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Phony smartness … der Fluch einer flüchtigen Zeit ?!

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Was unterscheidet das abgebildete Buch vom abgebildeten Smartphone, bedenkt man, dass Größe, Dicke und Gewicht beider Objekte annähernd identisch sind ? Das eine ist ein zeitloser Informationsträger, das andere ein flüchtiger Datenträger. Das eine ist antifragil, das andere fragil. Das eine wurde vom Autor Zygmunt Bauman verfasst und mit Flüchtige Zeiten betitelt, das andere wurde möglichst profitorientiert an mehreren Orten weltweit produziert und wird obendrein seiner Bezeichnung keineswegs gerecht.

Baumans Buch schafft, was kein Smartphone zu leisten imstande ist. Es legt den Rahmen dar, in dem sich jene Intention wiederfindet, welche Menschen motiviert hier im Blog zu schreiben, zu lesen und zu kommentieren. Vor allem aber zeigt es die Rahmenbedingungen auf, die Blogs wie diesen erst ermöglichen bzw. gar überhaupt erst notwendig machen. Dieses Buch, klein, handlich, beinahe unscheinbar, ist ein Wegweiser, wie er richtungsweisender, wie er weiser, nicht sein kann, denn auf gerade einmal 160 Seiten vermag Bauman dem Ego-Ich der Expansion ein Gesicht zu verleihen, wie es keiner wahrhaben möchte, obwohl es mittlerweile allgegenwärtig, um nicht zu sagen erschreckend vertraut ist. Es ist die schonungslose Darstellung des Ego-Ichs, welches sich vom wahren Wesen-Ich, geblendet von Fortschritt, Wohlstand und Wachstum, derart weit entfremdet hat, dass ein gemeinsames Happyend umso utopischer anmutet, je länger jener Utopie von immer mehr Egos nachgejagt wird.

Um ein Gefühl für all unsere Diskussionen und Thematiken hier auf Martins Blog zu bekommen ist Flüchtige Zeiten im Grunde Pflichtlektüre, vor allem um zu erfassen, wie weit es, mittels der Globalisierung, bereits mit der Entfremdung der Menschen von der natürlichen Ordnung, vor allem aber von seinesgleichen, gekommen ist. Eigentlich erübrigen sich weitere Themen und weitere Diskussionen hier im Blog bevor man nicht selbst dieses Buch komplett gelesen hat, denn auch wenn es keine Antworten bieten kann, was auch nicht die Absicht des Autors war, so finden sich auf den Seiten die Ursprünge all jener Fragen, die uns hier immer wieder und wieder, mal geistreich, mal geisterhaft, mal beseelt, mal wesentlich, mal banal, beschäftigen.

Gerade jetzt zur Weihnachtszeit, wo der Massenkonsum das Sagen hat und die WTO mit ihrem Globalabkommen den Welthandel vermeintlich revolutioniert, sollte der Trend nicht zum Zweitphone, sondern vielmehr zum wirklich smarten Erstbuch gehen. Sicher ist es Wunschdenken meinerseits, dass sich Menschen eher über ein derartiges Buch unterm Weihnachtsbaum freuen könnten, als über ein weiteres Smartphone der neuesten Generation … schließlich weiss die kurzfristige Befriedigung eines eigenen Wunsches mehr zu beglücken, als der lange Weg zum anhaltenden Wohlergehen des Lebens als Gemeinschaft …

Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen ein paar Textstellen aus Baumans Buch zu zitieren, mir vollends der Tatsache bewusst, dass diese Schnappschüsse nicht dem Gesamtbild gerecht werden können, welches der Autor im Rahmen seiner Arbeit eindringlich und detailliert vermittelt.

“Das Wohlergehen eines Ortes ist nie ganz unschuldig am Elend eines anderen.“  [ Seite 13 ]

“Um die prophetische Warnung Alexander Hamiltons zu zitieren:’Die gewaltsame Zerstörung von Leben und Eigentum als Teil des Krieges, die ständige Mühsal und dauernde Unruhe in einem Zustand kontinuierlicher Bedrohung werden auch besonders freiheitsliebende Nationen dazu bringen, sich Ruhe und Sicherheit selbst durch Institutionen zu schaffen, die tendenziell ihre bürgerlichen und politischen Rechte zerstören können. Um sicher leben zu können, werden sie schließlich bereit sein, das Risiko einzugehen, weniger frei zu sein.“‘ [x]  [ Seite 17 ]

“In den Worten David L. Altheides ist das eigentliche Problem nicht die Angst vor Gefahren, sondern das, was sich aus der Angst entwickeln kann.“ [x]  [ Seite 17 ]

“Es liegt auf der Hand, dass der Kreislauf aus Angst und angstgetriebenem Verhalten nicht so reibungslos funktionierte und an Geschwindigkeit gewänne, wenn sich seine Energie nicht beständig aus existenziellen Erschütterungen speisen würde.“  [ Seite 18 ]

“Der Begriff ‚Fortschritt‘, einst die extremste Ausdrucksform eines radikalen Optimismus und das Versprechen universell geteilten, dauerhaften Glücks, ist mittlerweile am dystopischen, fatalistischen Gegenpol unseres Erwartungshorizonts angekommen. Jetzt steht er für die Bedrohung durch unablässige, unausweichliche Veränderungen, die statt Ruhe und Frieden nichts als Dauerkrisen und Anspannung verheißen und uns keine Pause gönnt.“  [ Seite 20/21 ]

“Der neue Individualismus, das Verkümmern zwischenmenschlicher Bande und das Welken der Solidarität sind die eine Seite einer Medaille, deren andere die verschwommenen Konturen der ’negativen Globalisierung‘ zeigt. In seiner gegenwärtigen, rein negativen Form ist Globalisierung ein räuberischer und parasitärer Prozess, der sich aus der Kraft nährt, die er aus den Körpern der Nationalstaaten und ihrer Bürger heraussaugt.“  [ Seite 40 ]

“Auf einem negativ globalisierten Planeten sind alle grundlegenden Probleme – die Metaprobleme, die bedingen, wie alle anderen Probleme angegangen werden – globaler Natur, so dass Lösungen auf lokaler Ebene ausgeschlossen sind. Es gibt keine lokalen Lösungen für Probleme, die durch die Globalisierung verursacht oder verschärft werden, und es kann sie nicht geben.“  [ Seite 42 ]

“Wie Benjamin R. Barber so treffend formuliert hat:’Kein amerikanisches Kind kann sich in seinem Bett sicher fühlen, solange sich Kinder in Bagdad in ihren Betten nicht sicher fühlen können. Europäer werden sich ihrer Freiheit nicht lange brüsten können, wenn Menschen in anderen Teilen der Erde weiterhin benachteiligt und gedemütigt werden.“  [ Seite 42 ]

“Von allen Dämonen, die sich in den offenen Gesellschaften unserer Zeit eingenistet haben, ist die Angst wohl der hinterhältigste.“  [ Seite 43 ]

“Doch jetzt ist die Erde voll; das bedeutet unter anderem, dass Prozesse, die für die Moderne typisch sind, wie das Schaffen von Ordnung und der wirtschaftliche Fortschritt, überall stattfinden, so dass überall ‚menschlicher Abfall‘ produziert und in immer größeren Mengen ausgestoßen wird; allerdings gibt es jetzt keine ’natürlichen‘ Müllkippen mehr, die der Lagerung und dem möglichen Recycling dienen könnten. Der Prozess [ … ] ist an seine äußerste Grenze gestößen.“  [ Seite 83 ]

“Die schmerzliche und unheilbare Erfahrung von Unsicherheit ist ein Nebeneffekt der Überzeugung, dass absolute Sicherheit möglich ist, wenn man nur über die entsprechenden Fähigkeiten verfügt und sich ausreichend anstrengt [ … ]. Wenn sich also herausstellt, dass es nicht gelungen ist, dann kann man dieses Versagen nur unter Verweis auf eine heimtückische Tat in böswilliger Absicht erklären. Es muss in diesem Drama einen Bösewicht geben.“  [ S. 87 ]

““Während die Bewohner [ von Städten … Anmerk. meinerseits ] ihren Kommunikationsbereich auf den internationalen Raum ausdehnen, schotten sie zugleich ihre Häuser mit Hilfe einer immer ‚intelligenteren‘ Sicherheitsinfrastruktur vom öffentlichen Leben ab.“ [x]“  [ Seite 110 ]

“In zeitgenössischen Träumen dagegen scheint sich das Bild des ‚Fortschritts‘ vom Diskurs des gemeinsamen Optimierens zu dem des individuellen Überlebens verlagert zu haben. Fortschritt wird nicht mehr im Kontext eines Vorwärtsdrängens gedacht, sondern mit dem verzweifelten Versuch in Verbindung gebracht, im Rennen zu bleiben.“  [ Seite 151 ]

[x] Fußnoten siehe Originaltext

Der Vergleich, den Bauman gegen Ende seines Buches heranzieht, indem er die Entwicklung der Menschheit vom Wildhüter zum Gärtner zum Jäger beschreibt, verdeutlicht, was das Ego-Ich aus dem Garten Eden gemacht hat und welche Auswirkungen dieses auf die Dynamik unser aller Leben hatte und nach wie vor hat … aber auch noch haben wird. Er verdeutlicht aber auch ungeschminkt, wie sehr sich jeder einzelne von uns, mal mehr, mal weniger, auf die Macht der Kosmetik verlässt, wenn es darum geht, die gewohnte Normalität des Alltags aufrechtzuerhalten, damit auch weiterhin individuell vorausgeplant werden kann, nur um angsterfüllt festzustellen, dass man umso verlassener dasteht, je länger man den Fortschritt aus den Augen lässt.

Was für unsere moderne Ernährung gilt, wie ich bereits in meinem letzten Artikel beschrieb, gilt uneingeschränkt auch für das moderne Leben in den Städten … und erst recht in den Metropolen dieser Welt. Vorausplanungen am Reißbrett, um Städte nach Maß zu schaffen, lösen ebensowenig globale Probleme, wie ein noch so geistreich ersonnenes Dorfprojekt. Erst recht nicht, wenn Probleme der Expansion nicht realisiert wurden, damit Lösungen gefunden werden, sondern realisiert wurden, damit die Problematisierung eines wesentlichen PROBLEMS körperlich, geistig und psychisch erlebt werden kann, jenes UR-Problem, aus dem alle Metaprobleme, und alle weiteren Probleme seitdem, hervorgegangen sind.

Es ist gerade die Angst, die Bauman immer wieder thematisiert, sie mit dem Begriff Mixophobie gestaltend und damit alles Fremde um uns herum bezeichnend, mit dem wir nicht in Kontakt kommen wollen. Mixophobie, und ihr Gegenstück, die Mixophilie, sind wie Mainstream und Alternativen … und wesentlicher Bestandteil der Dynamik der real(isiert)en Welt. Mixophobie ist die Angst aller Öltropfen sich mit dem Wasser vermischen zu müssen. Komisch, dass es gerade die Länder sind, in denen die von Bauman beschriebenen Ängste allgegenwärtig sind, die ihren Fortschritt auf Öl aufbau(t)en, nicht wahrhaben wollend, dass ihnen das Öl ohne Wasser nichts genutzt hätte.
Mixophobie befällt die EINEN. Mixophilie dagegen ist das Wesen der ANDEREN, nicht aus ihrem freien Willen heraus, sondern vielmehr im Rahmen der Notwendigkeit das PROBLEM maximal zu problematisieren. So schreibt Bauman bezüglich dieser beiden Gegensätze:

“Je länger Menschen in einer gleichförmigen Umwelt leben – in der Gesellschaft von ‚ihresgleichen‘, mit denen sie nüchterne, oberflächliche Kontakte pflegen, ohne das Risiko von Missverständnissen einzugehen und ohne die irritierende Notwendigkeit, zwischen unterschiedlichen Bedeutungswelten zu übersetzen -, desto wahrscheinlicher wird es, dass sie die Kunst ‚verlernen‘. gemeinsame Bedeutungen auszuhandeln und einen angenehmen modus covivendi zu finden. Da sie die Fähigkeit, die ein erfülltes Leben inmitten der Differenz erfordert, vergessen oder es versäumt haben, sie sich anzueignen, nimmt es kaum wunder, dass es bei denen, die die Fluchttherapie bevorzugen und praktizieren, zunehmend Entsetzen auslöst, wenn sie sich vorstellen, Fremden Auge in Auge gegenüberzutreten. Fremde erscheinen immer furchteinflößender, weil sie immer unbekannter, unverständlicher und weniger vertraut werden und weil der Dialog und die Interaktion, die ihre ‚Andersartigkeit‘ in die eigene Lebenswelt integrieren könnten, abreißen oder gar nicht erst stattfinden. Das Streben nach einer homogenen, räumlich isolierten Umwelt mag durch die Mixophobie ausgelöst worden sein, was der Mixophobie jedoch als Rettungsweste dient, ihr Nahrung gibt und allmählich zu ihrer wichtigsten Stütze wird, ist das Praktizieren räumlicher Trennung.“  [ S. 132 ]

Es sind auch die fortgeschrittenen Länder, in denen Milch nicht naturbelassen, sondern homogenisiert bevorzugt wird, aus Ekel vor jenem Fettklumpen, der sich bei naturbelassener Milch von Natur aus auf der Oberfläche bildet. Nein, mit diesem ‚Abschaum‘ wollen an Mixophobie leidende Menschen nichts zu tun haben und ziehen ein Leben als isolierter Fettropfen, unterhalb der Öffentlichkeit, vor. Doch sie machen die Rechnung stets ohne diejenigen, die der Mixophilie sehr offen gegenüberstehen … und die immer mehr indirekten Einfluss auf die Phobiker haben, ähnlich dem allgenwärtigen Prinzip des ‚like-likes-like‘, wie hier näher, in Wort und Bild, beschrieben wurde.
Die Verschmelzung aller Mixturen und Kreaturen ist unausweichlich, wenn auch unüberwindbar scheinende Hindernisse sich auf dem Weg dorthin auftürmen, die erst im Laufe der Zeit mehr und mehr als Hinweis, denn als Hindernis angesehen werden. Daher lasse ich zum Schluss noch einmal Zygmunt Bauman zu Wort kommen, der seinerseits die Worte eines Anderen aufgreift, einem Staffellauf von Informationen nicht unähnlich, hat eine Staffel doch stets ein gemeinsames Ziel … und verschiedene Teilnahmer:

“Wie Hans-Georg Gadamer in ‚Wahrheit und Methode‘ darlegte, entsteht Verständnis füreinander durch eine ‚Verschmelzung der Horizonte‘, und zwar der kognitiven Horizonte, die sich im Zuge des Erwerbs von Lebenserfahrung ausbilden und ausdehnen. Diese ‚Verschmelzung‘, die die Voraussetzung für gegenseitiges Verstehen ist, kann nur das Ergebnis gemeinsamer Erfahrungen sein; und gemeinsame Erfahrungen sind undenkbar ohne Räume, die man miteinander teilt.“  [ S. 136 ]

Wofür es Smartphones geben muss, wird indes immer deutlicher. Wahrlich nicht, um smart zu werden, höchstens um, recht scheinheilig noch dazu, möglichst geistreich zu erscheinen. Mixophobie zeigt sich daher vielschichtig in unserer Gesellschaft, nicht nur in der beweisfordernden Wissenschaft oder in Jenen, die dem Natürlichen den Rücken zukehren, schließlich wird das Ausmaß dieser Phobie vor dem Fremden, den Alternativen, den und dem Anderen, mit jedem weiteren Smartphone und ähnlichen Technologien, vorangetrieben, welche allesamt unter Weihnachtsbäumen zu liegen kommen … oder sonstwie in den Lauf des Teufelshalbkreises geraten.
Bauman merkt an, dass der unausweichliche Prozess der Verschmelzung der Befremdeten und der Fremden, der Einen und der Anderen, aber auch der EINEN und der ANDEREN, am ehesten dort gelingen wird, wo beide sich auf engstem Raum nicht aus dem Weg gehen können … ganz im Sinne der Überzeugung des französischen Virenforschers Félix d‘ Herelle, der vor beinahe hundert Jahren schon die Ansicht vertrat, dass nur dort, wo eine Seuche wütet, auch die wahrhaftige Heilung zugegen sei.
Kein Wunder, dass wir Menschen unentwegt versuchen Räume zur Problematisierung des einen PROBLEMS zu schaffen, obwohl wir stets allen Raum haben das PROBLEM zu lösen. Virtueller Raum als Zufluchtsort, zwecks Auslebung unserer Phobien ? Als künstliche Spielwiese aller möglichen Probleme ?

Doch vielleicht vermag gerade die Mixophilie, trotz aller modernen Trends zum Neu-Phone bzw. Zweitphone, dem mixophoben Fortschritt einen, ganz anders gearteten, geistreichen Streich zu spielen ? Wie ? Nun, indem man sich Baumans Buch als ebook auf das eigene Smartphone lädt … denn wer glaubt, dass das Wesen-Ich den Fortschritt nicht nutzt, liegt gehörig daneben, auch wenn das Ego-Ich der EINEN sich etwas ganz anderes von ihm erhofft(e), etwas, dass wiederum die ANDEREN nicht nötig haben. Gerade deshalb wird sich letztendlich jener Kreis schließen, der mit immer mehr Teufelskerlen, auf Teufel komm raus, andere Teufel in realen Details versteckte und so die teuflische Utopie erweckte – und seither maximal am Leben zu halten versucht – die unentwegt vom Himmel auf Erden erzählt … während sich Himmel und Erde mehr und mehr voneinander trennen, so wie die Menschen, die die Erde zunehmend bevölkern.

Mixophobie ist fragil, Mixophilie jedoch antifragil … voraus sich ein weiterer Unterschied zwischen dem einen besagten Buch und allen allgegenwärtigen Smartphones ergibt: das wegweisende Buch fördert die Mixophilie und ‚kluge‘ Handys spielen der Mixophobie in die Hände.

Gestern war ich klug, also wollte ich die Welt verändern.
Heute bin ich weise, daher ändere ich mich selbst.
Rumi

Gruß Guido
http://www.gold-dna.de
http://www.gold-dna.de/phi.html

  1. Dezember 12, 2013 um 12:21 am

    Wolfgang schrieb mal:

    “Instinktiv wendet man sich von der Gefahr ab. Intuitiv wendet man sich der Lösung, die in der Gefahr verborgen liegt, zu.“

    Nun, ohne Gefühl für das GANZE besteht dabei obendrein die Gefahr sich im Kreis zu drehen …

    Wenn das keine energetische Spirale der Problematisierung ist, deren Trichter weiter und weiter wird, was dann ?

    Gruß Guido

  2. Dezember 12, 2013 um 6:31 am

    Hat dies auf Walter Friedmann rebloggt und kommentierte:
    Der Fluch einer flüchtigen Zeit

  3. Dezember 21, 2013 um 12:04 pm

    Je mehr Daten im Spiel sind, desto länger gestaltet sich die Suche. Je mehr Informationen einbezogen werden, desto eher werden Beziehungen zum Gesamtbild offensichtlich.
    Je mehr Apps sich der Daten annehmen, um die Flut an Daten zu bändigen, desto länger kann man auf die perfekte Welle warten, die einem zur Erkenntnis trägt.
    Im Grunde steht uns ein Informationstsunami bevor, denn die Daten sorgen bereits dafür, dass sich das Wasser vom Strand zurückzieht …

    http://www.focus.de/digital/gastkolumnen/haller/apps-bereits-allgegenwaertig-smart-smarter-apps_id_3446803.html

    Smart … smarter … am orientierungslosesten …

    Gruß Guido

    • Dezember 21, 2013 um 4:52 pm

      Auf der einen Seite mag der Datentsunami uns den Blick verstellen, so dass wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.

      Auf der anderen Seite gibt es da einen Effekt, der uns die gerade passenden Informationen einfach zu-fallen lässt: Social Serendipity

      VG Martin

      • chattison
        August 15, 2014 um 10:52 am

        Nach meiner Einschätzung werden hier Ursache und Wirkung vertauscht.

        Ich nenne das den Panda-Effekt.
        Wenn Du selbst einen Fiat-Panda z.B. fährst, dann werden Dir plötzlich sehr viele andere Fiat-Pandas auffallen, die Dir vorher entgangen wären.

        Der hier beschriebene Effekt ist lediglich eine Fokussierungsfolge, eine Form des Trichtereffekts.

        Ich kenne den Effekt auch vielmalig aus dem Besuch von Buchhandlungen.
        Ein Thema beschäftigt Dich und selbst wenn Du wirklich gar nicht nach einem Buch zu DIESEM Thema gesucht hast, fällt Dir dazu etwas Brauchbares in die Hände^^
        Hier gibt es dann halt einen unbewussten Filtertrichter, der Dir geeignetes Material vermeintlich zuspielt – in Wahrheit bist Du es aber trotzdem selbst, der danach gesucht und eben darum gefunden hat!

        Der echte Serendipity-Effekt liegt auf einem ganz anderen Niveau.

  4. April 4, 2014 um 8:14 am

    Im hier verlinkten Text gibt es lustige Datenkonstrukte zum Thema, wie klug es ist Smartphones unser Leben bestimmen zu lassen:

    http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/vorsorge/news/selbst-diagnosen-mit-dem-handy-die-ganzheitliche-app-ist-der-letzte-schrei_id_3742943.html

    “ganzheitliche Messinstrumente“ zum Beispiel, oder “ … Wenn man die Chance hat, etwas zu messen, kann man es scheinbar managen …“

    Sehr bezeichnend für unsere Realität, in der nur sein kann, was mittels Messung beweisbar ist. Was versucht der Mensch wohl scheinbar zu managen ?

    Die ganzheitliche App ist der letzte Schrei ? Und was kommt nach dem letzten Schrei 😉 ?

    Gruß Guido

    • chattison
      August 15, 2014 um 10:36 am

      Nach dem letzten Schrei ist die Luft raus^^

  5. August 15, 2014 um 1:46 am

    Der Drang mittels Technologie mit anderen Menschen in Verbindung zu sein und zu bleiben ist Ausdruck dessen, was uns abhanden kommt, nämlich verbunden mit dem Leben als Ganzes zu sein. Doch die künstliche Verbundenheit ist nicht das Wahre, denn Smartphones sind den Zeitschriften in den Wartezimmern der Ärzte sehr ähnlich, dienen beide doch dem Unvermögen, sich mit unmittelbaren Fragen zur eigenen Verkörperung näher zu befassen und diese Verkörperung in der Gemeinschaft des Lebens zu betrachten. Beide lenken ab vom Wesentlichen … und dafür sind sie da.

    Gruß Guido

    • chattison
      August 15, 2014 um 10:43 am

      Es ist nicht nur keine Verbindung zur körperlichen Information, sondern noch nicht einmal das, was es vorgibt zu schaffen, nämlich die Verbindung von virtuellen Informationen!

      Genau so gut kann ich mich in World-of-Warcraft oder Ähnlichem bewegen und von Ork zu Ork über den Endboss labern – äääh, mit welcher Bedeutung eigentlich???

      Das Verlegen der Realitätsbezogenheit in einen virtuellen Raum ist tatsächlich eine Verlegenheitslösung.
      Da man die Realität nicht begreift trotz jeder Menge realer Infrmationen, wird eine Pseudorealität generiert, die mit virtuellen Informationsschemata eine substituierende Beherrschbarkeit vorgaukelt.

      Das ist ungefähr so wie hier:
      http://www.teleboom.de/html/body_erdgeschichte.html
      Nach dem Motto: Wenn ich schon das Leben nicht checke, so erschaffe ich mir eben eine Ersatzillusion, in der ich der Checkmaster bin!

      • August 15, 2014 um 10:50 am

        Die Frage bleibt hier: wessen Wirklichkeit die Wahre ist? Die der Herrscher oder die einiger Beherrschter, die hinter die Fassade zu blicken versuchen …

        Dass die Herrscher reichlich lügen, das scheint zumindest Fakt zu sein. Bleibt zu prüfen, wie viele der übertragenen Meme inzwischen nicht mehr auf Wahrheit beruhen. Kannst Du das einschätzen?

      • August 16, 2014 um 12:56 am

        “Nach dem Motto: Wenn ich schon das Leben nicht checke, so erschaffe ich mir eben eine Ersatzillusion, in der ich der Checkmaster bin!“

        http://www.gold-dna.de/updatesept13.html#up470

        Gruß Guido

  6. chattison
    August 15, 2014 um 11:03 am

    Bleibt zu prüfen, wie viele der übertragenen Meme inzwischen nicht mehr auf Wahrheit beruhen.

    Wenn Du mich so fragst, beruht keine einziges Mem auf Wahrheit!

    Begründung:
    Jedes Mem entsteht ja, egal ob gewollt oder unbewusst gefördert, als eine Art Schlußsteinersatz für das eigene Gedankengewölbe.

    Menschlicher Geist errichtet ständig gedankengewölbe, die seine Welt umspannen und, ähnlich wie in echten Gewölben, gerne ausgeschmückt, bemalt, verziert werden mit allerlei Sinnbildlichem, Botschaften o.ä.
    Aber egal, welches Gewölbe da steht, es ist nur ein sehr begrenzter Raum und voller Blendwerk.
    Ohne den Schlußstein würde der ganze Kram sofort einstürzen und den Blick auf das echte Firmament frei geben.

    Man könnte also überspitzt sagen:
    Meme wurden „erfunden“, damit genau dieser Blick versperrt bleibt, indem dem Einzelnen für sein beschränktes Gedankengewölbe ein passender Schlußstein = Mem zur Verfügung gestellt wird (sei es von ihm selbst oder eben von anderen), damit das vordergründig erst mal Bestand hat und der Mensch darin geborgen und übersichtlich Unterschlupf findet.

    Kommt jetzt jemand daher und rüttelt an dem Schlußstein, dann kommt schnell Panik auf, weil das so sorgsam errichtete Gedankengebäude nun radikal einsturzgefährdet ist!

    Und für den Aufenthalt unter freiem Himmel sind die wenigsten zu gewinnen^^

    • August 15, 2014 um 11:23 am

      🙂 ja, unter freiem Himmel könnte einem dieser auf den Kopf fallen 😉

  7. September 16, 2014 um 9:02 am

    Auch hier hat das Unwesen des Zeitgeistes seine Hände im Spiel und verkauft scheinbare Klugheit als Gerissenheit bzw. Geschäftstüchtigkeit:

    http://www.dict.cc/englisch-deutsch/smartness.html

    Das ist in der Tat ‚phony‘ Klugheit:

    http://www.dict.cc/?s=phony

    Gruß Guido

  8. Dezember 15, 2015 um 7:40 pm

    Der “Terror“ hat alles im Griff:

    http://www.focus.de/politik/ausland/polizei-bestaetigt-wegen-terrordrohung-alle-schulen-in-los-angeles-geschlossen_id_5156296.html

    Ein Wort genügt und die Gesellschaft läuft Amok:

    http://www.sueddeutsche.de/panorama/frankreich-lehrer-gibt-zu-is-messerattacke-war-erfunden-1.2783068

    Na, wie gut dass es Smart-Phones gibt, um “informiert“ zu bleiben, sowie Smart-Homes um sich selbst gefangen zu nehmen, und Smart-Grids, damit Energie dorthin gelangen kann, wo sie “wirklich“ benötigt wird. Ganz schön smart und clever ? Never ever !

  9. August 31, 2016 um 9:32 am

    Passend zum Text: http://www.fischerverlage.de/buch/die_smarte_diktatur/9783100024916

    Smart bedeutet eben nicht klug, sondern hat einen negativen Unterton, im Sinne von listig, hinterhältig, über Umwege und auf Kosten Anderer auf eigene Vorteile aus sein …

  10. Oktober 28, 2016 um 12:01 pm

    Exformierte Weisheit durch kontextbefreite Smartness zu ersetzen ist kein Anzeichen von Klugheit sondern wuchernder Nährboden für Verwirrung und Misstrauen.

  11. Gerd Zimmermann
    Oktober 28, 2016 um 3:32 pm

    Hi Guido

    Ich dachte schon…… aber wie konnte ich das Denken.

    Ja, Smartness ist kontextbefreit und exformierte Weisheit kann nicht zu
    Klugheit mutieren.

    Obwohl, der Zeitgeist kämpft bis zu letzten Blutstropfen oder sollte ich besser
    sagen bis zum letzten Bit.

    Also Bitteschön.

    Gruss Gerd

  1. Juli 24, 2016 um 7:13 am

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