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Wohl dem, der einen wahren Lehrer hat …

Thomas D. Landberg, neuer Autor auf der Initiative WirtschaftsDemokratie kommt in seinem Artikel Wozu brauche ich einen Lehrer? zum Schluss:

Jeder Lernende wie auch jeder Sportler kennt Phasen des gefühlten Stillstandes, wenn sich scheinbar keine Verbesserung des Status quo mehr einstellen will. Die wenigsten wissen, dass gerade dann unter der Oberfläche höchst konstruktive und wichtige Umbau- und Etablierungsprozesse ablaufen. Es ist die Zeitspanne, in der sich alles Neue den Weg ins Unterbewusstsein bahnt und die neu erlernten Fertigkeiten beginnen sich zu automatisieren. Dadurch wird der Grundstein gelegt, die nächste Entwicklungsstufe nehmen zu können. Jeder Versuch, diese Phase überspringen zu wollen, weil ja vermeintlich nichts Neues mehr passiert, verhindert den gerade entstehenden Fortschritt und die notwendige Integration ins Gesamtsystem. In der Medizin nennt sich dieser natürliche Mechanismus: Homöostase. Er bezeichnet die Fähigkeit einer Selbstregulation mit dem Ziel der Herstellung eines Gleichgewichtszustandes in einem offenen, dynamischen System durch einen internen, regelnden Prozess. Homöostase beschreibt das fließende Gleichgewicht zwischen einem Organismus und seiner Umwelt. Wird dieses Gleichgewicht durch einen (Übungs-) Reiz gestört, sorgt der Organismus in einer entsprechenden Erholungsphase dafür, durch eine Leistungserhöhung das Gleichgewicht zwischen Anforderung und Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Eine solche „Überanpassung“ wird auch Super- oder Hyperkompensation genannt und ist die Grundlage eines jeden (Übungs-) Erfolgs. Sobald eine Belastung auf den Organismus einwirkt (das gilt sowohl für den materiellen Körper als auch für das Energiesystem), passt das System sich über das Ausgangsniveau hinaus an. Geben wir in dieser Phase unser kontinuierliches Üben (immer eingebettet in einen harmonischen Wechsel von Übungs- und Ruhephasen = Anspannung und Entspannung = Yin und Yang) auf und geben uns unseren alten Mustern von Bequemlichkeit und Vermeidungsstrategien hin, entwickeln wir uns ab dort nicht mehr weiter bzw. fallen meist sogar wieder zurück (wie das im Gipsverband liegende Bein eines Leistungssportlers, das seine aufgebaute Muskulatur in dieser Ruheperiode wieder verliert). Es ist deshalb hilfreich zu erkennen, dass solche Plateau-Phasen nicht nur sehr wichtig für die Entwicklung – sondern in aller Regel sogar der Moment sind, wo sich ein angehender Meister von einem gewöhnlichen Übenden trennt. Während der angehende Meister in dieser Phase der Homöostase mit Geduld und Beharrlichkeit weiter im Üben bleibt und bildlich gesprochen das Plateau vom Anfang bis zu seinem Ende überquert, verliert derjenige, der vorerst nicht zur Meisterschaft gelangen wird, seine Konzentration, die Lust am Weitermachen und im weiteren Verlauf sein Ziel wieder aus den Augen. Wenn wir scheinbar nicht von der Stelle kommen (wir bewegen uns ja jetzt auf dem horizontalen Niveau einer überdimensionalen Treppenstufe vorwärts bis wir den Anstieg der nächsten Treppenstufe erreichen, wo wir erst wieder einen weiteren [vertikalen] „Höhenmeter“ nehmen können), stellen sich Gefühle von Verärgerung und Enttäuschung über uns selbst ein und wir geben (meist zu früh) auf, weil wir denken, wir hätten einfach nicht das Potenzial dazu. Was jedoch in aller Regel nicht stimmt, denn wir sind ja eigentlich weiterhin im Vorwärtsgehen – wir erkennen es nur nicht. In dieser Phase wird ein guter Lehrer daher versuchen uns zu helfen, die Aufmerksamkeit auf unserem Ziel zu behalten. Ich nenne das: Üben, die Energie zu halten. Plateau-Phasen sind daher natürlicher Bestandteil des Lernens, währenddessen ein „unsichtbarer Fortschritt“ stattfindet. Die Entwicklung von Ausdauer und Gleichmut (= immer gleich mutig vorwärts schreiten) ist deshalb das Erfolgsrezept für fast alle Bereiche unseres Lebens, um an den Punkt zu kommen, wo wir spüren, dass die Integration des vorher Erlernten abgeschlossen ist und wir nun die nächste Stufe erklimmen können.

Meine Antwort darauf lautet:

Ich hatte vor Kurzem schon gefragt: Sind Business Consultants Scharlatane?, in dem es auch darum geht, dass jeder Mensch einzigartig mit all seinen Potentialen, Talenten und gemachten Erfahrungen ist und ein standardisiertes Lernen von Methoden eher unzuträglich ist.

In ein ähnliches Horn stoßen die „Business Querdenker“ Förster & Kreuz auch in ihrem Artikel, der gestern veröffentlicht wurde:
Finden Sie IHRE Definition von Erfolg!:

Erstens: Wenn Sie der Erfolgsdefinition eines Anderen folgen, dann ist das mit größter Wahrscheinlichkeit nicht Ihre – aber Sie geben diesem Anderen damit unglaubliche Macht über Ihr Leben! Sie leben dann den Versuch, den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Die Stunden, Tage, Wochen, Jahre, die Sie damit verbringen, erstattet Ihnen aber niemand jemals wieder zurück!

Zweitens: Die klaren Parameter und Maßstäbe des Erfolgs, die Ihnen so verkauft werden, normieren den Erfolg und machen ihn so scheinbar objektiv, messbar, vergleichbar. Aber: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks“, sagte Sören Kierkegaard – und recht hatte er! Wie wollen Sie ein schönes Wochenende mit den Kindern messen? Wie wollen Sie ein gutes Gespräch mit Ihrem Chef messen? Wie wollen Sie Ihr Wohlbefinden nach einem morgendlichen Jogging messen? In Euro? Messbar sind immer nur Dinge im Außen …

Lars Vollmer hatte die Gleichmacherei am Thema „Best Practice“ in seinem Artikel Einen Stadtplan gefälligst? – Wie »Best Practice« zur Falle wird aufs Korn genommen:

Best Practice«-Berichten anderer nachzueifern, ist wie in Berlin mit dem Stadtplan von Köln herumzulaufen. Sie verrennen sich garantiert!

Was ich damit sagen will ist, dass ein wahrer Lehrer in der Lage ist, allein durch das Setzen von Denkimpulsen das jeweils Individuelle seines Lehrlings zu aktivieren. Und das ist eben bei jedem Menschen etwas Anderes.

Ich hatte vor einiger Zeit einen Artikel dazu geschrieben, dass wir mit unserer heutigen Aus-bildung in den Schulen eher dazu beitragen, uns zu verdummen als zu jenen mündigen Bürgern zu führen, wie sie noch Wilhelm von Humboldt im Sinne hatte: Kritik an unserem Schulsystem: darüber, wie wir unsere Kinder verdummen …..

Aber zum Glück gibt es über all im Land inzwischen Bestrebungen, aus diesen normierenden Fallen rauszutreten, und den Menschen nicht eine Erwartungsrolle überzustülpen sondern sie ihr SELBST leben zu lassen. Das sollte allein zu eigenem Erfolg und damit Glück führen, oder?

Kategorien:Bildung, Gesellschaft Schlagwörter: , ,
  1. federleichtes
    März 22, 2013 um 3:28 pm

    Ganz nettes Gefühl, dass ich mit meinen Idee (?) nicht mehr so ganz alleine bin.

    Das Persönliche Selbst ist individuell, klar. Dem Rechnung zu tragen gelingt in einem System schwerlich. Weil das System das Normale verlangt, und hier beißen sich Theorie und Praxis, mit dem „Erfolg“, dass Menschen deformiert werden.

    Natürlich darf es keine Erwartungen geben. Die eigene Freiheit beginnt im Verständnis der Unfehlbarkeit eines Verfügbar-Machens, und der Gelassenheit, Entwicklungen ihren natürlichen Lauf zu lassen, und der Fähigkeit, seine Angebote inhaltlich zu korrigieren.

    All das lässt sch beim Füttern der Vögel beobachtend bestätigen.

    Glück hat natürlich auch etwas mit Erfolg zu tun. Allerdings gibt es auch eine, ich nenne sie mal Grundstimmung im Menschen. Die erhöht sich deutlich mit dem Auflösen von fremden Zwängen und folgend weniger Angst, vor Versagen, vor Strafe oder Buße. Also Gelassenheit und damit dem natürlichen Fließen Raum geben.

    Das System will dumme Menschen.
    Schauen wir mal, was Menschen ohne Scheuklappen wollen.
    (bevor sie Andere lehren, sollten sie allerdings ihre eigenen ablegen)

    Gruß
    Wolfgang

    PS.
    Thomas Landberg gefällt mir – klarer Geist.

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