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Futurum II – Walden Two – eine lebenswerte Welt nach B.F. Skinner

Wir haben hier ja schon mehrfach versucht zu definieren, wie eine lebenswertere Welt aussehen könnte. Ich habe gerade den Hinweis auf das Buch Futurum Zwei. „Walden Two“. Die Vision einer aggressionsfreien Gesellschaft von B.F. Skinner, das er 1948 schrieb, sowie den folgenden Text erhalten,  der aufzeigt, dass er Ähnliches gedanklich umgesetzt hatte. Aber lest selbst:

<<<<< Beginn des Textes >>>>>>>>>

B.F. Skinner (Quelle Wikipedia)

B. F. Skinner hat sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts Gedanken gemacht, auf welchen Wegen ein glückliches Leben für viele Menschen erreichbar sein könnte. In seinem Buch Walden Two, erstmals erschienen 1948, spricht er sich für das Modell einer kleinteiligen Lebens- und Wirtschaftsform aus, das sich an den technischen und technologischen Standards unserer Zeit orientiert. Vorgestellt wird eine Gemeinde von etwa 1.000 Menschen, die ihr Zusammenleben wirtschaftlich und sozial autark gestaltet. Die Struktur der Gemeinde Walden Two basiert auf bestimmten theoretischen Ansätzen der Verhaltenspsychologie. Da Skinner auf diesem Gebiet jahrelang als Forscher tätig war, konnte er die Ergebnisse seiner Forschungen und einige der von ihm erarbeiteten Modelle der positiven Verhaltensverstärkung aus erster Hand in das Buch einbringen.

Vordenker Thoreau

Der Name Walden Two geht zurück auf das 1854 erschienene Buch Walden: oder Leben in den Wäldern des amerikanischen Schriftstellers Henry David Thoreau. Darin schildert der Autor, wie er sich am einsamen Waldensee unweit der Stadt Concord, Massachusetts, ein Blockhaus errichtete und zwei Jahre in dieser Einsiedelei lebte. Mit seinem Experiment bewies Thoreau, dass ein Leben in relativer Unabhängigkeit von menschlicher Zivilisation möglich ist. Als ein früher Vorläufer alternativer Lebensformen proklamierte Thoreau folgende Thesen:

Es gibt keine Lebensweise, der man nicht entrinnen könnte. Untersuchen Sie Ihre eigene genau!

Wenn Sie Ihnen nicht gefällt, dann ändern Sie sie!

Versuchen aber nicht, diese Änderung durch politische Tätigkeit zu bewirken, denn selbst, wenn es Ihnen gelingt, werden Sie sicher nicht klüger damit umgehen können als Ihre Vorgänger!

Legen Sie nur Wert darauf, Ihre Probleme auf Ihre eigene Art zu lösen!

Vereinfachen Sie Ihre Bedürfnisse! Lernen Sie, wie man mit weniger Eigentum glücklich sein kann!

In Walden Two, rund 100 Jahre später, gelten die uns vertrauten sozialen Kodes und ökonomischen Grundkonstellationen nicht. Die Arbeit beispielsweise wird in dieser Gemeinde nicht als Selbstzweck betrachtet, sondern auf ihre eigentliche Bedeutung als notwendige Existenzsicherung reduziert. Materielles Denken ist nicht primär, denn aufgrund eines anderen Sozialverhaltens und einer grundsätzlich anders strukturierten ökonomischen Basis gelten andere Werte. Motto: »Das Motiv des Dominierens spielt bei uns keine Rolle, weil wir stets an die gesamte Gruppe denken«. Das Leben in Walden Two also eine Idylle? Wurden hier 1948 gewisse Hippie-Träume vom Ausstieg aus der verhassten bürgerlichen Welt vorweggenommen?

Damit würde man es sich zu einfach machen. Walden Two besticht durch die Komplexität des imaginierten Modells einer alternativen Lebens- und Wirtschaftsform. Liebevoll und minutiös wird uns zunächst erläutert, auf welche Art und Weise man in Walden Two die »richtigen« Menschen herbekommt, ohne die ein solches Modell einfach nicht funktionieren kann. (Ein Problem, an dem bekanntlich auch die sogenannten sozialistischen Gesellschaften im 20. Jahrhundert jämmerlich scheiterten.) Die Kinder werden bereits im frühen Alter auf bestimmte, später gewünschte soziale Verhaltensweisen konditioniert. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Mensch eben nicht von Natur aus gut ist, sondern das spätere »Gutsein« nur durch bewusste Einflussnahme im frühesten und frühen Kindesalter dauerhaft erreicht werden kann. Je älter die Kinder in Walden Two werden, desto geringer wird der Einfluss der Erwachsenen, und desto stärker erziehen sie sich in gruppendynamischen Prozessen gegenseitig. Das Lernen geschieht spielerisch, hat dabei aber einen hohen Bezug zu den gesellschaftlichen Erfordernissen. Wer dies kritisiert, sollte einmal darüber nachdenken, dass in unserer Welt Kinder mit einem Erziehungs- und Schulwesen konfrontiert werden, das seiner Bestimmung und Aufgabenstellung in weiten Teilen nicht gerecht wird. Im Ergebnis eines solchen Systems sind persönliche Konflikte und gesellschaftlich unerwünschte Nebenwirkungen beim Übergang ins Erwachsenenalter praktisch vorprogrammiert. Für die Halbwüchsigen in Walden Two ist der Übergang in die Erwachsenenwelt ein fließender Prozess, Konflikte sind selten; sie werden bereits in der Jugend zu gefestigten Persönlichkeiten und wachsen in bruchloser Weise als vollwertige Gemeindemitglieder auf.

Die schöne neue Welt von Walden Two

Bis auf wenige Spezialisten übt niemand lebenslang denselben Beruf aus; die Menschen haben lediglich ein tägliches Arbeitspensum zu absolvieren, das je nach Aufgabenstellung mit Arbeitspunkten bewertet wird. Der Regelfall sind maximal 4 Stunden Arbeit am Tag. Ein Protagonist fasst das Credo wie folgt zusammen:

Es stimmt, wir genießen einen hohen Lebensstandard […], aber unser persönlicher Wohlstand ist sehr gering. In Geld ausgedrückt sind die Güter, die wir konsumieren, nicht besonders wertvoll. Wir folgen Thoreaus Grundsatz, unnötigen Besitz zu vermeiden …

In Walden Two ist die monogame Ehe die Norm, sie ergibt sich sozusagen als die natürliche Lebensform zwischen zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts. Da die Kindererziehung sozialisiert ist (die Kinder werden in dafür vorgesehen Einrichtungen gemeinschaftlich erzogen), sind die Eltern den unmittelbaren familiären Pflichten und Zwängen enthoben, was sich insbesondere für die Frauen sehr positiv auswirkt. Teenagerschwangerschaften und -geburten sind kein Problemfall für die jungen Eltern bzw. die Gemeinde, sondern gelten als wünschenswert: Biologische Gegebenheiten und soziale Anforderungen befinden sich in Walden Two eben nicht im Widerspruch.

Was tun die Menschen mit ihrer freien Zeit, wie leben sie miteinander? Sie widmen sich der Kunst im weitesten Sinne. Es gibt Konzerte, Theateraufführungen, Malerei; sie forschen auf einem bestimmten Gebiet – und das nicht nur in passiver Weise, sondern auch aktiv. Am Beispiel der Musik wird das so erläutert:

Denken Sie an die Wirkung auf unsere Kinder! Sie erleben Musik bereits in der Wiege – was nebenbei bemerkt nur eine Redensart ist, da wir die Wiege durch eine erheblich sinnvollere Einrichtung ersetzt haben. Sie haben die Möglichkeit, jeder musikalischen Neigung zu folgen, mit erstklassigen, begeisterten Lehrern und verständnisvollen, wohlwollenden Zuhörern, die gespannt ihre ersten Leistungen erwarten. Was für eine Umwelt! Selbst die leiseste Spur von Musikbegabung kommt hier zum Tragen.

Der Weg ist das Ziel

Thoreaus Grundsätze sind in Walden Two verwirklicht, jedoch in einer Weise, die auf gemeinschaftliches Zusammenleben einer größeren Gruppe von Menschen zielt. Es dürfte unzweifelhaft sein, dass das Leben im sozialen Verband eher unserem biologischen Erbe aus der Zeit der Primaten-Vorfahren entspricht, als Thoreaus Einsiedlerleben am Waldensee. Bestimmte Steuerungsmaßnahmen und Regeln sind auch in der Gemeinde von Walden Two unerlässlich, um die Stabilität der Gemeinschaft sicherzustellen. Doch verglichen mit denen in unserer Welt haben diese keinen notorisch zwanghaften Charakter, sondern sind ab einem gewissen Punkt sich selbst regulierende, natürlich ablaufende Prozesse. Niemand wird bestreiten, dass soziale Stabilisierung in unserer Welt im Regelfall über hierarchisch aufgebaute Macht- und Gewaltstrukturen erreicht wird – in Walden Two sind diese nicht erforderlich, weil eine relative Gleichheit der Lebensbedingungen herrscht.

Die Zielvorstellung von einem besseren Leben für alle wurde in Walden Two in exemplarischer Weise umgesetzt, das Potential des Einzelnen wie der Gruppe kommt in ganz anderer Weise zur Entfaltung. Natürlich ist es ein Wunschbild des Autors, und natürlich darf die Frage nach der Handlungsfreiheit des Einzelnen in einer solchen Gemeinschaft gestellt werden. Skinner postuliert, dass es so etwas wie Freiheit im landläufigen Sinne gar nicht gibt:

Wir haben kein ›Lexikon der Freiheit‹, in dem steht, was wir tun sollen. Die Frage stellt sich nie. […] Die Frage ist: Können Menschen in Freiheit und Frieden leben? Und die Antwort lautet: Ja, wenn wir eine soziale Struktur schaffen, die die Bedürfnisse aller befriedigt und in der jeder bereit ist, die Regeln zu befolgen, die diese Struktur aufrecht erhalten.

Adaptionen von Kommunen hat es in der Geschichte der Menschheit viele gegeben, doch für eine dauerhaft funktionierende Gemeinde in der Struktur von Walden Two hat es nie gelangt, bisher jedenfalls nicht. Über die Gründe dafür kann man nur mutmaßen. Vielleicht war Skinners Ansatz zu idealistisch? Offenbar gibt es nicht genügend intelligente Leute, die sich für eine solche Struktur ernsthaft interessieren, bzw. die bereit wären, sich mit ihrer ganzen Existenz dafür einzusetzen … Denn eine solche Gemeinde kann ja nur von Leuten aus unserer Welt initiiert werden, und die Anfangsschwierigkeiten für ein solches Projekt sollte man nicht unterschätzen. Walden Two bleibt ein gedankliches Konstrukt, bis es jemand verwirklicht. Ob es in der beschriebenen Weise funktionieren würde, können wir daher nicht wissen. In jedem Fall ist Walden Two auch heute noch eine faszinierende Vision, wohl einer der ernsthaftesten Versuche des 20. Jahrhunderts, uns tatsächliche Alternativen für die Gestaltung unseres zukünftigen Lebens aufzuzeigen.

<<<< Ende des Textes >>>>

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Buch in meiner Sturm- und Drangzeit gelesen habe (es wurde in Deutsch in meinem Abi-Jahr 1978 verlegt). Da ich aber nun neugierig geworden bin, habe ich es mir mal bestellt.

Interessant fand ich den Hinweis, dass auch Skinner noch davon ausging, dass Menschen von Natur aus schlecht zur Welt kämen. Inzwischen haben wir hier erkannt, dass der Mensch eher als (fast?) weißes Blatt auf diese Welt kommt und das wiederspiegelt, was das System ausmacht. Das heißt, der Mensch wird gemacht: „Er ist ein gemachter Mann“ ist ein geflügeltes Word, das Wolfgang diese Woche noch benutzte, und das uns so schön zeigt, wie es wirklich ist.

  1. federleichtes
    April 14, 2013 um 3:16 am

    Es gibt verschiedene Problembereiche in diesem Projekt-Entwurf.
    Einige möchte ich mal kurz beschreiben.

    Sagen wir mal, in einer Bevölkerung gäbe es 5% geeignete Menschen für diese Art zu existieren. Werden sie der Normal-Gesellschaft entzogen, könnte diese kippen, da das Ausgleichs-Potenzial für die 5% auf der „anderen Seite“ fehlt. Die Sicherheits-Folgen könnten für das Projekt fatal sein.

    Diese 1.000 Menschen wären geeignet in dem Sinne, dass sie potenziell geeignet sind. Das heißt, sie erscheinen geeignet, WEIL sie in der alten Gesellschaftsform lebten. Ich halte es für ungewiss, wie sich die Eignung in der neuen Gesellschaft entwickeln wird. Kann sein, dass sich ein „Lamm“ zu einem Super-Lamm entwickelt, kann auch sein, dass aus einem Lamm ein Wolf schlüpft. Vergleichbar mit Politkern, die, wenn sie erst an der Macht sind, sich charakterlich völlig verändern.

    Die Initiatoren bzw. Projektleiter sind der alten Gesellschaft entwachsen und mit deren herrschaftlichen Mustern infiziert. Wie sollen diese Menschen Kinder völlig anders erziehen können? Zudem Kinder, die keineswegs als nur wenig beschriebene weiße Blätter erscheinen.
    Sicherlich wird es fähige Menschen für diese Aufgabe geben, aber welchem Druck werden sie ausgesetzt, der von den Unfähigen ausgeht?

    Bei jeder mit (relativ) künstlichen Regeln konditionierten Organisation kommt es zu Druck und Gegendruck und wirkt damit kontraproduktiv auf das Erscheinen von unbewusst/traumatisch bedingtem Verhalten.

    Anmerkungen
    Sozialität ist nicht erzwingbar und ihre Entwicklung zeitlich nicht planbar. Individualität braucht ein freies Feld, auf dem sich soziale und egoistische Ansprüche nicht im Wege stehen.
    Primär scheint mir eine verbindlich geregelte Versorgungsfrage zu sein: Der bedingungslose Anspruch auf Wohnung, Wärme, Ernährung, Fürsorge. Und die Freiheit, jederzeit gehen und wiederkommen zu können.

    Könnte mir kleinere, miteinander vernetzte Dörfer vorstellen, in denen talent-orientierte Schwerpunkte gesetzt sind, z.B. Landwirtschaft, Handwerk oder Kultur/Kunst.

    Ich schließe mit meiner Behauptung:
    Es gibt noch keinen Entwurf für die Gesellschaft der Zukunft.
    Bevor wir die Welt retten wollen-können, sollte die Frage geklärt sein, ob der Mensch (die Menschheit) überhaupt zu retten ist – solange in der Welt-Agenda „Ausweitung und Verschärfung des Misbrauchs“ geschrieben steht.

    Gruß
    Wolfgang

    Mal am Rande
    Humanisten sind mir keine Gut-Menschen, weil sie die Realität verweigern und folgend irrig glauben, Genickbruch mit Pflaster heilen zu können. Humanisten sind nicht ungefährliche Phantasten, weil sie die Hoffnungen der Menschen (andere als sie selber brächten die Welt für sie in Ordnung), und zwar gegenleistungslos, kassieren.
    Worüber weiter zu sprechen wäre.

  2. April 14, 2013 um 10:01 am

    Ich fand gestern wieder ein Interview mit Franz Hörmann, der mir aus dem Herzen spricht, und vertritt und in Worte fasst, was auch meine Visionen von einer gerechten Wirtschafts- und Gesellschaftsform entspricht. Vielleicht erinnert Ihr Euch, dass ich vor einiger Zeit so etwas formulierte, was Herr Hörmann hier auch ausspricht:

    • April 14, 2013 um 9:56 pm

      Danke für das Video. Ja, da reift ein Ansatz heran, der mir gut gefallen könnte.
      Gruß Martin

  3. März 2, 2014 um 5:29 pm

    Nun hast Du, lieber Martin ein Thema, Kommune, aufgemacht, mit dem wir indirekt am Anfang „aneinander geraten“ sind. Ich weiß nicht ob du Dich erinnerst, „ich traue keiner Menschenansammlung über 50 Personen“, die sich ja indirekt von Thoreau abgeleitet hatte. Nicht nur das Buch an sich ist sehr interessant, die Zeit war sicher eine der ersten Versuche ein selbstbestimmtes Leben in der neuen Gesellschaft, Kapitalismus, zu suchen, der neben ihm auch Persönlichkeiten wie Ralph Waldo Emerson hervorgebracht hatte. Er war unter anderem auch der Vordenker von niemand Geringerem als M. Gandhi. Also ich würde die Primärlektüre empfehlen und zwar noch vor Walden, „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ (http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_die_Pflicht_zum_Ungehorsam_gegen_den_Staat).
    Zu den Fragen Kommune und ihre Beständigkeit möchte ich noch ein paar Worte verlieren. Alles was erkannt wird, ist nicht eine Wahrheit, die zeitlos unbegrenzt in ihrem vollen Umfang seine Richtigkeit beibehält. So wie sie mich heute sofort festnehmen würden, käme ich nur auf die Idee, im Wald eine Hütte zu errichten und würde dort anfangen den Wald zu roden, um einen Garten für die Selbstversorgung anzulegen. Die Welt hat sich in den letzten reichlich 160 bzw. 60 Jahren erheblich verändert. Ohne es gelesen zu haben, was ich sicherlich aus Neugierde trotzdem nachholen werde, spielt „Walden two“ sicherlich nicht in einer Großstadt. wir leben aber in einer zeit in der die urbanisierung ein erhebliches Problem darstellt, nicht das Landleben. Auf dem Land sind kaum noch Menschen vorhanden, also hier im Osten, die ein ernsthaftes Interesse an einer Gemeinschaft haben. Anders herum gibt es neuerdings in einigen Bereichen (Nordbrandenburg) auch wieder genügend Aussteiger, die ohne Thoreau- oder Skinner-Handbuch beginnen ein selbstbestimmtes Leben zu führen, die mich an diese Prinzipien sehr stark erinnern. Ich habe erst im August vorigen Jahres mal für ein Wochenende dort sein dürfen und ihnen mein Fachwissen zur Verfügung gestellt. Ich werde die Gespräche am Lagerfeuer und am Frühstückstisch nicht so schnell vergessen. Also es gibt sie, wie auch dieser schöne Beitrag, http://www.zeit.de/lebensart/essen-trinken/2010-11/fs-holon, es belegt. Sie werden aber nicht die Lösung, das non plus ultran darstellen. Wenn es in der Praxis funktioniert, muß man nicht immer eine Theorie draus machen!
    Ich halte es mit glaube Lenin, der sagte, „Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit“. Wir sind ja in den wesentlichen lebenserhaltenden Funktionen überhaupt nicht frei, wenn wir nicht atmen, hat sich das für uns innerhalb kürzester Zeit gegessen. Warum sollte der Kopf also sich etwas herausnehmen dürfen, was dem restlichen Körper nicht zu steht. Wenn er schon der Vordenker ist, dann solle er sich doch der Gemeinschaft unterordnen und für dessen Wohl da sein, wie das bei fast allen Wesen funktioniert.auf die Gemeinschaft bezogen, stellt sich für mich da die Frage, wie können sich Menschen auf die Freiheit berufen, wenn sie wissen, das sie dadurch andere noch schmerzhafter an ihre Ketten binden, die keine Aussicht auf die Freiheit haben, ca 80% der Weltbevölkerung und jeder unternommene Versuch ihnen die Freiheit zu bringen in einem Desaster geendet hat, in dem nur Wenige profitierten. Nein nur weil wir denken dem Tierreich, ohne es wirklich beweisen zu können, entwachsen zu sein, bilden wir oder besser gesagt eine Minderheit von uns, sich ein aus der Reihe tanzen zu können. Heute möchte jeder eine lei(d)tende Funktion ohne zu wissen, wie es funktioniert. Aber Spaß bei Seite. Ich habe noch Landwirtschaft erlebt, meine Kinder haben noch eine wage Vorstellung davon, meine Enkeltochter, schnürt es die Kehle zu, wenn sie die Pilze, die sie selbst im Kindeseifer gesammelt hat, dann auch noch essen soll. Unter diesen Umständen autark leben, wie soll das funktionieren? Wenn es eine gut gehenden Gemeinschaft gab, sind wir entsetzt, wenn wir feststellen, sie bricht auseinander. Wir vertrauen auf einen scheinbaren Automatismus, der uns Menschen nicht gegeben ist und dies zeichnet sich an so vielen Stellen wider. Kleines Beispiel. Die ehemaligen Hausbesetzer in den 90-zigern, wurden nicht geräumt und bekamen ein Ersatzobjekt. Dies allein war schon eine harte Klausur für sich unter ihen. Doch die Umzügler krempelten die Arme hoch und machten was draus. Bis auf ganz wenige alte Hasen, die noch zum Verein gehören, haben in den Kommunen, die Bewohner mehrfach gewechselt. Wir sprechen heute von der dritten Generation. Sie sind sich der Situation kaum bewußt, das an dem Haus, ca. 1000 m² regelmäßig Pflege notwendig ist. Ich könnte die Liste der Beispiele noch erweitern. Jede Generation muß also zwangsläufig die Erfahrungen selbst sich aneignen. Dies setzt aber die natürliche Einsicht voraus. Ich will damit ausdrücken, es ist schön, was sie so alles studiert haben, die wichtige Tatsache, das man für sein Umfeld eine eigene Verantwortung trägt, ob man will oder nicht, scheinen sie dabei nicht vermittelt bekommen zu haben. Aus meinem Blickwinkel kommt noch hinzu, das körperliche Arbeit bei einem sehr hohen Prozentsatz negativ belastet ist. Da für viele kein direkter Bezug, zwischen Arbeit und Lebensgrundlage besteht, aus vielen Gründen heraus, besteht auch nicht die eigene Konsequenz eine Arbeit verrichten zu wollen immer weniger. Aber ohne den praktischen Bezug, der Erfahrung, gibt es auch keine menschliche Entwicklung. Erschwerend kommt noch hinzu, selbst wenn sie es wollen, sind sie nicht selten daran gehindert, weil sie kaum haptische Grundfähigkeiten über die Jahre mit vorgefertigten Spielzeug und Denkmodellen entwickeln konnten. Dies funktioniert nur in einer persönlich vertrauten Umgebung, die für viele, auch teilweise schon zu DaDaeR Zeiten, nicht vorhanden war. Dabei ist es m. E. völlig zweitrangig, ob wir tauschen oder etwas gegen Geld wechseln. Solange wir nicht in den Händen halten, also produziert haben, werden wir auch nichts tauschen können. Unsere gesamte gesellschaftliche Schieflage laßt sich, in die wir, aus diesem Blickwinkel, immer mehr Völker hineinreißen (Griechenland, Spanien, Rumänien, Bulgarien, Kroatien), erklären. Wenn das eigene Leben so weit anonymisiert ist, weil es nur noch industriell hergestellt wird, vernichten wir im größeren Umfang unsere Lebensgrundlage, wie uns selbst. „Ein kluger Mensch besitzt nur so viel Dinge, die er selbst mühelos fortschaffen kann“ (sinngemäß aus Walden, D. H. Thoreau) Von diesem Punkt bin ich auch selbst sehr weit entfernt! Ob wir noch die Möglichkeit haben, diese Erfahrung weiter zu vermitteln, bleibt abzuwarten, obwohl wir dafür eigentlich keine Zeit haben. Gruß com. Mike

    • März 3, 2014 um 10:45 am

      Danke für Deine Beiträge, Mike!

      “Ein kluger Mensch besitzt nur so viel Dinge, die er selbst mühelos fortschaffen kann”

      Die noch „natürlich“ lebenden Aborigines scheinen mir tatsächlich ein sehr kluges Volk zu sein …

      VG Martin

      • März 3, 2014 um 11:16 am

        Vielleicht digitalisieren wir die Welt aus diesem Grund und packen unser real(isiert)es Hab und Gut auf Festplatten und Sticks … oder in Clouds 😉

        Gruß Guido

  4. Gerd Zimmermann
    März 3, 2014 um 2:04 pm

    Bewusstsein ist https://faszinationmensch.com/2013/12/17/pssst-ich-verrate-euch-ein-geheimnis-weitersagen/#more-7314

    Keine Ahnung wo das herkommt.

    Ich wollte sagen, Bewusstsein ist die energetische Grundlage aller Bildwerdung.

    Bewusstsein ist ALLES WAS IST.

    Das Universum ist sich BEWUSST.

    Das Phaenomen Geist erschaft sich eine Welt. Oder auch zwei, oder drei, wer weiss.

    Es wird auf jede Haeuserwand gesprueht. Lesebrille vergessen, ich weiss.

    Wie soll man etwas beeinflussen, dass sich nicht beeinflussen laesst.

    Freier Wille, wenn es nur den EINEN gibt. Es gibt nur das Gesamtbewusstsein.

    Langweilig, nicht war. Machen wir doch das Leben, das Universum und den ganzen Rest daraus.

    Solange wir nicht erkennen, der EINE ist der Schoefergeist und somit wir, ist es wertlos ueber eine virtuelle Ukraine zu schreiben.

    Ich wuenschte mir ein Querdenker zu sein.

    Gruss Gerd.

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