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Umsetzungsgedanken der Schule des Werdens

Roland Forberger hat in seinem ersten ersten Artikel die Ankerpunkte der Schule-des-Werdens skizziert, die die pädagogische Haltung vermitteln sollte. In der Fortsetzung wird er nun konkreter und konzentriert sich auf den organisatorischen Teil der Umsetzung. Wichtig war ihm dabei, möglichst viele Übergänge zu dem bestehenden Schulsystem zu schaffen, so dass eine gewisse Durchlässigkeit und Durchmischung möglich ist. Dies sei daher besonders wünschenswert, da nur begrenzt bereits in der ersten Schulklasse die grundsätzliche Lernmotivation (und damit die passende Schulform) der Kinder erkennbar ist – oftmals ergäbe sich diese erst im späteren Verlauf, aner lest selbst:

Umsetzungsgedanken der Schule des Werdens

Schnappfisch-1784Zuerst noch ein kurzer Einschub zum pädagogischen Konzept:

Nachdem, was ich bisher gelesen und gesehen habe, erscheint mir gerade in den ersten Jahren die Montessori-Haltung und -Pädagogik, welche mit Maria Montessori Einzug in die Bildungslandschaft gefunden hat, sehr wertvoll. Mit fortschreitender Klassenstufe würde ich dem von Peter Petersen 1927 erdachten Jenaplan-Schulentwicklungskonzept den Vorzug geben, wobei das eine das andere nicht ausschließt!

Kommen wir nun zur Gliederung der Schule-des-Werdens. Diese teilt sich momentan in drei Bereiche auf:

  1. die Grundstufe
  2. die Werkrealstufe
  3. die Oberstufe

In der vierjährigen Grundstufe liegt der Schwerpunkt auf dem gemeinsamen Erfahren der sozialen Kompetenzen und in der Potenzialentfaltung. Gleichzeitig werden die gemeinsamen Grundlagen in Sprache, Mathematik und Gestaltung/Ausdruck gelegt.

In der Werkrealstufe werden die Grundlagen erweitert und ausgebaut. Persönliche Vorlieben vertieft und das soziale Miteinander gestaltet. Verstärkt werden ganzheitliche Prozesse gefördert und das Lernen reflektiert. Ziel der sechsjährigen Werkrealstufe ist es, zu Lernen wie jeder für sich individuell am effektivsten lernt, Wissensstruktur für das lebenslange Lernen zu gestalten und die Begeisterung fürs Lernen zu entfachen. Die Freiheitsgrade öffnen sich dabei stetig. Nach Ende der Stufe kann die Prüfung des staatlich anerkannten Werkrealschulabschlusses gemacht werden.

Die zwei- bis dreijährige Oberstufe hat die Hochschulreife zum Ziel, dessen Dauer die Lernlinge selbst festlegen. Die zuvor gelegten Freiheitsgrade werden hier abermals erweitert, so dass sich die Lernlinge ihre Lernbegleiter selbst organisieren müssen (vergleichbar dem methodos-Konzept). Die Schule-des-Werdens stellt die Räumlichkeiten und das Netzwerk, ebenso wählen die Lernlinge der Oberstufe einen Begleiter aus der vorigen Werkrealstufe, der ihnen als Mentor zur Seite steht. Periodische Selbstreflexionsphasen mit dem Mentor dienen einerseits zur Lern- und Qualitätskontrolle, anderseits um das erfahrene und erarbeitete Organisationswissen für die nachfolgenden Generationen zu bewahren.

Bei Bedarf können die drei Stufen noch in beide Richtungen ergänzt werden. Vor der Grundstufe mittels eines Kindergartens und nach der Oberstufe um ein (Bachelor-)Studium. Beide zusätzlichen Stufen haben im Vorgehen und Inhalt Ähnlichkeiten mit den oben beschriebenen (angrenzenden) Stufen. Alle Stufen haben ein benotungsfreies Werden gemeinsam. Die Rückmeldungen der Lernziele erfolgt qualifiziert-relativ, statt schematisch-absolut. Direkte und periodische Rückmeldungen an die Lernlinge und Eltern geben gleichförmige und aktuelle Lernorientierung.

Übergänge der Stufen

Die zuvor beschriebenen Stufen sind nicht isoliert zu sehen, sondern haben Übergänge und Rückbezüglichkeiten. Da sich die meisten dieser Verbindungen erst in der gelebten Praxis ergeben, werden hier nur einige exemplarisch geschildert, damit die Intention klarer wird.

In der Werkrealstufe führt eine Lesepatenschaft in der Grundstufe dazu, dass die freie Lesekompetenz gesteigert wird und in der Grundstufe Kontakte zu den älteren Lernlingen entstehen. Dieser Austausch wirkt ebenso von der Oberstufe in die Werkrealstufe, damit die Lernlinge in der Werkrealstufe mehr Möglichkeiten haben, ihre Art des Lernens zu erfahren.

Gemeinsame Sportaktivitäten – z.B. Klettern – ermöglichen ebenfalls eine gute Kontaktmöglichkeit und soziale Bindung. Darüber hinaus bieten die im ersten Beitrag beschriebenen Aktivitäten – z.B. im Bereich der „essbaren Stadt“ – weitere Gelegenheiten der Vernetzung.

Umgang mit Ressourcen

Wie schon zuvor anklang, ist ein wesentliches pädagogisches Ziel der Umgang mit Ressourcen. Hier soll bereits sehr früh die von Michael Braungart und William McDonoug eingebrachte Denkweise der Ökoeffektivität, welche in cradle-to-cradle (C2C, siehe auch) manifestiert wurde, vermittelt werden. Ziel ist es, ein Konsumverhalten zu fördern, welches sich der Verwertungskreisläufe bewusst wird, bei denen nicht die Vermeidung bzw. die Vernichtung am Anfang bzw. Ende steht, sondern Verwertungskreisläufe entstehen – analog zur Natur. Diese Haltung spiegelt sich auch in den ansässigen Handwerksbetrieben wieder, so dass die Lernlinge diese Haltung auch in der Praxis erfahren können.

Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln.
(Erich Kästner)

Ihr Roland ForbergerErstveröffentlichung auf SCHNAPPFISCHKAPITALISMUS

  1. April 29, 2014 um 8:18 pm

    Prof. Dr. Michael Braungart meint, dass wir auch mit 20 Milliarden Menschen auf der Erde überleben können, wenn wir das richtig machen, eben mit cradle-to cradle:

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