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Angst vor der Angst?

AngstlIn unserer Bildungsgesellschaft ist Angst kein unbekanntes Phänomen. Es wirkt nach innen depressiv und nach außen aggressiv. Es ist insofern ein individuelles, aber auch ein kollektives Problem, und auch ein fiktives in der Vorstellungswelt des Menschen, verursacht durch den Geist einer alten Hölle und Visionen einer neuen Schreckenswelt.
Vielen sind sachlichere Ausführungen zum Thema bestens bekannt, für thematische Neulinge ist zum Beispiel mit Der Lebenslauf im Horosokop – Teil 3 ein Einstieg möglich.
„Frischlinge“ auf diesem Blog finden z.B. hier weitere Hinweise.

Der Auslöser, warum ich das Thema Angst aufgreife, findet sich in meinem abendlichen Telefonat. Begründet ist die Thematisierung im Verhalten der meisten Blogleser, die sich zu fundamentalen Fragen des Lebens nicht hingezogen fühlen, vielleicht sogar abgestoßen werden. Also frage ich mal allgemein:

Bestimmt das Wesen der Angst das Primär-Verhalten des Menschen?
Und:
Ist Mut eine Sekundär-Funktion, die Angst nur zu reduzieren vermag; die speziellen Ängste, aber nicht DIE Angst auflösen kann?

Ein weiterer Grund für die Thematisierung ergibt sich folgerichtig aus unserer Arbeit an einer Lebensschau, genauer einem Willen, dem Leben in die Karten, ihm auf den Grund zu schauen:
Warum entstand Leben und was will es erreichen. Können wir mit dem bisher Erkannten Angst erklären?

Ein weiterer Grund für die Thematisierung ist meine bislang unreflektierte Behauptung, Wissenschaft sei eine Facette des Glaubens. Offen gesagt bin ich’s leid, in diesem Topf verwirrender Informationen zu rühren, da auf der mythologischen Ebene (und in der Natur) wesentlich informativere Exformationen zu erfahren sind. Wer an den Steuerrädern, die der Menschheit die Wege ins Kali Yuga wiesen, drehen möchte und Spaß dran hat, bitte sehr.

Aus unserer etwas genaueren Betrachtung des Traumas und einem Geist der Feindseligkeit (der diese System-Funktion erst nötig machte), leiten sich ja die Fragen zur Angst unmittelbar ab.

Ist Angst also eine künstliche Energie, die des Lebens energetischer Aspekt ist?
Quasi der Ur-Antrieb für eine Offenbarungs-Dynamik?
Und ist die andere, die informative Seite der Dynamik der Faktor, der etwas bereits Bestimmtes hervor bringt?
Ist Angst der Finger, der auf künftige Gefahren weist?
Oder ist Angst die Erinnerung an eine bereits entstandene Gefahr; die Reaktion auf eine wirkliche existenzielle Not?

Schließlich:
Ist Angst der Schatten eines „Todes“, der bereits gestorben wurde? Und, kann es einen einzigen Körper geben, der nicht um seine Vergänglichkeit, die Nicht-Existenz „weiß“?

Angst verweigert den Zutritt auf die traumatische Ebene. Insofern ist sie der Wächter auf der Brücke zwischen Ego-Ich und Wesen-Ich. Wir sprechen hier also von einer gewissen Misslichkeit:

Ohne Enttraumatisierung keine Verminderung der Angst, ohne verminderte Angst keine Enttraumatisierung. Folgt daraus, dass sich die Brücke zwischen Körper-Sein und Wesen-Sein nur vom anderen „Ufer“ aus bauen lässt? Oder gibt es gar über dem Fluss des Lebens einen Fixpunkt (Glaube an die Liebe und Vertrauen in das Leben), von dem aus die Brücke in beide Richtungen wachsen kann?

Energetisch ist Leben Dynamik, informativ ist Leben der Tod. Und nun? Warten wir – worauf? Auf die nächsten 7 Millionen Klicks? Dass in der Hinterlassenschaft von Charly Chaplin ein unbekanntes Dokument mit der Lösung für meine, Deine, unsere Probleme auftaucht? Dass der Schwachsinn sich zur wahren Tugend erhebt, die wuchernde Feindseligkeit sich als Fata Morgana, als Produkt eines eingeschränkten Bewusstseins entpuppt?

Herzliche Grüße in die Runde der Unverzagten, die sich entschlossen haben, sich auf das Leben einzulassen.

Euer
Wolfgang

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  1. Juni 5, 2014 um 12:40 am

    Angst wird – auch von Wissenschaftlern (z.B. Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner – ja, DER Dörner!) – als „Gefühl“ bezeichnet.
    Und ich deute sie zudem als SYMPTOM – und zwar von / für Mangel an GEIST- / Seins-Kraft / Lebens-Energie / „Kraft aus der Höhe“ / geistige Liebe,usw. – die wir in Wahrheit SIND (Worauf wir uns aber nur stützen können, wenn wir darauf vertrauen, uns mit der Kraft IDENTIFIZIEREN).

    „Die Liebe treibt die Furcht aus“ heißt es in der Bibel.
    Und das trifft auch nach meinen eigenen Erfahrungen zu. Seit ich der KRAFT vertraue und auf sie baue und mich mit ihr identifiziere („ICH BIN…“!) bin ich immer weniger von Angst behelligt / behindert worden.

    Wenn Kinder auf die Welt kommen, sind sie – im Regelfall – noch völlig ungetrübt die universelle Energie / Liebe. Das macht sie so „süüß!“ und anziehend. Bei vielen geht das – in der zivilisierten GEsellschaft – im Laufe der Kindheit mehr oder weniger verloren. Unddamit auch das „Ur-Vertrauen“. Durch „traumatische“ (im weiteren Sinne) Erfahrungen. Durch Deprivation, Stress, mangelnde Liebe / Anerkennung / Bestätigung usw.
    Wir sind halt eine entfremdete / neurotische / kranke Gesellschaft.

    Um wahrhaft erwachsen werden zu können, muß diese Beeinträchtigung überwunden werden. Die Angst muß überwunden werden, damit das (Ur-)Vertrauen wiedergewonnen wird. Nur mit Vertrauen (der Kraft der Liebe) ist der Prozeß der Initiation bzw. der Ascension, des Aufstiegs zum wahren Erwachsenen-Bewußtsein, dem „Höheren / wahren Selbst“, möglich. Die Naturvölker wußten / wissen das. Die moderne Zivilisation ist davon „entfremdet“. Das ist eine sehr schwere Beeinträchtigung!

    Denn wer nicht zum höheren (Bewußt-)Sein aufsteigt, ist auch nicht mit der Quelle der KRAFT verbunden, hat sein (Unter-)Bewußtsein nicht von (den) Störfaktoren gereinigt und bei dem fließt also die Lebens-Energie nicht gut / Optimal, so daß früher oder später deutlichere Symptome von psychischer oder somatischer Krankheit erscheinen – als gut gemeinte Hinweise auf den Mangel im seelischen Bereich.

    Grundlegende Heilung ist auch nach der „rechten Zeit“ (am Beginn der Pubertät) jederzeit möglich. Ich habe es mit 45 begonnen – und erfolgreich bewältigt. Jetzt bin ich 67.

    Gern mehr auf Wunsch.
    Oder ein Besuch auf meiner HP http://www.Seelen-Oeffner.de.

    Herzlichen Gruß!

  2. federleichtes
    Juni 2, 2014 um 3:21 pm

    @ Mathias

    „Was mich noch einigermaßen verwirrt, ist Zahl und Wort als Herrschaftsinstrumente anzusehen.“

    Vorab möchte ich bemerken, dass Marian, indem er sich mit dem ‚Wesen der Feindseligkeit‘ wohl-wollend befasste, einige seiner Standpunkte wesentlich modifizierte – und folgend interpretierte, was mich erstaunte und erfreute: Weil er neu sortierte, was, unter einem grundsätzlich anderen Blickpunkt auf Leben und Welt, Geschichte, Religion, Philosophie und Psychologie, nötig ist für ein mögliches neues Verstehen. Wort, Zahl und Symbol in diesen Kontext zu stellen, war also bravorös.

    Martin blendete auf seinem Blog die Schuldenuhr ein. Wau, wie könnten wir ohne das Bewusstsein, Schuldner zu sein, beruhigt ins Bett gehen. Die Uhr konfrontiert uns per Zahl mit Fiktiv-Masse. Klar, die Uhr spricht nicht, aber das erledigen die, die die Schulden machen. (von denen einige behaupten, es sei die Negativ-auslese eines Volkes) Die Macht spricht suggestiv, benutzt Propaganda im Sinne eines Terrors, und sie bedient sich der Zahl, um der Feindseligkeit Gewicht zu verleihen – erst quantifizierte Schuld hat auch Qualität.

    Was macht Geist feindselig?
    Die Fähigkeit, Dir „inoffiziell“ 60% Deiner Energie zu rauben, und Dir damit „offiziell“ auch die restlichen 40% nehmen zu können?
    Was macht Menschen zu Sklaven?
    Weil sie GLAUBEN, sie wären nur (noch) die 40%?

    Erinnere mich gerade an einen Freund, der mich auf eine ziemlich schwierige Wegstrecke verabschiedete mit den Worten:
    „Mach’s besser“.
    Dieser Stern leuchtet immer noch VOR mir. Ein sehr beruhigendes Gefühl.

    Herzliche Grüße sendet Dir

    Wolfgang

  3. Juni 1, 2014 um 10:43 pm

    “Der Unterschied besteht mir in Angst / Widerstand bei tatsächlicher Bedrohung beim Pferd, während Mensch sich offensichtlich bereits durch hypothetische Bedrohung beängstigt fühlt.“

    Das ist die Folge von Vereinfachung und anschließender Verallgemeinerung mittels Daten und Grundlage technologischen Fortschritts. Es ist die Folge der Entwurzelung von Informationen, so dass ehemalige Informationen nun als Daten aus dem Rahmen der Exformation austreten können, wodurch Entfremdung einsetzt und Ängste geschürt werden können. Solange Informationen in der Exformation wurzeln kann es keine Ausbildung von Angst geben, weil sie keinen Nährboden hat.

    Gruß Guido

    • Juni 2, 2014 um 8:31 pm

      Genau.

      Vereinfachung und Verallgemeinerung machen aus ursprünglichen Informationen degenerierte Daten – eben „0“ und „1“, die Realität liegt aber leider genau dazwischen^^

      Aus dieser maßlosen Unverhältnismäßigkeit, nämlich nur noch „0“ und „1“, also 1,98% von 100 als Realitätsrepräsentanten gelten zu lassen, entsteht aus dieser Entwurzelung, Vereinzelung, (Ver)Bindungslosigkeit zum Ganzen eben Ratlosigkeit, Unverständnis, Orientierungslosigkeit und daraus folgerichtig „Angst“.

      Das Pferd hat ein tiefes Ur-Vertrauen zum Leben, daraus resultierend eine grundlegende Tiefenentspanntheit, weil es eben mit diesem noch wirklich verbunden ist – im Gegensatz zu so vielen Menschen.
      Diese Unverbundenheit der Menschen bedingt Unverbindlichkeit und damit Mißtrauen, Ablehnung, Feindseligkeit.

      Das Pferd, das sich tatsächlich mal erschreckt (und sei es aus einem Irrtum heraus) ist aber in kürzester Zeit wieder bei sich selbst und entspannt, wo der Mensch noch lange danach hadert und manchmal sein ganzes Leben hindurch in dieser Angststarre verharrt und sich dann das auch noch als Sicherheitsbewussstsein schön redet…

  4. Mathias
    Juni 1, 2014 um 9:48 pm

    Mal noch ein paar Gedanken die „Pferdegeschichte“ betreffend:

    Lieber Marian,

    Wenn wir Wildpferde betrachten, so hast Du natürlich Recht – und ich kann Deinen Darstellungen gedanklich in etwa folgen, verinnerlichen kann ich sie (noch) nicht. Deswegen, springen wir mal noch nicht ganz soweit und schauen wir mal kurz auf domestizierte Pferde und domestizierte Menschen. Das wäre jedenfalls näher an meinem Hier und Jetzt wie ich es eingebettet in unsere Zeit erlebe, und vielleicht sind da auch ein paar grundsätzliche Unterschiede feststellbar.

    Das domestizierte Pferd wird nur Probleme mit der Fussfessel haben, falls es wirklich SELBST schlechte Erfahrungen damit gemacht hat. Es kennt offensichtlich nicht durchaus passierende schlechte Erfahrungen einer seiner Artgenossen, und solange es nicht selbst diese schlechten Erfahrungen gemacht hat, wird es keine Probleme mit dem Anlegen von Fussfesseln haben. Ganz anders hingegen der domestizierte Mensch: Er lässt sich sehr wohl von hypothetischen Gefahren, die ihm von seinen Artgenossen berichtet werden, beängstigen.

    Kurz: Der Unterschied besteht mir in Angst / Widerstand bei tatsächlicher Bedrohung beim Pferd, während Mensch sich offensichtlich bereits durch hypothetische Bedrohung beängstigt fühlt. Während das domestizierte Pferd, scheinbar zumindest, sehr gut im Hier und Jetzt leben kann, wird das Hier und Jetzt beim Menschen sehr stark durch eine hypothetische Angst bestimmt. Die Folge dieser hypothetischen Angst sehen wir in allerlei Kram und Konstrukten wie sie gerade in der westlichen Welt sehr stark zum Vorschein kommen: Vorsorgeaufwendungen, Flutschutzmaßnahmen, Versicherungen, Fahrradhelme … die Liste ist endlos.

    Die Fahrradhelme die Du hier erwähntest verdeutlichen etwas: Weil ein paar Artgenossen von uns tatsächlich verletzt wurden, werden solche Informationen verbreitet, um nun alle Artgenossen mit Helmen auszustatten. Das erscheint dem verängstigten Ego-Ich als vernünftig, und außerdem erzählen ihm die Politiker noch, das schaffe schließlich auch Arbeitsplätze. Und wofür das alles? Für einen Zweck, der sich aus dem Davonlaufen speist? Der Fahrradhelm ist mir an der Stelle symbolisch für ein Bestreben „sich Schützen zu müssen“ und stellvertretend für das Davonlaufen. Das „Sich Schützen müssen“ ist der re-aktive Gegenimpuls zum Anschlagen der Stimmgabel, die eben VORHER schon (ganz gewaltig) eingestimmt wurde. Anders ist mir das Verhalten des „sich Schützen müssens“, dass immer neue Konstrukte und Dinge hervorbringt und sich in verschiedenen Facetten offenbart, nicht erklärbar.

    Warum nannte Wolfgang das Thema „Angst vor der Angst“? Auch in dem Titel drückt sich das Bestreben des „Schützen müssens“ aus. Und woher kommt der Impuls dafür, wenn nicht aus dem Trauma?

    Mir ist schon klar, dass Du das Trauma verstehst; sicher auch noch aus einer anderen Perspektive, wie sie mir noch nicht zugänglich war. Insofern sind mir Deine diesbezüglichen Betrachtungen sehr willkommen. Ich wollte nur die „Pferdegeschichte“ noch einmal aufgreifen, um das „sich Schützen müssen“ in die Betrachtung mit einfließen zu lassen – denn selbst wenn wir von domestizierten Pferden und domestizierten Menschen sprechen, so zeigen sie ganz unterschiedliche Verhaltensweisen.

    Sag mal, hast Du das Nirwana erfahren? Mir wurde das aus Deinen Schilderungen heraus noch nicht ganz klar.

    Herzliche Grüße zurück an Dich und Danke für Deine Anregungen!

    Mathias

    • federleichtes
      Juni 2, 2014 um 1:12 am

      Guido hat’s aus seiner Sicht beschrieben, ich mal aus meiner. Wobei Sicht meint, dass ich da JETZT hin schaue.

      Tiere, die nicht domestiziert sind, sind nicht traumatisert, weil sie nicht traumatisierbar sind. Können wir das behaupten?
      Abr sie leben auch in einer Gefahrenwelt. Um Gefahren/Bedrohungen abzuwenden oder zumindest zu regeln, kennen wir drei Verteidigungs-Muster:

      Aggression – Angriff;
      Regression (?) – Flucht;
      Depression (Toststellen).

      Ist der Angriff beendet, sind auch die Muster inaktiv – das normale Leben geht weiter.
      Das bedeutet für mich –
      ein Tier hat SEINE Erfahrungen gespeichert,
      und die für seine Art typischen, also genetisch gespeichert, was kollektiv erlebt und im Sinne einer Überlebenstrategie (der Art) an Vernunft erarbeitet wurde.

      Fragen wir weiter, ob Tier eine Psyche hat, scheint das logisch, weil es genau wie Mensch seine Daten, die kollektiven Daten und die Daten der aktuellen Welt informativ verarbeiten muss. (Die Frage, ob Tier auch eine Wesenheit ist, klammern wir hier mal bitte aus.)

      Grund-Hypothese am Rande: In der Psyche werden Daten zu Informationen umgewandelt.

      Schauen wir auf den Menschen, ist unschwer ein zusätzlicher Faktor bei der Daten-/Informationsverarbeitung zu entdecken: Geist.
      Und zwar ein feindseliger Geist, der GEGEN DIE ERHALTUNG DER ART arbeitet. (Vielleicht erlaubt sich hier ein kleine Bemerkung über domestizierte Tiere, die bösartiges Verhalten der Menschen erlebten und sich (auch) darauf einstellen (müssen), durch Bösartigkeit ihrerseits oder durch Unterwerfung auf entwürdigende Weise.)
      Wie wir diesen Geist, dessen Träger Mensch ist, nennen wollen, keine Ahnung. Es ist jedenfalls kein archaischer Geist, weil er nicht in der Zeit gewachsen, sondern nur aus dem Unbewussten heraus in die Zeit gewachsen ist. Er war also bereits vorhanden, bevor Leben begann.

      Demnach sind „Fussfesseln“ für ein Pferd zwar etwas Unnatürliches, aber es ist keine direkte Feindseligkeit, die gegen seine Existenz noch die seiner Art gerichtet ist. Beim Menschen wären „Fussfessln“ der Tod als Symbol von Nicht-Existenz, und eine widernatürliche Ordnung, die nicht grundsätzlich auf Lebenserhalt und existenzielle Verbesserungen (durch Erfahrungen) gerichtet ist, sondern auf das krasse Gegenteil, auf die Steigerung der Feindseligkeit als Dynamik, die JEDWEDE Existenz verunmöglichen will.

      Dass aus dem im Menschen veranlagten Geist des absolut Bösen ein anderes Verhalten folgt, als es bei Tieren natürlich ist, scheint mir logisch – es ist ja durch die Zeiten Fakt geworden: Was dem „Menschen“ an Grausamkeiten zu leisten möglich ist, vollzieht er auch; im Sinne der Offfenbarung dieses Geistes natürlich notwendigerweise.

      Kooperation UND Konkurrenz gibt es sowohl bei Tier als auch Mensch. Sie spiegeln ein Bestreben nach Effizienz, ein intelligentes Muster, um die Vernunft zu mehren. Konkurrenz ist also kein Kernproblem, so doch ein geistiges Phänomen, das für Unheil sorgen kann. Mir fallen dazu die Todsünden ein, die, wenn ich das richtig einschätze, DAS Problem spiegeln.

      Als ich „Fussfesseln“ bei Mr. Chattison las, wurde ich sehr aufmerksam, wenn auch unbestimmt. Nein, viele Köche verderben den Brei eben nicht.

      Danke in die Runde.

      Euer
      Wolfgang

    • Juni 2, 2014 um 4:08 pm

      „Das domestizierte Pferd wird nur Probleme mit der Fussfessel haben, falls es wirklich SELBST schlechte Erfahrungen damit gemacht hat. Es kennt offensichtlich nicht durchaus passierende schlechte Erfahrungen eines seiner Artgenossen …“

      Ich gebe Dir zuerst ein Gegenbeispiel, um Dir meine Position zu veranschaulichen: Ein Pferd (auch ein domestiziertes) wird auf einer bestimmten Weide geboren, auf der bestimmte Kräuter und Gräser wachsen. In Deiner Sicht auf die Dinge wirst Du nun sagen, das Fohlen lernt von seiner Mutter und seinen Artgenossen, welche Gräser fressbar, welche ungenießbar oder sogar schädlich sind. Die älteren Pferde machen es dem Fohlen vor. Oder das Fohlen muss alle Gräser selber ausprobieren. Das stimmt so aber nicht.

      Denn wenn das Fohlen verkauft wird und auf eine ganz andere Wiese mit ganz anderen Kräutern und Gräsern kommt, weiß es trotzdem, welche Gräser es auf dieser neuen Wiese fressen kann und welche nicht. Es genügt, dass es angefangen hat, auf irgendeiner Wiese Gräser zu fressen, um ab diesem Moment über ein viel komplexeres Wissen zu verfügen. Ich habe gelesen, dass das Pferdewissen sogar noch subtiler ist und mit der eigenen Befindlichkeit korreliert. Dass Pferde bis zu einem gewissen Grad sich selber kurieren können, indem sie bei entsprechenden Unpässlichkeiten bestimmte Heilkräuter bevorzugen (so diese auf der Wiese wachsen). Die Frage ist: wie kommt das Fohlen zu diesem Wissen?

      Instinktives Wissen funktioniert offensichtlich anders als angelerntes Wissen. Die Vorstellung, dass alle (domestizierten) Pferde ein gemeines Feld teilen, in das über Generationen alle individuellen Erfahrungen einfließen, ist zumindest ein plausibler Versuch, diesem Phänomen irgendwie gerecht zu werden. Wo dieses Feld des gemeinsamen Wissens sich befindet, kann ich nicht sagen, ich finde es jedoch adäquat zu sagen, dass sich dieses gemeinsame Feld (Wissen) in Form eines Gefühls in den einzelnen Tieren meldet. Das Pferd wird sicher nicht denken „dieses Kräutlein ist was für meine Verdauungsbeschwerden“, stattdessen wird es große Lust (Appeitit) auf eben dieses Kräutlein haben.

      Ich gehe davon aus, dass in derselben Weise die individuell gemachten Erfahrungen mit Fussfesseln gleichermaßen in dieses Feld einfließen. Ich denke, wenn eine genügend große Anzahl Pferde schlechte Erfahrungen mit Fussfesseln gemacht haben, begegnen ALLE Pferde Fussfesseln mit Misstrauen, auch wenn sie vorher nie welche gesehen haben. Wenn nur wenige Pferde schlechte Erfahrungen mit Fussfesseln gemacht haben, gehen diese Erfahrungen im großen gemeinsamen Feld unter. Vielleicht ist die große Menge der gemachten Erfahrungen sogar positiv und die Tiere verbinden mit Fussfesseln saftige Weiden und gutes Fressen. Dann löst die Fussfessel auch bei Tieren, die nie zuvor eine gesehen haben, ein positives Grundgefühl aus.

      Ich nenne diesen Vorgang „Involution“, im Gegensatz zur „Evolution“. Evolution ist ein Ausbreiten in die Vielheit hinein, Involution ein Rückholen der in der Vielheit gemachten Erfahrungen.

      Beim Menschen funktioniert Wissensweitergabe zum größeren Teil über angelerntes Wissen. Aus diesem Grund ist anstelle des ursprünglichen Instinktfeldes, das sich übers Gefühl ausdrückt, ein Kommunikationsfeld entstanden, das über Sprache, Schrift, Lexika und neuerdings Internet aufrechterhalten und gepflegt wird. Das Internet ist unser Ersatz für das verlorengegangene ursprüngliche Feld, in dem wir uns noch auf unsere Gefühle verlassen konnten. Deshalb hat das Internet auch so wahnsinnig viele Fans und hat sich mit einem Irrsinns-Tempo weltweit verbreitet.

      In diesem Kommunikationsfeld entstehen nun die hypothetischen Ängste. Es genügt, wenn ein einziges oder ein paar Kinder einen Unfall mit dem Fahrrad haben, dann wird diese Information weitertransportiert, endlos rekapituliert und gewinnt dadurch zunehmend an Gewicht. Die Tatsache, dass hunderttausend Kinder keinen Unfall haben, wird hingegen in diesem Kommunikationsfeld ignoriert. So werden Gefahren nicht mehr in ihrer Verhältnismäßigkeit gespeichert, sondern in völlig übersteigerter Form. Wir sind geradezu darauf fixiert, in diesem (künstlichen) Kommunikationsfeld alles zu sammeln, was zusätzlich auch noch Angst machen kann. Wir sind geradezu süchtig nach Ängsten.

      Aber tatsächlich tragen wir ja auch noch instinktives Wissen oder zumindest Reste davon in uns. Und dieses Wissen meldet sich in uns zuallererst übers Gefühl, von dem es undifferenziertere Formen (vage Ahnung) und differenziertere (Intuition) gibt. Zumindest beobachte ich das in mir selber so. Kannst Du das aus Deiner Erfahrungswelt so bestätigen?

      Mit meinem Bericht aus Bhutan wollte ich ebenfalls auf diese „Feldhaftigkeit“ hinweisen. Bhutan ist sowohl innerlich spür- wie äußerlich erlebbar ein „Feld“ mit einer größeren Friedfertigkeit als anderswo. Der Kulturschock von Kathmandu nach Paro (1 Std. Flugzeit) ist größer als der von Frankfurt nach Kathmandu (14 Std.). Diese Friedfertigkeit teilen Tier und Mensch. Daraus leite ich ab, dass manche Aspekte dieser Felder fließend ineinander übergehen. Wohlgemerkt: manche Aspekte. Ich glaube nicht, dass das implizite Wissen (über fressbare Kräuter) auf diese Weise übertragbar ist, weil dieses Wissen ja auch für jede Art unterschiedlich ist.

      Es würde mich freuen, wenn diese Darstellung einigermaßen verständlich rübergekommen ist und ich Deine Frage somit beantworten konnte.

      Ich weiß nicht, ob ich Nirwana erfahren habe. Ich weiß nur, dass diese Frage im Laufe meiner Geschichte irrelevant geworden ist. Wenn ich meine persönlichen Erfahrungen mit den Berichten Erleuchteter vergleiche, kann ich nicht sagen, ob es dieselben Erfahrungen sind. Manchmal denke ich, es gibt ein paar Anklänge, aber dann kommen mir die Berichte auch wieder fremd vor. Und hauptsächlich denke ich, dass es eigentlich wurscht ist.

      Ich habe eine Hölle erfahren, die ich im Nachhinein als Ängste identizifiert habe. Der Kulminationspunkt war, wie der ganze Apparat begrifflicher Konstruktionen in meinem Geist in sich zusammengestürzt ist, das war erst recht die Hölle. Es war irgendwie so, als würde ich im Zeitraffer durch die ganze Menschheitsgeschichte zurückfliegen. Das ursprüngliche menschliche Trauma stellt sich mir als Bewusstseinsspaltung dar. Ein Teil unseres Bewusstseins hat sich als Ratio von unserem Gefühls-Instinkt-Bewusstsein abgespalten und im Laufe der Jahrtausende verselbständigt. Mit der Tendenz, dass wir nur noch diesen abgespaltenen Teil wahrnehmen und den Kontakt zu unserem Gefühls-Instinkt-Bewusstsein verlieren oder verloren haben. Durch das Gefühls-Instinkt-Bewusstsein sind wir mit allem verbunden, aus diesem kommt die Ahnung der Einheit, die wir mit dem abgespaltenen Teil nun künstlich nachzubauen versuchen.

      Was ich danach erlebt habe, war die Abwesenheit jeglicher Feindseligkeit. So könnte man es tatsächlich ausdrücken. Auf diese Formulierung bin ich aber erst jetzt dank Wolfgang gekommen. Ich suche ja immer noch nach Möglichkeiten, die Erfahrungen einigermaßen korrekt zu formulieren.

      Ich sehe das Trauma übrigens nicht so negativ. Es ist der Angst-Erzeuger per se, klar.
      Es ist aber auch unser menschlicher Weg in die Vielheit hinein. Es ist eine Ausdifferenzierung aus dem Einem, was es so in dieser Form vielleicht noch nie gegeben hat und uns Menschen trotz aller Gemeinsamkeiten und gemeinsamen Felder mit Tieren und Pflanzen zu etwas Einzigartigem macht.

      • Juni 2, 2014 um 7:25 pm

        Das „Wissen“ der Pferde.

        Das Pferd lernt so gesehen nur wenig von anderen Pferden.
        Das „implizite“ Wissen ist sicher teilweise genetischer Natur und von daher reiner Instinkt (= bewährte Veranlagung, erprobter Reiz-Reaktions-Reflex) durch Auslese über lange Zeit, teilweise aber auch eine Form des „Wissens“, die ich lieber als „Nachspüren“ bezeichnen würde.

        Woher weiß z.B. ein Pferd, was ihm z.B. fresstechnisch gut tut und was nicht?
        Ich behaupte aus meiner Beobachtungserfahrung heraus, dass es da eine energetische Wechselwirkung nach dem Schlüssel-Schloß-Prinzip gibt.
        Das Pferd spürt also intern der energetisch am besten entsprechenden Kombination nach und „wählt“ diese dann aus.

        Das ist in etwa vergleichbar mit dem was andere Tiere bei der Navigation über das Edmagnetfeld leisten u.ä.
        Pferde lesen auch die energetischen Signaturen der Reiter extrem genau, besser als jeder verfluchte menschengemachte Lügendetektor es je könnte, und reagieren unmittelbar adäquat dazu.

        Das „Wissen-Feld“ ist also eigentlich gar keines – nichts wird gespeichert oder „datenmässig“ aufbereitet.
        Das „Wissen“ ist hier das Feld-lesen-und-sich-darauf- abstimmen-Können.

        Ich habe mich schon immer gefragt, wie ein Monarchfalter mit „Null“ Gehirnmasse so unglaublich exakt und sicher seinen Weg geht – das hat nichts mit gespeichertem Wissen zu tun, sondern mit energetischem Abgleich, so wie der Schleimpilz (ja, der so ganz ohne Gehirn und Zellen^^) ja auch „weiß“, was richtig oder falsch ist, indem er sich am ältesten „Wissen“ entlang hangelt – dem Wissen um das eigene Befinden, ob etwas besser oder schlechter „passt“ zur eigenen energetischen Struktur (weil es komplementär ist oder kongruent oder kompensatorisch).

        Deswegen hat alles das, was uns sonst als „Wissen“ verkauft wird, rein gar nichts damit zu tun, weswegen auch die fettesten Bibliotheken, die gigantischsten Datenspeicher damit nicht konkurrieren können!
        Und weswegen man uns dieses „Nachspüren“ (etymologisch: Denken = Empfinden!) gründlich abzutrainieren versucht, indem man das Ur-Vertrauen in uns selbst (eben dieses Sich-selbst-spüren und sich Mit-dem-„Außen“-Abgleichen auf energetischer Basis) stört, zerstört und uns systematisch davon abzubringen und zu degenerieren versucht!

        Denn wer dergestalt um sich weiß, der hört eben auch nur auf sich^^

        Für „Mächtige“ und solche, die es werden und bleiben wollen ist das natürlich eine schlechte Nachricht^^

        • Juni 2, 2014 um 8:49 pm

          Dieses „Das-Feld-lesen-und-sich-abstimmen“ läuft über die Gefühlsebene, nicht über den Intellekt. Deshalb ist „lesen“ auch schon wieder ein Begriff, der in die falsche Richtung führt.

          Was ich nicht glaube, ist, dass es ein „man“ gibt, der dies alles böswillig mit uns macht. Wer soll dieser „man“ sein? Irgendeine geheime Verschwörung, seien es Außerirdische, Dämonen oder so was? Wenn man so eine Verschwörung annimmt, verlagert man nur das eigentliche Problem. Im Sinne von: Gott hat uns geschaffen? Aha! Toll ! Und wer hat dann Gott geschaffen?

          Meiner Ansicht nach ist dieser „man“ eben unser Intellekt, unser mentales Bewusstsein, das vor ca. 60.000 bis 100.000 Jahren angefangen hat, sich über die Entwicklung von Begriffen und Zahlen aus dem – okay, nennen wir das Ganze mal „energetisches Feld“ herauszulösen. Dieses mentale Bewusstsein (Ratio) hat dem energetischen Spüren den Kampf angesagt, insofern ist es feindselig. Insofern sind auch Wort und Zahl feindselig.

          Die Ratio belässt es jedoch nicht bei Worten und Zahlen, sondern verändert unsere Umwelt auch ganz konkret. Wir lösen uns mehr und mehr aus den natürlichen Kreisläufen heraus, um sie durch künstliche zu ersetzen. Diese künstlichen Kreisläufe sind gegenüber den natürlichen auf mechanistische Prinzipien reduzierte.

          Mein ursprüngliches Gefühl identifiziert diese künstlichen Welten als Einschränkungen und Gefangenschaft, die mit fortschreitender Entwicklung immer massiver wird. Daher mein Unbehagen.

          Meine Ratio hingegen hat diese künstlichen Welten durchaus mal als Erweiterung und Freiheit identifiziert.. Sie war nicht mehr an das „energetische Feld“ gebunden und konnte sich stattdessen ihr eigenes, ihm adäquates Umfeld schaffen, sich „kreativ“ betätigen.
          Es gab eine Zeit, da fand ich Wissenschaft wunderbar.
          In der Zwischenzeit ist dieser Teil meines Bewusstseins jedoch kleinlaut geworden.

          Ich glaube, das ist das Paradox oder der double bind, in dem wir augenblicklich gefangen sind und das es zu durchbrechen gilt. Da muss man keine Außerirdischen oder Titanen bemühen.

      • Mathias
        Juni 2, 2014 um 8:03 pm

        Ich bin Dir vielleicht eine Erklärung schuldig, was meine abschließende Frage in meinem letzten Kommentar betraf: Im Nachhinein sah ich dass die möglicherweise etwas „platzig“ daher kam, und hoffe dass Du Dich nicht angegriffen fühltest. Nirwana selbst habe ich weder erfahren, noch interessiert es mich besonders. Was mich aber interessierte war der Zusammenhang den Du mit dem „Ausgestiegensein aus dem Trauma“ darstelltest, und mich interessierte, ob Du das selbst so erlebt hattest. Danke Dir für die Schilderung Deiner diesbezüglichen Erfahrungen.

        Deine Ansichten über das Trauma die Du hier in letzter Zeit beschrieben hattest waren mir immer sehr interessant und bereichernd – weil Du einen Blickwinkel auf das Trauma hattest, von dem ich so noch keine Ahnung hatte. Und außerdem stellte ich jetzt mal irgendwie fest, dass sich dadurch auch eine Starrheit von verschiedenen Überzeugungen bei mir aufweichte. Das war mir natürlich vorher gar nicht so bewusst.

        Das Trauma sehe ich aber noch als negative Erscheinung, wenngleich ich es insofern als natürliche Erscheinung einordnen kann, die nicht grundlos einfach so da ist und so akzeptiere ich das Trauma als (notwendige) Massenerscheinung auch. Vom Prinzip her ist Enttraumatisierung wie ein Ausstieg aus einem Leid-Erschaffungsprozess – Enttraumatisierung als Transformation, als einzigen wirklichen Weg, das sichtbare unsagbare Leid in dieser Welt, nicht mehr Mitzutragen und zu beenden. Und aus dieser Sicht sind mir die Konsequenzen von unaufgelöstem Trauma eben doch negativ. Und diese Konsequenzen kann ich immer noch beobachten. Du hast ja selbst hier mal geschrieben, wie schön könnte die Welt sein, wenn es das kollektive Trauma nicht mehr gäbe. Also gibt es vielleicht etwas tief in unserem Inneren, irgendwo als Gefühl in unserem Unbewussten gespeichert, einer Erinnerung an eine bessere Welt. Es ist ein unbestimmtes Gefühl, das mir eben sagt, dass die Ausdifferenzierung der Einheit – die Abbildung des Reichtums, kein Leid und Feindseligkeit dafür benötigt. Das was wir bisher erlebten ist mir so gesehen nur Teil eines notwendigen Prozesses.

        Herzlichen Dank noch einmal und liebe Grüße,
        Mathias

        • Juni 2, 2014 um 9:22 pm

          Ich finde es überhaupt nicht patzig, wenn Fragen unverblümt gestellt werden. Im Gegenteil. Damit komme ich besser klar als mit „Samthandschuhen“.

          Wenn es so rüberkam, als würde ich eine Traumatisierung wunderbar finden, dann habe ich es ungeschickt formuliert. Das Trauma wirkt sich in seinen Konsequenzen negativ aus und verunstaltet sowohl uns Menschen wie auch die Welt. Und das sichtbare Leid in der Welt drückt einem das Herz ab, ja.

          Ich denke jedoch auch, dass es Teil eines Prozesses ist, vielleicht vergleichbar mit Geburtsschmerzen? Es ist nicht das Wesentliche, meiner Ansicht nach.

          Es gab und gibt Momente, wo ich das Gefühl habe, aus dem Trauma ausgestiegen zu sein. Dann rutsche ich wieder rein und die Welt ist wieder so, wie ich sie kenne, aber im Laufe der Zeit verändert sich allmählich etwas, sowohl was die konkreten Lebensumstände als auch die innere Verfassung angeht. Ich denke auch, dass Enttraumatisierung als Transformation begriffen werden kann und tatsächlich der einzig mögliche Weg ist.
          Alles andere ist bloß Symptome behandeln, aber keine Heilung.

          Ich finde die Diskussionen – gerade mit Dir und mit Wolfgang – sehr bereichernd. Ich entdecke ebenso wie Du, dass es noch andere Blickwinkel gibt. Manchmal verstehe ich nicht alles, bspw. bei Gold-DNA (Hallo, Grüße :-)), aber vielleicht schaffe ich es noch, durchzusteigen.

          Daher gilt auch euch mein Dank und auch Martin, dass er das Forum bereitstellt, indem ein solcher Austausch möglich ist.

          Marian

      • Juni 3, 2014 um 12:07 pm

        Danke für die Grüsse ! GOLD-DNA muss man gar nicht verstehen … es dient(e) (mir) nur der Herantastung an das Kohärenzgefühl fürs GANZE 😉 … sozusagen als Einleitung für das, was daraus hervorging … inklusive aller Texte, die ich hier auf Martins Blog veröffentlichen durfte.

        “Ich nenne diesen Vorgang “Involution”, im Gegensatz zur “Evolution”. Evolution ist ein Ausbreiten in die Vielheit hinein, Involution ein Rückholen der in der Vielheit gemachten Erfahrungen.“

        Dabei sollte man die Devolution des Gesamtbewusstseins, allgemeinhin als GOTT bezeichnet, nicht außer 8 (!) lassen. Somit dient die Evolution der maximalen Herausbildung von Gesellschaften innerhalb der Gemeinschaft des Lebens und die Involution der Stärkung des Gemeinschaftsgefühl, aus der Vergesellschaftung heraus … was zur Maximierung von Kohärenz ( Einklang in der Vielheit ) führen wird und somit zu REINVENTING THE SACRED, aufgrund vorheriger Erfahrungen, die damit in ihrer Maximierung notwendig waren !

        Gruß Guido

        • federleichtes
          Juni 3, 2014 um 4:16 pm

          Dürfte ich in diesem Sinne sagen:

          „Das Wesen der Evolution besteht darin, Feindseligkeit auszubreiten – und das Wesen Involution besteht darin, Bewusstsein darüber wachsen zu lassen“?

          Würde weiterhin daraus zu schlussfolgern sein:
          Evolution UND Involution sind zwei Seiten EINES Prozesses, dessen Steuerung EINEM Bewusstsein folgt?

          Das Streben in die Gemeinschaft und das Streben in die Individualität und das Entstehen von Bewusstsein über das Wesen der Individualität und der Gemeinschaft –
          UND das Entstehen von Bewusstsein über das Miteinander der so verschiedenen Wesen von Individualität und Gemeinschaft, wäre mir Hinweis auf eine grundsätzliche Problematik, z.B. die einer vormaligen Unvereinbarkeit verschiedener Existenzformen.

          Erst unter diesem Gesichtspunkt eröffnet sich mir ein Blick auf eine Dritte Kraft, eben die, die aus der Unvereinbarkeit Feindseligkeit entstehen ließ, und aus der zunehmenden Feindseligkeit das Böse entstehen ließ.

          Das Böse ist immer und überall? Mag das für alte „Zeiten“ zutreffen gewesen sein, heute gibt es eine bereits sehr stabile Andere Welt, in der Worte, Zahlen und Symbole mittels Bedeutung eher weniger Aufmerksamkeit stehlen können.
          Gestern war einer meiner Heiligen Tage. Wegen ihm.

          Das erste Mal in fünf Jahren, dass der Blutbär sich mit offenen Flügeln fotografieren ließ.

          Euch und dem ganzen Rest einen guten Tag.

          Wolfgang

  5. Mai 31, 2014 um 1:33 pm

    „Welche Vorraussetzungen müssen eigentlich erfüllt sein, warum es den Religionen gelingt „Angst zu erzeugen“?“

    Es ist nicht unbedingt einfach im selben Sprachraum unter einem Begriff auch das Gleiche zu verstehen. Religion bedeutet mir (Rück) Anbindung an die (Ur)Quelle. Alles sonst sind mir Glaubensbekenntnisse, Wissenschaft inbegriffen.

    Angtserzeugung und Schuld hängen mir ursächlich zusammen. Christliche Kirche (für andere Glaubensformen kann ich das nicht behaupten, da weiß ich zu wenig.) brachte es ja soweit, dass Mensch sich allein für sein Hier- und So-Sein schuldig fühlte. Weil Menschen die Interpretation der Schrift(en) abgaben wurde es möglich den Begriff der Schuld, die beengt bis zur Bewegungslosigkeit, zu implementieren. Aus diesem Schuldgefühl erwuchs die Angst vor Strafe. Was den Ausdruck von Lebendigkeit, auch Lebensfreude genannt, einschränkte. Denn wie kann ein Mensch seiner Freude Ausdruck geben, der doch Schuld trägt?- Es ist ein „Spiel“ um Macht. Das wir nicht hinterfragten in unseren Gedankengefängnissen.

    „Das ist auch die Funktion von einem personalisierten Gott wie dem in der Bibel .
    Ein personalisiertes Gottesbild ist die Projektion eines Ichs, das sich bis ins Maßlose übersteigert, sich absolut setzt. Diese Projektion ist nicht die Folge einer Traumatisierung, es ist die Traumatisierung.“
    Wir finden die Antwort vielleicht doch auch in der Bibel. Steht da nicht „Du sollst Dir kein Bild machen von mir.“? Menschen hinterfragten über die Jahrhunderte, Jahrtausende nicht die vorgesetzten Interpretationen. Das wurde möglich durch komplexer werdende Lebensweise und damit einhergehender Arbeitsteilung und darauf folgender Ab-Trennung bestimmter Lebensbereiche, wie religiös / philosophischer Fragen und Riten. – Ich erinnere an den Hausaltar, der sich in matriarchal/ -linear geprägten Kulturen bis heute findet. Die nun wiederum bekannt sind für eine weniger aggressive Lebensweise, wie wir sie führen. Nicht nur den lieben Mitmenschen gegenüber, sondern auch im Umgang mit der natürlichen Umgebung, als deren Teil sie sich begreifen, über die sie sich nicht erhöhen.-,

    „Diese Übersteigerung ist der Angst-Erzeuger. Ein Ich, das sich bis ins Absolute übersteigert, zittert bis ins Mark. Größenwahn auf der einen Seite hat auf der Schattenseite einen ebenso großen Minderwertigkeitskomplex. So hat jeder, der sich hinter einem Gott verstecken muss, um seine Ansichten oder Machtgelüste durchzusetzen, auf der Vorderseite einen Größenwahn (bspw. der Glaube, berufen zu sein) und auf der Schattenseite einen Minderwertigkeitskomplex (er traut sich nicht, einem Menschen als Gleichberechtigter gegenüberzutreten und seine Interessen auf Augenhöhe zu formulieren.“
    Personalisieren wir „Gott“ nicht, sondern sehen wir in und um uns alles als sich gegenseitig bedingend und miteinander verwoben an, wäre dem die Grundlage entzogen. – Monotheistische Religionen, die den pyramidalen Aufbau der Gesellschaften und ihr Machtgefüge ermöglichten.

    „Sprich, Trauma bedeutet Bestimmung und betreibt Offenbarung von lebensfeindlichen Informationen.“
    Wenn mich nicht alles täuscht leiden nur Menschen (und deren Haustiere) unter Traumata. Wildtiere und Wildpflanzen nicht. Aber sie leben. Genau wie ich die Erde als lebenden Organismus begreife, die sich nur einmal schütteln braucht, dann ist sie uns und unsere Traumata los. Ich würde Traumata also gerne eingeschränkt wissen auf menschliche Existenz und Lebensweise.

    „Bilder sind Analogien, die einem helfen können, etwas zu verstehen, aber sie sind nicht die Wirklichkeit.“ Das verbindet sich für mich mit Exformationen, die Guido uns nahe brachte. Die den Bildern fehlen.

    Soweit erst mal ein bißchen Blödsinn. Jetzt geh ich mal Wirklichkeit hören, sehen, riechen, schmecken, fühlen. Die Sonne, die Wiesen, der Wald, die Vögel, das Wasser, der Wind. Frei von Traumata, frei von Angst, auch vor Brennesseln 😉

    Grüße
    Martina

    • Juni 1, 2014 um 1:01 pm

      Es tut mir Leid, wenn ich Dir mit dem „Blödsinn“ zu nahe getreten bin.

      Es ist nur so: „der Mangel an Liebe“ ist etwas, was gerade die christliche Kirche ihren Anhängern seit 2000 Jahren predigt und damit das Schuldgefühl weiter am Köcheln hält.
      Es ist meiner Ansicht nach die Forderung nach Liebe, die den westlichen Menschen mehr und mehr in die Isolation treibt.

      Liebe ist etwas, das der Mensch nun mal nicht „machen“ kann, ebensowenig, wie er seine eigene Existenz machen kann.

      Wenn man so tut, als könnte man Liebe willentlich oder durch Läuterung oder Bewusstseinserweiterung oder (auch sehr beliebt) Sich-dem-Ganzen-Öffnen erzeugen, wird diese Stereotype weiterhin wiederholt und das Schuldgefühl weiterhin einprogrammiert.

      Manchmal denke ich, man sollte überhaupt aufhören, von „Liebe“ zu reden. Stattdessen wäre es vielleicht sinnvoller, bloß zu verstehen, was der andere mit seinen Begriffen überhaupt meint. Für mich bedeutet „Religion“ die institutionalisierte Form des Glaubens: Kirchen, Bibeln, Priester, Lamas, Rituale. „Glaube“ hat für mich zwei Komponenten: einen Inhalt und ein Gefühl, was in Wolfgangs Terminologie u.U. auch eine Emotion sein kann. Wenn man konsequent alle Inhalte des Glaubens (animistischer, magischer, mono- oder polytheistischer Art) weglässt, bleibt so was wie ein blindes Vertrauen – ein Gefühl, dass es okay ist, wie es ist und Mensch keine Angst haben muss zu leben und zu sterben.

      Leider rede ich selber sehr oft von „Liebe“ und bin in dieser Hinsicht überhaupt nicht konsequent. Das wird wohl der Grund sein, warum es mich übergebührlich aufgeregt hat, als Du von Liebe geredet hast. Es ist ja immer so, dass einem bei einem anderen immer das am meisten aufregt, wo man sich an die eigene Nase fassen muss. Ich nehme die Projektion zurück, d.h. ich entschuldige mich für harte Worte.

      Allerdings sollten wir die matriarchalisch geprägten Urgesellschaften ebenfalls auf den Prüfstand stellen und hinterfragen. Diese werden gern idealisiert, sind aber auch nicht ohne.
      Das Menschen- und Blutopfer hat seinen Ursprung in matriarchalisch-animistischen Gesellschaften und ist eng verbunden mit Fruchtbarkeits- und Initiationsriten. Bei – wenn ich es noch recht weiß – polynesischen Aborigines gab es bpsw. das Ritual, dass bei einem bestimmten Fest alle Männer eine ausgewählte Frau beschliefen unter einem Dach aus dicken Baumstämmen. Wenn der letzte Mann an die Reihe kam, riss die Gemeinschaft die Baumstämme weg und die beiden wurden davon erschlagen. Hier kommt also die „verschlingende Urmutter“ zum Vorschein. Diese wurde von patriarchalischen Göttern zurückgedrängt, was in der Abraham-opfert-Isaak-Geschichte erzählt wird.

      Deine Ansicht, dass das Trauma auf die menschliche Existenz beschränkt ist, teile ich. Ich gehe sogar noch weiter, und vertrete die Meinung, dass wir Menschen das Trauma überwinden können. Das Trauma auf das Leben und die Existenz als solche auszudehnen ist eine Extrapolation: wer das tut, schließt von etwas, das innerhalb in uns stattfindet, auf etwas, das außerhalb unserer selbst liegt.

      Es gibt die Erfahrung des Ausgestiegenseins aus dem Trauma. Das ist meiner Ansicht nach das Nirwana, von dem der Buddha spricht. Auf jeden Fall meint er nicht NICHT-EXISTENZ damit.

      • Juni 3, 2014 um 12:31 am

        Nur kurz, lieber Marian, ich bezeichne mich als ziemlich angstfrei und bin schwer zu beleidigen. Das hast Du nicht getan, trotzdem danke für Deine netten Worte, taten mir gut. – Thema Matriarchat versus Patriarchat, wir könnten wohl eine Doktorarbeit darüber verfassen und hätten trotzdem nicht alle Aspekte des Themas auch nur kurz erwähnt. – Meine obige Bemerkung zum Thema bezog sich auf matriarchale Systeme der Gegenwart, zu finden bspw. bei nationalen Minderheiten in China. – Wir haben die Menschen- und Kastrationsopfer, von Frauen an Männern begangen, zum Ende des weltweiten Matriarchats zu beklagen. Die Gründe sind nicht klar, jedenfalls fand ich bisher keine Quellen, nur Vermutungen. Was nun auch bdeutet, dass Frauen Männern nichts vorwerfen brauchen, Männer aber Frauen auch nicht. Ist vielleicht an der Zeit sich nicht mehr Gegen-über zu stehen, sondern miteinander in die gleiche Richtung zu schauen und zu gehen. –
        Es gibt diesen Begriff des Urvertrauens, das Gefühl das es o.k.. ist so wie es ist. Es gibt Kinder die sich das sehr lange erhalten können, mein Jüngster gehörte dazu. Das strahlte auf die Umgebung aus, unbeschreiblich wohltuend. Wünsche mir, dass es immer mehr gelingt dieses Urvertrauen durchs Leben hindurch zu tragen.
        Liebe Grüße
        Martina

  6. Mai 31, 2014 um 8:05 am

    Das mathematische Unendlichkeitssymbol als Fussfessel und Fallstrick? Mit dem Strick um die Beine können Pferde nur noch kleine Schritte machen, einen nach dem anderen.

    Ja, natürlich.

    Das mathematische Unendlichkeitssymbol macht aus der Zeitlosigkeit und Ewigkeit die unendliche Abfolge von Momenten: den Zeitpfeil, der von der Vergangenheit in die Zukunft weist. Es zwingt der Ewigkeit seine eigene mathematische Linearität auf.

    Die Fussfessel bei den Pferden hat ein Pendant: den Zaun.

    Am Anfang war das „Wort“, sagen die Religionen. Wörter grenzen (Wort-)Felder gegeneinander ab. Mit Wörtern bauen wir Zäune in unserem bis dahin unstrukturierten, form-und zeitlosen Bewusstsein.

    Am Anfang war die „Zahl“, sagt die Wissenschaft. Zahlen zwingen unserem unstrukturierten, form- und zeitlosen Bewusstsein Linearität und die Methode der kleinen Schritte auf. (Quanten-)Sprünge im Bewusstsein sind durch diese Art der Fesselung nicht möglich.

    Zahl und Wort, das sind unsere beiden Methoden, das Bewusstsein zu „vergewaltigen“. Zahl und Wort sind Herrschaftsinstrumente. Zaun und Fessel.

    • Mai 31, 2014 um 10:12 am

      „Zahl und Wort, das sind unsere beiden Methoden, das Bewusstsein zu “vergewaltigen”. Zahl und Wort sind Herrschaftsinstrumente. Zaun und Fessel.“

      Ich hatte mir gestern wieder mal ein Video über die alternative menschliche Geschichte angeschaut. Darin ging es auch um Atlantis, aber wesentlich hier war, dass mit dem Niedergang vor ca. 13.000 Jahren die damalige telepathische Kommunikation verloren gegangen sei. Und so ist gut vorstellbar, dass durch die Beschränktheit der Kommunikation auch unser Bewusstsein arg in Mitleidenschaft geriet …

      Noch das Video:

    • Mathias
      Juni 1, 2014 um 10:08 am

      > Die Fussfessel bei den Pferden hat ein Pendant: den Zaun. <

      Wobei das Verhalten der Pferde zeigt, dass der Zaun für sie imaginär ist. Er stört sie ja nicht im Geringsten. Sie „arrangieren“ sich mit der Freiheit, die die Fussfessel zulässt. Gut, so weit verstehe ich das. NUR, ist es ja der Mensch, der überhaupt auf die Idee kam, dem Pferd eine Fussfessel anzulegen. Also Mensch ist es, der künstlich etwas anlegt, um eine natürliche Veranlagung des Pferdes von vornherein einzuschränken. Offensichtlich ist das Künstliche ein Ausdruck von Misstrauen bzw. von Kontrolle gegenüber dem Natürlichen (in diesem Falle das Pferd).

      • Juni 1, 2014 um 11:19 am

        Die Fussfessel stört die Pferde schon. Weil sie sich mit derselben die Beine brechen, wenn sie ihrem natürlichen Instinkt folgen und flüchten, bspw. wenn sie erschreckt werden.
        Was oft genug vorkam.
        Deshalb war nachts zusätzlich auch immer noch eine Wache bei den Pferden abgestellt. Es war ja nicht so, dass die Pferde freiwillig bei den Indianern – weil die so nett sind – geblieben wären.

        Klar ist die Fussfessel ein Ausdruck von Kontrolle:
        Mit dem Zaun nimmt der Mensch das Land in Besitz, mit der (Fuss-)Fessel nimmt er das Lebewesen in Besitz.

        Durch Strukturierung durch Wort und Zahl versuchen wir analog, unser unendliches Bewusstsein „in Besitz zu nehmen“. Den meisten gelingt das ziemlich gut. Die halten das, was wir durch Wort und Zahl ausdrücken, für unser ganzes Bewusstsein bzw. Geist.

        Jeder Sklave „arrangiert“ sich mit der Freiheit, die seine Fesseln zulassen. So glauben die meisten, dass unsere Art zu denken Freiheit bedeutet. Dabei ist es eine Einschränkung.

        Genau genommen ist diese Strukturierung unseres Geistes (das Denken) etwas, das uns zustößt, wenn wir in diese Welt hineingeboren werden.
        Durch diese Art der Strukturierung unseres Geistes entsteht unser ICH. Im Alter von 3-4 Jahren hat jedes Kind so viele Begriffe gelernt, dass es sein ICH entdeckt.

        • Juni 1, 2014 um 12:11 pm

          das gefällt mir sehr gut:

          Durch Strukturierung durch Wort und Zahl versuchen wir analog, unser unendliches Bewusstsein “in Besitz zu nehmen”. Den meisten gelingt das ziemlich gut. Die halten das, was wir durch Wort und Zahl ausdrücken, für unser ganzes Bewusstsein bzw. Geist.

    • Mathias
      Juni 1, 2014 um 10:12 am

      > Zahl und Wort, das sind unsere beiden Methoden, das Bewusstsein zu “vergewaltigen”. Zahl und Wort sind Herrschaftsinstrumente. Zaun und Fessel. <

      Wirklich Herrschaftsinstrumente? Ich meine rein praktisch gesehen, wie jeder seinen Alltag bestreitet – und auch wir hier, wenn wir hier schreiben, kommen wir um diese Instrumente ja nicht herum. Und selbst im Umgang mit Tieren nutze ich meine Stimme und bediene mich Wörtern. Klar, den Tieren sind die Worte egal, aber die Stimme scheinbar nicht, denn sie lauschen ja dem Klang. Für sie ist der Klang das Wesentliche.

      In diesem Sinne kann ich Dir auch folgen, das Zahl und Wort eine gewisse Künstlichkeit repräsentieren. Aber als Herrschaftsinstrumente kann ich sie deswegen noch nicht ansehen.

      Danke Dir!

      Mathias

      • Juni 1, 2014 um 12:11 pm

        Wort und Zahl sind insofern Herrschaftsinstrumente, dass wir damit versuchen, unser unendliches Bewusstsein unter Kontrolle zu bekommen. Unser begriffliches Denken ist bloß ein Diener, führt sich aber auf wie der Herr im Haus und negiert, dass es außer ihm noch was anderes gibt.

        Diese Herrschaftsansprüche drücken sich derzeit am sichtbarsten als Wissenschaft aus. Das wissenschaftliche Denken lehnt alles ab, was nicht begrifflich erklärbar und damit reproduzierbar ist. Phänomene wie Telepathie, Präkognition, Spontanheilung sind in diesem Denken einfach nicht existent, es sei denn, man findet eine wissenschaftliche Erklärung dafür. Das ist Herrschaftsdenken.

        Wobei ich finde, man sollte diese übernatürlichen Phänomene nicht überbetonen. Wenn auf diese Weise bloß wieder der Machtbereich erweitert werden soll, wird damit der Bock zum Gärtner gemacht.

        In diesem Blog ist das Wort „Exformation“ im Gegensatz zu „Information“ gebräuchlich. Wenn ich das richtig verstanden habe, kam das von Guido, der auch als Gold-DNA auftritt.
        Das ist eine sehr gute Unterscheidung !!
        Ist es nicht so, dass so, wie sich unsere Welt entwickelt, „Exformation“ zugunsten der „Information“ ausgemerzt wird?
        Als sich die Menschen noch im Wirtshaus oder in literarischen Salons austauschten, waren die körperliche Präsenz plus Stimme plus gemeinsame Handlungen (Kartenspielen oder so was) Quellen der Exformation. Mit dem Telefon fiel die körperliche Präsenz weg, mit dem Internet auch die Stimme. Mit der Folge, dass nun „Information“ in Tausende von sich widersprechenden Meinungen zerfällt.

        Der Paradigmenwechsel sieht so aus, dass wir erkennen, dass unser begriffliches Denken eine Einschränkung bedeutet und daher nicht die Quelle der Wahrheit sein kann. Vermutlich nicht mal die Quelle korrekter Information. Sobald wir das erkennen, können wir Sprache und Mathematik anders benutzen. Als Mittel einer herrschaftsfreien Kommunikation, des spielerischen Austauschs und der Freude. Sogar als Spiel um des Spiels willen.

        Dir herzliche Grüße und einen schönen sonnigen Sonntag.

        Marian

      • federleichtes
        Juni 1, 2014 um 7:04 pm

        „In diesem Sinne kann ich Dir auch folgen, das Zahl und Wort eine gewisse Künstlichkeit repräsentieren. Aber als Herrschaftsinstrumente kann ich sie deswegen noch nicht ansehen.“

        Warum Leben in dieser Form, im Mensch-Sein. Um Feindseligkeit als TAT erkennbar und verifizierbar zu machen?
        Bedeutet das nicht, dass wir der Feindseligkeit Ausdruck verleihen – müssen?

        Kennst Du nicht verifizierbare Angst?
        Dann weißt Du um das Vorhandensein nicht verifizierbarer Feindseligkeit.
        Wie geht Mensch mit dieser Art Feindseligkeit/Angst um? Hm, versucht er ihr auf den Grund zu schauen?

        Weißt Du, lieber Mathias, was Wolfgang gegen sein nicht vorhandenes Popo-Polster getan hat – er hat sich einen sehr harten Sattel gekauft. Das Ergebnis dürfte dir klar sein – Popo wurde härter als Sattel. Ähnlich vefährt Wolfgang mit der Angst; er lernt nicht schneller laufen, sondern gründlicher aufzuklären, was da los ist, welcher Auslöser WAS berührte. Auslöser sind Worte, Situationen, Stimmlagen. Erinnerungen?

        Frage ich Dich mal:
        Wirkt Leben in seiner dynamisch-informativen Veranlagung nicht wie ein Symbol? Steht der Mensch nicht als Symbol für eine Feindseligkeit, die (unbewusst) vorhanden, aber nicht entdeckt ist? Der Schatten wirft, die Konturen annehmen, die im Lebendigsein den Geist des Ungeheuerliche formulieren helfen?

        Ich halte es für möglich bis wahrscheinlich, dass hinter den „Schatten“ des Menschseins noch andere Kräfte/Mächte wirken. Die alle gemeinsam in einer größeren Systematik eingewoben wurden. Wo die eigentliche Bedeutung waltet. Ganz gleich, wie wir diese Bedeutungs-Präsenz nennen, es wird eine symbolhafte und unvollständige Beschreibung bleiben, wenn wir sie im Sinne einer Angst denken.

        „Gott“ ist ein Symbol. Ich halte nicht viel von Symbolen, und ich benutze keine Symbole, die der generellen Dynamisierung der Feindseligkeit dienten und Angst zum Gebot erhoben. Die dieses Symbol heiligen, haben (damit) allen Grund zu beten.

        Ich bin zeitlich etwas überfordert, aber ihr beide seid ja gut beieinander.
        Danke dafür.

        Gruß
        Wolfgang

        • Mathias
          Juni 2, 2014 um 9:53 am

          > Kennst Du nicht verifizierbare Angst?
          Dann weißt Du um das Vorhandensein nicht verifizierbarer Feindseligkeit.
          Wie geht Mensch mit dieser Art Feindseligkeit/Angst um? Hm, versucht er ihr auf den Grund zu schauen? <

          Ich denke mal, er kommt da nicht drum herum, ihr auf den Grund zu schauen, weil das Traumatisch-Unbewusste sich schrittweise offenbart – von alleine geht das was sich zeigt nicht weg. Ich hatte Dir ja mal berichtet von ungerichteten Angstzuständen die mich einmal ziemlich plagten – was ich in der Entwicklung dessen erlebte, war, das meine Versuche den Angstzuständen auszuweichen, um so mehr diese Zustände verschärften. Bis … ja bis sie mich zwangen ihr auf den Grund zu gehen.

          Klar, das war mein Versuch vor der Angst wegzulaufen. Gesellschaftlich betreiben wir eine ähnliche Vermeidungsstrategie; der Fahrradhelm ist so wohl auch ein Beispiel für materialisierte, nicht verifizierbare Feindseligkeit.

          Was mich noch einigermaßen verwirrt, ist Zahl und Wort als Herrschaftsinstrumente anzusehen. Du wirst es ja nicht grundlos noch einmal zitiert haben. Wir bedienen uns dessen hier, und auch im Umgang im Alltag, und das lässt sich meiner Meinung nach nicht verhindern. Mensch ist mit Geist ausgestattet, und nutzt ihn – und er nutzt ihn auch, zum Beispiel, um Feindseligkeit verifizieren zu können.

          Herzliche Grüße an Dich, Mathias

  7. Mai 30, 2014 um 10:35 am

    „Trauma: ein Mechanismus, der erfahrenes Leid (=als nicht-informierende Informationen im Unbewusten angesammelt) langsam und schrittweise wieder konfrontieren lässt. Trauma betreibt Offenbarung von lebensfeindlichen Informationen“

    Ich habe noch eine Variante bzw. Ergänzung zur Funktionsweise dieses Mechanismus. Die Hypothese ist folgende:

    Ich unterscheide noch zwischen dem individuellen und kollektiven Bewusstsein (einer Gruppe, einer Kultur etc.). Es gibt dementsprechend die individuelle Traumatisierung, die durch die jeweiligen konkreten Lebensumstände bedingt sind, in die ein Mensch hineingeboren wird (Eltern, Geschwister, Spielkameraden, direktes Umfeld. Vielleicht der Tod eines Elternteils oder so was. Martin hat bspw. erzählt, dass in seinem Elternhaus die Kriegstraumatisierung auf ihn übertragen wurde). Die Lebensaufgabe eines Menschen besteht darin, sich mit dieser individuellen Traumatisierung auseinanderzusetzen, die Informationen zuzulassen und entsprechend zu verarbeiten.

    Ich denke nun, wenn das Individuum es nicht schafft, sein „persönliches“ Trauma komplett aufzulösen, wandert das Unaufgelöste vom individuellen ins kollektive Unterbewusstsein ab und harrt dort weiterhin der Auflösung. Das unaufgelöste Trauma verschwindet nicht mit dem Tod des Individuums, sondern wird weitergegeben, nicht nur an die direkten Nachkommen, sondern auch an den Teils des Bewusstseins, den wir mit anderen Menschen gemeinsam haben. Wie der ins Wasser geworfene Stein, der immer größere Kreise zieht, so affiziert das unaufgelöste Trauma immer größere Teile des Bewusstseins.

    Wenn wir in unserer Geschichte zurückgehen bis in die Zeit, als wir noch mit Neandertaler gemeinsam am Feuer saßen, können wir feststellen, dass sich auf diese Weise im kollektiven Bewusstsein eine Menge unaufgelöster oder halb aufgelöster Traumata angesammelt haben.
    Die Bibel ist in meinen Augen eine Erzählung, die eben diese unaufgelösten Traumata und den Umgang damit zum Gegenstand hat. Es ist eine psychologische Schrift, die uns erzählt, wie in der Vergangenheit mit dem Trauma umgegangen wurde, wie es immer größere Menschengruppen erfasst und sich dabei aber gleichzeitig abgeschwächt hat, zumindest im AT.
    (Das NT ist nochmal eine andere Geschichte).
    War die Aufgabe der Trauma-Auflösung bspw. für Kain und Abel unlösbar, so ging der Traumakomplex auf alle über, die im Geschlechtsregister von Adam bis Noah erwähnt werden.

    Aus dem kollektiven Unbewussten entstehen im Laufe der Entwicklung nun die sogenannten Superorganismen. In der Vergangenheit waren es Religionen und der damit verbundene Kult, die wiederum zu Staatsgebilden führten. Staatsgebilde gibt es auch heute noch, Religionen wurden durch Wissenschaft als geistige und Wirtschaftssystem als materielle Ausprägung abgelöst. Auch das Geld- und Zinssystem ist auf diese Weise aus dem kollektiven Unbewussten hervorgegangen. Alle diese Superorganismen erscheinen feindselig, weil sie die Folge unaufgelöster Traumata sind. Die Diener dieser Superorganismen (Politiker, Bankmanager etc.) sind nun diejenigen, die sich mit ihren Traumata am wenigsten auseinandersetzen. Neulich habe ich in der ZEIT einen Artikel gelesen, dass viele Big-Bosse Psychopathen sind. Das nehme ich als Bestätigung für meine Hypothese.

    Diese Superorganismen sind auf kollektiver Ebene ebenfalls die Offenbarung von lebensfeindlichen Informationen. Sie zeigen uns (der Gruppe, Staatsbürgern etc.), welchen Müll wir im Unbewussten permanent weitertransportieren. Die Superorganismen sind ein Spiegelbild von dem, was uns im Unbewussten als spezifische Gruppe verbindet.

    Wir hinterlassen unseren Nachkommen also auf geistiger Ebene unaufgelöste Traumata, die auf materieller Ebene als Umweltzerstörung, Überwachungsstaat etc. in sichtbarer Form präsentiert werden. Es sind zwei Seiten derselben Medaille. Manchmal überlege ich mir, ob das vielleicht mit „Karma“ gemeint ist?

    • Mathias
      Mai 30, 2014 um 5:37 pm

      Deinen Schilderungen kann ich gut folgen.

      Was das individuelle Trauma anbetrifft, so scheint mir, das wenn ein Individuum sich diesem widmet (erachte ich als zwangsläufig, im Laufe der Zeit jedenfalls unvermeidbar) und mit der Enttraumatisierung voran kommt, es dann überhaupt erkennen kann, was es mit dem kollektiven Trauma der Menschheit auf sich hat. Vom Prinzip her vielleicht wie ein Schlüssel, der überhaupt Zutritt zu einer Sichtweise verschafft, die ermöglicht den „Dampfer des kollektiven Traumas“ erblicken zu können. Jedenfalls sehe ich dort eine logische Wechselwirkung. Fast würde ich sagen individuelles Trauma verstellt den Blick und versperrt gewisse Sichtweisen und lässt den Einzelnen eine Rolle mitspielen … so in etwa. Wie auch immer, das Leben selbst gestaltet wohl diesen Prozess und die Einzelverkörperung fährt in diesem Prozess mit.

      Gruß,
      Mathias

      • Mai 31, 2014 um 8:19 am

        Ja, so sehe ich das auch. Möglicherweise verhindert der „Dampfer“ auch, dass der einzelne Mensch sich mit seinem individuellen Trauma auseinandersetzt. weil er die ganze Schwere spürt, die dahintersteckt.

        Könnten wir nach Auflösung des kollektiven Traumas nicht eine „glückliche“ Gesellschaft sein? Ich frage mich schon, ob wir die Welt dann nicht als Wunderbar Krabbelndes, Kooperativ Wuselndes erleben würden?

        Ob das Trauma nur unser menschliches Bewusstsein verunstaltet, oder Kern des Lebens ist, können wir doch gar nicht entscheiden, weil wir aus unserem menschlichen Bewusstsein doch gar nicht herauskommen.

        Das Trauma als Ursache des Lebens zu identifizieren, geht mir
        indessen zu weit. Das ist nicht überprüfbar, und es gibt Erfahrungen, die dagegen sprechen, wie es auch Erfahrungen gibt, die dafür sprechen.

        Mit der Resonanz und der Stimmgabel operieren Federleichtes und Du mit Bildern – Bilder sind Analogien, die einem helfen können, etwas zu verstehen, aber sie sind nicht die Wirklichkeit, das sollte man nicht vergessen.

  8. Mathias
    Mai 29, 2014 um 6:50 pm

    Sind Religionen wirklich Angst-Erzeuger, oder re-stimulieren sie nicht lediglich eine Angst die auf einer tieferen Ebene im Menschen vorher schon (oder auch noch) verborgen liegt?

    Welche Vorraussetzungen müssen eigentlich erfüllt sein, warum es den Religionen gelingt „Angst zu erzeugen“? Wie gelingt es überhaupt, das so durchzuziehen?

    Wie gelang es einst meinen Eltern mir den Weihnachtsmann als wahr zu verkaufen, so dass ich Angst vor ihm hatte? War wirklich der Weihnachtsmann der Angst-Erzeuger?

    Nee, es waren wohl eher die falschen Informationen meiner Eltern, die die Erscheinung des Weihnachtsmannes nutzten, ein Kind mit eingeschränktem Bewusstsein in ihrem Sinne zu manipulieren. Kein Vorwurf, war ja im Grunde wirklich ganz nett 😉

    Ich will damit sagen, die falschen Informationen waren nur erfolgreich, weil ein eingeschränktes Bewusstsein sie für wahr halten musste. Eltern nutzen falsche Informationen um die Verkörperung mit eingeschränktem Bewusstsein manipulieren zu können. Nichts anderes machen die Religionen. Sie bedienen ein traumatisiertes Ego-Ich.

    Ohne Traumatisierung, wäre Angst-Erzeugung hier im Leben niemals möglich. Und so sind alle vermeintlichen „Angst-Erzeugungen“ nur wie das Anschlagen einer Stimmgabel, die vorher schon eingestimmt wurde.

    Liebe Grüße,
    Mathias

    • federleichtes
      Mai 29, 2014 um 7:18 pm

      „Ohne Traumatisierung, wäre Angst-Erzeugung hier im Leben niemals möglich. Und so sind alle vermeintlichen „Angst-Erzeugungen“ nur wie das Anschlagen einer Stimmgabel, die vorher schon eingestimmt wurde.“

      Ich habe mir erlaubt, das Wörtchen „Vorher“ in etwas eindrücklicherer Ausführung zu präsentieren, in der Hoffnung, es eindringlicher zu machen.

      DEINE Stimmgabel – ein typischer Mathias!

      Der Körper, ein Resonanz-Körper für die Ur-Angst?
      Die Geburt, die diese „Stimmgabel“ ins (heftige) Schwingen bringt?
      Eine Anfangs-Trauma, das das Kind vor dieser Gewalt schützen muss?
      Und dann klingt diese Erregung ab und wird mittels der weiteren Entwicklung in einer feindseligen Gesellschaft auf einem erträglichen, existenzfähigen Level gehalten?

      Würde einiges erklären und wirft neue Fragen auf.

      Du segelst ja mal wieder hoch am Wind – herzlichen Glückwunsch!

      Dein
      Wolfgang

      • Mathias
        Mai 30, 2014 um 4:25 pm

        Lieber Wolfgang,

        > Der Körper, ein Resonanz-Körper für die Ur-Angst?
        Die Geburt, die diese “Stimmgabel” ins (heftige) Schwingen bringt?
        Ein Anfangs-Trauma, das das Kind vor dieser Gewalt schützen muss? <

        … die Geburt, die die Stimmgabel (den Körper) in ganz HEFTIGE Schwingungen bringt. Würde ich auch so voll unterschreiben. Und das erste was mir einfiel, war die Doku über Grof und Holotropes Atmen auf youtube. Wer ein Gefühl dafür entwickeln will, welch HEFTIGE Schwingungen (Angst, Enge, etc.) dort zu vermuten sind, sieht in der Doku eigentlich, was da alles im Körper gespeichert ist – oder muss sich zumindest fragen, woher dieses Winden und die quälenden Körperausdrücke eigentlich herkommen. Wenn da in einer Art Trance ein Zugang zum Unbewussten hergestellt wird, wird das Unbewusste in den dann sich zeigenden körperlichen Reaktionen, nämlich Erfahrungen(!) widerspiegeln.

        Wenn wir ein Baby als ein Wesen betrachten das nur die Liebe ausstrahlt und verkörpert, übersehen wir meiner Meinung nach, das es parallel dazu sehr genau, körperlich und im Unbewussten, aufzeichnet was ihm an Feindseligkeit begegnet. Und, es ist im Grunde unvermeidbar, das es der Feindseligkeit begegnet – da es ja in eine mit Feindseligkeit durchsetzte Welt hineingeboren wird.

        Guido schrieb hier mal an einer Stelle, dass in indigenen Kulturen Mütter ihr Baby nicht umsonst am Herzen tragen. Dieser Umstand ist eben nicht nur symbolischer Natur, sondern ist Ausdruck einer Natürlichkeit. Und in unserer westlichen Kultur tun wir so, als ginge es vorrangig um das Füttern, begleitet von zahlreichen Arztbesuchen um Pulsschlag und Blutwerte zu checken und dem Baby die ersten Impfungen zu verpassen.

        Liebe Grüße, Mathias

        PS: Mr. Chattisons „Pferdegeschichte“ fand ich sehr spannend (Danke an dieser Stelle!), aber die Überraschung entzieht sich mir noch. Na gut.

        Tolles Thema! Vor lauter zahlreichen Ansätzen komme ich kaum hinterher.

    • Mai 29, 2014 um 7:52 pm

      Worin bestand die falsche Information, die Deine Eltern Dir in Sachen Weihnachtsmann gegeben haben? Ich würde sagen, in einer Überhöhung des Weihnachtsmannes. Der Weihnachtsmann war kein Wesen wie Du, sondern wohnte vermutlich am Nordpol, von wo aus er alle Kinder sehen (überwachen?) konnte, wusste, was sie sich wünschten und überdies über Rentiere verfügte, Rudi mit der roten Nase zum Beispiel.

      Die Überhöhung des Weihnachtsmannes hat zur Folge, dass Nicht-Weihnachtsmänner kleiner erscheinen, als sie sind. Der Weihnachtsmann dient dazu, andere klein zu machen und klein zu halten. Ist es nicht das, was Dir Angst gemacht hat? Dass Du es mit einem großmächtigen Wesen zu tun hattest?

      Das ist auch die Funktion von einem personalisierten Gott wie dem in der Bibel.
      Ein personalisiertes Gottesbild ist die Projektion eines Ichs, das sich bis ins Maßlose übersteigert, sich absolut setzt. Diese Projektion ist nicht die Folge einer Traumatisierung, es ist die Traumatisierung.

      Diese Übersteigerung ist der Angst-Erzeuger. Ein Ich, das sich bis ins Absolute übersteigert, zittert bis ins Mark. Größenwahn auf der einen Seite hat auf der Schattenseite einen ebenso großen Minderwertigkeitskomplex. So hat jeder, der sich hinter einem Gott verstecken muss, um seine Ansichten oder Machtgelüste durchzusetzen, auf der Vorderseite einen Größenwahn (bspw. der Glaube, berufen zu sein) und auf der Schattenseite einen Minderwertigkeitskomplex (er traut sich nicht, einem Menschen als Gleichberechtigter gegenüberzutreten und seine Interessen auf Augenhöhe zu formulieren).

      Bei denjenigen, die auf solche Machenschaften hereinfallen, ist es gerade umgekehrt. Diese Menschen sind sich ihrer Minderwertigkeit bewusst und sich meistens nicht klar darüber, dass sie im Gepäck einen geheimen Größenwahn mit sich rumschleppen.

      Diese Verquickung von Minderwertigkeit und Größenwahn ist das Traumatische. Nur durch dieses Wechselspiel von Überhöhung und Erniedrigung funktioniert der Macht-Komplex.

      Körperkraft und Kalaschnikows sind auch Überhöhungen, brachiale. Religionen arbeiten mit subtileren Mitteln. Wahrscheinlich wurden sie von körperlich Unterlegenen erfunden.

      • federleichtes
        Mai 29, 2014 um 9:16 pm

        Ja, PROGRAMMIERTE Unterwerfung.
        Ich meine, es wäre zu einfach, diesen Komplex nur an einem Gott-Geist festzumachen. Herrschaft erscheint ja auch in anderen Gesichtern.

        „Nur durch dieses Wechselspiel von Überhöhung und Erniedrigung funktioniert der Macht-Komplex.“

        Ich hatte das hier mal „Faschistoiden Geist“ genannt.

        Was bedeutet Herrschaft?
        Zu Lasten Anderer existieren. Wodurch auf der einen Seite (bei den Anderen) Überfluss und auf der anderen Seite (bei den Einen) Mangel entsteht. Macht bringt nur das Prinzip ins Wirken.

        Psychologisch funktioniert das Prinzip relativ einfach. Wer Macht (Überfluss) haben will, bedient sich seiner Feindseligkeit. Betrugs- und Beraubungsmuster sind Menschen ja nicht fremd – ihre Ahnenreihe ist lang und mustergültige Verbrecher, von denen man Entsprechendes lernen kann, regieren, pardon, residieren hinter jeder noblen Ecke. Damit hat man zumindest eine Antwort auf die Beseitigung seines Mangels gefunden
        (Ob der Angst machende Terror von offiziellen Herrschern oder von der Mafia oder relgiösen Fanatikern ausgeht, egal – eine Liga, die des feindseligen Geistes.)

        Aber nicht alle Menschen spielen in dieser Liga. Für mich gibt es auch eine Liga, in der Emotionen die Hauptrolle spielen;
        eine, in der das Abgestumpfte, das Roh-Brachiale.Körperliche dominiert;
        und im hintersten Winkel vegetieren (aus Sicht des Mainstreams) die Feinsinnigen, die sich schwerlich in die Welt der Herrschaft und die des Gewalttätigen locken lassen. Warum auch.

        Philosophie und Psychologie – zusammen mit theologischen Aspekten eine ganz interessante Mischung, was die analytischen Ergebnisse betrifft.
        Was mir auffällt ist Deine Spontanität und die darin waltende Dynamik; mich erfrischt sie.

        Danke Dir und Allen einen guten Abend.

        Wolfgang

      • Mathias
        Mai 29, 2014 um 11:08 pm

        Sehr interessante und bereichernde Sichtweise. Ich fühlte wieder mal einen ganz frischen Wind, und sage herzlichen Dank!

        Minderwertigkeit und Größenwahn sind das Trauma sagst Du. Stimmt. Trauma wäre mir aber auch noch etwas mehr; ein Mechanismus der erfahrenes Leid, das als nicht-informierende Informationen im Unbewussten angesammelt – langsam und schrittweise wieder konfrontieren lässt. Sprich, Trauma bedeutet Bestimmung und betreibt Offenbarung von lebensfeindlichen Informationen.

        Gruß,
        Mathias

        • federleichtes
          Mai 29, 2014 um 11:35 pm

          Perfekte Kommunikation – wie wir sie lieben. Und wie sie auch notwendig ist, um das MÖGLICHE, das Verstehen des Trauma-KOMPLEXES zu befördern.

          Was mich immer wieder begeistert, wie klar systemisch Du denken kannst, lieber Mathias.

          Das Leben ist (also) bestimmt, immanent, was die Entwicklung durch die Zeitalter steuerte, was (also) die Präsenz eines „überhöhten“ Wesens entbehrlich macht. Na ja, dafür gab’s eben den Glauben in Konkurrenz mit dem Aberglauben.
          Das Leben also willentlich entstanden und mit der Absicht, die den Willen entstehen ließ, ausgestattet: DAS Problem aus der Dunkelheit des Unbekannten hervor zu bringen UND es zu lösen. Bravo, ein Dreifach Hoch auf die Liebe. Oder wie oder was?

          Wer dachte, hier wurde eine Welt geschaffen und allerlei Wunderbares in krabbelnder, wachsender, sich kooperativ-planvoll vermehrender, verhaltender Form und Weise unter dem Zeichen des Zufalls und der Beliebigkeit geschaffen, darf sich gerne fragen, was das in ihm gedacht hat. Vielleicht ein Muster? Jedenfalls kein auf Bewusstsein fussender Freier Wille. Fällt mi r gerade ein, dass Menschen immer noch glauben, die Natur sei zerstörbar.

          Aus inhaltlichen Gründen konnte ich mich nicht konkret mit den Kommentaren von Mr. Chattison beschäftigen. Gefühlt steckt In seiner „Pferdegeschichte“ eine Überraschung.
          Hast Du Lust, da mal dran zu gehen?

          Dir einen guten Abendausklang.

          Wolfgang

  9. Gerd Zimmermann
    Mai 29, 2014 um 4:29 pm

    @denn ausnahmslos jeder Mensch ist getrennt….

    Wenn das nicht mal ein ganz grosser Denkfehler ist.

    Es gibt nichts getrenntes.

    Nichts ist so wie ES scheint, die Realitaet ist ein Abbild. QUELLE GOLD DNA
    Wenn Bewusstsein energetische Ablaeufe in Bildhafter Form interpretiert,
    erscheint das verkoerperte Bewusstsein Mensch in einem anderen Licht.

  10. Mai 29, 2014 um 11:30 am

    „Ist Angst also eine künstliche Energie, die des Lebens energetischer Aspekt ist?
    Quasi der Ur-Antrieb für eine Offenbarungs-Dynamik?“

    Angst erzeugt keine Energie, Angst bindet und verbraucht Energie.

    Offenbarungs-Dynamik:
    Wieviel Kraft und Angst braucht man, um seine Augen zu öffnen?

    Ist es nicht vielmehr so, dass Angst dazu führt, dass man die Augen verschließt?

  11. Mai 29, 2014 um 11:26 am

    „Ist Mut eine Sekundär-Funktion, die Angst nur zu reduzieren vermag; die spezielle Ängste, aber nicht DIE Angst auflösen kann?“

    Es gehört sicherlich Mut dazu, sich eigenen Ängsten zu stellen, sie wahrzunehmen, anzunehmen und mit ihnen insoweit zu „versöhnen“, dass konstruktiv mit diesen umgegangen werden kann.
    Mut selbst ist aber natürlich niemals eine Antwort oder gar Lösung.

    Angst kommt von Enge und die Enge von Bindungen, Fesselungen, Eingeschnürtsein.
    Wie man damit umgehen kann, kann man, unter anderem natürlich, von den Pferden, die „gehobbelt“ sind, lernen:

    Gehobbelt nennt man eine Fesselungsform bei Pferden, die dort angewendet wird, wo es keine Zäune, Stallungen u.ä. gibt, also in der Weite des Landes.
    Man legt dazu eine 8-förmiige Schlinge so um die „Fesseln“ des Pferdes, dass dieses sich frei bewegen und grasen kann, aber eben nicht beliebig weit fortrennen kann.
    Wenn man also morgens aufwcht und das Pferd inn der Nacht sich grasend oder warum auch immer entfernt haben sollte, befindet es sich selbst bei andauernder Fortbewegung in auskömmlicher Reichweite, um es relativ unaufwendig einzuholen.

    Der Witz an der Sache ist, dass die Lemniskate, das mathematische Zeichen für „Unendlich/keit“, im Altgriechischen bereits als „Hippopede“ bezeichnet wurde, eben als „Pferdefessel“ der beschriebenen Form!

    Was kann einem das sagen?

    In aler Beschränkung (auch durch Angst), liegt immer die Bewegungsfreiheit der „kleinen Schritte“, um an seinem Fortkommen dran zu bleiben.
    Es reicht nur nicht für die „großen Sprünge“, die aber leider immer wieder von uns gefordert werden, weswegen ein Pferd, das gehobbelt dazu aufgefordert würde, sich schlicht weigern würde, bis hin zum Bocken – völlig zu Recht, natürlich^^

    Nur der Mensch versucht trotzdem einen künstlichen Hindernisparcours zu springen, weil ihm ein Elternteil, ein Lehrer oder Arbeitgeber etc. die Leistungspeitsche aufs Hinterteil sausen lässt, um…äh..ja, die Antwort bleiben die auch schuldig, wie die Springreiter selbst, da es offenkundig nur um höchst überflüssige Hopser geht zur Belustigung und zum Zeitvertreib derer und des weiteren keinerlei sinnstiftendes Ergebnis zu erkennen ist.

    Die ANGST wäre demnach eher als Leistungsangst zu verstehen, als Gefühl des Überfordertseins angesichts einer noch dazu völlig sinnfreien Leistungsforderung.
    Lebensangst hätte demmnach möglicherweise eine vergleichbare Angstmechanik aufzuweisen – künstliche Lebensumstände, die einem angesichts eigener und fremder „Hobbelungen“ den Schweiß auf die Stirn treiben, während man von fremden Sporen in den einem ebenso fremden Leistungsparcours getrieben wird.

    my2cts.

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