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Von der Leistungsprostitution im Kapitalismus und der freimachenden Selbstversorgung

Ziehen wir mal eine weitere Zwischenbilanz. In einer Facebook-Diskussion zu Guidos Anmerkung:

In einem Umfeld des Schenkens machen Anhäufungen keinen Sinn. Auch hier lebt es die Natur vor, denn dort ist jede Anhäufung von HAUFEN ein Geschenk an Jene, die davon zu leben VERMÖGEN.

hinterlassen in einem Kommentar zu Bernhards Artikel Vom Parasitentum des Geldsystems, dem Tausch nur willkürlich bewertbarer Waren und dem Schenken … schrieb Nick gerade noch:

Um das Problem zu lösen, müsste jeder Mensch diejenige Menge an Wohn-, Anbau-/Erntefläche frei zugemessen bekommen, die er benötigt, um sich zu erhalten.
Denn allein die unabhängige Selbstversorgung gewährleistet grundsätzliche Freiheit.

Sobald ich gezwungen bin, mein Essen, meinen Schlafplatz zu „finanzieren“, muss ich Leistungen gegenhalten können, um zu „tauschen“. Da es aber nie ein gleichwertiges Tauschangebotsverhältnis geben kann, da Nahrung und Unterkunft absolut priorisiert sind gegenüber allen anderen Dingen, sind diejenigen immer im Vorteil, die die Kontrolle über dieses Angebot haben und sie werden es nicht freiwillig abgeben.

Der Selbstversorger, der die vitalen Grundbedürfnisse aus eigener Kraft und eigenem Fundus/Ressourcen bedienen kann, kann frei entscheiden, ob er mehr haben will und was er dafür zu leisten bereit ist – oder eben auch nicht.
Solange es also diese Form der Versorgungsabhängigkeit gibt, solange gibt es keine „Freiheit“ oder gerechte soziale Verhältnisse.

Denn beim Essen und dem Schlafplatz kann keiner auf Null gehen, hier ist er maximal erpressbar und deshalb heißt für mich unsere Gesellschaftsform „erpresserische Leistungsgesellschaft“.

Nicht jeder hat das Geld, um sich das erforderlich Land zu kaufen (er kann es sich ja noch nicht mal verdienen, weil sein Lohn gerade für das stand-by ausreicht), nicht jeder kann einfach auswandern (wohin auch???) und damit existiert ein Zwang zur Leistungsprostitution.
Kapitalismus ist demnach eine Zuhältergesellschaft!

Da dürfen wir uns natürlich die Frage stellen, wenn dem so ist, warum lassen wir das so zu und machen es nicht anders. Im Kontext der Diskussion um unseren „Freien Willen“ stellten wir schon fest, dass da nicht viel Freiheitsgrade zu haben sind, in einer Welt, in der mehr Ver-zogen und Ver-bildet wird als es unserer Gesellschaft am Ende gut tun sollte. Dazu resümierte Wolfgang passend die „funda-MENTALE individuelle Bedeutung“:

Menschen werden geboren gegen ihren Willen, hinein in eine von ihnen nicht bestimmbare Familie und Gesellschaft, in einen Zeitgeist hinein, der scheinbar überhaupt fern einer Bestimmbarkeit liegt. Sie lernen von relativ fremden Menschen, was richtig und falsch ist. Sie lernen Notwendigkeiten zu folgen und Befehlen folge zu leisten. Sie lernen Grenzen und Verschiedenheiten kennen ohne die Chance, sie jemals aus objektiver Sicht verstehen zu können.

(Einschub zur Verwirrung: Dazu bemerkte allerdings gleich noch Ingo auf Facebook, dass er sehr wohl die Entscheidung hätte fällen können, in welchen Avatar er schlüpfen wollte. Und ein anderer Facebook-Freud hatte mir parallel in einem anderen privaten Chat-Strang mitgeteilt, dass er seit einigen Monaten immer wieder sieht, dass sich der Raum wölben würde. Wie in einer Computer-Simulation …)

Auf der anderen Seite findet man dann Altvordere, die zur Bildung von Menschen sagen, dass die Talente eines Menschen angelegt seien und diese vom Lehrmeister behutsam freigelegt werden müssten, ähnlich dem Prozess eines Steinmetzkünstlers.

Demnach müsste das Holon Menschheit in sich die Anlagen haben, sich aufgrund der gegebenen Bedingtheiten in ein Bewusstsein begeben zu können, das am eine Gesellschaft steht, die kooperativ entsprechend nachhaltig ihr Überleben sichern sollte?

Und weil es zum Erreichen dieser kooperativen Gesellschaft so wichtig ist, dass da Selbstachtung=Selbstliebe ist, noch dieses schöne Video dazu:

  1. federleichtes
    Januar 25, 2013 um 11:28 pm

    „Kapitalismus ist demnach eine Zuhältergesellschaft!“

    Das klingt schon mal nach echtem Nick-direkt.

    Wir sollten uns folgendes Werden vor Augen führen.
    Kinder „erwachen“ zwischen dem 3. und 5 Lebensjahr aus einem traumatisierten Bewusstsein hinein in ein Ich-Bewusstsein.
    Und finden sich umzingelt von einem Ausbeuter- und Missbrauchs-Unwesen.
    Dem sie nicht entrinnen können, weil Eltern und Großeltern und eigentlich alle Ahnen unter gleichen Bedingungen „erwachten“ – und sich folgerichtig ein System entwickelte, das dieses Ur-Unwesen als gegeben und alternativlos suggeriert.

    Der Kapitalismus ist „nur“ eine Ausgeburt dieses Systems – und das System ist „nur“ die Ausgeburt eines extrem lebensfeindlichen „Geistes“.

    Es wird mehr und mehr Menschen geben, die sich nicht von Symptomen irritieren lassen, die sich trauen, diese Wurzel allen Übels direkt anzuschauen und mit der Macht ihres Herzens dieser Macht standhalten.

    Bravo, wir haben es hier weit gebracht. Lohnenswerte Arbeit ohne Lohn, so mag sich Liebe anfühlen.

    Danke für dieses Thema. Spiegelt mir den Blog Ein zu Eins.

    Wolfgang

  2. federleichtes
    Januar 26, 2013 um 2:10 am

    Ich reflektiere hier – am Rande des Themas, deswegen kurz – den Begriff
    „Frei-machende Selbstversorgung“. Wie ihr bemerkt haben dürftet, richtet sich ja mein zentraleres Interesse auf Heilung in weiterer Bedeutung.

    Leistungs-Prostitution geschieht auf einer parasitären Ebene, Und vielleicht fällt es nicht so schwer, eine gedanklich Verbindung zu Krebserkrankungen zu erkennen.

    In jedem Menschen sind Selbstheilungskräfte vorhanden. Jeder Mensch möchte glücklich sein, kein Mensch möchte von Parasiten befallen und ihnen ausgeliefert sein. Herr Fuerst schrieb dazu über das „Unbekannt“ in positiver Weise:
    „Hiermit ist gemeint was es noch an sinnvollen und friedlichen, hilfreichen und heilenden Dingen zu erforschenn und entdecken gibt!“

    So ist es. Das können wir, jeder für sich und Alle für Jeden leisten. Ja, wir tun es bereits. Uns gegenseitig zu befördern.
    Martins Videobeitrag führte mich zu einem anderen Video über besondere Wege der Heilung. Sehr interessant eine unheilbare Turmorerkrankung und die (erfolgreiche) Anweisung eines Therapeuten, der Patient solle mit seinen Gedanken das Wachstum seiner gesunden Zellen fördern und so den kranken Zellen den Raum für Wachstum nehmen.

    Die Behandlung sprach mir aus der Seele, natürlich. Sich den gesunden Dingen, den schönen Erscheinungen, der stimmigen Ordnung zuwenden bringt geistige und körperliche Gesundung und Gesunderhaltung.

    Nein, die Ärzte konnten noch nicht alle Zusammenhänge bei außerordentlichen Heilungen verstehen, aber – das Feld ist entstanden für ein radikales Umdenken und Neuformulieren des menschlichen Systems und der darin waltenden Wirkkräfte.

    Parasiten kann man nicht bekämpfen. Man muss ihnen nicht nur die Berechtigung für ihre Existenz absprechen, sondern folgen lassen, ihnen die Existenzgrundlagen so RADIKAL als möglich zu entziehen. Sowohl geistig als auch auf der Ebene des Handelns.

    Hier ist das Video „Geheimnis der Heilung“.

    Gruß
    Wolfgang

  3. Januar 26, 2013 um 3:05 am

    Einen muss ich noch loswerden. Sibylle hat heute erst spät los müssen, also hatten wir uns noch einen geliehenen Film angeschaut. Es war der neue „Das Bildnis des Dorian Gray“. Es war nu ein Satz, aber der entsprach dem, was Wolfgang über das Aufwachsen unserer Kinder angeht. Das ist wieder so ein Beispiel, das zeigt, wie unsere Künstler ihre Kritik an unserer Gesellschaft passend unterbringen.
    Nur befürchte ich, dass Jene, die es wissen sollten, nicht wahrnehmen können, weil sie es nicht sehen können …

    • federleichtes
      Januar 26, 2013 um 10:56 am

      Das gesamt-gesellschaftliche System reflektiert nur, was Leben in seinem Kern hervor bringt. Es macht mit MASSIVEN Bildern DRUCKvoll deutlicher, worunter auch einzelne Menschen, Familien und ethnische Gruppen leiden. Aber erst wenn wir einen einzelnen Menschen ohne diesen Druck in seinem Leid betrachten, wird uns klarer, wie das Leben funktioniert,
      – unter welchen Bedingungen es entstand,
      – und aus der Entwicklung im Miteinander und
      – der Offenbarung von Informationen und
      – dem Entstehen von Bewusstsein darüber,
      WAS LEBEN WILL.

      Nein, Leben will PRIMÄR nicht die Gesellschaft verändern – Leben als vor-informierte Energie kann die Gesellschaft nicht verändern, weil Gesellschaft ein System ist.

      Leben verändert die Menschen. Diese Veränderung ist nicht nur möglich, sondern sie wird erzwungen in einer geradezu unwiderstehlichen Weise: Parameter zu formulieren, die sowohl Individualität als auch Sozialität zu einer existenzsicheren Handlungsmaxime verschmelzen: Bewusstsein.

      Und erst aus dem vollständigen Bewusstsein heraus wird eine andere Gesellschaft entstehen können, mit Menschen, die WISSEN, was sie wollen – und was nicht.

      Ob wir befürchten, dass ANDERE das nicht verstehen, mag die Furcht gewesen sein, die Verantwortungslosigkeit schuf und damit erst den Boden für das parasitäre Wesen bereitete.
      Wir mögen glauben, dass ein einzelner Mensch keine Chance gegen die Macht des Systems hat. Ich glaube genau das Gegenteil:
      NUR DER EINZELNE MENSCH IST IN DER LAGE, das Ungeheuer zu bezwingen – IN SICH.
      Und – etwas Besseres kann er für das Wesen der Neuen Gemeinschaft nicht leisten.

      1988 schrieb ich ein Buch, sein Titel „Das Vorwort zum Endspurt“. Der letzte Satz lautete:
      „Warte nicht, fang an“.
      Ich fing an. Einen Weg zu gehen. Er ist noch nicht beendet.
      Aber eins kann ich bereits Heute mit Sicherheit sagen:
      DAS Leben bringt EIN Problem hervor, in vielfältigen grausamen Bildern mit vielfältigen Vorstellungen von Lösungen – aber es ist auch im Besitz DER Lösung.

      Niemand kann sich Liebe verdienen, aber Jeder kann sie erleben.

      Euer Wolfgang

      • Januar 26, 2013 um 1:02 pm

        Noch ein paar passende Worte zur Evoluition aus holosophischer Sicht:

        … die Evolution lädt zur Synergie, zur Kooperation ein, weil Gemeinschaften erfolgreicher sind als Einzelkämpfer! Dabei ist es für deklarierte Gemeinschaften – ob Arten, Parteien oder sonstige Gruppen – wichtig, dass sie alle an einem Strang ziehen. Dies lässt sich auf eindrucksvolle Weise begründen. Wenn sich zwei oder mehrere Gruppen zusammenschließen, dann vermehren sie ihre Möglichkeiten, deren Zahl jede Gruppe für sich alleine nicht hätte. Die Auswahl aus der Fülle der Möglichkeiten in kooperierenden Gruppen geschieht generell nach dem Prinzip des Optimums, ansonsten wären die Entscheidungsträger dumm oder egoistische Rambos. Was man allen Schülern in der Oberstufe des Gymnasium oder in einer anderen höheren Schule im Rahmen des Mathematikunterrichts lehrt, ist die tiefe Weisheit – ich bin mir da aber nicht sicher, ob dies wirklich alle begriffen haben – dass im Extremum alle Punkte in der Nachbarschaft fast gleich sind: daher ist dort die Änderung bzw. die erste Ableitung einer Funktion gleich Null – es herrscht das Prinzip „ primus inter pares“. Anders gesagt: in der Natur setzen sich nur jene Verhaltensweisen durch, in denen die Beteiligten an einem Strang ziehen. Das ist das Prinzip des Erfolges in der Natur – und damit auch in der Evolution!

        Daher ist die Entschuldigung vieler Menschen in Beziehungsgeflechten – ob Familie, Firma, Partei, Koalition etc. – man müsse leider Kompromisse machen, unsinnigerweise pessimistisch und eigentlich unangebracht. Im Gegenteil: durch das Zusammenwirken, die Synergie bzw. die Kooperation verbessert man die Zahl der Möglichkeiten und sucht nach der jeweils besten aller Möglichkeiten durch konkrete gemeinsame Entscheidungen. Alle mit Vernunft ausgestatteten Menschen werden derartige Entscheidungen als beste aller Möglichkeiten verstehen, wenn sie für ihr Wohlergehen getroffen werden. Konkurrenz innerhalb einer Synergie, eines Zusammenwirkens – angeblich zum Wohle der Menschen oder des Staates, ja sogar der ganzen Erde, wie uns der „Washington Consensus“ weismachen will – ist prinzipiell unsinnig, schändlich und in Widerspruch mit den Gesetzen der Natur. Sie führt in den meisten Fällen dazu, dass diese konkurrierenden Gemeinschaften im Vergleich mit kooperierenden benachteiligt sind und aus der Evolution herausfallen. Holokratische Repräsentanten werden daher nach Entscheidungen, die sie aus bestem Wissen und Gewissen getroffen haben, anstelle des tristen Begriffes „Kompromiss“ den Menschen die freudige Botschaft senden:

        “Wir haben das Beste für uns alle erreicht!“

        Fundstelle: Natur, Geist und holistische Kultur, Herbert J. Klima, Akademie für Holistische Kultur

  4. Januar 27, 2013 um 1:07 am

    Ich habe mal wieder einen Ismus gefunden, der mir allerdings recht gut entgegen kommt. So schreibt sein Miterfinder es Personalismus:

    Das bürgerliche Ideal des abgesicherten Konsumenten erscheint dem Personalisten als schärfster Gegensatz zu jeder Geistigkeit: das Behagen ist dem Kapitalisten der höchste aller denkbaren Werte, die „Triebfeder der Tat“; sein größter Ehrgeiz ist das Ansehen, das aus dem Umfang seiner Behaglichkeit entspringt. Der Rechtsanspruch ist für den Bürger die höchste Form des Selbstbewusstseins. Das Geld trennt die Menschen nicht nur von der schöpferischen Tat und der persönlichen Beziehung zu ihrem Besitz, sondern auch von anderen Menschen, indem es jeden zwischenmenschlichen Austausch, jede Beziehung zur Handelssache macht. Die Dogmen der Moderne, wörtlich Rationalismus und Liberalismus, führten so schrittweise zur Auflösung der christlich-sozialen Werte (Gleichheit und Brüderlichkeit unter den Menschen im Gegensatz zur Trennung der Menschheit in Freie und Sklaven in der vorchristlichen Zeit). Das geistige Leben der Person entspringt jedoch genau aus dieser Quelle – der Gemeinschaft.

    Die Führung eines geistigen Lebens, das für Mounier die letzte Erscheinungsform und Krönung des menschlichen Lebens ist, wurde durch die kapitalistische Wirtschaftsordnung zum Vorrecht für Privilegierte, für eine besitzende Elite, die sich nicht um ihr täglich Brot zu bemühen hat; die Massen der arbeitenden Menschheit aber wurden von der Führung eines geistigen Lebens abgeschnitten; ihr Lebenssinn bezieht sich zwangsläufig auf Arbeit, Sparsamkeit und einen diffusen Wunsch nach Besserung und Aufstieg in der Hierarchie.

    Vom Kommunismus setzt sich der Personalismus insofern ab, als Kommunismus im letzten Kern eine Negierung geistiger Realität (siehe dazu: Historischer Materialismus) ist. Die Person ist nicht nur Realität, sondern hat zugleich oberste Priorität im personalistische Denken.

    gefunden im personalistischen Manifest besprochen auf Wikipedia

    • federleichtes
      Januar 27, 2013 um 2:33 pm

      Du bist der „Sache“ auf der Spur, lieber Bernhard – während ich mit einer Holonismus-Infektion kämpfe, die sich mit einem Höflichkeits-Syndrom kooperativ verbinden konnte zu etwas Unausprechlichem.

      Was hältst Du von meineer Idee:
      Der Mensch ist ein von sich selbst befallener Parasit.

      In meiner letzten Verfügung wird für den Fall, das mein Wiedererscheinen vorgesehen ist, die Bitte stehen, als Schleimpilz in Erscheinung treten zu dürfen.

      Gestern besuchten wir einen unserer Teich. Was hat, fragten wir uns, das Fällen ALLER Bäume mit „Freimachender Selbstversorgung“ gemein. Dort wird kein Vogel mehr singen, Warum auch, in dieser Welt.

      Euch einen gelassenen, von sinnreichen Beziehungen erüllten Sonntag.

      Susanne und Wolfgang

  5. Januar 27, 2013 um 7:14 pm

    Wir hatten das Thema des Von-sich-selbst-getrennt-Seins schon mal kurz anklingen. Ich habe gerade in einem äußerst interessanten Artikel mit einer Herleitung unserer sexuellen Verklemmtheit, aber auch der des Lebens gefunden worin u.a. zu lesen ist:

    … In einem System mit Selbstzwang – der als anonymer, überpersönlicher, unbewusster und unsichtbarer Zwang ausgeübt wird – rufen alle Übertretungen Schuldgefühle hervor, auch sich selbst gegenüber. Deshalb wurden, um ein ruhiges Gewissen zu erhalten, die Affekte beherrscht und andere störende Elemente verdrängt, abgespalten und eingekapselt. Selbstbefriedigung und außerehelicher Koitus wurden zum moralischen Problem.
    Doch genau diese Verdrängung des Sexuellen und sexueller Gefühle führte zu inneren Spannungen, die eine größere Reizempfindlichkeit hervorriefen. Diese wiederum bedingte eine stärkere Erotisierung und immer mehr Körperteile, Worte und Gebärden wurden zu Signalen möglicher Gefahr und Lust. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde selbst häufiges Lachen, warme Kleidung, Reiten, zu viel Parfüm etc. eine Herausforderung an peinliche Erinnerungen, die nur mit Mühe aus dem Bewusstsein verdrängt wurden. So entwickelte sich eine stärker werdende Feindschaft gegenüber solchen Reizen.
    Die Folge hiervon war, dass der Bürger zu einem gespaltenen Menschen in einer gespaltenen Gesellschaft wurde. So duldete er zum Beispiel die Prostitution, solange sie sich versteckt hielt.

    Fundstelle: Die bürgerliche Sexualunterdrückung

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