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Ist der Urgrund das, was auch als “Leere” bezeichnet wird?

Ich lese hier stillvergnügt mit, und komme an ein paar Bemerkungen nicht vorbei:

Ist der Urgrund das, was auch als “Leere” bezeichnet wird?

Für mich: ja, ohne Frage. Woanders hatte ich es als “Formlosigkeit” bezeichnet:

“… Der Kern, diese individuelle Formlosigkeit ist gleichzeitig der gemeinsame Boden, in welchem ALLES wurzelt und von dort her genährt wird, sowohl alle Lebewesen wie auch alles, was man so gerne als nicht lebendig ansieht … JEDE für uns wahrnehmbare Form. Hier ist alles mit allem verbunden. Aus dieser Quelle wird “Kohärenz” gespeist, nach meiner Ansicht. Und: dem Denken an sich ist Formlosigkeit grundsätzlich unzugänglich, da Denken immer in GedankenFORMen besteht.

Nebengedanke: Authentische “Kunst” aller Art beschreibe ich für mich als Brücke zwischen Form und Formlosigkeit.

Und alles, was aus der Stille entsteht und wieder in sie geht, ist am ehesten mit dem Ganzen verbunden.”

 

Manche Mystiker verwenden das Wort “Leere”.

Nicht nur manche – das ist fest in den mystischen Traditionen verankert, in Sanskrit etwa als “shunya” bezeichnet (soweit ich mich erinnere). Gleichzeitig “Nichts” und “Alles” – mit Worten kann man da nur noch andeuten, z.B.:

“The void is that which stands right in the middle of “this” and “that”. The void is all-inclusive, having no opposite – there is nothing which it excludes or opposes. It is a living void, because all forms come out of it, and whoever realizes the void is filled with life and power and the love of all things.”
(Bruce Lee, The Tao of Jeet Kune Do)

… übersetzt etwa:

“Die Leere steht genau in der Mitte zwischen “dies” und “das”. Die Leere umfasst alles, sie hat kein Gegenteil – nichts wird ausgeschlossen, nichts steht ihr entgegen. Es ist eine lebendige Leere, da alle Formen daraus hervorgehen, und wer immer die Leere realisiert, ist erfüllt von Leben und Kraft und der Liebe zu allen Dingen.”

Gewiss, jegliche Sensorik, die als Hardwarestruktur im Körper realisiert ist, ist für ihr Funktionieren auf relative Unterschiede des jeweiligen sensorischen Inputs angewiesen – diese Leere kann daher in diesem Sinn nicht “wahrgenommen” werden, aber sie kann realisiert und als Ganzes gefühlt werden … und dies ist derart kraftvoll, dass man nicht daran vorbeikommt, es “als wahr anzunehmen”. Diese Leere ist Bewusstsein ohne Form, d.h. grenzenloser “Raum” ohne BewusstseinsINHALTE, ohne Denken, aber voll Wissen. Ich vermute, es ist nicht ganz verkehrt, zu sagen: Es ist ein “ozeanisches Fühlen realisierter Kohärenz”. Klar, auch das ist nur eine letztlich ziemlich hilflose Andeutung.

Daher kann man über das Ununterscheidbare nichts aussagen, weil es VOR oder JENSEITS jeder Wahrnehmung liegt.

Ja. Altbekannt: “Das Tao, welches sich sagen lässt, ist nicht das Tao” (Lao Tse) …

Mir selber sagt das nicht so viel.

Ohne es selbst erlebt zu haben, ist das wohl auch so … vor etwa 50 Jahren bin ich zum ersten Mal in eine solche Leere hineingeraten. Andere haben mir ihr Erleben einer solchen Situation als schockartig beschrieben, bei mir war es eher ein sanftes Hineingleiten: Ich war gerade mit dem Fahrrad auf einem schmalen Pfad in einem weiträumigen Schneefeld unterwegs, spätnachmittags in Dämmerung und auch Nebel – alle sichtbaren Konturen verschwammen in der Ferne im Unbestimmten, alle Geräusche waren schneegedämpft (am lautesten war mein Atmen). Das war möglicherweise auch ein Auslöser, was weiss ich.

Jeder Begriff, jeglicher Denkinhalt, der (anfangs, als es begann) vor meinem inneren Spiegel erschien, wurde irgendwie durchscheinend, löste sich einfach auf … und war dann schlicht nicht mehr existent. In meinem Empfinden ging das sehr schnell, aber langsam genug, um es als Prozess zumindest teilweise beobachten zu können. Ich schaute z.B. auf den Lenker meines Fahrrads, dachte kurz “Lenker” … und dieser Begriff zerfranste, wurde durchscheinend, inhaltslos, völlig sinnlos, und verschwand einfach. Ich dachte auch kurz: “Werd’ ich jetzt verrückt?” … und schon löste sich diese Begrifflichkeit samt zugehöriger Bedeutung und Wertigkeit auf und verlöschte in Nichts. Keine Zeit, Angst zu bekommen 😉

Keine Ahnung, wie lange das chronologisch dauerte, Zeit war ebenfalls nicht existent. Irgendwann fand ich mich wieder, etwas benommen im Schnee sitzend, das Fahrrad ein paar Meter entfernt. Ich konnte mich nicht erinnern, wie das im Einzelnen geschehen war, aber ich war völlig unverletzt und fuhr (reichlich nachdenklich) nach Hause.

Durch solche Erfahrungen mystischer Einheitserlebnisse (in der Zen-Tradition als “Satori” bezeichnet) wird natürlich auch der eigene innere Bezugspunkt verschoben – der Ego-Bezugspunkt wird zur Randerscheinung, die Identifikation des eigenen Seins mit dem Ego verblasst, bzw. verschwindet sogar.

Vor einiger Zeit habe ich Umfragen gelesen, mit dem Ergebnis, dass ein überraschend hoher Anteil der Befragten (etwa 40 %, wenn ich mich richtig erinnere) mindestens ein solches Erlebnis in ihrem Leben hatten, allerdings verblasst dies bei vielen im Laufe der Zeit zu einer allenfalls fernen Erinnerung bzw. wird sogar wieder verschüttet, bzw. aufgesogen von Routine- und Trägheitsmechanismen durch die verinnerlichten Anforderungen des Alltags, unterstützt durch eine starke Tendenz, in einer selbstgebastelten vermeintlichen Komfortzone zu verharren. Dennoch lässt dies hoffen 😉

Kurz zu “ver-rückt” – das ist für mich die Beschreibung einer Standortverschiebung des inneren Bezugspunktes, und zwar zunächst neutral: Ein Mensch kann unter sich hinunterfallen (d.h. unter sein bereits realisiertes Potential), oder über sich hinauswachsen (d.h. sein Potential ein Stückchen mehr realisieren).

Ich unterscheide ganz grob drei “Phasenzustände” der “Moleküle des virtuellen Geiststoffs” (ich weiß, das ist eine reichlich schräge Formulierung): schlafend, erwacht, erleuchtet (so etwa, wie Wassermoleküle als Kollektiv unterschiedliche Erscheinungsformen haben können, nämlich fest, flüssig, gasförmig) … wobei ich in etwa mit den hier genannten Definitionen/Beschreibungen übereinstimme.

Phasenübergänge sind immer auch (zunächst zunehmend) chaotisch, da hierbei eine bisherige Struktur aufgelöst und umgekrempelt wird … stirb und werde. Was derzeit auch zur Folge hat, dass so manche eigentlich sehr positive “spirituelle Krise” eines Menschen fälschlicherweise als psychotischer Schub interpretiert wird, in der Psychiatrie landet und dann gerne auch mit Pillen niedergebombt wird 😦 . Natürlich kann man da auch Glück haben.

Als natürliche Ergänzung zu Kant sehe ich die “Evolutionäre Erkenntnistheorie”, also etwa die Arbeiten von Konrad Lorenz, Rupert Riedl et al. (wobei ich für mich den dort als treibende Kraft angenommenen Zufallsmechanismus nicht besonders ernst nehme, bzw. durch anderes ersetze) – die menschlichen “a priori” gegebenen Voraussetzungen für Wahrnehmen und Erkennen fallen eben NICHT vom Himmel, nicht weiter hinterfragbar, sondern sind Ergebnis eines evolutionären Prozesses von Beginn an, Schicht um Schicht aufeinander aufbauend, wobei die ziemlich einfachen und immer gleichen Lernalgorithmen erkennbar durch alle Schichten hindurchgereicht werden, wodurch schließlich ein “ratiomorpher Apparat” als “Rückseite des Spiegels” des menschlichen selbstreflexiven Bewusstseins geformt wurde (was ich in anderer Form ja bereits in meiner “Tantrischen Genesis” zu beschreiben versuchte).

“Leben ist ein erkenntnisgewinnender Prozess.” (Konrad Lorenz, glaube ich)
“Leben ist Fressen von Ordnung.” (etwas schnodderige Variante von Schrödinger)
“Wahr ist, was sich bewährt.” (keine Ahnung, von wem)

Das Leben ist (in biophysikalischer Sicht) in allen Schichten/Lebensplattformen gut beschreibbar als “hypothetischer Realist” … auch wenn das Sein, die “Realität” grundsätzlich nie direkt, sondern immer nur als Reflektion mittels irgendeiner Sensorik in ihren relativen Wirkungen (“Wirklichkeit”) erkannt und auf der Grundlage von zunächst Hypothesen realisiert werden kann, muss am Ende einer Entwicklung einer Lebensplattform dennoch eine fundamentale und ausreichende wechselseitige “kohärente” Resonanz der Ordnungsstrukturen da sein, bzw. sich entwickeln, sonst wäre die jeweilige Lebensplattform auf Dauer nicht hinreichend stabil (= überlebensfähig) innerhalb der aktuellen Gesamtordnung (die sich ja ebenfalls im Laufe der Zeit verändert, aber dennoch “relativ konstant” bleibt).

Solange aber nicht rückkoppelnd ein Korrekturmechanismus wirklich wirksam einsetzt, können im menschlichen Bereich des Denkens beliebige Hypothesen/Glaubenssätze als Handlungsgrundlage herhalten … bis hin zu beliebigem Wahn, natürlich. Früher oder später (in kosmischer Zeitskala) korrigiert sich das, wobei auch der Untergang der menschlichen Spezies in der Entwicklungskiste drin ist, sofern Mensch nicht grundsätzlich weiterlernt … und zwar das, was auch immer nötig ist, um individuell seine Stimme harmonisch ins Gesamtkonzert der Existenz bereichernd einzufügen.

“Den reinen Unsinn zu glauben ist ein Privileg des Menschen.” (Konrad Lorenz, glaube ich)

(In diesem Zusammenhang ein Buch, welches ich liebe, sowohl inhaltlich als auch wegen seines für manche sicher gewöhnungsbedürftigen “altprofessoralen Vorlesungsstils”: Rupert Riedl “Biologie der Erkenntnis”, bei Amazon z.Zt. gebraucht erhältlich für EUR 0,45 😉 )

Ich meine, es gibt eine ganz grundsätzliche Urkraft jedes lebendigen Organismus (Pflanzen und Tiere inbegriffen), wirksam in jeder einzelnen Schicht/Lebensplattform auch innerhalb jedes Organismus (ein fraktaler Aufbau), eben zu leben, spielend zu lernen und zu wachsen, das mitgegebene jeweilige Potential innerhalb des jeweiligen übergeordneten Kontextes zu entfalten, und dabei eine dynamisch-stabile Balance zu halten … ob das jetzt Überlebenstrieb, Selbstheilungskraft, Yin-Yang-Prinzip oder auch ozeanisches Gleichgewichtsbestreben der Quantenwellenfelder heisst – das sind für mich verschiedenfarbige Finger, die in dieselbe Richtung deuten. Das Ergebnis? Mehr Vielfalt in der Einheit, immer wieder neu und nie zuende, was auch immer das genau heißt.

“Unsere große Mutter zieht keine Seite vor, sie sorgt lediglich dafür, dass das Leben im Gleichgewicht ist …”

(aus dem Film “Avatar”: Neytiri zu Jake Sully nach seinem Gebet am Baum der Seelen)

ach, jetzt hör ich erstmal auf zu plappern 😉

Life is not a problem to be solved,
life is a mystery to be lived …
(Osho)

übersetzt etwa:

Das Leben ist nicht ein Problem, das gelöst werden muss,
das Leben ist ein Mysterium, das gelebt werden will …

Nun ja … Faszination Mensch. Wahn inbegriffen.

Gruß in die Runde !

Manfred

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  1. Mathias
    Mai 24, 2014 um 1:55 pm

    @ Fingerphilosoph

    Das kollektive Trauma ist wie ein schwergewichtiger Dampfer, dessen Steuer man nicht so leicht herumreißen kann, weil der Dampfer eben so seinen eigenen, in Jahrhunderten, wenn nicht -tausenden aufgebauten Schwung hat.

    Das sehe ich auch so. Ich vermute mal, dass der schwergewichtige Dampfer, aus einem Bauplan hervorgeht. Einst als kleine schwimmende Nussschale, mit einer ihr innewohnenden Absicht, und mit Absicht, in den Fluss des Lebens geworfen, enthielt die Nussschale schon die Vorherbestimmung eines später einmal schwergewichtigen Dampfers, weil der Bauplan das so vorsah. Der Dampfer ist meiner Ansicht nach nicht steuerbar, und das auch noch nie gewesen (weil er sich selber steuert = das Traumatisch-Unbewusste), und demzufolge kann man nur, durch Enttraumatisierung, aus ihm aussteigen.

    Deswegen ist meine Vermutung, dass Mensch in dieser Welt jedenfalls, durchaus eine Sonderrolle einnimmt: Das wäre die Bestimmung die sich aus dem Traumatisch-Unbewussten ergibt, dessen Träger NUR er ist. Wenn wir das so betrachten, dann gibt es natürlich überhaupt keinen Grund, sich auf diese Rolle etwas einbilden zu wollen. Andererseits erklärt sich für das unaufgelöste Traumatisch-Unbewusste, warum es der Einbildung einer übergeordneten Rolle bedarf, denn sonst ließe sich die Entfremdung des Menschen und der damit verbundene technologischer Fortschritt ja gar nicht manifestieren lassen.

    Liebe Grüße,
    Mathias

    • federleichtes
      Mai 24, 2014 um 3:26 pm

      Deine „Logik“ enthielt immer den Hauch des Umwerfenden!

      Von der Maus zum Falken, vom Falken zum Drachen – herzlich willkommen im Kali Yuga. Und was nun, wenn Leben dem Urgrund im Angesicht des „Drachen“ entsprang? Urgrund als Stille und Leere vermögen das tobende Ungeheuer so wenig zu erklären, wie ein Lieber Gott des Teufels Macht.

      Ich danke Dir.

      Liebe Grüße auch für Dich.

      Wolfgang

  2. Mai 24, 2014 um 8:28 am

    Lieber Wolfgang,

    gut gebrüllt, federleichter Löwe ! Ich sehe mich des Widerspruchs überführt und gebe die Aussage, dass Du der Weise bist, zurück in den Bereich des Nichts-Wissens. Magst Du weise oder nicht-weise sein, lassen wir es ununterschieden oder ununterscheidbar sein :-).

    Dass die Unterscheidung, ob einer schlafend, erwacht oder erleuchtet ist, einem feindseligen Geist dient, scheint mir indessen eine treffende Beobachtung. Denn diese Unterscheidung kategorisiert die Menschen wiederum in einer Weise, die zumindest den Raum dafür schafft, dass sich einer über den anderen erheben kann. Irgendwo schwingt bei dieser Unterscheidung ja schon mit, dass der Erleuchtete gegenüber dem Schlafenden der „bessere“ oder „weiter entwickeltere“ Mensch ist – die Kategorisierung beinhaltet eine Wertung, und Wertungen dieser Art sind irgendwo schon feindselig, das stimmt.
    Könnten wir solche Wertungen weglassen, wären wir schon ein bisschen weniger feindselig.

    Das, was ich Einheitserfahrung nenne, fühlt sich wie Liebe an, aber wie eine Liebe, die auch ohne ein konkretes Gegenüber einfach so da ist. Diese Liebe ist präsent, allgegenwärtig, und sie erschafft sich Bernd und Annelie, um sich selber eine Form, einen Ausdruck zu geben. Und wenn Bernd und Annelie nicht mehr sind, bringt sie anderes hervor, den Grünrüssler bspw.
    So wie die Gravitation vor den Planeten da war und im Wechselspiel mit der Ausdehnung die Planeten und Galaxien erst hervorbringt.

    Ob zwei Regentropfen zu einem größeren verschmelzen, ist sichtbarer Ausdruck dieser Liebe. Ob zwei Regentropfen einzeln bleiben und miteinander schwingen, ist sichtbarer Ausdruck dieser Liebe. Und wenn zwei Regentropfen sich annähern und wieder auseinanderdriften, ist es auch sichtbarer Ausdruck dieser Liebe. Und keiner von all diesen Regentropfen macht es besser oder schlechter.

    Diese Liebe zu sehen, zu erfahren, zu leben, soweit möglich, ist auch eine Art von Intelligenz.

    Was jedoch normalerweise als Intelligenz betrachtet wird, hat seinen Antrieb in der Angst. Intelligente Menschen sind ängstlich. Sie müssen sich schützen. Deshalb ist die Intelligenz, auf die der Mensch so stolz ist und Nobelpreise dafür vergibt, auch eng mit der Erfindung von Waffen gekoppelt. Diese Art von Intelligenz ist die Folge des Traumas, und das gibt es sowohl in individueller wie in kollektiver Form. In das kollektive Trauma sind auch die Menschen eingebunden, die kein individuelles Trauma haben oder ihr individuelles Trauma überwunden haben. Das kollektive Trauma ist wie ein schwergewichtiger Dampfer, dessen Steuer man nicht so leicht herumreißen kann, weil der Dampfer eben so seinen eigenen, in Jahrhunderten, wenn nicht -tausenden aufgebauten Schwung hat.

    Manchmal klingen die Ausführungen hier jedoch so, als wäre auch die Natur feindselig, nicht nur der Mensch. Angenommen, es gäbe keine Menschen – gäbe es dann noch Feindseligkeit? Mal banal ausgedrückt: ist es in euren Augen feindselig, wenn der Löwe die Gazelle jagt? Stellt ihr euch, wenn alles enttraumatisiert ist, so eine Löwe-Lamm-nebeneinander-Sache vor? Ich nämlich nicht. Ich finde, es ist kein Akt von Feindseligkeit, wenn ein Falke eine Maus schlägt.

    „Sollte es dieses Bewusstsein mal geben (wir arbeiten dran) …“ – Siehst Du, dieser Absatz klingt für mich so, als hätten wir Menschen eine Sonderrolle in einem Schöpfungsplan.
    Meint ihr das so? Dass der Mensch dazu bestimmt ist, Bewusstsein zu schaffen, um damit die Schöpfung „zu erlösen“ – da sind wir nämlich wieder im Bereich der Religion/des Glaubens.

    Der Glaube, dass wir eine Sonderrolle in diesem Kosmos haben, kommt m.E. aus einem Minderwertigkeitskomplex. Größenwahn ist die Kehrseite von Minderwertigkeitsgefühlen.
    Und da sind wir wieder beim Trauma und bei der Angst. Den Gott der Religionen/des Glaubens hat sich der Mensch aus einem Minderwertigkeitskomplex heraus erschaffen. Es ist eine Projektion seiner selbst auf den Urgrund oder die Liebe. Daraus hat sich das entwickelt, das man mit einem IQ-Meter messen kann.

    Über das mit der Information und Exformation muss ich noch nachdenken. Ich weiß nicht genau, was ihr damit meint. Ich stelle mir das so vor: Ich nehme ein Blatt Papier und male schwarze Kreise darauf. Die schwarzen Kreise sind die Information. Das, was weiß bleibt auf dem Papier ist die Exformation. Die schwarzen Kreise plus das, was weiß bleibt, sind dann das Gesamte. Meint ihr das so? Ist Exformation das Komplementär? Oder bloß die nicht aufgedeckten Widersprüche bei Frau Merkel?

    • federleichtes
      Mai 24, 2014 um 2:57 pm

      Löwe ist nett gemeint – mir selber fiele nicht mal im Traum ein, mich auf die Stufe eines Tieres, geschweige in die Nähe von Blume und Baum zu erheben.

      Deinen Gedanken kann ich gut folgen.
      Was WIR hier über das Wesen der Natur befinden, weiß ich gar nicht. Und was ich darüber befunden habe, interessiert hier nicht besonders. Vielleicht reicht einigen der querdenkenden Erkenntnissuchern die Information, der olle Brehm hätte mal ein Buch geschrieben.

      Natürlich beobachte ich in der Natur Feindseligkeit. Aber ihr Ordnungs-Wesen ist nicht feindselig, sondern brüderlich. Die Maus, die der Turmfalke

      frisst, ist SEIN Essen, für ihn gemacht, eine kleine Aufmerksamkeit aus dem Hause Maus. Manchmal scheint es, als entscheide das Stärkere oder das Glück über Leben oder Sterben – letztlich entscheidet immer der körperliche Tod im Namen einer Wiederauferstehung, oder Fortführung einer Art, wie man möchte.
      Tatsächlich ist die Natur nicht traumatisiert. Da gibt es informativ nichts Unbewusstes, nichts energetisch Determiniertes. Die Reflexe der Natur sind Ausdruck eines Bewusstseins. Und wenn Mensch der Natur Triebhaftigkeit und Eingeschränktheit und Feindseligkeit zuschreibt, schreibt er wohl eher in unbewusster Selbst-Reflexion.

      Was die Sonderrolle des Menschen betrifft, möchte ich unterscheiden zwischen der besonderen Veranlagung des Menschen und der Bedeutung, die er sich als Er- und Überhöhung selber zuweist. Das ist eine der besonderen Besonderheiten, Würde/Ehre/Moral/Ethos zu erschaffen mit dem Postulat der Unwürde. Könnte man als psychologisches Muster erkennen, das notwendig ist, um in einer klugen Schöpfung auch der absoluten Dämlichkeit einen Platz zu schaffen.
      Lösung ist jedenfalls Thema, sei es das Lösen von Rätseln, das Auflösen des Geheimnisvollen oder das Lösen von Blockaden. Fatal scheint mir das Beten, ‚erlöse uns von dem Übel‘, derer, die das Übel (der Feindseligkeit) repräsentieren: Nachdrücklich, eindrücklich und nachhaltig, also wahnhaft. Warum also beten, wenn der Tod als Erlöser unbedingt ist? Nur um dem Wahn gerecht zu werden?

      Bereits im Ur-Menschen wurde die Feindseligkeit angelegt.
      Diese Annahme erscheint mir plausibel unter dem Gesichtspunkt der Analogie, das Leben dem Urgrund dient, das Menschen dem Leben dienen – und, sofern man bereit und in der Lage ist, den Urgrund „Gott“ zu nennen, Menschen Gottesdiener SIND – per Leben – und im Weiteren unbedingt. Klar also, dass ich sowohl Beten als auch eine spezielle Positionierung im bereits gefügten Leben für nicht nötig halte.

      Was den Minderwertigkeits-Komplex betrifft, spräche manch Analytiker vielleicht eher von einer komplexen Minderwertigkeit einer Spezies, der es sowohl an individueller als auch kollektiver Integrität mangelt. Die verdrängt, verleugnet, verrät und fast nichts versteht vom Wesen ihres Tuns, vom Wesen ihres Habens und vom Wesen ihres Seins. Menschen treten auf als marodierende Macher, als blinde Denker und als kaltherzige Ignoranten, als Giftmischer und als Giftspritzer, wähnen sich im Recht und andere im Unrecht, und beklagen, als genüge das nicht, fehlende Gerechtigkeit.

      Na ja, kurz nach dem Aufstehen hörte ich die Stimmen, die in alten Zeiten vorwurfsvoll zu mir sprachen: Wenn das alle so machen würden. Damals lächelte ich, heute stellte ich die Gegenfrage.

      Dir einen federleichten Tag.

      Wolfgang

  3. federleichtes
    Mai 24, 2014 um 1:47 am

    „– der Weise hier in diesem Forum ist Wolfgang“

    Ich war auf Deinem Blog (heimlich!) und fand eine außerordentlich treffende Aussage von Dir, und dachte so: Na ja, wer das verstand, dem kann man über den Weg und überhaupt trauen. Damit das so bleibt, weise ich den Weisen entschieden zurück! Logisch, weil ich Deiner Aussage:

    „Ich bin skeptisch, was die Unterscheidung schlafend, erwacht, erleuchtet angeht. Wer kann von sich selber sagen, ob er schlafend, erwacht, oder erleuchtet ist? Wer kann es von einem anderen sagen? Und wozu ist diese Etikettierung wichtig? Wozu dient diese Unterscheidung?“

    zustimme und die Fragen beantworten möchte mit: Um den feindseligen Geist zu befördern. Die „Intelligenz“ des Menschen ist bereits in ihrem Ansatz feindselig.

    „Deshalb kann ich mit dem Begriff “das Ununterscheidbare” mehr anfangen. Das ist der Punkt, an dem für mein Wahrnehmungs- bzw. Unterscheidungsvermögen Schluss ist. Und da ist dann diese Einheitserfahrung, wobei ich nicht sagen kann, ob sich nun mein individuelles Bewusstsein vereinheitlicht oder ob diese Vereinheitlichung darüber hinausgeht.“

    Eine einheitliche Erfahrung wäre die Liebe. DIE Liebe wird wohl auf der ganzen Welt an jedem Ort zu jeder Zeit immer gleich empfunden worden sein. Wie sollte man Liebende unterscheiden? Wie ist das, wenn sich die Liebe der A(nnelies) und des B(äärnd) begegnen? Entsteht aus zwei Regentropfen ein größerer Regentropfen? Oder schwingen die beiden Regentropfen einfach nur gemeinsam, spielerisch ohne Nutzen, Zweck und Sinn?

    „Was heißt Bewusstseinsvereinheitlichung?“

    Bewusstsein ist nichts Beliebiges, nichts Subjektives, nichts Steigerbares – es ist (für mich) eine komplette, umfassende Sofort-Wahrnehmung, das Wahre (Wissen an-) nehmen.
    Sollte es dieses Bewusstsein mal geben (wir arbeiten dran), wird es (hoffentlich) für alle Wesen gleichermaßen verfügbar sein; warum sollte es sonst erschaffen werden. Und wenn der Lebenssinn die Schöpfung dieses Bewusstseins ist, sollte – logisch – DAS Lebende davon profitieren, Nutznießer also in umfassendem Sinne sein.

    „Wissen ist nicht formlos.“

    Wir unterscheiden hier bisher Daten und Informationen. Vermutlich meinen Menschen, die Wissen sagen, (nur) Informationen. Marx und andere Kantidaten gaben uns Informationen – was sie wussten, wissen wir nicht. Guido spricht von Exformation. Ja, wir können lernen, das Ungesagte zu „hören“. Das wäre Bewusstsein, entstanden aus Informationen VON einem Informanten und Exformationen ÜBER den Informanten. Freud als Persönlichkeit liefert ein gutes Beispiel für das Zusammenspiel von Information und Exformation. Freuds therapeutische Techniken interessierten mich nicht, weil ich das „hörte“, was er nicht sagte.
    Informationen sind also nicht formlos, weil ihr Wesen das Formen ist. Sie sind die eine, die offensichtliche Seite von Formation/Formierung. Die andere ist die nicht-offensichtliche Seite, die die fragmentarische Information in einen grundsätzlichen Kontext zu stellen vermag.

    Beispiel Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie sagt „A“. Aha, was meint sie mit A? Frau Merkel war Kommunistin. Heute ist sie Kapitalistin. Aha, braucht Mensch ein echtes A, holt er es nicht von Frau Merkel. Guckt Mensch auf Christlich Demokratische Union – was ist in Union drin? Nichts Christliches, nichts Demokratisches, Frau Merkel ist drin. Im Mantel der Politik. Fragt Mensch nach Politik, und sieht er in ihrem Kern etwas Anderes als Ausgeburten schwerster Geisteskrankheit, ist Mensch informiert, aber er weiß nichts.

    Wie bringen wir Leere und Fülle überein. Mir scheint nur plausibel, es müsse sich um Zustände auf verschiedenen existenziellen Ebenen handeln. Ein Eimer kann ja nicht gleichzeitig leer und voll sein. Und ein leerer Eimer kann auch keine Fülle hervor bringen. Als ich mich mit dem Sufismus beschäftigte, lief mir der Begriff „Urquell“ in die Quere. Gibt es ihn? Und was verstehen wir darunter? Etwa eine energetische Füll-Quelle? Und nun stellen wir uns einen Eimer vor, der gefüllt ist mit Emotionen, randvoll mit feindseligen unbewussten (traumatisierten) Informationen. Kein Platz für Fülle, passt nix rein (obwohl er leer aussieht).

    Wie’s aussieht, und die Zeit als Raumfeld und Dynamik diente der Erkenntnis/Bewusstwerdung, kann man die Feindseligkeit überwinden und damit Platz machen* für, für – Liebe?
    * Offenheit, Öffnung, Abfließen = Enttraumatisierung.

    Ich knacke gerne Nüsse, für meine Vögel.

    Danke, Marian, für Deine Gedanken – oder sollte ich sagen, Gefühle?

    Wolfgang

    • Mai 24, 2014 um 10:28 am

      Für mich ist Wissen individuelle und bedeutet eine Information mit meinem eigenen Erfahrungsschatz abgleichen zu können. Beispiel: „Mit dem Fahrrad kann man von A nach B fahren“ ist eine Information. Wenn ich es ausprobiert, also er-fahren habe, dann weiß ich, was wirk-lich gemeint ist.

      Mir scheint inzwischen Kommunismus/Sozialismus und Kapitalismus jeweils eine Seite der derselben Medaille. Da Marx und Engels wohl-weiß-lich das Geldschöpfen aus dem Spiel des Kommunismus ließen, ist nur die Art, wie die Vielen für die Wenigen arbeiten nur eine andere.

      • federleichtes
        Mai 24, 2014 um 12:46 pm

        Wissen ist eine ART, zu informieren; das Lernen als büffeln von Wissen ist eine Methodik – eine ziemlich schlechte, wenn sie suggestiv wirkt, wenn sie per Exformation falsche Schlüsse befördert. Beispiel das empirische Denken. Seine Richtigkeit entbehrt einer echten Logik, weil das Denken davon ausgeht, es kenne seine Wurzel – und nicht zur Kenntnis nehmen KANN (eingeschränktes Bewusstsein), dass das Denken nur dem FINDEN der Wurzel dient. Es muss also falsch sein, was empirisch gedacht wird, weil der Grund für die Bewegtheit des Urgrundes unbekannt IST.

        Hier begründet sich die Behauptung Don Miguel Ruiz’, 80% der Grundlagen des Denkens seien falsch.

        Dein Vergleich Kommunismus/Kapitalismus ist trefflich. Ideologisches Denken ist feindselig, sagt die Exformation, ganz gleich, was gepredigt wird und in Programmen geschrieben steht. Wissenschaft ist Hure, dient beiden.

        Nur – wir dürfen uns nicht fesseln lassen von der Betrachtung, die Welt sei feindselig. Es ist NUR analytischer Fakt, und Analyse ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck des Transzendierens einer Problematik. Und Transzendieren als notwendiger Schritt zur Befreiung/Distanzierung von der Problematik – um sie lösen zu können.

        Nein, wir dürfen uns nicht fesseln lassen von der Angst, dem Ergebnis der Feindseligkeit, Wie ich bereits häufiger anmerkte, haben wir es existenziell nur mit zwei Grund-Phänomenen zu tun: Verwirrung (Geist-Information) und Angst (reaktive, fremd* gesteuerte Energie). Fakt ist, die Verwirrung kommt, ebenso wie die Angst, bereits aus dem Unbewussten – sie ist Teil der Wirklichkeit, es sind ECHTE Wirkkräfte. Und Leben ist als der Prozess zu verstehen, der sie aus dem Unbekannten (Unbewussten – Dunkelheit) ins Bekannte (Bewusstsein – Licht) führt. Leben erschafft also eine Existenz, die den Geist einer oder das Wesen von Nicht-Existenz präsentiert.
        * fremd = unbekannt, unbewusst.

        Ich hätte statt Feindseligkeit auch das Böse sagen können, tat es nicht, weil das Denken in Gut und Böse für die Analyse falsch ist. Es ist (ja) das (polarisierende) Denken, was die (versteckte) Feindseligkeit (erst) auferstehen ließ.
        Guido spricht von EINEM Problem. Das man nicht erkennen kann, weil es versteckt ist. Das man nicht erkennen kann, weil es fragmentiert in vielerlei Masken erscheint. Das existenziell so gefährlich ist, dass es nur fragmentiert auftreten kann, und zwar nur Schritt für Schritt vom Unbewussten (Traumatisierten) frei gegeben wird.
        Guido sammelte sehr viele Informationen, so viele, dass er die Exformation, das Unbewusste in seiner komplexen Gesamtheit ahnend erfassen konnte. Aber in der Nähe des Urgrundes herrscht keine Stille. Und Mensch, der nicht über die existenzielle Sicherheit, die NUR das Gefühl bieten kann, verfügt, gelangt gar nicht dorthin.

        Ob das Gefühl eine menschliche Leistung ist, mag ich bezweifeln, weil das Gefühl (Liebe) mir als eine Ur-Erregung gilt, die der Mensch nur (neu) beleben kann. Zudem IST der Mensch nicht das Leben, sondern verkörpert es nur, gewissermaßen als Projektion. Ja, Leben informiert uns, allerdings im Wesentlichen durch Exformation. Zum Beispiel, indem man das Unbedingte des Lebens FÜHLEN kann. ES, das ist der Urgrund, in der Leben wurzelt. Und nur das Gefühl ist die Brücke, die über das Chaos der Feindseligkeit führt. Die echten Mystiker, die das Heilige, das Unbedingte schauten, waren wohl solche Grenzgänger.

        Na ja, das ganze Gerede bringt mich nicht von A nach B, vom Denken ins Erfahren.

        Dir einen guten Tag.

        Wolfgang

  4. Mai 23, 2014 um 7:16 pm

    Hallo zusammen,

    wenn ich gesagt habe, dass ich mit dem Wort „Leere“ nicht so viel anzufangen weiß, dann deshalb, weil ich mit diesem Wort eben doch gewisse Vorstellungen verbinde, und zwar so was wie einen weißen Bildschirm, ein Braunsches Rauschen, ein unbeschriebenes Blatt, ein leeres Glas, das Vakuum – und das ist es eben NICHT. Fülle und Leere sind dasselbe, sagt man. Was heißt das nun? Manche erklären „Leere“ als Feld der Potenzen, und da kann ich nun nicht umhin, mir so was wie das Higgs-Feld vorzustellen.
    Kurzum, Leere ist in meinem Bewusstsein eben nicht leer.

    Deshalb kann ich mit dem Begriff „das Ununterscheidbare“ mehr anfangen. Das ist der Punkt, an dem für mein Wahrnehmungs- bzw. Unterscheidungsvermögen Schluss ist. Und da ist dann diese Einheitserfahrung, wobei ich nicht sagen kann, ob sich nun mein individuelles Bewusstsein vereinheitlicht oder ob diese Vereinheitlichung darüber hinausgeht. Was heißt Bewusstseinsvereinheitlichung? Für mich heißt das, dass man eins mit sich selber wird, den Bruch, den die Ratio (das Denken) bedeutet, schließt. Und ja, das ist nichts anderes als das HIER und JETZT.

    Ich habe mal beim Waldschutz gearbeitet. Da haben wir uns bei Führungen einen Gag daraus gemacht, an einen Baum das Plakat von einem Baum zu hängen, und den Baum anhand dieses Plakats zu erklären. Fast alle Leute haben immer eifrig mitgeschrieben. Und dann haben wir das Plakat vom Baum abgemacht und gefeixt: „Leute, vor lauter Plakat seht ihr den Baum nicht mehr.“ Wir leben normalerweise in Konzepten und Vorstellungen und Begriffen – es geht drum, die Welt mal wieder ganz neu ohne all das zu sehen.

    Ich bin skeptisch, was die Unterscheidung schlafend, erwacht, erleuchtet angeht. Wer kann von sich selber sagen, ob er schlafend, erwacht, oder erleuchtet ist? Wer kann es von einem anderen sagen? Und wozu ist diese Etikettierung wichtig? Wozu dient diese Unterscheidung?

    Wissen gehört für mich in den Bereich der Wahrnehmung und des Unterscheidungsvermögen. Wissen hat für mich Strukturen. Wissen ist nicht formlos.

    Daher ist es für mich jenseits des Unterscheidungsvermögens das Nicht-Wissen. Was wir als Menschen meiner Ansicht nach leisten können, ist, sich den Grenzen des Wissens bewusst zu werden, zu wissen, dass man eben nichts weiß. Man kann in den Bereich des Nicht-Wissens vorstoßen, ja. Dieses Nicht-Wissen hat für mich viel Ähnlichkeit mit dem Gefühl einer allumfassenden Liebe, weswegen manche sagen, dass Liebe der Urgrund unseres Seins ist. Ja, das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung bestätigen. Zeitlos, momentlos, einfaches Fließen – das ist ES. Wie Wolfgang es sagt. Nur verstehe ich nicht so recht, was er immer mit der Feindseligkeit hat. Wolfgang, da hast Du mir eine schwere Nuss zum Knacken gegeben :-).

    Die evolutionäre Erkenntnistheorie als Erweiterung zu Kant ist ein guter Hinweis. Es leuchtet ein, dass Zeit, Raum, die Kategorien das Ergebnis eines evolutionären Prozesses sind. Ebenso unsere Sinnesorgane und die Verarbeitung der Eindrücke. Dann liegt der Verdacht nahe, dass all dies nicht zweckfrei ist, sondern unserem Überleben, dem Aufbau von Lebensplattformen dient, wie Manfred das nennst. Wir nehmen einen Felsen als Felsen wahr, weil wir sonst dagegenrennen würden, was unserem Überleben abträglich sein kann. Aus denselben Gründen nehmen wir Raum als Raum, Baum als Baum und Traum als Traum wahr.

    Die Erfahrung von Zeit hat sich in unserem Bewusstsein in den letzten paar Jahrhunderten ziemlich gewandelt. Es ist noch nicht so lange her, da hat der Mensch „Zeit“ zyklisch erfahren, gemäß den Rhythmen der Natur, dem Werden und Vergehen. Heute erfährt der Mensch „Zeit“ linear, als Zeitpfeil, der bloß in eine Richtung weist. Meiner Ansicht nach spielt die Erfindung der mechanischen Uhr bei diesem Wandel eine Rolle, die wiederum zur Fragmentierung der Arbeitsprozesse und zur arbeitsteiligen Gesellschaft geführt hat.
    Ein gutes Beispiel dafür, das die Anschauungen à priori keine „ewigen“ Anschauungen sind.

    Tatsächlich ist unser Bewusstsein noch nicht sehr auf die Erfahrung der Zeit konditioniert.
    Ein paar Tage Urlaub und schon lebt man in der Zeitlosigkeit und vergisst, welchen Tag man hat.

    Ja, das mit der Leere und dem Bewusstsein klingt alles höchst kompliziert und das ist eigentlich gar nicht nötig. Das ist alles nur wieder Produkt eines sich produzierenden und selbstdarstellenden Geistes.

    Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten – der Weise hier in diesem Forum ist Wolfgang 🙂

    Herzliche Grüße an alle, seien sie im Garten oder sonstwo

    Marian

  5. Mai 23, 2014 um 4:00 pm

    Der energetische Nullpunkt, so begreife ich das. Danke.

    Und Dir lieber Wolfgang gelang ein selbsterschaffenes kleines Wunder.
    Siehste mal 😉

    Grüße
    Martina

  6. Mai 22, 2014 um 9:20 pm

    Lieber Manfred,

    vielen Dank … immer wieder eine Quelle der Inspiration 🙂

    Gruß Guido

  7. Mai 22, 2014 um 4:09 pm

    Was ist? Was nicht?
    Was wird? Was kommt?
    Was ist Existenz? Was ist Realität?
    Was vergeht? Was bleibt?
    Was ist das Sein?
    Was ist Wirklichkeit?
    Was ist nur Trug oder Schein?
    Was oder wer sind wir?
    Nur ein Ahnen?
    Was ist Vergänglichkeit?
    Was ist Permanenz?
    Ah, eine Hülle und Fülle
    von Allem und von Nichts?
    Die Fülle ist Vollkommenheit?
    Die Leere ist Nichts?
    Ist die Leere absolut leer,
    Von Allem entleert?
    Von Allem entzorgt?
    Von Allem gereinigt und saubergefegt?
    Oder ist das nur ein Schein?
    Selbst in der Leere hat sich
    das Alles immer wieder
    regeneriert, rekonstitutiert, rehabilitiert….
    Selbst in die vermeintliche Leere ist nicht leer.
    Das Alles existiert
    irgendwo versteckt, unentdeckt!
    Selbst die Stille ist nicht still.
    Selbst in der Stille gibt es Laute.
    Selbst in der Stille existieren Töne…
    die ich als Melodien höre…
    die ich als Harmonien empfinde
    deren Rythmen ich fühle…
    die mich bewegen und beschwingen
    die mich verleiten zum Summen und Singen…
    Gedanken und Ideen erscheinen
    und werden aus dem Nichts geboren.
    Sie bekommen Form, Farbe…
    Sie bekommen aus der Formlosigkeit Gestalt…
    Was nicht war…ist nun hier…
    sichtbar…lesbar…
    im Verstand verankert…
    fest fundiert…und vermehrt…
    Gedanken wurden Worte…
    Aus diesen wurde ein Gedicht…
    Die Leere is gefüllt…?
    Ein Rätsel ist gelöst…?
    Verhülltes ist entblöst…?
    Unerkanntest wurde erkannt…?
    Geheimnisse sind enthüllt…?
    Woher alles kam?…Weiß ich nicht!
    Ein Suchen… ein Finden?
    Eine bewußte Wahl?
    Nur Intuition?
    Aus reiner Ahnung wurde Etwas?
    Ein Sehnen ist gestillt?
    Ein Impuls… Ein konkreter Hinweis…
    Ein Mythos… Ein Mysterium…
    Ein Wunder… eine spontane Reaktion?
    Realitaet…oder…nur Illusion?
    Da Nichts hat sich als Etwas
    manifestiert…etabliert…
    und es existiert…
    Es ist.
    Hoffenlicht sinnvoll…
    Hoffentlich beseelt…
    Hoffentlich belebt…
    Hoffentlich von gutem Inhalt…
    Nicht alles Wähnen endet als Wahn!
    Meine Gedanken wurden Worte…
    Nicht ganz ohne Bedeutung…?
    Vielleicht sogar
    von bleibendem Wert…?

    Gerhard A. Fürst
    22.5.2014

  8. federleichtes
    Mai 22, 2014 um 1:08 pm

    Als ich nächtens Deinen Kommentar bei „Bilder des Wahns“ las, freute ich mich, über DEIN Erscheinen. Beim Lesen freute ich mich eher nicht, weil die Leere nach mir griff, obwohl ich es als eine Ehre fühlte, dass Du Dich in diesem zwiespältigen Thema beteiligst. Ehre, Leere, Schwere, ich wechselte also wieder zurück in die Bildbearbeitung, auf die Ebene der doppelten Fülle – viel Aufmerksamkeit und viel Schönheit, die erschienen, weil Absicht und Motiv und Wille im Spiel waren. Vielleicht sind das die drei Beteiligten, die aus Welle Teilchen machten und Zeit erschufen?

    Lieber Manfred,

    Deine Ausführungen zur Leere stellten mich vor die Frage nach der Bedeutung des Zweifels. Konkret: Was wird aus der Leere des Urgrundes, wenn das Bewusstsein Zweifel empfindet? Ist das nicht eine Erregung, die den Weg aus der Stille bereitet? Nährt uns Menschen nicht auch Zweifel, daran, ob wir richtig oder falsch handeln, aber wir gut und richtig oder schlecht und richtig, oder richtig schlecht oder richtig gut denken, uns verhalten als die besseren Menschen oder als die schlechteren Tiere? Was wird aus einem Menschenleben, wenn die Betrachtungen über Gut und Schlecht, Richtig und Falsch an einen Punkt des Lebensvertrauens gelangten? Könnte Leere bedeuten, frei von Feindseligkeit zu sein?

    In der Regel komme ich beim Lesen der hier präsentierten Themen nicht über die ersten beiden Sätze hinaus. Beim Thema, in dem es hieß „Unsere Konzerne“, war da bereits finito. Deinen Satz, der begann mit

    „Der Kern, diese individuelle Formlosigkeit …“

    überlas ich erst mal, vielleicht weil ich ahnte, dass Deine wunderbare Fahrradgeschichte mich erwartete. Gerade beobachte ich meine Vögel auf dem Balkon, sehe den Eichelhäher erstmals am Fett picken, höre die Meisen zwitschern und denke an die Ringeltauben, die hier Terror machen und unbelehrbar scheinen. Individualitäten, allesamt, aber formlos? Also frage ich: Kann das Formlose individuell sein? Ist eine grüne Welle noch eine Welle, oder durch (irgend) eine Eigenschaft bereits Teilchen?

    Was wurde aus der Leere oder dem Urgrund, als das Bewusstsein etwas (Zweifelhaftes?) beobachtete? War da die Eins entstanden, der bewegte Urgrund? Und entstand aus der Frage nach Richtig oder Falsch die Zwei, das Polar-Gegensätzliche; und aus dem Willen, die Frage zu beantworten die Drei, der Prozess der (Auf-)Klärung?

    Die Leere, das Unbewegte, das Formlose – nicht energetisch, nicht informiert, weniger als die Ein-fachheit? Ein ruhendes Potenzial, dem sein immanenter Wille unbekannt war – und erst durch „äußere“ Umstände erregt wurde – werden konnte? Wie wird die Leere zu einem Schöpfer, und wieso zu einem Schöpfer, der etwas Bestimmtes schöpft? Weil andere Geister vorher etwas Unbestimmtes verursachten?

    Mir bedeutet Fülle, Menschen zu kennen, die mich vom Zweifel befreiten.

    Herzliche Grüße sendet Euch

    Wolfgang

    Den ganzen Rest gibt’s hier
    http://federleicht-leben.de/10-wir-texte/freunde/kleingartenvereine/familienwohl/familienwohl-140520/index.html

    • Mai 23, 2014 um 12:14 am

      Tolle Bilder wieder, von Leere keine Spur 🙂

      • federleichtes
        Mai 23, 2014 um 2:18 am

        Leere, Urgrund, waren niemals mein Thema. Marian kam damit, und als höflicher Mensch bin ich darauf eingegangen. Leere/Urgrund ist aber kein philosophisches Thema. Wer Gott verstehen will, muss das Leben verstehen, und wer das Leben verstehen will, muss leben, HIER. Das Jetzt ist ja so etwas Ähnliches wie Leere, zeitlos, momentlos, einfaches Fließen. So was, wie man sich Liebe vorstellt. Nur ist es verdammt schwer, im Tempel der Feindseligkeit seine Liebe zu entfachen UND sie zu bewahren.

        Als ich dieses Bild vom Grünrüssler

        machte, brauchte ich Hundert Prozent mich und Glück dazu – das könnte ich als Leere beschreiben, reine Aufmerksamkeit. Käferchen war nur Mittel zum Zweck; so wie Vieles – dem Urgrund dient.

        Bin gerade mit der Bilderbearbeitung 2014 auf dem Laufenden, ein kleines Wunder.

        Man hört sich.

        Gruß
        Wolfgang

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