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Sich ständig ändern zu müssen ist wider den Energiehaushalt unseres Gehirns …

Ich schrieb den folgenden Artikel über ein Jahr vor Beginn meines Blogs Faszination Mensch auf dem SAPERION Blog, und war einer meiner ersten Trigger zum Nachdenken über unsere Wirklichkeit. Es geht um unser Beharrungsvermögen in alten Handlungsmustern und erklärt, warum wir uns so schwer tun, in vermutlich zuträglichere zu wechseln:

Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth

Sich ständig ändern zu müssen ist wider den Energiehaushalt unseres Gehirns …

So mein Fazit nach einem der interessanteren Vorträge des Gehirnforschers Prof. Gerhard Roth auf dem gestrigen Jahreskongress für Organisation und Management der Gesellschaft für Organisation. Herr Roth begründete einerseits, warum es uns Menschen so schwer fällt, von lieb gewonnenen Gewohnheiten loszulassen (siehe auch die 5 Affen), und führte andererseits aus, was man tun kann, um sich selbst oder andere Menschen in ihrer Verhaltensweise zu ändern.

Die Erkenntnisse der letzten 10 Jahre Gehirnforschung (Neurologie) zeigen, dass unsere Entscheidungen über unsere limbisches System, unserem Zentrum für Emotionen vorweg genommen werden und unser Bewusstsein quasi nur noch bestätigt. Unser emotionales Nervenkostüm wird im Wesentlichen in den letzten Wochen vor der Geburt bis etwa 3 Jahre gebildet. D.h. alles, was wir hier erfahren, können wir nur schwer vergessen, aber auch bewusst nicht erinnern. Dennoch steuert es uns neben dem angeborenen Temperament und hier sind wir nur sehr schwer  änderbar.

Erst mit 18-20 Jahren sind wir im Gehirn endgültig verdrahtet und damit emotional stabilisiert. Davor muss man sich nicht wundern, wenn unsere Persönlichkeit unstet wirkt.

Da wir, wie Herr Roth meint, größtenteils emotional, laut Volksmund über den Bauch,  gesteuert werden, nützt kaum Belohnung, schon gar nicht Bestrafung, aber auch Logik nicht zur Änderung unseres Verhaltens. Nur wenn wir Menschen auf der emotionalen Ebene richtig abgeholt werden, lassen wir uns bewegen. Demnach müsste der moderne Manager sowohl Psychologe sein, um zu erkennen, was seine Mitarbeiter bewegt, als auch ein guter Rhetoriker, um zum anderen Verhalten zu überzeugen (nicht zu verwechseln mit motivieren oder überreden).

Dass das Ändern dann immer noch auf Widerstand stoßen kann, liegt an dem höheren Energieverbrauch, wenn wir nicht wie gewohnt Handeln. Wenn wir uns in unserem Tun Wiederholen, werden wir von unserem Gehirn belohnt, andernfalls bestraft. Dies erklärt so manches Beharrungsvermögen, das wir um uns beobachten können.

D.h. aber auch, dass eine Firmenkultur, die die ständige Bereitschaft zur Änderung fördert, viel Energie von uns Menschen abverlangt. Da ist es um so wichtiger, wenn dabei Jeder für sich erkennen kann: “Was bringt das für mich?” …

Hmmmm, wie ist das dann mit der Bestrafung von Menschen, die gegen Regeln verstoßen haben (Compliance)? Laut Herrn Roth führt Bestrafung jedes Mal zum “das zahle ich Dir heim”, als dass sein Verhalten damit grundsätzlich geändert werden kann. Also entweder komplett Wegsperren oder nicht wegsperren und mit ihm stark an seinem emotionalen Mantel arbeiten?

Und noch ein interessantes Zitat von Herrn Roth: “Unsere Persönlichkeit ist uns nicht zugänglich, sprich wir sind uns fremd.” Also ist es noch schwieriger, uns selbst am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen, also das andere machen zu lassen?

Und wer hier noch tiefer einsteigen möchte, für den gibt es noch das Buch dazu: Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten: Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern

  1. April 19, 2014 um 9:35 am

    Die Probleme, die hier geschildert werden, sind typische Probleme des noch UNREIFEN, noch nicht geistig-seelisch voll entwickelten, nur SCHEINBAR erwachsenen, Menschen – wie er für die zivilisierte Gesellschaft typisch ist. Denn die große Mehrheit darin leidet – allermeist unbewußt – an / unter diesem Mangel. Dieser ist der Wissenschaft (Soziologie) prinzipiell auch bekannt („Kollektive Neurose“), aber auch die allermeisten Wissenschaftler sind von dieser Störung befallen und beeinträchtigt und können die wahre Schwere und Tragweite der Störung nicht erkennen; sie sehen allenfalls die „Spitze des Eisbergs“.

    Menschen außerhalb der zivilisierten Gesellschaft, die nie durch die Neurose befallen / beeinträchtigt waren, können wiederum nicht erkennen, von was für einer Art von Mangel die „anderen“ befallen und beeinträchtigt sind, da sie ihn nicht kennen und nicht nachfühlen können. Diese wahrhaft Gesunden können allenfalls erkennen, daß die „anderen“ ANDERS sind – wie auch Häuptling Seattle im „Brief an den Präsidenten“ (der USA) geschrieben haben soll.

    Den Durchblick haben nur die, die von der (kollektiven) Neurose wahrhaft geheilt worden sind – bzw. sich selbst geheilt haben. Denn diese Heilung muß der Betreffende im eigenen Bewußtsein selbst vollziehen. Das kann niemand anderes für ihn tun. Es gibt zwar Therapeuten und (Geist-)Heiler, die den Heilungswilligen unterstützen können in dem Prozeß, aber die Änderung / Wandlung / Heilung, die im UNBEWUSSTEN hergestellt werden muß, kann nur der Betreffende selbst tun. Dort, im UNBEWUSSTEN, dem eigentlichen bzw. späteren „Höheren / wahren Selbst“ ist er / sie selbst absoluter Herrscher; dort kann niemand eindringen und evtl. etwas verändern.

    Um den Prozeß der geistig-seelischen Reife, des wahren Erwachsenwerdens, des Ganz- / Heil- und Frei-Werdens vollständig und wirksam durchführen zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt bzw. verschiedene Schritte getan werden. Die habe ich in meinem Text „Wahre Heilung“ auf http://www.Seelen-Oeffner detailliert dargelegt.

    Für diesen Prozeß gibt es Namen:

    Zum Beispiel „Initiation“ – die „Einweihung“ in das höhere Bewußtsein / Sein.
    Ich denke, da besteht ein Zusammenhang mit „Weihnachten“ = „Weihe-Nacht“ oder „-Nächte“, wo das höhere Bewußtsein („Christus“) „zur Welt kommt“.

    „Ascension“ meint den „Aufstieg“ zum höheren Bewußtsein, vom kindestypischen „Niederen Selbst“ / „Ego“ zum erwachsenentypischen „Höheren / wahren Selbst“.

    „Übergangsritual“ ist ein weiterer Begriff, der mir in diesem Zusammenhang begegnet ist. Englisch: „rite-on-passage“. Es wird stellenweise in Europa noch durchgeführt, scheint aber „verkümmert“ zu sein und nur auf das Äußerliche reduziert.
    Möglicherweise meinte das französische Wort „Karriere“ ursprünglich den „Aufstieg“ zum höheren Bewußtsein.

    *

    Es geht darum, sich (selbst) als das höhere Bewußtsein / Selbst zu erkennen und seine Vorstellung vom eigenen Sein, von der Identität, zu verändern – zu wechseln von der Vorstellung, materieller – grobstofflicher – und damit endlicher Körper zu sein zu der neuen Vorstellung, in der HAUPTSACHE ein nichtmaterielles, feinstofflich-energetisches, nicht-endliches, Wesen zu sein – eine Seele; ein „Kind“ oder „Ableger“ oder „Teil“ der universellen All-Seele und schöpferischen (Bewußt-)Seins.

    Als dieses Geist-Kraft-Wesen ist der Mensch nicht mehr an seine bisherige materielle „Prägung“ gebunden, sondern FREI (!!) und kann – im Bewußtsein des höchsten Prinzips des Universums tun und lassen, was ihm beliebt. Wie Augustinus schrieb: „Liebe – und tu was dir beliebt. Es wird immer richtig sein.“

    In dieser höheren Seins- / Bewußtseins-Ebene ist der Mensch DAS, was er nach göttlichem Willen und evolutionärer Entwicklung sein soll. Erst auf dieser Seins- / Bewußtseins-Ebene ist er Voll-Mensch, GANZER / WAHRER Mensch. Erst auf dieser Ebene ist er auch SPIRITUELL ZEUGUNGSFÄHIG und kann andere Menschen – vor allem wohl seine eigenen Kinder – zu dieser Reife führen.

    Der spirituell reife Mensch ist durchdrungen vom Grundprinzip des Universums und voll motiviert, sich für dieses Prinzip einzusetzen, sein „Botschafter“ / „Agent“ / „Vertreter“ zu sein. Vor allem für seine Kinder muß er glaubwürdiger „Stellvertreter (Gottes / des höchsten Prinzips)“ sein, um ihnen das Urvertrauen zu erhalten, das sie für den Prozeß der Initiation / Ascension brauchen.
    Falls Kindern vor diesem Prozeß das Urvertrauen verloren gehen sollte – durch einen großen Schreck, große Angst, großen Schmerz oder Entbehrung(en) – können die spirituell bewußten, bedingungslos liebenden, Eltern dafür sorgen, daß das Trauma schon / noch in der Kindheit heilt. Falls es ausnahmsweise nicht schon / noch während der Kindheit heilt, wird es spätestens im Prozeß der Initiation / Ascension geheilt.

    Diese Heilung braucht aus meiner heutigen Sicht die weitaus größte Mehrheit der „erwachsenen“ Menschen der zivilisierten Gesellschaft. Wegen dieses Mangels wird die zivilisierte Gesellschaft zutreffend „krank“ genannt. Und die „Krankheit der Gesellschaft“, die „Kollektive (Zivilisations-)Neurose“ ist die eigentliche / tiefere / wahre Ursache

    – der allermeisten individuellen „Krankheiten“, die im Grund nur verschiedene Symptome der EINEN (großen) Krankheit sind;

    – der Schwierigkeiten / Störungen menschlicher Beziehungen und der Kindererziehung;

    – der „Globalen Krise“ / „Weltproblematik“, wie seit den 60er Jahren gesagt wird;

    – der sich ständig wiederholenden „Kollektiven PSYCHOSEN“ (Krieg und ähnliches).

    Die „Normalität“ der zivilisierten Gesellschaft gründet also auf einer schweren, tendenziell tödlichen, Krankheit – die in jedem Einzelfall und jederzeit grundlegend heilbar ist.

    Um als Einzelner dieser grundlegenden Heilung teilhaftig zu werden, muß er das verloren gegangene (Ur-)Vertrauen (zum Sein / Leben) wiedererlangen bzw. seine / die ANGST konstruktiv überwinden. Das heißt: NICHT nur verdrängen, sondern sich ihr stellen und sie aushalten und nicht ausweichen.

    Herzlichen Gruß!

    • federleichtes
      April 19, 2014 um 11:28 am

      „Dort, im UNBEWUSSTEN, dem eigentlichen bzw. späteren “Höheren / wahren Selbst …”

      Das sehen wir hier bislang anders.
      Einerseits das Wesen – das Leben als Irritation des Wesens – und den traumatisch-unbewussten informativen Bereich des Lebens, der die Feindseligkeit auf die Lebensbühne zwingt.

      „… ist er / sie selbst absoluter Herrscher; dort kann niemand eindringen und evtl. etwas verändern.“

      Und das sehen wir bislang so:
      Durch die Verarbeitung der Feindseligkeit (Transzendieren – Deaktivieren) entsteht Bewusstsein, das das Wesen vor dem Zugriff fremder Macht (Geist) schützt.

      Gut, wenn unsere Annahmen hier noch mal wieder zur Disposition gestellt wrden.

      Danke
      Wolfgang

  2. maretina
    April 19, 2014 um 5:20 pm

    Mit der Gleichsetzung von Unbewusstsein und Höherem Selbst habe ich ein Problem.
    Im Unbewusstem lagern sich meinem Verständnis nach alle Blockaden und Traumata ab, die den Fluss der Lebensenergie in uns behindern und im Moment nicht aufgelöst werden können.. Es regelt auch Automatismen, wie den Herzschlag, von daher ist es durchaus gut, dass es da ist und funktioniert, wie es funktioniert.
    Das Unbewusste ist ein Teil von uns, nicht mehr.
    Das Höhere Selbst umfasst meinem Verständnis nach mehr. Und zwar all unsere Körper, die grob- und feinstofflichen, den physisch-ätherischen, den emotionalen, mentalen und spirituellen Körper des Menschen. Es weiß um unseren Seelenplan und scheint mir die Schaltstelle hin zum Ursprung unseres Seins überhaupt.

    Scheint mir gut, das mal auseinanderzuklamüsern.
    Grüße
    Martina

    • April 19, 2014 um 6:01 pm

      Das „Unbewußte“ ist in der Kindheit, vor dem Wandel / Wechsel zum Erwachsenen, ALL das, was (noch) unbewußt ist. Dazu gehört das auch später üblicherweise unbewußt bleibende „Unterbewußtsein“ ebenso wie das im Prozeß der Initiation / Ascension bewußt werdende „Höhere / wahre Selbst“, die FEINstoffliche, spirituelle, Seele. Dieser Teil von uns ist unser WAHRES SEIN, unser Wesenskern, die wahre Identität. Alles andere ist sekundär – also „Körper“ incl. das Gehirn und die dort gespeicherten Prägungen / Informationen.
      So verstehe ich das.

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