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Entfremdung, oder der verlorene Himmel

Foto: federleicht-leben

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Stellen wir uns die Frage, ob das Streben nach Sicherheit etwas Natürliches, etwas natürlich, selbstbestimmt Gedachtes ist, oder ob eher der Wandertrieb, das Interesse an der Vielfalt der Optionen und Buntheit des Erschienenen dem „Wesen“ des Menschen entspricht. Was ist das für eine Stimme, die Menschen an das Alte, Bekannte, Gewohnte, Vertraute bindet oder aber sie in fremdländische Abenteuer, das Unbekannte und Geheimnisvolle zu schicken vermag? Und was ist mit denen, die, wie mein Berliner Freund einst resignierend konstatierte, er sei überall zu Hause, nur nicht dort, wo er gerade sei?

Schauen wir auf die Geburt eines Kindes, auf den Beginn eines Lebensweges. Das Geburtstrauma bewahrte es vor seinem vorzeitigen Tod, die lebensfeindlichen Erfahrungen informativ abgeschottet kann es eine Existenz wie neugeboren beginnen. Und ich meine sagen zu dürfen: Dieses Kind ist nicht entfremdet, ist trotz völliger Unkenntnis seiner Selbst eins mit sich, ist eins mit der Welt, auch wenn es sie nicht mal im Ansatz kennt. Spannend, gell. Wie kann das Unmögliche möglich sein? Doch fragen wir erst mal nach dem weiteren Kindeswerden.

Babys sanfte Blicke berühren die Erwachsenen, als würden sie an etwas erinnert. Was nicht sein darf, und schon beginnt das Zahnen im Innen und das Ausrichten auf die Realität durch äußere Eingebungen. Und Kleinkind fängt das Denken an, ganz im Sinne des Erfinders, bemüht, über die Klüfte zwischen Realität und Wirklichkeit springen zu können. Ja, es muss denken, um sich in den Abgründen seiner eigentlichen Ansprüche und harter Notwendigkeiten nicht zu verlieren. Nein, Kleinkind wird Jugendlicher und immer vertrauter mit einer Erwachsenwelt, deren Gesetzen er schließlich ganz natürlich folgt.

Aus meinem kleinen Schatzkäschtle:

Nun gut, ich, besser mein Körper, war in meinen jungen Jahren wohl kränklich und schwach, aber zwei Dinge, viel wertvollere Eigenschaften besaß ich, den Drang nach Veränderung und Entwicklung, und, was mich diese Absicht überstehen ließ: eine große Portion Liebe und damit verbunden ein Urvertrauen in eine ganz und gar sinnvolle Schöpfung.

Er war mehr als üblicherweise anders als andere. Nur damit wenig erfolgreich. Seine Eltern, Lehrer, Freunde fügten ihm körperliche und seelische Schmerzen zu und bogen ihn mit Methode solange zurecht, bis sein Widerstand gegen das brach, was sie Normal nannten. Damit war, vorerst, Ruhe eingekehrt in ein revolutionär fühlendes Ich; sein Wesen lag platt und leblos in ihm wie ein nasser Sack. Was ihm blieb, war Erfolg auf einer anderen Ebene zu suchen.

Der Weg in die Entfremdung scheint mir programmiert. Woraus sich die Frage nach „artgerecht oder nicht“ gar nicht mehr stellen kann. Das Wesen des Menschen und der Körper des Menschen sind so verschieden. Sie können sich in einer materiellen Welt nur entfremden – zu Lasten des Wesens. Mit dem könnte man kein einziges Machtspielchen in diesem Affentheater spielen.

Entfremdung ist Schicksal? Erst Entfremdung ermöglicht die Suche nach Wegen in die Freiheit? Oder braucht Wesen gar Bewusstsein?

Eure Meinungen und auch Eure Erfahrungen sind gefragt.

Euer
Wolfgang

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  1. Germania2013
    September 27, 2013 um 12:02 am

    Mir fehlt bei dem Thema die spirituelle Ebene. Es ist mir zu sehr an Geist und Körper ausgerichtet.
    Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, wenn man sich beginnt, der spirituellen Ebene zu zu wenden, ist man nirgendo mehr fremd, erst recht nicht in sich selbst, da man ja mit Allem verbunden ist.

    • September 27, 2013 um 9:46 am

      Hallo, ich freu mich über Deine Kommentare. –
      Spiritualität und Geist sind sich allerdings sehr nah, für manchen vllt. sogar deckungsgleich. Es ist eine Frage der Definition, oder besser auf welcher Ebene man sich einigen kann. Und es gibt ja nun wirklich Bereiche, die lassen sich nur schwer oder auch gar nicht mehr in Worte fassen.
      „Spiritualität (von lat. spiritus ,Geist, Hauch‘ bzw. spiro ,ich atme‘ – wie altgr. ψύχω bzw. ψυχή, siehe Psyche) bedeutet im weitesten Sinne Geistigkeit und kann eine auf Geistiges aller Art oder im engeren Sinn auf Geistliches in spezifisch religiösem Sinn ausgerichtete Haltung meinen. Spiritualität im spezifisch religiösen Sinn steht dann auch immer für die Vorstellung einer geistigen Verbindung zum Transzendenten, dem Jenseits oder der Unendlichkeit.“ Für mich umfasst Spiritualität ALLES. Sie ist der Atem, das Einatmen , das Ausatmen, das was in uns entsteht, wir außen manifestieren. Alles was wir sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen….Das was ist, war, sein wird, immer ist. Das finde ich im Kleinsten, das finde ich im Größten, das finde ich auf freiem Feld und in der kleinsten Hütte. Das kann ich in jedem Menschen erahnen. Vorausgesetzt Mensch weiß wie er in seine Mitte findet.
      Habt ein schönes Wochenende, mich lockt der Thüringer Wald.
      Martina

      • federleichtes
        September 27, 2013 um 12:36 pm

        Hallo, freu mich, dass Du Dich hier „dazwischen“ schaltest. Und einen Faden aufnimmst, über den ich erst eine Nacht schlafen musste. Das Persönliche, weisste. Welche Tonlage wählt man in der Ansprache an Kinder? Und wie drückt man seine Feude aus, wenn ein „trotziges Kind“ sich wandelte in ein eininteraktionäres? Na ja.

        Mein Gedanke zur Spiritualität bezog sich eher auf das Pragmatische. Vor ein paar Tagen begegneten wir einer Nonne und sprachen eine Weile mit ihr. Ihre Spiritualität erschien sehr deutlich, deutlich aber auch ihr Menschsein und ihre irdische Verbundenheit.

        Wenn Spiritualität eine geistige Verbundenheit bedeutet, scheint mir nicht nur wichtig, WOHIN GENAU man sich verbindet, sondern man sich darüber im Klaren ist, dass Geist nur eine (von drei) Seite des Menschseins ist und mit Spiritualität bedient wird. Soll das System Mensch in Harmonie bleiben (oder kommen!), braucht es (relativ) gleichzeitig Interaktion mit der Natur und den Menschen, der Gesellschaft.

        Du sagst es ja bereits: Spiritualität kann nicht abheben, für den Menschen unbegreifbar und folgend ungreifbar werden, wenn Geist sich auch orientiert im Geist der Pflanzen und Tiere und im Geist des Leben(s)digen. Klar, jeder Mensch hat (wahrscheinlich) in einem der drei Bereiche defizitäres Erleben gehabt, entbehrte gewisse Verbindungen, weil sie nicht gepflegt werden KONNTEN, weil alles seine Zeit hat in der Dynamik fundamentaler Entwickungsprozesse.

        So ist es, wie Du es beschreibst: Intuition. Der Idee folgen, sich in der Gemeinschaft auseinander (und wieder zusammen) zu setzen, auf die Stimme hören, die in die Einsamkeit des Waldes oder die Stille eines rauschenden Baches ruf, die Eingebung (!) hören, die das Selbst zum klingen brachte und mal versinken im Reich hinter den Wolken.

        Ich versinke gleich in der Schar meiner Schafstelzen. Mal sehen, wie sie in der Sonne aussehen, und mal schauen, wie sie mich in der Sonne sehen können.

        Herzlichen Dank für Dich – bist einfach wunderbar. Gelebt UND gelernt, gelernt UND gerlebt. So geht’s. Dann spricht der Mensch in seiner Ganzheit.

        Wolfgang

        • Germania2013
          September 27, 2013 um 11:22 pm

          Ich glaube, wir haben im Bereich Spiritualität die meisten Defizite. Wir kennen ja nur unsere uns vorgegebenen falschen Religionen.

          Manchmal versteh ich das nicht, was du schreibst. Es kommt mir vor wie … Treibendes …. ohne Wurzeln. So ohne Bodenhaftung.

          Es ist alles Zufall. Du kannst es nicht herbei führen, bewusst, denn das wäre dann Wille = Ego. Du kannst es nicht erzwingen.
          Man kann ihm nur Raum lassen. Ob es dann kommt, sich zeigt, oder nicht, ist … Zufall.

          Ich weiß nicht welcher Zufall mich dahin in den Teutoburger Wald geführt hat. Ich hab dem aber dann einfach Raum gegeben, auch geben können (klar, anderes dafür geopfert), irgendwie hab ich das von Anfang an gespürt, da sind die Wurzeln, da musst du hin, da bist du stark, da ist deine Verbindung zu deiner Spiritualität. Hier, in Köln, spür ich nix, hier ist alles tot. Dort ist alles Leben, weil Wurzeln. Ohne Wurzeln können wir nicht leben, verstehst du. An die Wurzeln kann aber jeder andocken und Kraft tanken. Ohne Wurzeln sterben wir.

          Hier, wo ich wohne, ist energetisch alles tot. Verstehst du, was ich meine? Nun ja, manche spüren das auch nicht. Ich spüre das, wenn da was ist, ich habe da die erstaunlichsten Dinge erlebt. Der Artikel heißt „Entfremdung oder der verlorene Himmel“, ich denke, jeder kann zurück finden, es ist nichts verloren. Wobei man müsste dann von verlorenem und wieder gefundenem Boden sprechen. Wobei das auch nicht richtig ist, denn es ist ja keine Materie. Nix festes.

      • Germania2013
        September 27, 2013 um 11:02 pm

        Hallo Martina, dann bist du diesbezüglich weiter als ich, für mich ist noch lange nicht alles Spiritualität. Ich beginne mich da gerade vorzu tasten.
        Klar müssten Begrifflichkeiten erst definiert werden, bevor man darüber diskutiert. Ich hatte mit Geist den Verstand gemeint.
        Mathias oben definiert es nochmal anders.

        Ich bin auch morgen früh weg. In einem anderen Wald. Danke für die Grüße und ich wünsche allen Mit-Lesern das Gleiche.

        • September 27, 2013 um 11:57 pm

          Zurück zur Wurzel indem man auf Definitionen baut und sich auf Zufälle verlässt ?
          Leben ist ein Prozess, der sich nach Außen hin entfaltet und seinem Innersten immer treu bleibt. Ein Saatkorn treibt Wurzeln, die Pflanze wächst bis sie ausgewachsen ist, sie blüht und verblüht, und aus der Blüte gehen Saatkörner hervor, die dem Kern der Pflanze zwar entsprechen, aber weitere Erfahrungen gemacht haben, als die Pflanze, die die neue Saat hervorbringt. Die Natur kehrt nicht zu ihren Wurzel zurück, so wenig, wie Menschen wieder in den “Bauch“ ihrer Mütter krabbeln. So wie Pflanzen alles hinter sich lassen und einzig der Samen, samt wesentlichem Kern, verbleibt, so “funktioniert“ es auch mit dem Leben selbst, ohne Definitionen, welche Menschen einzig als Anker in der Realität benötigen, um sich anhand von Normen und Normalitäten zu orientieren, und ohne Zufall, besagt doch Zufall nichts anderes, als die Unfähigkeit bzw. Unmöglichkeit Zusammenhänge in ihrer Ganzheit zu erfassen. Zufall kann als das Aufeinandertreffen zweier oder mehrer Notwendigkeiten im Rahmen des GANZEN beschrieben werden.

          Zurück zu den Wurzel bedeutet in Wirklichkeit alles loszulassen, was sich im Laufe der Zeit angesammelt hat und das Wesentliche zunehmend verbarg. Es ist das Licht, welches sich all seiner Schatten entledigt, doch müssen diese Schatten wieder in den Kreislauf gelangen um von ihrer Schattenhaftigkeit befreit zu werden, damit das Wesentliche überhaupt wieder sichtbar werden kann. Doch bis dahin hat auch das Wesentliche einen Prozess durchlebt, welches seinen wesentlichen Kern um all das bereichert hat, was es ihm ermöglichte seine Schatten letztendlich loszuwerden.

          Definitionen und Zufälle führen ein schattenhaftes Dasein, deshalb wird ja bezüglich der Wurzeln und des Wesens des Lebens mehr und mehr auf Teufel komm raus diskutiert. Das Leben als Ganzes ist planlos, aber nicht ohne Ziel … nur wir Menschen sehen dass anders … und das nicht ohne Grund.

          Gruß

  2. Mathias
    September 21, 2013 um 11:28 am

    Ja klar, Körper, Geist und Seele des Menschen sind lediglich ein Modell – wenn auch ein sehr stimmiges, für mein Gefühl her wenigstens. Wenn Du die Seele für Dich wiederum als Wesen und Psyche beschreibst, so ist das natürlich ein weiteres Model, das stimmig für Dich ist und auch seinen Grund haben wird, warum das für Dich so ist.

    Einig sind wir uns vielleicht, dass egal mit welchem Begriff man es bezeichnet, es eine Instanz im Menschen gibt, die als Kern der lebendigen Erscheinung fungiert und eine Absicht verfolgt. So wie ich es derzeit sehe, bedient sich wohl das Wesen mittels des Geistes und nutzt den physischen Körper um seine Absichten zu manifestieren. Je länger ich darüber nachdachte, kam ich für mich zum Schluss, dass Geist per se, wohl nicht das Ursächliche einer Absicht ist.

    Was Du beschreibst als Deinen Standpunkt zu Deinem Leben – im Frieden sein mit dem was geschehen ist und es als richtig anzunehmen, und diesen Standpunkt auch Anderen – dem Gegenüber, zugestehen zu können halte ich auch für eine sehr segensreiche Einstellung. Vielleicht mag ich darüber zu reflektieren, weil es mich selbst betrifft. Noch vor wenigen Jahren, als ich noch sehr stark die Welt und andere Menschen in gut und böse, die Nützlichen und die Idioten und Feinde aufteilte, führte diese Einstellung zu vielen Reibungen und Spannungen in meinem Leben – zu großem innerem Unfrieden eben. Erst allmählich entstand in mir ein Weg, den Frieden in mir und damit auch im Umgang mit anderen Menschen zu entdecken – und es bedarf noch weiteren Bestrebungen meinerseits, diese wohltuende Einsicht (bzw. wie Du es nennst: Standpunkt) noch mehr in meinen Lebensinhalt als eine Einstellung einzubauen. So verstehe ich Dich jetzt auch besser, wenn Du in diesem Zusammenhang den Begriff Entgiftung gebrauchst. Es ist in der Tat eine Entgiftung! Und – der Gedanke kam mir, vielleicht ist es die wichtigste Entgiftung überhaupt: Eine Entgiftung, die die Ebene der Absichten betrifft.

    Kurz noch etwas zur Psychiatrie; es gibt ja den Spruch, das es nicht das Wissen des Arztes ist, das zu heilen vermag, sondern eher die Persönlichkeit des Arztes. Wenn ich das auf meine persönlichen Erfahrungen mit der Psychiatrie übertrage, da muss ich wohl unerhörtes Glück gehabt haben, mich in die Hände von einer äußerst fähigen Therapeutin begeben zu haben, mit deren Hilfe ich Dinge über mich entdecken konnte, die ich nicht für möglich erachtet hätte. Speziell meine ich hier Übertragungen (oder nennen wir es Projektionen), die ihren Ursprung in frühkindlichen Erfahrungen hatten, und in meinem späteren Leben – von mir unbemerkt und aus dem Unterbewusstsein heraus, weiter wirkten.

    Danke auch Dir Wolfgang, für Deine ausführlichen und tiefgründigen Gedanken – die waren eine wahre Freude für mich.

    Liebe Grüße,
    Mathias

  3. Mathias
    September 20, 2013 um 10:32 pm

    Wow, lieber Wolfgang, Du verfasst manchmal (oder eher häufig!) solch prägnante Aussagen, die die Dinge kurz und zielgenau auf den Punkt bringen, da bleibt mir die Spucke weg!

    Was ich persönlich von mir zu schildern versuchte, und Du so interpretierst: „… den Weg hin zu einem Punkt, wo die Macht der Entfremdung eine Brücke zur Berührung schafft, Bewusstsein entsteht und daraus der Wille zur Umkehr entsteht.“ trifft wohl wirklich wie die Faust aufs Auge. Der Sachverhalt mit der persönlichen Erfahrung der Entfremdung war mir in der Rückschau zwar auch einigermaßen klar, nur vermag ich es nicht, es so treffend auszudrücken.

    Ehrlich gesagt bin ich mir manchmal gar nicht so sicher, ob ich mich wirklich in dem was ich schreibe, auch klar ausgedrückt habe. Deshalb schreibe ich auch eher selten – obwohl ich doch häufiger und gern auf diesem Blog lese.

    Aber noch einen Gedanken zum Entgiften, wo Du die zwei Wege dazu erwähnst. Mir ist nicht ganz klar, ob sich Dein Vorschlag zum Entgiften auf mentaler Ebene, vordergründig auf das mentale, sprich das geistige bezog. Vielleicht ließen sich Gifte noch auf körperlicher, geistiger und seelischer (psychischer) Ebene unterscheiden(?) – obwohl, egal welches Gift, es letztendlich natürlich in jedem Falle auf die Einheit Mensch einwirkt.

    Schließlich kann man sich auf körperlicher Ebene ungesund ernähren oder sich mit Chemie und Kosmetika zukleistern und auf geistiger Ebene eher verdummenden Informationen aufsaugen. Ja und auf seelischer Ebene? Wie sieht es da mit Giften aus, das frage ich mich gerade. Wären da nicht die traumatischen Erfahrungen als eine Art Gift anzusehen?

    Wenn man es wirklich auf diese Weise betrachten kann, dann scheint es mir, das die seelische Ebene wohl die am schwierigsten zu bewältigende Ebene wäre – denn es handelt sich hier um im Unterbewusstsein wirkende Informationen, um Gifte eben, die das wahre Erscheinen und Wirken des Menschen aus SEINER SEELE heraus blockieren.

    Könnte man sagen, dass diese Gifte auf diesen drei Ebenen, eine wichtige Funktion haben – ja geradezu ein Werkzeug darstellen, um die Entfremdung des Menschen überhaupt umsetzen zu können?

    Liebe Grüße in Verbundenheit (die immer ist),

    Mathias

    • federleichtes
      September 20, 2013 um 11:56 pm

      Gerade spulte ich meinen Lebensfilm zurück zu den wichtigen Umbrüchen. Und ein Wort fiel mir dazu ein: Leidensdruck.

      Grüß Dich, Mathias.

      Gestern las ich in dem Buch „Siegmund Freud“ von Ludwig Marcuse. Er sprach davon, man müsse, um sich und Andere verstehen (und ihnen helfen) zu können, ein „richtiges“ Menschenbild entwickeln. Das Buch erschien vor 57 Jahren, und, offen gesagt, änderte sich bis Heute nichts Entscheidendes daran, und zwar, so meine ich, an einem falschen Bild. Das, obwohl zahlreiche fundamentale Erkenntnisse längst zu einer Revision hätten führen müssen. Fragt man sich doch, warum das nicht geschehen ist. Oder wurde das Ergebnis nur geheim gehalten?

      Du benutzt ja bereits einen Begriff, der ungeklärt ist: Seele.
      Und wenn ich Seele (bereits vor vielen Jahren) definierte als Wesen und Psyche, sind wir bei einem weiteren ungeklärten Punkt: Dem Wesen. Und darüber, was die Psyche eigentlich strukturell ist und technologisch leistet, besteht auch Unklarheit – leicht erkennbar an den nach meiner Kenntnis ungenügenden therapeutischen Werkzeugen, sehr klar auch im psychiatrischen Bereich sichtbar, in dem, ich scheue mich nicht, das zu sagen, gestümpert wird.

      Aber fangen wir mal konkret bei der Biografie eines Menschen an. Rudolf Steiner stellte ein zyklisches Modell vor, Lebensabschnitte im 7-Jahres-Rhythmus. Das bedeutet, in jeder dieser Phasen geschieht ein existenziell sehr verschiedenes Erleben. Das man zusammenfassen könnte als ein Werden, so als baue man ein Haus. Das sich vor 50 Jahren anderes tat als vor 30 und selbst vor 10 Jahren, ist wohl klar, auch dass ich nicht mit dem Dach zu bauen anfing, sondern mit den Mauern, versteht sich. Aber daraus folgt sehr schlüssig: Jedes Gewerk beim Hausbau hat seine Bedeutung und seine Zeit, und das Dach kann man erst bauen, wenn solide Mauern es tragen können. Und da der Mensch in jedem Leben wieder das Hausbauen neu erlernen muss, passieren ihm FOLGERICHTIG Fehler- besonders dfeswegen, weil er nicht ein beliebiges, allgemeines oder Standardhaus zu bauen hat, sondern SEIN ganz spezielles Haus.
      Daraus entwickelte ich einen Standpunkt: Ich habe in meinem Leben für mein Leben ALLES richtig gemacht; es gab keine Fehler, und ich war – den Umständen entsprechend, immer perfekt.
      Das nenne ich die erste Entgiftung, sich selber aus der Schuld nehmen und zu seinem Leben stehen, GANZ.
      Woraus gleich die zweite Entgiftung folgt: Mein Gegenüber ist ein anderes Wesen mit anderen Erfahrungen und steht in seiner Entwicklung NATÜRLICH woanders als ich. Und wie er handelt aus seiner biografisch sehr individuellen Situation, entspricht dem, was er kann, vielleicht auch dem, was er muss oder eben (noch) nicht kann. Auch dieser Mensch ist nicht-schuldig, weil er an einem anderen Haus baut und damit andere Probleme hat, als jeder andere Mensch.
      Die dritte Entgiftung folgt auf dem Fuße: Wer ein Haus baut nach „besten“ Kräften und notwendige Fehler macht, darf nicht bestraft werden – im Gegenteil, er braucht wenn überhaupt Hilfe, zumindest Zuspruch.
      Womit wir schon bei der vorerst letzten Entgiftung ankommen: Die Überwindung der Verschiedenheit. Menschen sind nur offensichtlich verschieden, im Wesen oder Kern sind sie alle gleich, Mann UND Frau, AUCH Kind und haben den Tieren gleich ein körperliches Dasein und sind doch einzigartig wie jede Blume und jeder Baum. Fas bedeutet, alles, was wir an dem Gleichartigen nicht im Außen lieben, das lieben wir auch in unserer Veranlagung nicht. Woraus folgt: Wende dich den Kindern zu, und du begegnest dir. Wende dich dem anderen „Geschlecht“ zu, und du wendest dich dir zu. Wende dich der Natur zu, und du wendest dich dir zu. So einfach ist das, den FUNDAMENTALEN Antrieb für Entgiftung zu mobilisieren: Das Fließen.

      Ich fasse mich kurz zusammen.
      Entfremdung ist ein natürlicher Prozess, in dem das Fremde bekannt gemacht und assimiliert wird zu einer Ganzheit.
      Das Menschenbild sollte durch eigene Wahrnehmung in jedem Menschen entstehen. Fühlt er sich als Wesen, kann er das Funktionieren seiner Psyche beobachten, kann er zwischen informiertem (traumatischen) und freiem Geist unterscheiden – das sollte aus der Lebenspraxis heraus beantwortet werden, oder eben nicht.
      Überall, wo in den Gedanken Feindschaft auftaucht, setzt der Gedanke – als Signal verstanden – die Wirkung, damit Gift ursächlich werden kann.

      Ich lese Deinen (tollen) Beitrag gleich noch mal und ergänze mich, wenn nötig.

      Herzlichen Dank an Dich.

      Wolfgang

  4. maretina
    September 19, 2013 um 9:42 pm

    „Ich weiß nicht, ob der Trieb ins Chaotische einem Willen im Menschen folgt, oder ein Wille den Menschen ins Chaos treibt. Aber ich weiß, dass es einen Willen im Menschen gibt, der in die Ordnung strebt, der nach Ordnungsmöglichkeiten sucht und Bedingungen dafür zu schaffen vermag. Während ich das Streben ins Chaos als relativ bewusstlos beschreibe, beschreibe ich das Streben in die Ordnung als relativ bewusst.“

    Ich denk wir brauchen beides, Chaos und Ordnung. Wie bewusst oder unbewusst wir das kreieren ist ziemlich zweitrangig. Ordnung stellt im Leben jene gut durchdachten und strukturierten Bereiche dar, ob nun geistig oder auf materieller Ebene, die ein Miteinander, Absprachen, Verträge, das Schaffen gesellschaftlicher aber auch biologischer u.a. Strukturen ermöglichen. Allerdings begrenzt Ordnung auch, setzt Grenzen. Außerhalb derer Chaos regiert, schwer durchschaubar, kaum zu begreifen, grenzenlos, mit allem möglich und unmöglich scheinendem Potential. Der Punkt von dem Entwicklung ausgeht, hin zu neuer Ordnung, mit anderen, erweiterten Grenzen.
    Die kosmischen Gesetze kommen auch hier zur Anwendung, wie überall. Es gibt immer einen energetischen Ausgleich, so stellen auch Ordnung und Chaos zwei Seiten derselben Medaillie dar. Kreative Schaffensphasen sind ja meist begleitet von relativem Chaos, wenn Marmelade eingekocht wird bis die Früchte in den Gläsern einer neuen appetitlichen Ordnung zugeführt wurden und das Herz sich ob des Ergebnisses freut und Liebe ja sowieso durch den Magen geht.

    Was mir allerdings ein Rätsel bleibt, ist ob nun Ordnung oder Chaos die Ent-Fremdung fördern. Oder ob Ent-Fremdung gefördert wird, wenn die Verhältnismäßigkeit zwischen den beiden Polen nicht gewahrt bleibt. D.h. wenn eins überwiegt.

    Soweit
    Martina

    • federleichtes
      September 19, 2013 um 10:41 pm

      Das, was wir das Triebhafte nenen, oder das Unbewusste oder Dunkle, den Schatten oder das Feindselige, ist der Schritt ins Chaos, bewirkt Chaotisieren und – findet prozessual Ausgleich durch Ordnung. Läuft im Menschen, in der Gesellschaft, global und auch universal ab.
      Ein Zuviel an Chaos zwingt das Ordnungstreben, ein Zuviel an Ordnung das Chaosstreben auf die Bühne.
      Entfremdung begegnet uns Heute zunehmend global. An die Zustände in der Geselschaft gewöhnten wir uns ja (mehr oder weniger – wir jedenfalls), mit chaotischen Menschen geben wir uns nicht ab (wir jedenfalls nicht).

      Zu Deiner Frage.
      Das Chaotische ODER die Ordnung sind niemals in wirklicher Harmonie. Aber es gibt die Verhältnismässigkeit. Sieht man an ängstlichen Menschen, deren Veränderungspotenzial bei relativ Null liegt; und an den „Mutigen“, denen kein Risiko zu groß scheint – auf der Suche nach dem letzten Kick.
      Verhältnismässigkeit kann auch geschaffen werden durch einen Ausgleich auf verschiedenen Eben. Wer privat in „trockenen Tüchern“ lebt, wird im Beruf riskobereiter sein, und umgekehrt.
      Das Streben nach oder das Streben im Sinne von Entfremdung, und damit schließe ich soweit, ist dem Leben immanent: Das „Fremde“ MUSS ans Licht. Und Leben betreibt dies durch die emotionalen Erregungen affinitiv und aversiv.

      Dank auch Dir – und gerade Dir, die es Thematisch wohl am Wenigsten nötig hat.

      Wolfgang

      • maretina
        September 19, 2013 um 11:04 pm

        Ist also Ent-Fremdung im Grunde genommen doch der Weg sich Fremdes vertraut zu machen, wenn auch um mehrere Ecken. Kann natürlich sein, dass während dieses Prozesses Ver-Trautes fremd wird.- Nötig oder nicht, weiß ich nicht, aber förderlich auf alle Fälle. Ich mag es schon, wenn was nicht gleich klar ist, das birgt die Möglichkeiten neuer Horizonte.

        Hab Dank für den Artikel und die Fotos an verschiedenen Stellen.

        Grüße
        Martina

        • federleichtes
          September 19, 2013 um 11:19 pm

          Waldbrettspiel, Foto Anfang Mai, Susanne.

          Deine Erfahrungswelt ist mir ja nicht ganz unvertraut. Sie entspricht in der Anlage meiner, erlebt in der Begegnung mit Menschen, die einem heute sehr vertraut und morgen sehr fremd vorkommen können.
          Ein kleines Geheimnis ist, das Fremde nur wahrzunehmen und es nicht befremdlich wirken-zu-lassen.
          So, dass man eben sagen kann: Das Befremdliche (Wesen) von A ist mir sehr vertraut.
          Das kannst Du auf die Politik anwenden (kenn ich, deren Methoden sind mir sehr vertraut), auf Wirtschaft, Finanzen und den Klingebütelverein. Ich kenne sie, also hasse ich sie nicht – man kann eben nur das Fremde oder Entfremdete hassen. Wenn man Hass versteht als den Willen zu vernichten.

          Bei Hierundjetzt kommt später noch der Hinweis auf eine von Susannes Galerien.

          Wolfgang

  5. Mathias
    September 19, 2013 um 8:05 pm

    Danke Dir Wolfgang, für Deine Gedanken zum Thema Entfremdung.

    Entfremdung erscheint mir ein sehr vielschichtiges Thema zu sein, kann der Begriff doch auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden (siehe z.B. Wikipedia). Wenn ich Dich richtig verstanden habe, wolltest Du Entfremdung auf allgemein gesellschaftlich Ebene betrachten.

    Wenn man es so beleuchtet, dann kommt man an der Aussage „Entfremdung ist Schicksal“ für unsere zivilisierte Welt wohl nicht vorbei. Dann wäre Entfremdung – gesamt-gesellschaftlich gesehen – wirklich der Preis der zu zahlen ist, für unsere entwickelte Welt.

    Da ich aus meiner eigenen persönlichen Erfahrung heraus aber auch ein Gefühl der Entfremdung kenne, schlussfolgere ich für mich, dass das Wesen des Menschen (der, der sie / er im Kern ist) durchaus signalisiert, wann das Wesen genug Entfremdung erfahren hat, und sich dann weigert, seine Energien für einen Lebensinhalt herzugeben, der das Wesen nicht mehr befriedigt.

    Entfremdung ist ja auch ein Begriff, der mit „entäußertem Leben“ in Zusammenhang steht. Nach Erich Fromm lebt ein Mensch umso entäußerter, je mehr er von äußeren Dingen wie Besitz, am Haben orientiert oder von Ideologien bestimmt ist, und sich nicht mehr als Teil eines natürlichen Kreislaufs sieht. Und, bis zu einem gewissen Grade, war das bei mir auch der Fall. Mein damaliger Weg führte mich immer tiefer hinein in ein mehr und mehr „entäußertes“ Leben, bis mir ein Entfremdungsgefühl schließlich Einhalt gebot und mich umkehren lies.

    Wie gesagt, aus persönlicher Sicht würde ich das Entfremdungsgefühl als einen Umkehrpunkt beschreiben. Ein Umkehrpunkt den ich vor etwa 4 Jahren beschritt – und seit dem bin ich immer noch auf der Heimkehr – auf dem Weg zu mir selbst! Wie eine Heilpraktikerin zu der ich mal gegangen bin treffend sagte, dauert aus ihrer Sicht die Heilwerdung und Entgiftung des Körpers fast genau so lange, wie die Zeit in der dem Körper durch falsche Ernährung Gifte zugeführt wurden. Vielleicht verhält es sich ja mit einem entäußerten Leben ähnlich …

    Liebe Grüße,
    Mathias

    • federleichtes
      September 19, 2013 um 9:37 pm

      Vor ein paar Momenten räumte ich meine Mailordner auf, löschte die Bildanhänge und dachte – merkwürdigerweise – an Dich.

      Hallo Mathias,
      kommst gerade im rechten Moment. Kurz bevor ich zu ende dachte, ich könne mit den interessierten Menschen eigentlich auch direkt schreiben.

      Ja, Entfremdung wurde thematisch breit aufgefächert. Während ich mich darauf beschränken möchte, den menschlichen Aspekt zu erörtern. Was Du für Dich beschreibst, trifft ja direkt den Kern, den Weg hin zu einem Punkt, wo die Macht der Entfremdung eine Brücke zur Berührung schafft, Bewusstsein entsteht und daraus der Wille zur Umkehr entsteht. Vielleicht könnte man das folgende Werden als Selbst-Besinnung beschreiben.

      Da Menschen durch Erziehung und genetische Dispositionen unterschiedlich konfiguriert durch Kindheit und das aktive Erwachsenensein gehen, bilden sich natürlich auch einerseits verschieden ausgeprägte Überzeugungen und sehr unterschiedliche Verhaltensmuster. Und oft, scheint mir bald die Regel, befreit Mensch sich daraus nicht mehr und fragt kurz vor dem letzten Atemzug: War das alles? Aber es gibt ja schicksalhaft anmutende Wendungen, sei es durch Krankheit, Nahtoderlebnisse oder Verbindungen zu ganz „anderen“ Menschen durch Liebe/Freundschaft, die den Lebenssinn mit Gefühlen neu zu beleben verstehen.

      Schauen wir auf die gesellschaftlichen Eckpunkte Finanzen-Geld-Eigentum, Kirche-Glauben, Wirtschaft-Arbeit und Staat-Politik, entdecken wir in jedem Bereich höchst widersprüchliche Erscheinungen, die dem gesunden Menschen fremd sein müssten. Einige wenden sich den Erscheinungen ab, einige verdrängen ihre Wahrnehmung hinter Notwendigkeiten, und wieder andere wollen das Fremde verstehen, um ihm der Entfremdung Herr werden zu können.

      Herr werden über das Fremde bedeutet, sich vom Fremden nicht beherrschen lassen. Einer (unbekannten) Macht entgegen treten können und Grenzen setzen. Das verstehe ich als einen Akt der Selbst-Bewahrung. Er wird umso dringlicher, je feindseliger uns des Fremde gegenüber tritt – und auch hier erinnere ich gerne an den laufenden Prozess der Enttraumatisierung, der sich in der Gesellschaft und im Individuum abbildet. Ein Prozess, der im Menschen das Fremde ans Licht, anschaubar in sein Bewusstsein befördert und es verstehbar und damit auflösbar macht.

      Wie lange dieser Auflösungsprozess dauert, lässt sich nicht generell beantworten. Handelt es sich um eine leichtere oder schwere Traumatisierung? Und wohin will Mensch weiter gehen, wenn er (bereits) ein relativ beschwerdefreies Leben führen kann?
      Was die Entgiftung betrifft, gibt es zwei Wege, die ich kenne. Das „mechanische“ Entgiften mittels verschiedenster Techniken, und das mentale Entgiften, das Feindselige deaktivieren und damit eine genetisch veränderte Disposition zu schaffen. Ich setze auf Letzteres. Wenn die „Dosis das Gift macht“, kommt es schließlich nur darauf an, gewissermaßen ein Freund des Lebens zu werden – und Gift ist kein Thema mehr, nie wieder!

      Entfremdung hat auch mit Vertrauen, genauer mit fehlendem Vertrauen zu tun. Vertraue ich dem Leben, vertraue ich dem Nachbarn vertraue ich dem Fremden? Wenn ich mir vertrauen kann, wenn ich mit mir und meinem Werden übereinstimme, wenn ich mir und anderen gegenüber ehrlich, wahrhaftig und zuverlässig auftrete, bleibt mir das Fremde nicht lange fremd. Weil es in jedem Menschen, ganz gleich, aus welcher Kultur er stammt und was er erlebte, einen Kern gibt. Und diese „Kerne“ sind sich nicht (mehr) fremd.

      Danke für Deinen Beitrag und liebe Grüße an Dich zurück.

      Wolfgang

  6. federleichtes
    September 19, 2013 um 2:05 pm

    Gesamt-Gesellschaftlich sehen ich, nicht erst seit der letzten Landtagswahl in Bayern, ein Phänomen, das eine verkehrte Welt suggeriert, aber sehr wohl die richtige Welt ist:
    Das Feine, das Menschliche (wie ein „normaler Mensch sich das vorstellt), das Rechtschaffene, das Brüderliche, die Wahrhaftigkeit und auch das Sorgsam-Liebevolle wird von der Beliebigkeit gefressen.
    Während das Verlogene, das Hinterhältige, das Widersinnige, das Korrupte und Gnadenlose, das Intrigante und das Ungerechte sich der Macht bemächtigen kann – und es tut.
    Kurz: Der Begriff Elite (oder das Elitäre) definiert sich durch reale, umsetzbare Methoden (Geist) als die Macht über das Wohlwollen.

    Besehen wir das Pferd von der anderen Seite, von der Macht. Dann wird klar, dass mächtig wird, oder ist, oder bleibt, wer das Wesen der Zeit richtig interpretierte: Diese Macht (über Andere) bekommt (Jetzt), wer im Sinne dieses Geistes (Herrschaft, Unterdrückung, Willkür, auch Zerstörung des Natürlichen) handelt.

    Mit Entfremdung hat das eher weniger zu tun. Es sei denn, wir erkennen die Entwicklung von Menschen, Gesellschaften und der Welt insgesamt als eine Macht im Außen, die uns, sowohl brachial als auch subtil, ergreifen kann. So können wir uns mit Schrecken von dieser Welt abwenden, wir können uns in den Kampf gegen diese Macht stürzen, oder wir können den Kampf in unserem Inneren führen, sozusagen innenpolitisch tätig werden, das Beste draus machen, oder uns Abkapseln und folgend ins Irreale oder die Sinnlosigkeit flüchten.

    Einige Menschen fühlen sich in dieser für Andere so befremdlichen Welt sehr heimisch. Wir beobachteten kürzlich das Entstehen einer wilden Müllkippe, mitten in der Natur erst ein Häufchen, dann ein Haufen, der täglich und stetig wuchs. Einerseits die Faszination des Chaos, andererseits das Befremdliche der Harmonie. Und hier stehen wir an einem interessanten Punkt, zu betrachten, dass Entfremdung nicht Entfremdung ist. Begrifflich beleuchtet der Begriff Entfremdung ein Streben in zwei entgegen gesetzte Richtungen: Wo zu viel Ordnung entsteht, taucht, weil es befremdlich wurde, das Chaos auf, und wo zu viel Ordnung herrscht, taucht, weil es zu befremdlich wurde, die Ordnung auf.

    Dieses Prinzip erleben wir täglich. Und überall. Flüchten oder kämpfen scheint zwecklos, da dieses Prinzip im Leben selbst wurzelt. Ich weiß nicht, ob der Trieb ins Chaotische einem Willen im Menschen folgt, oder ein Wille den Menschen ins Chaos treibt. Aber ich weiß, dass es einen Willen im Menschen gibt, der in die Ordnung strebt, der nach Ordnungsmöglichkeiten sucht und Bedingungen dafür zu schaffen vermag. Während ich das Streben ins Chaos als relativ bewusstlos beschreibe, beschreibe ich das Streben in die Ordnung als relativ bewusst.

    Bist du, was du willst?
    Oder willst du, was du bist?
    Klar, sehr viele Menschen sind dank fortgeschrittener Entfremdung nicht mehr zur Beantwortung dieser so einfachen Fragen in der Lage. Es wäre anders, wenn es darauf ankäme.

    Gruß
    Wolfgang

  7. federleichtes
    September 18, 2013 um 4:58 pm

    Drei, Sechs, Neun, verbogene Löffel und Flugscheiben aus Qua-Draht. Entfremdung in der vierten Potenz?
    Ich meine besser lässt sich nicht beschrieben, was ich unter Entfremdung verstehe.

    Und ich versuche, nach dem verschwundenen Beitrag – einen weiteren Anlauf, um zu erklären, wie Entfremdung überhaupt sttafindet.

    Mensch in einer Grund-Ambivalenz, bedeutet auf der einen Seite das Körperliche, informierte Energie, programmiert und daraus folgend reaktiv-bedürftig.
    Auf der anderen Seite Wesen und Geist, uninformierte Energie und ein schöpferisches Ideen-Potenzial. Die so verschiedenen Energien und Informationen fließen in der Psyche nicht nur zusammen, sie regelt auch im Sinne eines Ursache-Wirkungs-Prinzips, und sie regelt folgerichtig, wie Mensch handelt und wie er sich fühlt. Und, was sehr wichtig ist, sie regelt entsprechend der Handlungen und entsprechend der Gefühlslage, wie stark die Gefühle (nicht! Emotionen) sind. (Pseudo-Empathie ist wenig hilfreich)

    Da sowohl Geist-Wesen als auch Körper-Emotion zum Menschsein gehören, tritt Entfremdung auf, wenn entweder das Körperliche vernachlässigt und das Geistige überbetont wird, odeer eben umgekehrt das Körperliche überbetont und das Geistige vernachlässigt wird. Harmonie im System Mensch entsteht also, wenn das Wesen mit seiner freien Energie sich betätigen kann, wenn der schöpferische Geist sich betätigen kann, wenn die Bedürfnisse des Körpers erfüllt werden und keine emotionalen Blockaden entstehen.

    Harmonie, irgendwie langweilig, gell – wer will das denn, ein erfülltes, stimmiges und glückliches Leben führen. Nun ja, die Crux des Menschseins sind ja seine Traumatisierungen als ein reaktives, im Dunkel des Unbewussten lauerndes informative-feindseliges Potenzial, das in der Lage ist, eine vermeintliche Stimmigkeit ruckzuck zu wandeln in Gewalt oder Depression. Und nun könnten wir verstehen, warum ein in Harmonie befindlicher Mensch mit traumatischen Informationen wenige bis keine Probleme hat: Er kann sie verarbeiten, auflösen, weil seine Aufmerksamkeit sich (bewusst) darauf richtet und der über vielfältige „handwerkliche“ Möglichkeiten verfügt.

    Entfremdung hat nicht nur eine Ursache, Entfremdung wird nicht mal eben so zwischen Tür und Angel aufgelöst. Vielleicht braucht es sogar mehr als nur einen Willen, um sein Leben nicht wie einen Furz verrauchen zu lassen.

    Gruß
    Wolfgang

  8. gerd zimmermann
    September 15, 2013 um 2:45 pm

    „Niemand käme auf die Idee ein Picasso-Gemälde verbessern zu wollen ..“

    Warum das, Guido, ich schon. Ich empfinde Picasso als schräg. Nicht im Gleichgewicht, nicht harmonisch.

    Da haben wir sie wieder. Die 6 und die 9. Und die 3 als Bindeglied.

    Ich kann bei Picasso keinen goldenen Schnitt fühlen, habe ich auch nie gesucht. Ich müsste mich ja selbst verbiegen um etwas zu sehen was nicht da ist.

    Die Welt findet Picasso gut. Das ist gut so. Das soll sie ja auch. In Luzern gibt es eine grössere Ausstellung über Picasso. Ich habe mir mein Bild gemacht. Es ist mein Bild.

    Gedankensprung zum Film Matrix. Nicht der Löffel verbiegt sich, mein Geist verbiegt sich um den Löffel.

    Ich bin und bleibe ein Querulant. Anders sein als die ANDEREN. Mein Flieger kann vorwärts wie Dichte durch Zwei mal Geschwindigkeit zum Quadraht. Die Antriebsleistung in der vierten Potenz. Oder durch Implosion wie bei Schauberger. Wärme ist falsch bewegte Energie.

    Gruss in die Runde

    Gerd

  9. September 15, 2013 um 12:32 am

    Hallo Echo …

    … welches kaum verzerrt, was ich vom Berg hinab ins Tal rufe 😉 Und solange es ein solches Echo gibt, sind mir 1000e von ‚Arschloch‘-Egos, äh, Echos, wurscht. Man sieht ja anhand von Klick-Raten und Bewertungen und all den ‚Likes‘ wohin es die Aufmerksamkeit zieht und wie wenig Zeit vorhanden ist, um sich überhaupt die Mühe zu machen erst mal auf einen Berg hinauf zu klettern, um neben einer einzigartigen Aussicht auch die Qualität des Echos zu bestaunen. Schnelle Antworten und noch schnellere Lösungen werden gesucht. Erwartungen gilt es zu befriedigen, statt sich dem Andersartigen zu nähern.

    Niemand käme auf die Idee ein Picasso-Gemälde verbessern zu wollen oder eine Komposition von Mozart mit ein paar Noten zu würzen … nur bei unseren ganzen technologischen Spielereien können uns Neuereungen gar nicht schnell genug gehen. Die Klassiker ruhen zeitlos in sich selbst, während das Moderne ständig rastlos auf der Suche nach Verbesserung ist.

    Gut Ding will Weile haben … es weiß dafür aber auch die Herzen entsprechend zu füllen, weil es, frei von Entfremdung, zum Einklang mit dem GANZEN führt … und zeitlos ist:

    http://www.zugenergie.de/ron-ng2.htm

    Das Schicksal des Viktor Schaubergers ist symptomatisch und viele Namen begleiten den seinen durch die Entfremdung, wo pathologisch wirkt, was notwendig ist, aber keineswegs krankhaft ist, um im Rahmen von Normalität wirken zu können.

    Die Geschichte des Viktor Schaubergers ist die Geschichte des Echos, in der aus einem Meister ein Narr wird … und JA, aus Daten können Informationen werden, wenn ihnen die notwendige Energie zugeführt wird, um Verborgenes und scheinbar Beziehungsarmes wieder mit Leben zu füllen … und seien es nur Zeilen in einem Buch, die nach langer, langer Zeit wieder zu Taten werden …

    Gruß Guido

  10. September 14, 2013 um 10:47 am

    Die beiden Seiten, die Du ansprichst lieber Wolfgang, sind für sind für mich zwei Seiten einer Medaille. Es gibt im Leben mehrfach Situationen, in den man Sicherheit sich wünscht oder bedarf und es gibt Zeiten in der man sich erweitern will und somit Risken in Kauf nimmt. Für Beides ist eine gefestigte Gemeinschaft und Urvertrauen untereinander notwendig, die in der heutigen westlichen Gesellschaft nur noch in Rudimenten vorhanden ist. Um unsere „Emanzipation“ als richtig darzustellen benutzen wir einzelne Beweise wo Gemeinschaft nicht funktioniert hat, ungeachtet der Tatsache das ähnliche Vergehen in unserer Gesellschaft auch vorkommen.
    Fortschreiten heißt sich entfremden, ob ich die Heimat verlasse oder ob ich nur auf Arbeit gehe, es kommt immer ein Anderer zurück. Mit Veränderuing mit der Umwelt verhält es sich genau so. Heute müssen wir wieder lernen, das Holz nach Mondphasen zu schlagen, was früher jedes Kind aus dem FF wußte. Wir müssen also nicht nur Wissen anhäufen, wir müssen es selbst anwenden. Wissen in Büchern aufzubewahren nützt niemanden. Entfremdung sehe ich im Zusammenhang der zeitlich sich verändernden Realität und ist somit immanent. Viele Grüße com. Mike

    • federleichtes
      September 14, 2013 um 2:42 pm

      Du trittst hier – ich versuche das auch – als Mensch auf. Während andere gerne Konserven liefern, auf denen fremde Namen stehen. Und wenn ich Deine persönlichen Berichte richtig verstand, bist Du lebendig, nimmst aktiv Teil am Geschehen und stehst somit in einem (ständigen) interaktiven Prozess, das Andere und den Einen (Dich) wahrzunehmen, zu reflektieren.

      Als ich vorhin an unsere ja nicht unähnlichen Wesen dachte, fiel mir ein Satz ein:

      Wikipedia
      http://de.wikipedia.org/wiki/Terenz
      In seinen von dem Schauspieler Ambivius Turpio inszenierten Komödien gestaltete Terenz das bürgerliche Alltagsleben in sorgfältiger, lebensechter Charakterisierung der Personen. Erziehungsprobleme, Ehefragen und Liebesverwicklungen sind die Themen seiner von großer Menschlichkeit getragenen Stücke: „Homo sum: humani nil a me alienum puto –
      Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches ist mir fremd.“

      Und schon stehen wir in der Systematik des Menschen, seinem Geist, seinen ego-sozialen Wahrnehmungen und Interpretationen, und seinem Körper. Und ich beobachte – sicher nicht alleine – eine Entfremdung durch
      – eine nicht mehr verständliche gesellschaftlich-politische Entwicklung,
      – durch nicht mehr verifizierbare wahr-falsch Information und seine Abspaltung von der Gesellschaft verbunden mit sozialen Brüchen,
      – durch eine Entfremdung von der Natur, Trennung, nicht mehr wahr-nehmen können, mit den entsprechenden körperlichen Folgen.
      Und auf das folgende Handeln bezogen eine sich vertiefende Ambivalenz, aus der – etwas platt formuliert, „richtiges“ Wissen und „falsches“ Handeln entsteht. Wissen ist nicht mehr erfahren, eher kalt, technokratisch, und Handeln wird unpersönlich, verschwindet in einer gleichgültigen Masse floskelhafter Beliebigkeit. So entsteht aus dem entpersonifizierten A-Ich und einer ungreifbar wabernden Masse in der B-Umwelt der entpersonifizierte Plagiat-Mensch, und damit eine für das Individuum wertlose AB-Medaille: Hülle ohne Kern, Feder im Wind, konzentrisch schwankend ohne festen Mittelpunkt.

      Entfremdung vom Weiblichen erlebte ich als Kind durch männliche Entwcheidungsgewalt; Entfremdung von verschiedenen Kulturen durch die Herabsetzung von z.B. Zigeunern; Entfremdung von meinen Mitmenschen, indem man schlecht über sie sprach. Und so entdeckte ich das Wesen der Entfremdung als einen der roten Fäden, die das Leben aus seiner Veranlagung heraus zu spinnen versteht. Du stellst Dich dem Anspruch, sie zu überwinden, etwas anderes leiste ich auch nicht – im Grunde alles nur, um mich selber und die Anderen besser verstehen zu können.

      Danke.

      Wolfgang

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