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Vom Staate und seinen Dienern

Mir wurde erlaubt, einige Kapitel aus einem Buch zu veröffentlichen, das sich mit unseren Themen hier beschäftigen. Das folgende Kapitel schaut kritisch auf das Konzept von Staat und die Rolle des Menschen als Diener in seinen Instituionen. In den letzten Kommentierungen auf dem Blog ist der Begriff „Feindseligkeit“ immer wieder unter die Lupe genommen worden. Er wird zwar hier nicht explizit gennannt, trieft aber an vielen Stellen zwischen den Zeilen heraus. Der Autor sieht den Menschen als grundsätzlich schlecht an und folgt noch dem inzwischen veralteten Bild(?) des HOMO OECONOMICUS, daher würde es am Ende auch mit dem Staat nicht wirklich gut funktionieren können. Dennoch gibt es zum Schluss einen Hinweis darauf, welche Kleinigkei organisiert werden könnte, damit es besser wird, aber lest selbst:

Vom Staate und seinen Dienern

aus: Die universale Urkraft und das moralische Genie
Notate und Komplemente (nicht nur) zur Philosophie von Arthur Schopenhauer

Der Begriff des Staates bezeichnet, ohne jede Wertung, bloß ein Organisations- und Gewaltmonopol, bezogen auf ein abgrenzbares Territorium und für die darauf wohnenden Menschen. Unabhängig von der Entstehung oder Legitimation eines bestimmten Staates umfaßt der Begriff das Gefüge der öffentlichen Einrichtungen zur Regelung der Begebenheiten und Verhältnisse zwischen den Mitgliedern einer territorial zusammengefaßten Gemeinschaft. Das sagt alles – und auch nichts, soweit der fabrikmäßige Massenmord an ganzen Volksgruppen ebenso unter den Staatsbegriff fällt wie der friedliche Wohlfahrtsstaat; immer aber, im Guten wie im Schlechten, beinhaltet der Begriff des Staates, daß er durch physische Gewalt oder Androhung dieser nachhaltig in das Handeln der einzelnen Mitglieder der Gemeinschaft eingreifen kann, nicht umgekehrt.

Diese Macht, welche nicht dem Naturzustand entspricht und erst konstituiert werden muß, rechtfertigt sich nicht durch sich selbst, sondern ist begründungs- und erklärungspflichtig. Im Wesentlichen laufen Theorien des Staates darauf hinaus, daß die divergierenden und konkurrierenden Einzelinteressen der Bürger eine übergeordnete Instanz notwendig machen, damit der Verkehr zwischen ihnen geregelt und dadurch überhaupt erst dauerhaft möglich wird.

Arthur Schopenhauer [siehe Portraitfoto ⇒ Quelle] vertritt hierzu, von seiner Philosophie ausgehend und mit seinen charakteristischen Worten, in der Sache jedoch wenig originell eine konventionelle Staatslehre: „So angenehm nämlich auch dem Egoismus des Einzelnen, bei vorkommenden Fällen, das Unrechtthun ist, so hat es jedoch ein nothwendiges Korrelat im Unrechtleiden eines andern Individuums, dem dieses ein großer Schmerz ist. Und indem nun die das Ganze überdenkende Vernunft aus dem einseitigen Standpunkt des Individuums, dem sie angehört, heraustrat und von der Anhänglichkeit an dasselbe sich für den Augenblick los machte, sah sie den Genuß des Unrechtthuns in einem Individuo jedesmal durch einen verhältnismäßig größern Schmerz im Unrechtleiden des andern überwogen, und fand ferner, daß, weil hier Alles dem Zufall überlassen blieb, Jeder zu befürchten hätte, daß ihm viel seltener der Genuß des gelegentlichen Unrechtthuns, als der Schmerz des Unrechtleidens zu Theil werden würde. Die Vernunft erkannte hieraus, daß, sowohl um das über Alle verbreitete Leiden zu mindern, als um es möglichst gleichförmig zu vertheilen, das beste und einzige Mittel sei, Allen den Schmerz des Unrechtleidens zu ersparen, dadurch, daß auch Alle dem durch das Unrechtthun zu erlangenden Genuß entsagten. – Dieses also von dem, durch den Gebrauch der Vernunft, methodisch verfahrenden und seinen einseitigen Standpunkt verlassenden Egoismus leicht ersonnene und allmälig vervollkommnete Mittel ist der Staatsvertrag oder das Gesetz. (…) In der That ist jener Ursprung der wesentlich einzige und durch die Natur der Sache gesetzte.“ (Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, Band I, Viertes Buch, § 62, nach: Arthur Schopenhauer’s sämmtliche Werke, Zweiter Band, hg. v. Julius Frauenstädt, Leipzig 1873)

Der Staat ist also der nach Kriterien der Vernunft agierende, aggregierte Egoismus, ein Instrument, das den Einzelnen zwingt, die Unverletzlichkeit der anderen zu beachten, um den organisierten Egoismus aller zu ermöglichen. Dies ist „der Staat, dessen alleiniger Zweck ist, die Einzelnen vor einander und das Ganze vor äußeren Feinden zu schützen.“ (Schopenhauer, Preisschrift über die Grundlage der Moral, § 17. Die Tugend der Gerechtigkeit, in: Schopenhauer, Die beiden Grundprobleme der Ethik, 2. Auflage, Leipzig 1860) Das Staatshandeln kann sich nicht darauf richten, die moralische Gesinnung zu verbessern, welches unmöglich ist, sondern nur das Handeln der Menschen nach den Kriterien der Gerechtigkeit zu befördern, ohne ihre Gesinnung zu beeinflussen. Was Recht und was Unrecht ist, ergibt sich aus der Natur der Verhältnisse der Menschen zueinander und zu ihrem Streben: „Der Begriff des Rechts ist nämlich, eben wie auch der der Freiheit, ein negativer: sein Inhalt ist eine bloße Negation. Der Begriff des Unrechts ist der positive und ist gleichbedeutend mit Verletzung im weitesten Sinne, also laesio. Eine solche kann nun entweder die Person, oder das Eigenthum, oder die Ehre betreffen.“ (Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, Band II, § 122, nach: 2. Auflage, hg. v. Julius Frauenstädt, Berlin 1862)

Was der Staat nun aber eigentlich ist, immer war und sein wird, ja was er stets sein muß, egal in welchen Formen er auftritt, diese Erklärung bleibt uns Schopenhauer schuldig, auch wenn sie auf der Hand liegt und mit offenen Augen leicht zu erkennen ist. Diese Staats- und Rechtslehre von Schopenhauer ist der schwächste, ja sie ist der eigentlich (und einzige) verwerfliche Teil seiner Philosophie. Denn er hat hierin das getan, was er anderen wieder und wieder vorgeworfen hatte, nämlich daß sie von abstrakten Begriffen, nicht von der Anschauung ausgehen. Seine Begriffe von Staat und Gesetz sind bloß aus Begriffen abgeleitet, nicht aus der Anschauung; auch wenn diese Begriffe, etwa Egoismus, Unrecht und Gebrauch der Vernunft, selbst zunächst der Anschauung entnommen sind, so ist dann, was er hiervon ableitet, doch bloß ein dunkles, nebulöses Luftschloß. Diesen „durch den Gebrauch der Vernunft, methodisch verfahrenden und seinen einseitigen Standpunkt verlassenden Egoismus“ suchen wir auf der Erde vergeblich.

Lassen wir die Frage offen, ob ein gut organisierter, friedlicher Egoismus ohne Opfer überhaupt möglich wäre. Zunächst die Frage nach den Gesetzen; soweit es bei ihr darauf ankommt, die Wirklichkeit abzubilden, lautet sie doch nicht: Was oder wie sollen die Gesetze sein? Sondern es kann nur die Frage sein: Was sind die Gesetze? Wenn wir diese nun nach dem Maßstab von Recht und Unrecht beurteilen, den Schopenhauer so vortrefflich gesetzt hat, dann sehen wir allerdings schnell, daß Recht und Gesetz zwei ganz verschiedene Sphären sind, die wohl gelegentlich übereinstimmen können, dies jedoch nur ausnahmsweise ohne Einschränkung oder gar überhaupt tun. Ebenso sehen wir, daß Unrecht nicht allein in dem Überschreiten der Gesetze besteht, sondern häufig in der Anwendung und dem Vollzug der Gesetze selber, so oft diese bloß das zum Gesetz erhobene Unrecht sind.

Dazu müssen wir uns nicht an die Beispiele von Tyrannei in der Geschichte erinnern, die wohl von den meisten als Belege akzeptiert würden; die Beispiele lebender, aktiver Despoten, so offensichtlich sie meine Auffassung bestätigen, können wir ebenso beiseite lassen, da wir sie als Nachweise nicht einmal brauchen. Auch in den sogenannten zivilisierten, freiheitlichen Rechtsstaaten, oder wie auch immer ihre Vertreter diese Staatsgebilde euphemistisch bezeichnen, gibt es zahlreiche Gesetze, die nichts anderes als das zur Norm erhobene Unrecht sind: Folter zur Verteidigung der nationalen Sicherheit oder Ausspähung der Bürger sind ebenso offenkundig wie Verfolgung von Menschen mit abweichender Gesinnung oder Unterdrückung der Pressefreiheit, wann die Schreiber zur Abwechselung keine Belanglosigkeiten vom Boulevard vermelden, sondern Unrecht aufdecken oder aufrichtig und mit bestechenden Argumenten für andere Staatssysteme plädieren; daneben gibt es das zahllose Unrecht, das vom Gesetz geduldet, oft auch erlaubt, ja zum Teil sogar gewünscht und gefördert wird, wie etwa der Gestank, der Lärm, der grelle Lichterterror in und über den Städten und dergleichen mehr, dazu die zahlreichen Tricks im Geschäftsverkehr, zum Nutzen des einen und zumeist zum Schaden des Schwächeren, die die Gesetze ermöglichen. Und zuletzt gilt im Zweifelsfalle immer das Prinzip: Erlaubt ist, was nicht verboten ist.

Es ist viel daran an der Auffassung, daß die Gesetze nichts anderes sind als das zur Norm gewordene Interesse der Herrschenden, also der Egoismus Einzelner. Dies würde umso mehr in einer perfekten Demokratie gelten, in der die organisierte Einfalt, Rücksichtslosigkeit und Skrupellosigkeit der Menge dann mit großer Mehrheit zum Gesetz erhoben worden wäre. Doch verlassen wir die Wirklichkeit der Gesetze einmal und stellen wir uns den Idealzustand einer Gesetzesordnung vor, in der alles, was Gesetz ist, auch Recht ist und dazu dient, das Unrecht zu verhindern, wenn also der Staat nach den Maßgaben der Gesetze einzig und konsequent die Aufgabe hätte, die Bürger auf seinem Territorium voreinander und vor Angriffen von außen zu schützen. Dann hängt die Durchsetzung von Recht und die Verhinderung von Unrecht nicht mehr vom Gesetz ab, sondern allein nur noch vom Staat.

Natürlich gehört dazu auch die Frage nach der hinreichenden Fähigkeit des Staates, also ob er mit allen notwendigen Mitteln gewappnet ist, um den andauernden Kampf der egoistischen Individuen nach Maßgabe des Rechts zu zügeln. Das mag mehr oder weniger gut gelingen, ist aber allein eine Angelegenheit, welche nicht vom Willen des Staates, sondern von seiner Fähigkeit abhängt. Unzulänglichkeiten wären allein hierin begründet; darauf beschränkt auch Schopenhauer seine Erklärung der Abweichungen der Wirklichkeit von den Vorgaben des Rechts: „Es wird immer schon viel seyn, wenn die Staatskunst ihre Aufgabe so weit löst, daß möglichst wenig Unrecht im Gemeinwesen übrig bleibe: denn daß es ganz, ohne irgendeinen Rest, geschehn sollte, ist bloß das ideale Ziel, welches nur approximativ erreicht werden kann.“ (Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, Band II, § 127, nach: 2. Auflage, hg. v. Julius Frauenstädt, Berlin 1862)

Der Egoismus der Individuen ist ohne Zweifel das Entscheidende, die mangelhaften Fähigkeiten des Staates sind unbestreitbar ein Faktor für das fortdauernde Blühen des Unrechts; jedoch verhindert eine solche Betrachtung, daß wir erkennen, wodurch und wieweit der Staat selbst das Problem ist, und der größte Fehler liegt in der Trennung von Staat und Individuen bei der Untersuchung, als ob diese zwei ganz unterschiedliche Elemente des Gemeinwesens wären, gleichsam wie zwei Hälften, die ein Ganzes bilden. Wenn wir diesen Staat nun philosophisch fassen wollen, anstatt uns ein abstraktes oder moralisierendes Wunschbild zu erträumen, dann ist, entsprechend der Frage nach den Gesetzen, die maßgebliche Frage zur Abbildung der Wirklichkeit des Staates nicht: Was oder wie soll der Staat sein? Sondern nur diese: Was ist der Staat?

Die Antwort auf diese Frage ist so banal wie unwiderlegbar gewiß und in völliger Übereinstimmung mit jeder Anschauung, in allen Ländern dieser Erde und zu jeder Zeit in der Geschichte, seitdem es Staaten gibt. Die Antwort ist einfach diese: Der Staat besteht aus nichts anderem als wollenden Wesen, aus Menschen, die als Soldaten, Polizisten, Minister, Sachbearbeiter, Oberamtsräte, Regierungsdirektoren, Sozialtechnokraten, Stadtplaner, Ministerialbürokraten, Amtsleiter, Referenten, Richter und Staatsanwälte, Boten, Beauftragte, Abteilungsleiter, Chauffeure, Dezernenten, Sekretäre und viele mehr dieser Art ihren Dienst tun, um die Gesetze anzuwenden, auszuführen – oder auch nicht. Der Staat, das sind die Menschen, die für ihn arbeiten, je nach Größe des Gemeinwesens tausende, zehntausende, auch hunderttausende oder gar Millionen Diener des Staates: Sie sind der Staat. Jedes Gesetz – wurde von Menschen beschlossen; jede Verordnung, jeder Erlaß, jedes Urteil, jeder Verwaltungsakt – wird von Menschen beschlossen, unterzeichnet und ausgeführt. Von diesen Menschen sind, wie von allen Menschen, nur wenige groß an Geist, nur wenige groß an Charakter und nur seltene Ausnahmen beides; dagegen viele, sehr viele, die große Mehrheit und eigentlich die Regel klein und arm an Geist und Charakter. Kurz gesagt: In den Amtsstuben geht es zu wie im richtigen Leben.

Diese Menschen dort sind vieles (und zu vielem fähig), nur sind sie ganz sicher nicht „dem, durch den Gebrauch der Vernunft, methodisch verfahrenden und seinen einseitigen Standpunkt verlassenden Egoismus“ ähnlich; im Gegenteil sind sie, jeder für sich, viele egoistische Individuen, die nichts anderes als ihren individuellen Egoismus im Sinn haben und ihn rücksichtslos verfolgen, im Dienst wie außerhalb. Sie verfolgen ihre eigenen Interessen, nicht die einer überindividuellen Vernunft, und das offensichtliche Phänomen der Korruption ist nur die sichtbare Spitze des Eisbergs, die aus dem Wasser ragt; darunter wüten der Eigennutz und die Leidenschaften in den Amtsstuben: auf eine mal mehr, mal weniger subtile Weise. Die Individuen, die den Staat bilden, sind im Allgemeinen nicht anders als die Individuen, deren Angelegenheiten sie regeln sollen; wie auch, da sie sich doch aus ihnen rekrutieren?

Wenn ich etwas, nicht aus Büchern oder Berichten, sondern aus einem Überfluß an unmittelbarer Anschauung weiß, dann daß der Staat mehrheitlich nichts anderes ist als die organisierte Zusammenarbeit von, im besten Fall, phlegmatischen, oft egoistischen oder boshaften Menschen, von bornierten, seelenlosen, vorteilsheischenden, grausamen, anmaßenden und gnadenlosen Duckmäusern und Wichtigtuern, denen kaum etwas so wenig bedeutet wie Gesetze, welche ihnen allenfalls als Mittel zum Zweck taugen. Zwischen diesen sitzt die Schar der Gleichgültigen, welche selbst nichts Böses wollen, jedoch um Nachteile für sich zu vermeiden, also ebenfalls aus Eigennutz, ihre Augen geflissentlich verschließen oder schweigen bei jedem Unrechttun ihrer Amtskollegen. Diese befinden sich als Staatsdiener bevorzugt in der Lage, unbehelligt ihre Leidenschaften und Interessen zu befriedigen, welche seltener als in der kommerziellen Wirtschaft die großen Geschäfte sind, sondern eher kleinbürgerliche Träume vom geregelten, sorgenfreien Leben, der Wunsch, dem Herrn über sich zu gefallen, die Lust an der Beförderung ebenso wie die Lust an der Qual eines Abhängigen, sei es eines Mitarbeiters oder eines Bürgers, auch das Gefallen am Klüngel aller Art, schließlich die mit staatstragender Miene und großer Abscheu vollzogene Hetzjagd auf alle, die diesem Spiel den Spiegel vorhalten. Diese Damen und Herren sind der Staat: Sie schützt die Macht, nicht das Recht.

Wenn dies die Beschreibung der Verhältnisse ist, wie sie sind und immer waren, so darf man natürlich fragen, ob es nicht auch anders sein könne. Die Antwort lautet: Nein. Denn der Mensch ist Mensch und bleibt Mensch, und er kann wohl im seltenen einzelnen Individuum seinen Gattungscharakter überwinden, jedoch eben nicht als Gattung und in der in ihr vorherrschenden großen Mehrheit der Durchschnittsköpfe. Dabei ließen sich beim Staat durchaus seine beiden wesentlichen Teile separat betrachten, das ist der Kopf mit den Regenten und der Organismus mit der Bürokratie seiner Staatsdiener. Schopenhauer hatte bekanntermaßen hinsichtlich des Kopfes des Staates eine große Präferenz für die Monarchie (vgl. a.a.O.). Doch auch Könige sind nur Menschen, ebenso wie ihre Günstlinge, weshalb wir die Fiktion eines interesselosen absoluten Herrschers, der durch nichts als den Zufall seiner Geburt zur Macht gelangt ist, leicht als Illusion abtun können.

Überhaupt ist bei dieser Frage, wer den Kopf des Staates besetzt, auch das Volk in keinem Fall aus der Pflicht zu nehmen. Ob Könige oder Kommunisten, Demokraten, Putschisten oder Liberale – selbst die brutalste Diktatur wäre auf Dauer nicht ohne die schweigende Zustimmung oder wenigstens Duldung des Volkes haltbar. Die Regierungsformen unterscheiden sich zunächst bloß durch die Art der Legitimation. So ist es fast einerlei, wer regiert und wie er zur Macht gelangt ist, alles geschieht zum Nutzen der Regenten und ihrer Günstlinge, seien sie auch austauschbar, mögen es viele oder wenige sein. Das Schicksal einzelner Individuen wird hiervon wohl tangiert, ihr Wohl befördert oder beschnitten, doch das Schicksal der Menschheit nimmt daran keine Wendung. Gegen Dummheit lassen sich keine Gesetze machen, auch nicht gegen den Egoismus, die Boshaftigkeit oder die Skrupellosigkeit, welche nichts anderes sind als die auffälligsten Merkmale der Regenten selber und ebenso ihrer Staatsdiener, aber eben auch des Großteils des Volkes.

Jedoch wenn einmal der seltene Fall einträte und für eine gewisse Zeit ein Herrscher ohne Eitelkeit, Interessen und böse Absichten zur Macht gelangte – so bliebe die Vorstellung einer Maschinerie von interesselosen Staatsdienern darunter auch bloß Fiktion. Der Egoismus und die Boshaftigkeit, welche in vielen Staatsdienern blühen, würde das Recht in vielen Fällen untergraben, wo es tatsächlich zum Gesetz erhoben worden wäre, solange sie die Möglichkeit, sprich: die Macht dazu haben. Diese Macht, die Willkür der Beamten, hat einen Namen: der Ermessensspielraum – die juristische Konstruktion einer Lizenz zum Quälen, die sich jeder Seelenkrüppel innerhalb der Staatsdienerschaft oft und gerne zunutze macht. Dagegen hilft auch die Fiktion des Rechtsstaates nicht, welcher bloß eine arglistige Täuschung ist. Ganz im Gegenteil ist der Rechtsstaat die geschickte Legitimation des Unrechts, indem das Unrecht in einem ordentlichen Prozeß, das heißt nach allen lediglich formalen Regeln, legalisiert wird. Der Rechtsstaat schafft bloß prozedurale Regeln und hilft dadurch, die Illusion rechtmäßigen Handelns zu befördern und das Unrecht im Staatshandeln zu verschleiern. Jedes Unrecht, jede Verletzung der Person, der Freiheit oder der Ehre, ist legal, solange die Fristen und der Dienstweg eingehalten werden und ein Richter im Zweifelsfalle die Legalität feststellt.

Wer, von außen wie von innen, wiederholt die anschauliche Bekanntschaft mit dem Wesen des Staates gemacht hat, also mit seinen leibhaftigen Dienern, der könnte allenfalls noch in Frage stellen, ob denn der Staat, wenn er nicht so ist, wie er sein soll, überhaupt ein Staat ist. Doch das hieße nur, die Unmöglichkeit eines Staates überhaupt zu postulieren, entgegen der Erkenntnis seiner ubiquitären Existenz, und so müssen die Staaten dieser Erde wohl wenigstens an dem Anspruch sich messen lassen, den ihre Apologeten an sie legen.

In Hinsicht auf die Lebensumstände jedes Einzelnen, auch der herausragenden Köpfe, ist die Regierungsform nachrangig bei der Beurteilung der Bedingungen ihres Lebens. Da kommt es einzig darauf an, ob ihre Existenz gewährleistet ist und ob sie frei sind von allen Einschränkungen, die Resultate ihrer Produktion zu verbreiten und zu erhalten. Solange diese Kriterien erfüllt sind, ist die Staatsform ganz unerheblich wie das Etikett auf einer Verpackung. Mit dem, was gewöhnlich Demokratie genannt wird, hat dies nichts zu tun. Im Gegenteil: Eine echte demokratische Mehrheit von 90 Prozent könnte die grausamsten Gesetze gegen die anderen 10 Prozent beschließen, und ebenso mag im umgekehrten Fall eine Diktatur die Subsistenz jedes Individuums und seine Freiheit von allen Zwängen gewährleisten.

Der Schwachpunkt jeder Staatslehre, die einen guten, gerechten Staat einfordert oder behauptet, sind die Diener des Staates, sein Organismus. Den Kopf kann man abschlagen und durch einen neuen ersetzen; da ließe sich wohl mal ein Herrscher finden, der aufrichtig Gutes im Schilde führt, gütig und gerecht ist, der niemandem seiner Untertanen schaden und jedem, so gut es geht, Hilfe zukommen lassen möchte, der bloß die Bürger voreinander und vor Angriffen von außen schützen möchte. Doch es bleibt der Organismus und die Notwendigkeit, daß der Staat seine Diener braucht, ohne die er seine Aufgaben nicht erfüllen kann. Allein die große Zahl schließt es aus, daß ihre Plätze einst nur von Menschen eingenommen werden, die bei der Ausübung ihrer Ämter auf keine Weise eigene, egoistische individuelle Interessen verfolgen oder ihren Neigungen zur Demütigung und Grausamkeit nachgehen.

So wäre denn die Forderung nach einem guten Staat noch lange nicht mit einer entsprechenden Besetzung des Kopfes erfüllt, etwa wie in Schopenhauers Lösung durch „die Despotie der Weisen und Edelen einer ächten Aristokratie“ (a.a.O.). Dies allein ist bereits eine Utopie, also der Wortbedeutung nach ein unmögliches Nirgendwo, weil es die Abgabe der Macht von Interessierten an Interessenlose verlangen würde. Doch wären bei einem solchen Akt nur wenige Plätze neu zu besetzen, wofür sich geeignete Kandidaten finden ließen. Darunter allerdings wären Säle von Stühlen neu zu besetzen, für die mangels Masse kein Personal zu rekrutieren wäre, wenn die gerechte Anforderung an die Diener des Staates wäre, daß auch sie kein eigenes Interesse zu bedienen hätten und bloß für die Durchsetzung des Rechts und die Verhinderung des Unrechts zu arbeiten hätten. Da dieses mit dem überwiegenden Menschentypus undenkbar wäre, braucht ein guter Staat nicht allein gute Gesetze, die ausschließlich Recht und nicht Unrecht sind, und gute, das heißt weise, edle Herrscher, auch auf den unterschiedlichen hierarchischen und territorialen Stufen der Staatsgliederung; sondern vor allem brauchen diese Herrscher strenge Zwangsmittel gegen ihre Staatsdiener, welche sie konsequent anzuwenden hätten in jedem Fall von Korruption, Willkür und Selbstgerechtigkeit, Opportunismus, eigennütziger Klüngelei, Machtmißbrauch, Demütigung von Schwächeren und Abhängigen, wogegen jeder Ermessensspielraum der Beamten ohne jede Ausnahme und ohne Hintertür abzuschaffen wäre.

Ein weiteres Mittel zur Eindämmung der Willkür, Boshaftigkeit und des Egoismus der Staatsdiener wäre, daß ihre Amtszeit ohne Ausnahme begrenzt wird, auf fünf Jahre beispielsweise, und daß sie davor und danach außerhalb des Staatsapparates ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, wie auch die Begrenzung der Anzahl dieser Amtszeiten auf höchstens zwei pro Leben; ebenso die Regel, daß jeder Bürger wenigstens einmal im Leben eine Amtszeit als Diener des Staates zu verbringen hat. Dies nun hätte zur Folge, daß jeder Staatsdiener in Ausübung seiner Amtstätigkeit nicht nur von Gesetzes wegen auf die Einhaltung von Gerechtigkeit und den Verzicht auf Willkür bedacht sein müßte, sondern auch im eigenen egoistischen Interesse, da er Gerechtigkeit nicht bloß ausüben soll, sondern sie auch zu erfahren wünscht, wenn er nach seiner Amtszeit wieder auf der anderen Seite des Schreibtisches in einer Amtsstube Platz nimmt; daß er also jederzeit von jedem Bürger, über den er urteilt oder entscheidet, befürchten muß, daß dieser einst über ihn entscheiden oder urteilen wird, weshalb auch dieser später während seiner Zeit im Amt genau diesen Überlegungen folgen wird. Dies hätte allerdings die Vereinfachung von Vorschriften, Abläufen und Formularen zur Voraussetzung, was ein Verdammnis lediglich für die vielen überflüssigen Advokaten wäre, die sich dann eine nützliche Beschäftigung suchen müßten.

Der Textauszug wurde auf dem Kritischen Netzwerk veröffentlicht und stammt aus dem Buch:

Die universale Urkraft und das moralische Genie

Notate und Komplemente (nicht nur) zur Philosophie von Arthur Schopenhauer
Autor/Herausgeber:
  Axel Schlote

Verlag: Wissenschaftlicher Verlag Berlin, 2014 – zur Verlagsseite

ISBN:978-3-86573-786-1

248 Seiten, gebunden, Preis: EUR 29,80 [D]

  1. federleichtes
    November 25, 2014 um 4:05 pm

    Mein letzter Kommentar hier, Ma, Man, Mann.

    Gerade fand ich das hier:

    http://gerhardschneider.at/2014/11/25/oberstleutnant-der-bundeswehr-an-merkel-und-usa-dann-richtet-das-volk-dann-gnade-euch-gott/

    Auf den Punkt gebracht?

    Ließe sich das „Deutsche“ noch anderes als in Verbindung mit Nationalismus beschreiben?
    Wollt Ihr ein neues Thema?

    Gruß
    Wolfgang

    • November 25, 2014 um 10:34 pm

      Ich denke ja, es ließe sich anders beschreiben und wir sollten den Versuch wagen, schon allein weil das viel zu lange nicht thematisiert wurde. Weil es ja eigentlich immer nicht gut ist, unterschwellig brodelnde Themata zu ignorieren.

      Grüße
      Martina

  2. federleichtes
    Juni 16, 2014 um 2:56 pm

    Ich stecke in einem Dilemma.
    Einerseits spreche ich hier nicht von meinen Wahrheiten, andrerseits spreche ich nicht mit der Absicht, die Meinungen, Standpunkte, Überzeugungen Anderer zu verändern. Und ich lese hier nicht, um Ansatzpunkte für ein Kämpfen mit anderen Kommentatoren (auch nicht mit Barmbeker Jungs) zu finden, sondern um meine Standpunkte überprüfen zu lassen, sie ins Fließen zu bringen – um Realität im Sinne einer Wirklichkeit noch besser interpretieren zu können.

    Dass im Thema Staat thematisch bewegt wird, was ihn nur am Rande berührt, erlebten wir in vielen anderen Themen auch. Vielleicht sagte ein neutraler Beobachter: In jedem Mist steckt das Potenzial für das Wachsen einer Blume.

    @ Heureka:

    „Es geht nicht um “Schuld”. Der wahrhaft erwachsene Mensch hat diese Sicht überwunden.
    Nur weil derjenige (Typ) Mensch, der durch Adam und Eva dargestellt wird, NICHT wahrhaft erwachsen war, war er verführbar!“

    Dem System geht es sehr wohl um Schuld, die es auf der geistigen Ebene als Hebel benutzt, um Menschen willfährig zu machen. Dass dieser Hebel wirken kann, scheint mir unzweifelhaft – DASS er wirken kann, mag an dem Fluch (Verfluchung) liegen, der den Menschen auf dem Weg aus dem Paradies (fortan) begleitete.
    Real-Fazit:
    Der Mensch wurde geistig disponiert. auf eine Weise, die sein Verhalten steuern konnte.

    Schuld und die vier Säulen der Gesellschaft
    Wirtschaft – wer nicht arbeitet, braucht auch nicht essen.
    Staat und Recht – der Mensch ist verantwortlich für sein Tun.
    Kirche – der Mensch ist ein Sünder von Anbeginn.
    Geld und Eigentum – die Macht des Stärkeren, des Privilegierten.

    Die Schuld als geistigen Wirkfaktor zu verweigern, bitte sehr. Dann mangelt es mir allerdings an Erklärungen
    – wie die Feindseligkeit, die sich als Roter Faden durch die Menschheitsgeschichte zieht, entstanden ist.
    – Und warum (wenn nicht, um den „Fluch“ lebbar zu gestalten) in des Menschen systemische Konfiguration eine traumatische Funktion eingebaut ist/wurde.

    Fluch und Schuld
    Sehen wir den Fluch als etwas Wirkliches, und betrachten wir die Schuld als etwas Künstliches, stehen wir vor EINEM (der möglichen) Blicke auf den Moment, als das entstand, was wir Zeit nennen – oder als sich das Wesenhafte verkörperte. Wenn der Fluch informativ eine existenziell-destruktive Erfahrung beschreibt, und die Schuld nur ein Mittel ist, um diese Erfahrung (künstlich) darstellbar zu machen, ist es wohl logisch, dass die destruktiv-feindseligen Informationen im Menschen angelegt sein müssen; sonst braucht es das determinierende Instrument Schuld ja nicht; das Trauma auch nicht!

    Auf der Suche nach Gott begegnet uns der Schleimpilz, die nicht-verfluchte Variante des Menschen, vielleicht Ausdruck möglicher Einfachheit und Unkompliziertheit von Existenz. Wie lang der Schöpfungsweg war von ihm bis zu dem Moment, als Jesus Dämonen in Schweine trieb, ist mir eigentlich egal. Nicht egal ist mir, dass Feindseligkeit etwas Dämonisches ausdrückt. Und dass das Dämonische einen Fluch ausdrückt. Und dass der Fluch niemals in der Menschengeschichte so gegenwärtig war, wie GENAU jetzt.

    Die Prä-Astronauten
    Die Nummer mit dem väterlichen Schuster war brilliant (danke!). Das genau ist unsere Logik für eine verkehrte Welt. Fast unvorstellbar, dass ein Schuh vorhanden ist, an den der Fuß angepasst wird/werden muss. Natürlich muss die Vorstellung, dass Mensch in den Schuhen (s)eines Schöpfers läuft, in die Schublade des Schwachsinnigen verschoben werden. Der Schöpfung güldene Krone muss der Mensch auf seinem Haupte glauben, um die Wege mit der Dornenkrone in den Schuhen gehen zu können. Und er ging sie.

    Die Druckerei meines Vaters befand sich an der Ecke Bramfelder Straße/Krausestraße. Genau dort konnte ich mich vor 52 Jahren von der Schuldbindung an meine körperlichen Eltern befreien.

    Gruß nach Hamburg.

    Wolfgang

  3. monikahes
    Juni 15, 2014 um 11:22 am

    Der „Sündenfall“ ist gar kein Sündenfall. Irgendwann kam der Punkt, an dem soviel Bewußtsein im Menschen gewachsen war, dass er bewusst zwischen zwei oder mehr Möglichkeiten entscheiden konnte. Das Tier entscheidet sich – unbewussst – immer für das „Richtige“. Wenn eine Antilope sich entscheiden, dem Löwen nach rechts auszuweichen, und diese Entscheidung „falsch“ war, wird sie gefressen. Im Zusammenspiel allen Lebens in der Natur ist sie weder falsch noch richtig. Es ist einfach geschehen, was geschehen ist. Keine Antilope würde sich selbst Schuld geben, wenn sie diese Entscheidung getroffen hätte, noch würde sie von ihren Artgenossen als dumm angesehen werden, noch würden die Löwen in Häme ob dieser Dummheit verfallen. Es geschieht, was dem Leben zuträglich und notwendig ist.
    Nur der Mensch ist in der Lage, Dinge als „falsch“ zu „erkennen“, sich dann aber „bewusst“ dafür zu entscheiden und sich dann anschließend selbst zu verurteilen – oder eben andere.
    Unsere große Freiheit zwischen verschiedenen Möglichkeiten zu entscheiden, bringt uns beständig in Konflikt mit uns selbst und anderen. Nähmen wir an, gar nicht „falsch“ handeln zu können, so wie die Tiere es tun, gäbe es keine Schuld, keinen Sündenfall. Aber wir können – die meisten erst im Nachhinein – die Folgen unseres Tuns bewerten – und sind so in einer ständigen Zwickmühle.

    So ist das Leben in dieser Welt zugleich sehr kompliziert (aus Sicht der Menschen) und sehr einfach (aus Sicht der Natur).

    Braucht man nun mehr oder weniger Bewusstsein, um ein glücklicheres Leben zu ermöglichen?

    Blablablubb

    Moni

    • federleichtes
      Juni 15, 2014 um 2:24 pm

      „Braucht man nun mehr oder weniger Bewusstsein, um ein glücklicheres Leben zu ermöglichen?“

      Mir eine der sehr guten Fragen, die hier gestellt wurden. Ich könnte jetzt über das Fotografieren im Sinne des Eintauchens in ein Feld erzählen, aber um nicht wieder als Fotograf beschimpft zu werde, weiche ich aus auf einen Reitplatz. Dort herrschen Bedingungen (Boden, Begrenzung). Dort steht ein Pferd (mit Eigenarten: Fähigkeiten, Befindlichkeiten). Ein Reiter A, ein Reiter B, Nichtreiter und ein Fussballfan betreten die Szenerie. Reiter A kennt Reitplatz, kennt Pferd, kennt sich. Reiter B übte bsiher nur auf Schaukelpferden. Nicht selbst reitender Zuschauer ist ein Ästhet. Fussblablablubbfan hat sich auf der Suche nach Bier verirrt.

      Es gibt viele Möglichkeiten, wie sich dieses Szemario entwickeln kann. Ob da jemand seine Lust befriedigt, ob da jemand Feude generiert, oder ob jemand glücklicher wurde, sind individuelle Fragen. Eine andere Frage ist, in welchem Zustand sich nach einer Weile des Miteinanders, dem ein nicht unbeträchtliches Konflkt-Potenzial innewohnt, Reitplatz und Pferd befinden. Waltet dort ein Bewusstsein, wird es die Entwicklung so steuern, dass sich am Ende mindestens die Ordnung des Anfangs nicht veränderte und die Anfangszuständer aller Beteiligten sich nicht verschlechterten.

      Wenn Reiter A nicht nur Bewusstsein über sich, das Pferd und Reitplatz, sondern auch über die Verschiedenheit menschlicher Veranlagungen und die im Zusammentreffen schlummernden problematischen Implikationen hat, halte ich eine positive Miteinander-Bilanz für wahrscheinlicher, als wenn er z.B. ein Choleriker ist.

      Was bedeutet weniger Bewusstsein?
      Ich denke gerade an den autistischen Jungen, dem ich manchmal begegne. Hat er weniger Bewusstsein als ich? Und ich denke an einen „geistig behinderten“ jungen Mann, dem – zumindest zeitweilig sehr stabil – ein seinen Umständen entsprechendes Feld bereitet wurde. Man sollte sich nicht täuschen uber die Wirkung, wenn sich eine Ellipse zum Kreis (danke, Mr. Chattison) wandelt. Manche Menschen erschrecken sich, wenn es Momente gibt, in denen sie nicht mehr – wie gewohnt – herum eiern.

      Und täglich grüßt das Murmeltier. Wie Du schon sagtest, steckt in (fast) jedem von uns ein Potenzial, es besser zu machen, glücklicher zu werden. Wie Du schon sagtest, braucht es dazu nur ein paar kleine kleine Verhaltensänderungen. Die sich allerdings nicht von alleine verursachen. Es braucht erst mal eine anderes Feld, einen anderen Reitplatz also, auf dem sich zum Beispiel keine betrunkenen Fussballrowdy tummeln. Und es braucht einen anderen Reiter, wenn der aktuelle Reiter ein Freund der Peitsche ist. Dann (erst) wird man sehen, was wirklich im Pferd steckt.

      Mehlschwalben und Steinkäuze haben es da etwas einfacher als Menschen. Weil sie in einem Feld SIND, das Menschen nur eingeschränkt betreten können – und dürfen.

      Gruß in die Runde.

      Wolfgang

    • Juni 15, 2014 um 2:28 pm

      @ monikahes:

      „… und sind so in einer ständigen Zwickmühle.“:

      Das gilt nur für den nicht wahrhaft erwachsenen, nicht wahrhaftzu seinem Potenzial entwickelten, bewußtseins-entwicklungs-gestörten, von der „Kollektiven (Zivilisations-)Neurose“ befallenen und schwer beeinträchtigten Menschen der „zivilisierten Gesellschaft“.

      Der „Sündenfall“ ist das „Fallen“ in diese Störung / Krankheit. Es handelt sich dabei NICHT um eine evolutionäre Entwicklung! Denn Menschen, die JETZT sich von dieser Neurose geheilt haben, stellen sich als im Grunde noch immer wahrhaft erwachsene, zum vollen Potenzial entwickelte Menschen heraus.

      Ich weiß mich in guter Gesellschaft einiger – zugegeben: relativ weniger – Menschen, die die Neurose überwunden haben und zum wahren Erwachsenen-Bewußtsein, zu ihrem gottgegebenen und in der Evolution entwickelten Potenzial aufgestiegen sind und wie die beschriebenen Tiere das LEBEN, das Unabänderliche, problemlos ANNEHMEN können.

      *

      Aufgrund meiner Erkenntnisse, an denen ich – gezielt – seit 1991 arbeite, sehe ich ganz klar und eindeutig, daß die zivilisierte Gesellschaft – wieder – MEHR Bewußtsein braucht. Und zwar nicht – noch – mehr von der Art Bewußtsein, die wir in der Gesellschaft derzeit haben, vom „Niederen Selbst“ / „Ego“, dem materie-gebundenen und materie-orientierten, grobstofflichen, Bewußtsein, sondern vom NICHT-materiegebundenen, NICHT-materie-orientierten Bewußtsein, dem „Höheren / wahren Selbst, dem FEINSTOFFLICHEN Bewußtsein, dem „CHRISTUS“(-Bewußtsein), im Menschen.

      Wie er dorthin gelangt, habe ich beschrieben in meinem Text „Wahre Heilung“ auf meiner homepage http://www.Seelen-Oeffner.de.

      Herzlichen Gruß!

    • Juni 15, 2014 um 9:38 pm

      Der Sündenfall ist ein Sündenfall, weil mit ihm diese grässlichen Ängste in die Welt kamen, die einem großen Teil der Menschen das Leben vergällen. Nicht gerade wenige Menschen sind vor Angst völlig verrückt geworden, dahingehend, dass die Handlungen, von denen sie Hilfe und Rettung erwarten, geradewegs in die Zerstörung führen. Viele Menschen bewirken auf der Ebene der Realität gerade das Gegenteil von dem, was sie in ihrer Vorstellung zu bewirken glauben – verdrehte Perspektiven eben.

      Der Sündenfall ist andererseits kein Sündenfall, weil dieses Herauslösen aus dem rein instinktiven Verhalten uns Menschen wesentlich mehr Freiheit ermöglicht als einem Lebewesen, das ausschließlich und blind seinen Instinkten gehorcht, und das ist ebenso Geschenk wie Fluch. Schließlich wird uns mit dem Geist, der bewusst Entscheidungen treffen kann, ein wunderbares Instrument zur Verfügung gestellt. Wir könnten dieses Instrument benutzen, um die Schönheit dieser Welt zu besingen, wenn wir denn nur endlich unsere mit dieser Ausdifferenzierung verbundenen Ängste überwinden, das Trauma auflösen würden.

      Beim Sündenfall handelt es sich meiner Ansicht nach um nicht mehr als um eine weitere Ausdifferenzierung der Einheit in Vielheit. Mit einem Bewusstsein, das an sich selbst zweifeln und seine eigenen Entscheidungen hinterfragen kann, hat sich Bewusstsein einen neuen Aspekt gegeben. Sozusagen ein neuer Funke in dem Feuerwerk, das Bewusstsein permanent abfeuert. In diesem Feuerwerk wird Bewusstsein für einen kurzen Augenblick sichtbar, um wieder zu verglühen und neuen Kaskaden von Funken Platz zu machen. Das ist Leben.

      Was könnten wir für Funkenfeuerwerke eines sich stets neu erschaffenden Geistes sein, wenn wir uns von den mit der Ausdifferenzierung verbundenen Ängsten nicht derart beherrschen ließen? Stattdessen wollen wir zurück in die Rakete und graues Einheits-Pulver bleiben. Wir haben schreckliche Angst, Farbe zu bekennen, zu glühen und zu verglühen. Viele wollen eben einfach nicht mitspielen. Tant pis !

      Liebe als Urgrund (mal wieder) hat viele Aspekte. Freiheit ist einer davon.

      Ausdifferenzierung ist verbunden mit einem vorübergehenden Verlust oder Zurücktreten des Einheitsgefühls. An diesem Einheitsgefühl jedoch wollen wir krampfhaft festhalten oder es künstlich wieder herstellen, durch Religionen, Staatenbildung, Internet, Party, Fussball und was uns sonst noch alles so dazu einfällt.

      Man kann die Einheit jedoch ruhig auch mal loslassen und sich kopfüber in die Vielheit stürzen, um dann festzustellen, dass es eh dasselbe ist, nur unter verschiedenen Aspekten.

      Manchmal frage ich mich, ob Bäume sich auch so blöd wie Menschen angestellt haben und vor Angst schier gestorben sind, damals, als sie angefangen haben, sich in der Erde zu verwurzeln, um dem Aspekt „Standhaftigkeit“ oder „Geduld“ eine sichtbare Form zu geben?

  4. Juni 15, 2014 um 2:21 am

    „Vor dem Sündenfall gab es im Menschen ein einheitliches Bewusstsein.“:

    Die „einschneidende Veränderung“ hat m.E. schon vor der Verführung zum Apfel stattgefunden, sogar schon vor der Erschaffung von Eva (aus einer Rippe von Adam und nicht, wie er, aus Lehm!).

    Die einschneidende Veränderung muß eingetreten sein zwischen der Erschaffung von LILITH und dem Anlaß / Grund für ihr „Verschwinden“. Und dieser Anlaß ist aus meiner Sicht das „kollektive Trauma“ und das Aufkommen der „Kollektiven (Zivilisations-)Neurose“, wodurch der weibliche Aspekt des Menschen (Lilith) seine Beeinträchtigung / Vernachlässigung erfuhr und der männliche Aspekt des Menschen (Adam) seine dementsprechende „Überbetonung“.

    Eva war bei ihrer „Erschaffung“ schon beeinträchtigt!Nur deshalb war sie verführbar und folglich auch Adam. Denn wenn die Seele beeinträchtigt / gestört ist, ist der“ganze Mensch“ gestört.

    Herzlichen Gruß!

  5. Juni 14, 2014 um 3:45 pm

    Es ist plausibel, dass die Schöpfung des Menschen kein Kaninchenzauber aus dem Hut, sondern eine Entwicklung war/ist. Plausibel ist, dass die alten Geschichten uns etwas über unser Werden sowie das Bewusst-Werden erzählen. Plausibel ist, dass Bewusst-Werden keine lineare Struktur hat. Um diese Nichtlinearität zu beschreiben, verwende ich manchmal das Bild von den Kreisen, die entstehen, nachdem ein Stein ins Wasser geworfen wurde.

    Das erklärt auch, warum die alten Weisheitsschriften heute immer noch Gültigkeit haben. Weisheitsschriften sind Ausdruck eines vollzogenen Kreises, unabhängig vom Durchmesser des Kreises. Ein vollzogener Kreis enthält immer das Ganze, in den größeren Kreisen sind nur die Verästelungen oder fraktalen Strukturen deutlicher sichtbar. Das ist der einzige Unterschied.

    Zeit ist in der Tat eine äußerst fragwürdige Angelegenheit. Ich selber bin überzeugt davon, dass unser modernes Zeitempfinden sehr viel mit der Erfindung der mechanischen Uhr und der daraus erfolgten Arbeitsteilung zu tun hat. Das Zeitempfinden eines naturverbundenen, a-technischen Menschen, so er überhaupt eins hat, dürfte ein völlig anderes sein. Man kann auch gern mit mir darüber diskutieren, ob „Zeit“ vielleicht nicht bloß ein Hirnfurz (sorry!) ist. Ich bin dieser letzteren These nicht abgeneigt und finde sie auch plausibel. Die Frage ist, ob man „Bewegung“ überhaupt auf „Geschwindigkeit“ reduzieren und in Strecke mal Zeit zergliedern kann? Was, wenn „Bewegung“ an sich eine nicht weiter teilbare Ganzheit ist?

    Zeit stelle ich mir auch gern als Teleskop vor, das man auseinanderziehen kann. In der Fixierung darauf, irgendetwas genau zu erkennen (das Trauma), werden immer noch mehr Linsen und Brennweiten dazugeschaltet. Dieses Dazuschalten kann man auch Zeit nennen.

    Ich nehme nicht an, dass die Urmenschen eine Vorstellung der heutigen Lebenswelt hatten. Ganz richtig: woher hätten sie die haben sollen. Ganz richtig: wir haben auch kein Bild von den zukünftigen Welten, sondern bewegen uns diesbzgl. im Bereich der Spekulation. Ganz richtig: Ein System kann sich nicht mit den Mitteln des Systems vollständig erkennen, ob das nun das Gehirn ist, das in der Zeit lebende Wesen, eine Welle oder ein Teilchen, ist völlig einerlei. Daraus ziehe ich den Schluss, dass alles, was wir als „Wissen“ glorifizieren, bloß auf Sand gebaut ist.

    „… hätten sie dann tun können, was für den Lauf der Zeiten unentbehrlich war“ – was meinst Du damit? Was konkret war für den Lauf der Zeiten unentbehrlich? Was haben die Urmenschen Unentbehrliches getan, auf das Du Dich hier beziehst?

    Der Sündenfall weist tatsächlich auf eine einschneidende Erfahrung hin. Vor dem Sündenfall gab es im Menschen ein einheitliches Bewusstsein. Gefühl, Instinkt und die Namen, die er Tieren gab, waren eine Einheit. Im Sündenfall hat sich ein Teil des Bewusstseins gegen den anderen erhoben, vielleicht ausgelöst durch eine Notlage, vielleicht auch durch etwas anderes. Gefühl und Instinkt (=Gott, der mit dem Menschen wandelte), sagten dem Urmenschen beim Anblick des „Apfels“: Iss das nicht! Und plötzlich war die Frage da: warum eigentlich nicht? Diese Frage wurde im Menschen vorbereitet dadurch, dass er angefangen hatte, Dinge und Tiere zu benennen. So wurde der Raum geschaffen, der notwendig war, um eine bis dahin einheitliche Welterfahrung zu spalten. In dieser Spaltung wurde Gott (bis dahin als Gefühl und Innenraum erfahren) nach außen projiziert und peu à peu über das animistisch-magische Erleben in den Himmel verschoben. Diese Entwicklung war natürlich mit grässlichen Ängsten verbunden. Der Mensch hatte seine innere Sicherheit verloren, war ein aus sich selbst Hinausgeworfener geworden. Man kann auch Entfremdung dazu sagen. Mit diesen Ängsten, dem Hinausgeworfensein und der Entfremdung schlagen wir uns bis heute herum. Das ist das Trauma.

    „Ein Geist, der Zeit schöpfen kann, der Welle in Teilchen wandelt und Teilchen (zu Strukturen, nehme ich mal an?) verbinden kann“ – das ist etwas, das unser menschlicher Geist im Laufe einer langen Entwicklungsgeschichte gelernt hat.

    Die Frage ist, inwieweit die Wahrnehmung der Welt als Teilchen mit dem Phänomen der Begriffsbildung zusammenhängt? Die Frage ist, ob Lebewesen, die keine Begriffe bilden, die Welt nicht energetisch als Welle wahrnehmen und energetisch reagieren? Die Frage ist, was die „intelligentere“ Lösung ist?

    „Ein Geist, der Zeit schöpfen kann und Welle in Teilchen wandelt“ – das ist der Geist, der sagt: „Am Anfang war das Wort.“ Das ist der Geist, der Anfang und Ende setzen muss, wo es vielleicht gar keins gibt, weil die Wirklichkeit ein Kontinuum ist.

    So weit kann ich Dir folgen und/oder Argumente austauschen. Ich sehe nun aber nicht, was das alles mit Prä-Astronauten zu tun haben soll. Wozu braucht man die? Was wird dadurch plausibler? Ich finde Prä-Astronauten durchaus plausibilitäts-mindernd. Ich diskutiere gerne über diese These respektive das Gefühl, wenn Dir das lieber ist, bin auch durchaus offen, aber da musst Du nachliefern und nicht nur rumwabern.

    • federleichtes
      Juni 14, 2014 um 4:31 pm

      Ja, ich waber nur rum. Der gefühlt Staatenlose auf einem Blog, in einem Thema, den-das Du erst wieder spannender machtest, weil Du in der Lage bist, das Wabernde SELBER konkreter zu erschaffen. Wie war das mit dem Raum, den sich Dingsda gewähren sollte? Kam das nicht von Dir?

      Zur Sache schreibe ich am Abend – bin auf dem Sprung in die richtige Welt, wo ES undefiniert wabernd rauscht, wo nicht, oder doch, der Gesang den Vogel macht.

      Am Rande
      Habe nicht erst beim Lesen dieses letzten Kommentars von Dir das Gefühl, dass Du Deine Fragen (irgendwie) selber beantwortest – da schwingt sowas mit, Exformation vielleicht, als Schatten der Wahrheit?

      Lese gerade (das zweite Mal) von Grof das Buch „Das Abenteuer der Selbstentdeckung“. Da ging’s gerade um die Zeit, PSI-Phänomene. Jetzt kommt das Kapitel „Physische Introversion und Verengung des Bewusstseins“. Empfehlenswert. Grof ist ein Steher.

      Bis nachher.

      Wolfgang

      Deine Idee mit dem Teleskop – prima!

      • federleichtes
        Juni 16, 2014 um 4:21 am

        „Bis nachhher“ – war wohl nix. Bitte um Nachsicht, bin ob der Entwicklung der Kommentare ein bischen mehr als normal von der Rolle. Die Natur leistet dazu im Allgemeinen und im Besonderen das Ihrige.

        Gruß
        Wolfgang

    • Juni 15, 2014 um 2:13 am

      „Zeit ist in der Tat eine äußerst fragwürdige Angelegenheit. Ich selber bin überzeugt davon, dass unser modernes Zeitempfinden sehr viel mit der Erfindung der mechanischen Uhr und der daraus erfolgten Arbeitsteilung zu tun hat.“:

      Gott, das ewige / unendliche (Bewußt-)Sein schuf per Vorstellung(skraft) eine „gegenteilige“ Welt: Eine Welt des NICHT-ewigen, des NICHT-Unendlichen, des BEGRENZTEN, des UNVOLLKOMMENEN,usw. Das ist sein Kunstwerk, sein Spiel, sein „Traum“, etc.

      „Zeit“ gehört zum „Spiel“ in der Begrenztheit der materiellen Welt, als subjektive Erfahrung begrenzter materieller Wesen.

      Die Erfindung der Uhren ist nicht der Ursprung des subjektiven Zeitempfindens, sondern es gehört zum „Spiel“ des materiellen Seins.

      Wer sich – mehr oder weniger – im höheren Bewußtsein befindet / betätigt, erlebt auch, daß das subjektive Zeitempfinden „aussetzt“. Und ähnlich setzen auch andere subjektive Empfindungen aus, wenn man sich im höheren Bewußtsein befindet. Schmerz zum Beispiel.

      Je mehr wir aber im materiellen Bewußtsein sind, mit ihm – wohl meist unwissentlich – identifiziert sind, desto intensiver sind auch die subjektiven Empfindungen und die „Ankettung“ an die Prägungen, die wir auf dieser Ebene erfahren haben.

      Herzlichen Gruß!

  6. Juni 14, 2014 um 9:55 am

    @Wolfgang

    Nach Sitchin und Annunaki musste ich erstmal googeln. Von der Prä-Astronauten-These hatte ich schon vorher gehört, allerdings im Bereich von Science Fiction. In meinen eigenen Überlegungen ist die Prä-Astronauten-These eine sogenannte schwache Hypothese, die ich zwar nicht für ganz ausgeschlossen halte, die mir aber zu wenig erklärt.

    Es gibt aus alter Zeit einiges, das man als Hinweise darauf lesen könnte, dass schon mal
    Außerirdische auf der Erde waren. In der Bibel findet man noch ein paar mehr Stellen, die man so lesen könnte, nicht nur Frau Lot, ebenso auch im Gilgamesch und anderen Epen bzw. Mythologien.

    Warum ich der Prä-Astronauten-These trotzdem nicht folge:

    1. In der Entwicklung des menschlichen Geistes ist eine Kontinuität sichtbar, zwar nicht linear, aber doch so, dass ein Schritt auf den anderen folgt, eine Fähigkeit auf eine schon früher erreichte Fähigkeit aufbaut. Dieser Prozess lässt sich bis in die Anfänge der Menschheit zurückverfolgen. Wie im Tierreich hatte er zuerst Laute, um situativ etwas auszudrücken: Warnungen, Wohlbehagen, sexuelle Lustgefühle usw. Dann kamen vermutlich Laute für die Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Jagd dazu. Er hat angefangen, Gegenstände zu bearbeiten (Faustkeil), dann Zeichnungen (Höhlenmalereien) angefertigt und parallel dazu das Zählen (Knochenstäbe) erfunden. Irgendwann – auch in mehreren Schritten – hat er Bildersprache und phonetische Lautfolgen zusammengefügt und damit das abstrakte Denken in Gang gesetzt.
    Prä-Astronauten sind eine Zusatz-Hypothese, die es für diese Entwicklung nicht braucht.

    2. Es hat einen hellhäutigen Menschentypus gegeben, der von Europa kommend bis nach Indien gekommen ist, den Indoarier. Was in den alten Schriften der Veden und der Sumerer beschrieben wird und dort als „Götter“ beschrieben wird, lässt sich mit größerer Wahrscheinlichkeit auf diesen Indoarier beziehen als auf Außerirdische. Zumal „Götter“ immer auch das waren, was man im Tierreich als Alpha-Tiere bezeichnet.

    3. Wenn schon der Urmensch Artefakte hinterlässt, die lange Zeiträume (über 100.000 Jahre) überdauern, dann umso mehr eine hoch entwickelte Zivilisation, die mal auf der Erde gewesen ist. Sie hätten eindeutige Spuren ihrer Technik hinterlassen müssen, nicht nur Artefakte, die ebenso von Außerirdischen wie von Menschen stammen können. Aber alles, was wir haben, ist zwar teilweise sehr rätselhaft, aber nichts, was nicht auch Menschen gemacht haben können.

    4. Die Prä-Astronauten-Theorien bleiben immer im Vagen, sowohl was den Zeitraum als auch den Ort betrifft. Kein Anhänger dieser Theorie kann genauer eingrenzen, wann die hier waren und wo die waren. Die Prä-Astronauten waren ebenso in Sumer wie in Ägypten wie in Afrika wie in Südamerika, und das zu völlig unterschiedlichen Zeitpunkten. Seltsamerweise tauchen sie immer da auf, wo man irgendetwas nicht erklären kann. Sie sind also auf jeden Fall eine black box.

    5. Das Wunschdenken. Die Vorstellung, im Universum allein zu sein, ist ziemlich schwer auszuhalten und macht irgendwo depressiv. Man wünscht sich das ja schon, dass es irgendwo noch andere gibt, mit denen man mal in Kontakt treten kann. Der Wunsch kann schon durchaus so groß sein, dass man lieber in Kauf nimmt, von Außerirdischen geknechtet worden zu sein, als ihnen die Existenz abzusprechen.

    6. Verdrängung. Es ist ja nun ein sehr bekanntes psychologisches Phänomen, irgendjemandem die Schuld in die Schuhe zu schieben. Wenn wir eine habgierige und mordlustige Spezies sind, muss ja irgendjemand schuld daran sein. Wenn nicht irgendwelche Götter, dann eben Außerirdische. Das ist ein bisschen billig, finde ich.

    Ich glaube nicht, dass die Prä-Astronauten-These viel dazu beitragen kann, die Probleme, die wir als Spezies haben, zu lösen.

    • federleichtes
      Juni 14, 2014 um 1:20 pm

      Ich bin kein Freund von Thesen, eher einer von Plausibilität – die entsteht durch ein Gefühl, das strömt aus der Sicht auf das fließende Ganze und das ganze Fließende. Das Gefühl verstärkt sich, wenn Phänomene sich erklären lassen und Paradoxien sich auflösen. Das Gefühl verstärkt sich, wenn das, was man heraus fand, die Existenz-Qualität verbessert. Das Gefühl ist das Gefühl, was ich als „Gotteskreis“ identifizierte. Und, lieber Marian, es war nicht so, dass ich auf meiner Suche nach Plausibilität einen Kuchen von Rosinen befreite – aber auch nicht den Hiob spielte.

      Ich meine, die Bücher der Weisheit entstanden in Zeiten, als die Menschen noch mehr in ihrer alten, nicht-körperlichen Existenzform verwurzelt waren. Wohl sahen sie dunkle Schatten, aber nicht SEHR konkret, und nicht SEHR umfassend – so, wie wir heute sehen können. Sie konnten keine Kirchengeschichte interpretieren, weil sie noch nicht geschrieben war. Sie konnten den Teufel nicht unterscheiden in Satan und Lucifer und sich (insofern) die Übereinstimmung von Gott nicht erklären. Also mussten sie für oder gegen sein und führten in sich den Krieg der Verwirrung gegen die Angst. Woher sollten sie wissen, dass sie die Welt vorbereiten, in der wir heute leben? Und – hätten sie dann das tun können, was für den Lauf der Zeiten unentbehrlich war?

      Wenn es den „Sündenfall“ gab, weist er auf eine einschneidende Erfahrung hin.
      Wenn es Kain und Abel gab, …
      Wenn es die erhebliche Reduzierung der Lebenszeit des Menschen gab, …
      Wenn es eine Sintflut gab und nur ein „Auserwählter“ (nebst Gattin) ein neues Geschlecht begründeten, …
      Wenn es Sodom und Gomorrha gab, und wenn es die Schaffung verschiedener Rassen und sprachen gab, …
      Dürfen wir dann plausibel nennen, dass auch die Schöpfung des Menschen nicht erfolgte, wie man ein Kaninchen aus dem Hut zaubert?

      Zeit interessierte mich nie wirklich. Weil ich mich für das Wesen von Geist interessierte. Hier half mir, meine Plausibilität abschließend, die Quantenphysik mit den Erklärungen zu Welle und Teilchen. Und auf Anregung aus diesem Blog schaute ich den Film „Bleep“ nebst Fortsetzungen. Und aus den Naturbeobachtungen lernte ich den Geist kennen, den wir Aufmerksamkeit nennen. Kurz: Den Geist, der Bewegung verursachen kann, der ein Schöpfergeist ist. Ein Geist, der die Zeit schöpfen kann und aus der Zeit schöpft. Der Welle wandelt in Teilchen, der Teilchen verbinden und gestalten kann. Der „Odem ist“ und über Odem verfügt. Der tun kann, was möglich ist, der aber auch tun muss, was nötig ist.

      Plausibel ist mir, dass man weder das Wesen von Zeit in der Zeit lebend verstehen kann, noch als körperlicher Mensch das Welle-Wesen von Teilchen verstehen kann. Versteht also nur ES, das Verursachende, wovon Menschen nur reden können, worüber sie spekulieren müssen? Kann man ES fragen? Oder lieferte ES dem Menschen die Mittel, selber zu verstehen – was er (er)lebt?

      Das „Selbst“ entbehrt einer klaren Definition. Für das Wachsen der Feindseligkeit entbehrlich, für das Wachsen des Bewusstseins nicht. Auf den „Bolzen“, schätze ich mal, muss jeder selber kommen. Dass das geht, beweist die Runde. Eine interaktive Vielheit, die mir charakterlich über jeden Zweifel erhaben ist. Menschen, die das Leben verstehen UND zu leben verstehen. Die nicht nehmen, was ihnen nicht gehört, und die geben, was ihnen nicht gehört. Die sterben können, weil etwas Anderes in ihnen fühlt. Fühlt, das Leben ein Licht ist, um ein paar Seiten lesen und ein paar Ideen verstehen zu können, um (wieder) lieben zu lernen.

      Viele Wege führen nach Roma, alle Wege führen nach Amor? Dann wäre SELBSTverständlich die Zeit gut investiert.

      Dank

      und herzliche Grüße sendet Dir

      Wolfgang

  7. federleichtes
    Juni 13, 2014 um 2:46 pm

    Ballspiele/n sind/ist doch wunderbar, danke!

    Meine Studien zur menschlichen Geschichte und zur Geschichte der Menschheit endeten an einem Punkt. Als – dank verdichteter Informationen für mich Plausibilität entstand – über eine inhaltliche, also informative Seite. Atlantis und die Atlanter, die Sintflut, Sodom und Frau Lot. Und dann kam Sitchin mit seiner Theorie der Annunaki, und auch Däniken lieferte, was das Zeugs hielt HINWEISE. Um eine Wirklichkeit zu beschreiben, die unsere Realität begründete.

    Während der Jahre des Studierens behielt ich meine Freiheit, die (einzelnen) Ergebnisse nicht zu verabsolutieren, sondern nur Klärung zu betreiben, wie es sein KÖNNTE. Und erhielt mir bis heute die Option, alles, was ich mir da zusammenreimte, sofort und gleich wegzuschmeißen, wenn die Logik, die aus dem Reimen entstanden war, verletzt werden würde. In den letzten Jahren war das Gegenteil der Fall. Menschen, die sehr viel klüger sind als ich, unterfütterten von anderen Standpunkten SACHLICH das, was mir NUR plausibel-folgerichtig erschienen war.
    (Dank in die Runde!)

    „… logisch, dass einer, der sich nicht mit Halbheiten zufrieden gibt und sich also den Pelz waschen lässt, pitschnass dabei wird und als begossener Pudel dasteht. Und dann? Schmollt er, wird verbittert oder ist beleidigt? Sagt er dann: Scheiß-Spiel und guckt fortan keinen Fußball mehr?“

    Jeder „sieht“, was er sehen KANN. Du beschreibst die RE-Aktion eines emotionalisierten Menschen. Durch die Wut-, Hass- und Feindseligkeitsbrille sieht die Welt natürlich anders aus, als die Welt, die mit reiner Aufmerksamkeit betrachtet wird. Da Emotionalität im Menschen die dominierende Antriebskraft ist, würde ich meinen, das ihm ein klares Welt-und Lebensbild nur entstehen kann, wenn mit dem Entstehen dieses Bildes sich auch seine innere SichtWEISE verändert, seine Emotionalität sich verringert, „Brillen“ erkannt und entsorgt werden.
    Erinnere mich gerade (wieder mal) an meinen ersten Lehrer, der sagte, es ginge bei dem, was er für mich tun könne, nur um den winzigen Moment, wo entschieden werden kann, ob Emotion erlaubt wird oder nicht.

    Natürlich SIND Menschen keine Looser. Dass sie diese Rolle spielen, ist für mich allerdings fraglos – ich bin einfach zu viel unterwegs gewesen, im Blickpunkt immer erst mal der Mensch in seinem Verhalten. Der nicht EIN Bild sieht, sondern SEIN Bild. Der nicht EINER Vision folgt, sondern dem Ausschnitt eines Schattens DER Vision. Dessen Suche gerne zur Sucht wird, in der er (dann) etwas findet. Suche ist nicht besonders erbaulich, schwingt wie das ewige brennende Höllenfeuer, erinnert an Sisyphus, sinnlos, ausweglos, aussichtslos. Ich suche nicht mehr, ich finde. Beschrieben in Bildern, betitelt mit „Andere Welt“ und „Hier und Jetzt“ – meint, dem Diktat der Zeit für momentlose Momente entschlüpft.

    So fand mich gestern ein Herr, den ich seit vier Jahren vermisste. Eine Zeit, in der ich lernte, Freude von Glück unterscheiden zu können. Vor vier Jahren erlaubte mir die Freude ein einziges Foto, gestern ließ er (Frühe Heidelibelle) Nähe zu.

    Wissen und Erfahrung sind ein Paar Schuhe. Aber sie können nicht immer in dieselbe Richtung
    laufen.

    Meine Erfahrung mit Kanadagänsen ist eindeutig – sie passen sehr gut auf ihre Kinder auf. Kommt man ihnen zu nahe, schimpfen sie. Das Schimpfen zu fotografieren versuche ich – vergeblich – seit vielen Jahren; ist eigentlich unmöglich, weil sie beim Schimpfen ihren Koipf hoch und runter bewegen und man nicht scharf stellen kann.

    Das Bild ist interpretationsfähig. Allerdings nicht für den, der diese Gänse kennt. Der sieht und weiß.

    Dir einen guten Tag.

    Wolfgang

    • Juni 14, 2014 um 9:41 am

      Die Kanadagans – die fleischgewordene Unschärferelation des Unmuts^^

  8. Juni 13, 2014 um 10:48 am

    @Wolfgang

    Erst mal danke für den Link zu „verkehrte Welt“: die Flagge und das Sonnenrad sind gute Beispiele dafür, wie wir permanent mit auf den Kopf gestellten Symbolen gefüttert werden. Das wirkt auf unser Bewusstsein bzw. Unterbewusstsein natürlich ebenso permanent zurück. Die Dauerberieselung macht’s.

    Der Fussball mit der Wabenstruktur ist auch ein Symbol. Es ist die Struktur der Fullerene. Fünf- oder sechseckige Kohlenstoffwaben schließen sich zu einer Kugel zusammen. Willst Du wissen, wo man diese Struktur noch findet? Als Staub, der einen Teil des Lichts absorbiert, das uns von den den Sternen der Milchstraße erreicht. Der Fussball ist also ein Symbol, das uns darauf verweist, dass unser Bewusstsein verdunkelt ist. Der Fussball kündet davon, dass es verdunkeltes Bewusstsein ist, welches das Fussballspiel in Gang setzt und am Laufen hält. Wenn die Leute Fussball gucken, wird ihnen genau das präsentiert und irgendwann schnackelt es dann vielleicht. Deshalb kann man gar nicht genug Fussball gucken.

    Der Fussball als Symbol sagt: „Hey Leute, ihr habt da irgendwo noch eine Menge Müll wegzuräumen.“ Der Waben-Fussball ist für mich daher ein stimmiges Symbol. Leider scheint er allmählich aus der Mode zu kommen. Ist mir in Sportgeschäften aufgefallen.

    „…damit das Leben leisten kann, was es zu leisten hat: die Looser- oder Opferrolle zu inszenieren“.

    Es ist nicht das Leben an sich, welches die Looser- oder Opferrolle inszeniert. Es ist der mesopotamische Mythos, der dieses Schauspiel aufführt und das Leben dafür benutzt.
    Guck dir mal den griechischen oder vedischen Mythos an: was dort inszeniert wird, ist: „chassez la femme“ oder „such den Geliebten“. Es gab anscheinend mal eine Zeit, da hat Mensch Liebesdramen statt Weltuntergang aufgeführt. In Liebesdramen gibt es natürlich auch Eifersucht, Verwirrung, Fehlinterpretation, Verzweiflung, Zorn. Aber am Ende finden sich die Pärchen und es heißt: „… und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ …. That’s it !

    „… wasch mir den Pelz und mach mich nicht nass …“ logisch, dass einer, der sich nicht mit Halbheiten zufrieden gibt und sich also den Pelz waschen lässt, pitschnass dabei wird und als begossener Pudel dasteht. Und dann? Schmollt er, wird verbittert oder ist beleidigt? Sagt er dann: Scheiß-Spiel und guckt fortan keinen Fussball mehr?

    Weißt Du, die Wirklichkeit ist ein Rorschachtest – jeder entdeckt darin was anderes.
    Der eine sieht Feindseligkeit darin, der andere ein höheres Bewusstsein und den Aufstieg in ungeahnte Sphären, wieder ein anderer die Einwirkung finsterer Mächte. Nicht wenige sehen darin den Niedergang und permanente Degeneration. Wieder andere ein kosmisches Erziehungsprogramm. Und was ist es wirklich – ein Tintenklecks.

  9. Juni 12, 2014 um 7:40 pm

    Wenn unser Auge die Außenwelt auf die Netzhaut abbildet, steht die Außenwelt in diesem Spiegelbild auf dem Kopf. In der weiteren Verarbeitung des Sinneneindrucks dreht das Gehirn das Bild noch einmal herum. Es ist also ein doppelter Spiegelungsprozess.
    Dasselbe geschieht beim Kopieren der DNA. Es ist ein doppelter Kopierprozess.

    So etwas Ähnliches passiert in unserem Vorstellungs- und Gedankenapparat auch innerhalb der verschiedenen Ebenen des Abstraktionsprozesses.

    Das Individuum ist das Ungetrennte, das Ungeteilte und mit dem Ganzen verbunden. Und dies ganz konkret und auf der materiellen Ebene. Wir tauschen permanent unsere „materielle“ Basis mit allem anderen aus. Die Vorstellung, dass ein Stück Brot uns Energie liefert analog dem Benzin als Energie fürs Auto, ist nicht korrekt. Das Stück Brot verwandelt uns substanziell. Wenn wir ein Stück Brot gegessen haben, sind wir danach nicht mehr dasselbe Lebewesen wie vorher, während das Auto durch das Benzin nicht in seiner Substanz verwandelt wird. Das Stück Brot war vorher ein paar Weizenhalme. Weizenhalme waren vorher Wasser, Boden, Samenkern und Sonnenlicht. Indem wir Brot essen, nehmen wir Weizenhalme, Wasser, Boden, Samenkern und Sonnenlicht substanziell in uns auf. Wir SIND das.

    Durch die Anschauungen in der technischen Welt werden wir darauf geimpft, das Brot jedoch nur noch als Energieträger und uns selbst nur noch als Maschine zu sehen. Das IST sichtbar gewordene Abstraktion und Reduktion zugleich, so wie wir sie lange vorher bereits gedanklich durchzogen haben. Wir haben zuerst unsere natürliche Umwelt auf gewisse Funktionalitäten (die wir darin identifiziert zu haben glauben) reduziert, bevor wir uns dran gemacht haben, sie technisch nachzubauen.

    Wir reden nie davon, dass das Individuum das Ungeteilte ist, sondern wir reden davon, dass das Individuum das Vereinzelte ist. Wenn wir „Individuum“ hören, sehen wir lauter fensterlose Monaden umherschwirren, und eben gerade nicht das Kontinuum. Bei Individuum denken wir an Teilchen, nicht an Welle. Und das ist eben ein verdrehter Blick. Unsere Wahrnehmung bzw. Interpretation steht auf dem Kopf. Und entsprechend dieses verdrehten Blicks sind wir dabei, die Welt umzubauen. In einer technischen Welt wird der Mensch so ganz real zur fensterlosen Monade. Er erschafft sich seine Vereinzelung.

    Mit dem Christentum wurde uns der Floh ins Ohr gesetzt, dass wir als Menschheit eine geistige Gemeinschaft bilden: es sollen nun dieselben Ideen, dieselben Vorstellungen, derselbe Glaube sein, der uns miteinander verbindet. Der Körper ist in dieser Lehre das Trennende, der diese geistige Gemeinschaft angeblich verhindert. Deshalb ist der Körper das, was überwunden werden muss und wurde deshalb zum Feind erklärt.

    Dabei ist es grad anders herum. Was uns voneinander trennt, sind die verschiedenen Ideen, die verschiedenen Vorstellungen, die verschiedenen Begriffe und Begriffsfelder, die wir gebildet haben.
    Gesetze, Normen und Routinen sind – weil Abstraktion und gleichzeitig Reduktion – klägliche Versuche, INNERHALB unserer Ideen- und Vorstellungswelt wieder Einheit herzustellen. Diese nur als und in der Vorstellung existierende Einheit ist aber eine Spiegelung, ein verdrehtes Abbild der Wirklichkeit. Das heißt: je mehr wir uns in der Vorstellung der Einheit annähern, desto mehr zerstören wir damit die Wirklichkeit (das Kontinuum, unsere Lebenswelt).

    Was uns eint, ist die materielle Basis. Wir sind über unsere Körperlichkeit und über die Realität miteinander verbunden, nicht über unseren Geist. Was uns eint, ist dieselbe Luft, dasselbe Wasser, der gesamte materielle Stoffwechselprozess, in dem wir uns ständig austauschen und in den wir uns im Sterben hinein wieder auflösen.

    Ich bin skeptisch, wenn ich etwas von einer „höheren“ Wirklichkeit höre. Es ist nicht eine „höhere“ Wirklichkeit, sondern die Wirklichkeit, wie sie ist, bevor wir sie mit unseren Vorstellungen und Begriffen in lauter Teilchen zertrümmert haben. Es ist ganz einfach das vielgerühmte Hier und Jetzt.

    Wenn ich eure Kommentare so lese, kommt es mir so vor, als wären auch die Begriffe und Vorstellungen das Trennende. Wenn ich Kommentare von Guido lese, kommt es mir vor, dass er mit „Information“ im Unterschied zu Daten das Konkrete meint. Dass für ihn die Wirklichkeit (die Lebenswelt) die eigentliche Information ist, die durch unseren Geist in bedeutungslose Daten (vielleicht Braunsches Rauschen?) verwandelt wird. Wenn ich die Kommentare von Federleichtes lese, kommt es mir manchmal vor, dass er das, was ich verdrehte Perspektiven nenne, als Feindseligkeit bezeichnet. Dann aber wieder auch, dass Feindseligkeit für ihn mehr als das ist, nämlich der Grund dafür, dass es uns gibt. Bei Chattison scheint es wiederum so zu sein, dass das ursprünglich Gegebene, also das „Datum“, die eigentliche Wirklichkeit ist, für die es allerdings künstlich geschaffene schlechte Ersatzdaten gibt. Ob ich damit richtig liege? Keine Ahnung!

    Manchmal denke ich, dass diese Verdrehung in der Wahrnehmung und vor allem auch in der Interpretation durch unseren Geist durch Traumatisierung entstanden ist und nicht zwingend zum gesamtschöpferischen Prozess dazu gehört. Manchmal denke ich allerdings auch, dass, wenn etwas Neues entsteht, sich dieses aus dem Kontinuum zumindest scheinbar herauslösen muss ( das entspricht der Verdrehung von Perspektiven in der Spiegelung), um dann wieder darin einzutauchen (indem die Spiegelung noch einmal gespiegelt wird und damit wieder dem Original entspricht). Diese zweite Spiegelung ist die Bewährungsprobe für das Neue. Wenn es sich nicht bewährt, löst es sich eben wieder auf. Ist eine Bewährungsprobe feindselig?

    • Juni 12, 2014 um 10:47 pm

      „Manchmal denke ich, dass diese Verdrehung in der Wahrnehmung und vor allem auch in der Interpretation durch unseren Geist durch Traumatisierung entstanden ist und nicht zwingend zum gesamtschöpferischen Prozess dazu gehört“:

      Danke!
      „Traumatisierung“ finde ich zutreffend.
      Durch – evtl. kollektive – Traumatisierung ist wahrscheinlich vor (deutlich) mehr als 12.000 Jahren die „Kollektive Neurose“ ausgebrochen, die ich die „Kollektive ZIVILISATIONS-Neurose“ (KZN) nenne und die unter einigen anderen Namen in der Literatur benannt bzw. beschrieben wurde. Ich bin 1991 auf dieses Phänomen aufmerksam geworden und befasse mich seit 1992 mit Aufklärung darüber und vor allem über die aus meiner Sicht zweifelsfrei gegebene Möglichkeit der grundlegenden Heilung.

      Die KZN ist zum wesentlichen Teil eine „Bewußtseins-Entwicklungs-Störung“ bzw. eine „Entwicklungs- / REIFUNGS-Störung“. Die Befallenen vollziehen nicht den Bewußtseins-Wechsel / -Wandel, der für die geistig-seelische / spirituelle Reife erforderlich ist und der in der Anfangsphase der Pubertät zu beginnen / leisten ist. Folglich bleiben diese Menschen im unteren Bewußtseins-Level „stecken“ und entsprechend wahrnehmungs- / erkenntnisbehindert. Nur in der höheren – feinstofflichen – Bewußtseins-Ebene kann der Mensch die / seine Wahrheit bzw. die WIRKLICHE Wirklichkeit wahrnehmen – nämlich neben der materiellen (Auswirkungs-)Ebene auch die spirituelle URSACHEN-Ebene.
      Und nur auf der URSACHEN-Ebene kann er wirksam „Mit-Schöpfer“ sein. Nur dort, vereinigt mit dem göttlichen Bewußtsein im Menschen, dem CHRISTUS(-Bewußtsein), ist derMensch WAHRHAFT erwachsen, ist er dann „Krone der Schöpfung“, weil er dann „Stellvertreter Gottes (auf Erden)“ ist.
      Und das MUSS er auch unbedingt sein, weil er sonst seine Kinder nicht wahrheitsgemäß aufklären kann und ihnen das höchste Prinzip nicht glaubhaft vorleben oder sie darin unterweisen kann. Nur der WAHRHAFT erwachsene Mensch kann seine Kinder über den Prozeß der Initiation / Ascension aufklären und sie durch diesen Prozeß und zu ihrem höheren / wahren Selbst FÜHREN.

      Wer kann das heute in der zivilisierten Gesellschaft?
      Wer von uns ist entsprechend erzogen / geführt worden?

      Ich habe noch KEINEN solchen getroffen oder aus der Ferne davon gehört!

      Die Schritte des Weges zur grundlegenden Heilung konnte ich selbst erst vor ca. 3 Jahren – m.E.: vollständig – benennen / beschreiben. So lange habe ich gebraucht, die vielen „Puzzle-Teilchen“ aus den verschiedensten Quellen zusammenzusetzen.
      Diese Schritte sind kein Geheimnis. Sie sind jedermensch zugänglich im Internet, in meinem Text „Wahre Heilung“ auf meiner HP http://www.Seelen-Oeffner.de.

      Das Interesse an dieser Heilungs-Information wird etwa m selben Maße wachsen, wie die KZN – nämlich etwa exponentiell. Mit dem weiteren Anstieg der Symptome (der sogenannten „Krankheiten“ bzw. „K.-Fälle“, „K.-Tage“ und/oder „K.-Kosten“) steigt der „Leidensdruck“ und damit erfahrungsgemäß die Aufgeschlossenheit für die wahren Ursachen und für Alternativen zum unnatürlich begrenzten wissenschaftlich-schulmedizinischen Weltbild.

      Herzlichen Gruß!

      • Juni 12, 2014 um 11:24 pm

        Hm, ich kann die Information „Wahre Heilung“ nichtr finden. Hast Du einen Link genau darauf?

        Danke, Martin

    • federleichtes
      Juni 13, 2014 um 1:29 am

      Manchmal denke ich, du bist gar kein „echter“ Philosoph.

      Dein Gedanke zum Brot gefiel mir sehr gut. Ich pflege seit einigen Jahren die Kultur des „gemeinsam das Brot brechen“. Eine Kultur der Wahrhaftigkeit, der Offenheit und der Treue, Wege gemeinsam zu gehen.

      Auch Deine Ausführungen zum Spiegelbild-Prinzip gefallen mir. Martin thematisierte hier schon mal „Verkehrte Welt„, und hinterließ bei mir den Eindruck, für ihn SEI die Welt verkehrt. Meine Bemühungen, ihm das Gegenteil glaubhaft zu machen, scheiterten wohl.
      Die Welt und das Leben müssen uns als falsch vorkommen, weil wir falsch interpretieren. Und wir können verstehen lernen, dass diese „Falsche Interpretation“ als eine der fundamentalsten Bedingungen erschaffen wurde (eingeschränktes Bewusstsein), damit Leben das leisten kann, was es zu leisten hat: Die Looser- oder Opferrolle zu inszenieren.

      Kam das „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ nicht von Dir? So geht das eben nicht. Erlöse uns von dem Übel – so geht das eben nicht. Und wenn einer auf den anderen wartet – so geht das eben nicht, eben auch nicht mit Drohungen und Strafen oder Methoden, die in der Hundeerziehung angewendet werden.

      Bislang sprach ich hier mehr allgemein über die systematische Entwürdigung des Kindes. Wird sich bald ändern. Damit (noch) klarer wird, wie Leben – ich möchte sagen, künstlich – selbstlose und selbstgefällige Looser züchtet, als Spielfiguren.
      Möge es dazu kommen, dass das, was hier als „Kollektive Zivilisations-Neurose“ vorgestellt wird, verstanden wird als: Im Leben selbst veranlagt. Will man diese KZN heilen, erhebt man damit den Anspruch, das Leben heilen zu wollen. Was würde zu dieser Absicht wohl unser guter alter Nick sagen.

      Geistige Gesundheit entsteht nur, wenn wir das Leben verstehen, was es will und wie es das leistet. Natürlich kennt das Leben das Prinzip der Bewährungsprobe. Und? Ist es mehr als ein simples Auschlussverfahren? Im Ja/Nein-Modus, der fragt, ob es noch besser geht? Natürlich, es geht immer noch besser, weil Leben als Prozess nicht beendet ist. Also nicht der Mensch hat sich zu bewähren, sondern:
      DAS LEBEN SELBST BEWÄHRT SICH, indem es (bewusstseins-) schöpferisch aktiv ist.

      Den Ansatz des Federleichten hast Du trefflich getroffen. Danke!
      Vielleicht sagt Mathias hier noch mal etwas zur „Akzeptanz, dass Leben Feindseligkeit hervor bringen MUSS“.

      Gruß
      Wolfgang

      • Juni 16, 2014 um 12:00 am

        „Möge es dazu kommen, dass das, was hier als “Kollektive Zivilisations-Neurose” vorgestellt wird, verstanden wird als: Im Leben selbst veranlagt. Will man diese KZN heilen, erhebt man damit den Anspruch, das Leben heilen zu wollen.“:

        „Umgekehrt wird ein Schuh daraus“ – sagte auch mein Urgroßvater schon, der Schuhmachermeister war.

        Die KZN heilen bedeutet, die krankhafte Dominanz des „Ego“ im typischen zivilisierten „Erwachsenen“ zu beenden und dem wahren „König“ / Gott, dem „Höheren / wahren Selbst“ zum Thron zu verhelfen, der ihm gebührt. Dazu muß das ICH sich mit dem wahren Selbst verbinden und sich mit der KRAFT / Energie dieser Bewußtseins- / Seins-Ebene identifizieren. Die „Identifikations-Formel“ dazu liefert – auch (wieder einmal!) – die BIBEL. Und zwar in Gestalt des Namens des christlichen Gottes: „ICH BIN“ bzw. „JE SUS“
        (Nachzulesen bei Moses, AT; und in den Jesus-Legenden).

        Die pathologische Dominanz von Ego (Niederes Selbst) und Angst im „Erwachsenen“ der zivilisierten Gesellschaft ist eine „Krankheit zum Untergang“ und – falls der uns gegebene Weg der grundlegenden Heilung nicht beschritten wird – zum Aussterben.

        Herzlichen Gruß!

        • federleichtes
          Juni 16, 2014 um 4:43 am

          Meine Idee ist:
          Das Leben bringt Symptome hervor. Diese Hervorbringung bezeichne – jedenfalls ich – als natürlich und nicht als krankhaft.

          Das Leben bringt Symptome hervor, um die ihnen zugrunde liegende Ursache(n) verstehen und folgend entschärfen zu können. Das nenne ich Heilung – als eine Absicht, die auch im Leben veranlagt ist: Bewusstsein zu bilden.

          Menschen sind also – in meinem Sinne – nicht krank, sondern erleben nur die Symptome einer Krankheit. Das mag wie Wortklauberei klingen, der Standpunkt (mental) verändert aber die Ausgangslage für Heilung entscheidend – weil er die Schuld dorthin verlagert, wo sie hin gehört: In den Ursprung.

          Herzlichen Gruß an Dich zurück.

          Wolfgang

          • Juni 16, 2014 um 6:07 am

            Es geht nicht um „Schuld“. Der wahrhaft erwachsene Mensch hat diese Sicht überwunden.
            Nur weil derjenige (Typ) Mensch, der durch Adam und Eva dargestellt wird, NICHT wahrhaft erwachsen war, war er verführbar!

            „Krank“ sein ist kein (Wert-)Urteil.

            Das Wort „krank“ scheint recht alt zu sein und könnte nach ursprachlichen Gesichtspunkten gedeutet werden: „k-rank“. Dann weist es auf einen Mangel an „Lebendigkeit“, an „Rank-Kraft“, hin, an Lebens-Energie.

            Im Englischen finden wir einen ähnlichen Begriff: crank – z.B. bei crankshaft = Kurbelwelle. Das typische an ihr ist, daß die Ansatzpunkte AUSSERHALB DER MITTE liegen.
            Ein Mensch, der KRANK ist, ist AUCH außerhalb seiner Mitte, ist nicht verbunden mit seinem Zentrum, wo die KRAFT gesteuert wird, die feinstoffliche, spirituelle, Kraft; die GEIST-Kraft.
            Geist = GE-IST= Gesamtheit dessen was ist = das Sein / Universum.

            Herzlichen Gruß!

  10. Juni 12, 2014 um 4:46 pm

    “Überall dort, wo Gesetze, Normen, Routinen etc. dominieren (sic!) entstehen diese Wiederholungstäter, diese reaktionären Teufelskreisläufe, da sie in ihrer Existenz sich ausschließlich auf sich selbst referenzieren und dadurch die verhängnisvolle Ereigniskette in Gang setzen.
    Wenn nun verschiedene Attraktoren sich nähern, ihre Wirkkreise sich überschneiden, wirken sie auf die Nichtattraktoren wie zwei Mühlsteine, die nach und nach alles klein mahlen, pulverisieren, bis man nicht mal erhanen kann, was da ursprünglich gegegeben war. “

    https://faszinationmensch.com/2013/07/30/tempora-enthullt-informationen-ungleich-daten-und-wasser-gleich-bewusstsein/

    Passt doch alles wunderbar …

    Danke und Gruß
    Guido

    • federleichtes
      Juni 13, 2014 um 12:44 am

      Den Absatz hätte ich jetzt ebenfalls zitiert. Aber das Geschehen, was ich als verhängnisvoll beschreibe, läst sich auch rein sachlich nicht so leicht erklären; jedenfalls gelang mir das nicht.

      Mich interessierte vor Jahren das Prinzip des Energieraubs sehr. Hatte das Prinzip auf die Psycho-Ebene geschoben, und war zufrieden, dass ich mich dagegen wehren und andere darauf hinweisen konnte.
      Ein Raub-Prinzip ist aber ein geistiges Konstrukt. Das sich zwar Methoden bedient, die wir psychologisch nennen – die Psyche ist dafür jedoch nur Vermittler, delegiert (neutral) die Absichten von Geist an die Energiehaushalte.

      Das Raub-Prinzip ist der Kern der gesellschaftlichen Verwaltung. Ob wir es Sklaverei nennen, ob wir es Arbeit für nix Gutes nennen, ob wir beten und Selbstaufgabe betreiben oder angst vor Schulden, Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit haben – die vier geistigen Hauptakteure wirken wie Mühlsteine, um möglichst den letzten Tropfen aus Mensch heraus zu pressen. Das System ist so genial wie gefährlich. Gott sei dank können wir die entstandene Bedrohung geistig nicht erfassen, und könnten wir sie in Angst umsetzen, wäre hier Schluß mit lustich, Leben unmöglich.

      Was die energetische Problematik betrifft, glaube ich nichts, außer, ich erlebe es. Was ich erlebe, erlebe ich jeden Tag: Ein Ich, das signalisiert, es braucht A. keine Energie, und es lässt sich B. auch keine rauben. Damit scheint ein Feld geschaffen, das Vertrauen möglich macht, das konfliktfreie Beziehungen entstehen lässt, weil es keinen Kampf und keine Verlierer geben kann.

      Heute war ein wunderbarer Tag. Er begann im Außen mit Charly, der mich ankläffte, als hätte ich ihm die Wurst gestohlen. Ich ging auf den Köter zu und sprach mit ihm, er wich zurück, ich hinterher und sprach mit ihm. Frauchen, im Rollstuhl angereist, schimpfte erst mit dem bellenden Charly, während ich sprach, lachte sie bereits. Ich ging dann um den Teich und fotografierte, was ich nicht für möglich gehalten hatte. Mit den Bildern kehrte ich zu Charly und Frauchen zurück, sagte, der Hund kann bellen, so viel er will – er hat mir Glück gebracht. Charly bellte nicht mehr, Frauchen staunte über die Libellenbilder und wir gingen bester Dinge unserer Wege. Am Rande: Mein Glück hielt an.

      Der Staat ist für menschliche Existenz nicht wirklich relevant – für des Menschen Feindseligkeit schon. Wer mehr als fremd-gelebt werden will, bitte sehr, es gibt Optionen – die einfachste ist, aufzuhören, SEINEN Erfolg über den ALLGEMEINEN Kulturbegriff zu definieren. Allgemeinen Erfolg hat es für eine völkische Gemeinschaft NIEMALS gegeben – immer nur relative Gewinner und echte Verlierer; Staat ist Garant dafür. Wer ihn braucht, hat die Dingskarte, so oder so.

      Man kann weder Gott noch Staat noch Tod und Teufel dienen. Man kann sich selber dienen, indem man aufhört, sich und Andere zu verarschen, indem man so lebt, dass man weiß, wer man IST. Und die Anderen das auch wissen. Wissen! Wissen, das über das Gefühl entsteht: Der ist in Ordnung, dem kann man vertrauen, der lässt sich nicht unten halten. Alles andere ist nach meiner Erfahrung Murks.

      Auf der Suche nach einem Text stolperte ich über einen anderen Text, der ein Highlight meines Lebens (1989) beschreibt. Vielleicht mache ich mal ein Thema dazu. Es stellt zwei Prinzipien nebeneinander, den Teufelskreis und den Gotteskreis (den ich heute Liebeskreis nennen möchte). Wenn der mal aktiviert ist, Mann, Mann, Mann.

      Ja, lieber Guido, so geht das unter der Flagge der Rechtschaffenheit: Wer alles gibt, kann nur gewinnen.

      Gruß in die Runde.

      Wolfgang

  11. Juni 12, 2014 um 3:51 pm

    @gold-dna:

    Geldwirtschaft ermöglicht das Durchtrennen von Feedbacks, so dass Folgen nicht mit der späteren Produktion in Verbindung gebracht werden. Daten machen obendrein nichts anderes. Was wir Informationszeitalter nennen, ist das Entwurzeln von Informationen, und offenbart sich somit als Datenzeitalter, als Entfremdung.

    Das Individuum (lat. „Das Ungeteilte, Ungetrennte“) ist grundsätzlich mit dem Ganzen verbunden, so wie der Fisch im Meer mit diesem – unmittelbar, untrennbar vereint sich zeigt.

    Die Datenfischer holen nun den Fisch an die Angel mit dem Informationsköder und reißen ihn aus seinem angestammte Element, verfrachten ihn in ein Aquarium und erzählen ihm, dass dies seine Welt eigentliche Welt sei und es so besser für ihn wäre.

    Wer´s glaubt…

    Das Gegebene (lat. „datum“ => Daten) ist für jedermann ursprünglich ersichtlich, einsehbar, verfügbar.
    Das Gegebene wird aber durch gewisse Kräfte zerteilt, viviseziert und häppchenweise an die Menschenbrut verfüttert, auf dass sie sich wohlgenährt vorkomme.
    Das so (von diesen Kräften) Gegebene sind aber keine echten Daten mehr, sondern nur Fragmente.
    Die dadurch erzeugte bruchstückhafte Sicht der Dinge der so mit „Informationen“ Gefütterten ermöglicht diejenigen toten (Einsichts)Winkel, in denen diese Kräfte dann unbesehen ihr Unwesen treiben können.

    Das Zeitalter der Fragmentierung führt somit zur Zerstückelung der Individualität, die ja wiederum selbst Garant der Gemeinschaft sein sollte, deren untrennbarer Bestandteil sie ja im Gegenzug eigentlich ist.

    Die Pervertierung dieses Verhältnisses durch die sektiererisch-willkürliche Segmentierung des Ganzen, das Erzegen von Trennung, künstlicher Unterscheidung und damit gegensätzen bis hin zur Feindseligkeit führt zu der Verwirrung und Desorientierung der Menschen, die genau so gewollt, der Nährboden für den notwendigen Glauben an angebotene Lösungen von eben den Tätern ist, damit diese als „Führer“ für ihre Opfer obwalten können.

    Die Täter sind natürlich selbst nur Werkzeuge, ohne das selbst so zu sehen – sie werden getätert.
    Wer weiß zum Beispiel schon, dass eine Frau das Osmanische Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht regierte über ihren Mann, ihren Sohn und dann über ihren Enkel?
    https://en.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6sem_Sultan
    Kösem Sultan kennt hierzulande kaum jemand, obwohl kaum jemand so sehr unsere Geschichte beeinflusst hat wie diese Frau und beinahe wären wir ja auch wegen eben dieser Dame selbst, 1683 zu Wien, moslemisch geworden^^
    Hätte Mehmed IV. damals gewonnen, würde er als Islambringer der westlichen Welt in den Büchern stehen, nicht aber seine Großmutter, die ihn dazu indoktriniert hatte und urheberrechtsmäßig dann zuvörderst genannt gehörte.

    Mit der geistigen Diaspora der Menschheit verhält es sich ähnlich – die wahren Urheberkräfte für die Misere werden nicht benannt, lediglich ihre stellvertretenden Handlanger ins Visier genommen.

    Wer über die angebotenen Datentrümmerhaufen und Informationssprengsel das Ganze rekonstruieren will, muss entweder über extrem viel Langmut und viel Zeit oder über eine quasi-sensationelle Regenerierungsfähigkeit der Ursprungsmuster verfügen und bereit sein, diesen ihn sich Raum zu geben, damit sie sich vervollständigen können als Abbild der Realität, die diesen Namen nur so, als komplettiertes Ganzes, verdient.

    Diese zerteilenden Kräfte sind ihrer Natur nach Attraktoren, die jeder für sich, die Dinge an sich zerren, reißen wollen und dadurch zer-reißen.
    Ein Attraktor ist ein Ereignisraum für Fraktalität (lat. fractum – frangere = zerbrechen!).
    Fraktalität beruht auf selbstbezüglicher Iteration – also der rückbezüglichen Wiederholung der rückbezüglichen Wiederholung der… einer Aktion-Reaktionsschleife ad infinitum.

    Überall dort, wo Gesetze, Normen, Routinen etc. dominieren (sic!) entstehen diese Wiederholungstäter, diese reaktionären Teufelskreisläufe, da sie in ihrer Existenz sich ausschließlich auf sich selbst referenzieren und dadurch die verhängnisvolle Ereigniskette in Gang setzen.
    Wenn nun verschiedene Attraktoren sich nähern, ihre Wirkkreise sich überschneiden, wirken sie auf die Nichtattraktoren wie zwei Mühlsteine, die nach und nach alles klein mahlen, pulverisieren, bis man nicht mal erhanen kann, was da ursprünglich gegegeben war.

    So wird aus einer ursprünglichen Spirale ein platter Kreislauf, der einem nur aufgrund seiner geschäftigen Kreiserei bereits als Fortschritt verkauft wird.
    Und weil auch der Kreis selbst von den meisten, wenn überhaupt, fragmentariscch wahrgenommen wird, wird er nicht als die irrsinnige, hohle Gebetsmühlen-Rotation verstanden, die er nun mal ist.
    Hauptsache es quietscht und bewegt sich was – Hurra, es geht voran!^^

    So, für´s erste die Grütze aus der Mütze auf den Teller, wohl bekomm´s^^

  12. federleichtes
    Juni 12, 2014 um 1:17 pm

    @ Marian

    „Das eigentliche Problem besteht meiner Ansicht nach darin, …“

    Eines der Probleme, die wir hier gemeinsam lösten, ist das thematische Ein- und ausatmen. Das ließe sich als Sprunghaftigkeit, als mangelndes Interesse oder als die Angst vor Vertiefung erklären. Wenn es allerdings DAS Problem gibt, das einen Kosmos, den Jahrtausende dauernden Wandel und alles damit verbundene Leid rechtfertigt. ist es der Prozess selber, der die Vernunft zur Bewältigung der Problematiken und Lösung des Problems erscheinen läßt.

    Der Staat ist ein geistiges Konstrukt.
    Es sollte der Lösung von Problemen dienen.
    Ein Rest des dienenden Staatsgeistes artikuliert sich in „Das Volk ist der Souverän“.
    Eine gut klingende Idee verkehrte sich in ihr Gegenteil.
    Der Geist des Staates wurde Souverän und erhob sich über ein Volk.
    Und der Geist, der die Idee des Staates zum Wohl der Existenz verlangte, zementierte damit auch die (künstliche) Teilung der Erde und das Recht auf Besitz.
    Mr. Chattison, wird die Fangarme des Ungeheuers, das sowohl den Geist der Individualität als auch den Geist der Gemeinschaft zerstören will, genauer beschreiben können (ich bitte darum).

    Das eigentliche Problem besteht dann vielleicht darin, dass ein Geist im Anschein des Guten auftritt, der aber das Böse im Sinn hat. Der ein Spiel treibt, das nur einen Gewinner zu Lasten ALLES Anderen kennt: IHN.
    Somit beschreibe ich das eigentliche Problem mit „Dominanz“. Sie spiegelt sich in der Lilith-Geschichte, die Adam sexuell dominieren wollte, sie spiegelt sich im Geist der Feudal-Herrschaft, sie spiegelt sich in der Rüstungsspirale und in der Art der Ausbildung von Menschen, die mal unter dem Geist „Dein Freund und Helfer“ Menschen dienen wollten.

    Wollten. Die Geister die ich rief, ist nicht DAS Problem alleine – es kommen auch Geister, die man nicht rufen muss. Das Trojanische Pferd lässt wiehern.

    Gruß
    Wolfgang

    Am Rande
    Dass steigende Nachfrage die Preise steigen lässt, ist irrational. Ich wollte eigentlich schreiben, teuflisch, aber ich schreibe nur: Eine teuflisch scheinende Logik. Wer in diesem Muster denkt, ist niemals ehrbarer hanseatischer Kaufmann gewesen – der die Vorteile, die ihm seine Kundschaft bringen, an diese weiter gibt; so sollte es jedenfalls – nach meinem Verständnis – sein.

    Ganz am Rande
    Wenn man die Macht dieses Geistes brechen will (und muss – logisch?), muss man seine Ssystematik kennen. Wenn man sie kennen lernen muss, nmuss man diesem Geist ein Spielfeld eröffnen. Und muss auf dieses Spielfeld (nur) ein paar Deppen walten lassen, die wegen mangelnder Solidarität und rücksichtsloseer Egozentrik den Anschein erwecken müssen, sie wären mit Links einzukassieren.

    Fotografierte ich – fast zeitgleich mit den Pferden – den Burschen. Da man seine Flügel nicht sehen kann, ist eine GEBÄNDERTE Prachtlibelle.

  13. Juni 12, 2014 um 1:08 pm

    @Gold-DNA

    Was Du beschreibst: Einsatz von entwurzelter Energie, Durchtrennen von Feedbacks, Folgen nicht mit Produktion in Verbindung bringen, Entwurzelung von Information

    ist meiner Ansicht nach die zwingend-logische Konsequenz aus der einseitigen Dynamik. die Abstraktions-und Quantifizierungsprozessen innewohnt.

    Wenn Information die konkreten Einzelphänomene sind, dann löst Information sich auf, je weniger wie die Einzelphänomene als Einzelphänomene erkennen.

    „Erna“ ist „Apotheker“. „Erna“ ist konkreter als „Apotheker“, beinhaltet daher mehr Informationen. Apotheker können außer Erna auch noch andere sein. Alles, was Erna von Apothekern unterscheidet, wird ignoriert. Eine Menge Informationen fallen weg, bspw. dass Erna weiblich ist, in Buxtehude wohnt, rote Haare hat ….

    Es sind Abstraktionsprozesse, die aus Informationen (konkret) Daten (unterschiedsloses Geblubber) machen.

  14. Juni 12, 2014 um 7:08 am

    Hat dies auf Walter Friedmann rebloggt.

  15. Juni 11, 2014 um 12:47 pm

    Heiko Schrank, Autor seines Zeichens, über Erkennen und Verändern auf einer der letzten Mahnwachen.

  16. Juni 11, 2014 um 10:10 am

    „Neue Ökonomische Vernunft“? – was soll das sein??

    Wenn jemand eine neue Logik forderte, könnte ich zumindest verstehen, was der da vorhat und ich könnte dazu sagen: Falls es ihm gelänge, tatsächlich neue Regeln zu entwerfen, die die alten an Güte und Verläßlichkeit überträfen, dann könnte er in der Tat erfolgreich sein. Das beruht schlicht auf der Tatsache, dass Logik nach festen Regeln definierbar ist.

    Aber wie steht es um den Begriff der „Vernunft“?

    „Vernunft“ klingt erst mal vernünftig^^
    Und dann?

    Ist die Vernunft auf das Handeln oder die Lebenshaltung ausgerichtet, folgt sie den Prinzipien praktischer Vernunft, die sich in moralischen Fragen an Werten oder zur Erreichung von Effizienz am ökonomischen Prinzip orientieren kann. (wikipedia)

    Da will also jemand den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, oder wie?
    „Der homo oeconomicus ist tot“ Es lebe die principia oeconomica!“ ;-p

    Da hat jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht, fürchte ich…

    Die Ökonomie selbst ist unvernünftig. Das hätte er sagen müssen.
    Sie ist eine Pseudolehre, die von willkürlichen Annahmen ausgeht und ebens willkürliche Ausschlußverfahren praktiziert, die alle ausnahmslos in der Realität versagt haben.
    Wieviele Belege möchte man denn dazu noch haben, dass „Ökonomie“ tot ist?
    (Jaja, die Buchhaltung wird dieses Urteil überleben und Bilanzapologeten werden auch weiterhin ihr Auskommen haben, zumindest solange bis ihr Handwerk auch im öffentlichen Bewusstsein der Scharlatanerie überführt ist)

    Denn: „Ökonomie“ ist untrennbar mit Geldwirtschaft verbunden.
    Aber die wurde ja bereits mehrfach erfolgreich in Frage gestellt.

    Und auch falls Dueck das anders gemeint haben sollte:
    Es kann schlicht kein ökonomisches Modell gedacht werden, das allen gerecht würde!
    Das „ökonomische Modell“ einer Bienendrohne sieht anders aus als das vom Pferd oder einem Röhrenwurm.
    Das vereinheitlichen zu wollen ist unvernünftig!

    Da war der Volksmund ja schon weiter:
    „Wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall“!

    • federleichtes
      Juni 11, 2014 um 2:45 pm

      In apokalyptischem Zeitempfinden treibt Angst Menschen in Ecken, in denen selbst mit niedersten Beweggründen ein angenehmes Warten auf das Ende gestaltbar ist – und zwar sicher. Das ist auch eine Art Vernunft.. Und die Vernunft des Staats-Geistes besteht darin, dieses Gesindel zu züchten und zum Dienst zu verpflichten.

      Vorgestern besuchte ich den Ümmingersee. Dort befindet sich ein Restaurant ( das der Stadt gehört) mit einem kleinen Park, in dem die prächtigsten Blumen wuchsen, Bienen und Schmetterlinge flogen. Im letzten Jahr gab’s keinen Pächter mehr, der sich um die Anlage kümmerte, ersatzweise wurde dies von Bürgern erledigt. Ich sprach einige Zeit mit einer Dame, die dort Ringelblumen gepflanzt hatte. Städtisch organisiert wächst dort jetzt gar nichts mehr.

      Ich sprach mit Susanne darüber, und ich sprach mit ihr auch über einen Gedanken, der mich seit Jahren beschäftigt. Dass Menschen sich von IHREM Volk bezahlen lassen, und einer Gesellschaft, zu der sie auch gehören, schlechte Dienste leisten. Hat dieses Verhalten einen leichten Sado-Maso-Beigeschmack?

      Auch auf diesem Blog wird hartnäckig verweigert zur Kenntnis zu nehmen, wie indifferent menschliches Verhalten ist – und sein muss. Menschen sind extrem anpassungsfähig, sie sind sehr flexibel, und sie können konsequent dem Effizienz-Prinzip folgen: Mit der geringsten Leistung den möglichen Mehrwert generieren. Könnten sie das nicht, hätten Blumen, Bäume und Pferde längst (wieder) ihre Ruhe.

      Vernunft ist als Begriff nicht tauglich. Ich habe ihn hier mehrfach selber verwendet, vielleicht aus alter Gewohnheit, sicher, weil mir der Begriff Ethik einen Kloß im Hals macht, aber auch, um meinem auf die Unvernunft gerichteten Blick Ausdruck zu verleihen. Danke, Mr. Chattison, die Vernunft landet postwendend bei Moral und Pflicht und Schuld und Scham – im Nichts. Tscha, der Teufel hat nicht nur den Schnaps erfunden.

      “Wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall”!

      erinnert mich an hanseatische Zeiten, auch an ‚jeder solle nach seiner Facon selig werden‘. Was ist die Folge in einem System, in dem Einige die bittere Pille verordnen, einige sie herstellen und andere sie schlucken müssen? Und folge ich, um die Betrachtung etwas runder zu machen, Freuds Auffassung, die Kulturgüter seien nur entstanden, um die bittere Pille erträglich zu machen, meine ich den Staat als Organisation zu erkennen, die eben dies zu leisten hat: Mensch und Gesellschaft effizient anzuleiten, effizient den Wahn hervor zu bringen.
      „Von der Wiege bis zur Bahre – Handelsware“.

      Dass das verdeckte Wesen der Feindseligkeit sie erst möglich macht, sollte wohl klar sein, oder?

      Herzlichen Gruß an Sie.

      Wolfgang

      Am Rande (Nachtrag)
      Es braucht weder eine Neue-Welt-Ordnung noch eine Eine-Welt-Regierung. Der Terror regiert – als eine Macht – nicht erst ab Morgen.

      Weiterer Nachtrag
      Wer sein Angstbarometer testen möchte, kann das mit diesem Thema tun.
      http://gerhardschneider.at/2014/06/10/blogeintrag-v-9-juni-2014-notfall-treffen-der-westlichen-eliten-scheiterten-die-finanzielle-sackgasse-zu-durchbrechen-jetzt-droht-die-us-implosio/

      • Juni 11, 2014 um 3:26 pm

        Einer unserer Trolle fragt an:

        “Dass das verdeckte Wesen der Feindseligkeit sie erst möglich macht, sollte wohl klar sein, oder?”

        Mir nicht. Klär mich doch bitte auf.

        • federleichtes
          Juni 11, 2014 um 4:02 pm

          Und ich dachte, Trolle verfügten über ein nennenswertes Intelligenz-Potenzial. Oder fühlen sie sich nur besonders schlau, weil sie andere für dämlich halten können. Ich kenn‘ mich da nicht so aus. Aber impliziert „Troll“ nicht versteckte Feindseligkeit? Und ist der als Troll identifizierte Macher eben deswegen nicht mehr feindselig?

          Das Problem ist nicht der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Das Problem ist, dass eine Gemeinschaft nicht wissen kann, wann welcher Tropfen in welches Fass fällt – und es schlimmstenfalls zum Bersten bringt. Das Problem ist also das Potenzial
          AN BEREITS (feindselig) GESTAUTER ENERGIE.
          Die auf ein „Kommando“ wartet, um abfließen zu können.

          Gäbe es keine Angst, gäbe es keine Trolle, Gäbe es keine Trolle, könnten wir niemals so gut die Trigger-Funktion einer Ur-Angst analysieren – und der Intelligenz, die ihre Ursache zu verbergen versucht.

          Übermittle bitte meine besten Grüße an eine uns wahrscheinlich nicht unbekannte Adresse:
          Angst gehört auch zur Ökonomie – und ihr Generieren unterliegt dem Gesetz der Effizienz.

          Gruß und Julius

          Wolfgang

    • Juni 11, 2014 um 3:25 pm

      Da stellte noch einer unserer Trolle fest (die Beleidung habe ich weggelassen):

      … “Ökonomie” ist untrennbar mit Geldwirtschaft verbunden….

      Das ist falsch. Ökonomie hat zunächst einmal mehrere Begriffsbedeutungen. Ursprünglich beschäftigte sich die Ökonomie mit den “wirtschaftlichen” Verhältnissen in der Familie bzw. mit denen ihres “Hauses” (griechich = oikos)

      • chattison
        Juni 11, 2014 um 10:29 pm

        Keine Ahnung wer hier Troll ist, ich bin jedenfalls keiner.

        Die ursprüngliche Bedeutung mag unbenommen stehen gelassen werden, entscheidend ist, in welchem Kontext diese Begrifflichkeit aktuell konnotiert wird – und das ist Geldwirtschaft, denn auch der genannte heimische, familiäre Haushalt ist ohne Geld keiner.

        Und ob Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft oder Finanzwirtschaft – alles Geldkomplexe und in ihren ökonomischen Ausrichtungen maximal geldorientiert und vom Geld determiniert – muss man das wirklich diskutieren?

      • Juni 12, 2014 um 12:12 pm

        Das Problem, das aus Ökonomie und Geldwirtschaft eins macht, ist die Quantifizierung. Es ist das Verfahren, den konkreten Einzelerscheinungen das Konkrete und damit Besondere (Individuelle) zu nehmen bzw. es zu ignorieren, um auf der darüber angeordneten Abstraktionsebene das Gemeinsame zu postulieren.

        Äpfel kann man nicht mit Birnen vergleichen, aber Obst mit Obst. Auf dieser abstrakteren und allgemeineren Ebene „Obst“ kann man auf einmal Werte mit ins Spiel bringen, die mit Äpfel und Birnen an sich gar nicht so viel zu tun haben, bspw. Angebot und Nachfrage. Ist die Nachfrage nach A größer als nach B, kann man A einen höheren Wert zuordnen: 1 Apfel gegen 2 Birnen.

        Als Geldsystem entwickelt diese Art der Zuordnung seine eigene Dynamik, umso mehr noch, wenn das Geld als solches zum eigentlichen Wert wird, d.h. wenn 3 Euro plötzlich als Wert gehandelt werden, während man 1 Apfel und 2 Birnen als wertlos erachtet und auf den Müll wirft.

        Wir sind alle mehr oder weniger auf solche Quantifizierungs- bzw. Abstraktionsprozesse konditioniert. Sie durchziehen unsere ganze Denkweise bis auf die Ebene der Emotionen und Gefühle. Für viele ist es leichter, die ganze Menschheit (das Abstraktum) zu lieben, als Peter oder Erna (das Konkretum).

        Jeder Baum ist genauso ein Individuum wie ein Mensch. Aber wer von uns sieht noch den individuellen Baum und lernt seine ganz spezifischen, nur zu DIESEM Baum gehörenden Eigenarten und -schaften kennen? Wenn wir in den Wald gehen, sehen die meisten von uns nur Erlen, Buchen und Tannen und nicht mehr den einzelnen Baum mit seiner individuellen „Persönlichkeit“. Dasselbe mit den Tieren. Einzig in Haustieren erkennen manche noch die individuellen Persönlichkeiten, der Rest sind für uns Rinder, Schafe, Ziegen, Bären ohne jede Individualität. Und selbst was Menschen angeht, sind wir dabei zu verlernen, den individuellen Menschen wahrzunehmen. Stattdessen nehmen wir den normierten Durchschnittsmenschen wahr und notieren bestenfalls noch Abweichungen: Der eine ist gegenüber dem „Mensch“ (als normiertes Abstraktum) zu dick, der andere zu dumm, der dritte zu launisch.

        Das eigentliche Problem besteht meiner Ansicht nach darin, dass wir das Verbindende (das Allgemeinere) ungleich höher bewerten als das Trennende (das Individuelle). Aus diesem Grund kommen wir auch dazu, den Staat (das allgemein-verbindende) höher zu bewerten als die einzelnen Menschen, von denen sich jeder doch irgendwie vom anderen unterscheidet. Hauptsächlich durch dieses Ungleichgewicht hat ein immer ungreifbarer und nebulöser werdender, also ein immer abstrakter werdendes Staatsgebilde, soviel Macht bekommen.

        • Juni 12, 2014 um 12:36 pm

          “Das Problem, das aus Ökonomie und Geldwirtschaft eins macht, ist die Quantifizierung.“

          Das Problem ist der Einsatz von entwurzelter Energie, so dass die Folgen dort, wo die Energie letztendlich zum Einsatz kommt um Produkte herzustellen, nicht dort geschieht, wo die Energie primär geschöpft wurde. Das ist cradle-to-grave. Pflanzen zeigen, dass cradle-to-cradle nur möglich ist, wenn die Energie direkt geschöpft und direkt vor Ort zum Einsatz kommt. Daher “bezahlen“ Pflanzen auch direkt mit Zucker und überweisen ihn nicht auf eine Bank, um sich später mal Marienkäfer zu leisten, wenn Blattläuse sie heimsuchen.
          Geldwirtschaft ermöglicht das Durchtrennen von Feedbacks, so dass Folgen nicht mit der späteren Produktion in Verbindung gebracht werden. Daten machen obendrein nichts anderes. Was wir Informationszeitalter nennen, ist das Entwurzeln von Informationen, und offenbart sich somit als Datenzeitalter, als Entfremdung.

          Gruß Guido

  17. Juni 11, 2014 um 8:49 am

    Ich bin inzwischen nicht mehr so skeptisch, was den Menschen an sich betrifft, was den Staat angeht allerdings immer mehr. In meinen Augen kommt der Menschen mit allen Veranlagungen auf die Welt. Was am Ende aus ihm wird, scheint zum größten Teil an seiner Sozialisierung (siehe u.a. den Artikel zuvor) zu liegen.

    Das Konzept des HOMO OECOMOMICUS, einem Menschen, der nur nach seinem Vorteil aus ist, anhand dessen die alten Wissenschaftsökonomen viele ihrer Rechenmodelle anknüpften und so manches damit verkauften, ist zunehmend in die Kritik geraten. Lesenswert dazu ist u.a. das Buch von Gunter Dueck: Abschied vom Homo Oeconomicus: Warum wir eine neue ökonomische Vernunft brauchen.

    Schopenhauer ist uns übrigens auf dem Blog schon einmal begegnet, hat er uns doch lesenwert aufgezeigt, was Politiker lernen, um uns hinters Licht zu führen:

    Kunstgriffe, wie ich Gegner platt rede ohne selbst wirklich was zu sagen …

    • Juni 12, 2014 um 12:20 am

      … kommt der Menschen mit allen Veranlagungen auf die Welt. Was am Ende aus ihm wird, scheint zum größten Teil an seiner Sozialisierung (siehe u.a. den Artikel zuvor) zu liegen.

      Das sehe ich deutlich anders – differenzierter:

      Der WAHRHAFT Erwachsene ist VÖLLIG FREI, sich als – HÖHERES – Bewußtsein SELBST zu erschaffen. Das heißt: Es ist völlig egal, woher er kommt (wie er sozialisiert / geprägt wurde), sondern einzig wichtig, wohin er will / geht.

      Die „Prägung“ erfolgte in der unteren, materiellen, Bewußtseins-Ebene („Niederes Selbst“ / „Pseudo-Selbst“ / „Ego“).
      Mit dem Wechsel zur oberen / höheren, nichtmateriellen (sondern spirituellen), Bewußtseins-Ebene wird der Mensch FREI – von seiner Prägung und von ALLEM.

      WAHRHAFT erwachsen wird der Mensch im Prozeß der Initiation, der „Einweihung“ in das höhere – göttliche, kosmische – Bewußtsein bzw. durch den AUFSTIEG („Ascension“) zu diesem höheren Bewußtsein. Dieser Prozeß soll vernünftigerweise am Beginn der Pubertät begonnen / durchgeführt werden.
      Bei Naturvölkern war und ist das so.
      Die zivilisierte Gesellschaft ist davon entfremdet. -> „Kollektive (Zivilisations-)Neurose“.

      • Juni 12, 2014 um 8:01 am

        Ja, das kann ich mir so inzwischen gut vorstellen. Ich hätte besser von „unserer zivilisierten Sozialisierung“ sprechen sollen 🙂
        Danke für diese Sichtweise. Martin

  1. Juni 11, 2014 um 8:41 am

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