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Die fliegende Raupe

Wer sie noch nicht kennt, es ist eine schöne Geschichte, die uns unser Spiel zwischen Bedeutungsträgern (Wissenschaftlern, Religionsvertretern) und Verrückten (Querdenkern) vor Augen führt:

Die fliegende Raupe, von Guilad Shadmon, Übersetzung von Peter Staaden

Es war einmal, vor sehr langer Zeit, eine Familie von Raupen, die auf einem sehr alten Maulbeerbaum lebte. Sie krochen aus ihren Eiern heraus, aßen während ihres Lebens viele Blätter, und vollendeten es, in dem sie sich in eine Puppe verwandelten. Diese Raupen hatten eine kluge Weltsicht, aber sie konnten sich nicht vorstellen, wo die Eier herkamen, denen sie entsprungen waren. Sie nahmen an, dass sie aus diesen Eiern stammten, denn sie sahen, wie die jungen Raupen herausschlüpften. Da die Schmetterlinge aber nachts ihre Eier ablegen, konnten die Raupen nicht wirklich wissen, woher sie kamen.

Trotz allem hätten die Raupen, selbst wenn sie nachts hätten sehen könnten, die Schmetterlinge nicht wahrgenommen, denn sie können nur nach unten schauen, in Richtung des Blattes, welches sie gerade verzehren wollen. Zudem bevorzugen es die Schmetterlinge, über den Blättern zu fliegen, und sie nur selten mit den Enden ihrer Beinchen zu streifen.

Woher stammten die Eier, gibt es ein Weiterleben nach der Verpuppung, diese Fragen interessierten keine große Anzahl von Raupen. Sie waren meistens damit beschäftigt, die saftigsten und grünsten Blätter zu verspeisen. Im allgemeinen beschränkten sich ihre Unterhaltungen darauf, wie man die äußersten Äste erreicht, und wo die grünsten und wohlschmeckensten Blätter wachsen. Nach ihrer Vorstellung ist man die glücklichste aller Raupen, wenn man es geschafft hat, das entfernteste und grünste Blatt zu erreichen.

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  1. prozessor nane
    Januar 18, 2013 um 10:12 pm

    ob hier wohl merkbares echo kommt ? 🙂

    • Januar 18, 2013 um 10:47 pm

      Das würde mich zumindest freuen, wenn auch mal von Jenen, die ständig das eine Sternchen geben, mal was sagen würde 🙂

    • federleichtes
      Januar 19, 2013 um 2:29 am

      Meintest Du etwas in der Art:
      Wikipedia:
      „Die britische Elektro-Pop-Gruppe The Human League widmete dem Todeskampf der Seidenraupenpuppe 1978 den Song Being Boiled. Der Anfang lautet ins Deutsche übersetzt in etwa: „Hört auf Buddhas Stimme, die sagt: Hört auf mit der Seidenraupenzucht! Kleine Leute [gemeint sind die Seidenraupenpuppen] wie euer eigener Nachwuchs werden lebendig gekocht für irgendjemandes Socken“.

      Wolfgang

  2. Anna Purna
    Januar 19, 2013 um 2:32 pm

    vielen Dank für diese wunderbare Geschichte!
    Hat mich zu Tränen gerührt und ich werde sie meinem Freund heute Abend vorlesen!
    lg Anna

  3. anja
    Januar 20, 2013 um 5:57 pm

    wenn DU DICH auch als RAUPE FÜHLST,:(,;), dann SUCHE den SCHLÜSSEL für DEIN GEHEIMNIS, und DU wirst zum schönen SCHMETTERLING!!!!

  4. anja
    Januar 20, 2013 um 6:02 pm

    WOW wie poetisch, ODER noch ausbau fähig.

  5. federleichtes
    Januar 21, 2013 um 10:38 am

    Also, wenn Null-Raff-Trägspinner SO sind, dann finde ich sie göttlich.

    Susanne

  6. federleichtes
    Januar 21, 2013 um 12:27 pm

    @ Anja
    wenn DU DICH auch als RAUPE FÜHLST,:(,;), dann SUCHE den SCHLÜSSEL für DEIN GEHEIMNIS, und DU wirst zum schönen SCHMETTERLING!!!!“

    In meinem Leben begegneten mir einige Interpretationskünstler. woraus ich lernte: Nichts ist tragfähiger als eine plausible Illusion. Ich traf auch solche, die Einen fahren lassen und den Nachbarn vorwurfsvoll anschauen. Und solche, die aus’m Kaffeesatz manchen Satz formulieren können. Wau, darauf besann ich mich gerade und las in meinem Kaffeesatz – Erstaunliches heraus: Ich BIN Kaffeetrinker.

    Sich als Raupe fühlen ist ein wunderbares Fühlen. Raupe SEIN etwas ganz anderes, weil es dann kein Geheimnis mehr gibt und nur ein bisschen Zeit der Schlüssel ist für das Erscheinen einer WAHREN Bestimmung.

    Niemand macht aus einer Raupe einen Schmetterling. Die meisten Raupen werden gefressen und sind vielleicht gerade die Nahrung, die die Vögel singen lässt. Die einen wollen fliegen, die anderen wollen singen, und es wird geflogen und gesungen. Wat’ne Welt. Voller Geheimnisse und voller Offenbarungen. Und wir leben in einer Zeit verschärfter Offenbarungs-Optionen, wo sogar Raupen das Singen anfangen. Man könnte meinen, das Unaussprechliche selbst könne sprechen.

    Allen einen ausgesprochen erfreulichen Tag.

    Wolfgang

    • Januar 21, 2013 um 12:49 pm

      Was mir gerade so durch den Kopf geht:
      Wenn wir der Meinung sind, dass das Fressen (Vogel) und Gefressenwerden (Raupe) in unserer Natur die normale Ordnung ist, warum machen wir dann eigentlich so eine Wallung, wenn der eine Mensch den anderen frisst (der Eine sich auf Kosten des Anderen einen Vorteil verschafft), sprich hier einen gewaltigen Unterschied? Sind Menschen so viel anders als Tiere und dürfen dem „Natürlichen“ nicht seinen Lauf lassen?
      Hmmmmmm

      • Januar 21, 2013 um 1:00 pm

        Und müssen nicht für die Erstellung auch eines Fahrrads, das ich zur schnelleren Fortbewegung nutze, so wie der Hütte, die ich zum wohligen Wohnen nutze, nicht auch Natürlichkeiten geopfert werden? Wo fangen wir an, die Grenzen zu ziehen?
        Was, wenn alles nur eine „Matrix“ ist, unser Kopfkino, und es in Wirklichkeit keine Realität gibt? Wäre es dann nicht völlig egal, was passiert, weil wir als Schöpfer unserer Wirklichkeit es selbst in der Hand haben?
        Was, wenn es nur uns selbst gäbe und der Rest ausgedacht?
        Müssten wir dann nicht allein aus Willenskraft in ein anderes Bewusstsein finden, wo es friedlicher zugeht?
        Was wäre dann Trennung? Das Überich (Schöpfer) vom Ich, das sich scheinbar auf dieser Matrix-Erde rummüht?
        Wäre unendliche Liebe dann die vollständige Verbundenheit des Lebens-Ichs mit dem Schöpfer-Ich?
        (Gedanken, die sich mir aus dem gestrigen Workshop ergaben)
        Nachdenklich, Martin

      • federleichtes
        Januar 21, 2013 um 1:26 pm

        Natürlich lassen „Menschen IHRER Natürlichkeit (relativ) freien Lauf.
        Genau DAS erschuf das Bild unserer Welt.
        Wenn Du dieses Elens-Bild mit „das ist mein Wille“ unterschreibst, hätten wir mal klarere Sicht auf Deine Kern-Intention.

        Ich frage mal: Wie findet man zu einem Herrn Schallehn? Doch nicht im Kreise der Menschenfreunde.

        Und noch eins.
        Das Fressen und Gefressenwerden in der Natur ist geregelt in einem Kreislauf. Gäbe es den in der Menschenwelt auch, brauchte es weder Menschenfreunde noch Deinen Blog. Es brauchte keinen Zenit und keinen Guido, und Pferde, die traurig gucken, gäbe es auch nicht.

        Gruß
        Wolfgang

        • Januar 21, 2013 um 1:33 pm

          Der Herr Schallehn fand von selbst in die Gruppe Kooperation statt Konkurrenz (in den letzten Tagen hat sich die Mitgliederzahl verdoppelt), und hat hier den Text hinterlassen, den ich vorgestellt habe.
          Jetzt können wir spekulieren:
          Wurde er angezogen, weil sein Denken sich geändert hat und er auf seine Weise (derzeitige Sozialisierung) die Welt verbessern will?
          Oder ist er bewusster Trittbrettfahrer, um sich hier via Marktnische neue Klientel zu angeln (Siehe Guidos Anmerkung zur Skepsis)?

      • Januar 21, 2013 um 7:29 pm

        Was meinst Du mit einer Spezies?
        Sind die anderen Wesen dieser Erde keine?
        Gehören unsere Halbbrüder, die Primaten dazu?

  7. federleichtes
    Januar 21, 2013 um 2:10 pm

    Ja!
    Ja!!
    Ja!!!

    Was ist, wen nicht ein Fehler im System ist, sondern der „Fehler“ die bestimmte Programmierung des Systems erzwang?

    Wie fragte uns Albert:
    Wie viel Freiheit hatte Gott bei seiner Schöpfung?

    Stellen wir uns vor, eine Verkehrte Welt erscheint – und sie ist richtig programmiert. Das machte ein Reboot unnötig, wenn, ja wenn die Programmierung ZIELführend war.

    Danke und herzliche Grüße.

    Wolfgang

  8. federleichtes
    Januar 21, 2013 um 10:00 pm

    @ Bernhard
    „Der Vogel der die Raupe frisst ist kein Kannibale,
    der Mensch der einen anderen frisst schon.
    Mir würde es bei einem Halbbruder aus der Primatenschaft den Magen nicht halb so sehr umdrehen, wie das bei einem Menschen der Fall wäre, dennoch würde ich keinen dieser Halbbrüder fressen wollen, aber vielleicht ist das ja Geschmacksache.
    Die Infragestellung, ob wir uns als vom eigenen Gemeinschaftsleben abhängige Wesen sozial verhalten sollten, erscheint mir nicht nachvollziehbarer als die eigene Hand fressen zu wollen.“

    Kannibalismus lasse ich mir noch gefallen. Hat das nicht wenigstens manchmal ein bisschen auch mit Hunger zu tun?
    Die Infragestellung eines Gemeinschaftslebens? Hab‘ zwar in Geschichte immer gepennt, aber ich glaube mich dunkel erinnern zu können, dass es ein Gemeinschaftsleben in dem Sinne, wie Du und ich das verstehen, in der Menschengeschichte niemals gab.

    Wir haben uns vorhin über die Realität der Menschlichkeit unterhalten. Ab und an schrieb ich hier mal darüber – NULL-Reaktion auf die grauslichsten Grauslichkeiten. Das Elend der Welt interessiert doch wirklich (fast) niemanden.
    Und wenn ich von feindseligen Informationen spreche, lieber Bernhard, gibt’s Daumenrunter, bestenfalls wird das Thema ignoriert.
    Und wenn ich schreibe, der Mensch mit seiner „Natur“ steht UNTERHALB der Tiere, denken doch die meisten, ich hätte den Schuss nicht gehört.
    Und wenn ich schreibe, die Staaten müssen aufgelöst, die Politik verbannt, die Glaubensveriwrrung aufgelöst und Eigentum abgeschafft werden, denken die Leser, mein Hobby wäre gegen Schleusen zu schwimmen.
    Vorgestern träumte ich, sie holen mich ab.

    Sagen wir mal so:
    Das Leben in der Natur ist existenzfreundlich organisiert, die Natur der Menschen ist gegen die eigene Existenz gerichtet als organisierte Existenzvernichtung, nicht zu vergessen, in schillernden Perversitäten vollzogen. Währenddessen organisiert die Menschlichkeit Wohltätigkeitsveranstaltungen. Bravo! Rührt euch! Weiter machen! Dat Aftershave ist wichtig und der Köter muss zum Frisör.

    Ne, ne. Nicht wir verändern die Welt; wir müssen aufpassen, dass die Welt uns nicht verändert.

    Euch einen guten Abend.

    Wolfgang

    • Januar 21, 2013 um 10:47 pm

      Vorgestern träumte ich, sie holen mich ab.

      Hab zwar nicht geträumt, aber auch schon so gedacht, wenn ich über das Thema Anarchie schrieb. Denn das zu wollen, wäre definitiv staatsfeindlich.

      Hab’ zwar in Geschichte immer gepennt, aber ich glaube mich dunkel erinnern zu können, dass es ein Gemeinschaftsleben in dem Sinne, wie Du und ich das verstehen, in der Menschengeschichte niemals gab.

      In der Schule wird das auch nicht durch genommen. Denn wäre wir über die Anarchisten von 1933 bis 1936 in Spanien aufgeklärt worden. Denn das war genau diese Gemeinschaft auf Augenhöhe mitten in Europa, nachzulesen bei Horst Stowasser (Anarchie!: Idee – Geschichte – Perspektiven) dann hätte es womöglich auch schon hier so etwas gegeben …

  9. Januar 22, 2013 um 12:09 am

    🙂 🙂 🙂

  10. federleichtes
    Januar 22, 2013 um 12:11 am

    Fast hätte ich gewiehert.
    Susanne

  1. Januar 19, 2013 um 7:07 am

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