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Der verloren gegangene Schatz Darwins: die sexuelle Selektion – Wir haben ein großes Gehirn, weil der Mann buhlt und die Frau wählt

balzender blauer Pfau (Wikipedia)

Diesen Text schrieb ich etwa schon vor 3 Jahren auf dem SAPERION Blog und war einer meiner Bausteine des weiteren Hinterfragens unserer Weltbilder auf dem Blog Faszination Mensch:

Sehen wir aktuell überall viel Bewegung in unseren alten Theorien, so auch in der Evolutionstheorien. Geoffrey Miller beschreibt in seinem Buch Die Sexuelle Evolution: Partnerwahl und die Entstehung des Geistes sehr nachvollziehbar, warum Darwins zweite wichtige Theorie über 100 Jahre verloren ging und wie sich mit Ihr deutlich besser erklären lässt, warum sich in der Fauna männlicher Schmuck wie der Pfauenschwanz oder “Mein Haus, meine Yacht, mein Auto, …” ausgebildet haben, obwohl sie für das Überleben des Best-Angepassten keinen Nutzen bringen.

Miller sieht auch in unserem großen Gehirn einen Beweis der Ausbildung von Schmuck. Denn wofür sollte das Komponieren und Spielen von Musik, das Malen von Bildern, das Schreiben von Gedichten und das Erzählen von Geschichten für das Überleben gut sein. Zudem verbraucht das Gehirn extrem viel Energie,was für das Überleben eher hinderlich ist, da viel mehr Nahrung aufgenommen werden muss?

Darwin erkannte sehr schnell, dass seine Theorie der natürlichen Selektion das Phänomen des Schmucks nicht erklären konnte. So entwickelte er seine zweite Theorie, die der sexuellen Selektion. Anhand vieler Beispiele erklärte er, dass durch die Wahl der Weibchen, mit welchem Männchen es sich paaren wollte, zu einer Ausbildung von zufälligen Präferenzen kommt. Und dass die Wahl begleitet wird durch das Empfinden des Gesünderen und Überlebesnfähigeren, indem z.B. schillerndere Farmen oder intensiverer Geruch, oder der Besitz der größeren Ackerfläche den Ausschlag gibt, bleibt den Männchen nichts anderes über, als sich beim Buhlen richtig ins Zeug zu legen.

Und da dass das Bild des bestimmenden Weibchens so gar nicht in das Bild der Gesellschaft zu Darwins Zeiten passte, geriet diese seine zweite Theorie für gut 100 Jahre in Vergessenheit und wurde erst so richtig seit etwa 1990 wieder beachtet. Leider sind uns inzwischen die damals noch vorhandenen Naturvölker entweder verschwunden oder assimiliert, so dass weitere Erkenntnisse im Kontext dieser Theorie nun verloren sind.

Miller sieht noch einen zweiten wichtigen Punkt zur Ausbildung von Arten. Damit sich eine Präferenz auch ausbilden konnten, müssen die Arten polygyn sein, d.h. ausgeprägtere Männchen müssen mehrere Weibchen begatten während die anderen weniger gut und eher leer ausgehen. Auch das sieht er in unseren Vorfahren gegeben, als es darum ging, das Volumen unseres Gehirns innerhalb von 2 Millionen Jahren zu verdreifachen. So sind wir Männer nun in der Lage, neben dem “natürlichen”  Streben zu immer mehr Reichtum und Einfluss auch noch durch unseren Humor die Frauen zu becircen. Letzteres ist neben Besitz und gutem Aussehen doch immer wieder ein wichtiges Kriterium, das Frauen als Maßstab für ihren Prinzen nennen. Und dass unsere Sprache auch das Balzverhalten unterstützt, ist auch nicht zu übersehen: Wer gut formulieren kann, wird seine Vorteile besser an die Frau bringen können.

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  1. Juli 20, 2013 um 3:46 pm

    Vielen Dank für diese Einsichten. Dieser Artikel hat mir ’ne Menge erklärt, was ich bisher einfach nicht verstand…

    Demnach sind Kriege nichts weiter als männliche Kraftmeierei, um durch das Anhäufen von (weiterem) Eigentum (die) Frauen zu becircen…?!
    Was für eine Sicht!
    Wenn das tatsächlich so ist, sollten wir Frauen den Männern langsam aber sicher klar machen, dass uns das nicht nur nicht beeindruckt, sondern uns – ganz im Gegenteil – abstößt!

    Die Frauen (und die Kinder) sind diejenigen, die am meisten unter den Kriegen zu leiden haben. Die Männer rotten also im Krieg die aus, die sie doch becircen wollen?! Welche Schizophrenie!
    Da muss sich im Laufe der menschlichen Wirtschafts- und Gesellschafts-Entwicklung irgend etwas verselbständigt haben…

    Zeit, dass wir Frauen uns unserer Macht (wieder) bewusst werden!

    Frauen von Lesbos! Zeigen wir den Männern, dass Krieg, Eroberung und Unterdrückung unerwünscht sind!
    (Ich glaube eine Woche reichte damals, um die Männer zur Vernunft und vom Krieg abzubringen?)

    • Juli 20, 2013 um 4:22 pm

      Alte Männer schicken junge Männer in den Krieg, um ihren Besitzstand zu wahren,
      gehört auch noch in die beschriebene Kategorie menschlichen Wahns.

      Es gibt die Theorie, dass nur die Arten für ihr weiteres Bestehen sorgen konnten, deren einzelne Mitglieder sich gegenseitig unterstützten bei der Aufzucht der Jungen und beim Überleben. Brauche ich nur an die Ameisen denken oder an die Entwicklung der Säugetiere, die ihre Jungen lebend gebären, das ist ein Vorteil im Gegensatz zu den Arten die Eier legen.

      Die Frauen von Lesbos wussten was sie wollten. Alle.

      Grüße

      • Juli 20, 2013 um 5:09 pm

        Alte Männer schicken junge Männer in den Krieg, um ihren Besitzstand zu wahren.

        Ja, auch das hatte schon immer in Gesellschaften mit Hierarchien Methode.
        Dazu fällt mir einerseits ein, dass u.a. die Kreuzzüge eine gute Gelegenheit war, die jungen, erstarkenden, nachgeborenen Ritter in der Ferne zu beschäftigen, denn sie hatten ja keinen Anspruch auf das Erbe und hätten auf dumme Gedanken kommen können.
        Und andererseits bin ich auf das Reinheitsgebot aufmerksam geworden und habe bemerkt:
        1. Es durften dem Bier dann keine bewusstseinserweiternden Beigaben die die Tollkirsche oder bestimmte Pilze beigemischt werden.
        2. Es wurde der Hopfen verordnet, der sedierende, beruhigende Wirkungen hat.
        Siehe zu Letzterem nochmals meinen Artikel: Vom Benebeln des Bewusstseins

        VG Martin

    • Juli 30, 2013 um 10:53 am

      …zu der Zeit, als Männer anfingen ihren Status, der an Besitz gekoppelt war, zu verteidigen, ging die Frau auch bereits in ihren Besitzstand über. Zu dem Zeitpunkt hörte auch das natürliche, männliche Werben langsam auf, da es seitdemimmer seltener wurde, dass die Frau frei über ihre Sexualität und ihre Gebärfähigkeit verfügen konnte. Wie ich an anderer Stelle schon schrieb, kämpfen Männer gegen andere Männer, Frauen und Kinder, die man mal als Trophäe oder mal als Opfer gelten lässt, sind vor allem der Kollateralschaden.
      Zitat aus meinem Essay „Söhne und Macht“:
      „Um Machtbereiche zu okkupieren, zu festigen und zu verteidigen, reichen die eigenen Söhne eines Vaters nicht aus. Um Land als Eigentum sowie bewegliches Hab und Gut zu erobern und anschließend auf Dauer zu sichern, bedurfte es bestimmter Strategien und auch einer gewissen Anzahl an Männern. Männer, die bereit waren ihre Zeit mit (blutigen) Kämpfen zu verbringen und zwischen den Kampfhandlungen sich für den nächsten Kampf vorzubereiten. Nicht jeder (aus matrivivialen Verhältnissen stammende) Mann war (bzw. ist auch heutzutage) dazu bereit. Der, dem Vater verpflichtete, Sohn gilt immer wieder als der unmittelbare, ideale Verbündete. Dass das Vatersystem zur Sicherung seiner Macht den „kollektiven“ Sohn in den Tod schickt, ist immer noch hinlängliche Praxis.“

  2. gerd zimmermann
    Juli 20, 2013 um 8:23 pm

    „Alte Männer schicken junge Männer in den Krieg, um ihren Besitzstand zu wahren,…“

    Was für ein feines Näschen Du hast.

    Sind deine Ohren eher lang und weiss?

    Kennst Du den Weg?

    • maretina
      Juli 20, 2013 um 9:07 pm

      Weiß nicht ob ich ihn kenne, den Weg, meinen Weg vielleicht, ich hoffe.
      Ansonsten finde ich, dass das Folgende ein guter Begleiter sein kann:

  3. Juli 21, 2013 um 12:56 am

    Natürliche Selektion und sexuelle Selektion … schön und gut, nur leider mal wieder eine Interpretation des Menschen mit einhergehender Vereinfachung und anschließender Verallgemeinerung. Die Rolle der EINEN für das GANZE ist eine andere als die der ANDEREN. Der Mensch ist die notwendige Konsequenz der Entwicklung von Lebensformen, damit das Leben als Ganzes all seine Möglichkeiten im Sinne des GANZEN auszuspielen vermag.

    Wenn die Natur Räder schlägt und farbenfroh zu verlocken weiß, dann geschieht dieses einhergehend mit der Gefahr vor dem erhofften Erfolg gefressen zu werden … oder von Menschenhand gepflückt, verzehrt oder einfach niedergetrampelt zu werden. Dem Mensch mag es auch so ergangen sein … bis der Mensch dazu überging mit Lug und Trug etwas darzustellen, was er gar nicht ist. Moderne “Weibchenwerbung“ seitens der Männer hat nichts direkt mit einer Verbesserung des Lebens als Ganzes zu tun, sondern mit Selbstdarstellung. Gleiches gilt auch anders herum, siehe Kosmetikindustrie. Der Mensch ist mehr und mehr bestrebt seine Spezies, mittels Nachwuchs, zu schwächen … und macht damit mehr und mehr das Gegenteil der Natur, der ANDEREN. UND GENAU DAS IST DIE NOTWENDIGKEIT DES MENSCHEN aus der Sicht des GANZEN und des Lebens als Ganzes.

    Der Mensch wird zunehmend zum Schwanz, welcher den Hund wedelt. Darwins Theorien werfen Mensch und Natur, obwohl der Mensch in die Natur eingebunden ist, in einen Topf und verallgemeinern die Möglichkeiten und Motivation der EINEN und die der ANDEREN. Genau deshalb kommt es ja zur, paradox erscheinenden, Entfremdung der Menschen von der Natur. Paradox deshalb, weil der Mensch eingebunden ist in die Natur … und des Menschens Irrwege die Lösungswege für die Natur sind, in der Austestung, wie gut die Natur, sprich, das Leben als Ganzes, eingestimmt ist bzw. als Ganzes harmonisiert. Die fortwährende Ausbalancierung gegenläufiger Kräfte im GANZEN ist die Dynamik des Lebens, besagte HARMONIE. Natürliche und sexuelle Selektion sind dabei nicht allgemeingültig und auf das Leben als Ganzes zu jeder Zeit übertragbar, beide sind nur Spielarten um die HARMONIE überhaupt zu ermöglichen. Im Grunde gibt es einzig die Dynamik der HARMONIE … in jedem vereinzelten fraktalen Fragment der Realität. Diese HARMONIE ist (realisierter) Ausdruck der Beziehungen aller Fragmente. Je mehr Fragmente, desto mehr Möglichkeiten bedarf es, um die HARMONIE aufrechtzuerhalten. Schau dir die Welt an. Möglichkeiten über Möglichkeiten, sowohl für die EINEN als auch für die ANDEREN. Denn genau hier finden sich die enormen Anpassungsmöglichkeiten von Viren und Bakterien. Sie machen, was notwendig ist, weil der Mensch seine Möglichkeiten nutzt. Wir haben es in der Hand, ob sie ihre Virulenz an den Tag legen müssen oder nicht … aber nicht mittels Impfungen und Antibiotika per se …

    Taleb mal wieder, aus seinem Werk Antifragilität: Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen

    … the predictors‘ reply when we point out their failures has typically been “we need better computation“ in order to predict the event better and figure out tghe probabilities, instead of the vastly more effective “modify your exposure“ and learn to get out of trouble, something religios and traditional heuristics have been better at enforcing than naive and cosmetic science.

    Übrigens vielen Dank für dieses Thema, Martin, passt es doch hervorragend zum Abschlussteil, den ich nun schon so lange vor mir hertrage. Ein paar Tage fehlen noch, dann kann ich endlich mein diesbezügliches “Versprechen“ des großen Wurfes einlösen.

    Gruß Guido

    • Juli 21, 2013 um 9:10 am

      In unserem letzten Telefonat fragten Wolfgang und ich uns schon, wann Du den letzten Stein wohl niederlegen wirst.

      Sieht so aus, dass wir hier ein gemeinsames Wirken bewerkstelligen 🙂

      Noch einen schönen Sonntag und Danke für den letzten Schliff zu Darwins Thesen.
      Martin

  4. gerd zimmermann
    Juli 21, 2013 um 7:44 am

    „Darwin erkannte sehr schnell, dass seine Theorie der natürlichen Selektion das Phänomen des Schmucks nicht erklären konnte.“

    Sorry, Martin, ich mag Darwin nicht so sehr. Auch Freud mit seinen Komplexen ist nicht mein Ding.
    C.G. Jung mit seinem Sinn für das Ganze ist mir tausend mal lieber.
    Darwin hätte erkennen müssen, das der Weg herunter von den Bäumen ein Holzweg ist. Der Mensch, das Leben, das Universum und der ganze Rest stammen nicht vom Affen ab.

    Manch ein „Menschenaffe“ mag sich benehmen wie: Mein Harem, mein Universum ICH Gott.

    Doch leider, an der Realität geht das vorbei, erst recht an der Wirklichkeit.

    Der Mensch soll suchen. Er sucht auch. Nur sucht der Mensch immerzu da draussen. Da draussen ist Natur. Harmonie. Dafür muss ich aber alle Disharmonien die der Mensch erzeugt hinter mir lassen und allein mit der Natur sein.

    Martina beschrieb ihr Gefühl so gut, als Sie vom alleinsein mit der Natur nach Hause kam.

    Sexuell. Wer guten Sex hat spricht nicht über Sex. Wer keinen guten Sex hat, malt mit der Fantasie tausend Farben an die Wand und strahlt das dann im Fersehn aus.

    So oder ähnlich ist es doch.

    Guido:“Im Grunde gibt es einzig die Dynamik der HARMONIE … in jedem vereinzelten fraktalen Fragment der Realität.“

    An Alle: Dieser Satz von Guido beschreibt ein vollkommenes Universum.
    Warum vollkommen?
    Weil, es gibt nur ein Gesetz, Harmonie.
    Der Mensch, die Menschheit im Einklang mit der Natur des Schöpfers.
    Wieso gibt es einen Schöpfer, wenn der Mensch doch Gott ist?

    Gute Frage, nicht wahr.

    Vielleicht gibt es nur Gott, der Einzig existente.

    Nun wird es peinlich.

    Wenn nur Gott (Bewusstsein) existiert, ist der Mensch ein Teil Gottes.

    Jeder Gedanke, jedes Gefühl eines Menschen ist jederzeit mit dem Gesamtbewusstsein verbunden. Schon peinlich, irgendwo.

    Martin, wenn es dieses Gesamtbewusstsen gibt, es gibt es, ist ALLES mit ALLEM verbunden.

    Dann existiert nur eine scheinbare Getrenntheit. Fraktal ist gleich Selbstähnlichkeit, goldener Schnitt, Fibonacci, heilige Geometrie, sich aus sich heraus selbsterzeugend. Dualität. Leben. Universum und der ganze Rest.

    Das ist die Bühne des Lebens. Ich wünsche mir eine schnelle Entzauberung.

    Wenige haben die Vorstellung aus der Zeitklammer zu entfliehen.

    Jeder, JEDER Mensch trägt das Erbe seiner Selbst in sich.

    Der Mensch ist mehr als Geburt und Tod. Der Geist des Menschen ist unsterblich.

    Der Mensch ist im Licht. Wir leben in einem Lichtuniversum.

    Jeder Mensch, JEDER kann dies erkennen. Der Mensch trägt den göttlichen Funken in sich (Bewusstsein).

    Der Mensch erschafft Materie. Seine Realität, meisst unbewusst. Lernt er, bewusst seine Realität zu erschaffen ist er frei.

    Wir sind eingeklemmt in Raum und Zeit.

    Raum und Zeit ist eine Manifestation des Geistes.

    Bewusstsein erschafft das Universum, die Heimat des Menschen im Geiste.

    Einen geistreichen Sonntag

    Gerd

    • Juli 21, 2013 um 10:18 am

      Guten Morgen Gerd,

      Tom Campbell geht in seiner Theory of Everything auch davon aus, dass Bewusstsein am Ende nicht mehr als die Interpretation von elektronischen, diskreten Informationen ist:
      (für die nervige, unterlegte Musik kann ich nichts 😉

      .
      Er geht auch davon aus, dass wir uns in unterschiedlichen Reality Frames bewegen und nach dem Tod in einen Zwischenbereich gehen:
      .

      .
      Was ist dann der Schöpfer? Einer der die Spielregeln festgelegt hat, wie die diskreten Informationen sich aus dem Raum an Möglichkeiten manifestieren dürfen auf Basis des freien, bewussten Willens des Einzelbewusstsein, um seine eigene Realität zu selbst zu schaffen, bewusst oder eben nicht?

      LG Martin

      • Juli 21, 2013 um 11:15 am

        Das erscheint mir auch nur wieder eine Interpretation des menschlichen Seins auf Grund der neuesten technologischen Entwicklungen.

        Als es faktisch noch keine Technik gab, war der Mensch „ausgeliefert“: Gott und der Natur, jedoch (noch) eingebunden in die Natur. Der Mensch war nicht mehr als eine Küchenschabe im großen „Gottesplan“.

        Mit der industriellen Revolution, wurde der Mensch ein mechanisches Wesen, dass außerhalb der Natur wie eine Maschnine funktionierte und auch so betrachtet wurde. Die Natur wurde dementsprechend – losgelöst vom Menschen – ebenfalls als eine große gigantische mechanische Maschine betrachtet, die von Gott in Gang gehalten wurde/wird.

        Jetzt, im digitalen Zeitalter, wird unsere Welt eine Computersimulation, in der wir uns unsere Realität selbst erschaffen, wobei wir Menschen selbst Computersimulationen sind und irgend ein Schöpfer diese Simulation erschaffen hat.

        Merkste was?

        • Juli 21, 2013 um 11:47 am

          Ja, Solveigh, diese Gedanken sind mir dabei auch immer wieder gekommen. Gut, dass Du sie nochmals ansprichst. VG Martin

      • Juli 21, 2013 um 1:22 pm

        Wenn es nur eine Regel gibt, die in ALLEM wirkt, braucht es keinen Schöpfer zu Beginn, der etwas festlegt, was immerzu IST. Schöpfung ist ein fortwährend dynamischer Prozess der Schöpfung selbst … somit ist das Schöpfende auch fortwährend der Schöpfer … nur dass dieser Schöpfer, als Schöpfendes, nicht statisch ist, genau wie die Schöpfung selbst. Warum etwas im Außen suchen und an einen Anfang legen, dass immer IST ?

        Schöpfung ist Dynamik. Bewusstsein ist der Prozess der Überführung von Wirklichkeit in Realität, von Welle in Teilchen, mittels dieser Dynamik. Schöpfung ist HARMONIE, nicht Harmonie, denn Harmonie ( Friede, Freude, Eierkuchen ) ist menscherdacht und bezieht sich nicht auf das Leben als Ganzes.

        Um die Quantentheorie mal wieder mit ins Boot zu holen, auf unserer gemeinsamen Fahrt auf dem Fluss des GANZEN in Richtung Hafen, lasse ich mal an dieser Stelle Francisco J. Varela zu Wort kommen, Co-Autor des Buches ‚Der Baum der Erkenntnis: Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens‘:

        “Der Ausgangspunkt dieses Kalküls … ist das Setzen einer Unterscheidung. Mit diesem Urakt der Trennung scheiden wir Erscheinungsformen voneinander, die wir dann für die Welt selbst halten. Davon ausgehend bestehen wir dann auf dem Primat der Rolle des Beobachters, der seine Unterscheidungen an beliebiger Stelle macht. Doch diese Unterscheidungen, die einerseits unsere Welt erschaffen, enthüllen andererseits aber eben dies: nämlich die Unterscheidungen, die wir machen – und sie beziehen sich viel mehr auf den Standpunkt des Beobachters als auf die wahre Beschaffenheit der Welt, die infolge der Trennung von Beobachter und Beobachtetem immer unerfassbar bleibt. Indem wir der Welt in ihrem bestimmten So-Sein gewahr werden, vergessen wir, was wir unternahmen, um sie in diesem So-Sein zu finden; und wenn wir zurückverfolgen, wie es dazu kam, finden wir kaum mehr als das Spiegelbild unserer selbst in und als Welt. Im Gegensatz zur weitverbreiteten Annahme enthüllt die sorgfältige Untersuchung einer Beobachtung die Eigenschaften des Beobachters. Wir, die Beobachter, unterscheiden uns gerade durch die Unterscheidung dessen, was wir anscheinend nicht sind, nämlich durch die Welt.”

        Quelle: http://akademieintegra.wordpress.com/2013/02/26/die-mutigste-entscheidung-einer-gesellschaft/

        Jeder Mensch hat seine SIcht der Realität, ebenso aber auch jede Lebensform. Je komplexer jedoch die Lebensform erscheint, desto eher hat jeder einzelne Anhänger dieser Lebensform eine ganz eigene Sicht der Realität. Je einfacher die Lebensform, desto mehr entspricht die Sicht einer gemeinsamen Sicht der Lebensform als Ganzes.
        Anders ausgedrückt: je komplexer die Lebensform, desto fragiler die Sicht der Realität als Ganzes, da die Sicht einem Kollektiv entspringt, nicht aber einer Gemeinschaft. In der Wechselwirkung zwischen den Gemeinschaften und dem Kollektiv zeigt sich die HARMONIE.

        Damit ist die Regel auch keine Regel mehr, sondern einfach HARMONIE, Harmonie dagegen eine Vereinfachung und Verallgemeinerung im Rahmen von Trennungen.

        Gruß Guido

  5. federleichtes
    Juli 21, 2013 um 12:40 pm

    „… die sexuelle Selektion – Wir haben ein großes Gehirn, weil der Mann buhlt und die Frau wählt“.

    Mann, Mann, Mann.

    Gelingt es uns, den unbedingren Wunsch der Schöpfung nach Mehrung des Menschen-Potenzials zu betrachten – ohne ihn mit Sexualität zu verbrämen?

    Schneiden wir einen Autoreifen in tausend Stücke, um uns das Fahren des Autos (besser) erklären zu können?

    Ich glaube, Solveigh ist mit ihrer geschichtlich umfassenderen Sicht auf der richtigen Fährte. Und ermöglicht uns damit die Sicht auf das Licht hinter dem Regenbogen. Dessen Buntheit eher verwirrend wikrt. Und davor schützt den Menschen sein GROSSES Gehirn nicht, so wie ein großer Kochlöffel und eifrgies Rühren eine versalzene Suppe nicht bessert.

    Gell, Guido.

    Allen einen schönen Sommertag. Ich fahr dann mal.

    Gruß in die Runde.
    Wolfgang

  6. Juli 21, 2013 um 2:34 pm

    Der Ungewissheit der Menschen steht eine Menge natürlichen Know-Hows gegenüber.

    Die Möglichkeiten des Fragilen sind, eingebunden in die natürliche Ordnung, gut aufgehoben.

    Musik, Kunst, Gedichte, all das Schöne/Kreative dient dem Transport bzw. der Bewahrung des Kerns der HARMONIE durch stürmische Zeiten der dynamischen Realisierungen. Je doller der Sturm, desto schöner ( und langlebiger ) die Künste, die daraus hervorgehen.

    Gruß Guido

  7. Juli 24, 2013 um 8:54 pm

    Sexuelle Selektion ist etwas, ohne das man die Evolutionbiologie gerade im Bereich der Geschlechter nicht verstehen kann.
    Es ist interessant sie auch beim menschen zu beobachten, zB im Bereich intrasexueller Konkurrenz unter Männern um Status und intersexueller Selektion der Männer auch nach diesem Kriterium

  8. Juli 30, 2013 um 11:17 am

    …für das gut entwickelte menschliche Gehirn dürfte es noch ein paar andere Erklärungen geben, als ausgerechnet das Balzen der Männer. Bei dieser vereinfachten Darstellung werden uns auch noch kriegerische Auseinandersetzungen als ein menschliches Selbstverständlich untergeschoben.
    Dem ist aber kaum so. Über Jahrtausende hinweg können wir, auch der geringen Weltbevölkerung wegen, von eher friedfertigen, matrifokal lebenden Gesellschaftsstrukturen ausgehen. Noch gibt es bis in unsere Zeit einige Völker, die als Matriarchate bezeichnet werden können und die urnatürliche Mütterliche Ordnung als dauerhafte Lebensgrundlage schloss imho einen (männlichen) Besitz als beeindruckendes Argument in Liebesdingen eher aus. Außerdem, als Versorger für >eine< Frau war der einzelne Mann Jahrtausende lang quasi nicht existent. Der Mann gehörte dem Sippenverband als Sohn und Bruder an und die Frau lebte den Status einer Mutter – Großmutter – Tochter bzw. einer Schwester.

    Leider war auch Herr Darwin trotz seiner genialen Hypothese weiterhin ein Kind seiner Zeit. Es gelang ihm zwar die Möglichkeiten der sogenannte female choice zu erkennen und dieses Auswahlverfahren der Frau als entwicklungsfördernd in Betracht zu ziehen. Trotzdem ging er scheinbar auch bei seiner Evolutionstheorie davon aus, dass das männliche „Tagesverhalten“ in puncto Balz und ununterbrochener Selbstdarstellung eine beträchtliche Rolle bei der Vergrößerung des Gehirns gespielt hat?

    Der Aspekt, dass das weibliche Geschlecht ein immanente und basale Komponente in der Weiterführung der jeweiligen Spezies ist, fällt irgendwie ständig unter den Tisch. Dass liegt wohl vor allem daran, dass sich gern einzig auf die (männliche) Sexualkultur und den Zeugungsakt kapriziert wird. Der Urinstinkt des Arterhalts, der bei den weiblichen Säugetieren eine Rolle spielt ist ein entscheidender evolutionärer Marker und der ist prägend und erheblich älter als das „große“ Gehirn des Menschen.

    Nun sind ja evolutionäre Prozesse sehr komplexe und langwierige Prozesse. Vielleicht mögen die äußeren, augenscheinlichen Merkmale der Maskulinen dazu führen in die „engere Wahl“ zu kommen, wenn durch die sexuell unabhängige Frau eine Entscheidung für einen Liebes- und Sexualpartner fällt. Den endgültigen Zuschlag erteilt die Frau auf einer unwillkürlichen Ebene. Wie wir inzwischen wissen, fand bzw. findet die Auswahl des Sexualpartners vornehmlich über den weiblichen Geruchssinn statt. Und zwar wird diese Art des Wahlverfahren von der Hormonlage der Frau beeinflusst. Um die Zeit ihres Eisprung wendet sie sich daher anderen Männern zu, als zu einem anderen Zeitpunkt ihres Zyklus. Der „Fremde“ wird bevorzugt, das fremde, attraktive (gesund riechende) Immunsystem wird als Visitenkarte des potentiellen Miterzeuger des Nachwuchses eratmet. Die Inzestsperre (die zwar bei manchen Individuen versagt, im Gros jedoch funktioniert), schließt also den nahen Angehörigen aus. Dem Bruder, mit dem sie aufgewachsen ist, kann die Frau zwar lebenslang in Liebe zugetan sein, in puncto Erotik ist er für sie auf natürliche Art tabu.
    Das Ideal, das allerdings heute (gesellschaftlich) präferiert wird, ist der (fremde) Mann, der in der Phase des Verliebenseins als sexuelle Attraktion daher kommt, langfristig jedoch auch das Potential eines fürsorgenden Mutterbruders besitzt. Da es bei uns derzeit so gar keine tragende Müttergemeinschaft und konsanguine Angehörigensippe gibt, welche der Mutter-Kind-Einheit Schutz und Fürsorge angedeihen lässt, bleibt alles an dem einen Mann hängen, mit dem die (frei entscheiden könnende) Frau ihre Kinder aufziehen möchte.

    Das vergrößerte menschliche Gehirn ist eine Kollektivleistung und imho nicht wirklich an das Balzverhalten des Mannes gekoppelt. Die intensive Interaktion zwischen Mutter und Kind (bei Töchtern und Söhnen) dürfte meines Erachtens einen größeren Ausschlag bei der Gehirnbildung geben, als das Sexualgebaren der Männer. Und natürlich bringe ich hier noch gleich den Hinweis auf die sogenannte Großmutterhypothese ins Spiel. Zitat aus meinem „Großmutteressay“:

    "Wir wurden alt – wir wurden jung – wir wurden intelligent! Diese These stammt nicht von mir, sondern ebenfalls von Anthropologinnen wie Kirsten Hawkes, wird aber gern von mir aufgegriffen und vertreten.
    Die Langlebigkeit des Menschen begründet sich in der Tatsache, dass länger lebende Frauen über ihre Fruchtbarkeit hinaus, einen arterhaltenden Vorteil haben. Daraus resultiert bei der Frau die große Spanne an Jahren vom Ende der fruchtbaren Zeit bis zum natürlichen Tod. Mehrere Jahrzehnte wie wir wissen…. Die von Großmüttern tatkräftig unterstütze urzeitliche Müttergemeinschaft konnte ihrem Nachwuchs immer mehr Zeit zum Aufwachsen geben, wie Hawkes sagt: sie erfanden die Jugend. Und ein Gehirn das gut genährt eine lange Zeit zum Reifen erhält, hat viele Entwicklungsmöglichkeiten. Der Vorteil der menschlichen Intelligenz geht somit auch auf das Konto der Großmütter."

    • Juli 30, 2013 um 11:37 am

      Vielen Dank. Deine Kommentare lesen sich spannend und ergeben für mich absolut Sinn!

      • maretina
        Juli 30, 2013 um 12:41 pm

        Ja ja die Großmütter…Danke Stefanie.

        • Juli 30, 2013 um 1:23 pm

          Ich las, dass die Erziehung der Kinder bei den Lakota zum großen Teil bei den Großeltern lag. Die Jungen hatten dafür gar keine Zeit, die mussten leben, jagen, Holz, Beeren und Wurzeln sammeln oder anbauen, Wasser holen…

          Dieses Vorgehen hatte nicht nur den Vorteil der Entlastung der Jungen sondern „die Alten“ hatten auch größere Geduld, Lebenserfahrung und Weisheit, was den Kindern zugute kam… – und sie waren in der Gesellschaft angesehen und gebraucht…

          In den Dörfern des Kaukasus werden die wichtigen Entscheidungen des Dorfes heute noch von „den Alten“, den „Aksakalen“ getroffen…

        • maretina
          Juli 30, 2013 um 3:53 pm

          Das findest du auch bei den Mouso, eine nationale Minderheit in den chinesischen Bergen, matriarchale Gemeinschaft, die Jungen arbeiten draußen, auf dem Feld, weiter weg und die älteren, bei denen die physischen Kräfte weniger werden, sind ums und im Gehöft beschäftigt, mitsamt Betreuung der Kinder.
          Die Älteste kümmert sich um den Hausaltar, spirituelles Leben ins Alltägliche integriert, ohne irgendwelche Personen die sich zwischen Mensch und Schöpfung stellen Usw./usf. ich kann hier dann leider doch nicht über das gesamte Buch
          schreiben 😉
          Was du da beschreibst ist bei matrilinear, matriarchalen Gemeinschaften in verschiedenen Spielarten ziemlich ausgeprägt. Klingt gut und vernünftig, ist es auch, finde ich.

          Grüße
          Martina

        • Juli 31, 2013 um 8:57 am

          … aktuell umgeben von sieben Enkeltöchtern (und deren beiden Müttern und einem Enkelsohn) schwelge ich derzeit in weiblicher Power, Schönheit, Lachen, ständigen Austausch und der tiefen Ahnung wie das Leben unter Frauen sein könnte… einst war… wieder sein wird…
          der gelebte generationsübergreifende Aspekt in einem weiblich tendierten Milieu – das ist nun mal das was unserer Gesellschaft eindeutig fehlt.
          Danke auch dir liebe Maretina für deine Hinweise… ich habe den Film über die Mouso gesehen. Von der gelassenen Lebensweise in den matrifokalen Gesellschaften bin ich immer wieder angetan. Dass die Großmuttergeneration die Kinder betreut und versorgt findet sich noch in den Alltagsgrundlage bei vielen indigenen Gemeinschaften, schon allein deshalb weil, es da diese krasse Trennung der Generationen nicht gibt… wir hier fangen doch schon mit dem Kleinkindalter an die heranwachsenden Menschenwesen zu sortieren und die Gruppierungen zu separieren…

        • Juli 31, 2013 um 12:16 pm

          …. und ihnen alle tiefen Bindungen und die zarten Wurzeln zu kappen und abzuschneiden…, Stephanie

        • maretina
          Juli 31, 2013 um 1:26 pm

          Stephanie, gehts dir gut. Echt. Fast bin ich ein bißchen neidisch. Aber nur ein bißchen. Da ich mit Söhnen gesegnet bin, das erste Enkelkind dann wie zu erwarten auch ein Junge wurde, aber im Herbst wird es ein Mädchen 😉
          Aktuell lebe ich auch in einem reinen Frauenhaushalt, die Dynamik ist eine ganz andere, sehr wohltuend, sowas wie ein Heimspiel 😉
          Zu den Mousou gibt es ein Buch, ich habe es verschlungen.

          Matriarchat in Südchina. Eine Forschungsreise zu den Mosuo.
          (Anmerkung Martin: wow, gebraucht 1 x 74 € und 1 x über 2.000 €)

          Einen schönen Tag für Dich, für alle Anderen natürlich auch
          Martina

  9. Juli 30, 2013 um 12:27 pm

    …ich danke dir , liebe Solveigh!

  10. Ernst Duberr
    Dezember 22, 2015 um 4:14 pm

    Eines weiß ich jetzt ganz sicher : Weiber verstehen nichts von WEIBERN .

  1. Juli 2, 2014 um 8:26 am

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