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von einer tierischen Arbeitswelt – Mann, Mann, Mann

Schlachterei (Foto: Udo Böhlefeld - pixelio.de

Schlachterei (Foto: Udo Böhlefeld – pixelio.de

Andreas Zeuch hat heute eine lesenwerte Rezension zum Buch Tiere essen veröffentlicht, die sich unserem tierischen Lebensmittlen widmet, mit Blick auf Ökologie, Gesundheit, Arbeitswelt als auch Ethik. Ich möchte gerne das Kapitel über das Arbeiten in den Massentierhaltugnen als auch den Schlachtereien bringen, auch wenn es wenig gute Gefühle macht. Vielleicht hilft es aber doch noch etwas mehr, durch den eigenen Umgang mit Lebensmitteln für eine Umdenken und -handeln zu sorgen:

Arbeitsbedingungen und Arbeiterausbeutung

Fleisch soll billig sein. Morgen am besten noch billiger als heute. Aber fast jeder meckert, wenn er selbst nicht ausreichend Geld verdient. Höchst interessant, diese kognitive Dissonanz. Denn der Preiskrieg bei der Fleischproduktion wird natürlich auch auf dem Rücken der Angestellten ausgeübt. Bekanntermaßen sind Personalkosten zumeist eine der größten Ausgaben eines Unternehmens. Also müssen sie gesenkt werden. Und das geht besonders gut, in dem man ausländische Leiharbeiter einstellt, die ebenso billig zu haben sind, wie das Produkt, was am Ende bei diesem Spiel massenhaft auf den Markt geschmissen wird.

Safran Foer berichtet vom – im wahrsten Sinne des Wortes – Wahnsinn in amerikanischen Schlachthöfen: Illegale Einwanderer und mittellose Neueinwanderer werden bevorzugt. Sie sind besonders billig und leicht unter Druck zu setzen. Und trotzdem kommt es zu einer jährlichen Fluktuation von über 100 Prozent. Kein Wunder, bei der Arbeit. “Hühnerstopfer” (sic!) müssen mindestens 105 Hühner in dreieinhalb Minuten in Kisten stopfen. Dabei spüren die Arbeiter ständig, wie die  Knochen der Tiere brechen, da sie aufgrund der industrialisierten Genetik und völlig artungerechten Haltung und Ernährung eben so fragil sind (und häufig schon gebrochene Knochen aufweisen, bevor sie in Kisten gestopft werden).

Aber das ist noch harmlos in der Branche. Deutlich abartiger geht es in der Schweine- und Rinderfleischproduktion zu. Die Fließband inspirierten Arbeitsschritte: “Anhängen, stechen und entbluten, Kopf absetzen, Schwanz abtrennen, Füße abtrennen, Haut abziehen, ausweiden und das ganze Tier spalten.” (S. 124). Jeder gesunde, emphatische Mensch kann sich vorstellen, dass das alleine schon ausreicht, um alle bis dahin mehr oder minder gesunde Menschen allmählich zu einem psychischen Wrack werden zu lassen. Nun kommt aber noch eine Kleinigkeit hinzu: Zumindest in amerikanischen Schlachthöfen sind die zu schlachtenden Tiere häufig nicht erfolgreich betäubt, bevor sie in die Schlachtung kommen. Infolge dieser Schlachthölle werden die Arbeiter allmählich irre und beginnen, das eigene Leid an den Tieren auszulassen, indem Tiere entweder vor der Betäubung gequält (Elektroschocker in Anus oder Augäpfel drücken) oder gänzlich ohne Betäubung geschlachtet werden. Wie kann ein Mensch psychisch gesund bleiben, wenn er unter solchen Bedingungen bis zu 2050 Rinder in einer Schicht schlachten soll?

Ich gehe davon aus, dass es in Europa, unserer rückständigen Welt aus Sicht der amerikanischen Leitnation, etwas gesitteter zugeht. Bei uns sind es vermutlich deutlich weniger oder sogar gar keine illegalen Einwanderer, dafür aber schön billige Leiharbeiter. Und selbst wenn es bei uns absolut vorbildlich bei der Hühnerstopferei und Schweine/Rinderschlachterei zugeht: Welchen Menschen lässt all das unberührt? Und selbst wenn die ArbeiterInnen das alles ohne massive psychische Deformationen überleben – spätestens bei den Arbeitsunfällen stehen sie am Ende des Ratings.

Fundstelle auf Zeuchs Buchtipp: Tiere essen

Wir sehen hier eine mehrschichtige Ausbeitung, verursacht durch unsere konkurrierende Konsum- und Profitgesellschaft. Wie diesen Kreislauf durchbrechen?

Hier auch nochmals den Artikel von Wolfgang zum Thema Fleischessen: Von der “R”Evolution beim Essen

  1. November 6, 2013 um 9:48 pm

    Hi Martin,

    danke für diese Unterstützung. Da fäll mit noch glühend ein: Ich wollte ja noch die anderen letzten Rezis hier erwähnen und verlinken. Soll ich das noch machen, auch wenn die jetzt nicht mehr ganz aktuell sind?

    LGA

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