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Prof. Wolfgang Berger über die Sternstunden der Geschichte und die Notwendigkeit einer neue Finanzordnung

Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger

Ich hatte heute Prof. Wolfgang Berger angefragt, ob er unsere Initiative Wirtschaftsdemokratie unterstützen möchte und auch als Autor sich aktiv beteiligen wolle. Dazu schickte er mir einige Texte, worunter auch der nun  folgende war, und den ich Euch nicht vorenthalten möchte. Herr Berger fasst nochmals eine Reihe von kritischen Punkten zusammen, die wir auf dem Blog schon in einzelnen Artikeln bearbeitet hatten und entwirft eine Alternative zur jetzigen Finanzordnung, die er wie viele von uns am Ende sieht. Herr Berger ist Philosoph und Ökonom. Er hat in Deutschland, Ghana, Frankreich, Indien, Italien, Argentinien, den USA und dem Iran gearbeitet, am längsten bei der Schering AG (zuletzt als Personalchef). Er hat mehrere Bücher und zahlreiche Fachartikel veröffentlicht. Jetzt bereitet er mittelständische Unternehmen auf eine Zeit vor, in der jene neuen Regeln gelten,wie wir diese auch in der Initiative Wirtschaftsdemokratie formuliert haben:
Die Resonanzschmiede.

Die Sternstunden der Geschichte

Es gibt Phasen in der Geschichte, die die Historiker als Zeitenwende bezeichnen. Die Regeln, nach denen das Gemeinwesen funktioniert, ändern sich. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Die Lebensumstände der Menschen werden umgekrempelt. Auslöser kann eine Erkenntnis sein, die plötzlich überall in der Luft liegt. Es kann auch eine Erfindung, Entdeckung oder ein anderes einschneidendes Ereignis sein. Irgendetwas hat die Zeitqualität verändert. Solche Zeitenwenden bieten den Menschen die Möglichkeit, den weiteren Verlauf der Geschichte so zu  gestalten, wie sie es für richtig halten. Wir erleben gerade jetzt eine solche Phase und sollten die historische Chance ergreifen, die sie uns bietet.

Vor 500 Jahren ließ sich das in allen Religionen geltende Zinsverbot kaum noch durchsetzen. War der Zins ursprünglich als Strafe für verspätete Rückzahlung geliehenen Geldes gedacht, so wurde er nach und nach als laufende Gebühr legalisiert. Schulden wurden kriminalisiert und kriminalisierten das gesellschaftliche Leben. Wer sie nicht zahlen konnte, dem wurden sie in Schuld vor Gott verwandelt und er wurde – von menschlichen Vollstreckern des göttlichen Willens – am Galgen gehängt. Vor der französischen Revolution haben sich die Verhältnisse dann umgekehrt: Die Staatsbankrotte sind jedes Mal so gelöst worden, dass alle noch im Lande befindlichen Gläubiger geköpft worden sind.

Eine Welt in Schulden getränkt

Heute nun erleben wir etwas ganz Neues: Die Welt wird gezielt in einen Schuldensumpf hineingezogen. Jaime Roldós, Präsident Ecuadors und Omar Torrijos, Präsident Panamas in den 80er Jahren weigern sich ihre Länder zu verschulden und kommen bei Flugzeugabsturz ums Leben, die die Handschrift von Anschlägen des amerikanischen Geheimdienstes tragen. 2000 beschließt Iraks Machthaber Saddam Hussein Öl nicht mehr gegen Dollar, sondern nur noch gegen Euro zu liefern. Daraufhin wird er verdächtigt, Massenvernichtungswaffen zu haben. Das Land wird zerbombt, zerstört und von amerikanisch-britischen Truppen besetzt. 2005 wird Hussein zum Tode verurteilt und gehängt.

Um 1980 beginnt Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi mit der Erschließung eines unterirdischen Süßwassersees im Südosten seines Landes: 35.000 Kubikkilometer bestes Trinkwasser – ein 100 Meter tiefer See von der Größe Deutschlands. Er kann ganz Nordafrika 5.000 Jahre lang mit Trinkwasser versorgen. 2010 steht das mit russischen Ingenieuren verwirklichte Projekt vor der Vollendung – aus Eigenmitteln finanziert, ohne Kredite westlicher Banken. Gaddafi beschließt dann noch, libysches Öl nur noch gegen Euro und nicht Dollars zu verkaufen. 2011 beginnen von ausländischen Söldnern geschürte Aufstände. Britische, französische und amerikanische Truppen bombarideren das Land. Gaddafi wird gestürzt und ermordet.

Das ZDF hat uns Filmaufnahmen vom Aufstand gegen Gaddafi in der ostlibyschen Stadt Bengasi gezeigt: Vor Wut tobende, Fahnen schwenkende Demonstranten. Wer genau hingeschaut hat, konnte die Fahnen identifizieren: Sie waren nicht von Libyen, sondern vom arabischen Königreich Barhain. Dieser Aufstand ist von saudischen Truppen brutal niedergeschossen worden – mit aus Deutschland gelieferten Panzern. Es gab sehr viele Tote, aber kaum Berichte in westlichen Medien.

Die Gehirnwäsche, der wir mit Falschinformationen unterzogen werden, geht bei dem aktuellen Bürgerkrieg in Syrien weiter: Die ARD hat uns Bilder von Schlägertrupps gezeigt, die mit Knüppeln Demonstranten gegen das Regime von Baschār al-Assad blutig und bewusstlos schlagen. Wer ahnt schon, dass das gar keine Bilder aus Syrien sind, sondern uns viele Jahre alte Aufnahmen aus dem Irak unter amerikanisch-britischer Besatzung präsentiert worden sind. Syrien wird von China und Russland finanziert, nicht vom westlichen Bankensystem.

2001 beschließt der Iran, Öl nicht mehr gegen Dollars zu verkaufen. Damit verstößt er gegen eine seit 1971 geltende ungeschriebene Regel und wird so – wie auch Irak, Iran und Nordkorea – von George W. Bush der „Axis of Evil“ (Axe des Bösen) zugeordnet. Seitdem betreiben die angelsächsischen Mächte eine konsequente Politik der militärischen Einkreisung Irans und seiner Isolierung in der „Weltgemeinschaft“. Die USA saugen ¾ der Ersparnisse der ganzen Welt auf und finanzieren damit ihre Militärmacht. Mehr als 10.000 Milliarden Dollar sind in amerikanischen Staatsanleihen angelegt, die niemals zurückgezahlt werden, weil sie niemals zurückgezahlt werden können.

Der amerikanische Ökonom Adam P. Sharp hat den Schuldenberg der USA mit 202 Billionen Dollar errechnet – fast eine Million für jeden einzelnen Amerikaner. Es ist eine Steuer, mit der die ganze Welt die US- Militärmaschinerie finanziert. Weil amerikanische Presseagenturen die Weltmeinung steuern, erfahren wir in unseren Medien davon nichts. Auf jeden Griechen entfällt nur der lächerliche Betrag von 30.000 Euro an staatlichen Schulden. Mit Rücksicht auf Europa wird Griechenland ohne Bomben unterdrückt. Die griechische Ägäis ist möglicherweise ebenso ölreich wie Libyen. Griechenland wird nun gezwungen, seine Reichtümer zu privatisieren.

Als der griechische Ministerpräsident George Papandreou im letzten Jahr sein Volk befragen wollte, ob er sich dem Diktat der Finanzmärkte beugen sollte, war der Druck auf ihn so stark, dass er wenige Tage später zurückgetreten ist. Vielleicht ist er damit einem Flugzeugabsturz entkommen. Er hätte nicht sein Volk, sondern den Finanzsektor fragen sollen. Demokratie irritiert die Finanzmärkte. Der Euro-Rettungsschirm ESM ist deshalb auch so konstruiert, dass Wähler auch ohne Bomben dem Diktat des Finanzsektors unterworfen werden. Besser als Krieg ist das schon.

US-Präsident Abraham Lincoln wollte den Dollar – eine Privatwährung – verstaatlichen und ist ermordet worden. John F. Kennedy hatte bereits staatliche Dollars ausgegeben. Am Tag seiner Ermordung hat sein Nachfolger Lyndon B., Johnson diese Maßnahme annulliert. US-Präsident Franklin D. Roosevelt hat in seiner Antrittrede 1933 gesagt: Die Kreditgeber bestimmen die Religion und als einzige Methode zur Lösung der Schuldenkrise schlagen sie noch mehr Schulden vor. Der klassische Ökonom Adam Smith hat uns den Hintergrund dieser Zusammenhänge vor 250 Jahren offenbart: Es gibt zwei Wege zur Versklavung einer Nation. Der eine ist durch das Schwert, der andere durch Schulden. An diesem Punkt stehen wir heute wieder. Der amerikanische Finanzjournalist Max Keiser bezeichnet die Finanzmogule deshalb als Papierterroristen.

Krise als Chance – Es gibt eine Lösung

Sternstunden der Geschichte sind ohne Krise kaum zu haben. Seit 500 Jahren hat die Weltherrschaft einzelner europäischer Mächte immer etwa hundert Jahre gedauert: Portugal 1450 bis 1530, Spanien 1530 – 1640, Niederlande 1640 – 1720, Frankreich 1720 – 1815, Großbritannien 1815 – 1920, USA 1920 bis – das Ende naht. Schulden zementieren die Herrschaftsverhältnisse. In der Geschichte sind weit mehr Revolten durch Schulden ausgelöst worden als durch Sklaverei oder Unterdrückung. Die Sumerer hatten für Freiheit den Begriff Amargi und das bedeutete: Frei von Schulden.

Wir stehen an einem Wendepunkt in der Geschichte. Unsere Staaten haben sich verschuldet, um die Banken zu retten und sind nun handlungsunfähig. Die Finanzindustrie hat sich die Politik unterworfen. Die Regeln der Globalisierung zerstören den Mittelstand und drücken die Einkommen der Arbeitnehmer langfristig auf Weltlohniveau – heute das Niveau in China oder Indien, in einigen Jahren sicher etwas höher, aber weit unter europäischen Maßstäben. Mit grün bedrucktem Papier (der Privatwährung Dollar) kauft der Finanzsektor die Rohstoffe, Ländereien und werthaltigen Produktionsstätten der Welt auf und unterwirft die Menschen – ganz so wie Franklin D. Roosevelt und Adam Smith es vorausgesagt haben.

Kapital vermehrt sich von selbst. Weil Kapital (oder Geld) aber nicht arbeiten kann, muss diese Vermehrung von allen Nicht-Kapitalisten – Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Realwirtschaft – erarbeitet werden. Beide werden so zu Sklaven des Finanzsektors. Aber die Lösung ist einfach: Wir brauchen einen Systemwechsel, nach dem Geld sich nicht mehr von selbst vermehren kann und Reichtum nur noch durch Arbeit entsteht:

  • Die Zentralbank steuert die Geldmenge. Geschäftsbanken verwalten die Guthaben auf ihren Girokonten im Auftrag der Zentralbank. Kredite können sie nur noch vergeben, wenn sie über entsprechende Einlagen verfügen. Das für den Wirtschaftskreislauf benötigte Geld überweist die Zentralbank direkt – und zinsfrei – an den Staat (in der Eurozone an die Staaten der Eurozone).
  • Girokonten und Bargeld werden mit einer Gebühr belastet – einem Umlaufimpuls. Bei Bargeld geschieht dies mit einem Chip oder Barcode. Die Gebühr wird von der Zentralbank so festgelegt, dass der Zins auf dem Markt um Null pendelt. So kann sich Geld nicht mehr von selbst vermehren, wird aber von der Gebühr wieder in den Kreislauf gelockt. So wie Blut das Leben des Körpers und Wasser das Leben in der Natur erhält weil es fließt, erweckt dieses fließende Geld die Wirtschaft zum Leben und schafft Reichtum dort, wo Werte geschaf­fen werden.
  • Bei einem Zins um Null sinken die in alle Preise hineinkalkulierten Zinsen sämtlicher Stufen der Wertschöpfungskette – heute im Durchschnitt 40 Prozent. Darüber hinaus entfallen die Zinsbelastungen öffentlicher Haushalte. Zusammen macht das die Hälfe unserer Ausgaben aus. In Preisen von heute haben wir dann die doppelte Kaufkraft. Diese Verbesserung wird vermutlich über den Arbeitsmarkt durch die Erhöhung der Arbeitseinkommen erfolgen, weil viele Menschen mit doppelter Kaufkraft lieber halb so viel arbeiten als ihren Lebensstandard zu verdoppeln. Damit ist die Umver­teilung von unten nach oben gestoppt. Die Finanzordnung wird da Fundament einer solidarischen Gesellschaft.
  • Eine Vermögenssteuer schöpft einen Teil der Vermehrung großer Vermögen ab und eine Erbschaftssteuer einen Teil großer Erbschaften. Kapitalflucht ins Ausland wird strafrechtlich geahndet. Für Angehörige von Staaten, die nicht kooperieren, wird eine Visumpflicht mit hohen Hürden eingeführt. Jegliche finanziellen Verbindungen mit solchen Staaten werden ebenfalls zum Straftatbestand – mit internationalem Haftbefehl. Bereits ins Ausland geflüchteten Inländern, die sich der inländischen Gerichtsbarkeit entziehen, wird die Staatsbürgerschaft aberkannt.
  • Weil Reichtum nur noch durch Arbeit entsteht, öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch weiter. Wir erhalten eine ausgewogene und faire Einkommens- und Vermögensverteilung, die die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Menschen spiegelt. Das ist fair.
  • Spekulation kann sich allenfalls als eine Schaumkrone auf den Wellen des Meeres halten – eines Meeres von real wirtschaftenden Menschen und Unternehmen, die den Wohlstand aller erhalten und vermehren Das ist vernünftiges Haushalten – oikos nomos, was Ökonomie auf Griechisch bedeutet.
  • Hohe Einkommensunterschiede destabilisieren nicht länger die Nachfrage. Damit gehört das Auf und Ab von Konjunkturschwankungen der Geschichte an. Die Wirtschaft entwickelt sich stetig und gleichmäßig. Das ist nicht die Lösung aller Probleme, aber das Ende des zentralen Konstruktionsfehlers unserer Finanzordnung.
  • Die neue Geld- und Finanzordnung macht plötzlich langfristige Investitionen rentabel. Das hat zur Folge, dass Unternehmen für die Zerstörung der Umwelt von den Finanzmärkten nicht mehr belohnt werden (wie es jetzt noch der Fall ist). Nachhaltiges Wirtschaften wird rentabel und setzt sich deshalb durch.
  • Kriege zur Erhaltung des Systems sind unnötig und werden deshalb auch weitgehend verschwinden. Wir können einer anhaltenden Friedensphase entgegen sehen, in der es der Menschheit gelingen kann, den wunderschönen Planeten Erde in das zu verwandeln, als das er erschaffen worden ist: Ein Paradies für zehn Milliarden Menschen.

 Das Undenkbare denken!

 Wer Liebe in sich trägt und sie für sich behält, lässt sie ver­kümmern, denn Liebe braucht das Du und erblüht im Kontakt mit an­deren Menschen. Wer Wissen hat und es für sich be­hält, zerstört es. Wer es mit anderen teilt, vermehrt es. Wer Geld hat und es für sich behält, kann täglich zäh­len, wie es sich vermehrt – so wie Der Geschäftsmann von Antoine de Saint-Exupéry, aber er erntet kei­ne Freude und kein Glück. Geld heißt im Altenglischen gilt und das gleichlautende guilt heißt heu­te Schuld. Wer viel Geld hat, schul­det anderen etwas. Wenn er diese Schuld aber nicht sehen will, macht er sich schuldig an denen, die die­ses sein Geld erarbeitet haben.

Diese Vorschläge finden Sie in keiner Zeitung, Radio- oder Fernsehsendung. Alle Redaktionen müssen gegenüber ihren Eigentümern oder großen Inserenten vorauseilenden Gehorsam leisten und die Lösung für eine Reform unserer Geld- und Finanzordnung totschweigen, wenn sie ihren Arbeitsplatz nicht riskieren wollen. Das können wir ihnen nicht verdenken. Deshalb ist das Internet der einzige Weg, diese Ideen zu verbreiten. Nutzen Sie ihn.

Unsere heutige Geld- und Finanzordnung nützt einem Prozent der Bevölkerung und benachteiligt 99 Prozent. Auch wenn Sie zu dem einen Prozent Nutznießer gehören: Wollen Sie in einer Revolution untergehen und alles verlieren? Es ist besser, Sie unterstützen diejenigen, die eine bessere Welt erschaffen wollen.

Ich habe eine Initiative mit begründet, die den Systemwechsel vorbereitet, den ich hier vorgestellt habe: www.lust-auf-neues-geld.de. Meine Kollegen und ich kommen gern zu Ihnen, wenn Sie ein Publikum für einen Vortrag oder ein Seminar organisieren. Rufen Sie uns einfach an oder schicken Sie uns eine Email. Sie sind nicht nur verantwortlich für das, was Sie tun, sondern auch für das, was Sie nicht tun. Nutzen Sie diese Sternstunde der Geschichte und werden Sie zum Mitschöpfer eine gute Zukunft.

Danke.

Wolfgang Berger

Text als PDF-Datei: Sternstunden der Geschichte

  1. Dezember 19, 2012 um 1:58 pm

    Dadurch, dass einige Schrauben gelockert oder festgezurrt werden, Löcher mit einem Splint verschlossen werden, ändert sich am System „Geld“ noch lange nichts. Die Räder drehen sich nur schneller oder langsamer, hier und da wird ein Transmissionsriemen umgelegt. Durch den Wegfall von Zins und Zinseszins werden wohl Symptome gemildert, allein die Krankheit ist noch da.

    – Die unterschiedliche Leistungsfähigkeit von Menschen; wer will das beur-Teilen, im Grunde ist es eine Anmaßung, denn bis hierher ist nur dieser Mensch „in seinen Schuhen gegangen“.

    – „Kapitalflucht wird stafrechtlich vefolgt“, na ja „Futter für die Masse“. Es wäre gut wenn wir uns in die Lage versetzen, Bedingungen zu schaffen, die Gedanken an kriminelle Handlungsweisen erst gar nicht aufkommen lassen. Geld an sich wirkt da eher kontraproduktiv. Ob das nun die bedruckten Zettel, oder ehemals das „Salzgeld“ (was ja immerhin noch lebensnotwendig war) sind – die Aufzählung lässt sich fortsetzen (Fortschritt – Guido), spielt in diesen Zusammenhängen eine sehr untergeordnete, besser keine Rolle.
    Geld ein Mittel die Gier für kurze Zeit zu befriedigen.

    – Reichtum ensteht wenn jemand Anderem etwas vorenthalten / gestohlen wird. Dieser Spielplatz Erde hat nun mal nur ein begrenztes Potential, wenn Raubbau betrieben wird. Und Geld , ob mit oder ohne Zins, von einer staatlichen Zentralbank herausgegeben oder einer privaten, da es in unterschiedlichem Maß die Existenz sichern muss, dient es nach wie vor als Daumenschraube, Mittel des Zwangs und der Manipulation.

    – Ist rentabel was Geld bringt, wenn auch ohne Zins, oder ist rentabel was lange nutzbar ist und Schäden an Um-Welt und Menschen minimiert?

    -„Kriege… sind unnötig“ – Kriege und Gewaltausbrüche wird es solange geben, wie unsere Lebensgrundlagen Privateigentum sind. Was zum Leben gebraucht wird, Wasser (siehe Palästina), der Boden auf dem unsere LEBENSmittel angebaut werden (Monokulturen, Monsanto), Energie (Öl im Mittleren und Nahen Osten), Wälder (Amazonasregenwald), die Rohstoffe zur Herstellung unserer Kleidung (wo ist der Hanf geblieben?), daraus darf kein Profit entstehen, der Zugriff darf sich nicht in wenigen Händen befinden. Wenn daraus kein Profit mehr gezogen wird kommen wir vllt. mal an einen Punkt der Wohlstand für Alle heißt. Wohlstand allerdings ist nicht nur eine Frage der materiellen Sicherheit sondern beinhaltet geistige und spirituelle Dimensionen zu denen wir erst mal gelangen müssen, wenn wir wollen natürlich. Liebe inbegriffen.

    Geld zemetiert in ihrem Scenario nach wie vor unsere fraktale Wirklichkeit,ohne die Chance in sich zu bergen die Fraktale wenigstens zu einem Ganzen zusammen fügen zu können.

    Danke für Ihren Abriss der jüngeren Historie. Schön das Alles mal kompakt zu lesen.
    Bahrein, da hat sich niemand aufgeregt, weil totgeschwiegen.

    Allen einen schönen Tag noch
    Martina

    • maretina
      Dezember 19, 2012 um 8:17 pm

      Entschuldigt bitte, der Link führt nicht direkt dahin, wohin ich dachte. Also hier mal ein kopierter Text:

      DER SPIEGEL 30 / 2011
      M E N S C H E N R E C H T E

      „Mein Land ist eine Wüste“

      Der Schriftsteller Ali al-Dschalawi, 36, über die Gewalt gegen Künstler in Bah – rain und seine Flucht vor dem Regime

      SPIEGEL: Herr al-Dschalawi, Sie sind ein bekannter Dichter in Ihrer Heimat
      Bahrain, suchen jetzt aber Zuflucht in Deutschland. Warum?

      Al-Dschalawi: Nach den prodemokratischen Protesten im Februar gab es überall im Land Razzien, viele Menschen wurden verhaftet. Ich habe vor Demonstranten auf einem großen Platz in der Hauptstadt Manama ein Gedicht rezitiert, und als meine Eltern anschließend Besuch von Sicherheitskräften be kamen, wusste ich, dass ich Bahrain verlassen musste. Ich fuhr zuerst in den Libanon und kam so nach Deutschland.

      SPIEGEL: Wovor hatten Sie Angst?

      Al-Dschalawi: Ich war in den neunziger Jahren schon zweimal im Gefängnis. Das erste Mal wegen eines Gedichts, das ich mit 17 Jahren geschrieben hatte, das zweite Mal wegen einer Kampagne für politische Rechte, an der ich mich beteiligt hatte. In dieser Zeit wurde ich gefoltert, und das wollte ich nie wieder erleben müssen.

      SPIEGEL: Hat die Gewalt gegenüber oppositionellen Schriftstellern in den
      vergangenen Monaten zugenommen?

      Al-Dschalawi: Es gab schon immer drei große Tabus, über die nicht geschrieben
      werden durfte: Sex, Religion, Politik. Dafür kam man früher direkt ins Gefängnis. In den vergangenen Jahren hatte sich die Lage ein wenig gebessert, aber jetzt ist es so schlimm wie nie. Ich kenne zwei Autoren, die nach zwei Tagen im Gefängnis gestorben sind.

      SPIEGEL: Was haben Sie in Deutschland vor?

      Al-Dschalawi: Mein Übergangsvisum ist gerade ausgelaufen, zum Glück hat mir die
      Schriftstellervereinigung PEN ein kleines Stipendium in Weimar organisiert. Dafür
      bin ich sehr dankbar, es erspart mir den langwierigen Asylantrag.

      SPIEGEL: Glauben Sie, dass sich die Lage in Bahrain bald verändern wird?

      Al-Dschalawi: Nein. Die Königsfamilie und die Minister sind schon sehr lange in ihren Ämtern, und sie werden alles daransetzen, ihre Macht zu erhalten. Ich denke, dass ich lange in Deutschland bleiben muss. Aber auch wenn mein Land eine Wüste ist, will ich dorthin zurück. Dort habe ich meine Frau und meinen zehn Jahre alten Sohn zurückgelassen.

  2. federleichtes
    Dezember 19, 2012 um 3:33 pm

    Ja, Martina, schön das alles mal zu lesen:

    „- Die unterschiedliche Leistungsfähigkeit von Menschen; wer will das beur-Teilen, im Grunde ist es eine Anmaßung, denn bis hierher ist nur dieser Mensch “in seinen Schuhen gegangen”.

    Die Leute, die hier meinen an Schrauben und Schräubchen drehen zu müssen, tun das nämlicih IMMER mit Blick auf den eigenen Arsch. Sie rechtfertigen mit „ihrer“ (???) Leistung Vermögen und Mehrwert, menschlichen Mehrwert – analog anderen Minderwert. Meine Oma würde sagen, da erscheint die Wurzel des Rassismus in Concert mit Stolz und Gier – in Bildern der Angst. Ja, Geld beruhigt die Angst, je weniger es brennbar und fremdabgreifbar ist. Geld, das Zuhause der Angst (Hallo Bernhard).

    Im Anfang ist das Wort: FÜHLT euch im Besitz eures Eigentums.

    Ja, Martina, der Tag bleibt schön, gell.

    Gruß
    Wolfgang

    • maretina
      Dezember 20, 2012 um 10:33 am

      Ich wollte es nur nicht so kräftig ausdrücken, jedoch ist genau das die Begründung warum sie jetzt aus ihren Löchern gekrochen kommen und uns zuschwafeln. Substanzlosigkeit verborgen hinter vielen Worten. Damit wollen sie ihren….retten.

      Mein Tag ist schön, Eurer auch hoffe ich.
      Grüße
      Martina

  3. Dezember 29, 2012 um 12:43 pm

    Hallo Martin, passt vielleicht hierher: die dritte Konferenz des Denkwerks Zukunft
    „Leben ohne Zins und Wachstum – Ausblick auf eine neue Ära“ hat sehenswerte Impulsvorträge (video und pdf) online gestellt:

    http://www.denkwerkzukunft.de/index.php/aktivitaeten/index/3.Konferenz

    (Vielleicht gefallen die Impulse ja und regen zum weiterdenken an…)

    In diesem Zusammenhang wünsch ich dir ein spannendes faszinierendes 2013 und bedank mich für Deine vielen guten und vor allem „wohlwollenden“ Impulse in 2012 hier und auf facebook.

    Liebe Grüße

    Ingo

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