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Teile der Bildersprache: Das kollektive Unbewusste und die Archetypen

ich kam gerade an einem Artikel über „Archetypen“ vorbei und dachte, dass er weitere Impulse auf unserem Weg der Erkenntnis geben könnte. Daraus der Abschnitt:

Das kollektive Unbewusste und die Archetypen

Jung unterscheidet zwei Arten des Unbewussten. Es gibt eine oberflächliche Schicht, die sich aus persönlicher Erfahrung bildet und deshalb das persönlich Unbewusste ist. Tiefer jedoch liegt das kollektive Unbewusste, dessen Ursprünge in einer archaisch-mythologischen Denkweise liegen. Kollektiv bedeutet, dass es angeboren ist und die seelische Grundlage eines jeden Menschen bildet. Die beiden Schichten des Unbewussten enthalten bewusstseinsfähige Inhalte. Bei dem persönlich Unbewussten nennt Jung diese gefühlsbetonte Komplexe, die des kollektiven Unbewussten jedoch nennt er Archetypen.

Ein Archetypus ist nach Jung ein seit Alters her vorhandenes Bild, das sich vor allem in Mythen, Märchen und Träumen ausdrückt. Mythen stellen hierbei psychische Manifestationen und das Wesen der Seele dar. Doch er ist nicht bei jedem Erscheinen absolut gleich, sondern verändert sich, nur eine abstrakte Grundform lässt sich erschließen. „Der Archetypus stellt wesentlich einen unbewußten Inhalt dar, welcher durch seine Bewußtwerdung und das Wahrgenommensein verändert wird, und zwar im Sinne des jeweiligen individuellen Bewußtseins, in welchem er auftaucht.”

Jung sieht den Ursprung der Archetypen beim Ursprung der Menschen selbst und ebenso alt, wenn nicht gar älter, wie diese. Er sagt, dass primitive Stammeslehren sie in unbewusste Formeln und Geheimlehren verwandelten, zu Religionen. Der ‘Primitive’ würde hierbei seine äußere Sinneserfahrung an sein seelisches Geschehen assimilieren und so Götter und Helden schaffen. Stammeslehren wurden heilig, wurden Religionen. Diese wandelten die Geheimnisse der Seele, welche in Bildern spricht, um in konkrete Bildnisse und Dogmen. Doch je großartiger und menschenfremder diese Bildnisse und Dogmen werden, desto mehr entfernen sie sich der Erfahrung des Individuums. Sie werden zu Glauben und sind keine Erfahrung mehr. Hierin sah er auch den Grund, warum der moderne Mensch sich zu den Geheimnissen der östlichen Welt hingezogen fühlt: seine eigenen Geheimnisse hat er hinter sich gelassen.

Am Beispiel des Heiligen Niklaus von der Flüe schildert Jung, wie eine Erscheinung, ein Erleben, erst durch längere Angleichungsarbeit an das kollektive Unbewusste der Seele angeglichen und damit verarbeitet werden kann, um das seelische Gleichgewicht wiederherzustellen. Dogmatische Symbole zeigen dem Menschen hierbei in ihm verständlicher Form, was er zu denken hat und formuliert das kollektive Unbewusste, ersetzt es. Schon immer wurde so das kollektive Unbewusste durch Bilder ausgedrückt, die die Seele schützen indem sie erklären. Das moderne Aufkommen der Vernunft zerstörte diesen Zweck jedoch. Man erkannte, dass die Bildnisse nichts Wirkliches bedeuten, sondern vom Menschen gemacht sind. So fiel man vom Glauben ab und steht dem Unbewussten nun schutzlos gegenüber. Jung bezeichnet die Vernunft als die Summe von Vorurteilen und Kurzsichtigkeiten. Jedoch hilft die Religion dem Menschen allein auch noch nicht. Die Verehrung von Bildnissen verhindert, dass sie in die Tiefe des Menschen vordringen und damit verarbeitet und integriert werden. Hierbei ist besonders schlimm, dass der christliche Mensch nur eine Welt voller Einzeldinge sieht und alles aus seinem kollektiven Unbewussten herausholt und manifestiert, wodurch die Seele leer wird. Der östliche Mensch dagegen betrachtet die Welt als Eins, als Traum. Alles ist im Menschen und dieser wird dadurch überirdisch. Der Christ wurde durch all seine Symbole nie innerlich berührt und blieb deshalb dort unverändert.

Weiter über den „Geist“ mit den Archetypen Wasser, Schatten, Anima, Alter Weiser, Gottesbild. Darin noch zur Sexualität:

Im Wasser entdeckt der Suchende Wesen. Fische, Nixen und andere mythologische Wasserwesen. Diese sind eine instinktive Vorstufe, genannt die Anima. Die Anima wurde im Laufe der Entwicklung der Menschheit immer komplexer und heißt heute ‘erotische Fantasie’. Die Anima ist das Lebendige und die Seele ist das Lebendige im Menschen. Ohne ihre Bewegung würde der Mensch vor Trägheit erstarren. Die Anima ist im Menschen stets das Gegengeschlechtliche, denn jeder Mensch besitzt auch Gene des anderen Geschlechts. Sie ist auch eine Vorstufe des Göttlichen. Sie kann gut aber auch das Böse sein und befindet sich außerhalb des psychischen Bereichs des Menschen. Sexuelle Störungen entstehen z.B., weil das Bewusstsein sich nicht anpassen kann. Die Anima ist chaotischer Lebensdrang, ist geheimes Wissen.

Nichts in der Welt hat laut Jung eine Bedeutung, solange Niemand da ist, der es deuten kann. Der Mensch deutet, weil er nicht versteht. Dann hat er den Dingen einen Sinn gegeben, der sich in Form des alten Weisen manifestiert, der erklärt und hilft.

Das Gottesbild muss im Inneren des Menschen sein, damit die Seele ganz wird. Das ist der Grund, warum die Seele eines christlichen Menschen unentwickelt bleibt.

  1. April 13, 2014 um 9:05 am

    Wenn du gegen jemanden kämpfen willst, so bleibst du weiter unwissend.
    Wenn du gegen die eigenen Schwächen- Glauben, Traditionen, egozentrischen Impulse- kämpfst, so bist du bereits Gewinner.

    Das Licht kämpft nicht. Das Licht IST- strahlend.

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