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Es lebe die neue Sharing-Kultur: Bücherwanderung

bookcrossing_logo23Neulich vor dem Buchtauschregal in der Firma kam die Rede auf Bookcrossing. Einige Kollegen kannten das noch nicht, dabei ist die Idee genial und längst nicht mehr neu: Bücher wollen nicht im Regal verstauben, sondern gelesen werden. Aus diesem Grund können Menschen, die Bücher zwar gerne lesen, aber nicht gerne besitzen, sie „freilassen“, das heißt, irgendwo (Parkbank, Café, Zug…) aussetzen in der Hoffnung, dass sie von Menschen gefunden werden, die sie lesen möchten. Damit ein Buch  dabei nicht einfach im Nichts verschwindet, gibt es Bookcrossing – auf der Website kann man ein Buch registrieren und mit einer ID versehen. Wenn man diese ID und einen erklärenden Text ins oder aufs Buch schreibt – oder einen der Vordrucke von der Website verwendet – versteht die Person, die das Buch findet – hoffentlich – worum es geht, und macht mit: sie ruft im Browser die Website von Bookcrossing auf, gibt die ID ein und teilt mit, wo sie das Buch gefunden hat, wie es gefallen hat, und – ganz wichtig – wann und wo sie das Buch wieder freilassen wird. Auf diese Weise kann die Wanderung des Buchs von Leserin zu Leser verfolgt werden.

Da der Rücklauf erfahrungsgemäß – vor meinem vorletzten Umzug habe ich Dutzende Bücher freigelassen – leider eher gering ist, gibt es an vielen Orten Treffen lokaler Bookcrossing-Begeisterter, bei denen Bücher direkt getauscht werden können. Dadurch ist dann schon mal gewährleistet, dass die Reise ordentlich dokumentiert wird. Auch eine sehr gute Idee. Aber ehrlich gesagt, hat mich immer das Zufällige an der Bücherwanderung fasziniert, die Hoffnung, dass da draußen Leute sind, die einen Sinn fürs Verspielte haben, und die eine lustige Idee gerne aufgreifen und weiter tragen.

Eure Micha Zocholl

Kategorien:Ökologie, Ökonomie
  1. April 9, 2013 um 11:35 pm

    Da gefielen mir die Bibliotheken in der DDR besser.

    Die Bücker konnten kostenlos für einen Monat ausgeliehen werden. Wenn das nicht reichte, gab es kein Problem, die Frist zu verlängern.
    Es standen eine Unmenge von Büchern zur Verfügung. Keiner MUSSTE Bücher besitzen, wenn er sie lesen wollte.
    Oft entschied ich mich erst nach dem Lesen in der Bibliothek, ein bestimmtes Buch zu kaufen, aber bei weitem nicht alle. Ich – und viele Bürger der DDR – waren „Mischleser“: Einige Bücher lasen wir in der Bibliothek und andere kauften wir…
    Die Preise für die Bücher waren auch für jeden erschwinglich, so dass jeder Bücher kaufen KONNTE, aber eben nicht MUSSTE.
    Wer Bücher „übrig“ hatte, konnte die natürlich auch der Bibliothek zur Verfügung stellen. Gab es Neuerscheinungen von Büchern, bekamen die Bibliotheken automatisch ein bestimmtes Kontingent der Bücher von den Verlagen zur Verfügung gestellt (die Menge richtete sich nach der Einwohnerzahl der Gemeinde). Wurden die viel gelesen, konnte nachbestellt werden.

    Was Du beschreibst, sieht mir wie eine private Bibliothek aus…

    • Michaela Zocholl
      April 10, 2013 um 9:28 am

      Bibliotheken sind wunderbar, aber in diesem Fall überhaupt nicht mein Thema. Es geht mir nicht darum, Bücher zum Lesen zu *bekommen* (für diesen Zweck habe ich übrigens einen Ausweis der Stadtbibliothek), sondern im Gegenteil, solche, die in meinen Besitz geraten sind, wieder in Umlauf zu bringen. Natürlich könnte ich sie auch der Bibliothek spenden, aber mir gefällt ja gerade das spielerische, zufällige Element, und dass ich jemandem eine Überraschung bereite. Das finde ich einfach lustiger, als wenn meine Bücher in den Grabbelkisten der Bibliothek verramscht werden (dort landen Bücher, wenn man sie z.B. der Stadtbibliothek Neukölln vermacht). Klar, die Bibliothek könnte jeden Cent gebrauchen, aber mir macht das weniger Freude, als sie einfach nach dem Zufallsprinzip zu verschenken.

      • April 10, 2013 um 10:36 am

        Das ist sozusagen COPYGIFT-Light. Hier zeigt sich sehr schön der Unterschied zwischen einem Buch und einem ebook in Form einer Datei. Hier zeigt sich auch, dass Bücher mehr zu erzählen haben, als die eigentliche Geschichte zwischen den Buchdeckeln … und mehr als die selbe Geschichte im Dateiformat. Ein Buch kann von einem Weg erzählen und von Erfahrungen, an denen ebooks verarmen.

        Warum gibt es dann aber immer mehr Bücher im Dateiformat ? Um COPYGIFT-Extended einzuleiten, indem die eigentliche Geschichte des Buchinhalts in Form eines veränderbaren Texts weitergegeben wird. Somit beginnt die Geschichte selbst zu fließen, sich zu ändern … und ermöglich plötzlich etwas, was den Büchern in Regalen verwehrt bleibt. Es ist die Auflösung des COPYRIGHTS.

        Gruß Guido

        • April 10, 2013 um 4:01 pm

          Hm, Geschichten weiterzuspinnen erinnert mich an den Vorgang, als es noch keinen Buchdruck gab und Geschichten nur mündlich weitergegeben wurden …

          Gruß Martin

          • April 10, 2013 um 5:46 pm

            Da hast Du sicher Recht, aber viele meinen ja auch, dass es entweder nur weiteren Fortschritt oder aber Rückkehr zum Lendenschurz und Keule gibt. Dass das Vergangene und das Moderne gemeinsam etwas ganz Neues hervorbringen werden, ist noch nicht so verbreitet. Siehe zum Beispiel hier:

            http://implizit.blogspot.de/2013/04/timelines-and-concept-of-space-in.html

            “Frank Stella provides in his book Working Space a foundation for seeing the artistic context and evaluating the scope of spatial conceptualization employed in art through the centuries. Stella struggles to develop a form of abstraction that actualizes space in a new manner. For him art is and has been dominated by the two-dimensionality of the picture plane, and even by the Cartesian rectangle of the picture frame. The upcoming art of infographics, data visualization and visual thinking gives space for charts and graphs that communicate data in new unexpected ways.“

            Telepathie funktioniert ohne Worte und vor allem ohne reaktive Unordnung, somit ohne Eigennutz und Ausbeutung, ohne Copyright und diverse Rechte. Die Frage jeder Kommunikationsform ist WOFÜR sie benötigt und genutzt wird. Fällt ein Vogel vom Himmel oder verliert ein Fisch seinen Schwarm aus den Augen, weil er auf sein Recht der Privatssphäre besteht ?

            Gruß Guido

      • April 10, 2013 um 10:48 am

        Das sei Dir unbenommen.
        Bei uns kam KEIN Buch in irgend eine „Grabbelkiste“. Allerdings wurden „zerfledderte“ Bücher auch nicht abgenommen….

        Ich verstehe wohl nicht, welchen Sinn Deine Form machen soll. Das wichtigste ist doch, Bücher zu LESEN und nicht mit ihnen zu „spielen“?

        Was bezahlst Du für Deinen Leseausweis? Bei uns ist das Lesen in der Bibliothek so teuer geworden, dass sich ein Hartz-IV-Empfänger das nicht (mehr) leisten kann. Die brauchen ja auch keine Bildung, ne?

        Für diese Menschen würde das Bücherteilen unbedingt Sinn machen, allerdings würde ich das nicht dem „Zufall“ überlassen wollen, sondern gezielt machen. Denn gerade diese Menschen benötigen Bildung mehr als alle anderen, denn sie bekommen von allem nur das Schlechteste – auch von der Bildung und Büchern!

        P.S. Bitte betrachte meinen Kommentar weder als Angriff auf Dich persönlich noch auf Deine Idee.
        Ich denke lediglich im Kontext meiner Lebenserfahrung und -wirklichkeit laut darüber nach…

        • April 10, 2013 um 4:05 pm

          Ich habe von einer Telefonzelle in Berlin gehört, wo man Bücher reinstellen und auch mitnehmen kann. Hat ggf. über der oben geschilderten Lösung den Vorteil, dass das Angebot etwas größer ist, aber den Nachteil, dass es einen Aufbewahrungsort braucht.

          Die von Micha erwähnte Treffpunkte haben allerdings auch den Vorteile, dass es keine ständigen Raumbelegungen braucht. Große Bibliotheken brauchen dagegen reichlich Raum und kosten entsprechend …

  2. April 10, 2013 um 8:59 am

    Hallo Micha,

    schön, dass Du es doch noch vor Deinem Lauf-Event geschafft hast, über Deine Erfahrungen mit Bookcrossing zu schreiben.

    Es ist eine von vielen Varianten der neuen Kultur der Teilens, so wie das Thema ja auch auf der diesjährigen CeBIT zur Hauptsache erhoben wurde: Sharing!

    Ich hatte gestern noch einen interessanten Artikel zum dazu passenden Thema Social Sharing von Prof. Dr. Heike Simmet gefunden:

    Social Sharing: Motor für Wachstum und disruptiven Wandel
    Herzlich Martin

  3. April 10, 2013 um 12:07 pm

    Ja, ja ich als alter Bücherwurm finde die Idee sehr gut, Ich gehöre zu den Menschen denen es emotional unmöglich ist ein Buch weg zu werfen. Nun gibt es Bücher, die möchte Mensch vorerst gerne noch ein bißchen behalten, denn vllt. möchte das Buch ja später noch einmal unter anderem Blickwinkel gelesen werden und wird dann weiter gereicht und andere gleich. Die Wege eines Buches zu verfolgen, den Eindruck den die einzelnen Leser davon hatten, ob das Buch ihnen hilfreich war, hilfreich meint hier alle Arten , auch die des befreienden Lachens, finde ich ja nun ausgesprochen spannend…..wäre Stoff für ein neues Buch? Bücher weiter zu reichen, das praktiziere ich schon lange, schließlich sind sie zum Lesen da und nicht als Zierde im Regal gedacht. Das ist eine Form des freien Fließens von Energie und Information, sprich Schenken.
    Bücher als E-Book, als Datei zu lesen, ich brauchte lange mich damit anzufreunden, danke Wolfgang für den Grof (War das erste elektronische Buch, das ich las 😉 ) Denn ein Buch beinhaltet neben seinem Informations- und Unterhaltungswert immer auch eine Seite die die Sinne direkt anspricht. Da ist das raschelnde Papier, manchmal Grafiken, der Einband den wir in Händen halten, Leinen z.B. ganz wunderbar, und das Gefühl sich nun ganz und gar auf die eigenen Interessen konzentrieren zu können, möglichst in der Sofaecke 😉
    Die Bibliotheken liebe Solveigh , zumindest in der Klassikerstadt funktioniert das noch wie gehabt, die Jahreskarte ist preiswerter als eine Kinokarte, dem Namen verpflichtet, Bildung für Alle die wollen. Gut besucht übrigens die Stadtbibliothek, Veranstaltungen von einigem geistigen Gehalt gibts auch in regelmäßigen Abständen, oft kostenfrei.

    Grüße in die Runde
    Martina

    • April 10, 2013 um 7:41 pm

      Gott sei gesegnet, wer in dieser Stadt lebt!
      Als ich sie besuchte, fand ich auf der Hauptstraße ein Café mit Bücherschränken voller Bücher, aus denen sich der Besucher bedienen und während seines Cafés lesen konnte. Ein Traum!

      • maretina
        April 11, 2013 um 12:17 pm

        Gelle 😉 Die ganze Stadt, irgendwie haben wir schon auch ein anderes Lebensgefühl als anderswo, stell ich jedenfalls immer wieder fest wenn ich nach längerer Zeit zurückkomme.
        Das betrifft auch Bücher….als die Anna-Amalia-Bibliothek brannte, tagelang verbrannte Papierfetzen, die der Wind trieb, die Menschen weinten, wir waren gelähmt, das war kollektive Trauer…

        • April 11, 2013 um 6:24 pm

          Welch Riesenschatz wurde da vernichtet… 😦

        • maretina
          April 11, 2013 um 7:42 pm

          Dieser Schatz liebe Solveigh, es gibt dafür keine Zahlen….Im Grunde waren es originale Schriftstücke und Fragmente auf denen ein großer Teil unseres kulturellen Selbstverständnisses aufbaut.
          Da sind ja nicht nur Goethe und Schiller, sondern auch die die ihnen vorangingen, bis hin zur vernichteten Musikaliensammlung der Anna Amalia, ein StücK deutscher Musikgeschichte, Entwicklung nachvollziehbar aufzeigend….futsch, einfach alles futsch. Mich überwältigt noch immer die Trauer, obwohl der Wiederaufbau des historischen Gebäudes und das neue Bibliotheksgebäude mit seinem Magazin wirklich vom Feinsten sind. Auch Buchbestand der so ziemlich alles bietet, sehr gut ausgestattet. Aber eben nicht mehr das historisch Gewachsene, Authentische, Lücken…

        • April 11, 2013 um 8:52 pm

          Wenn Bibliotheken brennen, wird das Gedächtnis der Menschen (des Volkes oder der ganzen Menschheit) vernichtet. Siehe die brennenden Bibliotheken von Alexandria und Ephasus.
          Ich weiß um die unwiederbringlich verloren gegangenen Schätze… 😦

        • April 12, 2013 um 9:07 am

          Liebe Solveigh, jetzt hatte ich Dir hier noch einen ziemlich langen Kommentar zu der ganzen Brandgeschichte geschrieben, dann wollte mein Laptop nicht wie ich dachte das er sollte 😉 Vielleicht kann ich mich aufraffen dir am Wochenende dazu nochmal einen Bericht zu geben. – Jedenfalls weiß ich, dass du weißt und irgendwie tut das auch gut.
          Liebe Grüße erstmal
          Martina

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