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2 Thesen, die die Forschungen und Ergebnisse zum „freien Willen“ in das Reich der Fabeln verweisen

Ich habe des Öfteren in meinem Logbuch der Reise des Verstehens meine Ideen und Gedanken zur Thematik “Freier Wille” gespiegelt. Der von Martin mit dem Titel Faszination Mensch: System oder Bewusstsein? hat mich zu einer Konsolidierung und Zusammenfassung aller meiner bislang gewonnenen Erkenntnisse inspiriert.

Entstanden sind 2 Thesen, die ich Ihnen heute anreichen möchte und mit teilweise meinen schon veröffentlichten Posts, aber auch mit Artikeln anderer Menschen unterfüttern möchte.

These 1: Die Forschungen bzgl. des “freien Willens” sind zu unreflektiert.

Denkt man tiefgründig über die Frage “Kann es einen freien Willen geben?” nach, kommt man auf Basis der Bedeutung der beiden Wörter “frei” und “Wille” relativ schnell auf die Antwort: Natürlich nicht. Ein Wille ist stets an das gebunden, was er will. Wie soll er da frei sein? Wäre das möglich, könnte man nicht mehr von einem Willen sprechen. Die beiden Begriffe “frei” und “Wille” schließen sich rein semantisch schon aus. Details zu dieser Argumentationskette habe ich in meinem Post Kann ein freier Wille bedingt sein? verfasst.

Das Buch Das Handwerk der Freiheit von Peter Bieri hat mich beim Schreiben des oben aufgeführten Posts inspiriert, was ich dort auch vermerkt habe. Es war für mich wahnsinnig beeindruckend zu erleben, wie tiefgründig das Denken sein kann und wie wahnsinnig einsichtig danach die Erkenntnisse erscheinen. Er kommt nämlich zum Schluss, dass ein Wille stets bedingt ist und deshalb niemals frei sein kann.

Jetzt stellt sich mir die Frage, warum trotzdem noch Herrscharen an Wissenschaftlern über die Existenz des freien Willens nachdenken, wo doch klar ist, dass es diesen rein schon aus der Bedeutung der Begriffe gar nicht geben kann. Das bringt mich zur zweiten These.

These 2: Die Forschungen bzgl. des “freien Willens” operieren im Gebiet des “blinden Flecks”.

Bei dieser These möchte ich mich von zwei Seiten her nähern, die darlegen sollen, dass es derzeit nur scheinbare Forschungen bzgl. des freien Willens gibt. Grundlegend fehlende Reflektionen bzgl. der Forschung und ihrer Ergebnisse, die durch These 1 belegt wird, lassen den Fleck auch weiterhin blind sein.

Auf der einen Seite verweise ich auf den Kant-Experten Prof. Dr. Wolfgang Deppert, der in seinem Artikel Die Evolution des Bewusstseins den freien Willen beleuchtet. Auf Seite 88 schreibt er

Ein Wille will etwas verwirklichen, das in der Zukunft liegt. In der Wissenschaft sagt man: Ein Wille ist final und nicht kausal bestimmt. Aber nur das kausal in Form von Ursache-Wirkungsketten Beschreibbare gilt in der heutigen Naturwissenschaft als wissenschaftlich. Ein Wille kommt in den Naturwissenschaften nicht vor, weil es gar keine naturwissenschaftliche Bestimmung des Willensbegriffes gibt. Somit kann der Wille nicht naturwissenschaftlich beschrieben werden.

Auf der anderen Seite möchte ich auf Gotthard Günther und seine Polykontexturalitätstheorie verweisen. Günther hat im Rahmen dieser Theorie aufgezeigt, dass man auf Basis der Aristotelischen Logik, die monokontextural (monothematisch) ist, nicht in der Lage sein kann, lebendige Prozesse zu beschreiben und zu erklären. Da aber unsere heutige Wissenschaft eben auf genau diese Monokontexturalität aufgebaut ist, agieren Wissenschaftler dann, wenn sie versuchen lebendige Prozesse, wie auch den freien Willen, zu untersuchen, im Bereich des blinden Flecks.

Eine komplette Ausführung zur Polykontexturalität würde diesen Post sprengen. Ich verweise dafür gerne auf die komplette Bibliographie Günthers mit einem Direktzugriff zu allen erhältlichen Artikeln.

Prof. Dr. Eberhard von Goldammer nimmt in seinem Beitrag Welches Wissen? Welche Gesellschaft? auf diese Theorie Günthers Bezug, wenn er in Fußnote 13 auf Seite 7 schreibt

Der Logik der Mathematik liegt die strikte Gültigkeit des Satzes der Identität zugrunde und daraus folgt das sequentiell aufgebaute Zahlensystem, wie wir es kennen. Dieser Sachverhalt wird in kaum einem Lehrbuch der Mathematik erwähnt, ist aber dennoch von fundamentaler Bedeutung, denn er hat das Abendland in eine Kultur geführt, die dominiert wird durch ein identitätsontologisches und damit ein statisches Denken: Etwas ist oder es ist nicht – ein Drittes ist ausgeschlossen. Es verwundert daher nicht, dass in der Physik nur Veränderungen zwischen Zuständen (im Allgemeinen zwischen einem Anfangs- und Endzustand) gemessen werden. Ein physikalischer Zustand zeichnet sich dadurch aus, dass alle physikalischen Größen, die für die Beschreibung des physikalischen Systems relevant sind, einen festen, d.h. sich zeitlich nicht verändernden Wert einnehmen – das ist aber nichts anderes als das, was man aus Sicht der Lebenswissenschaften als tote Systeme bezeichnen muss.

Eine Unterscheidung zwischen Denkinhalten und Denkprozessen ist wichtig. Denkinhalte sind die Ergebnisse von Denkprozessen. Die Denkinhalte lassen sich in physikalische Zustände, wie im obigen Zitat beschrieben, darstellen. Die Denkinhalte lassen sich daher auch zeitlich nacheinander anordnen und deshalb auch messen. Bei Denkprozessen aber ist das anders. Diese sind nebengeordnet (heterarchisch). Sie sind deshalb auch nicht messbar. Diesen Fakt führt Goldammer auf Seite 8 seines Artikels weiter aus.

In den Wissenschaften wird aber eben genau über Messergebnisse erklärt, dass ein freier Wille nicht existieren kann (siehe Benjamin Libet u.a.). Was auch immer mit diesen Messvorgängen und den –ergebnissen nachgewiesen wird, jedenfalls nicht die Nichtexistenz des freien Willens, denn der Wille ist stets etwas Prozessuales und nichts Statisches.

Fazit

Die Gehirnforscher bestätigen Ergebnisse zum freien Willen, die auch ohne diese bereits vorliegen (Es gibt keinen freien Willen, ein Wille ist stets bedingt), die sie aber gar nicht bestätigen dürften, da sie den Willen derzeit gar nicht thematisieren, dies aber nicht merken.

Über Conny Dethloff
Conny privat 2Diplom-Mathematiker und in der Wirtschaft tätig seit 1999. Berater und Manager mit Fokussierung auf die Themenbereiche Information Management und Change Management. Autor der beiden Bücher The Race – Change Management mit dem ChangeModeler und Von einem der auszog die Wirtschaft zu verstehen: Auszüge aus dem Logbuch der Reise sowie seines Logbuchs der Reise des Verstehens.

Kategorien:Erkenntnis, Ethik Schlagwörter: ,
  1. Januar 24, 2013 um 10:20 am

    Jeder Gedanke spiegelt die Bandbreite von Möglichkeiten innerhalb einer Notwendigkeit wider. Jeder Wille geht daher auch aus dem Gewollten aller Anderen hervor, die wollen, dass ihr Wille bekommt, was er will. Dass jedem Willen eine Bandbreite und keine Unendlichkeit an Möglichkeiten zur Verfügung steht, macht das Leben als Ganzes überhaupt erst möglich.

    Zu fordern, dass MEIN WILLE GESCHEHE, ist eine Missachtung der Gemeinschaft allen Lebens.

    Gruß Guido

    • Januar 24, 2013 um 7:54 pm

      Hier oben rechts am Blog:
      „Aus Dir kommt der allwirksame Wille, die lebendige Kraft zu handeln, das Lied, das alles verschönert und sich von Zeitalter zu Zeitalter erneuert.“
      Martina

  2. Gerhard A. Fuerst
    Januar 24, 2013 um 6:32 pm

    Man wird geformt, man wird belehrt, man wird gelenkt und geleitet, und man reagiert immer und in allen Dingen in relativer oder totaler Abhängikeit? Gibt es kein freies Denken, keine eigene Initiative, nichts Spontanes das sich im Innern formuliert und dann in ganz besonderer Art und Weise äußert? Ist auch Kreativität nur eine Reaktion und eine Antwort auf die Einflüsse Anderer? Man folgt nur in den Spuren des Vorausgegangenen? Da gibt es viele Fragen zu klären. Was ist dann die so genannte Eigenwilligkeit? Wer sind denn dann die Bahnbereiter?

  3. federleichtes
    Januar 24, 2013 um 8:03 pm

    Hallo Herr Dethloff

    wenn sie darüber lachen können: Mein erster Gedanke war, Sie üben für Weihnachten.

    Für mich ist der Freie Wille kein Thema mehr; das mal vorab. Gerne berichte ich von einem Vorfall 1995 in unserem Seminarhaus. Ich verabschiedete eine Gruppe Seminaristen, wir saßen am großen Tisch in der Eingangshalle, ein sehr nettes Gespräch. Bis ich sagte:
    „Ich lehne für mein Leben jede Verantwortung ab, weil ich keinen Freien Willen habe“.

    Da war’s Schluss mit der Gemütlichkeit und Wogen des Widerspruchs ergossen sich teils sehr vehement über mein damals bereits stark gebeugtes Haupt.

    These 1
    Der Freie Wille hat eine funda-MENTALE individuelle Bedeutung.

    Menschen werden geboren gegen ihren Willen, hinein in eine von ihnen nicht bestimmbare Familie und Gesellschaft, in einen Zeitgeist hinein, der scheinbar überhaupt fern einer Bestimmbarkeit liegt. Sie lernen von relativ fremden Menschen, was richtig und falsch ist. Sie lernen Notwendigkeiten zu folgen und Befehlen folge zu leisten. Sie lernen Grenzen und Verschiedenheiten kennen ohne die Chance, sie jemals aus objektiver Sicht verstehen zu können.

    These 2
    De facto gibt es keinen Freien Willen.

    Aber wie sieht es de jure aus.
    Ich sprach hier bereits einige Male über das Wesen unserer Gesellschaft. Ihre durch ein Staatswesen formulierte Ordnung BEGRÜNDET (ich würde die Schrift gerne 20 Zentimeter groß machen) sich auf den Freien Willen – und schließt ihn durch ihr relativ willkürliches Gesetzeswesen gleichzeitig aus. Dass ob dieses SACHverhaltes nicht mehr Menschen verrückt werden, verdanken wir dem Schnaps und dem Fernsehen.
    Sollte auf den Knästen die Inschrift stehen: Freiheit macht unfrei?

    These 3
    Ohne das individuelle und gesellschaftliche Postulat des Freien Willens könnte keine künstliche Welt bestehen bleiben.

    Was die „Wissenschaft“ dazu sagt ist so wenig relevant, wie die Wissenschaft selbst, wenn es sich um Fragen von „Sozialem Selbstverständnis“ handelt, das sagt der Begriff ja bereits aus.

    Es gibt den Freien Willen nicht?
    Vielleicht sollten wir überlegen, ihn wenigstens denen zuzuschreiben, die die Verantwortung für mehr als sich selber an sich rissen – und sie auch in die Verantwortung nehmen für das, was sie anrichteten. Ein großer Knast (vielleicht die Osterinseln) mit dem Schild: Wahnsinn hat Grenzen?

    These 4
    Gleich was wir glauben, denken, fühlen oder WOLLEN – dieses Leben geht weiter, bis es so oder so nicht mehr weiter geht.

    Allen einen durchlauchten Abend, so oder so.

    Wolfgang

    • Januar 24, 2013 um 11:46 pm

      hmmm, gerade auf Facebook erhalten:

      Ingo Neitzel:

      Menschen werden geboren gegen ihren Willen“ .. einspruch .. zuerst unterscheide ich zwischen körper und mir selbst .. der körper wird als Avatar bereit gestellt und ich zumindest, habe vorher die Wahl gehabt, ob ich in materie gehe und welchen körper ich bewohnen will. … klingt komisch, is aber so. … allerdings wird dieses wissen normalerweise geblockt, weil sonst vollkommen andere Überlegungen ein leben prägen.

      warum wird sowas normal geblockt? .. wer nicht gefestigt ist, den kann die Reaktion auf solche sätze extrem schädigen. und mir ists einfach wurscht, ob man mir glaubt oder nicht .. was andere mit dieser gegebenen info machen, ist deren Sache. gedankliche Vielfalt nutzt keine Trampelpfade

      das leben ist – wie ich schon mehrfach schrieb – durchaus ein Programm (wie zb die sims) .. aber es handelt sich um Software die einen Nutzer braucht. Materie ist unser Programm in dem wir „energiebündel“ eigenständig re(agieren) dürfen. leider denken wir als menschen sehr begrenzt, denn da wäre viel mehr (mit weniger) möglich. deswegen bin ich ja so sehr von programmentwicklung begeistert .. vielleicht nicht ohne vergangenen grund

      • Januar 25, 2013 um 12:11 am

        Puh, das ist irre. Während ich das aufzeichnete, hatte mir Jemand andere davon berichtet, dass er vor ein paar Tagen wahrnahm, wie sich der Raum krümmte. Weder 2D oder 3 D mäßig. Und dann kommt noch das hier:

        und ganz interessant ist bei mir, dass ich stets (besonders beim einschlafen) immer so energetische Sachen wahrnehme… manchmal werde ich massiert, dann komme diese elektromagnetischen Impulse (anders kann ich sie nicht nennen) und dann krieg ich eine auf dem Helm (Kopf)
        ..
        einmal habe ich mir den Finger geschnitten und dann habe ich so eine Art Engergiefluss wahrgenommen und den Finger da rein gesteckt und die Verletzung war weg – total irre jedenfalls

  4. Januar 24, 2013 um 10:10 pm

    Wenn es denn den freien Willen nicht sondern nur den bedingten Willen gibt:
    Ist dann das Leben doch vorbestimmt (Prinzip Ursache-Wirkung)?
    Wie wir wissen, lässt sich mit unserer Mathematik schon ein 3-Körper-Problem nicht mehr exakt lösen sondern nur durch Annäherung (Chaos-Theorie, und da wollen uns die Klimawandler weismachen, was sich da tun wird, wo wir nicht mal das Wetter für den nächsten Tag genau bestimmen können 😉 )
    Auf der anderen Seiten sagen uns die Quantenphyisker, dass im Kleinen es einen Haufen Möglichkeitsräume gibt. Der Zufall wird mit jeder Stufe der Holons (Elektron -> Atom -> Molekül -> Zelle -> Mehrzeller -> Gruppe -> Gesellschaft) geringer?
    Was genau kann ich selbst steuern?
    Komme ich von allein aus einer Depression, in die ich durch gewisse Umstände hineingeraten bin? Oder ist da auch wieder nur ein äußerer Trigger, der mich herausführt? Ein Freund, ein Therapeut, ein Buch, ein Film, irgend eine Beobachtung?
    Bin ich wirklich nur ein Getriebener der Umstände?
    Am letzten Wochenende ging es genau um das Thema: Sei Dein eigener Schöpfer. Nimm Deinen Führungsfaden selbst in die Hand, sprich begebe Dich in die Rolle Deines Über-Ichs. In dieser Perspektive gibt es nur noch den einen Faden, mit dem Du Dich auspendeln kannst, pro Dualität.
    Passt der Begriff Eigenwille besser als freier Wille. Zumindest beschweren sich Beherrscher, wenn der zu Beherrschende eben nicht tut, was er verlangt (heute hilft vermehrt Ritalin?)
    Im Recht kennen wir den Begriff des Willens sehr wohl. Wenn ich eine Urkunde unterschreibe, so wäre dies meine bewusste Willenskundgebung.

    • federleichtes
      Januar 25, 2013 um 12:39 am

      Der Freie Wille reißt einen Menschen in die Verantwortung UND damit gleichzeitig in ein zwanghaftes Handeln.

      Der Eigene Wille zwingt den Menschen in das Ich.

      Das, so Ingo Neitzel, geblockt wird. Bedeutet, der eigene Wille IST das (künstliche) Ich und nicht das eigentlich Ich.

      Solange man das nicht versteht bzw. seine körperliche Existenz davon nicht ergreifen lassen kann, wird man kaum relativ frei-schöpferisch tätig sein können. Ich will? Was ist das, was das sagt? Auf der Suche danach wird man vielleicht anfangen zu weinen, als schäle man eine Zwiebel.

      Natürlich verschwindet das eigentliche Ich. Damit eine Entwicklung möglich wird, und zwar die, davon fest überzeugt zu sein, sich von Emotionen ernähren zu müssen, bedeutet: System-konform-Sein-zu können, weil es sein muss.

      Sein Ur-Ich entdecken scheint nur wenigen Menschen vorbehalten – wie sollte auch sonst Ordnung in einem Höheren Sinne entstehen können.

      Gruß
      Wolfgang
      sucht jetzt das Ich, was, anstatt Bilder zu bearbeiten, hier Unfug schreibt.

  5. Gerd Zimmermann
    Januar 25, 2013 um 8:01 am

    Hallo Conny

    1.Was ist Erkenntnis bzw. Wissen?

    Für mich stellt sich nicht diese Frage.

    Meine Frage lautet: Woher kommt Erkenntnis bzw. Wissen.
    Als da zu beantworten ist, wie funktioniert ein Fischschwarm, woher wissen Zugvögel Treffpunkt und Zeit des Abflugortes, warum weis Plasma um sich.
    Also der Fischschwarm weis um sich. Wissen und Erkenntnis sind vorhanden, aber was ist die Ursache. das soll jetzt lustig sein: Wissen und Erkenntnis kommen nicht vom Zeitung lesen oder Nachrichten gucken. Man muss auch nicht studieren um reich zu werden.
    Wahres Wissen und Erkenntnis um das Leben das Universum und den ganzen Rest beantwortet jede Frage, auch die Letzte. Adam Douglas hat übrigens alle Fragen diesbezüglich beantwortet.
    Alles Wissen ist gewusst.

    • federleichtes
      Januar 25, 2013 um 12:53 pm

      „Alles Wissen ist gewusst.“

      Auch das wachsende Wissen, das wir „Bewusstsein über komplexe Verbindungen“ nennen?

      Ich meine, die Zutaten für einen Kuchen wissen, macht nicht den Kuchen.

      Gruß
      Wolfgang

  6. Gerd Zimmermann
    Januar 25, 2013 um 8:06 am

    „Wenn es denn den freien Willen nicht sondern nur den bedingten Willen gibt:
    Ist dann das Leben doch vorbestimmt (Prinzip Ursache-Wirkung)?“

    Hallo Martin

    das stimmt unter einer Bedingung, man hat keinen Zugang zur Quelle allen SEINS.

    • federleichtes
      Januar 25, 2013 um 1:19 pm

      Sagen wir mal so:
      WENN es Bedingungen gibt, die das Wasser einer Quelle ins Meer fließen lassen, lösten die Bedingungen ein Transport- oder Weg-Problem. Wenn Wasser das Transportmittel ist für Informationen, …

      Und wir werden in einen (Lebens-) Fluss geworfen, und laufend informiert über das Wesen des Meeres UND der Quelle.

      Das soll man nun verstehen.

      2004 im Sommer saß ich acht Stunden an einem See und angelte. Morgens um 4 Uhr fuhr ich in der Morgendämmerung zurück und ein Gedanke kam: Eine Welt entstand nur, um einen Freien Willen WAHRNEHMBAR zu machen.

      Allen einen guten Tag.

      Wolfgang

  7. Januar 25, 2013 um 8:56 am

    Hallo zusammen,

    sehr schön den Anklang auf meinen Artikel mit zu erleben. Fein. Ich möchte meine Gedanken zum Thema Bedingtheit vs. Ursache-Wirkung spiegeln.

    Nur weil der Wille bedingt ist (und sein muss) heißt das nicht automatisch, dass dieser auch kausal über Ursache-Wirkung bestimmt ist. Ganz im Gegenteil. Der Wille ist eben nicht kausal bestimmt. Er ist final bestimmt. Dr. Deppert thematisiert diesen Fakt sehr anschaulich in seinem Artikel „Evolution des Bewusstseins“ ab der Seite 89. Er nimmt dabei Bezug zu Attraktoren eines Systems. Der Wille eines Systems drückt sich durch seine Attraktoren aus.

    Aber nehmen wir einmal an, es würde das Ursache-Wirkungsprinzip vorliegen. Auch dann gibt es keine Vorbestimmtheit. Ich stelle mir das in Form eines Straßennetzes vor. Ich starte irgendwo und komme sehr oft an Verzweigungen vorbei. Aufgrund Ursache-Wirkung entscheide ich mich dann immer für eine Richtung. Ich gelange dann irgendwann ans Ziel. Wenn ich nun den Weg rückwärts verfolge, müsste ich stets und genau an meinem Startpunkt angelangen. Das ist aber nicht der Fall, denn Ursache-Wirkung ist in diesem Falle nicht umkehrbar. Details habe ich in meinem Post „Benjamin Button und Unternehmensplanung“ (http://blog-conny-dethloff.de/?p=242) ausgeführt.

    Ich freue mich auf eine weiterhin spannende Diskussion.

    Beste Grüße,
    Conny Dethloff

    • federleichtes
      Januar 25, 2013 um 1:25 pm

      Halten Sie es für möglich, dass ein „Kausales Prinzip“ einer „Finalen Absicht“ untergeordnet ist?

      Und:
      So wie es ein Ursache-Wirkungs-Prinzip gibt, könnte es nicht auch ein Wirkungs-Ursache-Prinzip geben?

      Ja, spannend, wenn man jeden Tag weihnachtliche Gefühle haben kann.

      Beste Grüße auch von uns.

      Wolfgang.

  8. Januar 25, 2013 um 9:33 am

    Freier Wille ist in dem Maße möglich, wie das Gewollte für das GANZE notwendig ist. Wir Menschen haben den Willen, in der Summe betrachtet, den technischen Fortschritt zu nutzen. Das ist in dem Maße möglich, wie natürliche Vorgaben es notwendig machen. Das klingt jetzt auf den ersten Blick ziemlich paradox, weil wir ja das Gefühl haben mit unserem Willen die Natur platt zu machen … aber das ist ein Irrglaube, denn wenn man genauer hinsieht zeigt uns die Natur unentwegt den Rahmen der Notwendigkeit … und damit unseren Freiraum der Möglichkeiten … auf.

    Aus Sicht des Ganzen ist der Wille eines Einzelbewusstseins somit zwar frei, aber nur innerhalb der Gesamtdynamik. Je mehr mein Wille von der Notwendigkeit meines Umfeldes abweicht, desto mehr reaktive Unordnung zieht dieses nach sich, z.B. der Selbstmord eines Familienmitglieds aus heiterem Himmel der Familie, dessen dunkle Wolken jedoch derjenige sah, der sich umbrachte. Es war sein freier Wille diese Tat durchzuziehen, sie war auch möglich, aber von einer Notwendigkeit, aus SIcht des direkten Umfeldes, kann nicht gesprochen werden, daher auch das Ausmaß der reaktiven Unordnung der Hinterbliebenen.

    Eine wichtige Rolle beim Willen spielt die Überzeugung. Was nutzt mir der freie Wille durch eine Wand zu laufen, wenn ich nicht davon, aus tiefstem Herzen heraus, überzeugt bin, dass ich in der Tat problemlos und schmerzfrei durch eine Wand hindurchgehen kann ? Dumm nur, dass mein Umfeld meine Überzeugung nicht teilt und ich mir somit trotzdem eine blutige Nase hole. Aber nicht nur mein Umfeld spielt dabei eine Rolle, sondern der Konsens aller Überzeugungen, denn diese Information ist im Kollektiv gespeichert. Der Konsens besagt, man kann nicht durch Wände gehen. Zum einen besteht aus SIcht aller diese Möglichkeit nicht und zum anderen besteht auch keine Notwendigkeit.
    Bei der Schwerkraft findet sich selbiger Zusammenhang. Auch hier wird eine Überzeugung zur kollektiven Gewohnheit. Daher werden auch hier dem freien Willen die Flügeln gestutzt und machen es mir somit unmöglich mich wie ein Vogel in die Luft zu erheben, egal, wie sehr ich davon überzeugt bin, und den Willen habe, ein Vogel zu sein.

    Gruß Guido

  9. Januar 25, 2013 um 10:03 am

    Attraktoren sind eine Notwendigkeit in der Gesamtentwicklung. Daher ist das Leben, die Entwicklung des Kosmos gar, in Richtung eines gemeinsamen Ziels unterwegs. Auch wenn mancher freie Wille des männlichen Prinzips in der Attraktion des weiblichen Prinzips sonderbare Blüten zu treiben weiß … was sich nicht nur im Miteinander von Frau und Mann offenbart.

    Und ewig lockt das Weib, wie man(n) so sagt.

    Expansion, der sogenannte Fortschritt der Menschheit, kann, wie es scheint, nur realisiert werden, wenn das Yang im realen Gesamtbild, im Konsens der Bildersprache, vorauseilt … und damit auch der (materielle) Ausdruck dieses energetischen Ungleichgewichts, indem erst gehandelt und dann gefühlt wird, und erst beurteilt, wenn nicht gar verurteilt, wird, anstatt erst wahrzunehmen, was die reale Bildersprache ausdrückt.
    Die Wirklichkeit stellt, so gesehen, die Realität komplex/komplett auf den Kopf, denn es ist das Yin, welches das Yang zu verführen weiß, es förmlich anzieht, im Akt der Attraktion. Es ist der Sog, die Implosion, mit der die Natur ihre Energien verteilt. Es ist das Anziehen, das Hineinfinden, welches aber in der expansiven Realität als Druckmittel und als Vorgang des Herausfindens verkannt wird, begleitet von reichlich Explosionen. Man braucht nur ein frisch gepflügtes Stück Land betrachten, welches nach kurzer Zeit, ohne weiteres Zutun, unterschiedlichste Grüntöne in Pflanzengestalt vervorzubringen vermag. Es ist die Attraktion der braunen Erde, welche das Grün förmlich anzieht, welches sich daraufhin gleichmäßig auf der Erde verteilt … und nicht, wie wir Menschen es gerne hätten, das Fleckchen Erde, getrennt nach Erscheinungsbild und in Reih und Glied, bevölkert.

    A man (or woman) standing in a field of plenty,
    with a mind trapped in a context that only sees weeds,
    will starve.
    Clif Droke – http://www.halfpasthuman.com

    Gruß Guido

    • Januar 25, 2013 um 1:43 pm

      A man (or woman) standing in a field of plenty,
      with a mind trapped in a context that only sees weeds,
      will starve.

      Clif Droke

      Und jetzt übertagen wir das Mal ganz locker auf den Geist der NWO-Aktivisten, der meint, dass auf der Erde nur ein Haufen Verblödeter leben, dann verstehen wir auch gut den von Marx umformulierten Satz: „Die herrschende Dummheit ist die Dummheit der Herrschenden“

      Und da kommt noch Nick um die Ecke heftigst um die Ecke:

      Das liegt daran, dass der menschliche Geist nur sehr schwer mit Ambivalenzen umgehen kann und diese kontextuell gleichzeitig bearbeiten kann – Ausnahme: doppeldeutige Schenkelklopfer, die aber durch ihre bracchiale eindeuitge Zweideutigkeit nur Pseudoambivalenz repräsentieren.

      Für die Planbarkeit ruchloser Schandtaten der Oberen ist die kontextuelle Blindheit unumgänglich, da sie sonst nicht dem Gebot der auskömmlichsten mentalen Energieeffizienz entspricht.

      Leicht ersichtlich daran, dass deren Umsetzungen ihrer Pläne zuvörderst auf primitiver Gewaltanwendung und weniger auf subtilem Meta-Denken basieren – was aber auch wiederum verständlich ist, da die Mehrheit der Bevölkerungen dieselben Ambivalenz-Defizite aufweist!

      Beim Schachspiel beruht ein erfolgreiches Vorgehen auch in erster Linie darauf, dass das taktische Bilanzdenken (Opfer? Nachteile?) der Stellung in den Vordergrund der Überlegungen des Gegners gedrängt wird und mit diesem vordergründigen Wertevergleich das hintergründige strategische Verschieben der Stellungshaltigkeit verdeckt wird.

      Selbst beim Boxen gibt es die Finte, die Aktionen glaubwürdig antäuscht und dann den Gegner in den dadurch vorbereiteten Konter schutzlos wuchten lässt, was nicht selten zum Blitz-K.O. führt^^

      Kontextblindheit ist somit erste Wahl bei den Mitteln der Wahrnehmungsbindung, um die Interessenlage des Opfers ungesehen zu umgehen.

      Siehe auch einfach aktuelle Politik, wo eine Sau nach der anderen durchs Dorf getrieben und medial ausgeschlachtet wird, damit der dumme Bürger nach der frischen Blutwurst hechelt und nicht merkt, wie er selbst zur Schlachtbank geführt wird…

      • federleichtes
        Januar 25, 2013 um 1:56 pm

        Den Satz:
        „Für die Planbarkeit ruchloser Schandtaten der Oberen ist die kontextuelle Blindheit unumgänglich, …“

        schreibe ich mal so:
        Ein GRUNDSÄTZLICHES Unvermögen, Zusammenhänge von Entwicklungen verstehen zu können, führte zu …

        Gerne erinnere ich daran, dass Leben ein Offenbarungsprozess ist. Offenbarung von UR-sprünglichen Informationen, entstanden aus …

        Je mehr verstanden wird, in welchem Wirkgefüge wir agieren, je leichter, sich als Beobachter zu entwickeln und sich der Emotionalität der Aktualität zu entziehen.

        Schlachtbank ist gut. Gottseidank gibt es kein Ungeheuer, außer in der Phantasie von Spinnern. Wobei ich bemerken darf, dass ich den Begriff Ungeheuer nicht ersponnen habe. Ebensowenig wie den Begriff Opfer.

        Gruß
        Wolfgang

  10. Januar 25, 2013 um 11:18 am

    Bezüglich des Themas mal wieder eine Zitierung aus einem tollen Buch:

    “Seltsamerweise werden andere kontroverse Wissenschaftsbereiche wie die kalte Fusion von einer ähnlichen Undefinierbarkeit geplagt. In diesem Fall verkündeten Fleischmann und Pons, die hieran ursprünglich geforscht hatten, ein dramatisches Ergebnis, das andere Wissenschaftler nicht nachvollziehen konnten. Oder doch? Viele erhielten tatsächlich Ergebnisse, andere nicht. Haben aber letztere das Originalprotokoll genau befolgt? Einige der Laboratorien, denen es nicht gelungen ist, die Ergebnisse von Pons und Fleischmann zu wiederholen, hatten ein begründetes Interesse diese zurückzuweisen. Viele waren Teil des Establishments in der „Heißfusion“-Forschung. Besonders ungeheuerlich war die definitive Zurückweisung kalter Fusion durch das MIT, nachdem deren Versuch, das Experiment zu wiederholen, nicht die Neutronenmenge produzierte, welche die herkömmliche Theorie vorhersagt. Es konnte nicht funktionieren, schlossen sie. Erst später wurde bekannt, dass das MIT-Experiment tatsächlich anomale Hitze erzeugt hat. Die Kontroverse gärt noch immer, wobei es allgemeiner Konsens ist, dass das Phänomen ein Fehler oder Zufall ist. Meistens steht unterm Strich das alte Vorschiebeargument: „Es ist nicht wahr, weil es nicht wahr sein kann. Es gibt keinen bekannten Mechanismus, der es erklärt.“ Es gibt jedoch eine dritte Möglichkeit. Vielleicht funktioniert kalte Funktion nur in einer Atmosphäre geeigneter Überzeugung, und dauerhaft, allgemein nur, wenn diese Überzeugung von der gesamten Gesellschaft getragen wird. Vielleicht müssen wir die kalte Fusion gleichfalls sowohl als Geistes- wie als Materie-Technologie verstehen.

    Charles Eisenstein – Renaissance der Menschheit

    Kalte Fusion ist hier nur ein Beispiel, ich könnte inzwischen Hunderte nennen, wie z. B. :

    http://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Benveniste

    Gruß Guido

  11. Januar 25, 2013 um 1:49 pm

    Das Ziel ist definiert, denk ich. Bewegung hin zu größtmöglicher Harmonie, die Annährung an den „Goldenen Schnitt“, nicht sein end-gültiges Erreichen, oder anders die „Verbindung zur Quelle“ wieder finden, wieder herstellen.
    Freier Wille auf dem Weg zum Ziel aus den Möglichkeiten, die erkannt werden – Erkenntniss hier ist stark beschränkt u.a. unserer Biologie geschuldet, nicht nur – aus wählen,
    Ent-Scheidungen treffen. Unterschiedliche Wege, auch bei fast ähnlichen Ausgangsbedingungen. Ursachen setzen für den eigenen Weg, besser Umweg. Das wars dann wohl auch schon.

    „Nehmen wir an, Sie hätten einen freien Willen. Es wäre ein Wille, der von nichts abhinge: ein vollständig losgelöster, von allen ursächlichen Zusammenhängen freier Wille. Ein solcher Wille wäre ein aberwitziger, abstruser Wille. Seine Losgelöstheit nämlich würde bedeuten, dass er unabhängig wäre von ihrem Körper, ihrem Charakter, ihren Gedanken und Empfindungen, ihren Phantasien und Erinnerungen. Es wäre, mit anderen Worten, ein Wille ohne Zusammenhang mit all dem, was Sie zu einer bestimmten Person macht. In einem substantiellen Sinn des Wortes wäre er deshalb gar nicht Ihr Wille.“ – Peter Bieri: Das Handwerk der Freiheit, Kap. 7, S. 230

    Und Goethe, der Alte: „Sie streiten sich, [..] um Freiheitsrechte; // Genau besehn, sind’s Knechte gegen Knechte.“ Faust II, Vers 6962 f. Mephistopheles

    Liebe Grüße
    Martina

  12. federleichtes
    Januar 25, 2013 um 2:19 pm

    Und ich werbe mal ein bisschen für ein differenziertes Verständnis von Komplexität:
    Es gibt nach meinem Verständnis Komplexität
    – von Informationen
    – von Energie, und
    – von informierter Energie.

    Gruß
    Wolfgang

  13. federleichtes
    Januar 25, 2013 um 3:59 pm

    Hier noch eine Kleinigkeit:

    „Das Unbewusste ist kein dämonisches Ungeheuer, sondern ein moralisch, ästhetisch und intellektuell indifferentes Naturwesen, das nur dann wirklich gefährlich wird, wenn unsere bewusste Einstellung dazu hoffnungslos unrichtig ist. In dem Maße, wie wir verdrängen, steigt die Gefährlichkeit des Unbewussten.
    Carl Gustav Jung

    Wozu ich ergänzen mag: … und kann sich zu einem dämonischen Ungeheuer entwickeln.
    (von wem oder was war Adolf Hitler beseelt?)

    Noch einen:
    „Man geht von der unbewussten Hölle zur bewussten Hölle. Und sich der Hölle, des Samsara, der zerfleischenden Existenz, bewusst zu sein, macht das Heranwachsen und das Erwachsenenleben zu einem Alptraum von Elend und Entfremdung. Das Kind-Selbst ist relativ friedlich gestimmt, nicht weil es sich im [unbewussten] Himmel aufhält, sondern weil es nicht ausreichend bewusst ist, die es umgebenden Flammen der Hölle zu bemerken.
    Ken Wilber

    Wozu ich sagen darf: Verdrängung des Wesen-Bewusstseins und Verdrängung des Wesens des Lebens.

    Schließlich zur Affinität:
    „Für die unbewusste Psyche scheinen Raum und Zeit relativ zu sein, das heißt, das Wissen befindet sich in einem raumzeitlichen Kontinuum, in welchem Raum nicht mehr Raum und Zeit nicht mehr Zeit ist. Wenn daher das Unbewusste ein gewisses Potential zum Bewusstsein hin entwickelt oder erhält, dann entsteht die Möglichkeit, dass Parallelereignisse wahrgenommen beziehungsweise „gewusst“ werden können.

    Wozu ich sagen darf: Das Ungesagte schwebt als reiner Klang immer im Gesprochenen.

    Und noch ein Carl Gustav:
    „Es gibt sehr viel mehr Menschen, die Angst vor dem Unbewussten haben, als man erwarten würde. Sie haben schon Angst vor dem eigenen Schatten. Kommt man gar zu Anima und Animus, so steigert sie sich zur Panik.“

    Wozu ich sagen dar: Wecke die Dämonen erst auf, wenn sie tot sind. Dieser Vernunft kann man sich wilentlich unterwerfen, auch wenn Vernunft dann in gewisser Weise verknechtet.

    Gruß
    Wolfgang

    Na gut, einer noch:
    „Wir handeln, wir leben nach bestimmten Mustern, die bewusst oder zutiefst unbewusst vom Denken vorgeschrieben werden. Es ist außerordentlich wichtig, das Denken zu verstehen, denn das Denken hat die Menschen getrennt, national, geographisch, nach ihren Glaubensvorstellungen, nach ihren Dogmen.
    Jiddu Krishnamurti“

    Wozu ich sagen darf: Denken ist sehr komplex, Geist als Verursacher des Denkens ist sehr verwirrt, aber die zu Grunde liegende Information ist sehr einfach

  14. federleichtes
    Januar 28, 2013 um 5:17 pm

    Die Erörterung des Freien Willens scheint sich in Richtung Nordafrika verlagert zu haben. Als angepasster Normalbürger berichte ich natürlich von direkt vor Ort.

    Wohin geht die Reise des Menschen? Ich meine, WER führt ihn WOHIN?
    Er sich selbst zu einem selbst-gewählten – oder gar selbst-gestalteten Ziel?

    Ich beobachte eher etwas Anderes: Flucht.
    Dabei ist mir nicht wichtig, die Gründe und die Fluchtwege zu besprechen – das macht schon Jeder nach seinem Gusto sehr richtig. Es WIRD geflüchtet. Flucht als Freien Willen zu beschreiben, fällt mir ehrlich gesagt nicht ganz leicht, weil die Option Flucht emotional-reaktiv offensichtlich alternativlos-unbedingt erscheint.

    Da ich ein Ungeheur-Fan bin, formuliere ich mir mal:

    Als Ungeheuer definiert sich das Nicht-Konfrontierbare.

    Und das Nicht-Konfrontierbare definiert, was Freier Wille ist.

    Wenn also Flüchten kein Freier Wille ist, geschieht ein Sich-BEWUSST-dem-Ungeheuer-Zuwenden als ein Wille, der aus einer NICHT-NOTWENDIGEN Systemlage erfolgt. Denn, so schlussfolgere ich: Wer kann es existenziell bedingt schon NÖTIG haben, an die Tür des Ungeheuers zu klopfen. Ne, existenziell bedingt flüchtet man eben.

    Gruß
    Wolfgang

  15. Januar 29, 2013 um 12:00 pm

    Erstaunlich, was für eine gewaltige akademische Flohknackerei sich aus solchen Fragestellungen ergibt: man könnte problemlos Bände damit füllen. Es wäre eine weithin tote Bibliothek – wie all die Klosterhandschriften mit Disputationen zwischen Dogmatikern vergangener Jahrhunderte. Nichts davon befreit den Einzelnen aus der grausamen Überlagerung von Möglichkeiten, zwischen denen er sich fortwährend entscheidet. Dankbar registriere ich persönlich, dass mir die allermeisten Entscheidungen vom Leben (vom Universum) abgenommen werden – auch wenn’s manchmal weh tut. Es gibt ja auch Heilung. Selbst die passiert – wenn ich nicht aktiv dagegen arbeite – ohne meinen Willen. M.E. fragt die ganze aktuelle Willensdiskussion nur danach, inwiefern der Einzelne von der Gesellschaft in Haftung zu nehmen ist. Diese Fragen führen – insofern ist der Ausdruck „blinder Fleck“ anschaulich – an die Grenzen mechanisch-kausalen Denkens, an die Grenzen der Quantisierung und des geläufigen Zeitbegriffs. Das heißt auch: an Grenzen zivilisatorischer Rituale – z.B. bei der Benutzung von Uhren. Spätestens da beginnt das verbale Hauen und Stechen, weil es natürlich um Sicherheiten und Besitzstände geht. Für den größten Teil der Weltbevölkerungen ein Geräusch vom Typ „umfallender Reissack“.
    Diesen Kommentar minimieren

    • federleichtes
      Januar 29, 2013 um 2:01 pm

      „Dankbar registriere ich persönlich, dass mir die allermeisten Entscheidungen vom Leben (vom Universum) abgenommen werden – auch wenn’s manchmal weh tut. Es gibt ja auch Heilung. Selbst die passiert – wenn ich nicht aktiv dagegen arbeite – ohne meinen Willen.“

      Ja, das hört sich gut an. Fragt sich, ob ein Mensch kosmischen Kräften widerstehen kann, oder nur eine andere Rolle im kosmischen Theater wählen kann.

      Insofern, wenn wir dem „Kosmos“ Macht und Gestaltungskraft und absichtsvolle Bedeutung zuschreiben, beantwortet sich auch die Frage nach „akademischer Flohknackerei“.

      „… fragt die ganze aktuelle Willensdiskussion nur danach, inwiefern der Einzelne von der Gesellschaft in Haftung zu nehmen ist.“

      M.E. nach befinden wir uns hier in einer spannenden Phase der Erkenntnis – aktuell vielleicht in einer Patt-Situation.
      Kann es dabei bleiben, einen Menschen von der „Gesellschaft“ in die Haftung zu nehmen für ein Delikt, dass unter nicht unerheblichem Einfluss eben dieser Gesellschaft erst in die Tat kommen konnte?

      Ihre Gedanken klärten in mir folgendes Bild dessen, was gerade hier auf Martins Blog entstand und in vielen Themen „durchschimmert“:
      DER Mensch ist auf dem Wege, die GESELLSCHAFT in die Verantwortung zu nehmen.
      Und wird fürher oder später erkennen, dass es DIE Gesellschaft gar nicht gibt.

      Diese Erkenntnis für sich selber zu leben und anderen Menschen ein von Künstlichkeit berfreites Existieren zu zeigen, sie ein bisschen möglicher Autonomie spüren zu lassen, mag sich nicht allein auf akademische Flohknackerei begründen. Mir halfen die vielen Gedanken (relativ) freier Knacker, Wege zu sehen und nicht völlig blinde Entscheidungen treffen zu können.

      Wir werden es hoffentlich noch erleben, was aus der Idee einer Gesellschaft, die den Menschen Verantwortung raubt und Schuld zuspricht, sich zu entwickeln vermag.

      Herzliche Grüße an Sie.

      Wolfgang Jensen

  16. federleichtes
    Januar 29, 2013 um 6:13 pm

    Hohoh.

    Kleiner Nachgedanke:
    Der Griff nach der Verantwortung einer Gesellschaft landet im Zweifel an den eigenen Eiern.

    Empfehlen möchte ich Euch den Blog von Immo Sennewald

    „Eigensinn verpflichtet“
    http://publizist.wordpress.com/tag/immo-sennewald/

    Dem galt auch mein „Hohoh“.

    Gruß
    Wolfgang

    • Januar 31, 2018 um 9:49 pm

      Danke – mit erheblicher aber nicht ganz unbegründeter Verspätung – fürs Empfehlen. Gute Wünsche und Grüße dazu
      Immo

  17. Februar 4, 2013 um 7:41 pm

    Ich habe noch eine Leseempfehlung zum Thema:

    Können wir wollen, was wir wollen?
    Unzeitgemäßes zur Theorie der Willensfreiheit, ein Aufsatz von Dr. Michael Schmidt-Salomon, Trier

    Ich möchte in diesem Aufsatz darlegen, dass die klassische Idee der inneren Freiheit, also die Idee, wir könnten beliebig wollen, was wir wollen, tatsächlich nur sehr schwer haltbar ist. Die Klärung der Frage, ob es so etwas wie innere Freiheit überhaupt gibt oder nicht, ist dabei nicht nur von akademischen Interesse. Die herrschende Idee, die Menschen seien -von pathologischen Fällen einmal abgesehen- frei in ihren Willensentscheidungen, hat verheerende praktische Folgen in Wissenschaft und Alltag, in der Kindeserziehung, der Justiz, in der Wirtschaft, auf der Ebene des Mikro-, Meso-, und Makrokosmos. Dieser Aufsatz soll dazu beitragen, dass die Idee der Willensfreiheit als prämoderner Hokuspokus erkannt und wegen der ihr anhaftenden Inhumanität aufgegeben werden kann. Ich bin mir darüber im klaren, dass die hier entwickelte Sichtweise sowohl dem Alltagsverstand als auch der herrschenden wissenschaftlichen Meinung widerspricht, und gehe davon aus, dass einige LeserInnen auf meine Ausführungen mit starken Gefühlen des Missbehagens reagieren werden. Schließlich ist die hier versuchte Dekonstruktion der Idee der Willensfreiheit mit einer gewaltigen, narzisstischen Kränkung des Menschen verbunden. Sie bricht nach der kopernikanischen und der darwinischen Ernüchterung eine weitere Zacke aus der Krone, die sich der Mensch in der Anmaßung, er sei die „Krönung der Schöpfung”, selbst aufgesetzt hatte.

  18. federleichtes
    Februar 4, 2013 um 8:40 pm

    Ich habe den Aufsatz nicht ganz gelesen. Aber das:

    „Welche Vor- und Nachteile hat also die Annahme, wir seien mit dem freien Willen ausgerüstet? Wem nützt sie und warum? Wer hat den Schaden?

    Beginnen wir mit dem Nutzen: Die Idee der Willensfreiheit hatte und hat zumindest im prämodernen Kontext einen unbestreitbaren Vorteil: sie war und ist der Schlüssel zur Lösung des Theodizee-Problems. Die Frage, wie ein allmächtiger und gütiger Gott existieren kann in einer Welt, die durch Mord und Totschlag, durch Elend und Barbarei gekennzeichnet ist, konnte nur dadurch gelöst werden, dass man unterstellte, der Allmächtige habe den Menschen mit dem freien Willen ausgerüstet und es läge nun am Menschen selbst, ob er sich für das Gute (also für Gott) oder für das Böse (den Teufel) entscheidet. Konsequenz: Der frei sich entscheidende Mensch trägt die Verantwortung für das, was er will und tut. Damit ist Gott fein raus aus dem Schneider und das prämoderne Gemüt beruhigt. Der fehlbare, aber freie Mensch macht sich schuldig, begeht Sünden und ernährt damit einen ganzen Berufszweig: die Berufsreligiösen. Gottes Stellvertreter entschuldigen den sündigen Menschen im Namen des Herrn und nicht selten verdienen sie auch nicht schlecht an dem durch die Konstruktion des freien Willens ermöglichten Geschäft mit der Sünde.“
    Zitatende

    Ich möchte den Gedanken aus meiner Sicht verkürzen auf:
    Ohne Freien Willen ist der Mensch nicht schuldig zu sprechen.
    Ohne Schuld ist der Mensch nicht innerlich zu demolieren.
    Ohne den Menschen eines sicheren Existenz-Fundaments zu berauben, könnte er das Nicht-Menschliche in ihm, das Böse, nicht als Schlechtes in die Welt bringen.

    Zäumen wir das Pferd (hoffentlich kommt Nick bald wieder) von hinten auf.
    Dem Leben geht es darum, feindselige Informationen zu inszenieren. Dazu braucht es einen entsprechend informierten Menschen, und eine Gesellschaft. Und es braucht keine „Friede-Freude-Eierkuchen-Bauchpinselei“, sondern einen Rahmen, der Krieg unabdingbar macht.
    Wie macht man einen Menschen kriegerisch. Man tritt ihm in die … und sagt: Selber Schuld.
    Der Phantasie sind und waren diesbezüglich scheinbar niemals Grenzen gesetzt.

    Nun fragt sich, ob man einer durch die Jahrtausende hindurch verarschten Menschheit nicht doch die Krone aufsetzen könnte; wenigstens eine kleine.

    Gruß
    Wolfgang

    (Danke Martin, dass Du hier weiter befeuerst)

  19. federleichtes
    Februar 4, 2013 um 9:27 pm

    Eigen-Zitat:
    „… sondern einen Rahmen, der Krieg unabdingbar macht.“

    Na, wie wär’s denn da noch mit der Idee des Eigentums?

    Und herrschaftlicher Priviligien? Adel, Blaues Blut, WIR SIND GOTT.

    Und einer KK-Sekte, die Frauen als Fehler des Lebens deklariert. Und im Namen der Liebe geißelt und rafft. Da kann ein Mensch schon wütend werden, gell.

    Gruß
    Wolfgang

  1. Februar 5, 2013 um 11:17 am

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