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Beispiele funktionierender Anarchie: ist der Shared Space in der Gemeinde Bohmte eins?

Ich hatte diesen Beitrag zu Anfang dieses Blogs geschrieben und möchte ihn doch nochmals überarbeitet hier präsentieren, geht er doch von einem konkreten Beispiel das Thema Anarchie an. Ich stellte damals die Frage, ob eine paradiesisch-anmutende Anarchie funktionieren könne?

Da werden so viele Fragen aufgeworfen. Geht es wirklich ohne Regierung, ohne Militär, ohne Polizei, ohne Gericht, ohne Anwälte und Gefängnisse? Brauchen wir diese immens großen Organisationen, die wir alle finanzieren müssen wirklich? Was, wenn nicht? Klar ist, wenn wir allein kein Geld mehr für unsere Armeen bräuchten, wäre der Hunger aus der Welt.

Ich habe mir vorgenommen, da man so den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, mal im Kleinen wie mit dem Beispiel der SCRUM-Methodik anzufangen. Ich suche nach Beispielen, wo so etwas schon funktioniert hat bzw. heute schon funktioniert. Bevor ich über Bohmte spreche noch etwas zu uns, dem faszinierenden Wesen Menschen. Mir scheint, dass Anarchie nur funktionieren kann, wenn die Veranlagung dazu in uns Menschen gelegt ist. Was braucht es? Einen guten Menschen wie ihn Platon schon versucht hat, zu definieren? Vermutlich, nur was gut ist, hat auch er nicht wirklich gut klären können.

Nun lese ich gerade das neue Buch Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält von Richard David Precht. Abgeschlossen habe ich gerade sein Kapitel zur Feststellung, dass wir mit einer natürlichen Fähigkeit ausgestattet zu sein scheinen, bewerten zu können, was fair ist. Gerechtigkeit ist uns extrem wichtig. Und genau das ist, was z.B. die vielen Bürger im Ländle zum Thema Stuttgart 21 zum Zivilen Ungehorsam veranlasst (Nebenbei: ist Neid womöglich falsch interpretiert: ist es eher Ausdruck des Empfindens von Ungerechtigkeit?). Diese tief in uns verwurzelte Emotion, das Gefühl gerecht oder ungerecht zu sein, könnte also eine wesentliche Grundlage für eine funktionierende Anarchie. Und hat uns bisher zu einem zur Kooperation fähigen Wesen in der Gemeinschaft zum Überleben gebracht.

Nun aber zu der Gemeinde Bohmte. Sie hat aufgezeigt, wie viel besser es im Straßenverkehr geht, wenn dereguliert wird. Was erreicht wurde, kann sich sehen lassen:

  • ein schöneres Stadtbild durch weniger Schilder und Ampeln
  • weniger Staus, da der Verkehr flüssiger fließt
  • weniger kritische Verkehrsunfälle
  • mehr Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer
  • engeres Zusammenstehen der Bürger, weil man mehr aufeinander eingehen muss

Es gibt keine chaotischen Zustände und auch keine Gewalt. Im Gegenteil, es gab begleitende Maßnahmen wie die Schulung der Kindergartenkinder, wie man sich in einem solch deregulierten Straßenverkehr zu verhalten hat. Da alle Verkehrsteilnehmer gleich sind, regelt sich der Verkehr allein auf Basis von Rücksichtnahme. Es gibt also mehr Freiheit, sprich Möglichkeiten, sich Verhalten zu können. Auf der anderen Seite braucht es aber auch mehr Aufwand, sich abstimmen zu müssen. Es scheint aber gut zusammenzugehen.

Gemeinde Bohmte zeigt ein Erfolgskonzept: Shared Space auf der Straße

Ich bin mir sicher, wenn wir auch an anderen Stellen weniger Regeln aufstellen, werden wir wieder mehr Rücksicht aufeinander nehmen. Wo wir dann wieder bei der Frage zum Funktionieren einer Anarchie sind: brauchen wir noch die vielen Gesetze , wenn es keine uns bekannte Regierung mehr gibt, da wir auf Basis unserer kooperativen Fähigkeit uns z.B. auf Basis schon Schiedsrichtern (siehe heute Morgen das Morgenmagazin des ARD/ZDF mit Heiner Geißler zum Thema Bürgerbeteiligung) selbst regulieren können?

Nachtrag vom 11.01.2020:

Markus Raitner hat das Thema auch wie folgt aufgegriffen:

Wo das Miteinander nicht mehr durch starre Regeln geordnet wird, herrscht Verwirrung und Unklarheit. Und genau das ist der Punkt, denn nun müssen sich die Verkehrsteilnehmer irgendwie anders arrangieren. Es findet dort viel mehr Augenkontakt statt und alle achten mehr auf die anderen Menschen anstatt auf die Ampeln und ihre Vorfahrt. Das führte nicht nur in Drachten, sondern auch an anderen Orten mit diesem Konzept des Shared Space zu langsameren Geschwindigkeiten und dadurch insgesamt zu einem besseren Verkehrsfluss und deutlich weniger Unfällen.

Fundstelle: Lebendiges Miteinander ohne starre Regeln
Kategorien:Gesellschaft Schlagwörter: , ,
  1. März 1, 2013 um 11:14 am

    Genial, da hat noch Jemand Bohmte als Beispiel angeführt, mit Blick auf unsere Organisation von Unternehmen:

    „Alles schön und gut, doch was dient als Orientierung, wenn nicht die Anweisung oder die Regel“, fragt man uns in Workshops oft? „Wie vermeiden wir, dass alle chaotisch umher laufen und machen was sie wollen?“ Das ist natürlich genauso Quatsch wie die Annahme, dass der Verkehr ohne Verkehrsregeln nicht laufen würde. Menschen laufen nicht chaotisch umher und machen was sie wollen. Menschen suchen nach Orientierung und Sinn. Denn niemand tut gerne Sinnloses. In Abwesenheit von Anweisung und Kontrolle werden Entscheidungen auf Basis der eigenen Überzeugungen und ungeschriebenen Gesetze des Unternehmens getroffen. Die Werte einer Organisation reduzieren Komplexität und dienen als Kraftfeld für Entscheidungen. Für gewöhnlich weiß man in einer Organisation schnell, was geht und was nicht. Und trotzdem lohnt sich die Frage: Wie schaffen wir mehr Orientierung? …

    gefunden in: Ein Unternehmen ohne Ampeln – Werte als Kraftfeld von Entscheidungen.

  2. März 2, 2013 um 8:36 am

    Das ist ein zweischneidiges Schwert – wollen doch auch die neo-liberalen faschistischen (Faschismus = uneingeschränkte und direkte Herrschaft des (Finanz-)Kapitals) Kräfte eine De-Regulierung, eine vollkommene Abschaffung des Staates, und sie wollen dies ersetzen mit der totalen Diktatur des Finanzkapitals – und die Peitsche sind das Geld und die Schulden.

    Wenn die URSACHEN nicht verändert werden und nicht einmal angesprochen werden, gehen diese Konzepte, ja MÜSSEN sie, in die völlig verkehrte Richtung! Hört sich gut an (Demagogie = JEDER kann sich damit einverstanden erklären und das gut finden!), der Schuss geht aber nach hinten los!

    Lies dazu auch:
    http://tv-orange.de/2013/03/eine-neue-form-des-imperialismus/

    • Ben
      Juli 16, 2013 um 3:47 pm

      Schau lieber nochmal nach was Faschismus bedeutet. Jedenfalls nicht dass, was du schreibst.

      • Juli 16, 2013 um 6:40 pm

        Vielleicht ist es gut, sich über den Faschismus und seine Wirkweisen nicht nur aus den Massenmedien zu informieren.
        Faschismus IST die direkte, unumschränkte Diktatur des Kapitals. Dazu bedienen sich die transnationalen Konzern- und Bankeneigentümer Personen, die fanatisch genug sind, solches System zu errichten.
        Hitler – mit IG Farben als „Partner“ ist ein sehr schönes Beispiel dafür.
        Heute spielt Obama in den USA diese Rolle mit dem militärisch-industriellen Komplex, Monsanto und anderen, aber auch die Scheich-Diktaturen in Saudi Arabien und Katar sind dort einzuordnen: Öl-Konzerne sind hier die wahren Diktatoren.
        Auch das israelische Regime würde ich als faschistisch bezeichnen.

        • Tante Molly
          Juli 16, 2013 um 7:09 pm

          Sorry du sprichst über (d)eine Fantasiewelt und nicht über dass was man allgemein als Faschismus bezeichnet…

          • Juli 16, 2013 um 8:32 pm

            Was ist denn Deine Meinung, was die allgmeine Meinung zum Faschismus ist?

        • Juli 16, 2013 um 8:11 pm

          Nun, Tante Molly und Ben, Ihr scheint ja bestens informiert zu sein.
          Nur leider teilt Ihr Euer besseres Wissen nicht mit uns. Statt dessen belasst Ihr es bei unbewiesenen Behauptungen und Beleidigungen.
          Das ist unterste Schublade der Diffamierung und Manipulation.

          Macht das woanders mit jemdandem anderes, ja?

    • maretina
      Juli 16, 2013 um 7:56 pm

      Das ist ein zweischneidiges Schwert – wollen doch auch die neo-liberalen faschistischen (Faschismus = uneingeschränkte und direkte Herrschaft des (Finanz-)Kapitals) Kräfte eine De-Regulierung, eine vollkommene Abschaffung des Staates, und sie wollen dies ersetzen mit der totalen Diktatur des Finanzkapitals – und die Peitsche sind das Geld und die Schulden.
      Das ist allerdings dann schon ein Unterschied zur Anarchie. Deregulierung, wie von den neo-liberalen Kräften betrieben, will ja die unumschränkte Herrschaft des Finanzkapitals über die Menschen, einen Umbau der Pyramide und das Festhalten, tiefer Verstricken in Schuld. – Anarchie ist, wie das Wort schon sagt, eine Form des Zusammenlebens die ohne HERR-Schaft auskommt, also ganz anders geartet, auf ganz anderen geistigen Grundlagen aufbauend. Herrschaft baut auf auf Manipulation mittels der Schuld -(Gefühle) erzeugt werden, aus denen heraus sich wunderbar Ängste aller Arten erzeugen lassen.
      Also, Martin kennt das schon, mal wieder mein hübsches kleines anarchistisches Filmchen, ich find das Viedeo einfach gut.

      • Juli 16, 2013 um 8:42 pm

        Ich habe strenge Vorbehalte gegen die Anarchie, nicht zuletzt wegen seiner Vertreter Trotzki und Machno.

        Bei Wikipedia wird behauptet:

        „Die nach dem Freischarführer Nestor Machno benannte anarchistische Bauern- und Partisanenbewegung Machnowschtschina, die zwischen 1917 und 1922 während des russischen Bürgerkrieges in der Ukraine aktiv war, gilt als anarchistische Organisierung. In der Zeit ihrer größten Ausdehnung gehörten der Machnowschtschina bis zu 30.000 freiwillige Partisanen auf einem Gebiet von etwa 10.000 km² mit 7 Millionen Einwohnern an. Für den gesamten freien Rayon abgestimmt wurden die Entscheidungen in einem Rayonkongress, einer Vollversammlung der Rätedelegierten.“

        Tatsächlich aber war Machno ein Vertreter des „weißen Terrors“, der mit allen unmenschlichen Mitteln versuchte, die Macht der Kulaken und Großgrundbesitzer zu erhalten.

        Dem gegenüber stand Trotzki mit seinem „roten Terror“, der mit ganz ähnlichen terroristischen, unmenschlichen Mitteln versuchte, SEINE Vorstellungen von Anarchie – bitte gleich weltweit durch eine „permanente Weltrevolution“ durchzusetzen – finanziert, angeleitet, angheuert, ausgebildet in den USA, wohin er nach dem Mord an dem Zaren auch das Gold des russischen Reiches lieferte!

        Nicht umsonst wurden beide Richtungen von Lenin (der dafür umgebracht wurde) und von Stalin bekämpft und entlarvt als das, was sie sind: Verbrecher und Terroristen im Dienste des Kapitals.
        Dass sie heute wieder emporgehoben werden als „Freiheitskämpfer“ zeigt mir, welch‘ hinterlistige Arglist der Herrschenden dahinter steckt.

        Was mich an dem Video stört, ist die völlige Aufhebung JEDER Bindungen zwischen den Menschen, denn die sind ja nur ZWANG! Du willst Dich von den Eltern und Lehrern nicht herumkommandieren lassen? Dann bist Du Anarchist! Merkst Du die Falle?

        Jeder kann machen was er will? „Leben und leben lassen“? Der Zusatz „wenn er es anderen nicht aufzwingt“ ist ein kaum verhüllendes Feigenblättchen der restlosen Beliebigkeit! Denn:
        Wo alles gleich gültig ist, ist auch alles gleichgültig!

        Außerdem wird in dem Video gesagt, dass die sich die armen Minderheiten von den bösen Mehrheiten rumkommandieren lassen müssten!?
        Das Übergewicht des Rechts der Minderheiten finden wir in der UNO und im Kapitalismus als tragende Ideologie. Weißt Du warum? Die Minderheiten lassen sich so wundervoll leicht gegen die anderen aufhetzen – und die Ergebnisse sehen wird dann in Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Libyen, Tunesien, Syrien usw.

        Der „Schutz der Minderheiten“ ist der Schutz der 1 % vor den 99 %! Und die von den 1 % geschaffenen Bevölkerungsminderheiten sind dann der Grund für Kriege, die der Minderheit von 1 % horrende Profite einfahren und deren macht ausdehnen.

        Anarchie? Nein, danke!

        Es ist meines Erachtens nur ein hübschere (für die unzufriedenen Geister) Propaganda für die NWO.
        Auch die ist staatenlos.
        Auch die ist gottlos.
        Auch die ist ohne Herren und ohne Sklaven? DAS wage ich zu bezweifeln.

        Die „Anarchie“ bedient sich einiger kommunistischer Ziele und Phrasen, um die Ziele der heute Herrschenden durchsetzen zu können.

        • Juli 16, 2013 um 9:11 pm

          Liebe Solveigh,

          ich las diese Woche, dass der Staat von den Machern dieser Welt auch nur als Instrument auf dem Weg zur Eineweltregierung ausgedacht wurde. Das Chaos in den Staaten wird nun weltweit immer weiter forciert, damit der Furst auf diese Einzelstaaten nun immer größer wird, womöglich auch noch der Zwist zwischen den wohlhabenden und reicheneren Staaten ebenfalls befeuert wird, damit genau am Ende der Wunsch der der friedvolleren Eineweltregierung hoch kommt.

          Und in diesem Sinne finde ich die „wahren“ Ideen der Anarchie (die von Dir genannten waren auch nur andere Formen von Diktaturen) eben passender, da hier nicht oben nach unten regiert wird, sondern von unten nach oben.

          Ich lege die Botschaften allerdings nicht so krass aus wie Du, es sind ja nur wenige Inhalte dargeboten. Meine Vorstellung von Anarchie ist eher ähnlich der von Dir schon genannte Gesellschaftform der Irokesen. Oder eben das, was wir schon als Matriarchat besprochen haben. Wo es eben nicht um Beliebigkeit geht, sondern um gemeinsam verhandelte Regeln, an die sich die Beteiligten halten, damit eben kein Chaos ausbricht. Nur würden die Menschen selbst beteiligt werden und nicht wie im Staat schlücken müssen, was von oben kommt. Ich erinnere immer wieder gerne an dieses Bild:

        • Juli 16, 2013 um 10:27 pm

          Liebe Solveigh,

          ich seh weder in Trotzki noch in Machno Anarchisten. Erich Mühsam war einer. Und Fürst Pjotr Alexejewitsch Kropotkin:

          „Die fünf Jahre, die ich in Sibirien zubrachte, waren für mich eine Erziehung in wirklichem Leben und menschlichem Charakter. […] Ich hatte reichlich Gelegenheit, die Bauern, ihre Lebensweise und Gewohnheiten, im täglichen Leben zu beobachten, und noch mehr Gelegenheiten zu erkennen, wie wenig die staatliche Verwaltung, auch wenn sie von den besten Absichten beseelt war, ihnen zu bieten vermochte.“
          – Peter Kropotkin: Memoiren eines Revolutionärs.[2]

          Gut nachzulesen in Wikipedia; empfehlenswert sein Werk: „Gegenseitige Hilfe im Tier- und Menschenreich.“

          „Anarchie (altgr. ἀναρχία anarchía ‚Herrschaftslosigkeit‘; Wortbildung aus verneinendem Alpha privativum und ἀρχία archía ‚Herrschaft‘) bezeichnet einen Zustand der Abwesenheit von Herrschaft.“ Ich füg hinzu jeder Art von Herrschaft; weder Herrschaft des Finanzkapitals, noch Gewaltherrschaft jedweder Coleur, keine Diktatur von wem auch immer, z.B. der Eigentümer an Grund und Boden, keine Herrschaft von irgendjemanden über irgendwen, auch nicht der Regierung mit ihren Werkzeugen übers „dumme Volk“. Wenn schon Regierung dann als Dienst am Volk, so wird vllt. ein Schuh draus, aber das Volk / die Menschen müssen das auch wollen, dafür sorgen, dass dem so werden kann. Sich also die Eigen-Macht zurückholen und in Folge nicht wieder abgeben. Mit anderen Worten, das Volk, die Menschen sagen wo es lang geht und die Regierung hat das gefälligst auszuführen, so ähnlich wie bei den Irokesen. Da wurde im Clanhaus beschlossen und dem Häuptling gesagt wie weit seine Befugnisse bei Verhandlungen mit anderen Häuptlingen gingen, und wenn er sich nicht dran hielt bekam er richtig anständig Ärger, Häuptling war er dann mal. Wer da im Clanhaus das Sagen hatte brauch ich euch jetzt wohl nicht zu schreiben.;-)

          Schönen Abend
          Martina

        • Juli 16, 2013 um 11:08 pm

          Mit Deiner Einstellung bin ich einverstanden. Das nenne ich aber nicht „Anarchie“ sondern „Basisdemokratie“.
          Wahre Volksherrschaft, von unten nach oben. Die Pyramide umdrehen und dann ganz abschaffen.

        • Juli 16, 2013 um 11:11 pm

          Was Du beschreibst, maretina, ist NICHT Anarchie.
          Siehe meine Antwort an Martin.

        • Juli 17, 2013 um 8:15 am

          Liebe Solveigh,

          vielleicht wäre es tatsächlich geschickter, sich vom Begriff der Anarchie zu lösen, da es in der Vergangenheit, wie auch von Dir erwähnt, manche angeblichen Anarchisten gab, die eben nicht in dem von Martina gedachten Vordenkern gesehenen Gesellschaftsmodus des friedlichen, respektierenden und kooperativen Umgangs auf Augenhöhe unterwegs waren sondern diesen Zugang mit Gewalt suchten.
          Leider ist daher auch das Bild der Anarchie als chaotisch und nicht organisiert in den Köpfen der meisten Journalisten, weshalb das Bild auch immer so weiter gegeben wird.
          Direkte, echte oder Basis-Demokratie könnten sicher neue Repräsentanten sein. Oder Holocracy bzw. Sociacracy wäre andere Möglichkeiten.
          Einig sind wir uns sicher darin, dass es für bestimmte Aufgaben Führer bzw. Umsetzer braucht, die aber das umsetzen, was an der Basis gemeinsam beschlossen wurde. Und wer sich nicht dran hält, darf abgewählt werden. Und zum Führer wird gewählt, wer nachweislich geeignet ist. Und z.B. keine machthungrigen Psychopathen.

          Übrigens ist noch immer ein sehr gutes Werk zum Einleisen in die Anarchie das von Horst Stowasser: http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/anarchie-idee-geschichte-perspektiven-horst-stowasser

          Hier spricht er darüber, dass Anarchie den Kapitalismus ersetzen könnten, dass es aber auch ein problematischer Begriff ist:

          Interessante Web-Seiten:
          Anarchie 3.0: http://www.anarchie-drei-null.de/
          Anarchie heute: http://www.anarchie.de/

          VG Martin

        • Juli 17, 2013 um 9:03 am

          Sehr schön lässt sich an diesem kurzen Austausch sehen, dass Worte über die Jahrhunderte in ihrem Gebrauch verfälscht wurden. Darum guck ich ja so gerne nach der ursprünglichen Bedeutung und Verwendung. – Was Eltern und Kinder angeht, alles andere auch wo Menschen miteinander arbeiten, kommunizieren ist die natürliche Autorität, die sich gründet auf Sachkenntnis und Herzenswärme.
          War jetzt nur ein kurzer Einwurf.
          Ich wünsche Euch einen schönen Sommertag
          Martina

  3. federleichtes
    Juli 17, 2013 um 9:58 am

    @ Martina (Danke!)

    „Sehr schön lässt sich an diesem kurzen Austausch sehen, dass Worte über die Jahrhunderte in ihrem Gebrauch verfälscht wurden. Darum guck ich ja so gerne nach der ursprünglichen Bedeutung und Verwendung. – Was Eltern und Kinder angeht, alles andere auch wo Menschen miteinander arbeiten, kommunizieren ist die natürliche Autorität, die sich gründet auf Sachkenntnis und Herzenswärme.
    War jetzt nur ein kurzer Einwurf.“

    Empfand ich spontan als unnachahmlich formuliert:
    Sachkenntnis – im Bilde-Sein.
    Das zeitlose Fühlen – im Hierundjetzt.

    Begriffe können uns im (alten) GRIFF haben. Das Gefühl kann uns natürlich (neu) bestimmen.

    Gruß
    Wolfgang

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