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Ich liebe Sex – aber nicht, wenn ich vergewaltigt werde …

Ergänzend zum letzten Artikel zum Thema Teilen und Herrschen möchte ich ein wenig über meine „Befreiung“ sprechen. Sich trauen bedeutet ja, zumindest ursprünglich, so etwas wie “sich selbst vertrauen”, d.h. der eigenen Wahrnehmung inklusive Selbstwahrnehmung und den daraus folgenden Antworten/Handlungen … der Begriff Mut passt mir hier irgendwie nicht so richtig, da er “… oft fälschlich als Gegenteil von Vorsicht oder Besonnenheit gesehen” wird – sagt z.B. auch Wikipedia ;-)

Ich sehe das in erster Linie als Wahrnehmungsproblem, d.h. inwieweit ich “meine” Wahrheit erkenne und annehme, in mein Bewusstsein hochhieve und integriere, was z.B. mit der eigenen Position innerhalb der Polaritäten “Anspannung – Entspannung” oder auch “obstruction – flow” zusammenhängt. Oder nochmal anders formuliert: Inwieweit ich eine “kognitive Dissonanz” wahrnehme und dann auch konsequent aufzulösen versuche. In dem Moment, wo ich nicht so sehr nach außen auf das (mehr oder weniger vermeintlich) von außen Erwartete schaue, sondern ebenso oder mehr nach innen spüre und wahrnehme, wie meine aktuelle innere Bewegung ist, wo sie hin will usw. … umso mehr kann ich mich dem hingeben, da ich eher früher als später merke, wie ich meine Substanz verletze, wenn ich das nicht tue – oder so ähnlich.

Und braucht es Mut, sich selbst NICHT zu verletzen?

Natürlich: “Das Leben an sich ist lebensgefährlich” – ich hatte seinerzeit durchaus auch Ängste, wie es in Zukunft wohl funktionieren könnte, aber im wesentlichen nur, BEVOR ich diesen Schritt tat, vermutlich weil ich zu diesem Zeitpunkt finanziell abgesicherter war als es später je der Fall war … das fand ich bemerkenswert, dass mich die Unsicherheit später kaum störte – was ich “gewonnen” hatte, war offensichtlich für mich mehr als nur ein Ausgleich, jenseits aller finanziellen Aspekte.

Immerhin hatte ich einen “Vorteil”: Ich fühlte mich nie dazu hingezogen, eine Familie mit Kindern zu gründen, oder etwa ein Haus zu bauen – mein Gefühl war eher, dass ich zuerst MICH in diese Welt bringen müsste … na, vielleicht war das ja “fehlender Mut” ;-)

Noch ein paar Gedanken hierzu: Die Freude, gefährlich zu leben (Osho) … muss man nicht alles auf einmal anhören ;-) (Übrigens glaube ich, in meiner Zeit mit Osho die Fähigkeit weiterentwickelt zu haben, nicht auf Worte an sich zu hören, sie einfach nur zu analysieren oder so, sondern auf meine integrale innere Antwort darauf zu lauschen. Das hat natürlich mit Intuition zu tun.)

Jedenfalls meine ich, dass es sich für mich als letztlich immer richtig gezeigt hat, jener leisen inneren Stimme zu folgen, die einen immer wieder dazu anhält, tiefer zu schürfen und nachzusehen, was da ist, auch wenn mir das, was sich da offenbart, erstmal nicht gefällt – Jed McKenna, den ich sehr schätze, nennt diese innere Stimme übrigens “little bastard” (in deutsch übersetzter Version “kleiner Halunke”) ;-) . Das Ergebnis fällt natürlich immer subjektiv aus, und ist gleichzeitig individuell immer ein Weg zur eigenen “Wahrheit” und damit zu “Integrität”…

Meine subjektive Antwort auf die Wahrnehmung der Umstände und der Forderungen des mich umgebenden Gewaltsystems war (für mich offensichtlich) immer wieder, genau diesem System soviel Energie wie möglich (und daraus folgend Gewalt über mich) schlicht und einfach so weit wie möglich zu entziehen und einfach so weit wie möglich das zu tun, was MICH wirklich “nährt”. Dann kann ich auch geben/zurückgeben, nicht erzwungen, sondern freudig und freiwillig aus meiner Fülle und Tiefe heraus. Und das Paradoxe daran ist, dass ich dann auch andere “nähre”, ohne sie zu vergewaltigen. Mit “Egoismus” im üblich verstandenen Sinn hat dies alles in meiner Sicht nichts zu tun.

Ich hab kürzlich irgendwo einen Kommentar gelesen, der dies etwas schnodderig so auf den Punkt bringt, sinngemäß zitiert:

Ich liebe Sex – aber nicht, wenn ich vergewaltigt werde … ;-)

Euer Manfred

P.S.: Die beiden Beiträge, auf die ich mich hier beziehe, sind dieser und jener.

Kategorien:Gesellschaft
  1. Dezember 1, 2013 um 10:52 am

    Ich las gerade noch auf Facebook das Folgende von Goethe gesagte passend dazu:

    Über Entschlusskraft und Schöpfung gibt es eine grundlegende Wahrheit. Die Unkenntnis davon zerstört unzählige Ideen und grossartige Pläne und das ist es, dass in dem Moment, da jemand sich endgültig verpflichtet, dann auch die göttliche Vorsehung Einzug hält. Alle möglichen Dinge ereignen sich, um diesem zu helfen, Dinge, die sich sonst nie ereignet hätten. Ein ganzer Strom von Ereignissen ergibt sich aus der Entscheidung. Sie ruft für jenen, der die Entscheidung getroffen hat, alle möglichen Vorkommnisse und Zusammenkünfte und stoffliche Hilfe hervor, von der kein Mensch sich hätte träumen lassen, dass sie auf diese Weise eintreffen würden. Was immer Du tun kannst, oder wovon Du träumst, Du könntest es tun: beginne damit. Kühnheit trägt Genius, Macht und Zauber in sich. Beginne es jetzt.

  2. Dezember 3, 2013 um 11:51 am

    Ja.

    Bei Goethe lese ich auch immer wieder gerne, aber das kannte ich noch nicht.

    Schön, dass Du das ansprichst, das kann ich aus meiner Erfahrung bestätigen. Und das ist möglicherweise die wichtigste Erkenntnis, die ich im Laufe der Zeit gewonnen habe:

    Das Universum ist co-kreativ.

    Alles, was ich tue (bzw. irgend jemand anders), ist so etwas wie eine „lokale Störung“ des „Gesamtfeldes“ (was auch immer das genau ist), und dieses Gesamtfeld antwortet SOFORT mit einer Bewegung, die das Gesamtgleichgewicht wieder herzustellen trachtet.

    In vergangenen Jahren gab es ja eine Menge „Wunscherfüllungsliteratur“, die „Bestellungen beim Universum“ o.ä. – ganz so einfach ist das nicht … aber wenn ich eine authentische Sehnsucht habe und aus vollem Herzen vorbehaltlos anfange, aktiv Schritte in dieser Richtung zu unternehmen, dann kommt mir das Universum mit zehn Schritten entgegen.

    Na gut, etwas vereinfacht dargestellt 😉

    LG Manfred

    • Dezember 4, 2013 um 9:27 am

      das resoniert jedenfalls bei mir. Beispiel:

      vorgestern telefonierte ich mit Jemandem, dessen Intuition stark bei Julia, einer jungen linken Politikerin, ansprach, die in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Burkhardo hatte einige Tage intensiv recherchiert, da er viele Paralleln zu anderne Fällen sah, und vermutete, dass hier andere Politker am Werk waren, um eine unbequeme Person auszuschalten.

      Burkhardo nutzte mich als Sparringspartner, um Weg zu finden, Julia aus der Psychiatrie zu bekommen. Ich verblieben so, dass ich versuchen würde, sie als Friedensnobelpreisträgerin vorzuschlagen.

      Am nächsten Tag gab er mir Meldung, dass Julia nun überraschen doch wieder bei den Eltern wäre (siehe).

      Zufall?

  3. titelfrei
    November 9, 2014 um 9:23 am

    Vor einiger Zeit habe ich einen Film gesehen – ich weiß nicht mehr wie er hieß – da wurde gegen Ende des Films folgender Satz formuliert:

    „Wenn es eine Seele gibt, dann besteht sie aus der Liebe, die wir teilen!“

    Das Wort „teilen“ verheißt auf der körperlichen Ebene Trennung und auf der als Liebe beschriebenen seelischen Ebene genau das Gegenteil, Verbindung.

    • federleichtes
      November 9, 2014 um 11:47 am

      Ich wachte mit einem diffusen Gedanken auf. Danke für Deinen Gedanken – er konkretisierte sich dadurch:

      Aus der Realität spricht Leben in zwei Bildern. Einerseits einen überhitzten Geist abzukühlen, und andererseits ein unterkühltes Herz zu erwärmen.
      Bewegungsausgleich* = Temperaturausgleich?
      * Hier ist ja auch eine neue – ausgleichende – Bewegtheit entstanden.

      Wir fahren dann mal.

      Gruß
      Wolfgang

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