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Bilder des Wahns?

Mann, Frau, Mann. Einige Gedanken, die hier in den letzten Tagen verloren wurden, hatten es scheinbar IN sich. Loslassen, Harmonie, freies Schwadronieren, eine Freie Intelligenz und Hinweise auf von Feindseligkeit befreite Kampftechniken, all das beeindruckte zwar weniger mein Wach-, desto intensiver mein Traumbewusstsein. Zur Aufklärung, ob mein Traum realitätsfremd oder wirklichkeitsnah ist, darf ich mir Eurer Beteiligung sicher sein.

Dass einem Menschen das unablässige Schwatzen um Gut und Böse und das Diskutieren um Böse oder Gut zunehmend auf den Senkel gehen kann, wird nur Diederdas nicht verstehen können, der gar nichts Anderes als die Diskussion um die richtige und falsche Seite eines Pfannekuchens kennen lernte. Mein Gott, es gibt doch eine Harmonie, in die das Werden eingebettet ist und ein Loslassen von jedwedem Wahn keinen Schaden anrichten und Schande nicht bringen kann. Oder?

Menschen leben in einem Drei-Lager-System, das nach einem Zwei-Pole-Prinzip funktioniert. Das Prinzip heißt Gut und Böse, die Lager entstanden als Gutmenschen und Bösemenschen und Gutundbösearbeitsmenschen. Stellte mir ein Gummiband vor, an dem Gut und Böse ziehen. Nun ist es nicht besonders spannend, die Entwicklung des Gummibandes zu beobachten. Etwas spannender schon, die Folgen dieses Ziehens und Zerrens zu registrieren:
Die Einen, die mehr Gewinn per mehr Ausbeutung im Sinn haben, wähnen sich immer siegessicherer, während die Anderen für ihren Sieg mittels geteilter Aufmerksamkeit agieren.

Fragen wir uns mal nicht, ob es diese geteilte Aufmerksamkeit ist, die die Einen so siegessicher macht. Fragen wir mal auch nicht nach der Ursache für die Aufsplittung der Aufmerksamkeit. Fragen wollen wir auch nicht, ob ein Bewusstsein über das Wesen von Aufmerksamkeit einen Willen generieren könnte, der aus der zerrissenen Aufmerksamkeit wieder eine ganze Aufmerksamkeit bildete. Schauen wir erst mal nüchtern auf die Gegensätzlichkeiten von Gut und Böse. Ernüchternd?

Aus meiner Sicht will das „Böse“ herrschen, es will die Macht über eine Masse von Individualitäten. Seine zentrale Absicht ist, eine Kuh zu gestalten, die man beliebig melken kann. Schland könnte man analysieren als eine fast perfekte Weide mit einer fast perfekten Kuh.
Was eine Perfektion generell stört, ist dieses im Sinne einer Harmonisierung (der Nullpunkt zwischen den beiden Enden bleibt zumindest gleich verortet) wirkende Gummiband. Spitzfindiger Geist behauptet, Schuld sei das Gut-Ende, weil d-ort wie verrückt gezogen werde.

Aus meiner Sicht ist das „Gute“ sowohl schizophren als auch trichotom.
Schizophren, weil sie die Feindseligkeit vernichten will und damit eine gute Absicht erklärt. Trichotom, weil sie ihre Aufmerksamkeit sowohl auf die Vernichtung des „Bösen“ als auch auf die Kontrolle der ‚Masse Mensch’ richten. TRIchotom, weil die „Guten“ angstvoll auf die immer dünner werdende Mitte des Gummibandes starren – wie das Kaninchen auf die Schlange. Während sie also eigentlich mehr Fühlen wollen, bedienen sie damit, mit dem Steigern ihrer Angst, die Emotionalität des Ego-Ich. So’n Schiet aber auch.

Mein Traum
Ich sah die „Guten“ die Seite wechseln. Und ich sah ihren Vernichtungswillen im Lager der „Bösen“ wüten. Und ich sah das Prinzip der Harmonie wirken, die ja Polarität und die Spannung (?) der Polarisierung dringend braucht. Verkehrte Welt entstand, eine Welt, in der die „Guten“ viel böser als die Bösen wurden, und die vormals „Bösen“ nun umso besser sein mussten, als die vormals „Guten“.
Ein spannender Traum, gell.

Ich werde mein Traum-Abo fristlos kündigen. Und sofort alle Gummibänder nicht nur zerreißen, sondern vernichten. Vielleicht sollte ich auch nicht mehr lesen, was ich schreibe, ganz sicher aber etwas Öl an meine Fahrradkette streichen. Das mache ich jetzt.

Euer stets gelassen mobiler
Wolfgang

Kategorien:Gesellschaft
  1. Mai 6, 2014 um 6:08 pm

    In den BILDer des WAHNS die tagtäglich in UNS sind…..ist es an der ZEIT in HARMONIE loszulassen……und das FREIE Schwadronieren wie du es benennst…….der FREIen INTELLIGENZ…..wird dein TRAUMbewußtSEIN sich nach und nach zum positiven VERÄNDERN….deine Aufmerksamkeit wird dir dann von GUT und BÖSE ernüchternd in der Aufsplitterung ins BewußtSEIN deines ach so tollen WESENS erscheinen….werde EINS mit dem GEIST….

  2. Mai 9, 2014 um 9:59 am

    Genau aus dem Grund sagte Jesus: „Liebet eure Feinde“. Aber wenn das nicht geht, ist Fahrradketten-Ölen auch nicht schlecht.

    • federleichtes
      Mai 9, 2014 um 1:00 pm

      Feindschaft entsteht nur in Gegenseitigkeit. Wer ein Bewusstsein über das Wesen des Lebens entwickeln konnte, unterscheidet die Menschen nicht aufgrund ihres (mehr oder weniger feindseligen) Verhaltens. Einseitig feindseliges Verhalten begründet keine Feindschaft.

      Das Leben lieben. Diese Fähigkeit verlangt das Verstehen der sich offenbarenden Feindseligkeit als notwendig, und ababdingbar für die Entwicklung einer Neuen Liebe.

      Falls es hier noch nicht klar geworden ist:

      Das Gegensatzpaar „Gut/Böse ist falsch. Gegenüber stehen sich das Schlechte und das Gute. Und dieser Gegensatz löst sich auf in der Annährung, von weniger-schlecht und weniger-gut.

      Nicht klar geworden scheint mir auch, dass das Schlechte (nur) das Prinzip der Ausbeutung/Herrschaft bedeutet, während das Böse das Prinzip der Vernichtung ist.

      Und nun dürfen wir gerne gemeinsam überlegen, ob sich hinter dem Guten nicht der Wille zur Vernichtung des (nur) Schlechten versteckt. Das sagte mir der zweite Teil des Traumes.

      Ich hatte die Hoffnung bereits aufgeben, weil die Spürnasen-Runde nichts witterte.

      Danke
      Wolfgang

      • Mai 10, 2014 um 11:47 am

        Ist es gut, wenn der Gegensatz von gut und schlecht sich in der schrittweisen Annäherung allmählich auflöst?

        Es kommt doch darauf an, was Du in der Welt lieber sehen möchtest. Willst Du in der Welt vor allem Einheit, ist es gut, wenn der Gegensatz sich langsam auflöst. Willst Du aber die Vielfalt, dann ist es schlecht, wenn die Gegensätze sich auflösen. Denn zur Vielfalt gehört, dass, was für ein Lebewesen nützlich ist, einem anderen Lebewesen schadet. Es gibt kein Leben, in dem einer dem anderen nur nützt, ebenso wie kein Leben denkbar ist, in dem einer dem anderen nur schadet. Wer nur Wärme zulässt, muss auf Eisbären und Pinguine verzichten. In einer Welt des Lichts gibt es keine Nachtgeschöpfe wie die Plumploris, für die das Sonnenlicht tödlich ist.

        Die Auseinandersetzung, was für die einen Vorteile und für die anderen Nachteile sind, findet nicht im Leben statt, sondern IST das Leben selbst. Umso mehr, als die Welt so eingerichtet ist, dass Eines nur leben kann, wenn ein Anderes dafür stirbt.

        Liebe ist eben nicht nur Annäherung. Liebe ist auch Raumlassen und Auseinandergehen. Die Welt ist nicht nur Einheit. Sie ist ebenso Vielfalt. Das Leben ist ein Tanz, dessen Dynamik (ja, okay, auch wenn es ein technisches Wort ist :-)) sich im Aufeinanderzugehen und Auseinandergehen entfaltet.

        Liebe nur als Annäherung und in der Folge als Verschmelzung oder Aufgehen im Anderen zuzulassen, hat als Kehrseite, dass das Raumlassen und damit die Ausbildung von Vielfalt nicht zugelassen wird. Damit kommen wir aber schon in den Bereich, den Du mit dem Bösen in Zusammenhang bringst: Die Vernichtung dessen, was zum „Schlechten“ erklärt wird, in diesem Falle: Abkehr, Trennung, Distanz.

        Als Individuum positioniere ich mich in der Welt und in meinen Beziehungsgeflechten durch Annäherung und Distanz. Genau das macht meine Individualität aus. Und meine Freiheit.

        • federleichtes
          Mai 10, 2014 um 11:00 pm

          Danke für Deine Kommentare (auch für den bei „Reinkarnation)

          Du bennenst einen springenden Punkt:

          „Ist es gut, wenn der Gegensatz von gut und schlecht sich in der schrittweisen Annäherung allmählich auflöst?

          Die Gegensätze sind mir künstlich, genauer ‚ künstlicher Geist‘. Sie lösen sich auf, und zwar nach meiner Erfahrung nicht durch Angleichung, sondern indem Mensch diesen künstlichen Geist erkennt und ihn deaktiviert.

          Was dann kommt (oder kommen sollte) ist Klar-Bewusstsein – einerseits energetisch über das Wesen von Liebe und Bewusstsein, und andererseits über das energetische Böse und die Macht (Absicht) des Bösen.

          Damit bauen sich zwei neue Spielfelder auf. Eins, auf dem das Böse das Spiel des Guten und Schlechten kontrolliert, und ein anderes, auf dem Liebe wirkt und über ihr Bewusstsein das Böse kontrolliert.

          Guido würde vielleicht meinen, das Gesamt-Bewusstsein sei nicht direkt am Spiel beteiligt.

          Konkret aus meiner Feder:
          Gott (synonym für Liebe) und Teufel (synonym für das Böse) sind keine Gegenspieler. Kurz:
          Teufel spielt, Gott beobachtet und wird sich dieses Spiels bewusst.
          Auf der ‚Ebene Spiel‘ gibt es das Gute und das Schlechte, in der Beziehung zwischen Spieler und Beobachter nicht mehr.

          Hört sich das zu technisch-theoretisch an?

          Was ich schrieb, ist verifizierbar – es wurde bereits verifiziert – es kann sogar gelebt werden, als Liebe zum Leben. Du wirst fühlen können, was ich meine.

          Herzlichen Grüße von mir.
          Wolfgang

  3. Mai 11, 2014 um 9:57 am

    Vor einiger Zeit habe ich das Buch Der Gefälschte Paulus. Das Urchristentum im Zwielicht. von Hermann Detering gelesen.
    Detering und mit ihm die sogenannten Radikalkritiker vertreten die These, dass das Neue Testament von Gnostikern (ca. 200 nach Chr.) geschrieben wurde. Diese glaubten, dass die Welt (mit dem Guten und Schlechten, Ergänzung von mir) von einem minderwertigen Gott, dem Demiurgen, geschaffen wurde. Der Demiurg wurde mit dem alttestamentarischen Jahwe identifiziert. Der wahre Gott mischt sich normalerweise nicht ein in das Geschehen, ist auch in der Tat recht eigentlich ein „Beobachter“, der materie- und körperlos über allem schwebt. Der Gott von Paulus, der nichts anderes als eine Personifizierung gnostischen Gedankenguts ist, ist dieser „wahre Gott“ und nicht Jahwe.

    Da die Menschen Anteile dieses wahren Gottes in sich tragen, weckten sie sein Mitleid, und der wahre Gott schickte seinen Sohn, um die Menschen vom Demiurgen im eigentlichen Sinne des Wortes „loszukaufen“ oder zu „erlösen“. Dann stritten sich die Gnostiker, ob Jesus einen Körper aus Fleisch und Blut oder bloß einen Scheinleib hatte.

    Guido, wer immer er ist, würde diese Geschichte des Loskaufs also vermutlich ablehnen, oder?

    Eine ähnliche Ansicht habe ich in einem Buch über die philosophisch-geistigen Grundlagen des Ayurveda gefunden: Dort sind es nicht zwei dualistische Kräfte, sondern fünf Elemente, aus denen sich drei Kräfte zusammensetzen (Vata, Pitta, Kapha), dieser Gesamtkomplex wird Prakriti genannt. Dem steht Purusha gegenüber, ein rein Geistiges, das Prakriti bloß „aufdehnt“.

    Diese Weltsichten bleiben jedoch im Kern dualistisch: Gott als Liebe und die Welt als Teufelsspiel haben wesentlich nichts gemeinsam. Der Beobachter und das Beobachtete sind nicht identisch. Geht damit nicht doch immer noch die Verachtung der Welt, des Materiellen bzw. der Energien, aus denen Materie entsteht, einher?

    Ich bin der Ansicht, dass es sich bei diesen Weltsichten oder auch der Variante, die Du vorschlägst, um eine Projektion von der Innen- in die Außenwelt handelt. Wir sind nicht in der Lage, das, was unsere geistige Ausstattung ist, von unseren Wahrnehmungen zu trennen. Während Kant diese Trennung versucht hat, haben die deutschen Idealisten sie rückgängig gemacht und im Gegenzug zur Objektivität des Laplace’schen Dämon die Subjektivität zum Maß aller Dinge gemacht. Ein ähnliches Spiel wurde im alten Griechenland auch schon mal gespielt.

    Nach meinem Dafürhalten haben wir erstens ein „Herzbewusstsein“, und wenn ich in dieses zurückkehre, erfahre ich allumfassende Liebe, in der sowohl das Gute wie das Schlechte aufgehoben sind. Es ist eine ganzheitlich-holistische Erfahrung, die obwohl 100%ig subjektiv, dennoch über das Subjektive hinausgeht: Es gibt viele Menschen, die dasselbe erleben. So wie Du schreibst, nehme ich an, dass Du das kennst.

    Dann haben wir andererseits unseren rationalen, dualistischen Verstand, dessen Spielfeld die Welt der Gegensätze ist. Diesbzgl. finde ich Piaget interessant, der eine Darstellung gibt, wie das kindliche Bewusstsein, das noch keine Begriffe und Unterschiede kennt, anfängt zu differenzieren und sozusagen ein Karteikastensystem von Begrifflichkeiten aufbaut, die sowohl horizontal (nebeneinander) als auch vertikal (hierarchisch) geordnet und in Bezug zueinander gestellt werden. Das ist, so wie ich Dich verstehe, der „künstliche Geist“, von dem Du sprichst. Man kann ihn in der Tat deaktivieren, indem man ins Herzbewusstsein zurückkehrt.

    Meiner Interpretation nach hat dieser künstliche Geist, die Ratio, aber sehr wohl eine wichtige Funktion. Mit der ausgebildeten Ratio des Erwachsenen wird die Welt als Gegenüber erlebt und erfahren. Die Ratio dient eigentlich der Ausbildung einer lebendigen, auch von Gefühlen getragenen Ich-und-Du-Beziehung zu anderen Menschen, anderen Lebewesen, des Ökosystems, der Welt.

    Mit dem Herzbewusstsein wird die Einheit des Kosmos/des Seins erfahren, die Ratio ist auf die Erfahrung der Vielfalt ausgerichtet. Einheit und Vielheit sind jedoch die beiden Seiten derselben Medaille, und diese Medaille ist unser menschliches Bewusstsein. Ich glaube nicht, dass unser menschliches Bewusstsein allumfassend ist, das kommt uns aufgrund mangelnder Differenzierung nur so vor. Ich gehe davon aus, dass Bewusstsein in zahllosen Varianten, auch solchen, die sich unserem Verständnis komplett entziehen, auftritt.

    Das Böse entsteht meiner Ansicht nach dadurch, dass wir als Menschen diese beiden Möglichkeiten des Welterlebens von Einheit und Vielheit noch nicht auszuschöpfen vermögen und häufig das Eine mit dem Anderen verwechseln. Als Menschheit insgesamt sind wir noch Kinder.

    Ich glaube daher zuversichtlich, dass wir auf unserem menschlichen Weg zur Weisheit das Böse hinter uns lassen werden. Zumal das Böse immer gegen sich selber antritt und sich am Ende selbst vernichtet oder lähmt. Kennst Du die „Unendliche Geschichte“ von Michael Ende? Ende lässt das Böse dort in personifizierter Form, Xayide, auftreten, die am Schluss von den von ihr selbst geschaffenen gepanzerten Riesen zertreten wird. Für mich ist das eine sehr gelungene Darstellung dessen, was wir das Böse nennen.

  4. Mai 11, 2014 um 1:55 pm

    Es geht wohl um Akzeptanz dessen, was wir in uns tragen, nach außen tragen, manchmal nicht haben wollen (das Böse z.B.), dadurch verstärken können. Wer kann denn mit Bestimmtheit sagen, dass eine gut gedachte Aktion, auch gute Früchte trägt. – Ich brauch z.B. nur daran zu denken, was für fürchterliche Auswirkungen der unbedachte „Export“ gebrauchter europäischer Kliedung nach Afrika für die dortige Textilwirtschaft und die existentiell von ihr abhängigen Menschen hatte. Entstanden war dieser Gedanke ja ursprünglich aus durchaus gutwilliger Absicht. – Unser Problem scheint mir wirklich kausales Denken in der Polarität von gut/böse; schwarz/weiß etc. zu sein. Menschliches Bewusstsein ist meiner Meinung nach nicht fähig die universalen Zusammenhänge zu erfühlen, mental zu reflektieren und dementsprechend auf eine Handlungsebene zu bringen. – Mir bleibt im Moment nur mal wieder auf den „ollen“ Goethe und seinen „Faust“ zu verweisen.

    Nun gut, wer bist du denn?

    Ich bin ein Teil von jener Kraft,
    die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

    Was ist mit diesem Rätselwort gemeint?

    Ich bin der Geist, der stets verneint!
    Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
    ist wer, daß es zugrunde geht;
    Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.
    So ist denn alles, was ihr Sünde,
    Zerstörung, kurz das Böse nennt,
    mein eigentliches Element.

    Du nennst dich einen Teil, und stehst doch ganz vor mir?

    Bescheidne Wahrheit sprech‘ ich dir.
    Wenn sich der Mensch, die kleine Narrenwelt,
    gewöhnlich für ein Ganzes hält –
    Ich bin ein Teil des Teils, der anfangs alles war,
    ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebahr,
    das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht
    den alten Rang, den Raum ihr streitig macht,
    und doch gelingt’s ihm nicht, da es, so viel es strebt,
    verhaftet an den Körpern klebt.
    Von Körpern strömt’s, die Körper macht es schön,
    ein Körper hemmt’s auf seinem Gange,
    So, hoff‘ ich, dauert es nicht lange,
    und mit den Körpern wird’s zugrunde gehen.

    Schönen Sonntag wünsch ich Euch
    Martina

  5. federleichtes
    Mai 11, 2014 um 5:37 pm

    Am Rande: Zu meinem Blog-Problem gesellte sich sein Rechner-Problem.

    „Es geht wohl um Akzeptanz dessen was wir in uns tragen, nach außen tragen, manchmal nicht haben wollen (das Böse z.B.), …“

    Was ich Euch (hier) thematisch auftischte, ist, das wurde mir durch Marian bewusster, vielleicht derzeit noch zu heftig.
    Dem, was mein Traum irgendwie auf den Punkt zu bringen versuchte, ging das voraus, was Marian offensichtlich auch leistete: Eine intensive Auseinandersetzung mit dem „Glauben“.

    Warum wird Glauben Religion genannt, wäre eine Frage. Eine andere, warum die (echte) Religion sich hinter auf der Glaubensebene – mit all seinen Glaubensverschiedenheiten – verstecken musste.

    Schauen wir mit einem vom Glauben befreiten Blick auf die Wissensebene, gehört zum Wissen auch der Glaube daran. Wissen muss einer Logik gerecht werden und einer Art Bekanntheit entsprechen, was es plausibel macht. So entsteht eine Information im Sinne einer Verursachung, emotional, mental oder/und pragmatisch Verhalten verändernd.
    Ich sehe hier zwei Problematiken. Einerseits Informationen, die da sind und von denen man (bewusst) nichts weiß, und ein Verhalten, das sich über Generationen maniFESTierte.

    Zurück zum Glauben
    Wohin der rationale Mensch den Glauben steckt, wissen wir. Er kann das Glaubenskonzert verweigern, weil er (irrig) ausgeht von einer Berechenbarkeit des Lebens – und blendet aus, was zwar nicht rational, aber doch eine fundamentale Lebensentäußerung IST. Warum das Ausblenden geschieht? Gibt es ein KLARES Gottesbild? Oder verhält es sich damit ähnlich wie mit Glauben und Wissenschaft? Beide „Disziplinen ließen sich sehr plausibel mit dem Etikett „Bullshit“ bekleben

    Fazit
    Ich behaupte, Glauben ist die Vorstufe zu Bewusstheit. Zur Bewusstheit gehört das Verstehen des Wesens von Religion, und zur Bewusstheit gehört Erfahrung als verifiziertes Wissen.
    So sind also Glauben und Wissenschaft geistige Lebensdiener (zwangsweise, weil es die Bewusstheit noch nicht gibt), gemeinsam auf der Glaubensebene agierend.
    Kurz
    Ohne Glauben keine Religion, ohne Wissenschaft keine Interpretation von bewusstseins-tauglichen Daten.

    Wie Ihr wisst, bin ich weder Wissenschaftler, noch Philosoph, noch Psychologe, ein Gläubiger auch nicht. Aber ich bin nicht etwas ganz Unspezielles – geblieben. Dank unserer Gespräche über das Wesen des Trauma und das Wesen der Feindseligkeit. In dieser Thematik fühle ich den Schlüssel verborgen, für …?

    Können wir uns einen Punkt vorstellen, als das Gute und das Schlechte noch eins war, als eine nicht verifizierbare Dynamik. Bis eine Erkenntnis kommt, durch die der Punkt sich teilt: In die Betrachtung, ein A sei etwas besser als ein B. Nennen wir die Teilung des Nichtverifizierbaren einen Zeitpunkt, begann dort eine Zeit, die fiktiven Punkte A und B immer weiter auseinander zu treiben. Und zwar das A in Richtung einer Bewusstheit über Dynamik, und das B in Richtung des ABSOLUT Schlechten, einer Feindseligkeit, die Existenz nicht mehr möglich macht: Das Böse.

    Damit hätten wir nun den dritten Glaubens-Kameraden an Bord.
    Neues Fazit
    Religion ist unbestimmt,
    Wissen ist unbestimmt, und
    das Böse als die maximale Entwicklung des Schlechten ist unbestimmt.
    Hier greift nun unsere Spezial-Thematik, die Enttraumatisierung in die Speichen der Bewusstwerdung, und fragt höflich, ob sie eine objektive Analyse von Leben, Schöpfung und Gott ermöglichen KÖNNTE.

    Dazu wieder kurz
    Religion geht den Erkenntnisweg zum Bösen zurück. Das mittels Enttraumatisierung, feindselige Informationen werden bewusst gemacht und entschärft. Das unter anderem mittels des feindseligen Geschehens auf diesem wunderbaren Planeten.
    Das Schlechte als Schatten des Bösen.
    Dazu ein Gedanke vor ein paar Tagen:
    Wo ein starker Schatten ist, muss auch ein starkes Licht sein. Der Schatten beschreibt aber weniger das Licht, als die Qualität des Problems, das ihn verursacht.

    So, liebe Martina, ich hoffe, ich konnte Dir klarer machen, warum es das Böse weder auf der Welt noch im Menschen geben kann. Ich bezweifle gar, dass Mensch so konfiguriert ist, das Böse ertragen zu können. Auch das war ein Gedanke vor ein paar Wochen:
    DASS IST NICHT UNSER PROBLEM.

    Erinnere noch mal kurz an das Bild der auf dem Kopf stehenden Pyramide. Die Spitze das Böse, als Fundament Bewusstsein.
    Wenn die Tragfähigkeit des Fundaments auf der fundamentalen Ebene (Bühne) durch die Dynamik des Guten und Schlechten vergrößert wird, sind beide Kräfte gleichwertig.

    Allen einen guten Tag
    Wolfgang

  6. Mathias
    Mai 13, 2014 um 6:24 pm

    Mir ging noch ein Gedanke durch den Kopf, das Gute und das Schlechte mit der hier unterbreiteten These in Verbindung zu bringen, dass es einen „Freien Willen“ gar nicht gäbe.

    Das würde bedeuten, dass jede Einzelverkörperung – egal ob sie gerade das Gute oder das Schlechte zu repräsentieren scheint, eher im Sinne einer „zugewiesenen“ Rolle handelt. Oder – wie Wolfgang mal beschrieb: Mensch stellt etwas dar, was nicht heißt, das er es IST.

    Was den „Freien Willen“ anbetrifft, habe ich folgenden Eindruck (wenn ich auf das persönlich Erfahrene zurückblicke): Beim „freien Willen“ handelt es sich um eine kollektive Konditionierung, die nur im Zusammenspiel mit der eigenen Traumatisierung, in die verbreitete Vorstellung mündet, das dieser „freie Wille“ der Wirklichkeit entsprechen würde.

    Diese Sicht kann (meiner Meinung nach) aber nicht der Wirklichkeit entsprechen, denn, wie wir hier schon mehrfach beschrieben, bedeutet das biografisch und kollektive Traumatisch-Unbewusste eine unbedingte Bestimmung, die einer systematischen Offenbarung unterliegt.

    Mit anderen Worten, das was wirklich notwendig ist (eine dem Leben innewohnende Absicht), wird über das Traumatisch-Unbewusste transportiert – und NUR außerhalb dessen, im Bereich des Möglichen, hat die Einzelverkörperung einen „bedingt-freien Willen“.

    Aber selbst nach erfolgter Enttraumatisierung gibt es keinen freien Willen, da das was wir unternehmen, unser Handeln aus einem Gefühl heraus entsteht (bzw. auch anders herum, das Gefühl unser Handeln begleitet und „bestätigt“) – und dieses Gefühl kann niemand herbeizaubern – sondern, unser Gefühl und unser Fühlen ist Ausdruck eines Lebensfeldes (Mitschwingen im morphogenetischen Feld).

    Gruß,
    Mathias

    • federleichtes
      Mai 14, 2014 um 1:47 am

      Das Dogma des Freien Willens ist sehr pragmatisch. Wären sich die Menschen ihrer traumatisierten Informationsproblematik bewusst, wären sie gelähmt, starr vor Schreck oder ohnmächtig vor Wut.

      Ich freue mich über jeden Deiner Kommentare, lieber Mathias. Erinnerst Du Dich an die Zeiten – vor Äonen – als Du noch fragtest. Gerade schrieb ich, dass das Verständnis vom Wesen des Traumas der Schlüssel zum Gesamt-Verständnis des Lebens ist – war’s jedenfalls für mich, im Innen wie im Außen.

      „Aber selbst nach erfolgter Enttraumatisierung gibt es keinen freien Willen, da das, was wir unternehmen, unser Handeln aus einem Gefühl heraus entsteht …“

      Stimmt. Gefühl regelt uns ja bereits, wenn wir noch traumatisiert sind. Wer fühlt wird verstehen, dass sein Gefühl für ihn sein Handeln entscheidet. Zu liebevoller Handlung gibt es keine Alternative – außer das Bewusstsein hebt warnend den Finger. Und denke ich an unsere (so wichtige) Unterscheidung von Gefühl und Emotion, wird klarer, dass Emotion sehr wohl und nicht wenige Alternativen für Handlungen kennt – und sie durch das Ego-Ich kakulierend/manipulierend einsetzt. Aus der fehlenden Differenzierung und der Verbindung von Sex (Körper = Lust) und Liebe wird klar, dass auch hier Geheimniskrämerei am (schöpferischen) Werke war.

      Wir sprachen bereits locker/unverbindlich über die Absicht, die Leben innewohnt. Ein Wille vollzieht sich. Und wer diesen Willen erkannt hat, wird auch das fühlen, was dahinter steckt. Dann ist der Gift-Drops gelutscht:

      Der Liebe gehört die Welt – die Welt hört auf die Liebe.

      Dir einen guten Tag wünscht

      Dein
      Wolfgang

      • Mathias
        Mai 14, 2014 um 9:31 pm

        Ja, über Deinen „Gift-Drops“ durfte ich schon `mal lachen – der schmeckt gar nicht mehr so giftig 😉 … dank unserer gemeinsamen Arbeit hier.

        Was das Verstehen des Wesens des Traumas anbetrifft, so folgte ich Deiner hier gelegten Lunte, in dem Du immer wieder über die Feindseligkeit geschrieben hattest. Durch Deine Lunte war mir dann eine andere Reflektion über die eigenen traumatischen Erfahrungen möglich. Und ich möchte Deine Aussage bezüglich dem Verstehen von Innen / Außen auch so unterschreiben: Wie ich feststellte ging bei mir die innere Arbeit dem äußeren Verstehen voraus.

        „Das Dogma des Freien Willens ist sehr pragmatisch. Wären sich die Menschen ihrer traumatisierten Informationsproblematik bewusst, wären sie gelähmt, starr vor Schreck oder ohnmächtig vor Wut.“

        Stimmt – das ist die eine Seite. Ein weiterer Grund scheint mir die Bedienung des EGO-Ich`s und die Befeuerung des Wollens desselben. Also wirklich im Sinne von Befeuerung – eine Konditionierung, durch die sich das EGO-Ich in immer neuen Informationen verwickeln kann, um durch (emotionales) Wollen weiter das Gefühl zu übersehen. Ich vermute mal, das Burn-Out und Depressionen Symptome sind, die dieses emotionale eigene Wollen ausbremsen, damit sich das Gefühl wieder Gehör verschaffen kann. Wobei dieser Impuls für das Ausbremsen wohl aus der Verbindung Wesen – morphogenetisches Feld entsteht. Das bedeutet, dass diese Re-Aktivierung dieser Verbindung, ganz natürlich aus diesem Feld heraus gesteuert wird.

        Vielen Dank! Und herzliche Grüße an Dich,
        Dein Mathias

        • federleichtes
          Mai 14, 2014 um 11:18 pm

          „Stimmt – das ist die eine Seite. Ein weiterer Grund scheint mir die Bedienung des EGO-Ich`s und die Befeuerung des Wollens desselben.“

          Du bist mir auch so ein „Luntenleger“.
          Fragten wir uns bereits konkreter nach der Bedeutung des Ich-Aspektes? Oder wurde die Problematik nicht eher verdrängt oder verteufelt?
          „Ich – Selbst – Wir“, hat zu diesen Begrifflichkeiten schon mal Jemand klare Worte gesprochen; ich meine solche, die man auch verstehen kann?

          Ich mache es hier mal kurz.
          Wie entsteht überhaupt Feindseligkeit, wenn nicht durch die VERSCHIEDENHEIT. Und wie kann sich nur Verschiedenheit entwickeln und darstellen, wenn nicht anders als durch Individualität.
          Individualität ist also die Grundbedingung für das DARSTELLEN von Feindseligkeit.

          Dass aus der Feindseligkeit
          – Enttraumatisierung und damit
          – Entwirrung und Ent-Ängstigung und damit
          – Ent-Emotionalisierung und damit
          – und NUR damit die Gefühlsebene mobilisiert werden kann, bemerken die penetrantistischen (nur für Dich dat Wort) Nörgler, parasitären Nutznießer und unterbelichteten Oberschlaumeier ja Gott sei dank nicht.

          Burnout und Depression sind mir Signal. Der Glaube des Wohl-Bürgertums an ihre (doch sehr spezielle) Moral bröckelt, muss sich auflösen, weil der Karren eben mittels dieser (eher obskuren) Idealistik immer tiefer in den Dreck fährt. Und wären die Betroffenen sich bewusst, dass ihre eigene Feindseligkeit sie getroffen hat, tscha, dann wäre auch schnell der systemischen Giftmischerei ein Ende bereitet.

          Susanne gehört die Welt, Dir gehört die Welt, und mir auch – GANZ. Dafür braucht es keine drei Welten, gell.

          Hast Du Lust, „Ich – Selbst – Wir“ zu thematisieren? Ich schreibe Dir nachher mal ein Paar Gedanken dazu.

          Und was ich zu der Anmerkung von Gerhard bezüglich des Urheberrechtes dachte, schreibe ich gleich – passt so schön zur Ich-Feindseligkeit:
          Wer darauf pocht, für die Gesellschaft besondere Leistungen erbracht zu haben, sollte die ganze Scheiße (sehr real), die er ein Leben lang produzierte, ans Bein gebunden werden. Nur, um die Verhältnismässigkeit von „Leistungen“ bewusster zu machen. Wahrscheinlich gäbe es auf dem Patentamt dann kein Gedränge mehr.

          Danke für Deine Hinweise – stets TOP!

          Herzlich
          Dein
          Wolfgang

    • federleichtes
      Mai 16, 2014 um 2:37 am

      ‚Beim „freien Willen“ handelt es sich um eine kollektive Konditionierung, die nur im Zusammenspiel mit der eigenen Traumatisierung, in die verbreitete Vorstellung mündet, das dieser „freie Wille“ der Wirklichkeit entsprechen würde.‘

      Der Freie Wille ist ja sehr plausibel – leicht gedacht, wenn man erst den rechten oder erst den linken Socken anziehen kann. Die Gedanken sind frei. Ha, hoho. Bedeutet in der Praxis (lediglich), dass dir für deine schlechten Gedanken keine Strafe droht. Dass Strafe bereits systemisch Unfreiheit bedingt, tscha – wie lange brauchte es, um das Prinzip der Herrschaft der Feindseligkeit zuordnen zu können.

      In unserer täglichen Handlungsgestaltung, klar, können wir jedes Liedchen pfeifen, und wenn uns ein Ohrwurm befiel, würde uns niemals in den Sinn kommen, wir pfiffen unfrei. Tausende Beispiele gibt es, wo unser Weg uns Freiheit suggeriert und das zweifelos vorhandene Schicksalhafte übertüncht. Lehrjahre sind keine Herrenjahre, fiel mir die Tage in den Sinn – mannoh: Ich muss lernen – Freier Wille? Ich muss mir in der Lehre in den Arsch treten lassen – Freier Wille? Die Leute mögen mich nur, wenn ich ihren Vor-Stellungen entspreche – Freier Wille?

      Das

      „… bedeutet das biografisch und kollektive Traumatisch-Unbewusste eine unbedingte Bestimmung, die einer systematischen Offenbarung unterliegt.“

      lieber Mathias, ist ein kerniger Kernsatz.
      Vielleicht darf ich sagen:
      Die Kultur schrieb sich fort hin in die Kali Yuga-Kultur, und das Familienblut schrieb sich fort als Sozial-Kultur: Zeitgeist, individuell erlebt, aber doch eingerahmt in eine Bestimmtheit, zumindest zwischen A und B wählen zu MÜSSEN: Scheiße mit Schlagsahne oder Schlagsahne mit Scheiße – mit den Wölfen heulen oder gefressen werden.

      Kommen gleich noch ein paar Sätze zu Deinem letzten Kommentar.

      Herzlich
      Wolfgang

      • Mai 17, 2014 um 12:19 am

        Zum Thema freier Wille möchte ich noch auf einen Artikel verweisen, der gut deutlich macht, wie der freie Wille der Menschen nach dem 2. Weltkrieg en weiteres Mal verbogen wurde, dieses Mal im Sinne der Sieger in Richtung einer demokratischen Ordnung, in der zunehmend Unordnung verursacht wurde, um die Menschen völlig zu verwirren und den Halt eines Volkes zu untergraben.

        Mal unabhängig davon, ob diese Gehirnwäsche für die Menschen in dem deutschen Gebiet gut oder schlecht war, allein dass und wie es gemacht wurde, zeigt deutlich, wie schwer es ein freier Wille in einem solchen Kontext hat:

        Umerziehung der Deutschen

        Darin ist zu lesen:

        Anweisungen 1945 für die Re-Education (Umerziehung) der Deutschen:

        What to do with Germany. 1945 Distributed by Special Service Division, Army Service Forces, U.S. ARMY. Not for sale!

        „Die Re-Education wird für alt und jung gleichermaßen erzwungen und darf sich nicht auf das Klassenzimmer beschränken. Die gewaltige überzeugende Kraft dramatischer Darstellung muß voll in ihren Dienst gestellt werden. Filme können hier ihre vollste Reife erreichen. Die größten Schriftsteller, Produzenten und Stars werden unter Anleitung der „Internationalen Universität“ die bodenlose Bosheit des Nazismus dramatisieren und dem gegenüber die Schönheit und Einfalt eines Deutschland loben, das sich nicht länger mit Schießen und Marschieren befaßt. Sie werden damit beauftragt, ein anziehendes Bild der Demokratie darzustellen, und der Rundfunk wird sowohl durch Unterhaltung, wie auch durch ungetarnte Vorträge in die Häuser selbst eindringen. Die Autoren, Dramatiker, Herausgeber und Verleger müssen sich der laufenden Prüfung durch die „Internationale Universität“ unterwerfen; denn sie sind alle Erzieher. Von Beginn an sollen alle nichtdemokratischen Veröffentlichungen unterbunden werden. Erst nachdem das deutsche Denken Gelegenheit hatte, in den neuen Idealen gestärkt zu werden, können auch gegenteilige Ansichten zugelassen werden, im Vertrauen darauf, daß das Virus keinen Boden mehr findet; dadurch wird größere Immunität für die Zukunft erreicht.

        Der Umerziehungs-Prozeß muß ganz Deutschland durchdringen und bedecken. Auch die Arbeiter sollen im Verlauf von Freizeiten vereinfachte Lehrstunden in Demokratie erhalten. Sommeraufenthalte und Volksbildungsmöglichkeiten müssen dabei Hilfestellung leisten.

        Viele deutsche Gefangene werden nach Kriegsende in Rußland bleiben, nicht freiwillig, sondern weil die Russen sie als Arbeiter brauchen. Das ist nicht nur vollkommen legal, sondern beugt auch der Gefahr vor, daß die zurückkehrenden Kriegsgefangenen zum Kern einer neuen nationalen Bewegung werden. Wenn wir selbst die deutschen Gefangenen nach dem Krieg nicht behalten wollen, sollten wir sie nichtsdestoweniger nach Rußland senden.

        Die „Internationale Universität“ ist am besten dazu geeignet, die Einzelheiten des deutschen Erziehungswesens, der Lehrpläne, der Schulen, der Auswahl der Lehrer und der Lehrbücher, kurz: alle pädagogischen Angelegenheiten zu regeln. Wir brauchen ein „High Command“ für die offensive Re-Education. Besonders begabte deutsche Schüler erhalten Gelegenheit zur Fortbildung an unseren Schulen; sie werden als Lehrer nach Deutschland zurückkehren und eine neue kulturelle Tradition, verbunden mit internationalem Bürgersinn, begründen.

        Die Professoren sollen nach Möglichkeit deutsche Liberale und Demokraten sein. Das Eindringen von „Fremden“ könnte aufreizend wirken und muß auf ein Minimum beschränkt werden; aber das darf nicht dazu führen, daß uns die Kontrolle verloren geht.

        Jedes nur denkbare Mittel geistiger Beeinflussung im Sinn demokratischer Kultur muß in den Dienst der Re-Education gestellt werden. Die Aufgaben der Kirchen, der Kinos, der Theater, des Rundfunks, der Presse und der Gewerkschaften sind dabei vorgezeichnet.

        Die Re-Education tritt an die Stelle des Wehrdienstes, und jeder Deutsche wird ihr zwangsläufig unterworfen, so wie früher der gesetzlichen Wehrpflicht.

        Uns ist die Aufgabe zugefallen, Frieden und Freiheit zu retten; jene Freiheit, die am Berge Sinai geboren, in Bethlehem in die Wiege gelegt, deren kränkliche Kindheit in Rom, deren frühe Jugend in England verbracht wurde, deren eiserner Schulmeister Frankreich war, die ihr junges Mannesalter in den Vereinigten Staaten erlebte und die, wenn wir unseren Teil dazu tun, bestimmt ist zu leben – all over the world!“

        Das Re-Education Programm wurde in begeisterter Zustimmung unterschrieben von:

        Truman, Wallace, Nelson, Wichell, Rickenbacker, Sigrid Undset, Rey Stout, Clifton Fadiman, den Senatoren Burton, Pepper, Capper, Joh. Scheel, Lowell Thomas, Gabriel Heatter, James W. Gerard, Lord Vansittart, Maurice Meaterlinck, Sommerset Maugham, Louis Bromfield, Dean Alfange, Famcie Hurst, Cecil Roberts, Henty Bernstein, Dr. Alvin Johnson, Dr. William Neilson, Gen. Marcel de Bear, Daniel A. Poling, Wallace Deuel, Paul Jordan-Smith, Burnet Hershey, Hugh Cowdin, Edgar Amsel Mowrer, Edwin H. Blanchard, J.H. Jackson, Dr. Melchior Polyi, H.R. Burke und vielen anderen Vertretern des „amerikanischen Geistes“.

        (Quelle: Nation und Europa, August 1958, Unabhängige Nachrichten, Postfach 1826, 55388 Bingen)

  7. Mai 14, 2014 um 11:41 am

    Lieber Wolfgang,

    ich lese sehr gern, was Du schreibst, bin mir aber nicht sicher, ob ich Dich auch verstehe.

    Dein Hauptthema scheinen Traumata zu sein und entsprechend die Heilung, die Enttraumatisierung.

    Ich habe vor einiger Zeit ein schon etwas älteres Buch gelesen mit dem Titel „Die eigene Welt des Kindes“, den Verfasser habe ich vergessen. Darin war die Rede davon, dass ein Baby bereits bei der Geburt traumatisiert wird aufgrund der kalt-unpersönlichen Abläufe im Krankenhaus: zu grelles Licht, zu viele neue Eindrücke, Messen und Wiegen etc. Das ist, glaube ich, in der Zwischenzeit in den Krankenhäusern aber schon viel besser geworden. Weitere Traumata erlebt ein Baby, wenn es zu früh abgestillt wird oder die Eltern abwürgend-korrigierend eingreifen, wenn es seine ersten Erfahrungen mit Tasten, Fühlen, Sachen-in-den-Mund-stecken macht, oder dann die ganzen Erziehungsgeschichten, bei denen ein Kind konditioniert wird, u.a. auch in der gut-schlecht-Wertung. Wenn Du von Trauma sprichst, meinst Du dann das?

    Ich sehe Traumata jedoch noch auf einer anderen Ebene, nämlich auf der kollektiven.
    Für mich haben die Religionen sehr viel mit Schuldkomplexen zu tun, wobei ich das Wort „Trauma“ anstelle von Schuldkomplex eigentlich die bessere Wortwahl finde.

    Ich habe mich mit der Bibel beschäftigt, aber mehr aus literaturwissenschaftlichen Gründen.
    Ich finde an den Religionen nicht viel Gutes. Sie gehören zu unserer menschlichen Vorgeschichte, insofern akzeptiere ich sie, aber sie können mir nichts darüber erzählen, wer ich bin, woher ich komme, und wonach ich mein Leben ausrichten kann.

    Ich bin zum Schluss gekommen, dass sowohl das AT wie das NT von einem kollektiven, bisher nicht aufgelösten Schuldkomplex, besser: Trauma erzählen. Meiner Ansicht nach geht das AT in Richtung Auflösung eines Traumas (Enttraumatisierung), während das NT von einer neuen Traumatisierung berichtet, die bis heute verheerende Folgen für unser kollektives Bewusstsein hat.

    Wenn Du von Traumata und Enttraumatisierung sprichst, welche der beiden Ebenen meinst Du da? Die erste mit dem Baby oder die zweite, die kollektive? Oder meinst Du beide?
    Oder ist die erste Ebene die äußere und die zweite die innere?

    • federleichtes
      Mai 14, 2014 um 6:55 pm

      Ich beobachte auf diesem Blog zwei Strömungen. Die Einen streben ins Außen, ins Diversifizieren, die Anderen ins Innen, ins Konkretisieren. Die Absicht, zu Konkretisieren, führte zu einer immer dezidierteren Betrachtung DES Trauma – als systemisch-notwendige Konfiguration von Mensch, Gesellschaft und Geist. Traumatisiert-Sein bedeutet dann (lediglich), dass Informationen als solche
      – nicht informieren, also als Daten verwaltet werden (Unbewusstsein):
      – falsch informieren. also Schein erzeugen (verwirrtes Bewusstsein);
      – durch darstellende Entwicklung in eine Offenbarungs-Dynamik gelangen (Unter-Bewusstsein)

      Das schöpferische Wesen des Trauma blieb – trotz aller Forschung/Wissenschaft – ein Geheimnis. Wird verständlich, wenn der Lauf der Zeitalter ins Kali Yuga führen musste, was ja bedeutet, ein Maximum an Feindseligkeit offenbar werden zu lassen. Dass das nicht funktioniert mit einer kontrolliert möglichen Entraumatiserung, wird klarer, wenn man einen Luftballon, der platzen soll, mittels feiner Nadelstiche zur Entleerung (Entladung) bringt.

      In das Konzept, den Luftballon aufzublasen, ordne ich auch die Religion ein. Betrachten wir Glauben als Mobilisierung der Feindseligkeit, und legen die Prämisse an, Feindseligkeit müsse gesteigert werden, wäre mir logisch, dass frühere Glauben weniger feindselig sind, als später entstandene; entspricht ja – nur anderes ermittelt – auch Deiner Recherche.

      Da Dich das Thema Trauma interessiert, möchte ich Dir als PDF gerne ein Buch schicken. Sei so nett, und schreibe mir über unsere Homepage.

      Ich lese Deine Kommentare auch gerne. Sie passen in eine Runde, in der Herzlichkeit gelebt werden kann.

      Gruß
      Wolfgang

      Am Rande
      Verschiedenste Techniken zur Entraumatisierung sind bereits bekannt – allerdings so einfach, dass sie als verrückt gelten. Und das ist (ja) gut so.

  8. Mathias
    Mai 15, 2014 um 10:12 pm

    Über die Bedeutung des Ich-Aspektes hatte ich noch nicht weiter nachgedacht – danke dass Du das anschiebst.

    Aber es liegt auf der Hand das in einer Welt, in der auf einer Ebene der Betrachtung, die Einheit ist, der Reichtum dieser Einheit die Verschiedenheit / Vielfalt ist. Jedenfalls sehe ich es so, und würde es unbedingt als Reichtum bezeichnen wollen – rein subjektiv, wenn ich mein Leben und Erlebtes betrachte.

    Der Ich-Aspekt ist also einerseits zentraler Baustein um die Verschiedenheit in ihrem Reichtum(!) überhaupt abbilden zu können (wie sonst soll das möglich sein – und um wie viel armseliger wären unsere Möglichkeiten der Erfahrung für UNS ALLE!), während der Ich-Aspekt im selben Augenblick auch die Möglichkeit bietet, die Feindseligkeit darstellen zu können. Beides ist möglich, wobei bei der Wahl der Möglichkeit, wieder das Trauma eine Rolle spielt. Konkret bedeutet es, dass mit zunehmender Enttraumatisierung das Ich sich immer mehr und immer besser auf die Begegnung mit der Verschiedenheit (in einer größeren Bandbreite) einlassen kann, OHNE seinen Ich-Aspekt, seine eigene Verschiedenheit, künstlich oder manipulierend nähren zu wollen oder zu müssen.

    Das mal ein paar erste Gedanken zu Deiner vorgeschlagenen Thematik. Du kannst mir ja mal Deine Gedanken dazu schicken – oder wir machen hier weiter. Jedenfalls hätte ich schon Lust das wir das mal weiter beleuchten. Über den Wir-Aspekt hatte ich hier ja noch nichts weiter geschrieben. Aber einen Verdacht habe ich, das die „Alles ist Eins“ These – so vollkommen richtig sie ist, sehr leicht und analog zur Französischen Revolution „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“ (nur als Beispiel) benutzt werden kann, um in grausamster Weise jedes nicht einer Norm entsprechende Ich, ein Korsett zu verpassen: Der Andere muss um jeden Preis angepasst werden, weil man übersieht, das der beste Weg darin bestünde, sich dem Innen zu widmen, anstatt eine Projektionsfläche im Außen zu bedienen.

    Wie Du schreibst …

    > Dass aus der Feindseligkeit
    – Enttraumatisierung und damit
    – Entwirrung und Ent-Ängstigung und damit
    – Ent-Emotionalisierung und damit
    – und NUR damit die Gefühlsebene mobilisiert werden kann …“ <

    …, so gehen wir sicher beide davon aus, das ein Mensch der auf der Gefühlsebene mobilisiert ist, gleichermaßen den Ich-Aspekt und den Wir-Aspekt anerkennen wird – ganz einfach weil er so fühlen wird.

    Herzlichen Dank an Dich noch einmal, und liebe Grüße,

    Dein Mathias

  9. Mai 15, 2014 um 10:47 pm

    Lieber Mathias,

    Du bist der lebende “Beweis“, dass Bewusstsein eine Sache ist, aber Bewusstwerdung ganz andere Dinge zu bewegen vermag. Du malst mit Worten den wahren Fortschritt auf die weißen Leinwände der Realität …

    Vielen Dank und liebe Grüße
    Guido

    • federleichtes
      Mai 16, 2014 um 3:11 am

      Du weißt, was ich fühle, und ich weiß, was Du fühlst – ist das nicht wunderbar.

      Heute kam das erste Kind der Dompfaffen – peilte erst mal die Lage, was hier auf dem Balkon so abgeht.

      Passiert drei Mal im Jahr – ich bin ALLE.

      Gruß
      Wolfgang

  10. Mathias
    Mai 16, 2014 um 10:50 am

    Noch kurz zum Ich-Aspekt: Mensch stellt in seiner eigenen Verschiedenheit sowohl den Reichtum dar, als auch, über das Traumatisch-Unbewusste, die Feindseligkeit.

    Das würde bedeuten, dass der konkrete „Inhalt“ seines Traumatisch-Unbewussten (die spezifischen Daten) genau jener Bereich ist, in dem er zunächst die Feindseligkeit darstellt – was aber umgekehrt genau so bedeutet, das er in diesem selben Bereich, den Reichtum der Verschiedenheit zunächst gar nicht annehmen kann (denn er reagiert ja feindselig re-aktiv darauf).

    Mit anderen Worten – und das stelle ich mal als Frage in den Raum, ist das Trauma auf einer Ebene der Betrachtung denn nichts anderes, als dem Menschen einen ganz konkreten Ausschnitt (Verwehrung der Wahrnehmung des Reichtums + Aufbürdung von Feindseligkeit) mit auf den Weg zu geben?

    Und da wir hier unermüdlich über Trauma und Feindseligkeit geschrieben hatten, wissen wir ja, das Enttraumatisierung der einzige Weg ist, über die Auflösung einer ihm aufgebürdeten Feindseligkeit, schrittweise eine immer umfassender werdende Wahrnehmung des Reichtums der Verschiedenheit zu erlangen.

    Das mal noch als kurze Ergänzung.

    Herzlichen Dank Euch beiden – Ihr seid mir wertvolle und liebe Begleiter auf einem gemeinsamen Weg.

    Gruß, Mathias

    • federleichtes
      Mai 16, 2014 um 1:29 pm

      Die Bilder des Wahns konkretisieren Feindseligkeit. Zu der Frage, OB es Feindseligkeit gibt, braucht es vielleicht die genauere Betrachtung darüber, WAS Feindseligkeit ist, worin sie besteht. Um dann die ziemlich grundsätzliche Fragen stellen zu können nach der Ursache, also welche Umstände Feindseligkeit bedingen konnten. Wer das Feld schon mal bestellen möchte – das Leben liefert uns zur Thematik im Ideellen wie im Pragmatischen eine reichhaltige Bildersprache.

      Wer die Bildersprache analysiert, kommt an den Punkt, wo sich eine grundsätzliche Verschiedenheit heraus kristallisiert: Das Gemeinschafts-Wesen und das Ich-Wesen. Während das Gemeinschaftswesen nur eine Primär-Rolle, die des bedingungslosen Miteinanders, kennt, kann das Ich-Wesen verschiedene Rollen spielen. Während das Gemeinschafts-Wesen energetisch (pulsierende Energie) unbedürftig ist, ist das Ich-Geistwesen generell bedürftig, weil es für seine Existenz Energie braucht; es muss seine Existenz stets neu schöpfen.

      So erleben wir also nicht einfach Rollenspiele aus Freude am Spiel, sondern verbunden mit der Absicht, an Energie zu kommen. Konkret (hab’gerade wenig Zeit) erleben wir Ich-Wesen, die soziales Verhalten imitieren, um sich in das Wesen einer Gemeinschaft einzuschleichen und Aufmerksamkeit zu erregen. Würde es dabei bleiben, hätten alle Beteiligten, Akteure und Zuschauer, Freude. Aber es bleibt eben nicht bei diesem Reichtum/dieser Bereicherung, wenn das Erregen von Aufmerksamkeit manisch wird – und dazu führt, dass nicht nur der Beifall des Publikums, sondern darüber hinaus dessen Substanz (pulsierende Energie) angezapft wird.

      DAS IST DAS WESEN VON FEINDSELIGKEIT.

      Am Abend mehr.

      Lieber Mathias,

      Leben bietet uns an zu lernen, unsere Verschiedenheiten zu schätzen und dabei unsere Integrität zu bewahren. Das ist das Wesen einer Liebe, die sich auf den Weg machte, neu zu entstehen.

      Am Rande
      Herzlich-runde Grüße an den „Fingerphilosophen“.

      Euer
      Wolfgang

  11. Mai 16, 2014 um 6:30 pm

    Lieber Wolfgang,

    Deine herzlich-runden Grüße nehme ich als Anlass, hier in dieser Diskussion auch meinen Kommentar abzugeben.

    Mathias bringt in die Diskussion ein, dass Einheit auch gleichzeitig Vielheit ist, dass in der Vielheit die Wesen sich gegeneinander abgrenzen. Vielheit hat die Unterschiede als Basis im Gegensatz zur Einheit, die das Gemeinsame als Basis hat.

    Womöglich sind die Abgrenzer und Unterschiede-Macher auch bloß wir selber, weil wir ja von klein auf lernen, die Dinge in Kategorien einzusortieren, also Bezeichnungen für Gruppen von Dingen finden. Wo hört ein Stuhl auf, ein Stuhl zu sein und beginnt, eine Bank zu werden? Wo hört Wolfgang auf, Wolfgang zu sein, und wo fängt Mathias an? Eure gemeinsam entwickelten Gedanken, ist das mehr Wolfgang oder mehr Mathias?

    Man kann die Welt auch so betrachten, dass sie ein im Fluss befindliches Kontinuum ist, lauter Wellenmuster, die unser Verstand pixelt und Teilchen daraus macht, um eben seine Kategorien bilden zu können. Das ICH ist auch so eine Teilchen-Illusion. Tatsächlich gibt es das ICH gar nicht. Wenn ich heute in den Spiegel schaue, ist kein einziges Atom mehr dasselbe wie vor sieben Jahren, denn innerhalb von sieben Jahren tauscht der Körper seine materiellen Bestandteile gegen neue aus der Umgebung/Nahrung einmal aus. Es gibt also nichts Festes, alles ist ständig im Fluss. Mit dem Geist ist es ebenso. Mein Geist ist auch nicht mehr derselbe, der er vor sieben Jahren war. Ständig nehmen wir Einflüsse auf, auch zwangsweise (Konditionierung), lassen sie uns gären und brodeln, und ständig geben wir Gedanken ab, die wiederum andere beeinflussen. Jetzt zum Beispiel.

    Ich finde, diese zweigeteilte Wahrnehmung, die Welt einmal als Kontinuum/Einheit und einmal als Verschiedenheit/Vielheit wahrzunehmen, hat nichts mit Feindseligkeit zu tun.
    Eine Abgrenzung, um einen Unterschied deutlich zu machen, ist in meinen Augen noch keine Feindseligkeit. Für mich bedeutet diese Abgrenzung, die es in der Vielheit gibt, ein Aspekt der Liebe. Denn nur so, durch diese Abgrenzungen können wir mit anderen Wesen in Ich-und-Du-Beziehungen eintreten. In dem Augenblick, in dem wir Individualität ausbilden, sind lebendige Ich-und-Du-Beziehungen das Komplementär zur Erfahrung von Einheit.

    Polarität ist nicht identisch mit Feindseligkeit. Meiner Ansicht nach hat sich Heraklit hierin geirrt, wenn er in Bezug auf die Polaritäten in der Welt sagt „Krieg ist der Vater aller Dinge“.
    Sondern es geht darum, dass ein ICH und ein DU gemeinsam ausloten, wieviel Nähe und wieviel Distanz sie miteinander wagen. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern für alle Manifestationen des Seins, die unsere Ratio als Getrenntes wahrnimmt. Es ist ein Tanz. Der Tanz des Lebens. Liebe bedeutet auch, Raum zu geben, den Anderen als von mir getrenntes Individuum zu respektieren.

    Wenn wir Menschen diesen Tanz missverstehen und uns aus Angst voreinander gleich die Köpfe einschlagen, das ist dann die Folge eines Traumas oder mehrerer teils individueller, teils kollektiver Traumata.

    • federleichtes
      Mai 17, 2014 um 2:04 am

      „Wo hört Wolfgang auf, Wolfgang zu sein, und wo fängt Mathias an? Eure gemeinsam entwickelten Gedanken, ist das mehr Wolfgang oder mehr Mathias?“

      Daran „hakte“ ich gerade, als der Kommentar von Mathias kam. Weil ich ihm eigentlich nicht so direkt schreiben wollte, dass ich ihn bewundere. In dem Moment klingelte das Telefon. Und mein Herz machte ein Hopsassa.

      Lieber Marian,

      In unserem gemeinsamen Wirken gibt es keine Namen. In unserer Runde gibt es keine Punkte, die mehr oder weniger hell leuchten. In einer Gemeinschaft, in der die Liebe zum Leben waltet, unterschreibt Einer für Alle und Alle für Einen. Nicht nur auch, sondern gerade wenn sie mal einen schlechten Tag haben.

      Du schreibst einleitend etwas sehr Schönes:

      „Mathias bringt in die Diskussion ein, dass Einheit auch gleichzeitig Vielheit ist, ….“

      Ja, Diskussion. Bedingung für produktiv-konstruktive Gespräche ist, dass die Teilnehmer eine INDIVIDUELL-EIGENE Meinung und möglichst sehr unterschiedliche Erfahrungen sammeln konnten. Es ist so wie die Runde, die um einen Elefanten herum steht und ihn beschreibt. Die individuellen Beschreibungen fließen zusammen zu einem Bild und ALLE wissen dann, was ein Elefant ist. Und wer hat ihn beschrieben und wer konnte ihn besser beschreiben, als die Namenlosen, die im Sinne EINER Absicht handeln: Zu wissen, was ein Elefant ist.

      In der Beschreibung des Elefanten entdecke ich bislang nichts Zweigeteiltes. Leben agiert zwar unter zwei Aspekten, aber nicht getrennt – so wie in der Natur die Elemente nicht getrennt auftreten können. Wir waren heute unterwegs, in DER Natur. Dort bemerkte ich nichts wirklich Getrenntes, auch wenn oben der Mäusebussard und unten der Variable Weichkäfer flog. War die Biene wirklich von der Futterwicke getrennt, nur weil sie noch eine Sekunde brauchte, um dort zu landen. Für mich agiert das Leben also dichotom, aber mit EINER eindeutig unzweifelhaften Absicht.

      Das mir zentrale Trauma ist das Geist-Trauma. Zentral, weil es heilig ist, zentral, weil es nur „geknackt“ werden kann, wenn vorher die beiden anderen traumatischen Ebenen informativ und energetisch geklärt sind. Erst dann, wenn Angst und Verwirrung so weit reduziert sind, dass ein klarer Blick auf die Schöpfung möglich wird, wird deutlicher, was die Stimme meint, die sprach:
      „Wer mich sucht, wird mich finden“. Vorher aber findet man allerdings den biblischen“Gotte“, der seine Kinder verfluchte. Wat’n Elend für einen Schöpfer.

      Wer suchte, fand erst mal die irdische Stellvertretetkirche. Die nicht nur drohend auf die Hölle zeigte und den Nicht-Willfährigen mit ewigen Qualen drohte, sondern die auf der kollektiven und individuellen Ebene bereits vor-traumatisierten (armen) Menschen mit ihren Dogmen in die Lüge und die Perversion trieb – im Namen eines Lieben Gottes. Dass die Menschen dieses Übermaß an Feindseligkeit ertragen haben und immer noch ertragen, bezeichne ich als eine der großartigsten Leistungen des Lebens.

      Die Kehrseite dieses Geist-Wahns zeigt sich zum Beispiele in den Weibern (verschenke gerne das Buch „Vom Schwachsinn des Weibes“), die immer noch in die Männer-Kirchen rennen und beten und büßen und singen.
      Es ist der Schwachsinn.
      Der entstehen konnte, weil man seine „Liebe“ an einen Geist verscherbelte – weil man sich erpressen ließ. Das ist Liebe? Pfui Teufel! Liebe lässt sich nicht erpressen, und was erpresst wurde und wird, ist keine Liebe. So ähnlich sprach ich am Abend zu einer Heilerin, die sich manipulieren ließ, weil sie ihre Enkelkinder liebt. Leider konnte ich ihr, weil sie sehr viel spricht, noch nicht den Unterschied zwischen Emotion und Gefühl erklären.

      Früher erzählte ich mit wachsender Begeisterung Witze. Heute lache ich – nicht alleine – über das absurde Theater, das ein zwar weiser Geist inszenierte, das aber nur von schwachsinnigen Darstellern zur Schau gestellt und von einem adäquaten Publikum bestaunt, beklatscht oder beschimpft werden kann – das sich natürlich auch gegenseitig mit wechselnder Emotionalität unterhält.
      Natürlich, wenn ich sage, die Menschen seien in ihrem Bewusstsein beschränkt (worden), um dieses absurde Theater spielen und ertragen zu können, fühle ich die feindseligen Blicke derer, die sich – nicht gerade aus freundlichen Gründen – mit der Krone der Schöpfung zu schmücken wissen. Bravo! Das setzt der Absurdität die Krone auf.

      Am Rande
      Natürlich verwende ich das Wort ‚Natürlich‘ nicht zufällig so oft. Sondern um immer wieder daran zu erinnern, dass Wahn und Schwachsinn für das Leben ebenso ganz natürlich sind, wie das dem Normalen Entrückte.

      Dir und allen anderen Einen einen erfreulichen Samstag.

      Wolfgang

  12. Mathias
    Mai 16, 2014 um 9:44 pm

    @ Fingerphilosoph

    Vielen Dank für Deinen Einstieg. Ich muss da einiges von dem was Du schreibst noch einmal etwas sacken lassen – jedenfalls bringst Du viel frischen Wind hinein, und das ist gut so!

    Dein Schlusssatz brachte im Prinzip auf den Punkt, warum wir hier oft das Trauma in den Mittelpunkt stellten: Eben weil es in unserer Gesellschaft ein weit-verbreiteter Mechanismus ist, über den wir „den Tanz [der Unterschiedlichkeit] missverstehen“.

    Einheit ist mir eigentlich nur ein abstrakter Begriff, der eine gemeinsame Quelle beschreiben soll. Erfahren kann ich die Einheit nicht. Insofern gilt mir eher, dass ich immer nur die Verschiedenheit / Vielfalt wahrnehmen kann und zwar als Ich (im Sinne von Ich nehme wahr, Ich bin, und ich begegne dem Du und dem Wir).

    Deswegen noch eine Erklärung zu:

    > Ich finde, diese zweigeteilte Wahrnehmung, die Welt einmal als Kontinuum/Einheit und einmal als Verschiedenheit/Vielheit wahrzunehmen, hat nichts mit Feindseligkeit zu tun. <

    Es ist für mich jedenfalls keine zweigeteilte Wahrnehmung, sondern wie oben beschrieben, kenne ich nur die aus einer Ich-Perspektive. Und ich möchte Dir unbedingt zustimmen, dass die Wahrnehmung der Verschiedenheit / Vielheit (und das „Ich bin – Wir sind“) erst einmal gar nichts mit Feindseligkeit zu tun hat. Genau das ist ja eigentlich der Kern unserer Betrachtung hier.

    Erst biografisches und kollektives Trauma sorgt für die Inszenierung bzw. Darstellung von Feindseligkeit. Unter kollektivem Trauma kannst Du Dir sicher verschiedene Ereignisse in der menschlichen Geschichte vorstellen. Es ist keineswegs so, dass selbst wenn die Kriege (z.B.) zurückliegen, das das entstandene Trauma aufgelöst wäre. Im Prinzip ist das kollektive Trauma eine einzige rote Schnur die (über das kollektive Unbewusste) die gesamte menschliche Geschichte durchzieht, und zwar völlig unabhängig davon ob wir uns „mehr kriegerische Zeiten“, oder Zeiten die wir als „Frieden“ bezeichnen, herausgreifen.

    Das mal fürs erste als „Zwischenruf“ von mir.
    Herzlichen Dank an Dich und liebe Grüße,
    Mathias

    • Mai 17, 2014 um 12:48 am

      Ich kann bestätigen, dass durch die Kriegserlebnisse meiner Eltern ihr erzieherischesn Handeln beeinflusst wurde und unterschwellig die Traumata von ihnen auch auf mich in Teilen übertragen wurden. Ja, der Faden wird weitergesponnen.

    • Mai 17, 2014 um 12:52 am

      Ich möchte im Kontext von ICH und WIR gerne noch auf einen alten Artikel, die die neuen auf dem Blog vermutlich noch nicht kennen, hinweisen. Es geht um die Lebensphilosophie Ubuntu aus Afrika:

      Ich bin weil wir sind! Ego versus Gemeinschaft

      • Mathias
        Mai 17, 2014 um 11:58 am

        Danke, lieber Martin. Eine schöne Geschichte. Und mir ein Hinweis, das neben unserem unermüdlichen Schreiben über das Traumatisch-Unbewusste (das den Weg in die Trennung festschrieb), es eben auch noch etwas anderes in unserem Unbewussten gibt. Solche Geschichten erinnern uns an etwas verloren gegangenes, was wieder im Entstehen begriffen ist …

        Gruß, Mathias

    • Mai 17, 2014 um 9:09 am

      Lieber Mathias, lieber Wolfgang,

      irgendwie finde ich das jetzt total cool. Wenn ich eure Kommentare lese, stellt es sich mir nämlich so dar, dass Wolfgang „Einheit“ erfahren haben muss. Er denkt und argumentiert aus einer Einheitserfahrung heraus, anders kann ich das nicht lesen. „In unserem gemeinsamen Wirken gibt es keine Namen“, ist bei Wolfgang meiner Ansicht nach nicht nur so daher gesagt, sondern entspricht einer tiefen Lebenserfahrung. Das IST Wolfgang.
      Stimmt das so, Wolfgang?

      Wenn Du, Mathias, nun sagst, dass „Einheit“ Dir nur ein abstrakter Begriff ist, der die Quelle bezeichnet, und dass Du nur die Vielheit/Verschiedenheit erfahren kannst, bist Du mit Deiner Meinung das Komplementär zu Wolfgang.

      Dazu fällt mir ein Zen-Spruch ein: „Der weiße Hase steigt vom Himmel“. Irgendein Philosoph, dessen Name mir jetzt gerade nicht einfällt, hat mal gesagt: „Wir stehen mit dem Rücken zu Gott (nicht im biblischen Sinn, sondern im Sinne von „Einheit ohne Gegensätze“), haben den Blick aber auf die Vielheit/Verschiedenheit gerichtet. Indem wir zu Gott hingezogen werden, entfaltet sich vor unseren Augen die Größe Gottes.“ Oder so ähnlich. War es vielleicht Walter Benjamin, der das gesagt hat?

      Meiner Ansicht nach gilt beides. Meinem Erleben nach gibt es die Erfahrung von Einheit tatsächlich, ganz konkret, erfahr- und erlebbar. Das zertrümmert einem dann sämtliche Kategorien und Begrifflichkeiten. Wenn man dabei nicht verrückt wird, was leicht passieren kann, erfährt man Identität. Mit sich, mit seinem Körper, mit seinem Atemzug. Der Unterschied zwischen dem Wahrnehmenden und dem Wahrgenommenen verschwindet.
      Dann gibt es kein ICH mehr. Bloß fällt man ziemlich schnell wieder raus, und die Welt wird wieder, wie man sie „erlernt“ hat. Und dann beginnt man drüber nachzudenken, was man grad erlebt hat und macht im Nachdenken eine Konservendose draus.

      Ich habe daraus den Schluss gezogen, dass Welterfahrung ein Vexierbild ist, so wie das, bei der man mal eine junge hübsche Pariserin und einmal das Gesicht einer alten Frau sieht, je nachdem. Wolfgang sieht das Meer, während Mathias die Wellen sieht. Zwischen Wellen und Meer besteht auf eine Weise Identität, auf eine andere Weise aber Verschiedenheit, weil jede Welle einzigartig ist und keine der anderen gleicht.

      So stellt sich die Frage: Kommen wir aus der Einheit und gehen in die Vielheit hinein? Oder kommen wir aus der Vielheit/Verschiedenheit und gehen in die Einheit hinein?

      Ich glaube, die meisten Leute beantworten die Frage, dass wir alle gemeinsam auf dem Weg in die Einheit sind. Und dass wir als Menschheit künftig nur eine Chance haben, wenn wir das akzeptieren. Das Christentum versucht uns das auch einzutrichtern.

      Der weiße Hase ist jedoch einer, der aus der Einheit (Himmel) kommt und in die Vielheit hineingeht (Erde). Da geht es darum, dass wir nach besten Kräften unsere Individualität leben und jeder von uns eine einzigartige Welle wird. Und nur dann, wenn jeder eine einzigartige Welle wird, lässt sich was von der Tiefe, dem Geheimnis und der Schönheit des Meeres erahnen. Denn das Meer offenbart sich als Wellen.

      Ich glaube also, dass Einheit nur entstehen bzw. sichtbar werden kann, wenn jeder von uns seine Individualität (also Verschiedenheit) entwickelt. Ich glaube, dass unsere Gesellschaft im Moment das größere Problem damit hat, Individualität zuzulassen und zu fördern. Individuum ist schon fast zu einem Schimpfwort verkommen. Werden die Unterschiede aufgelöst, entsteht daraus aber bloß Gleichmacherei, die statistische Durchschnittsgröße, aber nicht Einheit.

      Herzliche Grüße

      Marian

      • Mathias
        Mai 17, 2014 um 11:44 am

        Sehr schön beschrieben, lieber Marian – ich freute mich darüber, weil Du irgendwie treffend das Verbindende ausdrücken konntest. Die Darstellung mit Welle und Meer gefiel mir – Ausdruck für Ich-Aspekt und Wir-Aspekt.

        Deinem Schluss-Absatz möchte ich auch „nur“ einen Punkt hintenansetzen. Punkt – besser kann man es nicht sagen.

        Herzlichen Dank und liebe Grüße,
        Mathias

      • federleichtes
        Mai 17, 2014 um 12:23 pm

        Der von Mathias gefühlte frische Wind ist jedenfalls kein laues Lüftchen.

        Meine Idee, die Menschverkörperung als Frau und Mann spiegele zwei grundverschiedene Arten von Wesen, kam hier bisher nicht auf eine Diskussionsebene. Für mich ist diese Verschiedenheit jedoch nicht nur logisch, sondern auch erlebbar, und, es erklärte auch die Notwendigkeit von Bewusstsein: Verschiedenheit zu verstehen und (damit) ohne Feindseligkeit ein Miteinander möglich machen.

        Fragen wir uns, ob Individualität Einheit und Einheit Individualität erfahren kann, landen wir im realen Miteinander von Frau und Mann. Kann also das Weibliche das Männliche verstehen lernen und dessen Wesenseigenschaften (individueller Geist) er-lernen?
        Und kann das Männliche das Wesen des Weiblichen (unbedingte Gemeinschaft) erfahrend verstehen und lernen, dass Individualität nur vernünftig ist, wenn es der Gemeinschaft nicht schadet?

        Ist es (nur) das, was Leben wissen will, was die monadische Einheit und die Geist-Individualitäten in die Feindseligkeit führte – und folgend diese (durch Bewusstsein) aufzulösen?

        Mir sind Einheit und Vielfalt eben nicht unbedingt, sondern ein So-Wohl-als-auch“. Ich erlebe sie als Wechselspiel von Notwendigkeiten und Möglichkeiten:
        Ich grenze mich ab, wenn es um die Bewahrung meiner Ich-Integrität geht, und ich integriere mich, wenn es um die Einheit der Gruppe geht.
        Konkret
        Will eine Gruppe mich – feindlich – vereinnahmen, zeige ich meine Ich-Macht, will ein – feindliches – Ich die Gruppe zerstören, präsentiere ich die Macht der Gruppen-Einheit.

        Sicher können wir Einheit und Vielheit abstrakt als Gegensätze betrachten. Praktisch erleben wir eine funktionierende Vielefalt in der Einheits-Ordnung der Natur (in der sich der Mensch relativ einfältig verhält). Und wir können eine Liebe leben als Einheit, die sich gegen das ein- und aufdringliche Individuell-Vielfältige (methodisch vielfältig Individuelle) zu schützen weiß:
        Dank Bewusstsein über die Verschiedenheit der Wesen/Wesensarten.

        So können wir wechselweise Meer und Welle sein – was ich persönlich als Reichtum erlebe. Dieser Reichtum wuchs und wuchs – hier auf diesem Blog, im Miteinander der Verschiedenheiten, die gemeinsam in EINEM Wohl-Wollen agierten/interagierten.

        Ich schicke gleich mal ein paar der Bilder von gestern.

        Gruß in die Runde.

        Wolfgang

  13. Mai 17, 2014 um 2:34 pm

    Der Vergleich mit der Welle und dem Meer stammt ursprünglich von Willigis Jäger.
    Es gibt auch ein kleines Büchlein, das genauso heißt „Die Welle ist das Meer“. Darin ist ein Gespräch, das Christoph Quarch, ein Philosoph, mit ihm geführt hat.

    Da hier in einem vergangenen Artikel über Reinkarnation nachgedacht wurde: Willigis Jäger gilt als die 87. Inkarnation von Buddha Sakyamuni. Er bestreitet aber vehement, dass von der Persönlichkeit oder Ich-Struktur irgendetwas übrig bleibt, wenn wir sterben. Heute nennt er sich auch nicht mehr Inkarnation, sondern „Nachfolger“, weil im Westen mit Inkarnation und Reinkarnation metaphysische Ideen verbunden sind, die ihm – unterstelle ich einfach mal – nicht so ganz gefallen. Jetzt ist er schon ziemlich alt, bald 90.

    Zu dem Meer und der Welle noch eines: Wir sind eben nicht WECHSELWEISE Meer und Welle. Eine Welle ohne Meer-ität gibt es nicht. Das wäre so, als würde es ein Lebewesen ohne Leben geben.

    Zwischen der Gesamtheit aller Wellen (dem WIR) und dem Meer gibt es jedoch immer noch einen qualitativen Unterschied: Das Meer kann auch vollkommen ruhig sein, ohne die geringste Welle zu schlagen. Dann ist es immer noch das Meer – es ist zeitlos, ewig, form- und strukturlos, der Urgrund, aus dem sich nach der Ruhe wieder neue Wellen bilden.

    Wellen hingegen sind immer Dynamik, ob es sich nun um die einzelne Welle oder die Gesamtheit der Wellen handelt. Vielleicht ist es diese Dynamik, die hier im Blog gemeint ist?
    Wellen untereinander sind über kinetische Energie miteinander verbunden, d.h. sie transportieren kinetische Energie weiter. Wellen können sich daher aufschaukeln oder abschwächen.

    Auf den Menschen übertragen: wir haben Entscheidungsmöglichkeiten, in welche Richtung, wir die kinetische Energie, die auf uns zukommt und durch uns hindurchgeht, weitergeben.
    Wenn wir bspw. Aktien kaufen, um unseren Ruhestand zu sichern, geben wir kinetische Energie in Form von Geld an Konzerne und stärken Konzerne damit. Auch wenn wir uns über die Konzerne aufregen oder sie bekämpfen, geben wir Energie unter umgekehrtem Vorzeichen an die Konzerne. Auch dadurch werden Konzerne stärker. Wenn wir die Energie hingegen an bspw. das Projekt „Dorfgeist“ geben, das hier auf der Seite vorgestellt wird, schwächen wir die Konzerne.

    • federleichtes
      Mai 17, 2014 um 11:15 pm

      Die Sache mit dem Urgrund ist mir noch etwas suspekt – war niemals mein Thema, und ich hoffe, Du kannst mir, der relativ ungebildet ist, auf die Sprünge helfen.

      Du sagst, ohne Urgrund keine Welle.
      Verstehst Du unter Urgrund, was auch als „Leere“ bezeichnet wird?
      Nun stelle ich mir laienhaft den Urgrund ohne Welle vor. Könnte ich dann annehmen, dass der Urgrund erst durch eine Bewegung (Welle) existent wird?
      Und wie verhält es sich mit Urgrund und Welle in Bezug zum Leben. Wäre Leben Urgrund und Welle? Oder nur Welle?
      Woran sich eine Frage knüpft:
      Was brachte den Urgrund in Bewegung?
      Mit Sicht auf „Gott“ würde ich fragen:
      Wenn Gott der Urgrund IST, was brachte ihn in Bewegung, bzw. aus welchem Grund wurde er zu einem Schöpferischen Urgrund?

      Vor einigen Jahren postulierte ich eine „Schöpfende Schöpfung“. Die mehr ist als ein Selbstzweck, so wie die sich selbst regulierende Natur. Konkret:
      Mittels Menschen wird eine Entwicklung betrieben. Eine Entwicklung, die sich fragen lassen muss, ob sie determiniert ist – und der man (deshalb) ein offenbarendes Wesen zuschreiben muss. Was offenbart sich also, wenn nicht das, was im Menschen informativ angelegt wurde.

      Nach unserem bisherigen „Modell“ wurde die Feindseligkeit im Menschen angelegt. Und sie wird aktiviert mittels einer systemischen Dynamik.
      Diese Systematik begann bei einem Punkt Relativ-Nicht-Feindselig. Alle Feindseligkeit war traumatisiert, nicht greifbar und nicht greifend. Dann ging’s los, sagen wir mal mit einem Teufel ersten Grades. Auf Kreta schrieb ich diesen Halbsatz:
      „Zuerst erschlugen sie sich mit der Keule …“
      Das Töten wurde folgend perfektioniert, die Waffen effizienter und die Schlachten größer und blutiger.
      Darum schrieb ich auf Kreta auch den zweiten Halbsatz:
      „… heute rechnen die Militärs in Megacorpsen (1 Million Tote)

      Mathias brachte den Begriff des Kali Yuga (das dunkelste – und letzte – aller Zeitalter) in unsere lockere Erörterung. Was jedenfalls mir klar machte, dass Leben entwicklungstechnisch finalen Wesen ist. Es gab also einen Punkt, als Leben begann, und es wird einen Punkt geben, da Leben seine Aufgabe erfüllte. Dass es eine Beziehung zwischen dem Grund, aus dem Leben erschaffen wurde, und dem finalen Zweck gibt, scheint mir unzweifelhaft. Anzuzweifeln wäre, ob Leben wirklich Bewusstsein erschafft. Oder ob Leben gar Bewusstsein, nämlich dass natürliche Bewusstsein der Natur, zerstört.

      Kann ein bewegungsloser Urgrund relevant sein für die Betrachtung des Lebens?

      Meer und Welle sind mir übrigens keine glückliche Metapher, da ein bewegungsloses Meer irrelevant ist. Meer und Welle sind untrennbar, ebenso wie Leben und Dynamik.

      Schließlich
      Deine im letzten Absatz formulierte Einstellung zur Existenz (im Kali Yuga) ist mir pragmatische Philosophie, eine, die in eine vernünftige, nicht-feindselige Lebensführung führt. Danke für diesen Abschluss: Liebe leben ist eine runde Sache. Die nur rund – im Sinne einer Gemeinschaft – wird durch eine individuelle Entscheidung. Ich kenne einige Menschen, die diese Entscheidung bewusst trafen; wir nennen uns „Freunde“.

      Dir wünsche ich einen liebevollen Abend.

      Wolfgang

  14. Mai 17, 2014 um 3:33 pm

    „Krieg ist der Vater aller Dinge“, Heraklit

    • Mai 17, 2014 um 4:51 pm

      Lieber Martin,

      danke für das Video, das ich mit Interesse angeguckt habe.

      Die Frage ist, ob dieses Ringen der Polaritäten freundschaftlich oder feindselig unterlegt ist. Ich hatte so den Eindruck gewonnen, dass Wolfgang damit eher Feindseligkeit verbindet. Meiner Ansicht nach denkt auch Heraklit eher an Feindseligkeit, sonst hätte er nicht das Wort „Krieg“ gewählt. Man kann dieses Ringen der Polaritäten durchaus aber auch freundschaftlich verstehen. Als ein Spiel der Liebe. Ich habe mich für die letztere Version entschieden.

      Dir noch ein schönes restliches Wochenende.

      Dein Blog ist übrigens super !! War ein Glücksmoment, als ich darauf gestoßen bin.
      Halt, war gar nicht so – der Blog wurde mir empfohlen. So war’s.

      Herzliche Grüße

      Marian

      • Mai 17, 2014 um 10:58 pm

        Auch hier gilt: alleine wäre ich hier nichts. Der Blog lebt von den vielen tollen Beiträgen der Begleiter 🙂

        • federleichtes
          Mai 18, 2014 um 10:47 am

          Ich weiß nicht genau, ob es mehr Marian oder Mathias, Manfred, Martina oder … waren, oder Du es warst, der mich dazu brachte, über das Gegenteil von Wahn nachzudenken. Jedenfalls führte mich der letzte Hinweis zur Philosophie Deines Blogs auf die Spur, und ich kann zumindest mal einen Vorschlag zu dieser dichotomischen Entwicklung (die Leben betreibt) vorlegen. Meine Idee lautet:
          Vernunft.

          Der mir zueteil gewordene Hinweis lautet:
          „Auch das gehört zu Freundschaft, es auszuhalten, dass es nicht so läuft, wie man es selbst will.“

          Wenn das stimmt, gäbe es Kommentare, die mehr toll und weniger toll sind. Nicht so toll wären Beiträge, mit denen der Autor persönliche Erwartungen verknüpft – und toller wären Beiträge, die allgemeinen Erwartungen entsprechen. Gäbe es nun EINE absolut egozentrische Absicht, könnten wir diese als Wahn (destruktiv, böse) bezeichnen?
          Und die konstruktiven Ideen, die vielstimmig sich auf EINE Absicht (die Wohl will) einstimmen (können), als Vernunft?
          Würde sich aus diesem Werden schlussfolgern lassen, dass Menschen, indem sie den Wahn erfahren müssen, gar nicht anders können, als auch der Absicht zu folgen, dem Wahn mit Vernunft zu begegnen?

          Der Wahn stellt uns täglich (und überhaupt) vor alte und neue Fragen. Sie stellen zu lassen mag Ausdruck einer Vernunft sein. Um sie beantworten zu können braucht es allerdings noch etwas mehr, als dieser einen Absicht zu folgen – das Gefühl, dass Leben eine konzertierte Aktion ist, vielschichtig angelegt und vielfarbig ausgedrückt – das Gefühl, dass Leben nicht das Wohl IST, sondern das Wohl WILL.
          (Fragt sich, was die Menschen, die gemeinsam in der einen Absicht des Wohl-Wollens stehen, fühlen)

          Am Rande möchte ich etwas Lustiges erwähnen. Der Kommentar, den Du gelöscht hast, sollte das bewirken, was das Löschen bei mir bewirkte: Schock. Er war mir heilsam. Insofern schlussfolgere ich, dass pädagogische Fähigkeit dem therapeutischen Streben untergeordnet ist. Das Wohl (Vernunft oder Bewusstsein entwickeln) wollen und Schmerz ertragen und damit den Wahn überwinden?

          Auch Dir ein erbauliches Streben wünscht

          Dein
          Wolfgang

          Ganz am Rande
          Du hast einen Schock gut bei mir.

  15. Mathias
    Mai 17, 2014 um 8:49 pm

    Vielleicht noch einmal ein Versuch, den Wir-Aspekt auch aus eher praktischer Sicht zu beleuchten:

    Grundsätzlich halte ich Enttraumatisierung und eine Mobilisierung auf der Gefühlsebene (vielleicht gleichbedeutend mit Marians „Aktivierung von Herzbewusstsein“) eine Vorraussetzung, um überhaupt zu einem Fühlen und Verstehen (Klar-Bewusstsein) zu kommen, was um mich herum in der Welt geschieht – also, was ich erlebe UND was Wir erleben.

    Klar ist mir einigermaßen, unter welchen Vorraussetzungen die immer noch wahrnehmbare und sehr reale Feindseligkeit in der äußeren Welt abläuft (egal ob Politik, Konzernwirtschaft, Ausbeutung [Silke beschrieb an anderer Stelle hier ihre diesbezüglichen ganz konkreten Erfahrungen] … Absurditäten, Umweltvergiftung, Kinder verhungern und Totschlag … die Liste wäre im Grunde endlos!). Denke gerade an Heinrich – der auf den Philippinen lebt und hier immer mal wieder schreibt, was er wohl noch an konkreten Erlebnissen zu einer Liste der Feindseligkeit hinzufügen könnte. Was könnte Gerhard aus den USA, uns hier noch mitteilen … Wir brauchen im Grunde keine Liste, weil die tagtäglichen „Bilder des Wahns“ Beweis genug sind.

    Worauf ich hinaus will ist folgendes: Wir können den Wir-Aspekt theoretisch abhandeln, was wir bisher getan haben, oder auch einmal praktisch beleuchten: Was nehmen wir dann wahr, wenn nicht auch: „Bilder des Wahns“? Und was bedeuten diese Bilder des Wahns in ihrer Summe anderes, wenn nicht die Darstellung eines verloren gegangenen „Wir-Aspektes“, einer verloren gegangenen Gemeinschaft. Sie sind der TAGTÄGLICH und immer wieder wahrnehmbare Beweis dafür!

    Sicher, der Einzelne – oder wir hier in gemeinschaftlicher Runde, können diese Bilder nicht ändern. Ich möchte damit auch nur sagen, dass die ganz realen „Bilder des Wahns“ für mich Ausdruck eines kollektiven Traumas sind. Das bedeutet natürlich ein unaufgelöstes kollektives Trauma … und das wiederum, lässt noch einiges erwarten.

    Liebe Grüße in die Runde,
    Mathias

    • federleichtes
      Mai 18, 2014 um 12:35 pm

      Wollen wir also Feindseligkeit versuchen genauer zu differenzieren.
      Das Ich-Trauma weist auf eine Feindseligkeit hin, die von einem Individuum ausgeht.
      Das Wir-Trauma weist auf eine Feindseligkeit hin, die von einer Gruppe ausging ODER eine Gruppe betroffen hat.
      Das Geist-Trauma weist auf eine Idee (Geist) hin, von der Feindseligkeit ausging (oder immer noch ausgeht).
      Wir sprechen dann nicht mehr von Traumata als nicht wriksame Feindseligkeit, sondern von EINEM Trauma, dass sich praktisch – differenziert auf drei Ebenen, weil Feindseligkeit drei Aspekte hat:

      – Bruder gegen Bruder,
      – Verschiedenheit von Kollektiv und Individuum und
      – Geist des Schöpferischen gegen Geist der Zerstörung.

      Leben präsentiertals uns diese Feindseligkeit(en) als heilige Ausfältigkeit. Ausfältigkeit im Sinne von Offenbarung, heilig, weil die dem Leben immanente Absicht, das Wesen der Feindseligkeit zu erkennen und aufzulösen, unbedingt ist. Nicht wir können also dem Leben Bedingungen stellen, sondern das Leben unterwirft uns seinen Bedingungen – oder Bedingungen, die es repräsentiert.

      Und natürlich dürfen wir uns auch an dieser Stelle nach dem „Urgrund“ fragen, ob er nicht unbewegt bleiben konnte, weil … (ihn z.B. die Feindseligkeit berührte)

      Ich versuche mal, in einem Satz zu beschreiben, was Leben wollen könnte:
      Das starke Individuum, das starke Gemeinschaften begründen kann, in denen es nicht ein „schwächtes Glied“ gibt. (Und käme die Feindseligkeit, müsste sie erfahren: Eintritt zwecks Zudringlichkeit und Übergriff zwecks Ausbeutung unmöglich.)

      Wir haben es hier im Miteinander ziemlich unmittelbar erleben dürfen:
      Eine Gemeinschaft (als Schutz gegen die Feindseligkeit) taugt nichts ohne starke Individualitäten; eine Individualität taugt nichts ohne eine starke Gemeinschaft.

      Ja, es geht nicht darum, die Bilder des Wahns zu bekämpfen, sondern darum zu lernen, als Ich und Gemeinschaft dem Wahn nicht anheim zu fallen.

      Einen lieben Gruß an Dich sendet

      Dein
      Wolfgang

      • Mai 18, 2014 um 10:09 pm

        Kann es sein, dass die Seele selbst ein Trauma abbekommen hat und sich lieber in der menschlichen Hülle verkriecht? Ich hatte gestern einen Chat der „3. Art“ (in Anspielung auf den Film), den ich hier kurz wiedergeben möchte. Es fing mit einem Spruch an, der auf Facebook von einem mir bisher recht unbekannten Menschen daherkam:

        er: verstehe dich nicht. fühle dich, aber sehe dich nicht. erahne dich, aber fühle dich nicht
        ich: ein Spruch, oder so gemeint?
        er: ein spruch von mir, der gemeint war wie er sich liest
        ich: ok.
        er: sohin möge ich aufdringlich wirken, doch gehe ich konform in der anzahlt deiner likes und kommentare. lese dich, und darf dich auf fb noch sehen.
        doch misse ich von dir ein ‚du‘. eine person, die es währt
        ich: Person? Oder eher Mensch. Ich bin hier

        er: plus vier drei. 664 136 59 55
        dein diskurs
        ich: hm, gestehe, dass ich damit auf dem Schlauch stehe …
        er: dein profilfoto, gesammelt deiner kommentare, gehen wir davon aus das du erfahrung mit bringst
        ich : 55 Jahre immerhin
        er: respekt. von mir
        ich: dass ich so lange durchgehalten habe?
        er: nein. nicht für’s durchhalten. für’s aufwachen
        ich: ja, das begann vor etwa 6 Jahren, mit Beginn der Fiannzkrise. Ich wollte wissen, was os ist. Und habe hinter den Vorhang der Matrix geschaut
        er: gute antwort
        sofern es in ihrem interesse liegen möchte, könnten sie sich los reißen von ihrem aktuellem tun, und sich konzentrieren auf jenes das mir genügt
        ich: was ist genügend?
        er: genügen möge mir dann doch ein teil von ihnen. ein kommentar, oder eine an-teil-nahme. welche nicht einseitig als like fungiert, sonder wirkt als ein standpunkt
        ich: gerne
        er: es ist nicht mein begehr, einen vermeidlichen imaginärem freund zu folgen, welcher nur alle 2:30 minuten zeit für ein gespräch findet. es wart eher mein ersinnen, jemanden kennen zu lernen. einen menschen, welcher sich seiner bewusst ist und sich selbst reflektiert
        nich: un, das reflektieren habe ich begonnen. Bedarf sicher noch was Übung.
        er (ich likete sein Profilbild inzwischen und fragte, ob es selbst aufgenommen hätte): das foto ist nicht von mir. es entspricht aber meiner seele
        es steckt jedenfalls viel von besagtem Gefühl drin.
        ich: Gleiches gilt für das auf meinem Profil

        Bemerkung: jetzt wird es interessanat

        er: du verlierst dich mit deiner erfahrung in einem medium, welches dir neu ist. respekt. du erkennst den unterschied zwischen dem alten und dem neuen. respekt. du hast keine probleme und bist voll gefestig. wow. ….dann wären wir beide keine like-freunde
        geistig und philosophisch bist du sehr stark. das gefällt mir
        wenngleich ich womöglich um jahrtausende jünger oder älter bin.
        wer bist du?
        ich: wenn ich das wüsste. Mein Ego hat noch keinen bewussten Zugang zur Seele …
        er: du hast kein ego, denn ohne ego schreibst du. du hast ein denken, eine erziehung, und erfahrung. …und dann spricht etwas anderes zu dir.
        ich: es überlagert jedenfalls alles schon Erlebte, wenn es vor meiner Geburt schon etwas gab.
        er: jetzt bin ich bei dir
        ich: Meine Vermutung ist, dass es ein Trauma gab, das meiner Seele es nicht ermöglicht, zürückzublicken
        er: meine vermutung ist, dass es ein trauma gab, dass deiner seele ermöglicht hat zu sehen
        nur so kann man sich vom fleisch lösen
        ich: hm, Erinnerungen daran sind jedenfalls nicht (mehr) vorhanden
        zumindest „bewusst“
        er: das interessante an dir, aus meiner sicht: ich kann dich nicht lokalisieren. du blockst alles ab, was kommt

        Und dann wollte er eine Rauchen gehen, spruch die Unterhaltung war beendet. Ich gestehe, das war die bisher ungewöhnlichste Unterhaltung mit einem Menschen, die noch lange in mir nachhallte.

        Wenn als mein Wesen-Ich auf der anderen Seite auch ein Traume erlitten hätte, so dass sie sich hier verkröche, und alles abblockt?

        Hmmmm …

    • Mai 18, 2014 um 1:43 pm

      Lieber Mathias,

      „Was bedeuten die Bildes des Wahns in ihrer Summe anderes, wenn nicht die Darstellung eines verloren gegangenen Wir-Aspektes“

      Für mich bedeuten die Bilder des Wahns die Darstellung eines verloren gegangenen Urvertrauens. Dieses Vertrauen ist auf allen Ebenen verloren gegangen. Auf der Ebene gegen sich selbst, gegen die Anderen, gegen die Umgebung, gegen die Welt, gegen Existenz.

      Vielleicht muss man bei sich selbst anfangen: wer sich selber vertraut, kann anderen vertrauen. Wer anderen vertraut, kann seiner Umgebung vertrauen. Wer seiner Umgebung vertraut, kann der Welt und der Existenz und allem anderen vertrauen.

      Ich glaube, dass der ursprüngliche Bruch, der uns in den Wahn getrieben hat, in uns selber liegt. Der Bruch in den Beziehungen zu Anderen (der verlorengegangene Wir-Aspekt) ist bereits eine Folge des ursprünglichen Bruches.

      Ich gebe zu bedenken, dass die christliche Religion seit 2000 Jahren unermüdlich versucht, in uns ein WIR-Gefühl zu wecken. Ständig hören wir von dieser Seite, dass wir die Glieder eines Leibes und Christus das Haupt ist. Ständig hören wir, dass nicht der Einzelne, sondern die Gemeinschaft zählt. Die Folge dieses Gemeinschaft-Predigen ist, dass die Einzelnen innerhalb dieser scheinbaren Gemeinschaft noch weiter in die Isolierung getrieben wurden. Nirgendwo gibt es so viele einsame Menschen wie in den Ländern, die sich christlich nennen. In Ländern, die nicht christlich sind, ist das WIR-Gefühl hingegen häufig noch vorhanden.

      Warum ist das so? Meiner Ansicht nach, weil Gemeinschaft im Christentum zu einem intellektuellen Konzept erhoben und von der Gefühlsebene getrennt wurde.

      Vertrauen bedeutet Verletzlichkeit. Ich denke, es geht drum, sich diese Verletzlichkeit bewusst zu machen und sie zu akzeptieren. Meist verstecken wir diese Verletzlichkeit hinter irgendwelchen falschen Selbstbildern, in der Gruppe hinter Ideologien, die die einen mit Panzern und Kalaschnikows, die anderen mit Bildung und Wissen, und wieder andere mit Besitz und Geld bis zur Vernichtung verteidigen müssen. Selbstbilder und Ideologien sind es, die uns von anderen trennen.

      Das kollektive Trauma ist für mich der Verlust des Urvertrauens, und das ist es auch, was wir an unsere Kinder weitergeben. Ständig haben wir Angst, dass den Kindern etwas passiert, dass sie nicht so werden, wie sie gemäß unseren eigenen oder den Vorstellungen der Gesellschaft werden sollen, dass sie nicht glücklich und erfolgreich werden …..
      Wie kommt das bei den Kindern wohl an? Sie lernen als Erstes, und zwar schon auf der Gefühlsebene, noch bevor sie „Mama“ oder „Papa“ sagen und damit die Begriffsbildung einsetzt, dass die Welt feindselig ist, dass man nur geliebt wird, wenn man was leistet oder sich gemäß der Erwartung von anderen (Eltern) entwickelt und lauter solches Zeug.

      Die Angst sitzt also auch tief in den Gefühlen drin. Oft sind Gefühle auch mit falschen Namen belegt. Jede Mutter sagt wohl zu ihrem Kind „Ich liebe dich“ und ich bin sicher, sie meint das ehrlich so. Was mit diesem „Ich liebe dich“ aber vermittelt wird, kann völlig unterschiedlich sein: Zuversicht und Vertrauen, aber auch Ängste oder eine Leistungs- und Erwartungshaltung.

      Diese Angst, die zum Aufbau von Selbstbildern führt, blockiert das, was ich Herzbewusstsein oder Herzgeist nenne. Klar-Bewusstsein trifft es auch, denn Klar-Bewusstsein ist nicht von Vorstellungen und Selbstbildern und dergleichen verstellt.

      • federleichtes
        Mai 19, 2014 um 3:09 am

        Heute war ein sehr sommerlicher und sommerlich-spannender Tag für uns – insofern nur ein kurzer Einstieg.

        Du sagst:
        „Das kollektive Trauma ist für mich der Verlust des Urvertrauens, …“

        „Normal“erweise kann ein Mensch sich rational gar nicht mit dem Trauma beschäftigen. Weil der Zugang, selbst als Option, ihn bedroht. Du kannst das, klar, Deine Feindseligkeit ist ja auf einem ungefährlichen Level angelangt. Logisch?

        Der Springende Punkt Deiner Aussage ist einerseits das Wesen von Urvertrauen, und andererseits der AKT der Zerstörung.
        Schaue mal bitte auf ein Bild eines Wesen, das Urvertrauen hat (und bitte nicht das Vertrauen anlegen, dass wir Menschen Vertrauen nennen – also da mal unkonditioniert hin fühlen). Wenn allein durch dieses Urvertrauen sich die Existenz eines Wesens begründet(e), ist VOR dem Verlust des Urvertrauens ein Angriff auf die Existenz des Wesens erfolgreich gewesen.

        Und, denke ich, so müssen wir Trauma als systemische Funktion verstehen:
        Die einen erfolgreichen Angriff auf die existenziellen Grundlagen insofern abwehrt, als das die verursachenden Informationen ins Unbewusste verschoben – und damit die Folgen des Angriffs nicht real, sondern potenziell werden.

        Du kannst Dir das Prinzip klarer machen. Es gibt Situationen, die Mensch wegen ihrer Existenzfeindlichkeit nicht ertragen kann. Er schaut dann einfach weg. Damit ist die Situation zwar nicht aufgelöst, aber die Bedrohung ist ohne Wahrnehmung nicht mehr relevant: Danke für die dem Leben immanente traumatische Funktion.

        Und wie verhält es sich derzeit gesellschaftlich – doch nicht anders. Das Gesamt-Trauma löst sich mehr und mehr auf, die Welt entwickelt sich feindseliger und feindseliger, und weil die Masse von diesem Prozess NULL-Ahnung hat, rennen sie zum Shoppen, rasen zombiehaft mit ihren Karren durch die Gegend (toller Käfig) und glotzen stundenlang in die Röhre (vom Wesen heer eine Einzelzelle), konsumieren im Grunde verwirrende und Angst machende Informationen, ohne direkt davon berührt zu werden: Leben aus zweiter Hand, die Soft-Version – tote Lebendige; Stumpfsinn macht auch Sinn.

        Damit erklärt sich auch das Verhalten der Gesellschaft, die das Wesen von Krieg/Feindseligkeit unberührt lässt und ihnen (somit) eine Welt vorspiegelt, in der Fressen, Prassen, also das Ego-Wohl des Moments das Primär-Gebot sein muss. Ist ja auch nicht so ganz unvernünftig, wenn man auf einem Pulverfass sitzt, dass von jetzt auf gleich in die Luft fliegen kann.

        Mit dieser Realität im Bewusstsein erklären sich die diejenigen, die sich in einer absolut feindseligen, existenzvernichtenden Dynamik befinden und Socken stopfen oder über den Urgrund des Seins philosophieren, zu wahren Helden des Universums.

        Klar, war ein kleiner Scherz am Rande des Absurden.

        Herzliche Grüße in die Runde, von

        Wolfgang

  16. Mai 18, 2014 um 9:26 am

    Lieber Wolfgang,

    Ist der Urgrund das, was auch als „Leere“ bezeichnet wird? Manche Mystiker verwenden das Wort „Leere“. Mir selber sagt das nicht so viel. Für mich ist der Urgrund das Ununterscheidbare. Jede Wahrnehmung fängt mit dem Setzen von Unterschieden an.
    Daher kann man über das Ununterscheidbare nichts aussagen, weil es VOR oder JENSEITS jeder Wahrnehmung liegt.

    Die Physiker loten meiner Ansicht nach diese Grenzerfahrung – das Entstehen der ersten Unterschiede – gerade aus. Das Higgs-Boson entbehrt schon fast jedes wahrnehmbaren Unterschieds. Ein Higgs-Boson ist eine Art Schwappbewegung in einem höchst abstrakten Feld, einem Skalarfeld.
    Quanten werden so beschrieben, dass sie ununterscheidbar und bloß ihre Effekte in summa der Wahrnehmung zugänglich sind. Das ist so, als hätten die Physiker ihre Geräte vor einem undurchdringlichen Urwald aufgebaut und würden ein Trompeten vernehmen. Die Physiker sagen dann: ah, das Trompeten kommt von einer Elefantenherde. Da wir die Elefanten aber nicht sehen können, definieren wir, dass das Trompeten die Elefanten SIND. Auch wenn es vielleicht bloß das Echo der Elefanten ist. Oder was ganz anderes.
    So verleihen sie den Dingen in diesem extremen Randbereich EXISTENZ. Dass Trompeten und Elefanten DASSELBE sind, ist eine ÜBEREINKUNFT.

    Was die Physiker hier beispielhaft vorführen, zeigt, dass es unser Geist ist, der den Dingen die Form gibt. Daher sagt Kant, dass sich die Gegenstände nach unserer Erkenntnis (unseren Erkenntnismöglichkeiten) richten, nicht unsere Erkenntnis nach den Dingen.
    Wir erforschen also letztendlich immer nur unseren eigenen Geist und bleiben innerhalb unserer Wahrnehmungsmöglichkeiten.

    Wenn ich mit Physikern diskutiere, argumentieren sie meistens so: Wenn ich über das Ununterscheidbare nichts aussagen kann, wozu brauche ich es dann? Das kann man doch auch weglassen und mit dem allerersten winzigen Unterschied beginnen. Oder mit dem größten Unterschied, dem Urknall. Alles andere ist metaphysische Spekulation, metaphysischer Blödsinn. Die Welt IST unsere Wahrnehmung. Beobachtung und Universum sind dasselbe. Punkt und Schluss. Genauso, wie Du sagst: „Ein bewegungsloses Meer ist irrelevant.“

    Das ist meines Erachtens typisch menschliche Hybris. Die menschheitliche Wahrnehmung wird damit nämlich ABSOLUT gesetzt. Und da setze ich nun also mein Fragezeichen. Ich halte dagegen: Die individuelle Wahrnehmung eines einzelnen Menschen ist keinesfalls eine absolute. Das ist ja eben eines der Probleme unseres Miteinanders: dass es immer noch und immer wieder Menschen gibt, die ihre Wahrnehmung absolut setzen und sich nicht vorstellen können, dass ein anderer Mensch eine Situation anders wahrnimmt. Dasselbe gilt für Gruppen. Es gibt immer wieder Gruppen, die ihre Sicht auf die Welt absolut setzen und andere Wahrnehmungen für irrelevant halten. Solche Gruppen sind in den Augen der anderen Fanatiker. Meiner Ansicht nach gilt dasselbe aber auch für die Menschheit insgesamt. Wenn wir das, was wir wahrnehmen und durch Übereinkunft für existent erklären für ALLES halten, setzen wir unsere menschheitliche Wahrnehmung absolut.

    Wenn ich hingegen sage, unser menschheitlicher Wahrnehmungsbereich ist nicht ALLES, sondern ein Teil von etwas, das Mensch nicht in seiner Gesamtheit durchdringen kann, nehme ich unseren menschheitlichen Allmachtsanspruch ein Stück weit zurück. Deshalb ist das bewegungslose Meer, das Ununterscheidbare nicht irrelevant. Es verhilft nicht zu größerer Erkenntnis, aber zu mehr Bescheidenheit.

    Die Menschheit hat schon drei große Kränkungen hinnehmen müssen:
    1. Der Mensch ist nicht der Mittelpunkt des Universums, sondern bewohnt einen unscheinbaren Planeten irgendwo in einem Zipfel irgendeiner Galaxis.
    2. Der Mensch stammt vom Affen ab und die Verwandtschaft ist immer noch erkennbar 🙂
    3. Der Mensch ist nicht Herr im eigenen Haus. Das gibt es das Unbewusste, das ihn zu den meisten seiner Taten treibt.

    Ich denke, dass auch noch eine vierte Kränkung auf uns zukommt:
    4. Dass das, was wir wahrnehmen, nicht ALLES ist. Dass unsere Erkenntnismöglichkeiten BEGRENZT sind.

    Unser Überlegenheitsgefühl anderen Spezies gegenüber begründen wir heute damit, dass wir die erkenntnisfähigste Spezies sind. Wir glauben immer noch, dass wir eine Sonderrolle in irgendeinem Plan oder vielleicht auch in keinem Plan haben, aber auf jeden Fall eine Sonderrolle.

    Aus diesem Überlegenheitsgefühl heraus nehmen wir uns das Recht, mit dem Planeten zu machen, was WIR wollen. Aus diesem Überlegenheitsgefühl heraus nehmen wir uns das Recht, alles zu tun, was wir wollen: Atome spalten, Gene manipulieren, das Klima neu gestalten, Gehirne manipulieren, Urknall simulieren, was auch immer. Schließlich dient ja all dies der ERKENNTNIS, welche wir zu unserer neuen heiligen Kuh erhoben haben.

    Ich denke schon, dass wir seit ein paar Jahrhunderten dabei sind, von unserem hohen Ross herunterzusteigen. Ich glaube aber nicht, dass wir mit den Füßen schon den Boden berühren.

    Darum ist das bewegungslose Meer nicht irrelevant. Es hilft dabei, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen, uns mit der Erde rückzuverbinden und andere Lebensformen mit neuen Augen zu betrachten.

    Marian

    • federleichtes
      Mai 18, 2014 um 1:13 pm

      Du hast verstanden, meine Irrelavanz zu knacken.
      Kurz bevor ich hier los fahre, um nach unseren Tieren und Pflanzen zu schauen, ein Satz (am Abend mehr):

      Leben IST Bewegung, und wir leben – ob die Bezugnahme auf einen Urgrund uneingeschränkt hilfreich ist, um mit dem Wahn der Welt klar zu kommen? Vielleicht entstehen so Heilige. Jedenfalls brachten uns „armen Sünderlein“ auch all‘ die Heiligkeiten stets nur eine Real-Steigerung des Wahns – als Schmerz, Leid, Unglück. Ob sie, die eher mehr Urgrund als problembewegtes Leben repräsentierten, Teil des Problems oder Teil der Lösung waren? Ich meine, Bewusstsein erschafft sich weniger durch Flucht und Ignoranz, eher mehr durch den Mut, den noch nicht offensichtlichen Dingen auf den Grund zu gehen. Das man das nicht aufdringlich, sondern eindringungsfähig leisten kann, beweist ja Du.

      Danke
      Wolfgang

  17. federleichtes
    Mai 19, 2014 um 2:11 pm

    Hier geht’s aus meinen Möglichkeiten heraus nur Schrittchen für Schrittchen weiter – und ob voran?

    @ Marian
    „Ich gebe zu bedenken, dass die christliche Religion seit 2000 Jahren unermüdlich versucht, in uns ein WIR-Gefühl zu wecken.“

    Ich erachte es als eine der großen Aufgaben, die Mensch zu erfüllen hat, sich vom Joch des Glaubens-Geistes zu befreien. Das ist so schwer, weil der Glaube sich mit großer Deutungs-Macht zwischen Mensch und Religion drängte. Glaube ist nicht Religion, aber der Finger, der auf sie zeigt und die Phänomene berührt, die das Mensch-Sein zu bestimmen vermögen: Angst (energetisch) und Verwirrung (informativ).

    Der christliche Glaube stellte sich zwischen Mensch und Gott. Er beschreibt den Menschen als Sünder, als Schuldigen, als von seiner (Gott-)Quelle getrennt. Er beschreibt den Gott als Verflucher seiner Kinder, und als Vater, der seine verstossenen Kinder nur unter bestimmten Bedingungen wieder als solche akzeptiert. Eine Bedingung ist, den Gottessohn lieben zu müssen, eine andere, auf den Freien Willen zu verzichten und sich „Gott“ zu unterwerfen, genauer gesagt sich den geistigen Ausgeburten derer zu unterwerfen, die (offensichtlich) ermächtigt wurden, Angst und Verwirrung zu stiften.

    Als Wahnsinn im „christ“lichen Glauben bezeichne ich den ungebrochenen Wiillen, mittels Angst (vor der Hölle) eine Liebe (zu Gott) zu entfachen. Dass diese Methodik nicht liebevolle, sondern eher sadistische Züge zeitigt und folgerichtig masochistisch und sadistisch veranlagte Menschen ausbildet, weist uns auf die Feindseligkeit dieses Glaubens hin.

    Kurz
    Glauben rührt mehr oder weniger brachial an Urängsten und restimuliert Erinnerungen an einen Herrschaftsgeist – und führte die Menschheit mit sicherer Hand ins Kali Yuga, aktuell an einen Punkt äußerster Fragilität von Existenz.

    Wir fahren erst mal an unsere Teiche, in eine Andere Welt. Am Abend geht’s hier weiter.

    Herzliche Grüße in die Runde.

    Wolfgang

    • Mai 19, 2014 um 7:22 pm

      Zur Kirche als Firma mit dem Produkt Glauben und wie sie den Markt erobert, da ein Vortrag, der uns viel Bekanntes bringt, aber in einer interessanten Verpackung:

  18. Mai 19, 2014 um 3:36 pm

    Lieber Wolfgang,

    zunächst eine Begriffsklärung: ich vermute, dass wir beide die Begriffe „Religion“ und „Glaube“ gerade umgekehrt benutzen. Für mich ist Glaube das, was aus dem Herzen kommt, was Mathias Klar-Bewusstsein nennt, während Religion das ist, was Kirchen, Gurus und sonstige Wohlmeinende daraus gemacht haben und immer noch machen. Glaube selber hat für mich überhaupt keine Inhalte, ist also mehr so was wie Vertrauen. Religionen liefern dem Glauben die Inhalte, also das, was man glauben soll, bspw. das Jesus für uns gestorben ist, oder die Trinität oder dgl. Ich denke, dass ist aber nur ein Unterschied auf sprachlicher Ebene.

    Deine kritische Haltung dem gegenüber, was Du Glaube und ich Religion nenne, teile ich voll und ganz. Was Du in Deinem obigen Mail über den christlichen Glauben sagst, kann ich nur bestätigen. Vor diesem Hintergrund verstehe ich auch vollkommen, warum Du dem „bewegungslosen Urgrund“ skeptisch gegenüberstehst.

    Wenn der Urgrund das Ununterscheidbare ist, über das man eigentlich nichts aussagen kann, so haben sich das, was ich Religionen nenne, nie daran gehalten. Sie haben immer etwas über den Urgrund ausgesagt und ihre eigenen Projektionen darauf gelegt. Das waren teilweise moralische, teilweise soziale Vorstellungen, zu einem weit größeren Teil aber das Herrschaftsinstrument der Kirchen und derjenigen, die als Vermittler zwischen Gott und Mensch aufgetreten sind.

    Genau genommen ist es auch unzulässig, wenn ich Urgrund oder bewegungsloses Meer dazu sage, denn auch das ist bereits eine Aussage über das, worüber nichts ausgesagt werden kann. Worauf es mir jedoch ankommt, ist das, was ich in einem anderen Mail gesagt habe: dass wir von der Vorstellung wegkommen, dass das, was wir wahrnehmen können, ALLES ist. Es gibt ja auch diese religiösen Vorstellungen, hauptsächlich aus dem Hinduismus und Vedanta, dass die individuelle Seele im ALL-BEWUSSTSEIN aufgehen kann. Für mich ist das allerdings so, als wäre man im Inneren eines Luftballons, den man immer weiter aufbläst. Aber wenn man diesen Luftballon auch endlos aufbläst, so bleibt man doch im Inneren es Luftballons und erfährt nicht, was außerhalb des Luftballons ist. Das würde man erst erfahren, wenn der Luftballon platzt.

    Wenn man hingegen davon ausgeht, dass unser menschliches Bewusstsein nicht allumfassend ist, sondern Begrenzungen unterliegt, gerät man in den Bereich des Nicht-Wissens, und da wird die Welt/das Leben auf einmal wieder wie neu, spannend, und wieder offen für Neues.

    Ich bin aus solchen Überlegungen heraus ebenfalls der Ansicht, dass wir über Glauben/Religionen allmählich hinauswachsen könnten. Dass sie inzwischen mehr schaden als nützen. Ob das vor 2000 Jahren auch schon so war, da denke ich noch drüber nach.

    An einer anderen Stelle hast Du mal gesagt, dass auch das, was wir Wissenschaft nennen, auf der Grundlage des Glaubens fusst. Auch darin stimme ich überein. Wissenschaften sind die Fortsetzung der Religionen mit anderen Mitteln und enthalten immer noch Glaubensgrundsätze, bspw. die Einheitlichkeit der Natur oder dass das Universum (mit dem Urknall) einen Anfang gehabt hat. Wenn die Kosmologie der Physiker nicht im Westen auf der Basis christlicher Tradition entstanden wäre, hätte man vermutlich ein physikalisches Weltbild, das von einer Kontinuität ausgeht (was jetzt ja durch die Hintertür mit der weichen Urknalltheorie unter Berücksichtigung von Quanteneffekten wieder eingeführt wird.)

    Ich glaube, so weit sind wir – zumindest mit Blick auf die Religionen bzw. den Glauben – nicht auseinander.

    • federleichtes
      Mai 20, 2014 um 2:53 am

      Sollten wir „auseinander“ sein, würde es mich freuen, lieber Marian, mich in meinen Auffassungen korrigieren zu können.
      Korrigieren brauche ich mich nicht, was die Wahrnehmung eines eingeschränkten menschlichen Bewusstseins betrifft. Wenn es traumatisierte, unbewusste Informationen gibt, erscheint mir das auch folgerichtig. Und auch das Unterbewusstsein weist als Vor-Instanz zu Bewusstsein darauf hin, dass Bewusstsein aus gutem Grund nicht frei Haus geliefert wird.
      Dass Mensch als eine Verkörperung, die mit allerlei Beschränkungen verbunden ist, in einer dynamisch-geistigen Offenbarungs-Welt lebt und mittels eines Verarbeitungsorgans, Psyche genannt, Ordnung in ein STÄNDIGES Informations-Chaos bringen muss, ist mir auch Hinweis auf eine komplexe Aufgabe, die Leben stellt und gelöst wissen will.

      Glauben/Religion trenne ich nicht aus Freude am Trennen. Weil ich Religion als den Antrieb erachte, der uns zurück zum Beginn des Lebens führt. So eben meine Vorstellung:
      Leben wurde geschaffen aus einer Notwendigkeit heraus – Leben also als das Instrument, um eine Not zu wenden.
      Wenn diese Not real geworden war, aber niemand wusste, wie sie entstanden ist, erscheint es mir vernünftig, den Prozess, wie es zu der Not kam, unter Bedingungen, die eine Analyse ermöglichen (verlangsamt), noch einmal ablaufen zu lassen. Das kann ich zumindest auf der Lebensweltbühne beobachten – einen Zug, der schneller werdend gegen die Wand, in die Nicht-Existenz rast. Das Wunderbare daran ist, dass man nicht glauben muss, dass dieser Prozess auch Bewusstsein über den Prozess erzeugt.
      Während sich also einerseits Not hin zur absoluten Not offenbart, gingen und gehen einige Menschen den Weg zurück zur absoluten Not, um DAS Bewusstsein über das Wesen der Not wachsen zu lassen; das ist für mich Religion: Den Willen des Lebens-Anfangs (der Stunde Null) zu erfüllen bzw. ihn erfüllen zu wollen. Woraus sich folgern ließe, dass Mensch der Erfüllungsgehilfe des Lebensschöpfers sein könnte – dass genau der Mensch, der verzweifelt Sinn sucht, den schöpferischen Sinn erfüllt.

      Offen ist die Frage, wie die wahnhafte Feindseligkeit in die Welt kam, wie der Offenbarungsrhythmus entstand, und wenn er aus einem Urgrund heraus entstand, WIE er daraus und genau so entstehen konnte. Hat Leben einen finalen Charakter, folgt es einem Plan? Der zum Beispiel das Wesen der Herrschaft auf die Bühne rief, um das Problem der Knechstschaft lösen zu können? Der zum Beispiel die Verschieden-Geschlechtlichkeit als Frau und Mann schuf, um die Problematik, die in verschiedener Wesens-Veranlagung steckt(e), erkennen und lösen zu können?

      Unterwegs dachte ich an das Wesentliche, was Leben inszeniert. Ein Punkt ist der Mangel, ein anderer eine zerstörte Integrität, ein weiterer der Komplex Schuld-Verantwortung mit dem Hinweis, dass Ursache und Wirkung ohne Bewusstsein zusammenhangslos bleiben. Stellen wir uns eine (Vor-)Welt vor, in der zwischen Täter, Tat und Opfer kein Zusammenhang herstellbar war, fällt es vielleicht etwas leichter, die Entstehung von Feindseligkeit nachvollziehen zu können.

      Leben bereitete uns bei der Entwicklung von Bewusstsein ein Problem:
      Es schafft Bedingungen, die selbstverständlich, also nicht selbstverständlich verständlich sind. Pflicht, Recht und Moral, Gewissen, Gedächtnis und die Täter und Opfer verbindende Tat sind vielleicht Errungenschaften, Krücken auf dem Weg von der Hoffnung zum Glauben zur Gewissheit = Bewusstheit.
      Aus Hoffnung und Glauben bildete sich eine Kultur des kaltherzigen Betrugs, des schlimmsten Verrats und rücksichtsloser Ausbeutung. Wer Gewissheit will, wird nicht umhin kommen, die Werkzeuge der Feindseligkeit kennen zu lernen. Aber wer die Feindseligkeit besiegen will, muss sich in der Kultur stehend vor der Kultur schützen, aus Verwirrung Klarheit und aus Angst Liebe schaffen. SO ist Leben veranlagt – worden. Wenn Leben eine Quelle hat, und wir diese Quelle Gott nennen, …

      Danke! Dir einen guten Tag.

      Wolfgang

  19. federleichtes
    Mai 20, 2014 um 3:17 pm

    „Obgleich ein Wahn meist rasch erkennbar und relativ sicher von anderen Symptomen zu unterscheiden ist, gibt es nicht einmal eine allgemein anerkannte Definition. Am besten nachvollziehbar heißt es:

    • Wahn ist die krankhaft entstandene Fehlbeurteilung der Realität.“
    http://www.psychosoziale-gesundheit.net/seele/wahn.html

    Als Wahn galt mir bisher das Unbeirrbare der Feindseligkeit – und als Meta-Wahn, dass sie sich steigert. Nun, es ist ja leicht für die eine Seite, die Feindseligkeit der anderen Seite ins analytische Visier und folgend ihr die Bewertung Schlecht/Böse umzuhängen. Dass die Eine Seite sich damit in die polare Dualität stellt und (damit) nicht mehr objektiv bewerten kann, wird wohl eher weniger bemerkt. Wie kommen wir aus dieser „Falle“ heraus?

    Im Unbeirrbaren, im Unablässigen, im Unbelehrbaren steckt ein Antrieb, und zwar einer, der nicht zu brechen ist. Logisch, wenn Leben Feindseligkeit hervor bringen MUSS.
    Aber dieser Antrieb betrifft ebenfalls die Entwicklung von Bewusstsein. Wobei mir zwei Unterschiede auffallen. Feindseligkeit entwickelt sich aus einer bereits vorhandenen Datenlage – Bewusstsein braucht eine neue Informationslage, um ein fragmentiertes Datum (verschiedenste Daten) zu einem verstandenen Datum zusammen fügen (Bewusstsein) zu können*. Und Feindseligkeit ist eher laut, kriegerisch, offensichtlich, während Bewusstsein eher still vor sich hinköchelt, vielleicht weil es „weiß“, dass es erst am Werden ist.

    Wenn wir die unbeirrbaren Feindseligkeit also das Etikett Wahnhaft aufkleben, müssen wir dem unbeirrbaren Prozess der Bewusstseinsentwicklung diese Etikett ebenfalls aufkleben. Natürlich, wenn die Lebenskraft einem Willen, wenn auch dichotom, folgt. Innerhalb dieses Prozesses „Dein Wille geschehe“ zu beten, na ja, bestätigt nur des Menschen eingeschränktes Schöpfungs-Bewusstsein.

    * Das ist eine erweiterte Darstellung, Guido wird dazu sicher noch ein paar Worte zu sagen haben.

    Gruß in die Runde

    Wolfgang

    • Mai 20, 2014 um 11:21 pm

      Ist Wahn nicht die Realität und somit die krankhaft entstandene Fehlbeurteilung der Wirklichkeit ?

      Der Wahn zeigt sich als gesellschaftstaugliches Erklimmen des Gipfels eines Berges, die Bewusstwerdung dagegen offenbart sich im zurückgelegten Weg UND der Erkenntnis, was noch vor dem Leben liegt, um gemeinsam ins Tal zu kommen, reicher an Erfahrungen, als es noch vor dem Aufstieg der Fall war. Ja, ja, immer diese Wortspiele 😉

      (Ge)meinsam (i)n(s) (T)al … darin verbirgt sich jener Geist, der durch den Aufstieg zum Gipfel erst realisiert werden konnte …

      Ist das Leben erst auf dem Gipfel angekommen wird es zu Wasser werden, welches von der Quelle auf dem Berg ins Tal fließen wird, in der Form, die so typisch ist für Wasser, nämlich sich mehr und mehr aufzweigend, um so gemeinsam ins Tal zu gelangen und wieder zusammenzufließen …

      So betrachtet wird die Realität irgendwann überflüssig (!) werden … doch bis dahin, und ausgehend vom Gipfel, wird es mit der Realität bergab gehen. Wie sonst soll sich die Wirklichkeit (wieder) offenbaren können ?

      Gruß Guido

      • federleichtes
        Mai 21, 2014 um 1:59 am

        Wahn beschreibe ich hier als permanente und nicht zu stoppende Feindseligkeit. Natürlich ist Wahn die Realität, sogar die Normailität – insofern also NICHT krankhaft.
        Entspringt ihre Dynamik nicht einer Absicht, die aus der Wirklichkeit wirkt? Deswegen nennst Du sie doch Wirk-lichkeit, oder?

        Ja, vor dem Leben. Kannst Du Dir eine absolute energetische Komplexität vorstellen? Nennen die Physiker das Singularität?. Wenn es energetisch dazu kommt, könnte es sein, dass diese absolute Verdichtung von Energie auf dem Höhepunkt der möglichen Verdichtung dann (automatisch) fragil werden muss?
        (war nur am Rande, beschäftigt mich gerade)

        Ich dachte, du bist begeistert von der Vorstellung, ein komplexes Datum wäre fragmentiert worden, um es informativ verifizieren zu können, um sich des Datums bewusst werden zu können.
        Unvorstellbar(?), dass die energetische Auflösung einher ging mit der Datums-Fragmentierung? Würde den „Urknall“ ja etwas genauer beschreiben, oder?
        Und unvorstellbar, dass eine „Bande von Geistwesen“, die die Singularität verursachte, sich gleich mit auflöste? Woher kommen die Dämonen? Wie entstanden beschädigte Wesen?

        Oben wie Unten, Nacher wie Vorher? Was braut sich hier, schauspielmässig, auf der Welt zusammen? Der bewusst gespiegelte Weg in die Singularität? Eingebettet in einen Bewusstwerdungsprozess?

        Ich weiß ja eher von nix. Nicht mal, wer das Wasser erfunden hat.
        Aber ich dachte heute, das Leben für einen Analytiker ist wie die Kamera für einen Fotografen – wichtig ist: Eine leere Speicherkarte, ein voller Akku und – ein sauberes Objektiv. Dann könnte man eventuell sehen, dass der Wahn Allgemeingut ist.

        Gruß
        Wolfgang

  20. Gerd Zimmermann
    Mai 21, 2014 um 8:19 am

    @Ist das Wasser erst auf dem Gipfel angekommen……..

    Lieber Guido, ich frage mich auch schon lange, wer das Wasser immerzu auf den Berg
    traegt.
    Grins.

    LG Gerd

  21. Mai 21, 2014 um 9:29 am

    „Leben als das Instrument, eine Not zu wenden“ – „Das Wesentliche, das Leben inszeniert, ist Mangel, eine zerstörte Integrität, der Komplex Schuld-Verantwortung“

    Siehst Du, Wolfgang, das ist der Punkt, an dem ich nicht folgen kann. Ich kann das Leben als Ganzes nicht als Not oder Mangel sehen. Das ist eine rein menschliche Beurteilung auf ein Phänomen, also Leben, das auch anderen Wesen immanent ist, Tieren und Pflanzen zum Beispiel.
    Ich kann verstehen, dass Menschen zu dieser Beurteilung kommen, aber es ist eine Projektion dessen, was diese Menschen glauben auf die Außenwelt.

    Daneben gibt es auch Menschen, die im Leben Fülle, ja sogar Überfülle sehen. Sie sehen im Leben einen sprühenden Geist wirken, der sich entäußern muss, weil er sonst vor lauter Überfülle platzt. Leben als Feuerwerk einer geradezu unglaublichen Fantasie, wohingegen unsere menschliche Fantasie bloß ein blasser Abklatsch ist. Wobei hier natürlich auch wieder ein schöpferischer, schaffender Geist postuliert wird, was auch eine menschliche Annahme ist.

    Hat das Leben einen finalen Zweck? Ich selber glaube das nicht, weil ein finaler Zweck wie geradezu unglaubliche Einschränkung dessen, was Geist ist oder sein kann, anmutet. Zweckdenken ist auch wieder so eine Projektion. Wer einen finalen Zweck annimmt, den hat das Leistungsdenken aber voll beim Wickel. Ein Zweck muss erreicht werden, also ist es eine Leistung, diesen Zweck zu erreichen. Eine Not muss gewendet werden, also ist es eine Leistung, diese Not zu wenden. Aber, holla! Siehst Du die Falle? Wird in diesem Blog nicht viel davon geredet, dass das Leistungsdenken einer der Irrtümer ist, die wir endlich mal hinter uns lassen sollten? Aber gleichzeitig dem absoluten Geist ein Leistungsdenken unterstellen und damit das Leistungsdenken verabsolutieren?

    Das Wesentliche, das der MENSCH inszeniert, ist Mangel, eine zerstörte Integrität, der Komplex Schuld-Verantwortung, und dem füge ich noch hinzu: er inszeniert auch den Leistungs-Komplex.

    Wenn Du zu Deinen Teichen gehst und Dich um Deine Tiere und Pflanzen kümmerst, erzählen Dir die Teiche, Pflanzen und Tiere etwa, dass es sie gibt, weil sie eine Leistung vollbringen müssen? Mir erzählt die Natur was anderes. Die Pflanzen blühen, weil sie blühen, die Amsel badet im Sand, weil sie badet, und der Teich ist da, weil er da ist.

    Warum gibt es nicht bloß Mensch, sondern Mann und Frau? Weil bloß Mensch im Gegensatz zu Mann und Frau langweilig ist. Weil in Mann und Frau eine unendliche Fülle von Möglichkeiten verborgen liegt, die bloß Mensch nicht hätte. Darum gibt es Mann und Frau. Mann und Frau, Yin und Yang – das geht nahtlos ineinander über. Wie das Farbenspektrum. Und in diesem Spektrum ist jeder von uns ein einzigartiger Pixel.

    • federleichtes
      Mai 21, 2014 um 3:05 pm

      Lieber Marian,

      ich kann das Leben als Ganzes nicht als Not oder Mangel sehen. Ich hab‘ zu essen, zu trinken, ein Dach über dem kopf und einen Balkon voller Vögel, die mich morgens in den Schlaf singen. Ob diese wunderbaren Geschöpfe (geschöpft von sprühendem Geist?) überhaupt Not kenne, darf ich bezweifeln. Wenn sie verhungern müssen, tun sie es – ebenso klaglos, wie Kinder ohne Bewusstsein über das Wesen des Menschenlebens. Diese Kinder leben die chancenlose, die gnadenlose, die absolut kalte Seite des Lebens – sie erleben die Kehrseite der Über-Fülle. Sie sterben an einem Lebens-Prinzip: Dem der Ungerechtigkeit. Der Teufel, sagt der Volksmund, scheißt auf den größten Haufen. Stimmt das?

      Es gibt eine „Theorie“, nach der die Schöpfer dieses sadistischen Elendstheaters mit boshaft glitzernden Augen in den Logen sitzen und sich zeitweilig die Bäuche vor Lachen halten. Das wäre mal eine Alternative zu Sinn und Zweck, das Leben für Menschen haben könnte – dem Zeitlos-Selbstgefälligen Unterhaltung zu ermöglichen. In meiner Vorstellungswelt beschreibt sich so die Hölle, das ewig währende Leid, dem nicht zu entrinnen ist. Fraglich bliebe, ob diese Variante des Wahns, der bunten Palette der Perversionen des Geistes Ausdruck zu verleihen, Sinn macht.

      Ja, der Leistungskomplex. Schauen wir uns die Lebensleistung des Menschen mal etwas genauer an. Ich zitiere aus einer Info-Mail, die gerade ankam:

      „Die Kriegsmaschinerie des Ersten Weltkriegs produzierte Tod und Zerstörung in bis dahin unvorstellbarem Ausmaß. Er schlug wie ein Meteorit in die prosperierende und durch Fortschrittsoptimismus geprägte Gesellschaft der Belle Epoque ein – obwohl diese vermeintlich heile Welt auch durch eine hochgradige Militarisierung und fast allgemeine Akzeptanz des Krieges als Mittel der Machtpolitik geprägt war. Zudem hatte die Industrialisierung neue Formen von Gewalterfahrung hervorgebracht: strukturell in der machtpolitischen Überformung der Klassenkonflikte und konkret durch die harte Industriearbeit in den Zechen und Stahlwerken.“

      Wenn Leistung (im umfassenden Sinne von Arbeit) dem Leben immanent ist, sollten wir klären, WIE Leben leistet, und WAS es leistet – um uns (erst) dann die Frage stellen zu können, WARUM es eine leistungsorientierte Form von Existenz geben muss.
      Unzweifelhaft scheint mir die Erschaffung der Welt eine Leistung zu sein. Ohne den Menschen könnte sie ein reines Produkt der Freude sein. (Die in der Natur angelegte Feindseligkeit können wir uns ja mal als künstlich angelegt vorstellen). Was eine Blume leistet, um blühen zu können, dürfte vergleichbar sein mit der Versorgung des menschlichen Körpers. Was Flora und Fauna als Gemeinschaft leisten ist dagegen geregelt, im Gegensatz zur menschlichen Gesellschaft, deren entsprechende Leistungen sich unter dem Begriff Kultur subsummieren; der dort waltende Geist ist jedenfalls nicht nur auf Harmonie/Frieden gerichtet.

      Der frühe Vogel fängt den Wurm, die sieben fetten und die sieben mageren Jahre weisen auf Mangel hin, der auf der körperlich-materiellen Ebene (durch einen Aspekt des Lebensgeistes) zum Ausdruck gebracht wird.
      Eine wesentliche Arbeit leistet Mensch jedoch auf der psychischen Ebene. Wie verarbeitete Abraham seinen ermordeten Sohn und einen Sohn als Mörder zu haben? Wie kamen die Israeliten mit ihrer Sklavenschaft in Ägypten zurecht? Und wie erlebten Mütter die Geburt und Pflegschaft ihrer Kinder, wenn ihre Söhne in Kriegen verheizt und ihre Töchter beliebig missbraucht wurden? Schicksal? So ist das Leben nun mal? Ja, wie ist das Leben wirklich.

      Selig sind die Verrückten. Einerseits die, die wirres Zeugs vor sich hinplappern. Und andererseits die, die sich dem Wahn entziehen, der Feindseligkeit entrücken konnten. Gottseidank/leider scheinen mir das nicht die Standards zu sein – das Wollen zu können und werden zu können, was Leben als Option anbietet: Glücklich-Sein. Diesen Zustand zu erreichen ist sicher eine Frage des Miteinanders des Weiblichen und des Männlichen, aber es ist keine Frage eines NÖTIGEN Miteinanders von Frau und Mann: Wo Bedürftigkeit ist, kann keine Liebe und kein Glück sein.

      Das sprechen die Lebenserfahrungen eines „alten“ Mannes. Der glaubt, die Liebe könne man nicht zu Grabe tragen, sondern sie auferstehen lassen.

      In diesem Sinne ein fröhlicher Gruß in die Runde.

      Wolfgang

  22. Manfred Voss
    Mai 21, 2014 um 11:38 pm

    Ich lese stillvergnügt mit, auch wenn ich z.Zt. wenig Antrieb/Lust und Zeit zu schreiben habe … dennoch komme ich hier an ein paar Bemerkungen nicht vorbei:

    Ist der Urgrund das, was auch als „Leere“ bezeichnet wird?

    Gruß in die Runde
    Manfred

    Anmerkung Martin: Toller Text, daher weiter in eigenem Artikel

  1. Mai 6, 2014 um 3:46 pm

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