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Eure Kinder sind nicht Euer Besitz, sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst…

Khalil Gilbran (Foto: Wikipedia)

Ich hatte diesen Post vor zwei Jahren schon einmal gebracht und möchte ihn gerne für die neuen Leser nochmals hervorholen. Wir haben in den unterschiedlichsten Artikeln und kommentaren festgestellt, dass in unserer heutigen Welt Mechanismen wirken, die für uns und sie unzuträglich sind, sei es, dass wir unsere Kinder durch unsere Art der Erziehung und Ausbildung verbiegen, oder unsere Umwelt schädigen und unsere Gesundheit damit auf tönerne Füße stellen, stellt sich die Frage, was geändert werden müsste.

Nick hatte in einem herrlich genialen Kommentar zum freien Willen festgestellt, dass das Einfachste wäre, wenn wir anstelle des MACHENs lieber LASSEN würden. Karin Desai hatte zur gleichen Zeit auf Facebook zum Thema der Kindererziehung in einem Kommentar den obigen Titel hinterlassen. Neugierig geworden, habe ich dieses geniale Gedicht von Khalil Gibran gefunden, das zumindest klar macht, was unsere Kinder sind und was wir deshalb besser lassen sollten:

Von den Kindern

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch Euch aber nicht von euch,
und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen.
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen,wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen Eure Kinder als lebende Pfeile abgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und Er spannt euch mit Seiner Macht,
damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Lasst Euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

  1. Mai 12, 2012 um 11:42 am

    Welch‘ große und wunderschöne Aufgabe haben wir Eltern…
    Und wie schön ist es, diese „Pfeile in die Zukunft“ dann ohne Trauer fliegen zu lassen 🙂
    Mögen wir ihnen starke Flügel mitgegeben haben!

    • Mai 12, 2012 um 11:54 am

      Ja, Solveigh, dem möchte ich mich anschließen:
      Starke Flügel für das eigenverantwortliche Wirken hin zu einer starken, nachhaltigen Gemeinschaft und nicht wie in den letzten Jahren im Sinne eines möglichst effizienten Lohnarbeiters für die Profitmaximierung.
      LG Martin

  2. Mai 12, 2012 um 12:07 pm

    Wir diskutieren nun schon länger darüber, was es denn brauchen würde, damit die Kriege, die Armut und die Gewalt an Mensch, Tier und Umwelt der Vergangenheit angehören. Das obige Gedicht zeigt uns, dass wenn wir unseren Kinder Gewalt durch Gehorsam antun, wir genau deshalb diese gewaltsame Welt erzeugen.

    Verwunderlich wirkt es, wenn wir aber doch schon seit fast hundert Jahren die Charta der Menschenrechte haben uns seit Ende des letzten Jahres auch noch die Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten hinzugekommen sind, warum wir dann beobachten müssen, dass der Verfall unserer Gemeinschaften immer schneller zunimmt und nicht eine Stärkung beobachten können.

    Beim Ersten Lesen dieser Menschenpflichten würde ich meinen, dass sich doch nun alle Menschen im Sinne der Gemeinschaft zuträglich verhalten können sollten, wenn man sich an die Artikel hielte, oder?

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    Die Würde aller Menschen ist zu wahren

    Das grundlegendste Mittel gegen Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit sind die allgemeine Anerkennung und vorbehaltlose Verteidigung der Menschenrechte sowie die umfassende Akzeptanz der Würde aller Menschen, ihrer unveräußerlichen Freiheit und Gleichheit und ihrer Solidarität untereinander bestens beschrieben in den allgemeinen Menschenpflichten.

    Die universellen Menschenpflichten

    Den Vereinten Nationen und der Weltöffentlichkeit zur Diskussion vorgelegt vom InterAction Council:

    Präambel

    Da die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte die Grundlage für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt ist und Pflichten oder Verantwortlichkeiten (responsibilities) einschließt,
    da das exklusive Bestehen auf Rechten Konflikt, Spaltung und endlosen Streit zur Folge haben und die Vernachlässigung der Menschenpflichten zu Gesetzlosigkeit und Chaos führen kann, da die Herrschaft des Rechts und die Förderung der Menschenrechte abhängen von der Bereitschaft von Männern wie Frauen, gerecht zu handeln, da globale Probleme globale Lösungen verlangen, was nur erreicht werden kann durch von allen Kulturen und Gesellschaften beachtete Ideen, Werte und Normen, da alle Menschen nach bestem Wissen und Vermögen eine Verantwortung haben, sowohl vor Ort als auch global eine bessere Gesellschaftsordnung zu fördern – ein Ziel, das mit Gesetzen, Vorschriften und Konventionen allein nicht erreicht werden kann, da menschliche Bestrebungen für Fortschritt und Verbesserung nur verwirklicht werden können durch übereinstimmende Werte und Maßstäbe, die jederzeit für alle Menschen und Institutionen gelten, deshalb verkündet die Generalversammlung der Vereinten Nationen diese allgemeine Erklärung der Menschenpflichten. Sie soll ein gemeinsamer Maßstab sein für alle Völker und Nationen, mit dem Ziel, dass jedes Individuum und jede gesellschaftliche Einrichtung, dieser Erklärung stets eingedenk, zum Fortschritt der Gemeinschaften und zur Aufklärung all ihrer Mitglieder beitragen mögen. Wir, die Völker der Erde, erneuern und verstärken hiermit die schon durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte proklamierten Verpflichtungen: die volle Akzeptanz der Würde aller Menschen, ihrer unveräußerlichen Freiheit und Gleichheit und ihrer Solidarität untereinander. Bewußtsein und Akzeptanz dieser Pflichten sollen in der ganzen Welt gelehrt und gefördert werden.

    Fundamentale Prinzipien für Humanität

    Art. 1 Jede Person, gleich welchen Geschlechts, welcher ethnischen Herkunft, welchen sozialen Status, welcher politischen Überzeugung, welcher Sprache, welchen Alters, welcher Nationalität oder Religion, hat die Pflicht, alle Menschen menschlich zu behandeln.

    Art. 2 Keine Person soll unmenschliches Verhalten, welcher Art auch immer, unterstützen, vielmehr haben alle Menschen die Pflicht, sich für die Würde und die Selbstachtung aller anderen Menschen einzusetzen.

    Art. 3 Keine Person, keine Gruppe oder Organisation, kein Staat, keine Armee oder Polizei steht jenseits von Gut und Böse; sie alle unterstehen moralischen Maßstäben. Jeder Mensch hat die Pflicht, unter allen Umständen Gutes zu fördern und Böses zu meiden.

    Art. 4 Alle Menschen, begabt mit Vernunft und Gewissen, müssen im Geist der Solidarität Verantwortung übernehmen gegenüber jeden und allen, Familien und Gemeinschaften, Rassen, Nationen und Religionen:
    Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.

    Gewaltlosigkeit und Achtung vor dem Leben

    Art. 5 Jede Person hat die Pflicht, Leben zu achten. Niemand hat das Recht, eine andere menschliche Person zu verletzen, zu foltern oder zu töten. Dies schließt das Recht auf gerechtfertigte Selbstverteidigung von Individuen und Gemeinschaften nicht aus.

    Art. 6 Streitigkeiten zwischen Staaten, Gruppen oder Individuen sollen ohne Gewalt ausgetragen werden. Keine Regierung darf Akte des Völkermordes oder des Terrorismus tolerieren oder sich daran beteiligen, noch darf sie Frauen, Kinder oder irgendwelche anderen zivilen Personen als Mittel zur Kriegsführung mißbrauchen. Jeder Bürger und öffentliche Verantwortungsträger hat die Pflicht, auf friedliche, gewaltfreie Weise zu handeln.

    Art. 7 Jede Person ist unendlich kostbar und muß unbedingt geschützt werden. Schutz verlangen auch die Tiere und die natürliche Umwelt. Alle Menschen haben die Pflicht, Luft, Wasser und Boden um der gegenwärtigen Bewohner und der zukünftigen Generationen willen zu schützen.

    Gerechtigkeit und Solidarität

    Art. 8 Jede Person hat die Pflicht, sich integer, ehrlich und fair zu verhalten. Keine Person oder Gruppe soll irgendeine andere Person oder Gruppe ihres Besitzes berauben oder ihn willkürlich wegnehmen.

    Art. 9 Alle Menschen, denen die notwendigen Mittel gegeben sind, haben die Pflicht, ernsthafte Anstrengungen zu unternehmen, um Armut, Unterernährung, Unwissenheit und Ungleichheit zu überwinden. Sie sollen überall auf der Welt eine nachhaltige Entwicklung fördern, um für alle Menschen Würde, Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit zu gewährleisten.

    Art. 10 Alle Menschen haben die Pflicht, ihre Fähigkeiten durch Fleiß und Anstrengung zu entwickeln; sie sollen gleichen Zugang zu Ausbildung und sinnvoller Arbeit haben. Jeder soll den Bedürftigen, Benachteiligten, Behinderten und den Opfern von Diskriminierung Unterstützung zukommen lassen.

    Art. 11 Alles Eigentum und aller Reichtum müssen in Übereinstimmung mit der Gerechtigkeit und zum Fortschritt der Menschheit verantwortungsvoll verwendet werden. Wirtschaftliche und politische Macht darf nicht als Mittel zur Herrschaft eingesetzt werden, sondern im Dienst wirtschaftlicher Gerechtigkeit und sozialer Ordnung.

    Wahrhaftigkeit und Toleranz

    Art. 12 Jeder Mensch hat die Pflicht, wahrhaftig zu reden und zu handeln. Niemand, wie hoch oder mächtig auch immer, darf lügen. Das Recht auf Privatsphäre und auf persönliche oder berufliche Vertraulichkeit muß respektiert werden. Niemand ist verpflichtet, die volle Wahrheit jedem zu jeder Zeit zu sagen.

    Art. 13 Keine Politiker, Beamten, Wirtschaftsführer, Wissenschaftler, Schriftsteller oder Künstler sind von allgemeinen ethischen Maßstäben entbunden, noch sind es Ärzte, Juristen und andere Berufe, die Klienten gegenüber besondere Pflichten haben. Berufsspezifische oder andersartige Ethikkodizes sollen den Vorrang allgemeiner Maßstäbe wie etwa Wahrhaftigkeit und Fairneß widerspiegeln.

    Art. 14 Die Freiheit der Medien, die Öffentlichkeit zu informieren und gesellschaftliche Einrichtungen wie Regierungsmaßnahmen zu kritisieren – was für eine gerechte Gesellschaft wesentlich ist -, muß mit Verantwortung und Umsicht gebraucht werden. Die Freiheit der Medien bringt eine besondere Verantwortung für genaue und wahrheitsgemäße Berichterstattung mit sich. Sensationsberichte, welche die menschliche Person oder die Würde erniedrigen, müssen stets vermieden werden.

    Art. 15 Während Religionsfreiheit garantiert sein muß, haben die Repräsentanten der Religionen eine besondere Pflicht, Äußerungen von Vorurteilen und diskriminierende Handlungen gegenüber Andersgläubigen zu vermeiden. Sie sollen Haß, Fanatismus oder Glaubenskriege weder anstiften noch legitimieren, vielmehr sollen sie Toleranz und gegenseitige Achtung unter allen Menschen fördern.

    Gegenseitige Achtung und Partnerschaft

    Art. 16 Alle Männer und alle Frauen haben die Pflicht, einander Achtung und Verständnis in ihrer Partnerschaft zu zeigen. Niemand soll eine andere Person sexueller Ausbeutung oder Abhängigkeit unterwerfen. Vielmehr sollen Geschlechtspartner die Verantwortung für die Sorge um das Wohlergehen des anderen wahrnehmen.

    Art. 17 Die Ehe erfordert – bei allen kulturellen und religiösen Verschiedenheiten – Liebe, Treue und Vergebung, und sie soll zum Ziel haben, Sicherheit und gegenseitige Unterstützung zu garantieren.

    Art. 18 Vernünftige Familienplanung ist die Verantwortung eines jeden Paares. Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern soll gegenseitige Liebe, Achtung, Wertschätzung und Sorge widerspiegeln. Weder Eltern noch andere Erwachsene sollen Kinder ausbeuten, missbrauchen oder misshandeln.

    Schluss

    Art. 19 Keine Bestimmung dieser Erklärung darf so ausgelegt werden, daß sich daraus für den Staat, eine Gruppe oder eine Person irgendein Recht ergibt, eine Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung vorzunehmen, welche auf die Vernichtung der in dieser Erklärung und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 angeführten Pflichten, Rechte und Freiheiten abzielen.

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    Nur, warum halten sich gerade die Reichen und Mächtigen genau nicht danach?

    Und genau das scheint das Gedicht klar zu machen. Denn in dem es zeigt, wie wir unsere Kinder sehen sollten, sagt es aus, wie wir derzeit überwiegend genau das Gegenteil tun. Und wir Arno Gruen in seinen Arbeiten zeigt, werden jene Psychopathen und Soziopathen durch eine Erziehung von Befehl und Gehorsam dazu gemacht und dann dürfen wir uns nicht wundern, dass gerade die besonders stark von sich Entfremdeten an den Schaltstellen der Macht sitzen.

    Was aber tun? Mir scheint, dass der einzige Weg, der Hilft ist:

    a) Kein Zulassen von Eigentum, denn alle Ressourcen der Welt gehören Niemandem, sie sollten von allen gemeinsam verwaltet und nachhaltig genutzt werden
    b) Kein Zulassen von Beherrschung, d.h. Vermeidung von Hierarchien, die in sich Korruption beherbergen.
    c) Entscheidungen sollten in den kleinsten Einheiten, den Kommunen getroffen werden. Delegierte und Entscheidungsbefugnisse verhandeln in den Regionen und Ländern.

    Nur mit diesen einfachen Spielregeln sehe ich eine Chance, dass die Verantwortung für eine Gelingen von Gemeinschaft ohne Gewalt auf allen Ebenen des Zusammenlebens von Menschen, Tieren und Natur wieder möglich wird.

    • Mai 12, 2012 um 4:45 pm

      Was aber tun? Mir scheint, dass der einzige Weg, der Hilft ist:

      a) Kein Zulassen von Eigentum, denn alle Ressourcen der Welt gehören Niemandem, sie sollten von allen gemeinsam verwaltet und nachhaltig genutzt werden
      b) Kein Zulassen von Beherrschung, d.h. Vermeidung von Hierarchien, die in sich Korruption beherbergen.
      c) Entscheidungen sollten in den kleinsten Einheiten, den Kommunen getroffen werden. Delegierte und Entscheidungsbefugnisse verhandeln in den Regionen und Ländern.

      Nur mit diesen einfachen Spielregeln sehe ich eine Chance, dass die Verantwortung für eine Gelingen von Gemeinschaft ohne Gewalt auf allen Ebenen des Zusammenlebens von Menschen, Tieren und Natur wieder möglich wird.

      100 % einverstanden.
      Und wir brauchen eine Philosophie, die uns Menschen wieder – ähnlich wie bei den meisten Naturvölkern – in die Natur stellt und nicht an ihre Spitze.

      • Mai 12, 2012 um 11:46 pm

        Silke zitierte zuvor passend:

        Ehe die Vernunft das Podest der Hegemonie erklommen hatte, lebte der
        archaische Mensch
        In einer mystischen Vereinigung mit allen Wesen, fühlte sich wie durch eine Nabelschnur mit ihnen verbunden und hatte Teil an ihrer Natur, wie diese an seiner Natur Teil hatten. Er spürte, dass Steine, Pflanzen und Tiere zu seiner Geschichte gehörten, auch wenn sich das Ganze im Halbdunkel der Urzeit verlor. Das Gefühl universaler Zugehörigkeit und Verwandtschaft bewirkte, dass die Menschen rundum integriert waren; und allen Elementen wurden Achtung und Ehrfurcht entgegengebracht, namentlich den lebenden Wesen und der Erde, die als die Große Mutter verehrt wurde.
        Dies alles geriet in Vergessenheit. Doch der moderne und postmoderne Mensch ist auf der Suche nach dem verlorenen Einklang, den er sich allerdings in der Logik des Alltäglichen (in diesem Punkt sind wir archaisch wie die Menschen von vorgestern), in seinen Träumen, in seinen regressiven und progressiven Utopien wie auch in seiner Phantasie erhalten hat.

  3. Mai 12, 2012 um 11:56 pm

    Aus Sprache ist aggresiv:

    Wie kommunizierten wir in vorsprachlichen Zeiten?

    Achtsam! Sehr achtsam!
    Ohne Sprache wird mehr beobachtet, muss mehr beobachtet werden. Damit geht man mehr auf den Anderen ein, interessiert sich mehr für ihn, erfasst ihn umfassender.
    Es spielen Gesten, Mimik, Körpersprache, Handlungen, Bewegungen, Blicke, Tonfall, etc. eine gewichtigere Rolle.

    Sprache dagegen ‘fährt’ auch schon mal über jemanden drüber, wartet nicht ab, platzt eher irgendwo rein.
    Lärmverschmutzung macht Stress! – Egal ob sie von Geräuschen oder von Sprache herrührt.

    Bemüh’ Dich wieder vermehrt um Stille, um einen achtsameren Umgang mit Deinen Mitwesen.
    Halte Dir den grundlegenden Unterschied von sprachlicher Menschen- und überwiegend stiller Tier- Kommunikation plastisch vor Augen!
    Tierkinder z.B. weinen nicht! Deren Bedürfnisse werden schon vorab erkannt und befriedigt, während wir mittlerweile sogar schon so blöd sind, dass wir an die Existenz von ‘Schrei- Babys’ glauben.

    Hat uns womöglich unsere Sprache erst vom Pfad der Tugend abgebracht?

    • Mai 13, 2012 um 9:22 am

      Nein, das denke ich nicht.
      Denn erst die Sprache machte es möglich, umfassender und detailierter miteinander zu kommunizieren und sich auch über Distanzen hinweg zu verständigen (ohne sich gegenseitig zu sehen), Diese Distanzen wurden im Laufe der weiteren Entwicklung immer größer. Heute kann ich mittels Sprache mit einem Menschen am Nord- oder Südpol kommunizieren, ohne ihn je gesehen zu haben!

      Wenn die Sprache verwildert ist, so liegt das wiederum an der Verwilderung der menschlichen Gesellschaft, die auf der Verwilderung der Wirtschaftsverhältnisse zurück zu führen ist.

      Wir kommen immer wieder auf die selben Ursachen und dieselben Lösungen für die Fehlentwicklungen der verschiedenen Teilbereiche des menschlichen Zusammenlebens zurück…

      Der Sprache nun „Schuld“ geben zu wollen, halte ich für grundsätzlich falsch. Denn sie ist ein Instrument der menschliche Kommunikation und Entwicklung, aber keine Ursache für die menschliche Fehl-Entwicklung.

      Wenn es die Akzeptanz der „Schrei-Babies“ gibt, hat das vielleicht auch mit dem uns eingeimpften „Nutzen“-Denken zu tun? Wir wollen ja nicht zu viel Zeit mit dem Baby verbringen, damit wir Zeit für UNS – und vor allem für die Sklavenarbeit!! – haben?

      Seit wann genau gibt es diese Fehl-Entwicklung? Kann es sein, dass die mit der Industrialisierung zusammen hängt, als die Frauen und die KINDER in der Produktion „gebraucht“ wurden, weil der Lohn des Mannes nicht reichte, um die Familie zu ernähren und weil die Menschen vom Land in die Stadt flohen, weil die Großgrundbesitzer soviele Steuern von den Bauern erpressten, dass sie von den Erträgen ihres Landes nicht leben konnten und diese Großgrundbesitzer sich so das Land dieser Kleinbauern unter den Nagel rissen, wie die Banken sich heute das Eigentum ganzer Staaten unter den Nagel reißt?

      Ich denke, in diesem Ausschnitt des Artikels wurde Ursache und Wirkung völlig auf den Kopf gestellt!

  4. Silke
    Mai 14, 2012 um 1:48 am

    Eigentlich ist es eine Frage des „Sich Einlassens“ auf andere Menschen, nein Lebewesen klingt da eigentlich viel besser, und zwar mit allen Sinnen.
    Intuitiv erkennt man, was der/die Andere braucht. So hat das wohl früher funktioniert, heutzutage sieht das anders aus.
    Man reduziert sich auf den Nützlichkeits-Aspekt. Wischt Gefühle, Gedanken einfach weg.
    Wie schade, denn ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als mir Gedanken zu machen.
    Wird dann ab und an auch philosophisch, aber was soll’s.
    Gerade gestern Abend eine Diskussion zum Thema Transsexualität gehabt, die Meinung einer Ärztin in unserem Bekanntenkreis, kleine Mädchen sind grundsätzlich beliebter bei ihren Eltern und Jungen wollen dann sein wie sie.
    Inwieweit da etwas dran ist, wage ich nicht zu beurteilen.

    • Mai 14, 2012 um 8:49 am

      kleine Mädchen sind grundsätzlich beliebter bei ihren Eltern und Jungen wollen dann sein wie sie.
      Zumindest in unserer Familie war es anders. Mein Bruder war beliebter als ich. Und ich wollte ein Junge werden – daraus schlussfolgernd. Insofern kann diese Aussage also durchaus zutreffen.
      Das hat aber zumindest bei mir (und vor mir viele Generationen lang, denn eine Frau galt ja jahrhundertelang gar nichts) nicht dazu geführt, dass ich lesbisch wurde oder mich als Mann im Frauenkörper fühlte…
      Mit zunehmendem Alter bin ich mir meiner Fraulichkeit und meiner Rolle als Frau bewusst geworden und habe das Frausein bewusst angenommen. Vielleicht erlebe ich durch diese Erfahrung das Frausein auch viel intensiver – eben, weil ich es als Kind nicht wollte…? Und eben, weil ich auf diese Weise auch meine männliche Seite kennen gelernt habe… – und sie noch heute jederzeit „herausholen“ kann…?

  5. Silke
    Mai 14, 2012 um 7:36 pm

    Hallo Solveigh,

    habe ähnliche Erfahrungen gemacht, ein Bruder, zwei Jahre jünger als ich.
    Mein Leben lang suchte ich nach der Anerkennung meiner Eltern, insbesondere meines Vaters.
    Mein Bruder durfte studieren, hat das allerdings in den Sand gesetzt. Mir riet man, also meine Eltern, meine begonnenen Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau zu beenden, dann könne ich ja immer noch studieren.
    Die größte Fehlentscheidung meines Lebens, ich hätte mich durchsetzen sollen, damals..
    Meine Eltern waren zwar liberal, bin in den 60ern und 70ern aufgewachsen, aber so ganz konnten sie sich dem Zeitgeist nicht entziehen.
    Mittlerweile habe ich meinen Frieden damit gemacht, möchte nicht anders sein als ich eben bin.
    Irgendwie ist etwas Wahres dran an dem Spruch: „Leben ist das, was passiert, während man andere Pläne hat.“

  6. Silke
    Mai 15, 2012 um 12:10 pm

    Möchte mal einen Link zu einem bemerkenswerten Interview mit dem Hirnforscher
    Gerald Hüther einstellen, der ziemlich Klartext redet:

    Da geht es um Bildung und Schule.

    Und, ich weiß genau, was er meint.
    Meine Schulzeit war geprägt durch Langeweile, selten Lehrer gehabt, die mich begeistern konnten und meinen Wissensdurst in irgendeiner Weise befriedigen konnten.
    Im gegenteil, sie blockierten mich auf ganze Linie.
    Leider merkte ich das viel zu spät. Heute lebe ich ihn voll aus, aber der Anstoß zur Erkenntnis kam von außen. Da merkte jemand, was mit mir los war und ermunterte mich, traute mir etwas zu und das war sehr beflügelnd bzw. ist es immer noch.

    • Mai 15, 2012 um 7:34 pm

      Ja, so sollte das Lernen Spaß machen!
      Und da haben wir wieder das Dilemma der Profiteure. Einerseits brauchen sie kreative und sich intrinsisch motiviert einbringen können, um innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig müssen sie sich vor diesen Menschen fürchten, da sich kritisch sein werden und erkennen, wie der Hase (siehe Bild Wolfgang heute) läuft …

      • federleichtes
        Mai 15, 2012 um 10:12 pm

        Ich habe hier noch ein Extra-Doppelkaninchen

        für Dich. Die Züchtung – angeblich unter Zuhilfnahme menschlicher Gene – bringt erheblich Vorteile. Nichts geht voran, Bewegungsarmut macht das Tier schneller fett und damit nützlich.

        Wolfgang
        wünscht Dir einen guten Abend.

    • Jan
      September 25, 2013 um 3:32 pm

      So, so, der Hüther also: http://www.zeit.de/2013/36/bildung-schulrevolution-bestsellerautoren

      Mit einem hast du aber vollkommen recht. Es ist „bemerkenswert“

      • September 25, 2013 um 5:45 pm

        Klar, dass eine Systemverteidigungsblatt so diffarmierend argumentieren wird. Mich wundert das nicht.

  7. Mai 15, 2012 um 7:28 pm

    Ein Ring, sie Alle zu knechten.

    Damit ist das Zinsgeld gemeint, das zusammen mit dem Eigentum zu übermäßigen Gier verführt.

  8. Silke
    Mai 16, 2012 um 12:11 am

    Hallo Wolfgang,

    ist das wirklich eine spezielle Züchtung, oder nimmst Du mich hier auf den Arm?

    Sollte das wirklich den Tatsachen entsprechen, dann bin ich mehr als erschüttert.

    Was tun wir unseren Mitbewohnern dieser Erde an?

    Ich wünsche Dir eine gute Nacht.

    Liebe Grüße
    Silke

    • federleichtes
      Mai 16, 2012 um 2:40 am

      Leider, liebe Silke, wäre diese Züchtung – ich habe nur im „richtigen“ Moment den Auslöser betätigt – eines der kleineren Übel von der Vielzahl der Grausamkeiten gegenüber Tieren. Mit meinen (manchmal) bitterbösen Formulierungen versuche ich darauf hinzuweisen.

      Nein, Kinder sind nicht unser Besitz – kein Mensch kann einen anderen besitzen. Dass müssen Kinder frühzeitig von ihren Eltern und in der Schule lernen, und auch, dass man Tiere niemals quälen darf und auch nicht essen sollte. Stattdessen lernen sie von Sklaven, wie sich Sklaven zu verhalten haben. Im Prinzip sind viele Menschen Schaltstellen, die selber unterdrückt werden und das Erlittene an andere weitergeben: Ihre Ohnmacht mit Übermacht kompensieren.

      Ich schrieb es hier bereits:
      „Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen“.
      Aber was für Antworten bekommen sie, welche Vorbilder sehen sie, was wird ihnen angeboten?

      Es ist ein Wunder, das Menschen diesen ganzen Irrsinn ertragen könen, und vielleicht muss ein Wunder geschehen, damit der Albtraum aufhört.

      Eine Lilie für Dich – und liebe Grüße auch an Dich

      Wolfgang

  9. ralf
    Mai 17, 2012 um 5:51 am

    Leitbild

    Im Zentrum stehen unsere Kinder. Wir halten drei Elemente für wesentlich im Hinblick auf die Entwicklung von Kindern. Kinder benötigen Erwachsene als präsente Beziehungspartner und orientierende Vorbilder. Sie brauchen eine tragende Gemeinschaft, in der sie sich geborgen fühlen und Herausforderungen, die sie weder über- noch unterfordern, sondern sie in ihren Stärken und Fähigkeiten bestätigen.

    Um einen Schulort zu gestalten ist es wichtig, dass die Erwachsenen auch für sich ein Umfeld gestalten, in dem sie sich wohl fühlen und entwickeln können. Nur so können sie ihrer Vorbildfunktion gerecht werden.

    Wir verstehen unser Projekt als eine lernende Gemeinschaft aus Eltern, Kindern und Begleitpersonen, die sich an diesem Leitbild orientiert. Wir arbeiten daher eng mit den Elternhäusern und mit außerschulischen Lernorten zusammen.

    Nachfolgende Punkte beschreiben einen Idealzustand, an dem wir uns orientieren und der uns leitet.
    Anerkennung und Respekt

    Grundlegend für unser Projekt ist der Respekt gegenüber allen Lebewesen und Dingen insbesondere der gegenseitige Respekt zwischen allen Menschen. Wir akzeptieren unsere Verschiedenheit. Wir leben eine Kultur des Anerkennens und Willkommenheißens. Das heißt, achtsame Erwachsene bieten eine freundliche Begleitung an, stellen sich zur Verfügung und laden jedes Kind ein, sich ebenfalls in seinen Interessen zu zeigen, aktiv zu handeln und zu lernen. Durch diese Begleitung kann jedes Kind sich täglich neu entdecken und entfalten.
    Offenheit im Kontakt

    Tagtäglich lernen wir, wie wir uns neu begegnen und begleiten können, so dass sich Kinder und Erwachsene in unserem Projekt wohl fühlen. Wir pflegen eine achtsame Kommunikation und Ehrlichkeit im Umgang mit Problemen. Wir begegnen uns freundschaftlich und sind offen im Kontakt.
    Entfaltungsraum

    Wir entwickeln gemeinsam mit unseren Kindern einen zwischenmenschlichen Raum, so dass sich alle geschützt fühlen und sich selbstbestimmt entfalten. Kinder wachsen, wenn ihnen der Raum und die Zeit, die sie dafür brauchen, gegeben wird. Wir schützen die Lernprozesse vor Störungen und bleiben aber gleichzeitig offen für bereichernde Impulse. Unsere individuelle Unterschiedlichkeit sehen wir als eine große Bereicherung.
    Lernen und Entwicklung

    Die Schule ist ein Ort für kognitives, geistiges und emotionales Wachstum. Wir leben eine Kultur des Fragens und der Neugierde. Die Erwachsenen bereiten eine Umgebung vor, die Interesse erweckt und zum Lernen anregt. Wir unterstützen aktiv und altersgerecht die Interessen jedes einzelnen Kindes. Wir sind offen für die vielfältigen Wege menschlicher Entwicklung. Die Schule ist ein System, dass sich permanent weiterentwickelt und erneuert
    Raum für individuelle Lern- und Lebenswege

    Wir hören einander zu. Wir respektieren den individuellen Lebensweg und die innere Dynamik jedes Menschen. Entwicklung und Fortschritt gehören für uns selbstverständlich zum Leben. Wir unterstützen sie in jedem Kind, ohne deren Richtung im Voraus zu bestimmen. Wir ermutigen die Kinder, sich selbstsicher mit ihren Interessen und Impulsen einzubringen und so den gemeinsamen Raum mitzugestalten. Jedes Kind hat so die Möglichkeit, Verantwortung für das Ganze zu übernehmen.
    Freude und Forschungsgeist

    Die Schule ist ein Ort der Freude, des Spiels und des kreativen Forschens. Kinder und Erwachsene öffnen sich für die Abenteuer des Lernens, für das Unerwartete und Unvorhersehbare. Wir benutzen unser Wissen und unsere Kreativität, um Neues zu entdecken.
    Kraft, Stärke und Erfolg

    Wir gestalten einen Raum, in dem alle Menschen ihre individuelle Kraft und Stärke zeigen können, ohne in Konkurrenz miteinander treten zu müssen. Wir stellen unsere Kinder vor Herausforderungen, die weder über- noch unterfordern und machen so Erfolgserlebnisse möglich. Wir fördern Eigeninitiative, Mut und Entscheidungsfähigkeit der Kinder. Wir lehren Kooperation.
    Vertrauen und Zugehörigkeit

    Fortlaufend versuchen wir einander zu verstehen und zu vertrauen. Wir üben uns in der Akzeptanz dessen, was gerade ist. Wir gehen gelassen miteinander um, besonders in Konfliktsituationen. Wir grenzen einander nicht aus. Wir bleiben entspannt und geduldig miteinander. Integration und Teamfähigkeit sind uns sehr wichtig.

    Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir nicht immer unseren hohen Idealen von Bewusstheit und Präsenz entsprechen, so dass es sinnvoll und gut sein kann, auf didaktische Strukturen zurückzugreifen, um den Entfaltungsraum bestmöglich zu gestalten. Im Spannungsfeld zwischen haltenden Strukturen und präsenter Offenheit versuchen wir gemeinsam mit Kindern neue Wege des Lebens und Lernens zu beschreiten.

    Wir betrachten unser Projekt als eine lernende Gemeinschaft, der wir optimale Entwicklungsmöglichkeiten bieten wollen, beispielsweise durch Fortbildungen, interne Supervision und externe Evaluation in Zusammenarbeit mit Partnerschulen.

    Durch einen in immer kürzerem Abstand sich verdoppelnden Wissensbestand tritt die Bedeutung von statischem Wissen mehr und mehr in den Hintergrund. Lebenslanges Lernen wird erforderlich, um mit den schnellen Veränderungen unserer Lebenswelt Schritt halten zu können. Für die Schule bedeutet das, dass der Fähigkeit die eigenen Lernprozesse selbst zu gestalten und zu steuern eine zentrale Bedeutung zukommt (Metakognition). Wichtig dafür ist ein sicherer Umgang mit den klassischen Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen). Wir unterstützen die Kinder darin.

    Eine zentrale Bedeutung in unserer Schule haben Kreativität, Problemlösekompetenz, Konfliktfähigkeit und ganz allgemein soziale und emotionale Kompetenzen. Diese werden immer mehr zu Schlüsselqualifikationen. Daher sind wir überzeugt, dass wir die in unseren Einrichtungen leben und lernenden Kinder gut auf ihre Zukunft vorbereiten.

    Dieses Leitbild wurde leicht verändert und stammt von der Freien Schule Heckenbeck

    • Mai 17, 2012 um 10:50 am

      Vielen Dank für das Einstellen dieses Textes von Dir, Ralf!
      Ich habe mir erlaubt, ihn in einem eigenen Artikel nochmals aufzugreifen:
      Darüber, wie Mensch gedeihen sollte: Das Leitbild der Freien Schule Heckenbeck
      LG Martin

  10. Berthild Lorenz
    September 25, 2013 um 8:42 am

    Problemlösekompetenz – tja, wenn sich doch mehr Menschen darauf einließen, ihren Anteil am Konflikt anzuerkennen und nicht Konflikte zu nutzen, um einen Menschen wegzutreten! Dann wären wir eine andere Gesellschaft! In diesem Land hier sind Menschen, die von Konfliktbneteiligung reden und zum Zusammenkommen einladen, um gemeinsam Klarheit zu schaffen noch immer meistens nicht erwünscht; Mensch will Rächt haben! In Gerüchstsälen wird noch immer im Namen des Volkes Trennendes als Recht erkannt… (A)Eltern kämpfen vor Gericht, in Gerüchtssälen um jeweils „MEIN KIND“ und diese das Gut „Eltern“ Beachtenden haben die Macht, zu vernichten und Richter segnen das ab! Die Definition von WÜRDE -, würde ich sagen -, müssen wir mal in die Gerüchtssäle tragen!
    „Du hast deinen Sohn aber gut erzogen!“, wurde mir mal gesagt und ich erwiderte: „Nein, ich habe ihn nie erzogen; Ich habe ihn einfach leben lassen!

  11. September 25, 2013 um 10:39 am

    Immer wieder begegnet mir dieser gern zitierte Text von Gibran Khalil Gibran. Leider kann ich mich den darin enthaltenen Metaphern weder anschließen, noch kann ich sie wirklich gutheißen. Es ist einer dieser typischen Texte aus der patriarchalen (religiös gefärbten) Denkschmiede, deren starke Worte schlussendlich den einsamen Helden feiern und die wirkliche tiefe Sehsucht des Lebens verschleiert. – Die Sehnsucht, den biologisch angelegten Drang, nach Angehörigkeit und geborgener Gemeinschaft.

    Ich weiß, dass ich mit solchen Hinweisen dem, inzwischen nach allen Seiten offenen (esoterischen), Geist des Mainstreams widerspreche. Inzwischen gilt der Gedanken des Loslassens als innovativ, ja er ist nahezu ein Selbstläufer geworden.

    Unsere ‚Kinder lassen wie sie sind‘ wird noch zu gern missverstanden, sie sich selbst zu überlassen. Das Credo des Loslassens bricht sich an allen Wänden und jede werdende Mutter wird unterschwellig oder plump und direkt von den bekannten Postulate flankiert: nur ja nicht zu vereinnahmend sein; bloß nicht zu übergriffig oder gar klammern; auf jeden Fall recht-zeitig loslassen. Die innere und äußere Freiheit des Kindes zu respektieren bedeutet für viele, es auf ein Leben als bindungslosen, flexiblen Erwachsenen vorzubereiten.

    Allein die Metaphern von Pfeil und Bogen, jagen mir leichte Schauer über den Rücken. >Pfeil und Bogen< ist eine Waffe und Waffen sind zum „Kampfunfähigmachen“, zum Verletzen, zum Töten da. Für mich war immer klar, meine Kinder sollten keine Waffen sein und 'abschießen' werde ich sie auch nicht!.

    Ich bin sehr wohl in der Lage den Heroismus in diesen blendenden Bildern zu verstehen. Auch ich habe mich schon von Gleichnissen aus der maskulinen Vorstellungswelt mitreißen lassen. Es sind meist mächtige Bilder, die an mächtige Gefühle gebunden werden und… die in der Regel keinen Raum für Weiblichkeit und vor allem für Mütterlichkeit lassen.

    Das Kind, ein jeder Menschen neben mir, ist natürlich ein eigenständiges Wesen mit einer unverwechselbaren Einzigartigkeit. Eine jede Mutter, die ein Kind zur Welt gebracht hat, kann das bestätigen. In eine intakte natürliche Lebensgemeinschaft hinein geboren, wird es sein Potential entfalten und der Gemeinschaft zur Verfügung stellen, in der es lebt und an deren Lebenserhaltes mitwirkt.

    Der Mensch wurde zum Menschen, weil Menschenwesen lernten in homogenen Gruppen in einer beständigen und daher nachhaltigen gegenseitigen Verantwortung zu kooperieren. Ihr generationsübergreifendes Fürsorgeverhalten bildet die Grundlage für stabilen Gemeinsinn und verantwortungsbereite Zugewandtheit. Sie entwickelten Altruismen und das, was wir Liebe nennen. Es wäre schön, wenn wir aufhören würden in Gleichnissen zu denken, die einer solitären Auffassung von Menschsein und unterschwelliger Kampfbereitschaft Vorschub leisten. Metaphern, die den schädlichen, unrealistischen, bindungslosen Freiheitsdrang feiern und uns ermuntert in einem schon reflexartigen vorauseilendem Gehorsam unsere Kinder von uns zu stoßen.

    Ja, natürlich sollten wir unsere Kinder lassen wie sie sind. Aber der entscheidende Denkfehler ist scheinbar immer noch, dass geglaubt wird, wir müssten ihnen, damit sie sein können was sie sind, die Geborgenheit, die Schutzwärme und die verlässliche Nähe verweigern. Je mehr geborgene Sicherheit, Zugehörigkeit und Identität ein Kind erfährt, desto mehr Stärke wächst ihm für sein Erwachsenendasein zu. Und so ergibt sich die Frage, welche Art von Stärke wollen wir in unseren Kinder fördern?

    Jedenfalls kommt imho vor der universellen Menschenpflicht erst einmal jede Menge artgerechtes Sein für unsere Kinder, also Menschenrecht!

    Und vielleicht möchte ich auch noch eine andere Frage stellen: woher glaubt ihr, wird der nötige Gemeinsinn, das egalitäre Verständnis und das allumfassende menschliche Verantwortungsgefühl , das wir brauchen um unsere Welt aus den Klauen der patriarchösen Hybris zu lösen, sonst kommen, wenn nicht aus artgerechter Nähebindung und lebensfördernden, intakten Angehörigengemeinschaften ?

    … die obigen Kommentare sind zwar schon mehr als ein Jahr her, aber das musste ich einfach noch anmerken… Danke!

    • federleichtes
      September 25, 2013 um 11:59 am

      Liebe Stephanie,

      vielen Dank für Deine anregenden Gedanken. Grundsätzlich dazu:
      Um einen Elefanten (das Leben) zu erhellen, braucht es viele Lichter – und viele verschiedene Menschen. Ich finde es relativ unwichtig, wer nun gerade wo ein Lichtlein anzündet, sprich, ob die Stoßzähne oder das Arschloch deutlicher sichtbar werden.

      Du schreibst:
      „Die Sehnsucht, den biologisch angelegten Drang, nach Angehörigkeit und geborgener Gemeinschaft.“

      Die Kernaussage lautet: Biologisch, also im Körperlichen Feld, sind informativ Veranlagungen angelegt. (geistig gesehen Enstsprechungen) Es sind einerseits fundamentale Entsprechungen (z.B. der Überlebenstrieb), und andererseits auch das Triebhafte (z.B. Begierden), allgemeiner gesprochen: Das/die Chaos(-macht) und die Ordnung(-smacht)

      Beide Veranlagungen sehe ich im „Männlichen“ und im „Weiblichen“, und neutral beschrieben handelt es sich um informierte Energie, die reaktiv ist und als Frau oder Mann oder im Wesen der Gemeinschaft sich abbildet. Das Leben ist in seiner Grund-Veranlagung für mich nicht teilbar; es sei denn nötig für die Analyse UND damit verbunden einer wieder (erhellten) Zusammenführung = Verbindung. (die ja auf der körperlichen Ebene über den Sexualtrieb so wunderbar angelegt funktioniert)

      Mag es auch oberflächlich klingen, so mag ich doch sagen:
      Das „Weibliche Wesen“ drückt den inneren Zusammenhalt einer Gemeinschaft aus. Das „Männliche Wesen“ den Schutz dieser Gemeinschaft gegen äußere Einflüsse. BEIDE Veranlagungen scheinen mir gleichermaßen bedeutsam, und wir dürfen uns fragen, warum sie veranlagt wurden.

      Aber wir dürfen uns auch nach den Auswüchsen dieser Veranlagungen fragen. Und können beobachten, dass sowohl das Streben nach Verteidigung gegen das von außen Eindringende wahnhaft sein kann, als auch das (inzestuöse?) Streben nach familiärer Reinheit, oder allgemeiner gesprochen, nach Erhalt der Integrität.

      Das Streben des Lebens nach Verteidigung der Integrität (in dieser Formulierung wirken das Weibliche und das Männliche bereits gemeinsam) deutet aber auf eine dem Leben immanente Absicht hin – woraus abzuleiten wäre: Leben entwickelt diese Integrität, WEIL sie nicht vorhanden ist – oder zerstört wurde.

      Das mal in Kürze. Am Abend führe ich mich fort, jetzt erst mal raus.

      Herzliche Grüße sendet Dir

      Wolfgang

  12. federleichtes
    September 25, 2013 um 1:14 pm

    Nein, unsere Kinder sind nicht unser Besitz – und doch könnte wir sie verstehen als ein Geschenk, das wir – gewissermaßen – besitzen. Und zwar, um uns unsere Fähigkeit zur Integrität bewusst, bewusster zu machen, und daran zu arbeiten.

    Ich hatte weder einen Vater, der mich gegen das Außen beschützte, noch eine Mutter, die mehr als ihren Mann beschützen konnte. Aber offensichtlich kam ich beretis als Wesen mit einer gwissen inneren Integrität in diese Welt. Im Gegensatz zu anderen Menschen, die ihr Leben als Erkenntnisweg beschreiben und „freiwillige“ Pendler sind zwischen phantastischen Ansprüchen und dem Orwellschen Dämonenreich.

    Vorgestern erzählte uns eine Freundin von ihrer Freundin und deren autistischem Sohn. Der Sohn hatte zu seiner Mutter gesagt, er mache ihr so große Probleme, und die Mutter hatte geantwortet:
    „Als du noch ein Engel warst, hast du dir Eltern aussuchen können, die mit dir Probleme lösen können“.

    Und so kommen wir immer wieder zu sehr verschiedenen Ansichten und sehr individuellen Betrachtungen, und immer wieder lenkt sich unsere Aufmerksamkeit auf das Musterhafte, das mit EINER Absicht hinter allen Erscheinungen wirkt.
    Das Geeinte zu teilen und das Geteilte (neu) zu einen.
    Es ist der Schritt zurück, Besinnung und Suche nach Verstehen, und folgend eine „neue“ Begegnung, in der das vormalige Erstaunen sich wandelte in eine intensivere Nähe. In diesem Ein- und Ausatmen begegnen sich Frauen, Kinder und Männer nicht nur, um zu lehren und zu lernen – vor allem, das glaube ich, um SELBST zu leben, mit einer Integrität, die sie davor beschützt, gelebt zu werden.

    Gruß
    Wolfgang

  13. September 26, 2013 um 3:04 pm

    Zitat: „BEIDE Veranlagungen scheinen mir gleichermaßen bedeutsam, und wir dürfen uns fragen, warum sie veranlagt wurden…“

    lieber Wolfgang,
    ich frage im Allgemeinen nicht Warum, sondern Wie. Wie und unter welchen Umständen entwickelte sich das Menschsein in seiner immer noch wirksamen Ausprägung?
    Das Warum impliziert schnell mal die stille Hoffnung, es müsse ein Sinn, eine Absicht, dahinterstecken. Gar der Plan eines Schöpfers!
    Als Chaostheorie-Anhängerin gibt es für mich in der Natur keinen Plan oder eine geheime Steuerung.
    Natur ist absichtslos – ein sich selbst organisierendes (nicht lineares) System, ein großer Zufall, eine komplexe Dynamik, was weiß ich…
    Es gibt Ursache und Wirkung und es gibt die Unvorhersehbarkeit, die wir Zufall nennen. Manchmal überlebt eben auch Etwas nur, durch eine dummen Zufall oder weil es nicht störte. Weil die Bedingungen lange stabil bleiben und weil es kein Problem für die Umwelt darstellt und weil es eine Nische gefunden hat. Das gilt im Prinzip auch für Gesellschaftsstrukturen. Die wenigen matriarchalen Gesellschaften, die heute noch existieren, lebten daher bis vor kurzem, kaum behelligt in abgelegenen, für die moderne Machtgier uninteressanten Gebieten. Wehe ihnen, wenn in ihrem Territorium doch vielleicht ein seltenes Erz oder ähnliches entdeckt werden sollte.
    Die patriarchale Denkungsart und die ihr entsprungene Zivilisation hat uns vor allem ein Problem beschert: der Mensch hörte nach und nach auf sich als ein (sendendes und empfangendes) Gemeinschaftswesen zu begreifen. Er wird als bindungsarmes Individuum konditioniert und ist gleichzeitig von einer erdrückenden, anonymen Fülle von Mitmenschen umgeben ist.
    Der Mensch lebte nie solitär (und auch nicht in unnatürlichen Paarkonstrukten). Ein paar Säugetierarten haben einzelgängerische Tendenzen, vor allem die, mit kräftigen Klauen und Reißzähnen oder flinken Pfoten. Andere leben in großen oder kleinen Verbänden – Herden, Rudeln oder in losen Horden (oft auf Bäumen).
    Der Mensch hat in einem, vielleicht einzigartigen, evolutionären Konzept sein Menschsein entwickelt – gestützt auf ein Aufeinander-bezogen-sein in einer homogenen Gruppe. Dieses einmalige geschlossene Gruppenkonzept besteht imho durch den Vorteil eines steten personellen (energetischen) Austausch (und hier im Besonderen in der weiblich-mütterlichen Zugewandtheit) und einer kontinuierlich stattfindenden Interaktion (Kooperation) um die Erfüllung der wichtigsten Aufgabe sicher zu stellen: gemeinsamer, kompetenter Schutz des (hilflosen) Nachwuchses.
    Mit dem Anwachsen der Population und dem Vateranspruch des kampfbereite (gewaltbereite) Mannes kam die tragische Wende. Es entstanden Herrscherhierarchien und die der Vaterlinie zugeordnete Sippe, war ab da immer seltener eine natürlich gewachsene (matrifokale) Lebensgemeinschaft.
    Lebensumstände prägen, „machen“, Menschen. Und unser heutiges Verständnis von „Frau“ und „Mann“ ist schon lange nicht mehr frei und naturgemäß.
    Ein jedes Kind bringt von Anfang an seine Geschlechterzugehörigkeit als Schicksal mit auf die Welt. Es gibt genetische Dispositionen und den persönlichen Pool an Konstitution und Begabung. Was wir davon entfalten können liegt nicht immer in unserem eigenen Ermessen. Unsere menschliche Ausstattung gestattet uns prinzipiell, uns an alle (guten und auch an ein paar suboptimalen) Bedingungen dieser Welt anzupassen. Der Mensch ist ein komplexes gemeinschaftsbezogenes Wesen und diese Herkunftsprägung sollte nicht länger verdrängt werden. Ideologische Spielereien helfen uns meist nicht wirklich weiter.

  14. ralphbuttler
    Juni 20, 2014 um 12:07 pm

    Hat dies auf Auf dem Dao-Weg rebloggt.

  15. EIFREE
    Juni 20, 2014 um 12:11 pm

    Ich kann das nur bejahen und bin etwas sprachlos. Gute Worte

  16. EIFREE
    Juni 20, 2014 um 12:12 pm

    Hat dies auf Dinge die mir gefallen rebloggt.

  1. September 29, 2013 um 4:42 pm
  2. Juni 20, 2014 um 10:02 am

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