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Wirken die Lohnarbeitenden Sinn-voller als die Lohnarbeitslosen?

Frau Gronemeyer stellt eine These in den Raum, die ich hier gerne zur Diksussion stellen möchte:

Wenn ich mit der These recht habe, dass wir heute in jedweder beruflichen Tätigkeit mehr Schaden anrichten als nützen, dann können wir getrost unser Verhältnis zu den Arbeitslosen, die wir gern als Gescheiterte ansehen, überdenken. Nicht sie, sondern die im Arbeitsleben Stehenden hätten sich dann die Sinnfrage zu stellen und stünden in einer vollkommenen Umkehrung der Beweislast unter Rechtfertigungszwang.

Warum sie zu der These kommt, das stellt sie in ihrem denkwürdigen Artikel sehr gut dar, in dem auch der Konsumwahn, der schon im vorherigen Artikel von Silke zu Sprache kommt, behandelt wird: Wie viel Arbeit braucht der Mensch?

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  1. Mai 10, 2014 um 8:48 am

    und das wird JA auch mal ZEIT…HERZlichst ANDREA:))

  2. Mai 10, 2014 um 9:12 am

    Camillo Friedrich Schrimpf schreibt auf Facebook:

    Omnia vicit Labor improbus . . . Zu Zeiten von Platon und Aristoteles war „Arbeit“ mit Sklave (doulos) gleichgesetzt. Man sah Herren und Sklaven auf Schritt und Tritt und niemand zweifelte daran, dass es Herren und Sklaven gibt. Aristoteles glaubte, dass es geborene Sklaven gäbe (physei doulos). Das hat sich nun geändert. Nicht dass es keine Sklaven gäbe aber der Nomos, der geistige Überbau ist schwächer geworden. Der letzte Mensch folgt nicht mehr dem Gesetz (Nomos). Er hat keine Religion, keine Weltanschauung die ihn leiten könnte. So ist „die Arbeit“ zu einer Religion geworden . . . Ontologie . . . Unsere Städte können nur dadurch noch existieren weil die Menschen so viel herumfahren. Dabei tagträumen sie: Reverie im Bus . . . in der S-Bahn. Die Arbeit ist gar keine. Es ist Beschäftigungstherapie. Die Finanzämter: Die Steuerregeln sind viel zu viel und unsinnig. Je unsinniger desto besser. So sind die Menschen beschäftigt und in einer Religion die man „Arbeit“ nennt.

  3. Mai 10, 2014 um 2:18 pm

    Arbeitslose brauchen Arbeit! Verdienst fuehrt zu Respekt deiner selbst!

  4. Gerd Zimmermann
    Mai 10, 2014 um 9:31 pm

    Das Universum ist immer da. Bewusstsein und Universum sind biothisch oder wie soll ich das nennen. Das eine kann nicht ohne das Andere. Es ist total spannend Geist zu ergruenden. Das ist unsere Lernaufgabe. Weil Universum, Natur und der ganze Rest immer
    EINS SIND und sein muessen, geht es nur um diesen winzigen Schritt. Der ist aber auf Grund
    der Sinnestaueschung sehr schwer. Geben und nehmen muessen wegen des Gleichgewichtes
    im selben Augenblick stattfinden. Martina hat Worte dafuer. Das ist Dualitaet oder HARMONIE. Guido beschreibt das auf seinen Seiten. Gebe und dir wird gegeben.

  5. maretina
    Mai 11, 2014 um 2:17 pm

    Was verbindet Ihr mit dem Begriff Arbeit? –
    Die „Arbeitslosen“ kriegen ja auch, gehören genauso zur Gruppe der „Krieger“, wenn auch viel weniger als die, die gegen Ent-Gelt (von vergelten = Schuld abtragen) arbeiten.

  6. onlyme2012
    Mai 14, 2014 um 12:18 pm

    Das ist tatsächlich ein Thema, das mich schon so manches Mal um den Schlaf gebracht hat.
    Und ja, ich bin der Meinung, dass die eigentliche Religion unserer Zeit das Thema „Arbeit“ ist.
    Es ist für mich der Tanz um’s goldene Kalb der Neuzeit.
    Abgesehen davon, dass unser gesellschaftliches und wirtschaftliches System für den
    Otto-Normalverbraucher eben darauf gründet, dass er einen Arbeitsplatz benötigt, um sein Leben zu finanzieren, so wird „Arbeit Haben“, damit meine ich Erwerbsarbeit, also Bezahlung der Arbeitskraft, zum absoluten Muss, zum Überlebensmittel sozusagen.
    Dies bedeutet dann im Umkehrschluss, derjenige, der seine Arbeitskraft zum Zwecke des Überlebens anbieten muss, wird erpressbar, vor allen Dingen in Zeiten, in denen es ein Überangebot an Arbeitssuchenden gibt.
    Das wird anschaulich durch die Agentur für Arbeit praktiziert, indem man als Motto

    „Hauptsache Arbeit, egal welche und egal zu welchem Preis“

    auswirft.

    Unser Arbeitsbegriff, wie er sich über Jahre eingebürgert hat, ist eigentlich an Perversion nicht zu überbieten.

    Schlagsätze wie

    „Gute Arbeit für gutes Geld“, „Was nichts kostet, taugt nichts“, „Wer viel verdient, leistet viel“, etc. pp.

    haben sich so über die Jahre in die öffentliche Wahrnehmung eingeschlichen und gelten als anerkannt.
    Also, nur, wer für Lohnentgelt arbeitet, verrichtet Arbeit, denn nur, wer für seine Arbeit bezahlt wird, ist ein nützliches Mitglied der Gesellschaft.
    Ein Aberwitz für mich als dreifache Mutter, die auch des Öfteren mal gefragt wurde

    „Und was machst Du sonst noch?“

    Dies in Anbetracht der Tatsache, dass ich mit drei kleinen Kindern unter vier Jahren unterwegs war.
    Mal ganz abgesehen davon, dass diese Arbeit eben keinen Feierabend und kein Wochenende kennt, und dass man damit eine gesellschaftlich extrem nützliche Aufgabe erfüllt, sich nämlich dem Nachwuchs eben dieser Gesellschaft zu widmen.
    Das tun zudem auch viele ehrenamtlich Tätige, die sich in zahlreicher Art und Weise um hilfebedürftige Menschen kümmern, seien es nun Kinder, Kranke oder alte Menschen.
    Gesellschaftlich extrem wertvolle Arbeit, aber eben unbezahlt, und von daher in der Wahrnehmung zunächst einmal nichts wert.
    Na ja, und was so im täglichen Leben an Arbeit anfällt, die jeder selbstverständlich verrichtet, davon will ich gar nicht erst anfangen zu reden.
    Jedenfalls scheint es mir absolut nötig, unseren allgemeinen Arbeitsbegriff zu überdenken.

    Beste Grüße
    Silke

    • federleichtes
      Mai 14, 2014 um 4:33 pm

      Du triffst DEN Punkt., liebe Silke.

      Aus meiner Sicht unterstützt man mit (fast) jedweder Tätigkeit das System. Das zwar nicht widersinnig, aber eben feindselig ist. Kurz:
      Leben unterstützt grundsätzlich, indem es Arbeit verlangt, die Feindseligkeit.

      Entsprechende Dogmen als gesellschaftlicher (Zeit-)Geist sind entstanden. (Zu Deiner Aufzählung wäre ein Brain-Storming wohl ganz interessant.) Mit der Folge der Ent-Solidarisierung innerhalb des Bürgertums. Nur wenige begriffen dieses lausige Spiel. Das unter den herrschenden Bedingungen unvermeidlich war. Und wer unter den Bedingungen, die „Kultur“ vorgibt, sein Leben ausrichtet, steckt drin – in der Emotionalität, im Würgegriff der Ungerechtigkeit. Darf ich das als sado-masochistisches Muster interpretieren?

      Ich glaube, besonders an der klassischen Frauenrolle wird deutlich, wie der Begriff „Lohn“ den Geist der Menschen verseuchte.

      Aber es gibt derzeit noch kein Modell, wie Gemeinschaften ohne Lohn/Belohnung funktionieren – weil es noch keine Menschen gibt, die sich von diesem – im Grunde traumatischen – Muster befreien konnten. Vielleicht schreibt Mathias zu diesem Problem noch mal etwas Genaueres.

      In meinem direkten Umfeld hörte ich eine Geschichte, die mich an das Wesen der Zwangsarbeit erinnerte:
      Menschen werden extremen Belastungen ausgesetzt, und wer ihnen nicht stand hält, wird auf den Müll geworfen und durch neue „Objekte“ ersetzt. So einfach funktioniert das System. Wer darin dirigistisch-mitleidslos mitwirkt und sich toll findet, bitte sehr – Skrupellosigkeit ist ja keine neue Erscheinung.

      Vielleicht greifst Du das Thema Arbeit mal aus Deiner Sicht neu auf.

      Herzlich grüßt Dich
      Wolfgang

  7. onlyme2012
    Mai 15, 2014 um 10:20 am

    Hallo Wolfgang,

    danke für Deine Worte.

    Mal sehen, das Thema „Arbeit“ aus meiner Sicht:

    Nun ja, ich gehöre ja nicht zu denen, die sich in ihrem Job verwirklichen können, für mich ist der Job eine Notwendigkeit, um mein Leben bzw. das Leben meiner Familie zu finanzieren.
    Hatte es ja bereits in einem anderen Thema angedeutet, Brot- und Buttergeschäft sozusagen.
    Meine Identifikation mit dem, was ich tue, tun muss, bewegt sich daher eher im unteren Bereich, zumal ich in den Niederungen des Dienstleistungsgewerbes feststelle, dass eine immer weiter um sich greifende Entmenschlichung der Arbeitsprozesse, es zunehmend erschwert, sich wirklich noch als Mensch zu fühlen.
    Ich komme mir immer mehr vor wie ein Roboter, der den Input, den er oben erhält, unten wieder ausspuckt, und so werden auch die Kunden, mit denen ich tagtäglich zu tun habe, zu Robotern, die möglichst reibungslos zu funktionieren haben.
    Ein Umstand, den man ihnen natürlich verheimlichen muss, dazu bedient man sich der „dienstbaren Geister“, die als Angestellte ihr Arbeitsleben fristen.
    Rücksichtnahme auf besondere Situationen fällt da glatt hinten runter bzw. kommt im Erlebnishorizont des Arbeitgebers schon gar nicht mehr vor.
    Individualität, die uns Menschen ja eigen ist, wird glatt gebügelt, sprich, man versucht „Schubladen“ zu füllen, in der Hoffnung, dass der kleinste gemeinsame Nenner für jeden passt.
    So wird individuelles Agieren, sich Einlassen auf den Menschen, im Keim erstickt.
    Mein Berufsalltag ist geprägt von Floskeln, die, quasi auswendig gelernt, in der richtigen
    Reihenfolge, die vom Arbeitgeber festgelegt wird, den Kassiervorgang, bin Kassiererin in einem großen Discounter, begleiten.

    Es fällt mir mehr als schwer unter diesen Umständen zu arbeiten und auch noch Freude an dem zu finden, was ich da tue.
    Immer auf der Hut vor einem Testeinkauf zu sein, immer zu hoffen, ja alles so gemacht zu haben, wie es vorgeschrieben ist, des Öfteren verunsichert, habe ich auch alles gefragt, was ich fragen soll, und das auch zum richtigen Zeitpunkt getan, oder muss ich Angst haben, dass im nächsten Testkunden-Bericht wieder einmal steht:

    „Sie sollen den Kunden bereits während des Kassiervorgangs fragen, ob er zufrieden war, und nicht erst dann, wenn der Vorgang abgeschlossen, sprich die Kassenschublade geschlossen ist.“

    Es macht mich krank, dass ich mich selbst derart verleugnen muss, dass es nicht genügt, dass ich den Menschen, Kunden, ja auch Kunden sind Menschen, einfach nur so gegenübertreten darf, wie ich eben bin, höflich, nett und interessiert.
    Na ja, und der ständige Personalmangel, der für viele von uns ständige Überstunden bedeutet, der die Arbeit noch mehr zur „Fließbandarbeit“ macht und den Stress vergrößert, den will ich hier gar nicht thematisieren.

    Auf diese Art und Weise entwürdigt man die Arbeitsleistung und ich weiß, dass das nicht nur in meiner Branche so ist.
    Nicht umsonst spricht man von einem hohen Prozentsatz der Arbeitnehmer, die sich nicht mit ihrer Arbeit, ihrem Arbeitgeber, identifizieren können, innerlich bereits gekündigt haben.
    Schlagworte, alles Schlagworte, über die Ursachen sollte man einmal nachdenken.

    Liebe Grüße
    Silke

    • federleichtes
      Mai 15, 2014 um 1:23 pm

      Aus meiner SEHR subjektiven Sicht ist Leben gleich Arbeit, Lebensleistung gleich Arbeitsleistung. Diese zu unterscheiden in Broterwerb, Freizeit und Schlaf, na gut, kann man machen, ist aber im Grunde fließend, weil ein quälerischer Brotwerwerb in die „Freizeit“ und in den Schlaf hinein wirkt.

      Wie sich Arbeit/Leben gestaltet, lassen viele Menschen durch die Art ihres Broterwerbs bestimmen. Dazu kommt eine Verschiedenheit im Menschentyp. Die einen sind Herrscher, die anderen Vasallen der Herrschaft, und die dritte Gruppe die Opfer. Und bestimmend dann noch der kulturelle Rahmen, in dem Arbeit (nur) gestaltbar ist.

      Grundsätzlich lernt Mensch, zumindest in unserer „Kultur“, dass er ein soziales Wesen ist und soziale Verantwortung zu tragen hat.
      Grundsätzlich leben wir in einem Staatswesen, das sich nur durch die Produktivität und eine wachsende Produktivität (Arbeitsleistung im Sinne von Geldumsatz) erhalten kann.
      Grundsätzlich leben wir in Deutschland auf einem Fleck (der) Erde, der nicht dem Deutschen Volk gehört. Wir hängen am Tropf der sogenannten Siegermächte.
      Grundsätzlich sind in Deutschland lebende Menschen rechtlos und somit potenzieller Willkür ausgeliefert.

      Mein Fazit ist natürlich wieder SEEEEHR subjektiv
      Menschen, die glauben, sie seien verantwortlich für mehr als ihr eigenes Wohlergehen;
      Menschen, die glauben, sie seien Staatsbürger mit Pflichten und können auf die staatsbürgerliche Identität nicht verzichten;
      Menschen, die glauben, sie könnten sich ihre Würde nicht per Lebensgestaltung selber erschaffen;
      Menschen, die nicht an sich selber glauben, haben die Arschkarte gezogen. Nicht gerade freiwillig, aber es wird der Moment kommen, wo sie sich fragen können, ob sie diese Karte nicht denen (zurück) geben, die dieses Spiel der Entwürdigung bestimmten. In diesem Sinne wäre zu sagen:
      Freiheit erringen macht Arbeit. Arbeit, die Spaß macht. Es braucht nur ein bisschen Gefühl generiert werden:
      Das Leben, die Welt, sich selber zu lieben.
      Man wird’s kaum glauben: Das geht ganz ohne Glauben.

      Gruß
      Wolfgang

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