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Die Hölle ist des Menschen Zeitbegriff

Und wieder gibt es einen Kommentar von Mr. Chattison, der das Potential für einen neuen Diskussionsstrang hat. Er antwortete auf die Frage :

Woher stammt der Trieb des Menschen, in seiner (archaischen) Vergangenheit zu forschen?

"Keine Zeit!" Das weiße Kaninchen aus "Alice im Wunderland" (Foto: Fox)
„Keine Zeit!“ Das weiße Kaninchen aus „Alice im Wunderland“ (Foto: Fox)

Der Trieb stammt aus dem irreführenden Bedürfnis der Eigenverortung durch Begründung, also das Jetzt aus dem War ableiten zu können und daraus eine Gesetzmäßigkeit erkennen zu könne, die dem Einzelnen dann die Angst vor dem Wird nehmen soll – was natürlich nicht gelingen kann, da das Jetzt sich nicht aus dem War und somit das Wird nicht aus dem Jetzt ableiten lässt, weil “Zeit” gar nicht existiert, bzw. unser Zeitkonzept daneben liegt^^ .

Es verhält sich wie mit der Zahl PI:
Der Kreis, besser: die Kreiszahl beinhaltet buchstäblich ALLES “gleichzeitig”. Die “ältesten” weil “ersten” Zahlenfolgen von Pi scheinen die nachfolgenden hervor zu bringen, dabei waren alle Zahlen schon immer da und nur der Mensch muss mühsam so nach und nach die Zahlenreihenfolge sich erschließen, wobei “Folge” auch verkehrt ist, weil es suggeriert, dass eines aus dem anderen hervorginge und somit eine Ursache-Wirkungs-Kette existierte bzw. eine “Reihenfolge”, die ein Zeitkonzept illusioniert.

PI ist PI – keine “Folge”, keine “Kette” und trotzdem kein “Zufall” auch wenn die errechnete Reihenfolge der Zahlen zufällig erscheint. Das GANZE lässt nur diese eine Zahl genau so zu, wie sie als PI gegeben ist. Das ist demnach ganz gewiss kein Zufall^^

Die “Disponiertheit” als Objekt der Verständnisbegierde ist ebenfalls eine irreführende Verbalisierung, da “Disponiertheit” eine Abhängigkeit von etwas voraussetzt, wobei PI eine absolut unabhängige Zahl ist, da das Ganze von nichts weiterem abhängig sein kann, da es ja selbst alles beinhaltet und hervorbringt^^

Wenn PI und Zeit dasselbe sind, gibt es auch kein mögliches Verständnis für Vergangenheit oder Zukunft, da alles ein unendliches Jetzt ist, eben wie PI – jetzt komplett und unendlich und ohne Zeitverzug zeitlos vorhanden.

Das über Zeitarchäologie versuchte “Inkrementelle Verständnis” ist keines, weil, wie schon im Zen bestens dokumentiert, ALLES JETZT IST. Und so wenig, wie ich in mehreren kleinen Sprüngen einen sehr breiten Graben überwinden kann, so wenig in Verständnisschritten die Kluft zwischen dem tatsächlichen JETZT und dem zeitkonzeptionellen Jetzt/War/Wird.

Erlösung muss demnach auch ein Fakekonzept sein, denn wovon soll man erlöst werden, wenn es keine Schuld gibt (germ: skuld = Vergangenheit!), da es auch keine Zukunft gibt!?

Mit der Zeit verhält es sich wie mit dem Oktavieren von unhörbaren Tönen in den Bereich menschlichen Gehörs:
Die “Zeit” ist eine umgekehrte Oktavierung des Jetzt durch uns, weil wir so unglaublich träge sind und des allumfassenden Jetzt einfach anders nicht gewahr werden können als durch Verlangsamung, Ausbremsen des “hyperschnellen Stillstands der Gleichzeitigkeit”.
Etwa so, wie man durch Abbremsen eines Filmes auf das Bild-für-Bild-Verfahren eine ansonsten zu schnelle Sequenz bewusst erfassen möchte, wobei der Film in Gänze ja auch bereits vollständig vorliegt.

Die Hölle ist des Menschen Zeitbegriff.
Denn erst dieser erzeugt Schuld (Vergangenheit) und Sühne (Zukunft). Nicht umsonst waren die ersten Uhren an Kirchtürmen zu finden – alles klar?^^

Euer Mr. Chattison

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  1. Juni 17, 2014 um 6:14 pm

    Da fällt mir das glücklichste Volk der Erde ein, denn sie kennen kein Wort für Vergangenheit 🙂

  2. Juni 17, 2014 um 10:35 pm

    Afrikanisches Sprichwort:
    “ Wir haben die Zeit und die Europäer die Uhr.“

  3. federleichtes
    Juni 18, 2014 um 3:25 pm

    Konkretisierung scheint keine weit verbreitete Bedürftigkeit zu sein. Nicht nur, dass geistige Klärung Arbeit bedeutet, nein, ahunungsvolle Folgen malen sich scheinbar als Schreckgepenst aus: Dann seine Existenz konkret gestalten zu müssen. Solange eine selbstbestimmte Lebensführung nicht als Fähigkeit erkannt und die Folgen als Erfolg (Geist, der begeistert) gefühlt werden, werden die anderen Konkretisierer, die Kriegstreiber und Existenzvernichter, dem Übel zum Wohl weiter an der Höllen-Uhr drehen. Bitte sehr!

    „Die “Disponiertheit” als Objekt der Verständnisbegierde ist ebenfalls eine irreführende Verbalisierung, da “Disponiertheit” eine Abhängigkeit von etwas voraussetzt, wobei PI eine absolut unabhängige Zahl ist, da das Ganze von nichts weiterem abhängig sein kann, da es ja selbst alles beinhaltet und hervorbringt^^“

    Es gibt Menschen, die von jedweder Entwicklung unberührt bleiben -zumindest den Anschein erwecken. Aus dem Kern dieses Unberührbaren formulieren sich – folgerichtig – Sätze wie:
    „… die alten Aeguepter leben jetzt. Das liegt einzig daran, dass das Leben
    statisch ist,,,“
    Vielleicht ist das, was wir Göttlichen Funken nennen das Unberührbare, vielleicht auch nur eine Seite einer „Null“. Worauf ich hinaus möchte: Verbalisierung soll eine Momentaufnahme sein. Worte drücken aus, was (in einem relativ statischen) Moment empfunden und gedacht werden konnte. WAS empfunden, gedacht und gesprochen wurde, ist die FOLGE einer Disponiertheit – die aus der Vergangenheit entstanden ist. Auch wenn die Worte eine Zukunft beschreiben, beschreibt sie ein Ich, das entstanden ist. und erst entstehen (genau so) musste, um SO beschreiben zu können.

    Der Gedanke an die „lebendige Null“ beschäftigte mich. Wo könnte es einen statischen Punkt im Leben geben. In einem theoretischen Konstrukt in der Mitte einer Wippe, in einer Dynamik in ihrem Ausgangspunkt. In einer doppelten Dynamik, die sich noch vorwärts und rückwärts entwickelt, müsste es diesen Nullpunkt auch geben, jedenfalls für einen Beobachter, der beide Bewegungen bewusst wahrnimmt – aber eben nicht (als Teilnehmer) erlebt, wie sich die Zeitschleife, gleich einer liegenden Acht, um einen imaginären Mittel-(Null-)Punkt wälzt. Möglicherweise handelt es sich noch um mehrere (vorwärts-rückwärts, horizontal-vertikal) sich wälzende „Achten“.

    Ob die Achten den Raum erschaffen oder für die Entstehung und/oder Verifizierbarkeit von Schwingungen verantwortlich sind, und wie man da konstruktiv PI einarbeiten kann, ist mir offen gesagt wurscht. Eine wie auch immer geartete Dynamit (ganz netter Tippfehler – soll natürlich DYNAMIK heißen), muss, MUSS irgendwie zu ihrer Art gekommen sein. Ob wir unterstellen, die Art der Dynamik(en) sei durch einen göttlichen Akt entstanden, oder durch den geheimen Willen eines Schleimpilzes, ist mir ebenfalls wurscht. Ich habe es, seitdem ich lebe, mit dieser Art zu tun, sehr konkret. Und erlebe, dass das, was ich hervorbringe, eben nicht in mir enthalten ist, sondern mir (nur) aktuell begegnet oder mir in der (unabdinglichen)Vergangenheit begegnete. Und mich DANN etwas Konkretes tun lässt.

    Fazit
    Ich repräsentiere systemische und informative Grundveranlagungen. Diese mobilisieren verschiedene Arten von Energie – durch Berührung aus meinem Innen (endogen) und meinem Außen (exogen). Das Merkmal aller meiner (lebenslangen) Aktivitäten, trägt (damit) eindeutig das ‚Merkmal Reaktiv‘. Woraus ich schlussfolgere: DAS Leben IST eine Re-aktion. Eine Bewegung, die durch eine Absicht entstanden sein mag, die als PI oder als PO oder als PA beschreibbar ist, ändert jedoch nichts an der gerichteten (Ordnung) Bewegung, die von einem NULL-Punkt ausgegangen zu sein scheint.

    Gruß
    Wolfgang

  4. federleichtes
    Juni 18, 2014 um 4:12 pm

    Ich lege noch nach. Weil ich mich an das Buch „Zwischen Höllen und Himmeln“ von Friedrich Heer erinnerte.

    Zweifellos gibt es Menschen, die mehr in der Vergangeheit leben, und solche, die mehr in der Zukunft leben. Solche, die noch nie von dem wirklich sehr guten Ratschlag hörten, man solle im Hier und Jetzt leben. Ließe sich postulieren, dass Leben in die Hölle führen kann und auch in den Himmel führen kann? Dann gibt es ein existenzielles Problem, wenn die Hölle der Vergangenheit zu nahe kommt oder/und die Zukunft zu unbestimmt wird. Und dann? Schlägt man die Zeit tot? Oder flüchtet zum Nullpunkt? Verfällt in depressive Apathie oder übt sich in sinnbefreiter Beschäftigung?

    Alles ist Jetzt? Ja, wäre es, wenn es nicht die informative Blockade durch das Trauma gäbe. Alles, das wären dann Daten, der Fundus, der sich erst durch in der Zeit entstandenen Optionen offenbart. Der sich erst graduell durch eine vorherige Fundamentierung offenbaren lässt. Fragen wir nach dem Wert der Aussage ‚Über sieben Brücken musst du gehen. Ist der Grund, die Brücken bauen zu müssen, die Hölle? Ist der Antrieb die Angst vor der Hölle? Oder die erinnerte Angst aus der Hölle? Dürfen wir den Bau der Brücken als das Leben, des Lebens Leistung beschreiben?

    Ob Menschen nun spinnen oder nicht – sie bauen Brücken, sie bauten immer Brücken, immer aus Schweiß, aus Blut. Als Lohn gab’s allerdings niemals Himmel, Gevatter Tod zahlte. Na ja, vermutlich werden die Ersten die Ersten und die Letzten die Letzten bleiben, die glauben, auf der „anderen Seite“ erwarte sie der Himmel, den sie sich bereits im Hier und Jetzt bereiteten.

    Gruß
    Wolfgang

  5. Juni 19, 2014 um 12:14 pm

    Pi ist der Nullpunkt, denn die Null ist ein Kreis. Warum wohl?^^

    Einen statischen Wippenpunkt kann es nicht geben, da er wahlweise eine isolierteLinearität oder eine gesamtsystemische Linearität voraussetzte, die aber nirgends beobachtet und noch nicht mal theoretisch bewiesen werden kann.

    Ein Leben führt also zu nichts, egal ob es reaktiv wäre oder nicht, da das Ergebnis, wie dieser Text, bereits in vollem Umfang existiert und schon immer existiert hat (auf Pi z.B.).

    Da unser Verstand leider in der Regel nur linear überhaupt irgendetwas „checkt“, entsteht eben der Eindruck (wie beim Lesen), dass es da eine Buchstaben-/Wort-/Satz-dynamik gäbe, die zweifelsfrei nicht existiert, weil ein Text keinerlei Dynamik ist, weil er nicht prgressiv entsteht, sondern, längst latent existent, wie eine archäologische Schicht, bewusstseintechnisch Stück für Stück frei gelegt wird.

    Himmel oder Hölle macht sich jeder selbst.
    Und zwar genau dadurch, wie er auf seine Rolle, seinen Text in dem Stück „Himmel und Hölle“ reagiert.
    Das Wort „Ent-Werden“ beschreibt es näherungsweise zutreffend:
    Indem man sich von der Idee des Werdens befreit, wird man erst (vermutlich sich dieser Tatsache bewusst, aber nichts Genaueres weiß man nicht).

    Ein Fraktal kann sich jederzeit ändern, bleibt aber immer ein Fraktal und in seiner Rückkopplung gefangen.
    Der Prozess der Rückkopplung wird als Dynamik illusioniert, ist aber nur ein dynamische Wiederholung des Statischen (der Fraktal-Formel nämlich), also keine echte Dynamik.
    Eine mikroskopische Fahrt ins Fraktal veranschaulicht das ganz gut.
    Es kann ein himmlisches oder ein höllisches Fraktal geben, letzten Endes ist es jeweils dasselbe Fraktal(prinzip).

    Woher nun das Prinzip kommt, warum wir Dynamik sehen, wo eigentlich keine echte ist, warum der eine dies, der andere das darin zu erkennen glaubt – keine Ahnung.
    Ich bin mir allerdings trotzdem ziemlich sicher, dass uns die Antwort nicht gefallen würde, da sie vermutlich in Richtung des jap. MU, indischen Maya, chinesischen WU u.ä. Konzepten ginge.

    Wem das zu abstrakt ist, der stelle sich einfach vor, er wäre eine Sims-Figur in einem PC.
    Nur dass der realitätsgebende Prozessor, mit dem wir es zu tun haben, die Autokatalyse selbst ist…oder so….

    In einem PC-Spiel gibt es auch Himmels- und Höllenergebnisse, beim selben PC, Programm, Spielabschnitt, Spielfigur, Spieler.
    Und alle diese möglichen unterschiedlichen Ergebnisse gibt es von Beginn an.
    Und egal, welche Variation gewählt wurde, das Spiel endet immer.
    Nur das Prinzip, das bleibt.

    • federleichtes
      Juni 19, 2014 um 1:59 pm

      Die Hölle ist des Menschen Zeitbegriff – des Menschen Hölle ist sein Begriff von Zeit?

      Mensch lebt in der Zeit. Er kann ihr Wesen so wenig verstehen wie eine Erbse die Suppe, in der sie schwimmt.

      „… weil ein Text keinerlei Dynamik ist, weil er nicht progressiv entsteht, sondern, längst latent existent, wie eine archäologische Schicht, bewusstseintechnisch Stück für Stück frei gelegt wird.“

      Hört sich für mich an wie „Prozess einer Bewusstwerdung“. EINER, nämlich einer Vergangenheit. Die existiert! Als Wirklichkeit. Sich aber nur als „sich in der Zeit aufblätternde Realität“ zeigen kann. Insofern sehe ich eine natürliche Dynamik walten, die sich zwingend ergibt aus (unbekannten) Daten, die in der und mittels der Zeit (Zeitgeist) zu Informationen werden. Erinnere mich an meine Legozeit. Theoretisch konnte ich ein Häuschen bauen, und ich würde es heute noch bauen, wenn nicht, die, die es immer gut mit mir meinten, nicht weitere Elemente beschafft und mir verfügbar gemacht hätten. Und das, weil ich, hoho, älter geworden war, mehr Geschick entwickelt hatte, reifer geworden war, um kompliziertere Aufgaben lösen zu können.

      Legosteine sind also wie Daten. Sie sind gewissermaßen ein fragmentiertes Datum. In dem eine Systematik steckt: Fort-zu-schreiten. Muss gerade schmunzeln. Gestern war der 18. Juni, heute ist der 19. Juni – ein neues Datum, ein neuer Tag, Start in einen neuen Zyklus – auf der Grundlage alter Informationen. Und von Daten, die bereits informierten und in der Ablage der Ebene landeten, in der (eigentlich) Bewusstsein entstehen sollte. Womit ich an einem entscheidenden Punkt meiner Betrachtung bin. Zwar kommen aus dem Unbewussten wirkliche Daten in die Realität, aber ihr Kommen bleibt nicht ohne Folgen.

      Was Sie Fraktal-Formel nennen, ordne ich in die Systematik ein, auf Grund derer sich existente Daten offenbaren müssen. Sie offenbaren sich, indem sie von Menschen als Verhalten dargestellt werden – woraus ich schlussfolgerte, problem-relevante Daten müssen (auch) Verhalten betreffen. Menschen verhalten sich also, zueinander, miteinander und auch in der Beziehung zu sich selbst. Wie sie sich verhalten, ist relativ unbestimmt, weil sie nicht nur in der Daten-Offenbarungs-Systematik stecken, sondern in zwei weiteren Systematiken: Die der Verarbeitung von Daten zu Informationen, und in der Systematik, die aus Informationen Bewusstsein schafft.

      Es gibt also, nach meinem Verständnis, eine Dynamik, die real nicht sichtbar, aber wirklich (im Sinne von Wirken) ist. Ich verorte die Dynamiken in der Psyche. Dort entscheidet sich auf Grund einer unterbewussten Datenlage, einer Informationslage und einer Bewusstseinslage, ob Mensch Hölle oder Himmel erlebt. Wird er von realen (im Innen und/oder im Außen) feindseligen Daten überfallen, entsteht aus sich subsummierenden Emotionen Hölle; wird er von Bewusstsein, Verstehen und Verständnis, dem Gefühl von Integration erfüllt, betrat er den Himmel.

      Leben ist nicht berechenbar, als individualisiertes Schicksal jedenfalls schwerlich. Im Umgang mit uns selber können wir (nur) gewisse Bedingungen für eine gerichtete Entwicklung schaffen. Im Umgang mit Anderen braucht es nach meinen Erfahrungen Kenntnis über die komplexe psychische Systematik, viel Geduld und – die GEWISSHEIT, dass DAS Leben berechnet IST.

      „… das Spiel endet immer.
      Nur das Prinzip, das bleibt.“

      Beim Schreiben dachte ich an die Anfänge des Schachspiels. Vielleicht waren da nur Bauern auf dem Brett, die kleine Schritte gehen konnten. Bis einer der Spieler bestimmte, einer seiner Bauern könne fortan größere Schritte (Läufer) tun. Ganz gleich, was dieser Spielgeist Schwarz sich im weiteren Verlauf des Spiels weiter ausdenkt, ob er seinen König mit einem Schwert ausstattet und in seinen Türmen die schrecklichsten Waffen versammelt – dass Weiß eine Antwort darauf HAT, ist das oberste, die Schöpfung leitende Prinzip.

      In diesem Sinne.

      Wolfgang

  6. Heinrich Schmitt
    Juni 20, 2014 um 3:50 am

    Wolfgang: … und wenn das Leben selbst die Hoelle ist ? Ganz sicher fuer Menschen in Syrien, im Irak, in Afghanistan und in den Regionalkrankenhaeusern der Philippinen !
    Da hilft die Zahl Pi auch nicht weiter; vielleicht lassen sich mit ihrer Hife Drohnen konstruieren, die dann das Problem auf ihre Weise regeln? Hoelle ist nicht der Umkehrschluss des Guten, Hoelle ist menschengemacht, genau wie Religion – eine Droge.

  7. Juni 20, 2014 um 2:08 pm

    Wie es sich doch manchmal so trifft, da ich nicht an Zufälle glaube sondern eher an Wunder zitiere ich Euch hier mal aus „Ein Kurs in Wundern“.

    „Ich sehe nur die Vergangenheit

    1. Dieser Gedanke ist zunächst besonders schwer zu glauben. Er ist jedoch die Grundlage für alle vorangegangenen.
    -Er ist die Ursache dafür, dass nichts, was du siehst, irgendeine Bedeutung hat.
    -Er ist die Ursache dafür, dass du allem, was du siehst, alle Bedeutung gegeben hast, die es für dich hat.
    -Er ist die Ursache dafür, dass du überhaupt nichts, was du siehst, verstehst.
    -Er ist die Ursache dafür, dass deine Gedanken nichts bedeuten und weshalb sie wie die
    Dinge sind, die du siehst.
    -Er ist die Ursache dafür, dass du dich niemals aus dem Grund aufregst, den du meinst.
    -Er ist die Ursache dafür, dass du dich aufregst, weil du etwas siehst, was nicht da ist.

    2. Alte Vorstellungen von der Zeit sind sehr schwer zu verändern, weil alles, was du glaubst, in der Zeit verwurzelt und davon abhängig ist, dass du diese neuen Vorstellungen von ihr nicht lernst. Doch gerade deshalb brauchst du neue Vorstellungen von der Zeit. Diese erste Vorstellung von der Zeit ist nicht wirklich so sonderbar, wie sie zunächst klingen mag.

    3. Betrachte zum Beispiel eine Tasse. Siehst du eine Tasse, oder lässt du nur deine vergangenen Erfahrungen an dir vorbeiziehen, in denen du eine Tasse in die Hand nahmst, durstig warst, aus einer Tasse trankst, den Rand einer Tasse an deinen Lippen spürtest, frühstücktest und so weiter? Beruhen nicht auch deine ästhetischen Reaktionen
    auf die Tasse auf vergangenen Erfahrungen? Wie sonst würdest du wissen, ob diese Art von Tasse zerbricht oder nicht, wenn du sie fallen lässt? Was weißt du über diese Tasse außer dem, was du in der Vergangenheit gelernt hast? Du hättest keine Ahnung, was diese Tasse ist, wäre da nicht dein vergangenes Lernen. Siehst du sie also wirklich?

    Mein Geist ist mit vergangenen Gedanken beschäftigt.

    1. Dieser Gedanke ist natürlich der Grund dafür, weshalb du nur die Vergangenheit siehst. Niemand sieht wirklich irgend etwas. Er sieht nur seine nach außen projizierten Gedanken. Die Beschäftigung des Geistes mit der Vergangenheit ist die Ursache für die falsche Auffassung von der Zeit, an der dein Sehen krankt. Dein Geist kann die Gegenwart – die einzige Zeit, die es gibt – nicht erfassen. Er kann deshalb die Zeit nicht verstehen und kann
    tatsächlich gar nichts verstehen.
    2. Der einzige gänzlich wahre Gedanke, den man in bezug auf die Vergangen heit haben kann, ist, dass sie nicht da ist. Überhaupt über sie nachzudenken ist daher ein Nachdenken über Illusionen. Sehr wenige haben erfasst, was es eigentlich bedeutet, sich die Vergangenheit bildhaft vorzustellen oder die Zukunft vorwegzunehmen. Der Geist
    ist tatsächlich leer, wenn er das tut, weil er nicht wirklich über etwas nachdenkt.“

    Die Datei flatterte vor ein paar Tagen auf meinen Bildschirm und seither bin ich schwer beschäftigt.

    Liebe Grüße in die Runde
    Martina

    • federleichtes
      Juni 20, 2014 um 4:02 pm

      „Sehr wenige haben erfasst, was es eigentlich bedeutet, sich die Vergangenheit bildhaft vorzustellen oder die Zukunft vorwegzunehmen. Der Geist ist tatsächlich leer, wenn er das tut, weil er nicht wirklich über etwas nachdenkt.”

      Wo läuft denn eine NACHbetrachtung von Vergangenheit und eine VORbetrachtung der Zukunft ab? Im Geist, in einem zeitlosen Geist (von dem – glaube ich – niemand nichts Genaues weiß), der weiß und versteht? Und was geschieht dabei mit einem Verstand/Gehirn, der/dass (so weit ich informiert bin) lebenslang ständig Gedanken produziert? Denkt Verstand, während Geist NUR in der Vergangenheit ist, derweil NUR über die Zukunft nach? Und das VÖLLIG BEZIEHUNGSLOS im Wechslspiel? Von Sein und Nicht-Sein?

      Als das Buch aktuell war, bekam ich es geschenkt und verweigerte mich, das Geschreibe zur Kenntnis zu nehmen. Vielleicht, weil ich bereits schwer beschäftigt war.

      Gegenwart soll also die einzige „Zeit“ sein, die wirklich ist. Was ist denn wirklich? Eine Ordnung? Welche Ordnung? Die der Menschen, aus der sie kamen, oder die, die sie neu entwickeln, oder die, in der sie existieren müssen – wenn sie leben?

      Ich kenne nur eine wirkliche Ordnung, die der Natur. Und fasse mich beschreibend kurz, weil ein Unterschied ohnehin nicht verstehbar, nur dort erfahrbar ist. Auf einem Feld können sehr verschiedene Dinge geschehen. Ein Menschenordnungsleben geht über dieses Feld und erfährt Zeit. Ein Naturordnungsleben lässt das Feld durch sich gehen, und erfährt das Zeitlose. Vielleicht ließe sich das noch erklären, warum das Körperliche des Menschen sich in der Körperlichkeit der Natur neutralisiert. Aber des Menschen Interesse an seinen traumatischen Implikationen und dem Trauma allgemein halten sich ja (selbstverständlich) sehr, sehr in Grenzen.

      Für Einige, die hier intensiv an der Klärung traumatischer Systematiken mitarbeiteten, hatte dies Konsequenzen. Sie folgten, vielleicht intuitiv, einem DEM Leben innewohnenden Begehren, das Trauma aufzulösen – und arbeiteten, gewisserweise folgsam, weil sie einem Roten Faden folgten. Dass dieser den Weg weist, der aus biografischen, kollektiven und geistig bedingten Zwangs-Fixierungen führt, mag zweifelhaft klingen für die, die auf Wunder warten müssen. Die, die während der Wartezeit die Zeit zu vertreiben versuchen. Und meinen, wenn sie eine Pause in der Lebendigkeit machen und die Bedeutung von Zeit nicht mehr spüren können, sei die Bedeutung der Zeit verschwunden.

      Mein nächtliches Telefonat dauerte fast fünf Stunden, und die Vögel sangen bereits, als ich mich erinnert fühlte an eine Arbeit, die noch VOR mir liegt. Ob die Darstellung, wie sich im Zusammenwirken verschiedener Verfahren traumatisch gebundene Energie auflösen kann, hier auf Martins Blog erfolgen wird? Wir werden sehen.

      Gruß
      Wolfgang

      • Mathias
        Juni 20, 2014 um 9:20 pm

        Danke lieber Wolfgang – Du erwähnst das Trauma. Dachte ich bei dem folgenden Satz auch daran, und hielt den Satz für eine gewagte Aussage, wenn sie für sich alleine steht:

        > Der einzige gänzlich wahre Gedanke, den man in bezug auf die Vergangenheit haben kann, ist, dass sie nicht da ist. Überhaupt über sie nachzudenken ist daher ein Nachdenken über Illusionen. <

        So so … „Nachdenken über Illusionen“. Wenn aber die feindseligen Informationen im Traumatisch-Unbewussten körperlich gespeichert ist, so enden hier zunächst einmal ganz schnell die Illusionen, denn die unaufgelösten Informationen im Unbewussten erzwingen zunächst eine entsprechende Bestimmung und ihre „Bildwerdung“.

        „We have finished with the past, but the past has not finished with us“ – als ich den Satz neulich in einem Film den ich mir anschaute hörte, musste ich sofort an das Trauma denken und wie treffend er eigentlich das Trauma beschreibt. Ob Illusion oder nicht ist irrelevant für das Trauma, da geht es erst einmal darum, eine entsprechende Bestimmung erfahren zu müssen, bis die feindseligen Informationen entschärft sind.

        Könnte man nicht sagen das Enttraumatisierung einen Blick in die Vergangenheit geradezu erzwingt, während eine Nicht-Beachtung des Trauma einer Nicht-Beachtung (bzw. Nicht-Verstehen) der Vergangenheit gleich kommt? Ich will damit sagen, dass die zitierte obige Aussage eigentlich nur von Bedeutung ist, wenn die traumatisch-unbewussten Informationen entschärft sind. Bevor das geschehen ist, führen solche Aussagen meiner Ansicht nach nur dazu, dass Mensch noch umso mehr vor seiner eigenen Vergangenheit wegrennt – letztlich natürlich nicht erfolgreich.

        Herzliche Grüße an Dich,
        Mathias

        • federleichtes
          Juni 21, 2014 um 12:14 am

          Du beweist uns hier, lieber Mathias, dass sich mit dem ‚Denken aus dem zentralen Ansatz des Lebens‘ periphere Fragen erfühlen und falsche Antworten erspüren lassen. So läuft das bei mir seit einigen Jahren bei der Verarbeitung von fremden Informationen bzw. Informationen aus fremder Quelle. Wenn Menschen ihre Verwirrungen, deren Grundlagen sie durch Erziehung und Gene erbten, los werden wollen, müssen sie auch das ändern, was sie Falsches denken lässt; gleiches betrifft natürlich ihre Ängste. Dass sich damit auch das Verhalten verändert – und zwar so, dass Leben lebenswerter werden MUSS – scheint Menschen keine Lösung zu sein, weil, weil, weil, ja, weil es zu einfach ist?

          Die erwähnte Aussage ist klar gesagt INSGESAMT Bullshit. Und was die Aussage „Wir haben mit der Vergangenheit abgeschlossen, aber die Vergangenheit nicht mit uns“ betrifft, möchte ich differenzieren. Ob wir überhaupt faktisch mit unserer biografischen Vergangenheit abschließen können, bezwerifle ich, da die Informationen der Geburt und der ersten drei bis fünf Lebensjahre nur sehr schwer zugänglich sind (da muss ein Mensch schon sehr intensiv, wahrhaftig und offen, wagemutig und vertrauensvoll leben, um schlüssige Rückbezüge herstellen, um Ursachen auflösen zu können). Was die Informationen über die kollektiv-archaische Feindseligkeit betrifft, werden Menschen sie niemals los – bis das gesamte Trauma aufgeklärt ist. Bedeutet mir: Solange es menschliches Leben gibt, ist das Trauma nicht aufgelöst.

          „Könnte man nicht sagen das Enttraumatisierung einen Blick in die Vergangenheit geradezu erzwingt, …“

          Enttraumatisierung ist IMMER an der Vergangenheit orientiert. Sie ist für Menschen unausweichlich durch die systemische Konfiguration des Lebens als dramatische Inszenierung, des Miteinanders verschiedener Menschentypen und deren Reife- bzw. Entwicklungsgrade, und durch die Konfiguration Unbewusstsein, Unterbewusstsein und Bewusstsein. Diese Gesamt-Konfiguration ERZWINGT den Prozess, aus Daten (traumatisierte Informationen) Informierendes zu machen.
          Und erzwingt auch, aus dem Informierenden (aus Erfahrungen lernen) Bewusstsein wachsen zu lassen. Das ist der wahre Fortschritt, ein Fortschreiten in der Fähigkeit, Feindseligkeit nicht mehr zuzulassen. Was die Kultur unter Fortschritt versteht, ist im Wahnhaften angesiedelt. Klar, Progression im Zusammenspiel mit Degression, erwähnt nur, um Guidos Harmonie zu würdigen.

          Ich wiederhole hier einen Satz, den ich gestern Nacht (eine wunderbare Nacht) sprach:
          „Wir haben so viel Zeit, wie wir brauchen“.
          Von diesem Standpunkt, der aus einem Gefühl entsteht, sind zeitliche Betrachtungen darüber, wann was wird, völlig überflüssig

          Danke, dass Du wieder in und auf der Spur bist. So gelassen, wie wir mit uns umgehen, ist Zeit ja auch keine Hölle, sondern ein Ort, in dem Vertrauen wohnt.

          Herzliche Grüße sendet Dir
          Dein
          Wolfgang

    • Juni 22, 2014 um 11:48 am

      Ein Teich. Eine Ente.
      Heute hier. Morgen da.
      Ich denke, die Ente muss sich bewegt haben – von hier, nach da.
      Als ich noch mal darüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich mich bewegt habe, nicht die Ente – nämlich gestern vom einen Ende des Teiches die Ente beobachtend, heute vom anderen Ende …

  8. Juni 20, 2014 um 11:52 pm

    “Könnte man nicht sagen das Enttraumatisierung einen Blick in die Vergangenheit geradezu erzwingt, während eine Nicht-Beachtung des Trauma einer Nicht-Beachtung (bzw. Nicht-Verstehen) der Vergangenheit gleich kommt? “

    Woher sonst kommt unserer menschliches Bestreben die Größe des Kosmos festzulegen, ist die Größe doch nichts anderes als die Tiefe des Traumas und die Länge der Vergangenheit, gemessen in Lichtjahren, die Länge der Problematisierung. Dass aktuell vom Konsens derart vehement das Alter des Kosmos mit 13,7 Mrd. Lichtjahren angegeben wird, deutet auf die Nähe zum Zenit der Unordnung hin. Sieht man den Kosmos jenseits unseres Sonnensystems ( Unbewusstsein ) als Unterbewusstsein an, dann schlummern dort in der Tat etliches Potenzial zwecks Vergangenheitsbewältigung und Enttraumatisierung.

    Gruß Guido

  9. Mathias
    Juni 22, 2014 um 12:32 am

    > Ob wir überhaupt faktisch mit unserer biografischen Vergangenheit abschließen können, bezwerifle ich, da die Informationen der Geburt und der ersten drei bis fünf Lebensjahre nur sehr schwer zugänglich sind (da muss ein Mensch schon sehr intensiv, wahrhaftig und offen, wagemutig und vertrauensvoll leben, um schlüssige Rückbezüge herstellen, um Ursachen auflösen zu können). <

    Ja, lieber Wolfgang, das sehe ich ganz ähnlich. Noch ein anderer Ansatz, der Deiner obigen Aussage entgegensteht, ist ja die allgemeine kulturell-geprägte Einstellung dazu: Dort ist man in aller Regel der Meinung, man hätte mit der biografischen Vergangenheit abgeschlossen und es gäbe überhaupt keine zu klärende Problematik. Was war noch einmal ein ziemlich häufiges Muster bei der Entstehung / Weitergabe von Trauma? Die Tatsache, dass wir ziemlich oft traumatische Erfahrungen genau durch jene erlangen, deren Liebe wir so bedürftig sind – also durch die Eltern. Ich könnte mir vorstellen dass diese „zweigleisige“ Wahrnehmung und Ausrichtung unseres Bewusstseins – also die Erfahrung von (oder Sehnsucht nach) liebevoller Zuwendung der Eltern, aber auch Bedingungen, Strafen und Gewalt durch dieselben, auch in Zusammenhang stehen könnte mit einer Bewusstseinsspaltung die Marian hier mal erwähnte (die Frage stellt sich ja mal am Rande, was ist eine „Bewusstseinsspaltung“ und wie geschieht sie überhaupt?).

    Aber, dass die kulturelle Sicht so ist wie sie ist, verwundert im Grunde ja nicht wirklich – denn, wie Du sagst, sind die Informationen der Geburt und der ersten Lebensjahre eben gar nicht oder nur SEHR schwer zugänglich, und somit ist es Mensch praktisch schwer bis unmöglich Rückbezüge herzustellen. Was Rückbezüge anbetrifft hierzu mal ein solches Erlebnis das ich im Alter von 23 Jahren hatte: Mit einem Freund von mir machten wir gemeinsam eine Wildwasserfahrt und kenterten und ich geriet in einen Strudel unter Wasser – keine Ahnung wie lange ich dort unter Wasser war, Zeit gab es jedenfalls nicht so wie ich einer Todesangst ausgesetzt war. Später als wir beide von anderen Booten aufgenommen wurden, berichtete mir mein Freund, das er mich schreien gehört hatte als ich wieder an der Oberfläche nach Luft schnappte, und sagte ich hätte nicht „Hilfe“ gerufen – nein, ich hatte aus aller noch irgendwie vorhandener Kraft „Mutti“ gebrüllt. Daran konnte ich mich nicht erinnern, ich war total erschöpft, mir war kotzübel und ich verspürte lediglich den Nachhall eines verzweifelten Kampfes, der sich auch noch irgendwie verloren anfühlte.

    Dass das Brüllen, und auch das Wort „Mutti“ das ich unbewusst gebraucht hatte, nicht grundlos geschah, verstand ich dann erst Jahre später als ich mich (bewusster) dem biografischen Trauma widmete – da wurde mir der Rückbezug dann völlig klar. Und was sagte mir das dann? Das die Erfahrung der Todesangst im Kampf unter Wasser zwar real – aber gleichzeitig auch eine Restimulierung mit den im Trauma gespeicherten unbewussten Informationen aus frühkindlicher Zeit ausgelöst wurde. Und so wurde mir in der Rückbetrachtung auch noch das „Gefühl eines verlorenen Kampfes“ klar – den Kampf hatte ich ja viel früher verloren, damals als ich darum kämpfte die Zuwendung meiner Mutter nicht zu verlieren.

    Vielleicht ist es diese Erfahrung die mich später erahnen ließ, welche Bedrohungen kleine verkörperte Wesen wohl durchmachen müssen über die sie keinerlei bewusste Informationen haben. Und ich ahnte weiter, dass meine persönliche Erfahrung mir lediglich vorführte, was auf gesellschaftlicher Ebene ganz allgemein in verschiedener Form aber immer systemisch auch abläuft.

    Herzlichen Dank an Dich – auch für die unbewusst wirkenden Anregungen durch welche ich wieder in die Spur fand. So ist das eben, manches kann man erklären – und manches kann man nicht erklären – aber braucht es auch nicht, weil da etwas wirkt das sich dem Verstand entzieht. So in etwa …

    Herzliche Grüße,
    Dein Mathias

    • federleichtes
      Juni 22, 2014 um 2:16 am

      Ja, …

      „Die Tatsache, dass wir ziemlich oft traumatische Erfahrungen genau durch jene erlangen, deren Liebe wir so bedürftig sind – also durch die Eltern.“

      … ich bin hier thematisch am Zug.

      „… und ich verspürte lediglich den Nachhall eines verzweifelten Kampfes, der sich auch noch irgendwie verloren anfühlte.“

      Das ist die gespürte Geist-Systematik (der gnadenlosen Ausbeutung), gegen den man erst mit Bewusstsein über die Systematik gewinnen kann.

      „… auch in Zusammenhang stehen könnte mit einer Bewusstseinsspaltung die Marian hier mal erwähnte (die Frage stellt sich ja mal am Rande, was ist eine „Bewusstseinsspaltung“ und wie geschieht sie überhaupt?).

      Ist gar keine Randfrage, sondern eine sehr zentrale. Die wir nur gemeinsam zu beantworten versuchen können – was geschieht, wenn man einen Ego-Kampf gegen einen mörderischen Macht-Geist nicht gewinnen kann, ihn aber auch nicht verlieren darf. Mein erster Gedanke war, das, was Überlebenstrieb genannt wird, müsse sich (ganz) anders definieren-interpretieren lassen.

      Du, lieber Mathias, beweist, dass ein Mensch, der Unzuverlässigkeit erlebte, diese nicht in die Zukunft tragen muss, sondern sie in Zuverlässigkeit transformieren kann. Beweist, dass aus der Not entstandene Egozentrik sich auflöst, wenn im Kern ein soziales Wesen waltet. Beweist, dass Offenheit in der Weise Öffnung bedeutet, dass traumatische Energie abfließen, Emotionen sich reduzieren und das Gefühl entstehen kann, das ein Wesen aus der Feindseligkeit führt.

      Nun sollte ich wohl beweisen, in der Lage zu sein, zwei aus kosmischer Sicht Randthemen zu formulieren, die für das Made-im-Speck-Bürgertum weniger als das, viel weniger sind: Sinnlos. Na gut, versuchen wir mal, dem „Geier“ an die Eier zu greifen. Demnächst in diesem Theater: Ein Kurs in Wunden schlagen.

      Der 14-Stunden-Tag war durchwachsen – ich bin groggy.

      Herzlich
      Dein
      Wolfgang

    • monikahes
      Juni 22, 2014 um 1:55 pm

      Mathias, ich möchte Dir unbedingt das Buch „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“ von Jean Liedloff ans Herz legen. Es hat mir nochmals die Augen darüber geöffnet, welches große Leid unzähligen Neugeborenen in unserer Gesellschaft angetan wurde und wird – und das dieses Leid ihre gesunde Entwicklung und ihre Glücksfähigkeit fundamental stört und zerstört. Verwehrt wird diesen kleinsten, hilflosen Wesen die Erfüllung eines eigentlich lebensnotwendigen Bedürfnisses, nämlich nach Nähe durch stetigen Körperkontakt mit der Mutter oder einer anderen Bezugsperson. Besonders in den 60er und 70er Jahren wurde hier Unsägliches praktiziert: die sofortige – und vollständige – Trennung von Mutter und Kind nach der Geburt. Die Säuglinge kamen in relativ steriler Umgebung in ihre kleinen Plastikwännchen, wurden selten gestillt, nach der Uhr gefüttert und gewickelt, lagen in den Kliniken hinter Glas, ohne Kontakt zu anderen Familienmitgliedern – für die Kleinen die Hölle, denn sie verstanden ja nicht, warum sie plötzlich so allein gelassen wurden. Auch wenn sich in der Praxis der Entbindung und der zugelassenen Nähe zwischen Mutter und Kind einiges zum Besseren entwickelt hat, ist noch lange nicht genug geschehen, um den Bedürfnissen der kleinen Menschen gerecht zu werden. Immer noch liegen viele von ihnen stundenlang allein in Kinderbettchen, Kinderzimmer, Kinderwagen, auch wenn sie verzweifelt schreien. Warum gibt es so viele Schrei-Babys? Werden sie von der Mutter (Oder anderen Bezugspersonen) allein gelassen, so bedeutet das für sie endgültige Trennung, denn sie besitzen ja keinen Zeitbegriff. Sie können nicht denken, dass die Mutti irgendwann wiederkommt. Sie empfinden in diesen Momenten – manchmal vielleicht auch Stunden – unendliche Sehnsucht und unendliche Verlassenheit. Wird hier gegen die Bedürfnisse der Kinder gehandelt, so wurden/werden auch Mütter dazu angehalten, teilweise auch genötigt, ebenfalls gegen ihr Verlangen zu handeln, ihr weinendes Kind von diese Quälerei zu erlösen. Man soll sich nicht tyrannisieren lassen, man soll vernünftig sein, das Kind hört schon irgendwann auf zu weinen – aber der Preis ist eine große Hoffnungslosigkeit und das Gefühl des Nichtangenommenseins beim Kind. Und ich denke, es bleibt auch nicht ohne Folge für die Mütter, wenn sie sich ihre Gefühle versagen.

      Auch wenn sie irgendwie weiterleben, mag dieses Gefühl in vielen Menschen ihr Leben lang nachhallen und die Sehnsucht nach dem Schutz und der Geborgenheit durch die Mutter bleibt bestehen.
      Ich denke, dieses Wissen kann uns helfen, uns selbst besser zu verstehen. Und ich finde es außerordentlich wichtig, das Wissen um diesen Zusammenhang zu verbreiten, um das Leid der Kinder, die noch geboren werden zu mindern. – Insofern ist der Kampf nicht verloren, es ist wichtig den Menschen (sich selbst, aber auch den Müttern), Mitgefühl für dieses entstandene Leid zuzugestehen. Und es ist von zentraler Bedeutung, was wir von diesem Wissen und Verstehen an nachfolgende Generationen weitergeben. DAS bedeutet für mich gewachsenes Bewusstsein: Das stetige Bemühen, nicht das Leid weiterzugeben, sondern Liebe und Verständnis.

      Zu Deinem Erlebnis bei der Wildwasserfahrt: Leadloff beschreibt in ihrem Buch, wie die Yequana-Indianer, bei denen sie längere Zeit gelebt hat, ihre kleinsten Kinder an das wilde Wasser ihres Flusses gewöhnen. Daran fühlte ich mich erinnert, als ich Deinen Beitrag las.

      Lieben Gruß

      Moni

      P.S.: Ebenfalls empfehlen kann ich die Bücher von Frédérick Leboyer, der sehr viel für eine veränderte Entbindungspraxis getan hat.

      • Mathias
        Juni 22, 2014 um 10:02 pm

        Liebe Moni,

        Du scheinst ja auch zu jenen Menschen zu gehören, die verstehen und FÜHLEN können, was die kleinen Wesen an ungeheuerlichen Bedrohungen über sich ergehen lassen müssen. Das ist in unserer Zeit nicht selbstverständlich – ich glaube man muss wohl auf dem Weg der Enttraumatisierung sein, oder ihn gegangen sein.

        Letztlich sind wir alle in diesen Prozess der Enttraumatisierung eingebunden, natürlich auch die, die noch nichts vom Trauma wissen oder wissen wollen. Und da hast Du natürlich Recht, deswegen ist es so wichtig, dem Trauma gerade auch was kleine Kinder anbetrifft (denn dort nimmt ja alles seinen Anfang), mehr Aufmerksamkeit zu schenken um den Leiderschaffungsprozess zu beenden. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es eine Absicht des Lebens gibt, die sich im „stetigen Bemühen, nicht das Leid weiterzugeben“ ausdrückt – und dazu braucht es in der Tat Aufmerksamkeit, Mitgefühl und ein Verstehen-Wollen der Problematik.

        Parallel zu diesem Thema wird ja gerade auch zum Thema „Bewusstseinspaltung“ geschrieben. Ein Satz den Du hier geschrieben hattest, passt aus meiner Sicht dort hervorragend hin:
        > Und ich denke, es bleibt auch nicht ohne Folge für die Mütter, wenn sie sich ihre Gefühle versagen. <

        Was Du für meine Begriffe damit treffend beschreibst, ist das Dilemma, in dem die Mütter stecken können. Und so gesehen ist mir Bewusstseinspaltung eigentlich eher eine Entfremdung (ein Übergehen, Nicht-Beachten) vom eigenen Gefühl. Ein Gefühl ist mir der natürliche Impuls, der in diesem Falle die Verbindung zwischen Mutter und Kind stärkt und zur Folge hat, dass sich BEIDE verbunden und aufgehoben fühlen. Das diese Verbundenheit von kulturellen Einflüssen stark be- und verhindert wurde, und immer noch wird, davon erzählen ja die Beispiele die Du erwähntest. Und Mütter haben es in unserer westlichen Welt gleich doppelt schwer, denn sie waren ja selbst einmal bedürftige Kinder.

        Danke für Deinen lebendigen und lebensnahen Kommentar, der war mir eine echte Bereicherung!

        Liebe Grüße,
        Mathias

        • monikahes
          Juni 22, 2014 um 10:33 pm

          Lieber Mathias,

          wie schön, dass Du verstehst. Oft fühle ich mich unverstanden, gar belächelt; dabei fühle ich, dass eine Veränderung im Umgang mit Säuglingen sehr viel bewirken könnte. Das meiste, was ich hier so lese, versucht ich nenne es mal „das Problem“ vom Intellekt her zu klären. Dabei wird meines Erachtens vergessen, dass eben dieser der Auslöser des Problems ist und daher nur bedingt dazu geschaffen, zu einer Lösung beizutragen. Wir müssen uns mehr bemühen, mit dem Herzen zu sehen.
          Oft, wenn ich mit einem Menschen Probleme habe, sein Handeln nicht verstehe oder es ablehne, dann stelle ich ihn mir als Säugling oder kleines Kind vor und dann lösen sich Verhärtungen und hässliche Gedanken auf und ich kann ihm mein Herz öffnen. Das klappt zwar nicht immer, aber man kann es üben.

          Einen schönen Abend
          Moni

      • Juni 22, 2014 um 10:43 pm

        Liebe Moni,

        ich bin Ende 1958 geboren und ja, ich war so ein verwahrtes Baby, das vermutlich zu lange von meiner Mutter entfernt war und entsprechend gelitten hat. Ich habe mich lange Zeit, bis ich erwachsen wurde, lange selbst in den Schlaf geschaukelt.
        Mein Bruder wurde 2 Jahre später geboren, ebenso behandelt. Er hat sehr lange und intensiv am Daumen gelutscht. Da ist er schon zur Schule gegangen. Während der Daumen im Mund war, hat er mit dem Zeigefinger an einer Stelle seiner Wange gekratzt, so dass diese immer wieder wund war und am Ende nur half, ein schlecht Schmeckendes Zeug auf seinen Daumen zu pinseln.

        Des weiteren hatte ich lange extreme Probleme damit, wenn mich Jemand nicht mag oder an meinem Verhalten rumnörgelt. Ich fühlte und häufig auch heute noch, nicht geliebt und nicht erkannt.

        Mit meinen drei Töchtern habe ich sehr viel gekuschelt. Dennoch habe auch ich den Fehler gemacht, Leistung zu loben, so dass damit meine Älteste starke Probleme hatte. Da sie sehr viel weniger sportlich war, als die beiden Jüngeren hat sich versucht, sich den Lob und vermeintlich mehr Liebe über gute Leistung in der Schule einzuholen.

        Rückblickend habe ich erkannt, wie wenig gut das Fordern des Siegens in Konkurrenzsituationen ist und dass wir deutlich angenehmer aufwachsen, wenn wir in Kooperation und Begeisterung unsere Kleinen aufwachsen lassen.

        Danke für Deinen Beitrag, der mich wieder an meine eigenen Traumata erinnert hat, die auch ich noch aufzulösen habe.

        Martin

        • monikahes
          Juni 22, 2014 um 11:10 pm

          Lieber Martin,

          genau die Dinge, die Du beschreibst, benennt auch Jean Liedloff in ihrem Buch. – Ich glaube, Du kennst es, es fand hier ja schon einmal Erwähnung.
          Hast Du es ganz gelesen? Ich spüre zutiefst, dass in diesem Buch und seinen Erkenntnissen über den Umgang mit den Kindern sehr viel mehr steckt, als man zunächst annehmen möchte. Es ist ja auch viel zu ungeheuerlich, was da mit so einem hilflosen Wesen veranstaltet wird, als das man solches uns ach so zivilisierten und aufgeklärten Menschen zutrauen möchte.
          Und gleichzeitig verbirgt sich so eine große Chance darin, es besser zu machen – und wenn jede Generation nur einen kleinen Schritt schaftt, dann ist schon viel erreicht. Du hast Töchter – das ist gut. Lass sie kein Kind großziehen, ohne sie mit den Zusammenhängen vertraut zu machen, oder ihnen zumindest entsprechende Hinweise zu geben. Und: Mütter, Eltern benötigen unsere Hilfe und Unterstützung, um es besser machen zu können, als wir selbst und die Generationen davor. Auf „die Gesellschaft“, auf „die Politik“, auf „die Wissenschaft“ brauchen wir nicht zu warten, wir können und müssen selbst etwas tun.
          Und – da ja „die Schule“ auch eins deiner liebsten Problemfelder ist – bitte ich, nicht zu vergessen, welche Grundlagen in den Kindern bereits gelegt sind, bevor sie überhaupt je eine Schule betreten.

          Ich nehme das Baby, das Du warst in den Arm
          Moni

          • Juni 22, 2014 um 11:25 pm

            Danke dafür: „Ich nehme das Baby, das Du warst in den Arm“, es war zu spüren!

            Ich habe das Buch noch nicht gelesen. Aber auch, wenn ich das noch nicht tat, kann ich mir inzwischen intensiv ausmahlen, wie es ist, das Eine oder das Andere zu erleben.

            Ich wollte gerade nach einem Bild schauen, wo die Mutter ihr Kleinkind auf dem Feld am Körper trägt und fand noch das:

            „„Selbstmord ist ein Anzeichen für große und tief greifende Frustration. Da Bindungen das sind, was Kinder am allermeisten brauchen, können wir daraus schließen, daß es die Bindungen der Kinder sind, die nicht so sind, wie es notwendig wäre. Ich bin überzeugt, daß der Verlust starker Bindungen an Erwachsene die Hauptursache für die eskalierende Frustration ist. Wissenschaftliche Daten zeigen, daß es umso mehr Selbstmorde gibt, je stärker die Kinder der untersuchten Gruppe an Gleichaltrigen orientiert sind.“ Gordon Neufeld hat auch herausgefunden,[1] daß Kinder sich umso mehr an Gleichaltrige binden, je schlechter ihre Bindung zu den Eltern ist.“

            Fundstelle: http://www.zeitenschrift.com/artikel/man-nehme-mutterliebe#.U6dJCLEaqjs

            Gutes Nächtle, Martin

        • Manfred Voss
          Juni 23, 2014 um 12:58 am

          Ein wenig Persönliches – ich bin 1947 geboren, und hatte viel Glück, soweit ich das im nachhinein beurteilen kann:

          Die Umgebungsbedingungen waren paradoxerweise gerade wegen der Nachkriegswirren für mich ziemlich geschützt – meine Eltern waren damals am Bodensee, d.h. französische Besatzungszone … mein Vater war Wissenschaftler, und die Alliierten haben ja deutsche Intelligenz eingesammelt, wo sie nur konnten. Da hier alles am Boden lag, hat mein Vater einen 6-Jahres-Vertrag unterschrieben, in Frankreich zu arbeiten, um die Familie zu ernähren. Als meine Eltern gewissermaßen schon mit gepackten Koffern dastanden, hat meine Mutter festgestellt: Ups, ich bin schwanger! Das war ich.

          Also ist mein Vater vorausgefahren, und meine Mutter ist dageblieben, mit der einzigen Aufgabe, mich gut auf die Welt zu bringen … hat sie auch gut hingekriegt, und die Geburt war auch so problemlos einfach und schnell, wie man sich’s nur wünschen kann. Also nichts oder kaum was an Geburtstrauma, oder so. (Später, in Pune, bei intensivem Bodywork mittels Atemtechniken zwecks Auflösen von Geburtstraumata, war dann auch bei mir absolut nichts, aber um mich herum war die Hölle los …)

          Daher kam ich dann im zarten Alter von 6 Wochen mit meiner Mutter nach Südfrankreich: Mittelmeersteilküste, irgendwo zwischen Toulon und Marseille, eigene Kiesbucht mit langer Holztreppe hinunter, eine Menge mediterrane Natur drumherum, etwa ein halbes Dutzend Familien in Holzreihenhäusern, lauter Wissenschaftler, gebildete Leute mit guten menschlichen Umgangsformen (soweit ich das mitbekommen habe). Großzügiges und eingezäuntes, abgeschirmtes und bewachtes Militärgelände – pas de fraternité mit der Bevölkerung des nächstgelegenen Dorfes … die Wunden waren noch zu frisch. Alles in allem ein Urlaubsparadies … und wegen der ziemlich isolierten Enklave-Situation wohl auch eine Art kommuneähnliche Gemeinschaft, wo man sich einfach wechselseitig unterstützt hat, so gut es eben ging.

          Tagsüber waren die Männer unterwegs, und ich war in Obhut nicht nur meiner Mutter, sondern auch all der anderen Frauen. Entsprechend der allgemeinen Ernährungssituation wurde ich auch lange gestillt. Außerdem war ich das einzige Kind diesen Alters, das von allen umsorgte Nesthäkchen – alle anderen Kinder (nicht viele, aber ein paar waren da) waren mindestens 3,5 Jahre älter als ich … ein Generationenunterschied. Also habe ich auch auch keinerlei Sandkastensozialisation oder Kindergarten-Formung erlebt (vielleicht ist das der Grund, warum mich Gruppenleiten nicht antörnt, ich bevorzuge dagegen Einzelarbeit sehr). Erst bei der Einschulung (wieder in Deutschland, in München) traf ich auf gleichaltrige Kinder, und habe mich über deren mir sehr unverständliche und reichlich rauhe Umgangsformen gewundert … da war ich immer „außerhalb“, und habe lieber meine eigene Welt erkundet.

          Alles in allem: Da brauch ich mich nicht lange zu fragen, wieso es kommt, dass mein Urvertrauen in die Welt und in mich selbst nicht grob verletzt wurde … und bin dankbar.

          LG Manfred

  10. Juni 22, 2014 um 11:55 am

    Wenn mir ein leckerer Duft in die Nase steigt und mir das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, ich ergo ein positives Gefühl empfinde und wenn ich andererseits beim Anblick des Steaks, welches mir eben dieses positive Lustgefühl verursacht hat, denke, dass Fleischesser stumpfsinnige Aasfresser und überdies für die Massentierhaltung und sonst für alles mögliche Leid auf diesem Planeten verantwortlich sind und dieser Gedanke ein negatives Gefühl in mir auslöst, dann ist das der Ausdruck einer Bewusstseinsspaltung.

    Bewusstseinsspaltung zeigt sich darin, dass ein einziges Ereignis (Steak) mit zwei sich widersprechenden Emotionen belegt wird: der positiven Emotion (Lust), das sich auf Handlungsebene als Steak-Vertilgen ausdrücken will, und der Verurteilung eben dieser Emotion, die sich als Steak-Verzicht ausdrücken will.

    Wenn ich im Zustand einer solchen Bewusstseinsspaltung das Steak esse, tue ich es mit einem schlechten Gewissen. Wenn ich auf das Steak verzichte, verspüre ich dabei ein Bedauern. Egal, wie ich mich entscheide, ich fühle mich auf jeden Fall schlecht dabei. Das sich Schlecht-Dabei-Fühlen ist der Ausdruck der Bewusstseinsspaltung. Um dem sich Schlecht-Dabei-Fühlen zu entkommen, kann ich wahlweise entweder das schlechte Gewissen oder das Bedauern verdrängen, je nachdem, welcher Anteil meines gespaltenen Bewusstseins die Schlacht gewinnt.

    Damit ist es allerdings nicht getan. Die verdrängte Emotion brodelt im Untergrund weiter, schließt sich mit anderen verdrängten Emotionen zu einem Komplex zusammen. Je mehr solche verdrängte Emotionen zusammenkommen, desto mehr steigt der Druck, bis dieser Druck als Aggression (gegen andere) oder Depression (gegen sich selber) sichtbar wird. Im Falle von Aggression brechen die verdrängten Emotionen heraus und wirken zerstörerisch in die Außenwelt, im Falle von Depression verhindert der Verurteiler (die Über-Ich-Struktur) den Ausbruch,woraufhin die verdrängten Emotionen ihr Zerstörungswerk in der Innenwelt des Betroffenen anrichten.

    Dieses gespaltene Bewusstsein ist wie ein Virus, der andere infiziert. Ein Mensch mit einem gespalteten Bewusstsein trägt dieses automatisch weiter, zum einen in seine Umgebung hinein, zum anderen in der Zeitleiste über die Generationen hinweg. Das gespaltene Bewusstsein leidet unter und verzweifelt an seiner Unvollständigkeit. Da beide Teile einander jedoch unversöhnlich gegenüberstehen, versucht das gespaltene Bewusstsein, den Mangel irgendwie anders auszugleichen, und dazu braucht es die ANDEREN. Zur Herstellung der eigenen, verlorengegangenen Vollständigkeit werden nun die ANDEREN benutzt, und das sind leider sehr häufig die Kinder, weil die sich am wenigsten wehren können.

    In den Religionen, die im Nahen Osten oder besser gesagt in der BIBEL ihren Ursprung haben, drückt sich diese Bewusstseinsspaltung am deutlichsten aus. Das Thema der Bibel IST die Bewusstseinsspaltung. Ich (Mensch) und Über-Ich (Gott) wandeln zuerst gemeinsam im Paradies. Das heißt, zwischen Ich und Über-Ich gibt es noch keinen Unterschied. Es ist eine Einheit.

    Diese Einheit zerbricht in dem Augenblick, in dem im Menschen ein Widerspruch zu seinem Instinkt (der sich als Lust- und Unlustgefühle äußert) auftaucht. Der Instinkt (Gefühl = Gott) rät vom Verzehr der Frucht ab, die Schlange (begriffliches Denken = Gedanke) rät zum Verzehr. Eva gehorcht in diesem Fall dem begrifflichen Denken. Dem Instinkt steht nun die Ratio gegenüber. Bewusstseinsspaltung. Und nun erzählt das AT, welche Folgen diese Spaltung hat.

    Bemerkenswert ist, dass die Symbole vertauscht rezipiert werden. Die christliche Religion lehrt uns nicht, dass Gott das in uns wohnende Gefühl (Instinkt/Intuition/intuitives Wissen), das sich über Lust und Unlust ausdrückt ist, sondern setzt ihn mit dem Wort, mit steinernen Gesetzestafeln, mit Kontrolle gleich. Hingegen wird die Schlange das Symbol für den Trieb, die instinktive Lust und Unlust und fortan mit allen Mitteln bekämpft. Durch diese Vertauschung bzw. Verdrehung der Symbole bekämpfen wir aber Gott bzw. das Göttliche in uns.

    Diese Verdrehung kennzeichnet die Bewusstseinsspaltung. Ein gespaltenes Bewusstsein liebt das, was ihm schadet, und bekämpft das, was ihm gut tut. Deshalb bringen wir auch unseren Kindern bei, was ihnen schadet, und bekämpfen alles, was ursprünglich gut und vollständig an ihnen ist. Das nennt man dann Erziehung.

  11. Mathias
    Juni 23, 2014 um 2:05 pm

    > … Kinder sich umso mehr an Gleichaltrige binden, je schlechter ihre Bindung zu den Eltern ist <

    Das kann ich was meine Kindheit und Jugend anbetrifft so auch bestätigen. Was ich rückbetrachtend auch beobachten konnte, ist das viele meiner Weggefährten ähnliche Muster einer tiefen Verletzung in ihrer Kindheit hatten – nur fand ich das erst viel später heraus.

    Ich kann mich erinnern dass ich als Kind sehr gern mit anderen Kindern zusammen sein wollte, mit denen man schöne Streiche spielen konnte. Das machte nämlich endlich einmal Spaß! Eine noch harmlose Variante war, in der Plattenbausiedlung im Winter auf die Pirsch nach offen stehenden Fenstern zu dunklen Zimmern zu gehen, um dann in den Zimmern Schneebälle in größt-möglicher Anzahl zu versenken. Mensch machte das Spaß! Und warum? Uns damals unbewusst, war es eine Möglichkeit sich für die erfahrene Demütigung und Unterdrückung zu rächen. Die Eltern waren für jeden von uns viel zu mächtig, also suchten wir uns einfach andere Kanäle über die wir die Verletzung zurückzahlen konnten. Dasselbe Muster greift heute auch immer noch, wenn Lehrer es schwer haben, aufsässige Kinder in ihren Klassen mit durchzubringen. ALLES nur Folge einer früheren tiefen Verletzung, und Anzeichen dafür, dass die Bedürfnisse der kleinen Wesen eben nicht erfüllt wurden.

    Lieber Martin, schön das auch Du hier über Deine Kindheit geschrieben hattest. Ich denke es ist wichtig dass wir uns über die erfahrenen Grausamkeiten mitteilen, weil wir nur so auch wirklich mitkriegen, dass es sich um eine allgemeine Betroffenheit handelt. So gestaltet sich langsam auch ein Feld in dem das Auflösen von Trauma dann nicht mehr nur als Einzelner getragen werden muss, sondern der Weg eben gemeinsam beschritten wird. Ich möchte an der Stelle mal ganz allgemein das Muster das ich über die 10 Wochen meiner Gruppentherapie feststellen konnte schildern: Am Anfang begegneten wir uns auf der Ebene einer Maske (des Gefallen-Wollens und dem Meiden von jenen Teilnehmern mit denen wir weniger klar kamen), im zweiten Schritt veränderte sich etwas weil durch verschiedene Impulse eine Restimulierung von alten Verletzungen bei jedem Einzelnen von uns geschah und damit veränderte sich auch die Gruppe. Am Ende der Therapie, und diese Phase behalte ich immer noch als die Schönste in Erinnerung, hatte sich etwas Gemeinsames herausgebildet: Zum einen weil jeder seine Betroffenheit wie auch die der Anderen in der Gruppe bemerkte (also eine allgemeine Betroffenheit!), zum anderen, weil die Maske mit der wir ursprünglich in der Therapie auftauchten, nun viel weniger oder gar keine Rolle mehr spielte. Und am Ende verließ jeder von uns die Therapie in einem Gefühl von tiefer Verbundenheit, weil wir IN UNS etwas wiedergefunden hatten.

    Danke auch an Moni für die Schilderung Deiner Wahrnehmung was Dein Mitlesen hier anbetrifft – das kann ich gut verstehen. Der Intellekt kann uns nur begleiten, er ist aber nicht in der Lage uns dorthin zu führen, wo uns allen in unserer Kindheit etwas ganz Wesentliches entsagt wurde.

    Herzliche Grüße in die Runde,
    Mathias

    • Juni 23, 2014 um 2:19 pm

      Das: „Und am Ende verließ jeder von uns die Therapie in einem Gefühl von tiefer Verbundenheit, weil wir IN UNS etwas wiedergefunden hatten.“

      Kann auch ich bestätigen. Ich hatte so eine Gruppentherapie nach der Trennung meiner Ex-Frau mitgemacht und der Verlauf war genauso. Wir haben uns auch danach noch regelmäßig jedes Jahr wieder getroffen.

      VG Martin

    • federleichtes
      Juni 23, 2014 um 3:17 pm

      Das Gemeinsame, da arbeitest Du mal wieder einen Kernpunkt heraus, lieber Mathias, schafft Verbindung. Verbindung durch gleiches oder ähnliches Erleben ist wenig hilfreich, und ich meine, auch eher nicht dauerhaft angelegt. Ich dachte dabei an zehn Menschen, die sich ein Bein gebrochen haben, die sich ihre Geschichten erzählen und eine Genesungszeit miteinander teilen. Im Bereich, den wir Psyche nennen, spielen sich aber weitaus komplexere und systemisch nicht oder schwer verifizierbare informativ-reaktive (energetische) Interaktionen ab.

      Meine Intention – seit vielen Jahren gleichbleibend – ist gerichtet auf das Erkennen von Zusammenhängen in einer systematischen Entwicklung. Mich interessiert also weniger, wie ein Mensch sich ein Bein brach, sondern warum. Und warum das Bein des Einen schneller heilt als das eines Anderen. Und warum der Eine sein „Schicksal“ gelassen tragen kann, und der Andere damit hadert. Aus heutiger Sicht käme dabei vielleicht heraus, zu erkennen, dass der Eine nur Pech hatte und der Andere nur dämlich war, das der Eine lebensbejahender (kohärenter) und der Andere mental destruktiver eingestellt ist.

      Beschreibungen persönlicher Lebensläufe sind total wichtig, ABER, sie fallen nach meiner Erfahrung nur auf fruchtbaren Boden, wenn ein Verständnis vorhanden ist für GLEICHE Muster und ALLGEMEINE Gesetzmässigkeiten, denen ALLES Verhalten zugrunde liegt. Dass das Psyche-Feld eine Grauzone geblieben ist als Folge einer methodisch-wissenschaftlichen Herangehensweise, ist weniger erheblich als die Erkenntnis, DASS wir unser Vorstellungen über das Zusammenwirken von Daten und Energie korrigieren müssen.

      Falsche Erkenntnisse korrigieren können nicht Menschen, die das „Falsche“ studierten und es als das Richtige verinnerlichten, die damit Geld verdienen und anerkannt sind. Ist wie mit Politik, über die Politkwissenschaftler diskutieren – keiner käme auf die Idee, den Murks als geistige Krankheit zu bezeichnen und komplett in die Tonne zu treten. Auf andere Murks-Gebiete möchte ich gar nicht verweisen, da ist Martin Experte.

      Also, was wir hier an systemtheoretischer Arbeit leisteten, war zwar theoretisch, aber, so meine ich, immer durch persönliche Erfahrungen unterfüttert. Dass jetzt eine Zeit reifte, in der Persönliches in die Runde drängt, mag mit einem Feld zusammenhängen, das durch seine Kompetenz eine Affinität, und damit einen Sog, und damit ein natürliches Vertrauen erzeugt. Warum das so ist, und auch so sein muss, kannst Du hier ja mittlerweile am besten erklären.

      So weit so gut?

      Herzlich Dein
      Wolfgang

  12. federleichtes
    Juni 23, 2014 um 2:22 pm

    @ Manfred

    „Ein wenig Persönliches – ich bin 1947 geboren, und hatte viel Glück, …“

    DAS hatte ich von mir auch bereits geschrieben.

    Und, was ist DAS?

    Dass auf der einen Seite eine fundamental-existentielle Überlegenheit entsteht – und auf der anderen Seite – nicht nur automatisch, sondern fundamental-existentiell (Trauma) – eine Unterlegenheit? DAss der Eine (Abel) friedlichund der Andere (Kain) kriegerisch veranlagt WURDE?

    Das Überlegenheits-/Unterlegenheitssyndrom wurde gestalterisch systematisiert, zum Beispiel als der stärkere Mann und die schwächere Frau. Es wurde auch was Ressourcen und Lebensbedingungen betrifft manifestiert als fruchtbares Land und Wüste. Und der Geist bestimmte verschiedene Völker mit verschiedenen Eigenschaften, und verschiedene Kulturen entstanden, und ein Geist wollte bestimmt wissen, dass eine der Kulturen die wertvollste Kultur sein müsse.

    Was aus der Überlegenheit und der Unterlegenheit sich entwickelte und entwickeln musste, ist mir zumindest ein permanenter Unruheherd. Könnte man als Keil beschreiben, der als Argwohn und Ungerechtigkeit das Verhalten von Menschen, Familien, Stämmen und Völkern konditioniert – und damit als den Motor verstehen, der den Bohrer (tiefer und tiefer) ins feindselige Potenzial des Unbewussten treibt.

    Danke, lieber Manfred, dass Du mir Bedeutsames bewusster machtest.

    Herzliche Grüße an Euch.
    Wolfgang

  13. Juni 23, 2014 um 2:26 pm

    Gerade spülte die Blog-Lesestatistik einen Artikel hoch, der hier auch noch so manches beisteuern kann, u.a.

    In eine seelenlose Welt und eine Körper-Maschine versetzt, konnte der kartesianische Mensch […] nicht nur die Verantwortung für seine eigenen Handlungen übernehmen, sondern scheinbar auch zum Mittelpunkt sämtlicher Vermögen werden. Indem es von seinem Körper geschieden wurde, ging das rationale Selbst fraglos seiner Solidarität mit der körperlichen Realität und der Natur verlustig. Seine Einsamkeit sollte aber die eines Königs sein: Im kartesianischen Modell der Person gibt es keinen egalitären Dualismus des denkenden Kopfes und der Körper-Maschine, sondern nur ein Verhältnis von Herrschaft und Knechtschaft, besteht doch die Hauptaufgabe des Willens darin, den Körper und die natürliche Welt zu beherrschen. Im kartesianischen Modell der Vernunft zeigt sich uns also eben die Zentralisierung der Befehlsfunktionen, die sich im gleichen Zeitraum auch auf der Ebene des Staates vollzog: So, wie die Aufgabe des Staates darin bestand, den Gesellschaftskörper zu beherrschen, wurde der Geist in der neuen Persönlichkeit zum Souverän.

    Fundstelle: Über die kapitalistische Transformation unseres Körperweltbildes …

  14. Juni 25, 2014 um 8:12 am

    Hallo, zusammen

    Ich habe gestern eure Kommentare hier gelesen, die mich im Nachhinein noch ziemlich beschäftigt haben.

    Wenn man auf die Welt kommt oder sogar schon im Mutterleib, ist man zuerst einmal verkörpertes Gefühl. Von der Welt weiß man ja noch nichts, man ist also zuerst einmal ganz und gar Gefühl. Als Baby erwartet man daher unbedingt auf der Gefühlsebene Antworten.
    Ich meine hier nicht kurzfristige Emotionen, sondern innere Verbundenheit.

    Stellt euch mal einen Roboter vor, der all das Äußerliche wunderbar erledigt: wenn das Baby schreit, werden die Windeln gewechselt oder Nahrung bereitgestellt oder der Roboter nimmt das Baby in die Arme und wiegt es, wenn es sein muss, sogar stundenlang. Das nützt dem Baby alles nichts, wenn die gefühlsmäßige Verbindung nicht da ist. Denn als verkörpertes Gefühl reagiert es zunächst nur auf diese innere, übers Gefühl getragene Verbindung.

    Diese innere gefühlsmäßige Verbundenheit ist etwas, das wir in unserer Gesellschaft nachgerade bekämpfen. Erstens braucht es zur Pflege der Verbundenheit sehr viel Zeit, zweitens springt nichts dabei raus, was sich in Geldwert umsetzen lässt, drittens macht es die Menschen unberechenbar, viertens bringt diese innere Verbundenheit – um ein Bild von Tolkien zu verwenden – im Endeffekt eher Hobbits hervor und weder Elben noch Zwerge noch Könige. Es fallen also auch Idealbilder, die wir von uns haben und Supermann war einmal.

    Unsere Gesellschaft tut also alles, um diese innere Verbundenheit zwischen Menschen zu blockieren. Wenn Mütter sich nach irgendwelchen Büchern, Ärzten, Wissenschaftlern oder Psychologen richten, um von denen etwas über die Bedürfnisse ihres Babys zu lernen, deutet dies auf eine derartige Blockade hin. Wenn eine Mutter gesagt bekommt, dass sie ihr Baby 7 1/2 Monate stillen soll und, da sie ja eine gute Mutter sein und alles richtig machen will, die Anweisung hundertprozentig und auf den Tag genau erfüllt, dann ist das ein Ausdruck der Blockade. Die Mutter ist nicht in der Lage, sich und ihr Baby gegen diese äußerliche Manipulation zu verteidigen.

    Wenn man einer derart „blockierten“ Mutter sagt, dass Babies längere Stillzeiten und längere Kuschelzeiten benötigen, dann wird sie das dem Baby selbstverständlich gewähren, aber dem Baby in seinem Gefühlsdefizit nützt das gar nichts. Ob es nun 7 1/2 Monate oder 1 1/2 Jahre robotermäßig gestillt wird, ist völlig wurscht.

    Ganz sicher hat auch eine blockierte Mutter ihrem Kind gegenüber positive Empfindungen, die sie als Liebe identifiziert. Es nützt also auch nichts, wenn man zu dieser Mutter über Liebe und innere Verbundenheit redet, denn sie glaubt ja, dass diese Empfindungen damit gemeint sind.

    In der Beziehung Mutter und Kind lässt sich das Problem nicht auf intellektuellem Weg lösen.
    Und damit nicht auf verbalem Weg. Ratschläge sind in jedem Fall kontraproduktiv.
    Selbst wenn man jemandem Mut macht, ganz er selber zu sein und auf sich zu hören, und dieser Mensch folgt diesem Rat, ist er ja auch wieder von außen gesteuert.

    Ich glaube, die Lösung besteht am ehesten darin, dass man aufhört, andere Menschen beeinflussen zu wollen.

    Schließlich ist ja die dauernde Beeinflussung von außen mit ein Grund für die Blockade.
    Ständig erzählt uns jemand, wie wir sein sollen. Hat man uns früher erzählt, wir sollen fleißig, tüchtig, ehrlich und patriotisch sein, so erzählt man uns heute, wir sollen kooperativ, vegan, mitfühlend, dem Leben dankbar sein und auf Besitz fortan keinen Wert mehr legen.

    Die Inhalte, wie wir sein sollen, wechseln. Was bleibt, ist jedoch die Außensteuerung.
    Immer wissen andere Leute besser als man selbst, wie man zu sein hat.
    Und das ist das eigentliche Problem.

    Traumatisch bedeutet, vom eigenen inneren Wesen fortgerissen und abgetrennt zu werden.
    Traumatisierte Menschen sind blockierte Menschen. Blockierte Mütter geben diese Blockade an ihre Kinder weiter.

    • Mathias
      Juni 25, 2014 um 3:22 pm

      > Selbst wenn man jemandem Mut macht, ganz er selber zu sein und auf sich zu hören, und dieser Mensch folgt diesem Rat, ist er ja auch wieder von außen gesteuert. Ich glaube, die Lösung besteht am ehesten darin, dass man aufhört, andere Menschen beeinflussen zu wollen. <

      Da würde ich noch einmal differenzieren, denn es könnte leicht als Abwendung (also genau das Gegenteil von Zuwendung) verstanden werden. Und wenn wir ein ziemlich häufiges Muster entdecken können, das in der Summe zu DER Gesellschaft führt die wir heute beobachten können, und das Muster darin besteht, das ursprünglich eine ABKEHR bzw. NICHT-ZUWENDUNG an bedürftige Wesen (Babies, Kinder) die Ursache war für die sich daraus zwangsläufig ergebenden negativen Folgen – dann kann Abwendung aus meiner Sicht keine Heilung versprechen.

      Was Du vielleicht eher andeuten wolltest, ist an Anderen „herumzuzerren“ – und dass das keine Lösung sein kann. Das sehe ich ganz genau so. Herumzerren an Anderen wäre ja meine Bewertung des Anderen, das er so wie er ist, nicht richtig ist. Demgegenüber wäre mir anderen Mut zu machen, ihnen dabei zu helfen ihre Innenorientierung (statt der Außenorientierung) wieder zu finden, dann doch hilfreich. Mensch lebt nicht allein, auch das Trauma erleben wir individuell bzw. auch kollektiv, und auf diesem Weg, auf dem sich Mensch zunächst einmal individuell befindet (im Sinne einer Lösung), bedarf es schon der Hilfe, Verständnis und Zuwendung. Womit ich konkret sagen will, ich wüsste nicht wie ich den Weg der Enttraumatisierung den ich bisher gegangen bin, und auch noch weiter gehe – wie ich diesen Weg überhaupt hätte gehen können, wären da nicht doch auch Hinweise und Hilfestellungen (also Zuwendung) von Außen gewesen.

      Liebe Grüße,
      Mathias

      • Juni 25, 2014 um 4:48 pm

        Vielen Dank für die Differenzierung. Ja, das ist wichtig, hier noch mal eine konkreter zu werden.

        Was ich meine, ist, dass ich einem anderen Menschen das Vertrauen entgegenbringen kann, dass er seine Probleme selber anpackt und so gut wie möglich damit umgeht. Hilfe sieht leider oft so aus, dass ein Mensch sich über den anderen erhebt und glaubt, die Probleme des anderen lösen zu können.

        Das kann sich als Herumgezerre ausdrücken, wie Du sagst, aber auch als Plattmachen.

        So wie es die Abkehr und Nicht-Zuwendung gibt, gibt es in der Kindererziehung eben auch das andere Extrem. Das sieht dann so aus, dass ein Kind dauernd überwacht wird, dass es nichts alleine ausprobieren darf, ohne dass sich sofort ein „liebevoller“ Elternteil einmischt und dem Kind erklärt, was es tun soll. Dass dem Kind „liebevoll“ alle Steine aus dem Weg geräumt werden und es nie dazu kommt, einen Konflikt mal selber zu lösen und sich selber auszuprobieren, was es kann und was nicht. Dass es überhäuft wird mit Geschenken und keine Stunde „frei“ hat, um mal allein zu spielen.

        Beides, die Abkehr und Nicht-Zuwendung wie das helikoptermäßige Zuviel an Zuwendung sind die Folgen einer viel tiefersitzenden Blockade. In beiden Fällen ist das instinktive Wissen, was das Kind in einer gegebenen Situation gerade wirklich braucht, verlorengegangen.
        Für ein betroffenes Kind ist beides gleichermaßen verheerend.

        Manchmal denke ich, das Problem der zwischen 1950 und 1970 Geborenen ist noch eher ein Problem der Abkehr, während das Problem der nach 1990 Geborenen häufig eher ein Problem der überbordenden Zuwendung ist.

        Die Nachkriegsgeneration war damit beschäftigt, das Land wieder aufzubauen und das Wirtschaftswunder zu inszenieren und hatte deshalb keine Zeit sich um ihre Kinder zu kümmern. Die Kinder aus dieser Nachkriegsgeneration
        machen nun häufig aber grad das Gegenteil, nämlich dass sie sich viel zu sehr um ihre Kinder kümmern und ihnen kaum noch Luft zum Atmen lassen. Immer sind die Eltern dabei und wissen stets besser, was gut und richtig für ihr Kind ist, als das Kind selbst. Die Eltern antworten, auch wenn die Fragen ans Kind gestellt werden. Sie lassen dem Kind keine zwei Minuten, die es vielleicht braucht, bis die Frage überhaupt erstmal ankommt.

        In beiden Fällen verliert das Kind seine Innenorientierung.

        Aber niemand anders als das Kind selbst kann diese Innenorientierung wiederfinden. Das kann einer für den anderen nicht machen.

        Ich weiß nicht, wie Du das erlebst, für mich ist das Wesentliche ein grundlegendes Vertrauen in den anderen.

        Dieses Vertrauen geht von mir selber aus in Richtung auf den Anderen. Ich traue dem Anderen zu, dass er seine Innenorientierung wiederfindet. Das ist nicht zu verwechseln mit einem blindem Vertrauen, dahingehend, dass ich glaube, dass alle Menschen ihrem Wesen nach die reinsten Engel sind. Deshalb glaube ich bspw. auch nicht an die positiven Wirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens.

        Ich erkenne auch meine Grenzen an. Das heißt die Einsicht, dass ich selber nur meine eigene Innenorientierung wiederfinden kann, aber nicht die für einen Anderen.

        Innere Verbundenheit ist nie einseitig. Das ist gleichermaßen Geben und Nehmen. Das Baby nimmt nicht nur, es gibt ebensoviel. Es erlebt nicht nur die Frustration, dass es nicht bekommt, was es braucht, sondern auch die Frustration, dass nicht beim Empfänger ankommt, was es zu geben hat.

        Wenn es ankommt, was ein Baby zu geben hat, verwandelt das alle, den ganzen Haushalt, in den es reingeboren wird.

        Zuwendung klingt ein bisschen einseitig. Als wäre da nur einer, der was zu geben hat.

    • Mathias
      Juni 25, 2014 um 3:39 pm

      > Traumatisierte Menschen sind blockierte Menschen. Blockierte Mütter geben diese Blockade an ihre Kinder weiter.<

      Das Trauma sind ja im Unbewussten liegende unbekannte Informationen – und das Spüren einer Blockade ist lediglich Ausdruck dessen, das sich unbekannte feindselige Informationen mit Energie verbinden und wir die Blockade dann körperlich spüren. Blockaden können also auch als Hinweisschilder verstanden werden, und ich nehme an dieser Stelle einfach mal an, das Blockade-freies menschliches Leben nur äußerst selten überhaupt anzutreffen ist.

      Und an der Entstehung / Weitergabe von Trauma sind nicht nur Mütter beteiligt, sondern Väter genau so eingebunden. Also, auch die Vater-Kind Beziehung kann traumatisch-unbewusste Informationen verursachen bzw. weitergeben, und dann Blockaden zur Folge haben.

      • Juni 25, 2014 um 5:13 pm

        Ich wollte die Väter nicht außen vor lassen. Dabei ist nicht nur die Vater-Kind-Beziehung wichtig, sondern auch die Beziehung zwischen den Eltern. Ein Kind gerät auch leicht in die Mühlsteine zwischen zwei Erwachsenen. Dennoch hat die Mutter in Bezug auf das Kind in der Anfangszeit den bedeutenderen Einfluss. Das Baby hat sie neun Monate lang im Mutterleib kennengelernt. Sie ist seine Orientierung, wenn es auf die Welt kommt. Sie ist die Nahrungsquelle. Der Vater ist wichtig, wenn es darum geht, den engen Mutterkreis aufzusprengen und dem Kind weitere Horizonte zu eröffnen.
        Deshalb ist es wichtig, dass er präsent ist. Das Kind muss den Vater gut kennen und Vertrauen haben, wenn es darum geht, in die nächstgrößere Matrix (Familie, Gemeinschaft) hinüberzuwechseln.

        Blockadefreies menschliches Leben ist wohl echt eine Rarität – wäre es anders, hätten wir eine andere Gesellschaft.
        Deshalb gehen diese Blockaden auch weit übers individuelle Leben hinaus. Selbst wenn es Dir gelingt, Dein individuelles Trauma aufzulösen und Dich mit Deinen Eltern und Deinem Umfeld auszusöhnen, bist Du trotzdem noch in den Gesamtkomplex der Gesellschaft eingebettet. Da gibt es gar kein Entkommen 🙂

        Deshalb interessiert mich ja die Frage nach dem Ursprung der Blockaden so besonders.

        Aber guck mal: Du redest von feindseligen Informationen und Energie. Information und Energie sind abstrakte, physikalische Ausdrücke. Es sind Wörter, bei denen schon aufgrund ihres Abstraktheitsgrades nichts fließt. Ein anderes Wort für Nicht-Fließen ist Blockade.

        „Information“ und „Energie“ sind Begriffe, denen eigentlich genau das fehlt, worum es geht.

        Das macht die Diskussionen hier für mich manchmal schwierig.

        Herzliche Grüße an Dich
        Marian

  15. federleichtes
    Juni 25, 2014 um 12:16 pm

    Der Zeitbegriff des Menschen ist different. Ich fragte mich, woher das kommen mag, dass der Eine hier auf Erden den Himmel erlebt, und der Andere die Hölle. Warum sind die Einen völlig enthemmt (ent-blockiert) und wüten auf Teufel komm raus, und warum blockiert dieses (teuflische) Verhalten die Natürlichkeit der Anderen. Lebenszeit ist also nicht gleich Lebenszeit. Eine Realität, die die Frage stellt nach der Herkunft von Existenz:
    Gibt es die Anderen Wesen, die aus einer zeitlosen (ewigen) „Hölle“ in das irdische Leben eintauchen und – in gewisser Weise natürlich – die bislang verunmöglichte Lebendigkeit als übertriebenen Aktionismus darstellen? Und gibt es die Einen Wesen, die aus dem Frieden eines „Himmels“ kommen und mit ihrem Verständnis von Existenz an dem Höllenszenario zerbrechen?

    Übermacht und Ohnmacht sind keine absoluten Größen, und nur relativ stabil. Über entsprechende individuelle und kollektive Problematiken zu sprechen und (auch noch) einem feindseligen Geist auf den Pelz zu rücken, ist villeicht von allgemeiner Bedeutung, ganz sicher von Bedeutung, wie sich ein Mensch fühlt, auf welche Weise er erregt und erregbar ist. DAS Leben bringt Menschen Individual-Zeit. Die Einen nutzen sie so, und die anderen anders. Aber ich glaube, dass DAS Leben auch den Menschen für Zwecke benutzt, die sich aus der Real-Existenz nicht ableiten lassen. Ein Mysterium, dem man näher kommt, indem man einen Tag als gesegnet oder verflucht fühlt.

    Allen einen guten Tag.

    Wolfgang

    • Juni 25, 2014 um 5:37 pm

      Für mich ist „enthemmt“ und „ent-blockiert“ nicht dasselbe. 99,99 % aller Tiere haben eine Hemmung, wenn es drum geht, Artgenossen zu killen. Deshalb sind sie aber nicht blockiert.
      Grad das Gegenteil ist der Fall: Die Hemmschwelle ist da, weil sie eben nicht blockiert sind.

      Für mich stellt es sich so dar, dass beim Mensch – weil er auf der tiefsten Gefühlsebene blockiert ist – die Hemmschwelle heruntergesetzt ist. Wir versuchen das, durch Gesetze und Moralvorschriften auszugleichen.

      Die Frage ist doch, warum beim Menschen die Hemmschwelle so weit heruntergesetzt ist, dass er in der Lage ist, andere Menschen zu töten. Darüber hinaus so weit heruntergesetzt ist, dass er sogar in der Lage ist, andere Menschen zu töten, die gar keinen direkten Bezug zu seinem Leben haben, sondern bloß ein Stück anders gefärbten Stoff (Fahne) vor sich hertragen.

      Ich glaube nicht, dass DAS Leben die Menschen benutzt, denn benutzen kann man nur einen Gegenstand, von dem man getrennt ist. Zwischen Leben und Lebewesen gibt es diese Trennung in Subjekt und Objekt nicht.

      DAS LEBEN ist bloß ein abstrahierter Begriff aus der Summe aller Lebewesen, die sich da so auf dem Erdball tummeln.

  16. Mathias
    Juni 25, 2014 um 9:10 pm

    > Beides, die Abkehr und Nicht-Zuwendung wie das helikoptermäßige Zuviel an Zuwendung sind die Folgen einer viel tiefersitzenden Blockade. In beiden Fällen ist das instinktive Wissen, was das Kind in einer gegebenen Situation gerade wirklich braucht, verlorengegangen. Für ein betroffenes Kind ist beides gleichermaßen verheerend. <

    Das sehe ich ganz genau so, lieber Marian. Danke dass auch Du hier noch einmal, was Zuwendung anbetrifft, differenzierst. Du beschreibst ja sehr gut, dass auch ein „sich Sorgen machen“ sehr häufig auf das Kind projiziert wird, und Eltern gerne dieses „sich Sorgen machen“ fälschlicherweise als Liebe interpretieren. Es ist aber keine Liebe, denn das „sich Sorgen machen“ entspringt ja nicht aus dem Gefühl des Urvertrauens, sondern im Gegenteil ist es eher Ausdruck eines Misstrauens. Zuwendung wie ich sie verstehe, wäre mir genauer also eine Verbindung zum Gefühl – und über dieses Gefühl entsteht (oder verstärkt sich) Verbundenheit und Vertrauen. Und ich verstehe Dich auch sehr gut, das Du Zuwendung als keinen einseitigen Vorgang ansiehst; Verbindung und Begegnung im Gefühl bedarf der beiderseitigen (oder allseitigen) Zuwendung – ich versuche es mal so auszudrücken.

    Das es Mensch in vielen Fällen schwierig ist überhaupt das Gefühl in sich wahrzunehmen, weil er es im Grunde solange nicht wahrnehmen kann, wie feindselige Informationen in seinem Unbewussten die Wahrnehmung des Gefühls blockieren, hatte Wolfgang hier an anderer Stelle äußerst treffend beschrieben. Das Problem der „tiefersitzenden Blockade“ wie Du es nennst, ist also die Bestimmung die sich aus den traumatisch-unbewussten Informationen ergibt.

    Ich meine die Worte „feindselige Informationen“ und „Energie“ sind genau so abstrakt, wie das Wort „Blockade“ das Du verwendet hattest. Du schreibst weiter, dass Dich die Frage nach dem Ursprung von Blockaden besonders interessiert. Deswegen versuchte ich, die Blockade als Phänomen als Ausgangslage, durch genauere Beschreibungen mittels von Worten (so gut wie mir das möglich ist) zu beschreiben. Womit ich sagen will: Wenn Du Interesse an dem Phänomen „Blockade“ hast, und Du dieses Interesse in Worten hier äußerst, dann kann der Versuch einer Antwort in Worten nur so kommen, wie sie gekommen ist: Auf sprachlicher Ebene – anders geht das hier nicht.

    Mal ganz generell, was das Nutzen von Worten und letztlich unser Schreiben hier anbetrifft:
    Wenn wirklich bei unserem ganzen Schreiben hier NICHTS fließen würde, jedes Wort das wir hier schreiben GLEICH einer Blockade wäre, müssten wir durch diese Einsicht unser Schreiben hier von heute auf morgen einstellen. Ich jedenfalls glaube nicht, dass hier auf dem Blog NICHTS fließt. An was ich eher glaube: Worte sind Transportmittel, ungenügende bzw. unvollständige natürlich, die eine Verbindung nur teilweise übertragen, während parallel dazu über das Gefühl im feinstofflichen Bereich noch etwas übertragen wird. Mit anderen Worten, wir sind mit unserem Mitlesen und Schreiben hier auch mit einem Körpergefühl beteiligt. Wer wirklich glaubt dass hier NICHTS fließt, da würde mich dann schon interessieren, warum er / sie dann dennoch hier schreibt.

    Herzlichen Dank und liebe Grüße an Dich,
    Mathias

    • Juni 26, 2014 um 3:22 am

      Lieber Mathias,

      „Ich meine die Worte „feindselige Information“ und „Energie“ sind genauso abstrakt wie das Wort „Blockade“, das Du verwendet hattest.“

      Es geht mir so, das ich bei „feindselige Information“ und „Energie“ keine bildhafte Vorstellung, keine Anschauung habe. Beim Wort „Blockade“ habe ich als Anschauung wenigstens eine schwarze und undurchdringliche Wand vorm inneren Auge (im Gegensatz zu einem dunklen Tunneleingang, was eine Anschauung zu einem Weg ist). Tatsächlich habe ich auch mal erlebt, wie eine schwarze Wand sich in einen Tunneleingang verwandelt hat, und das war dann eine positive Entwicklung. Wenn ich keine Anschauung habe, kann sich auch nichts transformieren.

      Es ist schon so, dass Wörter, die mit einer Anschauung verknüpft sind, mehr in mir auslösen, mehr zum Fließen bringen und mehr Verbindung zum Gesprächspartner schaffen als Wörter, bei denen ich keine Anschauung dazu habe.

      Ein Bericht über die Kindheit, wie einige weiter oben gegeben haben, ist natürlich noch weitaus anschaulicher für mich. Da steigen in mir dann alle möglichen Vorstellungen auf. Zum Beispiel, was Du über die Wildwasserfahrt und Deinen Schrei nach der Mutti geschrieben hast, oder was Martin über das In-den-Schlaf-Schaukeln und das Daumenlutschen vom Bruder erzählt hat, das wird dann in mir als bildhafte Vorstellung lebendig und dann fühle ich mich den Menschen verbundener, als wenn über Energie und Information geredet wird.

      Einmal hatte ich eine heftige Diskussion mit einer Veganerin, die total daneben lief und richtig feindselig wurde. Da haben wir uns über Fettsäuren und Vitamine gestritten. Dann habe ich gefragt, was sie als Veganerin eigentlich konkret auf dem Teller hat und was ihre Lieblingsspeise ist. Sie hat mit „Brezeln“ geantwortet. Da konnte ich mir was drunter vorstellen, und weil ich auch gern Brezeln esse, war die Feindseligkeit wieder verschwunden.

      Martin gibt hier öfters mal Einblicke in glückliche Naturvölker. Diese Völker verwenden, soweit ich weiß, keine abstrakten Begriffe, stattdessen erzählen sie sich Geschichten und selbst ihr Wissen erzählen sie in Form von Legenden. Geschichten und Legenden sind immer anschaulich. Vielleicht ist das auch mit ein Grund, warum manche Naturvölker noch glücklicher sind.

      Abstrakte Begriffe sind andererseits ein Schutz. Man verrät weniger von sich selbst, wenn man von „Energie“, „Information, „Pi“ und so was redet. Das hat nichts mit einem selbst zu tun.

      Meine Beobachtung ist die, dass mit zunehmender Abstraktion in der Wortwahl das Terrain, auf dem man sich bewegt, unvertrauter und damit feindseliger wird.

      Ja, sicher entsteht auch über den sprachlichen Austausch etwas. Und es fließt auch etwas. Aber ich bin vorsichtig, das mit „Körpergefühl“ zu beschreiben. Ich bin mir nicht sicher, ob das, was fließt, wirklich Körpergefühl ist. Ist es nicht so, dass „Körper“, wenn sie sich denn begegnen, sich nochmal anders anfühlen?

      Ich glaube nicht, dass ich einem Menschen, den ich nur sprachlich, aber nie persönlich kennengelernt habe, hundertprozentig vertrauen würde. Bei Menschen, die ich persönlich kenne, gibt es das aber schon.

      Ich mache manchmal ein Zen-Sesshin mit. Mit den anderen Teilnehmern entsteht im gemeinsamen Schweigen eine ganz eigenartige Verbundenheit. Diese Verbundenheit zerfällt meistens wieder, wenn man dann am letzten Tag anfängt, miteinander zu reden. Andererseits wäre es auch komisch auseinanderzugehen, ohne ein Wort zu wechseln.

      Ich denke, dass es im sprachlichen Austausch die bildhaften Vorstellungen sind, die Gefühle auslösen und was ins Fließen bringen. Dem Gesprächspartner gelingt es, etwas von sich in meinem Kopf abzubilden. Dann wird er als Vorstellung sozusagen in mir zum Leben erweckt. Das hat natürlich schon seinen eigenen Wert, deshalb reden und schreiben wir.

      Aber man bleibt im Bereich der Vorstellungen und Gedankentätigkeit. Ich finde es gut, wenn man sich dessen gewahr bleibt.

      Herzliche Grüße
      Marian

  17. federleichtes
    Juni 26, 2014 um 1:59 am

    @ Mathias und Marian

    Besser geht’s kaum, was Ihr demonstriert; ich meine das Fließen.

    Natürlich braucht man, um Neuland zu erschließen, auch seinen Intellekt. Aber wichtiger scheint mir der Mut und die Bereitschaft, in der persönlichen Auseinandersetzung sachlich zusammen zu finden. Leben, auch das Erforschen, ist nicht berechenbar.

    Als ich heute am Nachmittag Richtung Castrop fuhr, wählte ich einen der möglichen Wege. Am Kreisel entschied ich mich anders und fuhr Richtung Ölbachtal, wollte vor der Brücke rechts über die Halde fahren. War ein bisschen in Gedanken, verpasste den kleinen Feldweg und fuhr auf die Brücke. So was Blödes, bremste, wollte umdrehen – und dann kam er.

    Was wir draußen erleben, ist nie berechenbar. Wir tun es einfach, gehen, stehen, warten – auf den Moment, der auf uns wartet.
    Ich sah die Bachstelze, ich sah, was sie machte (Insekt im Schnabel, also Füttern), ich sah, wohin sie flog, ich sah ihr Kind (Ästling).

    Vor zwei Tagen besuchten wir unseren Steinkauz, und ich sah die Bauersfrau auf dem Hof laufen. Gerne ich hätte ich ihr erklärt, warum wir an ihrem Hof herum lungern, aber sie verschwand wieder. Heute wollte ich Versäumtes nachholen, fuhr auf den Hof, sah den Steinkauz,

    und dann erklärte ich ihr, was wir machen – und sie zeigte mir, wo Steinkauzens brüten.
    Was ich sagen möchte:
    Mut und die Fähigkeit zur Auseinandersetzung lernt man nicht aus Büchern. Man muss es tun. Man muss tun, was als Kind misslingen musste, weil Kind niemals eine echte Chance hat im Umgang mit Menschen, die sich Erwachsene nennen, tatsächlich aber mit sehr, sehr großer Wahrscheinlichkeit von einer KZN heimgesucht wurden. Man kann lernen, dass man mit absoluter Sicherheit Menschen begegnet, solchen, die nett sind, und anderen Menschen begegnet, die garstig sind. Und dass das Wechselspiel unvermeidlich ist. Und dass man garstigen Menschen – mit der entsprechenden Erfahrung (Enttraumatisert = statt Emotionen ein Gefühl) nicht mit Feindseligkeit begegnen muss.

    So, ein Danke mit der Katze, die Pferdeäpfel bewacht, an Mr. Chattison.

    Und ein Danke an Martin für die unendliche Geduld mit uns materialistischen Randfiguren.

    Ach, das Kind der Zaunkönige erwischte ich, weil vor mir ein paar „suspekte“ junge Menschen mich zum Langsamfahren zwangen.

    Sommerzeit – Wenigzeit.

    Gruß in die Runde.

    Euer
    Wolfgang

  18. Juni 26, 2014 um 9:09 am

    Die Mühe machte ich mir jetzt nicht, alle Kommentare durchzulesen, weil mir leider nicht genug Zeit verbleibt. Das gibt mir aber das sinnige Stichwort zum Thema. Schon mal darüber nachgedacht, daß es letztlich gar kein JETZT gibt? Nur der Augenblick widmet sich seiner Existenz, ansonsten schöpfen wir allesamt aus der Vergangenheit, viele blicken, wohl nicht zu Unrecht, sorgenvoll in die Zukunft. PI somit bereits der eigentliche Nullpunkt im Moment des allgegenwärtigen Seins, im JETZT? Wer weiß.

    • federleichtes
      Juni 26, 2014 um 1:29 pm

      „Nur der Augenblick widmet sich seiner Existenz, …“

      Menschen lernen im allgemeinen, Zeit rational, objektiv oder als Einheit zu verstehen. Sie schauen auf die Uhr, sie reißen Kalenderblätter ab, sie rechnen mit der Zeit. Zeit ist aber subjektiv, weil sie Lebenszeit verschieden zu gestalten vermag. Die Zeit, in die Mensch gezwungen wird (oder wurde), ist informativ determiniert – die Folge nennen wir Emotionalität oder auch gerichtete Energie. Kurz:
      Leben ist eine sehr spezielle Art, Existenz sowohl individuell als auch allgemein zu gestalten.

      Sorgenvoll empfinden die Menschen, die glauben, Leben SEI die Existenz. Sie glauben zu existieren, weil sie das Gehen eines Weges von A nach B (oder von Moment zu Moment) erleben. Und diese Wahrnehmung ist Realität, und die Realität ist ein Produkt der Wahrnehmung. Dass es verschiedene Formen von Existenz-schaffenden-Erregungen gibt, versuchten wir hier zu verdeutlichen
      – mit der Unterscheidung in Wesen-Ich und Ego-Ich, und
      – mit der Unterscheidung von Emotion und Gefühl,
      – mit der Unterscheidung in Daten und Informationen, und
      – mit der Unterscheidung verschiedener Arten von Bewusstsein.
      Wahrscheinlich sind alle Unterscheidungen eher nicht verstanden worden, weil sie nicht unter den Bedingungen von Zeit entstanden, sondern die Zeit (nur) als ein Etwas betrachten, das inhaltlich (dynamisch und systemisch) nach einer Betrachtung verlangt. Unsere Unterscheidungen sind also weniger der Lebensgestaltung, eher dem Leben selbst dienlich.

      Natürlich schöpfen wir aus der Vergangenheit – vielleicht sind wir sogar ein von der (höllischen) Vergangenheit notwendig gestaltetes Produkt. Leben verstehbar als Weg von einem unbewussten Himmel in eine nicht verifizierbaren Hölle – und durch die Hölle in die Bewusstheit eines neuen Himmels (oder himmlischen Bewusstheit)?

      Das Jetzt verstehe ich als die „Zeit“, in der nicht das Leben einen Menschen leitet, sondern der Mensch das Leben bewusst benutzt. In der (s)einGefühl die Existenz gestaltet, und nicht Emotionen die Existenz bestimmen. Das ist bereits, im Sinne alten Existenz-Verständnisses ein gewisser Nullpunkt. Vielleicht braucht Mensch Symbole, logisches Denken und fiktive Reisen ans Ende des Universums, als Krücken, um dorthin zu gelangen. Dann braucht er sie nicht mehr. Weil er seine Existenz nicht mehr als die Abfolge von relativ willkürlich gestalteten Augenblicken versteht.

      Danke für Deinen Beitrag.

      Gruß
      Wolfgang

  19. Mathias
    Juni 26, 2014 um 4:14 pm

    Lieber Marian,

    Mit dem Satz hier … „Es ist schon so, dass Wörter, die mit einer Anschauung verknüpft sind, mehr in mir auslösen, mehr zum Fließen bringen und mehr Verbindung zum Gesprächspartner schaffen als Wörter, bei denen ich keine Anschauung dazu habe.“ … habe ich Dich sehr gut verstanden. Auch Deinen anderen Schilderungen kann ich gut folgen, und vermag es nicht das noch besser auszudrücken.

    > … und dann fühle ich mich den Menschen verbundener, als wenn über Energie und Information geredet wird. <

    Stimmt, das geht mir ganz ähnlich. Es muss eine Relevanz zur eigenen Erfahrung und zum eigenen Erleben vorhanden sein – oder zumindest durch Vorstellungsvermögen ein Bild im Kopf entstehen.

    Wenn wir also über das Trauma sprechen, und wir hier auch konkrete Erlebnisse beschreiben, sprechen die natürlich eine bildhafte (und für manch einen vielleicht auch fühlbare) Sprache. Und ohne diese konkreten Erlebnisse lässt sich SICHER nur ungenügend über das Trauma sprechen. Dennoch hat für mich die abstrakte Ebene wie Du sie bezeichnest, das Trauma betreffend einen persönlichen Wert – und zwar ist es der, das für mich über diese Ebene ein Verstehen entstanden ist, mit dem ich mein eigenes Erleben, und das von vielen meiner Mitmenschen verstehen konnte. Als ich damals das Erlebnis bei der Wildwasserfahrt hatte, war mir das Schreien nach meiner Mutter, ein Rätsel. Ich konnte es bewusstseinsmäßig überhaupt nicht einordnen, weil ich noch kaum etwas über das Trauma wusste. Na ja, es bedurfte damals eben noch verschiedener Offenbarungen der feindseligen Informationen – die sich meist in meinen Beziehungen zu Frauen widerspiegelten (fast alle davon an bestimmten Punkten der Begegnung von starker Emotionalität und auch Hemmungen meinerseits geprägt), die mir dann irgendwann ein Muster zeigten und mir erst vor noch nicht so langer Zeit so richtig klar wurde, das es sich im Grunde, was den Kern der verschiedenen Begegnungen betrifft, um Widerspiegelungen einer Nicht-Verbundenheit von mir zu meiner Mutter handelte. In etwa: Nicht-Verbundenheit als Nährboden für eine verborgene Sehnsucht. Das frühere Gefühl des Nicht-Aufgehobenseins hat später seinen Preis verlangt; meine Mutter hatte mich als Kind, als ich etwa 6-Monate alt war, die Woche über in einer Wochenkrippe abgegeben, das ging dann etwa 2 Jahre lang so. Darüber habe ich keinerlei Erinnerungen, aber meine Erlebnisse als Jugendlicher und Erwachsener, erzählten mir bisher alle AUCH von einem Rückbezug.

    Und aus der Erfahrung heraus erklärt sich vielleicht, warum mir die sachliche Beleuchtung des Trauma – und Begriffe wie „feindselige Informationen“, eben nicht abstrakt sind – weil sie Teil einer Beschreibung und Erklärung sind für das Erlebte und Erfahrene. Das Abstrakte ist also nur dann wirklich abstrakt und beziehungslos, wenn es völlig abgetrennt vom Erlebbaren daher kommt. Da hast Du natürlich Recht, die abstrakte Ebene für sich genommen, enthält dann wenig Aufnehmbares und wirklich Bereicherndes.

    Damit erst mal genug für heute.

    Danke Dir!
    Mathias

    • federleichtes
      Juni 27, 2014 um 3:05 pm

      Persönliches schreiben, authentisch-offen sein. lieber Mathias – ich schreibe so, seit ich hier schreibe. Weder ist diese Art zu-sein besonders geschätzt, noch mögen einige Menschen die direkte Ansprache eher überhaupt nicht. Ist aber kein spezielles Blog-Muster, sondern auch beobachtbar in der „freien Natur“ bei Tieren und Menschen.

      Die Ebene, die hier als „abstrakt“ bezeichnet wird – ich wundere mich nicht. Hier geht es ja auch um Muster und Systeme und Systematiken. Die sind zwar auch relativ abstrakt, andererseits aber sehr konkret – wenn es darum geht, Menschen zu analysieren. Auch das mögen einige Menschen überhaupt nicht, wenn sie – gewissermaßen – durchschaut werden, ihre Motive klar erkannt und damit ihr Verhalten berechenbar wird.

      Zum Erwachsenenwerden gehört zwingend, die Bindungen an die (alte) Familie zu klären. Die Berufsgruppe derer, die sich Therapeuten nennen, beackern dieses Feld vehement – wie erfolgreich im Allgemeinen, kann ich nicht einschätzen, aber ich weiß von konkreten Fällen, wo ich die Therapie eher als Beschäftigungstherapie und Existenzsicherungskonzept für den Therapeuten einschätze. Jedenfalls stehen wir in Konflikt mit der Forderung, einerseits unsere Eltern zu lieben und zu ehren, und andererseits uns von ihnen zu trennen.

      Die Eltern-Kind-Beziehung ist durch die Zeiten hindurch problematisch gewesen – und geblieben. Also ein fundamentales Problem, die Existenz direkt betreffende Problematik, die, weil ungelöst, weiterer Aufmerksamkeit bedarf.
      Im Kern der Problematik sehe ich einen Verdrängungs-Mechanismus arbeiten. Den ich kurz (wegen mir auch klischeehaft) beschreiben möchte. Es gibt Selbstverständlichkeiten, dass eine Frau ein Kind gebärt, dass die Mutter ihr Kind versorgt, dass ein Vater das Kind zeugt und arbeitet, um den Unterhalt für die Familie zu sichern. Diese Selbstverständlichkeiten sind einigen Eltern aber nicht selbstverständlich – sie fordern Dank, Respekt, vereinzelt mittels Repression sogar Liebe von ihren Kindern.
      Dann gibt es Nicht-Selbstverständlichkeiten, dass eine Mutter ihr Kind mit Liebesentzug dressiert, dass ein Vater sein Kind sexuell missbraucht und/oder es schlägt. Und nicht selbstverständlich ist mir das alte Muster, das Kind habe für seine alten Eltern zu sorgen; ich tippe hier nur den Begriff der Hörigkeit (allgemein auch nicht gerne gehört!) an.
      Die eigentliche Problematik sehe ich darin, dass das Selbstverständliche missbraucht wird, um das Nicht-Selbstverständliche zu rechtfertigen. Ein größeres Thema? Ein tiefer sitzendes Problem, das erst erreicht wird, wenn viele Schichten neuer und alter individueller und kollektiver Erfahrungen abgetragen wurden?

      Ein Wörtchen zu Energie und Informationen. Wir diskutierten hier lang und breit und länger und breiter darüber. Wer das Thema „Geist“

      – System und Funktion;
      – Absicht und Wille;
      – als schöpferische Tätigkeit und
      – reflektierendes Wesen

      nicht ausreichend bearbeitete, wird es natürlich schwer haben, Grund-Selbstverständlichkeiten in ALLEN Bereichen des Lebendigen zu entdecken. Ich kann weder für Andere IHRE Schularbeiten machen, noch deren Verwirrungen noch deren Ängste auflösen. Wer Ubuntu will, bitte sehr, wer schwimmen will im Sumpf der Lügen, bitte sehr. Rechts und links sind zwar Eigenschaften eines Weges, aber nicht der Weg.

      Herzliche Grüße sendet Dir ein

      Wolfgang
      (der gestern den ersten Tag seines Lebens BEWUSST freundlich war. Am Rande: Eine umwerfende Erfahrung)

      • Mathias
        Juni 27, 2014 um 6:56 pm

        Deine Zeilen lese ich immer gerne, lieber Wolfgang!

        > Die eigentliche Problematik sehe ich darin, dass das Selbstverständliche missbraucht wird, um das Nicht-Selbstverständliche zu rechtfertigen. Ein größeres Thema? <

        JA, das sehe ich ähnlich – das wäre eine zu beleuchtende Problematik. Aber auch das Selbstverständliche wird vom Menschen höchst unterschiedlich erfahren – und deswegen gehen hier Standpunkte sicher auch weit auseinander. Nur als Beispiel hierfür: Ich hatte immer mal wieder Unterhaltungen über die Mutter-Kind Beziehung mit verschiedenen Gesprächspartnern, wo ich deutlich wahrnehmen konnte, dass sie diese Beziehung fast ausschließlich auf rationaler Ebene verstehen konnten – die Inhalte die sie verstehen konnten waren „Füttern“, „Stillen“, „Impfen“ usw… Über Gefühle von Geborgenheit, die in der Mutter-Kind Beziehung eben mehr oder weniger erlebt werden, war mit ihnen nicht zu sprechen; ich spürte da regelrecht ihr Nicht-Verstehen bzw. genauer, ihr Nicht-Fühlen dessen, was mir eigentlich das Wesentliche war, um was es in der Mutter-Kind Beziehung eigentlich geht … (mir jedenfalls).

        Und das hat ja etwas mit Entfremdung zu tun, und Entfremdung wiederum ist ja durchgängig sichtbar in unserer Gesellschaft, denn am Ende ist ja selbst der gesamte bisherige Fortschritt Ausdruck einer Entfremdung (die an jeder „Hausecke“ zu finden ist).

        Ich habe gerade angefangen das Buch von Jean Liedloff „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“ zu lesen (Danke an Moni an dieser Stelle!), und etwas Grundlegendes was ich dem Buch bisher entnehmen konnte, war ihre Beobachtung das die Kinder der Eingeborenen eine grundsätzliche Richtigkeit (und Geborgenheit) erfahren. Demgegenüber scheint mir ein häufiges Muster in unserer westlichen Welt, das Mensch-Kind diese grundsätzliche Richtigkeit seiner selbst – genau NICHT erfährt und man im Prinzip von einer systematischen Zerstörung seiner Richtigkeit von Außen sprechen muss. Im besten Falle schafft es der zivilisierte Mensch, nachdem seine Richtigkeit durch verschiedene traumatische Erlebnisse, durch Eltern und Erziehung und Gesellschaft zerstört wurde, sich auf den Weg zu machen diese Richtigkeit für sich wieder herzustellen. Na ja – Enttraumatisierung mal wieder, nur mit anderen Worten beschrieben.

        Das mal ein kurzer Exkurs, kann ja auch sein das in Deiner obigen Aussage noch mehr steckt – also eine Tiefe einer Problematik, die ich vielleicht noch nicht erkennen kann.

        Herzliche Grüße an Dich,
        Dein Mathias

        • federleichtes
          Juni 28, 2014 um 4:29 am

          „… kann ja auch sein das in Deiner obigen Aussage noch mehr steckt – also eine Tiefe einer Problematik, die ich vielleicht noch nicht erkennen kann.“

          Aber die Witterung hast Du aufgenommen. Klar, es geht um „Systematisierten Missbrauch“. Es geht um Machtransfer, um Übermacht und Ohnmacht, und es geht – sehr speziell – um die Methodik, um die Wesen, die das mittels subtil-perfider, betrügerischer Manipulationstechniken möglich machen: Dass die Armen ärmer und die Reichen reicher werden. Deren Geist spielt eine entscheidende Rolle – für die allgemeine Offenbarung und eine sehr spezielle Apokalypse. Sollten wir mal einen Zenit erreichen, dann verdanken wir es ihnen.

          Wenn mir „Moni“ mal über den Weg läuft, richte ich Deinen Dank aus.

          Herzlich
          Dein
          Wolfgang
          (der mit dem Steinkauz-Syndrom)

  20. federleichtes
    Juni 27, 2014 um 3:40 pm

    Trauma?
    Hölle?
    Zeit?
    Zeitgeist?
    Geist, der als Information mit der „Erde“ verbunden bleibt?
    Deutschland, lieb Vaterland?

    Wer die Nerven hat, dem Wesen der Feindseligkeit etwas näher zu treten, bitte sehr.

    http://vadderland.wordpress.com/2014/06/25/der-einzig-echte-holocaust-war-der-an-den-deutschen/

    Das Theoretische hat immer eine pragmatische, eine Erfahrungseite – die ohne Bewusstsein darüber informativ-reaktiv bleibt.

    Gruß
    Wolfgang

    • chattison
      Juni 27, 2014 um 5:37 pm

      März 1939 knapp 80 Millionen Einwohner.
      Oktober 1946 knapp 65 Millionen Einwohner.
      Offiziell höchste Schätzung an toten Deutschen zwischen Kriegsbeginn und Kapitulationszeitpunkt Japans – knapp 7 Millionen (Zivilisten inklusive).
      Macht eine Differenz von sage und schreibe 8 Millionen

      Wenn man berücksichtigt, dass das Saarland nicht offiziell mitgezählt wurde und die ehemaligen Ostgebiete auch nicht, aus denen von ursprünglich ca. 8 Millionen 7 Millionen flüchteten und offiziellen Schätzungen nach 2 Millionen während Flucht und Vertreibung umkamen, bleibt also trotzdem eine immer noch sehr beachtliche Differenz von ca. 5 Millionen!

      Und selbst wenn man Zählungsungenauigkeiten, mangelnde Erfassbarkeit, Übertragungsfehler etc. statistisch miteinrechnete, bleiben immer noch mehrere Millionen übrig, die offensichtlich erst nach Kriegsende „verlustig“ gingen und das in einem Zeitraum von knapp 1.5 Jahren.

      Da mag sich jeder seinen eigenen Reim drauf machen.

      Das Wesen der Feindseligkeit ist ganz offensichtlich eine Mißgeburt von maximalen menschlichen Defiziten, die in erster Linie (nicht nur natürlich) einem Erziehungs(un)wesen und einer Seins-Ideologie ge“dankt“ sind, die sich für den Menschen selbst – und damit für die Menschlichkeit – keinen Deut interessieren.
      Und – Obacht! – ich unterscheide dabei keinen Deut zwischen echten Nazis und sogenannten „Befreiern“!
      Wer die Geschichte sorgfältg studiert, der weiß ganz genau, dass die Gegner Deutschlands mindestens soviel Dreck am Stecken hatten wie den Deutschen zur Last gelegt wurde.
      Warum?
      Weil sie genau so defizitär waren aufgrund genau vergleichbarer Defizitierung durch Indoktrination, Konditionierung, eben Wesensvergewaltigung.
      Es macht für den Hund keinen Unterschied, ob er zu einem Schoßhündchen oder einem Kampfhund verzogen wird.
      Er ist beides nicht!
      Und in beiden Fällen kann man die gleiche aggressive Haltung feststellen – eben weil beides dem Hund nicht gerecht wird und er dies dadurch ausdrückt!
      Beim Menschen ist das nicht anders.
      Folgerichtig ergibt das dann Unmenschlichkeit, wenn die Umstände es zulassen, wie beschrieben.

      • federleichtes
        Juni 28, 2014 um 3:52 am

        Was ich an Ihnen so schätze – Sie sind DA, auch wenn’s mal enger wird. Danke!

        Dass ich mit der Verlinkung nicht irgend welchen Völkern, auch nicht „Machern“ Schuld zuweisen wollte, wird Ihnen klar sein. Ebenso beabsichtigte ich kein Befeuern irgend welcher Verschwörungstheorien, seien sie auch noch so plausibel dargestellt.

        Die Zeit gebiert eine Feindseligkeit, die ich auch völlig regungslos das „Böse“ zu nennen in der Lage bin.
        Erinnere mich gerade an meine Recherchen zu „Stalin“. Ich las von den dörflichen Kulturbedingungen, in denen er aufgewachsen ist. Keine ungewöhnlichen Bedingungen, aber knüppelhart – an den Menschen zerbrechen oder konfiguriert werden, andere Menschen skrupellos zu zerbrechen, so, wie sie es („Erfolg“) lernten.
        Ist ja keine Enteckung von mir, dass die Sozialisierung/Zivilisierung des Menschen nur aus einer sehr dünnen Schicht besteht. Ist auch sicher nicht nur meine Erfahrung, wie schnell Menschen ihre friedfertige Maske verwandeln in eine bösartige Aggressionsfratze. Und am Rande: Einigen auf der politischen Ebene tätigen Menschen traue ich zu, was weder im Entferntesten mit christlich, sozial – und mit demokratisch ja bereits vom Ansatz her – nichts, NICHTS zu tun hat.
        Erinnere mich gerade an das Gespräch mit einem Polizisten. Als Occupy am Kochen war, fragte ich ihn, wie sich die Polizei verhalten würde, wenn das Volk rebelliert. Klare Antwort: Die Hälfte (von uns) würde drauf hauen.

        Ich bin manchmal – aktuell verschärft – zu ungeduldig. Alles, was auf der Psycho-Ebene als wissenschaftlich gilt, ist schlicht falsch. Die Irrtümer auszuräumen, ich glaube nicht mehr daran, dass das möglich ist. Heute unterwegs verschwendete ich ein paar Gedanken an das Thema „Bewusstseinsspaltung“. Der Begriff sitzt in den Köpfen fest. So ein Schmarrn, wie will man Bewusstsein spalten – mit ’ner Spalttablette? Und guckst du, wie Menschen gucken, wenn du sagst, nur die Integrität des Geistes ist zu spalten. Häh, Geist spalten, wo bist du denn wech gelaufen, so gucken die dann.

        Bösartigkeit schleppt sich, scheinbar als einzig stabiler Faktor, wie zeitlos durch die Jahrtausende. Und besonders verhängnisvoll scheint mir das reaktive Element, auf Feindseligkeit reflexartig mit Feindseligkeit zu antworten. Was der Mensch auf diesem Planeten an Verhalten zeitigt, hat NICHTS mehr mit einem Schleimpilz gemein; mit keinem Tier, mit keinem anderen Lebewesen. Womit?
        Kennen sie den Begriff „Zeitspur“? Ich google gleich mal, was Andere darunter verstehen. Für mich ist sie mehr als nur die informative Aufzeichnung der Menschengeschichte, es ist die Aufzeichnung der Entstehung des Bösen.

        Wir tanken Steinkauz.

        Susanne tankte zusätzlich Grünspecht, Mama und zwei Kinder waren heute auf ihrer Vogelwiese. Die Bilder kommen morgen.

        Nochmals Danke für Ihre Präsenz.

        Gruß
        Wolfgang

        PS.
        Zu „Zeitspur“ ein Link – habe aber noch nicht alles Dargebotene gelesen.
        http://www.seinsforschung.de/gott-co/phi/

        • Juni 28, 2014 um 12:23 pm

          Da, wo´s für die meisten enger zu werden scheint, da fängt nach meiner Auffassung erst das Weiten an.
          Nicht hingucken könne die meisten sehr gut, es gibt keine andere Disziplin, die so viele Weltmeister hervor gebracht hat wie die Verdrängung.
          Scheuklappen dienten den Kutschpferden zur Vermeidung von unerwünschten Irritationen.
          Der Unterschied: kein Pferd zieht die Dinger freiwillig an – Menschen reißen sie den Anbietern förmlich aus der Hand und zahlen auch noch dafür!

          9 von 10 Haien, die einen Menschen i.d.R. irrtümlich angefallen haben, spucken den Rest als ungenießbar wieder aus.
          Es soll Haie geben, die fressen aus Hunger lieber Fahrräder.
          Wenn selbst eine vorgebliche „Mordbestie“ wie der Hai, – auch in Situationen, wo bekanntlich der Teufel Fliegen frisst -, von uns Abstand nimmt, sollte das zu denken geben^^

          Die „Zeitspur des Bösen“ ist für mich nur eine von etlichen Spuren, so wie es auch in einem Gewebe unterschiedliche Kettenfäden gibt.
          Wenn das „Böse“ sozusagen prominent wird, indem es z.B. den Saum oder die Kragenleiste bildet, sticht es besonders hervor und damit ins Auge.
          So wie das Auge erst mal an dem goldenen Knopf hängen bleibt, aber des viel wichtigeren und wertvolleren Tuches darunter als Trägerstoff nicht gewahr wird.
          Das „Böse“ ist nicht Essenz des Seins, sondern eine Applikation, die der „Teufel“ aufgenäht hat.

          Wenn man sich Hieronimus Bosch-Bilder ansieht, möchte man verzweifeln und fragt sich: Wer will das im Wohnzimmer hängen haben?^^
          Aber das ist explizit seine Sicht der Dinge!
          Ich habe dergleichen selbst weltweit noch nicht vorgefunden – es ist also künstlerischer Ausdruck seiner inneren Weltsicht, die ich mir aber deswegen noch lange nicht zu eigen machen muss.
          Da seine Auftraggeber vornehmlich aus Kirchenkreisen kamen, darf man zudem eine gewisse kundenorientierte Themen- u. Darstellungsbeflissenheit annehmen^^

          Aber Bosch ist ein gutes Beispiel dafür, wie man dem Entsetzen Ausdruck verleihen kann ohne die Hoffnung zu verlieren (nur die in das Alighierische Entsetzen eintreten und dort verharren, müssen alle Hoffnung fahren lassen!^^) und zugleich in der abschreckenden Visualisierung eine portraitierte Mahnung ausbreitet, die einzig und alleindarin besteht, dass die Maximierung und ungeschönte Verdichtung des Schrecklichen abschreckt.
          In seinem Fall war der Auftrag, die Verderbtheit zu portraitieren und die höllischen Folgen drastisch auszuleuchten – aber für wen?
          Ganz gewiss nicht für das niedere Volk, denn die hatten weder Muße noch Knete, um sich solche Bilder an die Wand zu hängen!
          Es war für die Auftraggeber, die sich daran ergötzen(sic!) konnten!
          Es waren diese Auftraggeber, die mehr als das Volk es je inszenieren konnte Verderbtheit pflegten.
          Das wirklich Böse besteht nicht in den angeprangerten „unmoralischen“ Verhaltensweisen – es besteht explizit in der Propaganda der Moral selbst!
          (Und bevor sich wieder jemand künstlich aufregt: Nein, Moral ist nicht dasselbe wie Vernunft oder Verantwortung – im Gegenteil!!!)

          Die Zeitspur hat vor ein paar tausend Jahren erst so begonnen.
          Das war mit Sicherheit nicht immer so.
          Kein Faden ist unendlich und falls doch, es gibt ja auch noch Scheren…

  21. Mathias
    Juni 28, 2014 um 12:48 am

    Ach! Gestern las ich von im Zoo lebenden Elefanten, und das diese sich mitunter Munitionsvorräte anlegen (Lehmbatzen, Äste usw.). Sie warten dann auf den „richtigen Augenblick“, dass der ungeliebte Tierpfleger ihnen den Rücken zukehrt, und dann schlagen sie zu. Zeitempfinden gibt es also nicht nur beim Menschen.

    Ihr Verhalten erinnerte mich auch noch einmal an meine Schneebälle, und dass die Bewohner die diese empfingen, wohl hoffentlich auch die „Richtigen“ waren.

    • Juni 28, 2014 um 12:58 am

      🙂 Ja, es gib mehr Wesen als uns Menschen, die Bewusstsein über Zeit haben als auch Empathie besitzen …

  22. Juni 28, 2014 um 1:55 am

    “Ja, es gib mehr Wesen als uns Menschen, die Bewusstsein über Zeit haben als auch Empathie besitzen …“

    Vielleicht haben z. B. Tiere im Zoo längst ein wenig Abstand von ihrem natürlichen Wesen erfahren und dafür den Einfluss menschlicher Anwesenheit verinnerlicht ? Sind Zootiere eine Lebensgemeinschaft oder nicht vielmehr einer Gesellschaft sehr ähnlich, wie sie der Mensch vorlebt. Auch hier, im Vergleich der Zeit und der Interpretation selbiger, zählt der Kontext, in dem das Leben wandelt. Von Natur aus sind Lebewesen zeitlos, d.h. sie greifen nicht Vergangenes auf und planen nicht für die Zukunft, sie reagieren unmittelbar, was für uns aber oft zeitabhängig erscheint, weil unser Kontext der Betrachtung ein anderer ist, den wir gerne auf die ANDEREN übertragen …

    Einzig wir Menschen brauchen Zeit und kramen in Vergangenem, weil wir uns der Verantwortung für das Augenblickliche dadurch entziehen können …

    Gruß Guido

    • federleichtes
      Juni 28, 2014 um 4:08 am

      „Einzig wir Menschen brauchen Zeit und kramen in Vergangenem, weil wir uns der Verantwortung für das Augenblickliche dadurch entziehen können …“

      Die Verantwortung hätten wir ja auch nicht, und die Schuld auch nicht mehr, wenn in der Vergangenheit eine Ursache für die Heilige Dreischeißigkeit gefunden würde, gell.

      Und gleich mal zum gespaltenen Geist: Wie soll die Psyche mit einerseits verordneter Schulderbsünde und andererseits mit Freiemwillenverantwortung klar kommen? Kennst Du den Begriff „Hassliebe“?

      Meine Vögel fangen das Singen an, ich Bett.

      Gruß
      Wolfgang

  23. Juni 28, 2014 um 8:20 am

    Mathias hat erwähnt, dass er in Sachen Mutter-Kind-Beziehung mit anderen über Füttern, Impfen, Stillen, aber nicht über das grundlegende Gefühl der Geborgenheit reden konnte, sondern auf Unverständnis gestoßen ist. Daher möchte ich nochmal den Begriff „Verbundenheit“ aufgreifen. Was ist das eigentlich? Woher kommt sie?

    Wenn ein Kind auf die Welt kommt, ist es körperlich mit der Mutter verbunden, wofür die Nabelschnur immer noch das Symbol ist. Manche spüren, dass es etwas bedeutet, wenn diese durchschnitten ist. Aber diese körperliche Verbindung zwischen Mutter und Kind ist sehr viel umfassender.

    Was das Baby kennt, sind alle körperlichen Regungen der Mutter: ihren Herzschlag, ihre Verdauungsgeräusche, ihren Geruch, ihre Körperwärme, den Klang ihrer Stimme. Der Körper der Mutter mit all seinen Regungen sind zuerst mal seine einzige Orientierung in der Welt, in die nun nach der Geburt gekommen ist.
    Bis zur Geburt war das Baby ein Teil des mütterlichen Körpers. Auch nach der Geburt
    steht es weiterhin über das Körperliche mit der Mutter in enger Verbindung.
    Beim Saugen/Stillen greift das Baby in einen körperlichen Regelkreis der Mutter ein und lenkt ihn sogar.
    Das Baby ist noch ganz sein Körper, es ist noch ganz Körpergefühl.

    Wenn die Mutter sich mit ihrem Bewusstsein nicht im Körper befindet, sondern ihrem eigenen Körper entfremdet ist, entsteht ein grundsätzlicher Bruch zwischen Mutter und Kind. Dann kann eben dieses Gefühl von grundsätzlicher Verbundenheit zwischen Mutter und Kind nicht entstehen. Dann kann dieses Gefühl von Geborgenheit auch nicht entstehen.

    Dem Bruch zwischen Mutter und Kind geht ein Bruch voraus, der zwischen Körper und Geist innerhalb der Mutter besteht. Die Mutter ist nicht eins mit ihrem Körper. Deshalb weiß sie auch nicht, was für ihr Kind das Beste sind, sondern versucht, dieses Defizit mühsam auszugleichen, indem sie sich von außen Wissen zu verschaffen versucht, über Bücher, Ärzte, sonstige Ratgeber. In der Regel hört sie dabei sogar eher auf Männer als auf andere Frauen. Und wenn heute Frauen Ärzte sind, übernehmen sie das „Wissen“, das in aller Regel Männer zusammengetragen haben.

    Als könnte je ein Mann einer Frau sagen, wie eine Geburt geht.

    Der Bruch zwischen Geist und Körper geht allerdings weit zurück. Auch die meisten Naturvölker fügen dem Körper (sowohl ihrem eigenen wie dem von anderen) absichtlich Schmerzen zu. Warum eigentlich? Die Antwort: Der Mensch hasst seinen Körper, weil er die Vergänglichkeit damit assoziiert.
    Dieser Hass und die Verachtung gegenüber dem Körper wurde über die Jahrhunderte und wird immer noch über unsere Religionen transportiert. Selbst da, wo wir höchst spirituell sind, ist der Körper immer bloß „Gefäß“ oder „Tempel“ für etwas viel, viel Wertvolleres: das Geistige, die Seele, das Unvergängliche.

    Die Wissenschaften sind ein bisschen freundlicher zum Körper: Hier ist der Körper immerhin schon eine Maschine, die man ab und zu ölen muss.
    Eine tiefgehende Versöhnung mit dem Körper ist das aber auch nicht gerade.

    Was, wenn es gerade umgekehrt ist: wenn der Geist, die Seele das Vergängliche ist, das bloß in einer vom Menschen selbst erfundenen Begriffswelt existiert?
    Was, wenn der Körper das Unvergängliche ist, weil die Bausteine des Körpers ein ständiger Austausch mit dem Ganzen sind? Und im Tod die Bausteine wieder ins Große Ganze eingehen und woanders Verwendung finden?
    Was, wenn gerade der Körper das Bewusstsein ist und das, was in den Neuronen stattfindet, bloß eine Spiegelung (und dazuhin noch eine verdrehte) Spiegelung dieses Bewusstseins?

    Unser Umgang mit dem eigenen Körper und der Umgang mit der Erde gehören zusammen. So wie wir unseren Körper notdürftig medizinisch versorgen, so versorgen wir notdürftig die Erde, indem wir Müll trennen oder mal mit dem Fahrrad statt mit dem Auto fahren. In beiden Fällen fügen wir erst Schaden zu, um dann Symptome zu behandeln (und damit wieder Geld zu verdienen und das Bruttosozialprodukt zu erhöhen).

    Wir haben verlernt, in unserem Körper das Göttliche und Unvergängliche zu sehen. Die Folge davon ist, dass wir auch verlernt haben, in der Erde und der Natur das Göttliche und Unvergängliche zu sehen.

    Stattdessen sehen wir das Unvergängliche in unserem eigenen Geist und erfinden die Seele, die Wiedergeburt, den Himmel, Feinstoffliches oder Schwingungen, um diesen Geist (oder dieses Bewusstsein) in unseren Vorstellungen in alle Ewigkeit weiterzutransportieren. Was, wenn genau das das EGO ist?

    Da Körper und Erde anscheinend sowieso nicht ewig existieren, setzen wir noch eins drauf und behandeln sie lieber gleich wie Wegwerfprodukte.
    Dann sind wir es wenigstens selber, die wir uns zerstören. Yep, was für eine Freiheit.

    Oder wir behandeln sie wie Maschinen, die wir durch immer bessere Maschinen und Technologien ersetzen, die unser vergleichlicher, unvergänglicher Geist erfindet. Yep, was für eine Unsterblichkeit.

  24. federleichtes
    Juni 28, 2014 um 3:50 pm

    @ Mr. Chattison

    „Kein Faden ist unendlich und falls doch, es gibt ja auch noch Scheren…“

    Verdrängen ist im menschlichen System nicht nur vorgesehen. Das INFORMATIVE (ich schreibe für Menschen, die den Unterschied von Information und Energie besser verstehen möchten, einige Worte versal)) ausblenden hat auch nichts mit Lust/Unlust zu tun und auch nichts mit einem postulierten Überlebenstrieb. Es ist die Nicht-Konfrontierbarkeit mit einer Übermacht, die unkontrollierbar scheint und im Sinne von Existenz zerstörerisch ist. Es ist indirekt die Vermeidung einer unbekannten (fehlende INFORMATION), auf Zerstörung (Absicht = INFORMATION) gerichteten (Struktur = INFORMATION) ENERGIE. Es ist direkt die Vermeidung der Selbstzerstörung durch Angst, einer ENERGIE, die feindselig INFORMIERT ist.

    Ich zitiere mal Grof („Das Abenteuer der Selbstentdeckung“) mit einem Bericht aus einer psychedelischen Sitzung:

    „Ich befand mich draußen im interstellaren Raum. Unmittelbar vor meinen Augen wurde Galaxie auf Galaxie erschaffen. Ich fühlte, dass ich mich schneller als ds Licht bewegte. Eine Galaxie nach der anderen zog an mir vorbei. Ich näherte mich dem Zentrum einer Energiexplosion, aus dem alles im Universum hervorzugehen schien. Es war der Ursprung all dessen, was erschaffen wurde. Je mehr ich mich diesem Zentrum näherte, umso mehr fühlte ich die weißglühende Hitze, die es ausstrahlte. Es war ein gigantischer Hochofen, der Hochofen des Universums.
    Die Hitzeempfindung nahm unglaubliche Ausmaße an, ebenso die Intensität des Lichts. Ich erkannte, dass das Brennen, das ich verspürte, das Brennen des läuternden Feuers war. Je näher ich kam, umso mehr spürte ich, wie sich meine Identität wandelte. Ich war nichtmehr Ausdruck dieser Energie, sondern die Energie selber. … Die Erfahrung war ekstatisch und verlieh mir das Gefühl grenzenloser Macht.“

    Wo fand diese Reise statt? Woher stammten die Informationen der Bildwerdung? Und wo befanden sich die gefühlten/empfundenen Energien?

    Angeblich soll in einem einzigen Atom Raum sein für unendlich viele INFORMATIONEN. Schaue ich auf eine meiner Festplatten, brauchen 2 Terrabyte Speicherplatz relativ viel Raum – aber eben nicht für die Informationen, sondern um sie mechanisch/systematisch/strukturiert verfügbar zu machen.
    Frage also: Können Menschen die Informationen in einer ihrer Körperzellen kennen? Wenn sie noch nicht mal alle Informationen, die ihr System Körper aktuell empfängt, verarbeiten können? Und wie verhält es sich mit den dem Bewusstsein versperrten genetischen Informationen (angeblich 95%). Warum sind sie gesperrt und welcher Art sind diese Informationen? Weil diese INFORMATIONEN dem Menschen Zugang zu ENERGIEN schaffen würde, die er mit seinem (beschränkten) INFORMATIONSverarbeitungs-System nicht konfrontieren kann?

    Na gut, das ist sehr speziell und hat natürlich mit dem Trauma überhaupt nichts zu tun.

    Mit folgendem Text, der besonders Manager interessieren dürfte, garniert:
    „Das Leitmotiv der Thermodynamik in endlicher Zeit (“finite-time thermodynamics”) ist der Preis der Ungeduld und seine Minimierung. Reversible Prozesse können vollständig effizient sein, laufen jedoch meist unverhältnismäßig langsam ab. In allen Situationen – chemisch, mechanisch oder ökonomisch – sind wir bereit, mehr zu zahlen, damit eine Aufgabe schneller erledigt wird. Die Thermodynamik in endlicher Zeit befasst sich mit der Entwicklung von Methoden, diese Zusatzkosten zu begrenzen, wobei diese nicht zwingend monetär sein müssen, sondern sich auch auf Energieaufwand, Entropieproduktion oder dergleichen beziehen können. Die Thermodynamik in endlicher Zeit bietet Verfahren, den optimalen Pfad oder Betriebsmodus bei minimalem Zusatzaufwand zu berechnen. Ausgangspunkt ist es dabei, das System durch den Einfluss einer zeitlich variierenden Umgebung auf den optimalen Weg zu bringen; dies ist wie das Lenken eines Pferdes, das man einer Karotte an einem Stock nachlaufen lässt.“

    Das moderne Pferd bekommt für seine Dienste ein paar Euros, für die es Schnaps und einen Fernseher kaufen kann.

    Wenn mit der Entstehung des Kosmos auch die Zeit entstand, muss es (nach meinem Verständnis) eine Zeitspur für die gesamte Entwicklung geben. Wenn es mal eine „Hölle“ gab, sind die Höllenbilder und der systemische Weg, der dorthin führte, als Daten existent.

    Höllenzeit unterscheidet sich von Lebenszeit erheblich – wenn wir erfahren (konnten), dass Leben die Schere ist.

    Herzlich grüßt Sie Ihr
    Wolfgang

    • Juni 28, 2014 um 6:41 pm

      Es steht und fällt also alles mit der Beantwortung der Frage nach dem wahren Ursprung unserer Informationen (egal auf welcher Ebene und in welchem Bezuge stehend).

      Informationen könnten „Echos“ von Phasenverschiebungen der Möglichkeiten sein.

      Wie kommt es z.B. dass ich realistisch träumen kann zu fliegen, obwohl ich dies noch nie selbst praktizieren konnte.
      Ist es ein genetisches Erbe aus der gemeinsamen Vorzeit von Vögeln oder eine Erfahrungstransposition vom Vogel zum Menschen durch ein gemeinsam geteiltes Infopool-Becken?
      Oder ist es „schlicht“ das Phasenecho aus einem Zustand des Universums, wo uns genau das möglich ist, das aber nicht unser (Phasen)Universum ist?

      Ich denke, dass Zeitreisen und Weltraumreisen nur denkbar möglich sind über Phasenverschiebungen, über die man sozusagen in einen anderen Möglichkeitsraum überwechselt und so Zeiten und Räume tauschen kann.
      Also nix mit Rakete von A nach B oder Hyperraum-Gedöns – eher so, wie es visionär H.G. Wells mit seiner Zeitmaschine vorexerzierte.

      Der „Standort“ bleibt gleich, aber die Phase wechselt.
      Da Zeit und Raum gekoppelt sind, wäre ein Phasenwechsel auch immer sowohl in Raum als auch in Zeit denkbar.
      Vielleicht gibt es diese „Zeitmaschine“ bereits als zelluläre Ausgabe – Neuronen arbeiten an der quantenmechanischen Grenze, da wäre so etwas möglich.
      Wenn in bestimmten reduzierten Bewusstseinszuständen (Rausch, Droge, Traum, Koma etc.) diese allerkleinsten Schwingungen nicht überlagert werden durch makroskopische Schwingungen, haben sie eine Chance sich durch Oktavierung ins Bewusstsein „hoch zu schaukeln“ und dort als Gedanke/Bild/Gefühl – „Information“ präsent zu werden.

      Das Böse könnte so auch als kollektiver Alptraum aus der „falschen“ Phasenkkopplung gedacht werden.

      Nur so ein Gedanke…vermutlich substanzlos, aber trotzdem: wo kommt der her?^^

      • federleichtes
        Juni 28, 2014 um 8:13 pm

        „Es steht und fällt also alles mit der Beantwortung der Frage nach dem wahren Ursprung unserer Informationen (egal auf welcher Ebene und in welchem Bezuge stehend).“

        Aus meiner Sicht:
        „Es steht und fällt also alles mit der Beantwortung der Frage nach dem wahren Ursprung unserer Informationen, die die sehr spezielle Art menschlichen Verhaltens determinieren – oder zu determinieren scheinen“.

        Das ist jedenfalls für mich die relevante Ebene UNSERER Schöpfung, die gestellt ist in einer Weise, die Informationen zu erleben, zu vestehen und den MODUS des ENTSTEHENS der feindseligen Informationen heraus zu finden.
        Eskalation, Aggression, Vernichtungskrieg – ich meine, das sind doch für einen Menschen mit Lebensfreude keine Selbstverständlichkeiten, oder?

        Menschen werden als Geistwesen bezeichnet. Was ist damit gemeint? Dass er Ideen hat, dass er kreativ-schöpferisch tätig sein kann, dass er Probleme lösen und Existenz für sich und Andere noch freudvoller gestalten kann? Bravo, Menschen sind wunderbar. Mit der kleinen Einschränkung, dass ALLEN bisher aufgetretenen Geistwesen es nicht gelungen ist, Hass, Neid, Gier, Betrug, Missbrauch, Eifersucht und Völlerei zu Lasten Anderer zu verringern, geschweige dieser Art Geist ein Ende zu bereiten.

        Ich sag’s mal so.
        Wenn es eine Zeitspur in der Weise gibt,
        – dass eine alte Hölle auf der Bühne der Welt dargestellt wird,
        – dass eine alte Hölle wie eine Statik (Ewigkeit – woher kommt diese Vorstellung? Als Nachbetrachtung?) und damit als relativ unlösbares Problem existierte,
        – dass zur Lösung der Problemtik eine Existenzform geschaffen wurde, die darüber hinaus auch Bewusstsein schafft über das Geistwesen, dass dies verursachte, ließe sich dann nicht sagen: Das ist Leben?

        Ihre Idee mit der Phasenverschiebung ist eine Idee. Meine Idee ist eigentlich keine, aber ich könnte mir vorstellen, dass, wenn die Zeitspur aus dem Menschen entfernt würde oder sie nicht mehr reaktiv (Himmel, nein, bloß nicht an Entraumatisierung denken) ist (!!!!), sofort und gleich paradiesisches Existieren nicht nur möglich wäre, sondern unabdinglich.

        Dieser Idee folge ich seit einigen Jahren. Auf ziemlich krumm scheinenden Wege, die aber in die hintersten Ecken menschlichen Geistes und seines Verhaltens führten. Von dem Liedchen können Sie wahrscheinlich auch ein paar Ströphchen singen. Wie ich Herr über den feindseligen Geist wurde, ist aufgeschrieben. Dass der Weg zu einem gewissen Status nicht in einer Sänfte verlief und auch nicht mit Ruhmestaten gepflastert ist, na ja – vielleicht ist das Ziel der Weg.

        Gruß
        Wolfgang

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  1. Juni 17, 2014 um 7:11 pm

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