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eine Charta darüber, wie wir wirklich leben wollen …

Wir selbst hatten hier schon an Entwürfen einer neuen Gesellschaftsordnung gearbeitet (u.a.. für Schulfächer). Ich bin nun auf einen weiteren Entwurf aufmerksam gemacht worden, der in der Frühlingskonferenz 2013 – Mehr Demokratie – aber wie? Welche Wege führen zur Selbstbestimmung? am 22.- 24.03 2013 im Gästehaus Leestahl (Leestahl 3, 21368 Dahlenburg) in offener Runde mit weiteren Entwürfen anderer Organisationen diskutiert und weiter entwickelt werden sollen:

Personen und Organisationen, die einen solchen gemeinsamen Prozess des Zusammenkommens und der Weiterentwicklung der Demokratie verantwortlich mitgestalten wollen, sind herzlich dazu eingeladen. Angesichts der global dramatisch zunehmenden Schere zwischen Arm und Reich und den Tendenzen zu einem technokratisch und militärisch reagierendem neoliberalen europäischen Superstaat, wird es höchste Zeit, solche Entwicklungen nicht nur zu kritisieren, sondern zusammenzukommen und klar zu formulieren, „Wie wir wirklich leben wollen“.

Die Veranstaltung wird ausgerichtet und moderiert vom Initiativkreis Demokratiekonferenz. Von diesem ist auch der Entwurf Charta für ein Europa der Regionen eingebracht worden. An diesem wird seit 2008 seitens mehrerer Organisationen gearbeitet und liegt nun in Version 3.0 vor. Viele der enthaltenen Prinzipien sind den Lesern meines Blogs schon bekannt. Und ja, Guido, auch hier lässt sich vermuten, dass es so etwas wie ein morphogenetisches Feld geben könnte …

Vorwort der Charta für ein Europa der Regionen

Wir leben in einem schönen, lebendigen, wohlhabenden Land, in einem im Vergleich zu früheren Epochen friedlichen Europa, in dem derzeit relativ wenige Menschen durch existenzielle Not, Enteignung, Krieg und Tod unmittelbar bedroht sind. Wir können unsere Meinung äußern und werden manchmal sogar gehört.

Gleichzeitig wird eine Bedrohung dieser errungenen Freiheit sicht- und spürbar: die Zusammenballung von Macht und Kapital. Das Diktat der Finanzwelt und der multinationalen Konzerne bestimmt die politische Agenda. Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit ist der Vorrang der Finanz- und Konzerninteressen in völkerrechtswidrigen, die nationalen Parlamente aushebelnden Verträgen wie WTO, GATT, GATS und ESM festgeschrieben worden. Der  Entscheidungsspielraum des parlamentarischen Systems hat sich dadurch verengt. In vielen Bereichen ist der Parlamentarismus zur Fassade degeneriert. Die wesentlichen Vorgaben kommen aus fernen Finanzzentralen und geheimen Kabinettssitzungen. Ergänzend fordert die NATO die Abschaffung der Einspruchsrechte nationaler Parlamente. Der Gestaltungsspielraum der Politik tendiert gegen Null.

Eine grundsätzliche Änderung des Desasters ist nicht in Sicht. Die politischen Parteien haben sich in ihren kleiner werdenden Nischen eingerichtet und bieten willig auch weiterhin ablenkendes Kasperletheater an der Oberfläche, um dann in den Hinterzimmern wenigstens noch ein bisschen bei den wirklich wichtigen Entscheidungen mitreden zu dürfen. Die Demokratie wird zwischen ‚alternativlosen‘ Diktaten scheinbar unveränderbarer ökonomischer ‚Sachzwänge‘, ihnen folgender globaler ‚Sicherheitslagen‘ und kurzfristigen Eigeninteressen der Parteien zerrieben.

Immer mehr Menschen wollen eine andere, eine bessere, humanere und demokratischere Gesellschaft, die an den Werten des menschlichen Maßes, an der Vielfalt von Menschen, Völkern und Kulturen Europas, an Empathie und ethischem, statt an bloß ökonomischem Wachstum orientiert ist. Die Wirtschaft soll für den Bedarf und nicht allein für den Profit produzieren. Grund und Boden gehören den Gemeinschaften, die auf ihnen leben. Eine allgemeine bedingungslose Grundversorgung soll dazu beitragen, Heimat wieder in überschaubaren Kreisen zu erleben. Familien, Freundschaften und andere Beziehungen dürfen nicht mehr den Paradigmen von ‚Mobilität‘ und ‚Erwerbsarbeit‘ geopfert werden. Arbeit soll Werte schaffen und darf nicht Lebensqualität vernichten. Wir wollen wieder mit der Natur und nicht gegen
sie leben. Wir wollen Selbstbestimmung in gegenseitiger Hilfe, Selbstermächtigung in gegenseitiger Achtung und Selbstgestaltung in kooperativer Gemeinschaft. Wir wollen der Dauerlüge ‚durch Wachstum wird alles besser‘ nicht mehr blind hinterher laufen. Wir glauben nicht mehr an das Versprechen einer globalen Entwicklung, das vorgibt, der ‚unterentwickelten‘ Welt eines Tages den Standard der ‚entwickelten‘ zu ermöglichen, weil wir erkennen, dass immer mehr  Menschen auch in der ‚entwickelten‘ Welt zunehmend den Lebens- und Arbeitsbedingungen der ‚unterentwickelten‘
unterworfen werden.

Erkenntnisse, Konzepte und positive Erfahrungen, wie der destruktiven Eskalation des global agierenden Kapitals zu begegnen sei, gibt es schon viele. Und auf fast allen Ebenen und in fast allen Bereichen haben mutige Menschen und Gemeinschaften gezeigt, wie es auch anders gehen könnte. Noch aber gibt es keinen gemeinsamen Bezugsrahmen, in dem die verschiedenen Ansätze systemüberwindend zusammenwirken können. Mit der ‚Charta für ein Europa der Regionen auf freiheitlicher und demokratischer Grundlage‘ bieten wir einen Kristallisationspunkt an, um den herum sich ein solcher gemeinsamer Bezugsrahmen entwickeln kann.

Wenn wir dem viel zitierten Satz Albert Einsteins zustimmen, dass „Probleme nicht mit der gleichen Denkweise gelöst werden können, durch die sie entstanden sind“, bleibt nichts anderes übrig, als die gewohnten Pfade zu verlassen und uns für Lösungswege zu öffnen, die deutlich über die bestehenden Verhältnisse hinaus weisen. Die Charta erhebt nicht den Anspruch, der einzig richtige Weg zu sein, wohl aber eine notwendige Richtungsänderung aufzuzeigen. Sie möchte Ideen- und Impulsgeber sein, unter welchen Rahmenbedingungen wir realistischer Weise unsere Zukunft gemeinsam entwickeln und wie wir sie in die Tat umsetzen können, so

wie wir wirklich leben wollen.

Es gibt 12 Kapitel, in denen die wichtigsten Grundprinzipien dargelegt werden. Was mir spontan fehlte, war ein eigener Bereich zum Thema Lernen. Aber zwischen den Zeilen war zumindest zu erkennen, dass das Beherrschungselement gestrichen ist und es um Selbstbestimmtheit der Menschen geht. Und das schlägt sich in der Umkehr der Macht nieder. Das Prinzip der Subsidiarität findet sich hier wieder. Was in den kleinsten Organisationseinheiten entscheidbar ist, soll auch hier entschieden werden. Müssen Entscheidungen getroffen werden, die in einem größeren Zusammenhang stehen, werden Delegierte entsandt, die allerdings weisungsgebunden sind.

Insgesamt finde ich es eine gute Ausgangsbasis für diese Demokratiekonferenz. Wir dürfen gespannt sein, ob sich hieraus etwas entwickeln wird, was uns weiterbringen kann.

  1. Februar 21, 2013 um 8:39 pm

    Es kommt langsam wieder alles in Erinnerung, was wirklich zivilisiert bedeutet:

  2. Februar 22, 2013 um 12:48 am

    Achtung der Veranstaltungsort der Frühlingskonferenz hat sich geändert!

    Die Veranstaltung findet statt im

    Gästehaus Leestahl
    Leestahl 3, 21368 Dahlenburg

  3. federleichtes
    Februar 22, 2013 um 1:07 am

    „Wie wir wirklich leben wollen“
    betrifft wohl vom „Wir“ her eher die Zielgruppe der 99 Prozent. Wenn ich Herrn Extra-Wagandt folge, ist die Welt mit Diesen und Jenen (Verschiedenheiten) doch völlig in Ordnung. Aber ne, da sind die Demokraten, die wählen und meckern. Da ist eine Konsens-Gesellschaft, deren Konsens darin besteht, mit so wenig Leistung als möglich so viel als möglich abzugreifen. Klar, das Effizien-Gesetz bedenkt nicht alle gleichmässig wohlwollend, da meckert man halt ein bisschen.

    Ich fühle mich die Tage zunehmend dämlicher. Und ich hoffe, die Entwicklung hält noch eine Weile an. Nun sprach ich hier großmundig über Bewusstsein und Trauma, und es war doch klar, wie das enden würde. Nun sprach ich einiges, aber einiges auch noch nicht. Insbesondere über einen Effekt, der dem Trauma zumindest ähnlich ist: Die Verdrängung. Schauen wir auf Einsteins Worte:
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

    Die menschliche Dummheit ist unendlich! Da sagt der Normalbürger: „Ja, unser Albert, das war ein kluges Kerlchen“.
    Versteht ihr, der Mensch IST nur lebensfähig, weil er seine wesentlichste Eigenschaft verdrängen kann. Und weil er IMMER jemanden findet, der in seinem Sinne sehr dämmlich ist.

    Also, Freunde, dafür brauche ich keinen anderen Menschen, ich gehe diesen Prozess ganz mit mir alleine hin zur Volldämlichkeit. Mit der muss man nämlich per Du sein bei dem Versuch, Menschen zu helfen, die sich für besonders klug halten.

    Allen einen gelassenen Tag.

    Wolfgang

  4. Gerd Zimmermann
    Februar 22, 2013 um 1:43 pm

    „Wenn ich Herrn Extra-Wagandt folge,“

    Wolfgang folge mal “ Por una cabeza-quartetet extravaganzen“

    oder der Popguppe Karusell: Das einzige Leben.

    Schönen Nachmittatag

    Gerd

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