit schon gestoßen und habe interessante Gedanken mitnehmen können. Gestern las ich noch als Nachtlektüre ihr Manifest gegen die Arbeit, in dem es so richtig zur Sache geht, ähnlich wie Nick Mott in seinem sehr kritischen Text “Arbeit” ist per definitionem Sklavenwerk. So findet man in dem Manifest u.a. diese bedenkeswerte Passage:

Zuständig für den lästigen “Humanmüll” sind die Polizei, die religiösen Erlösungssekten, die Mafia und die Armenküchen. In den USA und in den meisten Staaten Mitteleuropas sitzen inzwischen mehr Menschen im Gefängnis als in jeder durchschnittlichen Militärdiktatur. Und in Lateinamerika werden täglich mehr Straßenkinder und andere Arme von marktwirtschaftlichen Todesschwadronen gekillt als Oppositionelle in den Zeiten der schlimmsten politischen Repression. Nur noch eine gesellschaftliche Funktion bleibt den Ausgestoßenen: die des abschreckenden Beispiels. Ihr Schicksal soll alle, die sich bei der arbeitsgesellschaftlichen “Reise nach Jerusalem” noch im Rennen befinden, im Kampf um die letzten Plätze immer weiter anstacheln und selbst noch die Masse der Verlierer in hektischer Bewegung halten, damit sie gar nicht erst auf den Gedanken kommen, gegen die unverschämten Zumutungen zu rebellieren.

Doch auch um den Preis der Selbstaufgabe sieht die schöne neue Welt der totalitären Marktwirtschaft für die meisten nur noch einen Platz als Schattenmenschen in der Schattenwirtschaft vor. Sie haben sich als Billigstarbeiter und demokratische Sklaven der “Dienstleistungsgesellschaft” den besserverdienenden Globalisierungsgewinnlern demütig anzudienen. Die neuen “arbeitenden Armen” dürfen den restlichen Business-Men der sterbenden Arbeitsgesellschaft die Schuhe putzen, ihnen verseuchte Hamburger verkaufen oder ihre Einkaufszentren bewachen. Wer sein Gehirn an der Garderobe abgegeben hat, kann dabei sogar vom Aufstieg zum Service-Millionär träumen.

In den angelsächsischen Ländern ist diese Horror-Welt für Millionen bereits Realität, in der Dritten Welt und in Osteuropa sowieso; und in Euro-Land zeigt man sich entschlossen, den bestehenden Rückstand zügig aufzuholen. Die einschlägigen Wirtschaftsblätter machen jedenfalls längst kein Geheimnis mehr daraus, wie sie sich die ideale Zukunft der Arbeit vorstellen: Die Kinder der Dritten Welt, die an verpesteten Straßenkreuzungen die Scheiben der Autos putzen, sind das leuchtende Vorbild “unternehmerischer Initiative”, an dem sich die Arbeitslosen in der hiesigen “Dienstleistungswüste” gefälligst zu orientieren haben. “Das Leitbild der Zukunft ist das Individuum als Unternehmer seiner Arbeitskraft und Daseinsvorsorge” schreibt die Kommission für Zukunftsfragen der Freistaaten Bayern und Sachsen. Und: “Die Nachfrage nach einfachen personenbezogenen Diensten ist umso größer, je weniger die Dienste kosten, und das heißt die Dienstleister verdienen.” In einer Welt, in der es noch menschliche Selbstachtung gibt, müsste diese Aussage den sozialen Aufstand provozieren. In einer Welt von domestizierten Arbeitstieren wird sie nur ein hilfloses Nicken hervorrufen.

Was passiert, wenn wir uns in Selbstbestimmtheit des Unternehmers meinen zu befinden, stellt Prof. Byung-Chul Han in seinem Buch Müdigkeitsgesellschaft als DAS Krankheitsbild unserer Zeit klar, siehe meine kurze Rezension: Selbstausbeutung: das neue Leiden des 21. Jahrhunderts?

Da gefallen mir doch sehr die Gedanken von Prof. Dr. Marianne Gronemeyer, die sie in ihrem Artikel Wie viel Arbeit braucht der Mensch? bewegt. Auch interessant Ihr Einwurf: „Wer arbeitet, sündigt.“:

Und das passende Werkzeug, die Peitsche wie im Bild ob, wurde uns ausgerechent von Rot-Grün mit dem unsäglichen Sklavengesetz Hartz IV (SGB II) beschert, siehe Das Hartz-IV-System als moderne Sklaverei gehört beendet!

 

  1. federleichtes
    Juni 26, 2014 um 2:35 pm

    Dass Themen Gefühl brauchen, war mir bisher nicht so geläufig – brauchen sie nicht Emotionen, um Geist thematisieren zu können? Also, thematisieren wir mal weiter.

    „Roland Baaders Traum
    Mein Traum

    von Roland Baader
    (Entnommen seinem Buch „Kreide für den Wolf“, 1991)

    „Ich träume von einem vollbesetzten Bundestag (wohl nur bei Abstimmung über Diäten-Erhöhung möglich).
    Plötzlich erhebt sich einer der Abgeordneten, allen anderen als aufrechtes Mannsbild bekannt, und tritt ans Mikrofon. Lange schaut er schweigend ins Hohe Haus, bis gespannte Stille eingetreten ist. Dann sagt er:

    Meine Damen und Herren: Ich bin ein glühender Anhänger des demokratischen Rechtsstaats; ich bekenne mich zur freiheitlichen, individualistischen und christlichen Kultur, Tradition und Zivilisation des Abendlandes und der freien westlichen Welt. Und genau aus diesem ernsten Grund sage ich allen hier versammelten Volksvertretern, allen Parteien, Politikern und Regierungsmitgliedern: Ich brauche Euere Subventionen und Transferzahlungen nicht; ich will nicht Euer Kinder-, Mutterschafts- und Sterbegeld, nicht Eure tausend Almosen und milden Gaben, die Ihr mir vorher aus der Tasche gezogen habt – und mir und meinen Kindern noch in fünfzig Jahren aus der Tasche ziehen werdet. Ich brauche keine subventionierte Butter, kein Quoten-Rindfleisch und keine preisgarantierte Milch, keine EG-genormten Planwirtschafts-Erbsen und keine ministergelisteten Medikamente; ich brauche keinen Schwerbeschädigten-Ausweis für meine Plattfüße und keinen Almosen-Freibetrag für meine pflegebedürftige Großmutter, auch keine Kilometerpauschale und keinen Kantinen-Essensbon über eine Mark-dreißig. All‘ Euere Wahlfang-Pfennige und -Scheine könnt Ihr Euch an den Hut stecken.

    Aber: Laßt mich dafür auch in Frieden. Ich bin nicht Euer Buchhalter, Statistiker und Belegsammler, der die Hälfte seiner Lebenszeit damit zubringt, Euere Schnüffel-Bürokratie zu befriedigen, der von einem Paragraphen-Knäuel zum anderen taumelt und sich wie eine gehetzte Ratte durch alle Kanalwindungen Euerer kranken Steuergehirne windet. Schickt Euer Millionenheer von Faulärschen und parasitären Umverteilern nach Hause, Euere Vor- und Nachdenker moderner Wegelagerei und Strauchdiebeskunst, Euere Bataillone von Steuerfilz-Produzenten, Labyrinth-Pfadfindern und Paragraphen-Desperados, Euere Funktionärs-Brigaden von Verordnungs-Guerilleros und Stempelfuchsern, all‘ die nutzlosen Formularzähler und Arbeitsverhinderungs-Fürsten. Laßt mich einen festen, eindeutigen und ein-für-alle-mal fixierten Steuersatz zahlen, und bezahlt damit eine angemessene Verteidigungs-Armee und ein verläßliches Rechtswesen, aber haltet Euch ansonsten heraus aus meinem Leben. Dies ist mein Leben; ich habe nur eines, und dieses eine soll mir gehören.

    Ich bin niemandes Sklave, niemandes Kriecher und niemandes Liebediener. Ich bin ein freier Mann, der für sein Schicksal selbst und allein verantwortlich ist, der sich in die Gemeinschaft einfügt und die Rechte anderer genauso respektiert wie er seinen eigenen Pflichten nachkommt, der aber keine selbsternannten Ammen und scheinheilige Gute Onkels, keine ausbeuterischen Wohltäter und von mir bezahlte Paradiesverkünder braucht. Was ich brauche, das sind: Freunde, Familie und rechtschaffene Christenmenschen, in guten und in schlechten Zeiten; und ich bin Freund, Familienglied und Christ, auch dann, wenn es anderen schlecht geht; aber dazu brauche ich keine Funktionäre und Schmarotzer, keine bezahlten Schergen und staatsversorgte Wohltäter. Dazu brauch ich nur die mir Nahestehenden und den Herrgott.
    Hier stehe ich. Gott helfe mir! Ich kann nicht anders!“ – “

    http://www.roland-baader.de/

    Der Staat, das real-kapitalisierende, das kapitalisiert-realisierte Ungeheuer?

    Gruß
    Wolfgang

    • chattison
      Juni 26, 2014 um 3:44 pm

      Klingt gut…aber:

      http://susannekablitz.wordpress.com/2014/06/25/sozialismus-ist-tod/

      Das, was unter dem Mäntelchen des sogenannten „Liberalismus“ verkauft wird, ist leider etwas anderes als das, was man intuitiv mit einem solchen „Traum“ assoziiert!

      Susanne Kablitz ist hier nur ein spontan eingefallenes Beispiel.
      Apologeten des Liberalismus sind zuhauf zuvörderst Apologeten der „freien Marktwirtschaft“ und damit Vorreiter einer Kapitalismusform, die uns genau in diejenige Bredouille gebracht hat, die uns jetzt alle stranguliert.

      Der Liberalismus ist sehr weit davon entfernt, eine echte Freiheit zu propagieren, geschweige denn brauchbare Umsetzungsvorschläge anzubieten.
      Der gerne gepflegte „Liberalismus“ erwartet eine politikfreie Entscheidungsbeliebigkeit in unternehmerischen Belangen. That´s it.

      Wie so oft: Grundidee gut – Ausführung mangelhaft.
      Das liegt natürlich nicht an Roland Baader selbst, sondern, an seinen Exegeten.
      Kommt einem bekannt vor?
      Yo, das vermeintliche geistige Erbe wird gerne exzerpiert, verstümmelt oder gar ganz fehlinterpretiert.

      Die rein wirtschaftliche Fixierung lässt sich allein schon daran erkennen:
      Die Verleihung des Roland-Baader-Preises an einen Finanzexperten und Kritiker des geltenden Geldsystems (allerdings nicht des Geldsystems selbst!^^)

      http://www.goldseitenblog.com/peter_boehringer/index.php/2014/02/13/test

  2. Juni 25, 2014 um 7:39 pm

    „Eigentum und Geld sind die Prügel, um auf Kosten Anderer ARBEIT leben zu können.“, so das Fazit dieses Beitrags:

    • chattison
      Juni 26, 2014 um 11:39 am

      Also ich bekenne mich dazu zu den Eseln zu gehören, die erklären wollen, dass Geradeauslaufen im Kreis laufen bedeutet.
      Wer immer auf diesem Erdenrund geradeaus läuft läuft zwangsläufig immer im Kreis^^

      Und egal wie lange und oft man ein Pferd longiert, den Esel am Gängelband anknüpft, sobald die von der Leine sind, geht´s immer geradewegs geradeheraus aus dem Kreis^^

      Das Problem ist also nicht, dass der Esel keine Geradeaus mehr kennt, sondern dass er nicht vom Gängelband gelassen wird!!!

      Ich lerne hier also von der Dame geradeaus zu gehen. Soso.
      Warum soll ich geradeaus gehen? Wo liegt das Ziel? Warum brauche ich überhaupt ein Ziel? Warum soll ich überhaupt gehen?
      Hier jagt leider ein schiefes Bild das nächste.

      Kapitalismus ist übrigens nicht = Marktwirtschaft.
      Kapitalismus bedient sich der Marktwirtschaft.
      Das Feudalwesen ist auch keine Marktwirtschaft und trotzdem Kapitalismus.
      Monopolisierung ist keine Marktwirtschaft, aber Kapitalismus.

      Die Banken sind auch nicht der (Schach-König) und die zinsgestützte Geldwirtschaft ist nicht.
      Mal abgesehen davon, dass der König beim Schach die schwächste Figur ist (schiefes Bild), ist die Krone oder das Szepter auch nicht der König, sondern nur ein Insignium, eben wie die Bank die Insignie des Herrschenden ist.
      Nehme ich dem König Krone und Szepter weg, er bleibt aber auf seinem Thron hocken und hat gefolgsame Untertanen, ändert sich gar nichts.

      Erst das Christentum machte den Sklaven als Menschen sichtbar?
      Doch nur, um ihn in eine sublimere Form der Sklaverei zu überführen.
      Und waren es nicht gerade vornehmlich die christlichen Könige, die den Sklavenhandel und die Unterwerfung ganzer Kontinente forderten und förderten?
      Was soll das?

      „Eigentum und Geld sind die Prügel, um auf Kosten Anderer Arbeit leben zu können.“
      Äh..nicht auf Kosten der Arbeit, sondern aufgrund des Gewinns durch deren Arbeit.
      Eigentum und Geld sind doch keine Prügel, höchstens Leimruten.
      Der Sklave hat doch gar kein echtes Eigentum, wo er doch selber Besitz der Mächtigen ist!
      Und Geld ist doch nur Visa-Werbung: „Die Freiheit nehm´ich mir!“^^

      Ab min.12:00 habe ich aufgehört zu folgen – ist mir persönlich zu konfus geraten, auch wenn ich glaube die Absicht des Beitrages näherungsweise verstanden zu haben, so erschließt sich mir die Art der Gedankenführung nicht wirklich.

      • Juni 26, 2014 um 1:01 pm

        Vielen Dank für Deine sezierenden Gedanken.

        Für mich waren es einfach weitere Impulse, weiter über das Thema von Kapital, Herrschaft, Markt, Sklaven, Mind Control nachzudenken.

        Zumindest brauche ich viele Sichten, um mir ein besseres Gefühl für ein Thema zu erarbeiten.

        VG Martin

        • chattison
          Juni 26, 2014 um 2:51 pm

          Die Kritik richtet sich weder gegen ein Einstellen solcher Videos, noch gegen den Kerngedanken, der darin leider eben sehr ungeschickt angerissn wird – sie richtet sich gegen den Bärendienst, den solche undurchdachten Machwerke der an sich richtigen Sache leisten!

          Wen wird man denn mit so einem Video erreichen?
          Was kann so ein Video tatsächlich verändern helfen?
          DAS ist das Problem eines solchen Videos.

          Es ist das gleiche Problem, das die Montagsdemos heimzusuchen beginnt:
          Zuviele ungeschickte, unprofessionelle Momente und Aspekte, die von dejenigen, die das, grundsätzlich ja wohl hoffentlich nicht zu tadelnde, Thema der Friedensbewegtheit genau damit unterminieren, MISSBRAUCHT WERDEN und mit absoluter Sicherheit viele davon Abstand nehmen lassen werden, wenn dem nicht mit der gebotenen Präsentationsprofessionalität entgegen getreten wird.

          Hitler hat gesagt, der Himmel ist blau. Jetzt sagst Du auch der Himmel ist blau – Du Scheiß-Nazi!
          Selbst wenn ein ausgewiesener Rechtsradikaler sich bei einer Demo für den Frieden neben mich stellt und dafür tatsächlich einzutreten bereit ist, soll ich den dann wegschubsen und sagen: Du gefährdest das Projekt? Deinen Frieden will ich nicht, denn der ist ja dann rechtsradikal?
          Wie saublöd ist das denn?!

          Kann es einen rein linken oder rechtsfreien Frieden geben?
          Natürlich nicht, denn das wäre ein Scheinfriede unter Ausschluss bedeutender Anteile von Andersdenkenden – wie soll denn das funktionieren?
          Dann kann es auch nie Frieden zwischen Israel und Palästinensern geben, weil die ja jeweils anders als die Gegenpartei denken – also lassen wir das doch gleich sein, oder wie?

          Oder meine Nachbarn da ist nicht einer dabei, der so denkt wie ich in politischen Belangen – ja, soll ich jetzt denen die Haustür vor der Nase zuschlagen oder die Reifen zerstechen und auf keinen Fall ein Grillwürstchen teilen?
          Meine Fresse.

          Diese asoziale Bande von pseudoaufklärerischen Medien, die die Montagsdemos (von denen ich kein überzeugter Freund bin, was ich an anderer Stelle bereits ausgeführt habe) mit diesen billigsten Stilmitteln der Verunglimpfung diskreditieren wollen müssen sich doch ganz einfach mal gegenfragen lasen:
          Und, was macht ihr so für den Frieden?

          Das mag alles hinken, schief sein und durchaus teilweise verunglückt, was da so abgeht – aber das Anliegen selbst damit zu stigmatisieren – DAS IST DOCH DER EIGENTLICHE SKANDAL, VERDAMMT!

          Nochmal: Friede ist weder links noch rechts, sonst gibt es nämlich keinen. Basta.

  3. Ikarus
    Juni 25, 2014 um 7:10 pm

    Sehr gut, mir gefällt auch besonders gut chattison’s Ansatz bzgl. der Resonanz der Umgebung. Ich mache mir schon lange Gedanken darüber, ob es vielleicht die althergebrachten, über zig Jahrtausende ausgeübten Rituale, wie zB. das des Erwachsenwerdens sind, die uns verwehrt dazu bringen uns selbst nicht mehr erkennen zu vermögen. Möglich ist es meiner Meinung nach, dass solche bei uns genetisch oder epigenetisch wichtig sind um uns korrekt als Menschen zu entwickeln. Ich werde das Thema im Auge behalten und bin auf weitere Reaktionen gespannt. Ein ausgezeichnetes Thema, Martin.

  4. Juni 25, 2014 um 12:18 pm

    “Sieh Dir einfach an, wofür sich Tiere so vorrangig interessieren; Sie interessieren sich vorrangig dafür, sie selbst sein zu können.“

    Wir EINEN verkörpern die Rollen, die die ANDEREN nicht spielen können, da sie ihrem Wesen treu bleiben müssen, um auszugleichen, was der Mensch bewirkt, indem er selbst seine Rolle als Wesentlich ansieht und den ANDEREN Rollen zuordnet, die sie aber gar nicht verkörpern können.

    Gruß Guido

  5. Juni 25, 2014 um 10:09 am

    In einer Welt, in der es noch menschliche Selbstachtung gibt, müßte diese Aussage den sozialen Aufstand provozieren. In einer Welt von domestizierten Arbeitstieren wird sie nur ein hilfloses Nicken hervorrufen.

    Die Selbst-Entfremdung, die ja auch Programm ist, verhindert die Selbst-Achtung, denn dazu müsste man ja schon wissen wer man wie wirklich zu sein hätte.
    Das, was aber tunlichst gepflegt wird, sind Illusionen von sich selbst, gauklerische Charaden einer vermeintlichen Identität.

    Die „identitas“ („Selbheit“) setzte aber voraus, dass man derselbe sei, der man tatsächlich ist und nicht der, der man glaubt zu sein bzw. der einen glauben gemacht wurde
    Teile und herrsche – heißt nicht nur, trenne die Menschen voneinander, sondern eben auch und besonders: trenne den Menschen von sich selbst.

    Das Delphi-Motto „gnothi seauton“ – „Erkenne Dich selbst“ – stand da nicht zufällig.
    Die Identität = Übereinstimmung, Deckungsgleichheit mit dem faktischen Selbst, dem echten Wesen durch Selbst-Entsprechung im Sein und Handeln ist zwingende Voraussetzung für diejenige Art Zufriedenheit (nein, diesmal nicht Selbstzufriedenheit^^), die wiederum das Kompensationsangebot für den Verlust des eigenen Selbstes über den Konsum und die dadurch nötige Arbeit von selbst verneinen, verweigern lässt.

    Da die Ablenkungsmanöver (vom Selbst ablenkend) massivst eingesetzt werden, kommt es eben auch zu keiner Selbst-Besinnung, die einem die Diskrepanz zwischen Selbst-Erforderlichkeit und Eigen-Entsprechbarkeit vor Augen führte und so die Unmöglichkeit des Heilsversprechens eines Selbst-Surrogats in Form von Konsum (Man definiert sich über das, was und wie man konsumiert) sofort erkennen würde und damit unmittelbar Abstand davon nehmen könnte.

    Solange also die Menschen ja noch nicht mal ahnen, geschweige denn wissen (sich vergewissert haben), wer sie wirklich sind und was sie infolge davon wirklich brauchen und wie sie dies wiederum sich selbst kraft eigenen Vermögens (ungehobener Schatz eigener Möglichkeiten) verschaffen können, wird es keinen systemgefährdenden Aufstand geben.

    Sieh Dir einfach an, wofür sich Tiere so vorrangig interessieren; Sie interessieren sich vorrangig dafür, sie selbst sein zu können.
    Weswegen auch der ausgefeilteste Zoo kein Ersatz für die Wildbahn sein kann, weil er die Wesensresonanz über die Interaktion mit den angestammten Naturbedingungen verweigert.
    Erst über die Resonanz erfährt man ja sich selbst wiederum und kann sich vergewissern, wer man ist und dass man ist, wer man ist.
    Unsere sogenannte „Kultur“ ist eine einzige Resonanzverweigerung und Selbst-Unterdrückungsmaschinerie mit maximaler Selbst-Bewusstseinsdämpfung und -trübung.

    Jedes Tier hat das den allermeisten Menschen voraus – die Gewissheit, wer und was sie sind.
    Und kein Tier akzeptiert von Natur aus freiwillig Lebensbedingungen, die seinem Wesen nicht zu entsprechen vermögen, besonders, wenn es eine Alternative dazu hat.

    Wenn also wegen „Systemveränderung, -abschaffung“ und Sonstigem immer wieder von „Aufklärung“ gebrabbelt und nach „Aufwachen“ gerufen wird, sollte das eigentlich erst mal für das Bewusstsein des eigenen Wesens gelten und nicht irgendwelchen Systemkenntnissen.

    Im Augenblick sieht es nämlich so aus wie hier:

  1. Juni 25, 2014 um 8:50 am

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