Startseite > Bildung, Gesellschaft > In der Schule verlernen Schüler das Denken

In der Schule verlernen Schüler das Denken

Problemlösen ist heute in den meisten Fällen nur noch das ungefilterte und unreflektierte Anwenden von vorgefertigten Lösungen. In diesen Fällen haben wir dann auch keine Chance, die tiefgreifenden Probleme unserer heutigen Zeit, wie die Finanzkrise oder die Umweltproblematik, zu lösen. Denn es sind neuartige Denkansätze notwendig, keine Best Practice, wie Albert Einstein so schön sagte.

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

Aber warum sind wir Menschen in der Regel dazu nicht mehr in der Lage? Warum können wir nicht mehr denken? Aus meiner Sicht ist der Grund dafür in unserem Bildungssystem zu suchen. Wir haben das Denken in der Schule verlernt. In der Schule bekommen wir Menschen vermittelt, dass es nicht mehr notwendig ist, seinen eigenen Kopf zu benutzen, sondern dass es ausreicht den Kopf Anderer zu benutzen, in dem Wissen “gebimst” wird. Wissen, dass man im heutigen Internetzeitalter in Sekundenschnelle auch “googeln” kann.

Um es auf den Punkt zu bringen. In der Schule werden die Kinder trivialisert. Später wundern wir uns dann, wenn in der Mehrzahl nur noch unkreative Menschen ins Arbeitsleben eintreten, die nur noch Antworten liefern können, die die betreffenden Probleme trivialisieren. Schüler, die beispielsweise auf die Frage “Was ergibt 5*4″ der Lehrerin/ des Lehrers mit “4*5″ oder “eine gerade Zahl” antworten, bekommen mit Sicherheit nicht die volle Punktzahl zugesprochen. Die Schüler wissen, welche Antwort erwartet wird, nämlich “20″. Also sagen sie das auch. Ganz einfach. Trivialisierung beschreibt Heinz von Foerster in seinem Buch KybernEthik wie folgt.

Trivialisierung ist Amputation interner Zustände, Blockierung der Entwicklung unabhängigen Denkens und Belohnung von vorschriftsmäßigem, also voraussagbarem Verhalten.

Das oben genannte Beispiel kann man bezüglich des Lernverfahrens in den Schulen sehr gut verallgemeinern. Es wird stets genau ein Erwartungshorizont in Form einer Lösung formuliert. Diesen muss der Schüler treffen, um nicht durchzufallen. Es wird also genau ein bestimmtes Verhalten der Schüler zugelassen. Genau dieses Denkmuster schleppen wir dann unser restliches Leben mit uns herum und können es kaum mehr abwerfen. Wenn wir aber bedenken, dass es im Jetzt stets ganz viele mögliche Zukünfte gibt, die erst durch unser Agieren zu genau einer Zukunft werden, steht das natürlich konträr unseren Denkprozessen gegenüber. Wir sind gar nicht mehr in der Lage uns verschiedene Handlungsoptionen vorzustellen. Wir denken und handeln nur noch in dem Wahr-Falsch Schema.

Wenn ich also in meinem Post Entscheidungen: Mit System Dynamics dem BI Wirkkreis Leben einhauchen darauf eingehe, dass wir denken müssen, um gute Entscheider zu sein und in der Schule das Denken verlernt wird, ist einleuchtend, wo in Bezug auf gute Entscheider für die Zukunft angesetzt werden muss, in der Schule.

Ich möchte folgend meine Ideen und Gedanken zum Thema Bildung beschreiben. Diese erheben ob der Komplexität des Themas keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sollen aber einige Bausteine eines Fundamentes eines zukunftsweisenden Bildungssystems liefern. Ich möchte Sie gerne ermuntern, über die Möglichkeit der Kommentare dieses Fundament vervollständigen zu helfen.

Als erstes möchte ich auf theoretisches Wissen zurückgreifen, welches aus dem Fachgebiet des radikalen Konstruktivismus gewonnen wurde. Dabei gehe ich vor allem auf zwei Themen ein. Zum einen darauf, dass der Lernprozess ein zirkuläres geschlossenes Agieren ist und zum anderen darauf, dass die Validitätsprüfung des Erlernten stets durch Kommunikationsprozesse geschieht.

Kommen wir zum zirkulär geschlossenen Agieren. Aus der Lerntheorie von Jean Piaget wissen wir wie der Lernprozess eines Kind aussieht. Das Kind lernt beispielsweise einen Ball als Ball kennen, in dem es versucht den Gegenstand “Ball” unter Kontrolle zu bringen. Es entwickelt dabei eine spezifische sensomotorische Kompetenz, die benannt wird, sobald das Kind ein gewisses stabiles Verhalten in Bezug auf den Gegenstand “Ball” erworben hat. In unserem Fall bezeichnet es diese Kompetenz dann als “Ball”. “Ball” ist der Eigenwert der Folge von unterschiedlichen Einwirkungen auf den Gegenstand komplett unabhängig vom Startwert, sprich wie das Kind begonnen hat, diesen Ball für sich zu begreifen. Das Kind besitzt damit ein Endverhalten in Bezug auf den Ball, welches unabhängig von der initialen Ursache ist. Das bedeutet also, nicht der Reiz ist für das Verhalten des Kindes verantwortlich, sondern das Kind selber. Was lernen wir daraus für das Lernen in der Schule?

1. Das Lernen setzt das Interesse des Lernenden voraus. Es ist unmöglich, die Wahrnehmung und das Erkennen und somit das Lernen steuernd von außen zu beeinflussen.

Kommen wir zum Validieren des Erlernten. Das Kind verifiziert, ob sein Eigenverhalten “richtig” ist, sprich ob das Ergebnis seiner Lernprozesse in sein Leben passt (viabel ist), in dem es abprüft, ob sich seine Modelle, die es sich durch das Lernen von Dingen, Verhältnissen und Vorgängen in der Erlebenswelt aufgebaut hat, in sprachlichen Interaktionen mit Anderen bewähren. Ist dies der Fall, bewirkt das eine Bestätigung und damit eine Verstärkung des Erlernten. Hat das Kind beispielsweise einen Ball in der Hand und benennt diesen mit Auto, wird es wahrscheinlich von seinen Eltern ein negatives Feedback bekommen. Mit der Zeit lernt das Kind, das ein Ball rund ist, das ein Auto beispielsweise 4 Räder hat und so weiter und so fort. Was lernen wir daraus für das Lernen in der Schule?

2. Der Lehrer darf nicht als Außenstehender des Lernprozesses, sondern als Teilnehmer gesehen werden. Kommunikative Prozesse zwischen allen Lernbeteiligten, Lehrer und Schüler, gewinnen enorm an Bedeutung.

Die beiden eben getroffenen Schlussfolgerungen möchte ich nun an 6 von mir beobachteten Paradigmen unseres Bildungssystems spiegeln, die aus meiner Sicht schnellstens überdacht werden müssen.

A. Durch Benotung kann Motivation und Pflichtbewusstsein für das Lernen vermittelt werden.

Kinder werden spätestens ab der dritten Klasse benotet. Kinder lernen in der Kita beispielsweise noch mit absoluter Freude. Sie probieren aus, lernen Laufen und Sprechen, all dies ohne Benotung. Kinder müssen in der Kita nicht explizit inspiriert werden zu Lernen. Sie tun es einfach. Sie müssen nicht durch Regeln und auferlegten Pflichten gezwungen werden. Sie lernen aus Enthusiasmus heraus. Warum glauben wir, dass Kinder ab einem gewissen Alter benotet werden müssen? Um sie zu motivieren?

Müssen Sie beispielsweise aufgefordert werden, Ihrem Hobby nachzukommen, quasi pflichtbewusst ihrem Hobby gegenüber zu sein. Hört sich komisch an, oder? Pflichtbewusstsein und Hobby passen nicht zusammen. Und zwar deshalb nicht, weil Sie ihrem Hobby mit Freude nachkommen. Sie verspüren keine Pflicht, machen es trotzdem. In der Schule wird auf Pflichtbewusstsein großen Wert gelegt und immer wieder darauf hingewiesen. Also geht man wohl schon davon aus, dass Schüler in der Regel keine Freude haben am Lernen können. Dabei sagen doch die neuesten Erkenntnisse aus der Neurologie, dass Lernen nur in Zusammenhang mit Freude am besten geht, da das Gehirn nur dann Botenstoffe aussendet, die das Schaffen neuer Verbindungen zwischen Neuronen begünstigen. Und das muss beim Lernen passieren.

B. Wettbewerb ist notwendig, um auf das Leben vorbereitet zu werden.

Vor ca. 2500 Jahren setzten die Philosophen Demokrit und Leukipp die Auffassung in die Welt, dass die Menschen nur eine Anhäufung von Atomen sind und das man alles aus der Wechselwirkung der Atome untereinander erklären kann. Das ist der Anfang der rein materialistischen Sicht auf die Welt. Dieses Denkschema hatte ihre Blütezeit in der Industrialisierung. Diesen Ideen hängen wir in der Bildung heute immer noch an: Messen, Objektivierung, Mechanisierung etc.

Wir können uns der Stärke, etwas objektivieren zu können, kaum entziehen. Basis für den Wettbewerb in der Bildung sind Zensuren und Beurteilungen. Kinder müssen vergleichbar sein. Man benötigt für die Vergleichbarkeit eine Entscheidungsgrundlage, mit der man später sehr gut Verantwortung dafür abgeben kann. Wenn also ein Kind doch schlechter oder besser ist als erwartet, ist das Messverfahren der Zensuren und Beurteilungen schuld. Geht ja gar nicht anders. Kinder werden wie Maschinen behandelt. Man muss stets besser sein als der Andere. Und dann wundern wir uns, wenn die Kinder in späteren Jahren nicht selbständig denken können, nicht kreativ oder nicht teamfähig sind. Kooperation wird zwar oft gelobhudelt, aber gehandelt wird nicht danach. Es geht stets nur um größer, schneller, weiter, besser. Denn darauf kommt es doch im Leben an. Oder? Wo uns das hinführt, nehmen wir hoffentlich alle derzeit wahr. Heute Morgen erst habe im TV wieder einmal die Ausschreitungen in Griechenland mit Erschrecken gesehen.

Ich muss nicht wissen wie gut mein Kind ist. Ich muss nur wissen, ob mein Kind glücklich ist. Kinder werden in jungen Jahren schon Stress ausgesetzt. In der zweiten Klasse haben Sie durchschnittlich 5 Unterrichtsstunden pro Tag. Sie bekommen Hausaufgaben ohne Ende auf. Derzeit hören wir in den Medien einige Debatten über Burnout. Kinder werden doch bereits in ganz jungen Jahren darauf vorbereitet, stets auf Hochtouren laufen zu müssen. Kinder haben doch aber das gute Recht darauf, einfach mal keine Lust auf etwas zu haben. Oder? Warum denn auch nicht? Bitte nicht damit verwechseln, dass ich Kinder in Watte gepackt sehen möchte. Sie benötigen aber Freiraum, um einen Sinn in den Aufgaben zu erkennen und deshalb Lust und kein Frust beim Lernen verspüren.

Bildung ist kein Nullsummenspiel, bei dem der Gewinn eines Spielers vollständig durch die seitens des anderen Spielers erlittenen Verlustes kompensiert wird. Sport ist beispielsweise solch ein Nullsummenspiel. Es gibt Gewinner und Verlierer. In der Bildung gibt es aber kein Entweder-Oder, sonder ein Sowohl-als-Auch. In der Bildung können auch Alle verlieren, oder eben Alle gewinnen. Derzeit sieht es nach ersterem aus.

C. Unser Gehirn ist vergleichbar mit dem Speicher eines Computers.

Schule darf nicht nur reine Wissensvermittlung sein. Schule soll Kinder und Jugendliche auf das Leben vorbereiten. Wissen hat eine immer kürzere Halbwertszeit. Allgemeinwissen vermitteln reicht meines Erachtens aus. Kein Auswendig lernen. Kinder und Jugendliche müssen also lernen WIE man sich Wissen aneignet, dieses in der Praxis einsetzt und ständig auf Aktualität überprüft.

In der Schule werden Kinder  und Jugendliche richtig darauf hin getrimmt, nur das wahrzunehmen, was in unser Denkschema passt. Dazu möchte ich Ihnen ein Beispiel nennen. Vor geraumer Zeit habe ich meinen Sohn mit dem Auto in die Kita gefahren. An einer Ampelkreuzung wartend, machte er mich darauf aufmerksam, dass im Auto auf der Gegenfahrbahn ein Bekannter von uns sitzt. Im festen Glauben, dass der Bekannte auf Dienstreise ist und er deshalb nicht hier sein kann, verneinte ich seine Vermutung. Im nachhinein stellte sich heraus, dass mein Sohn Recht hatte. Ich sah zwar auch das Auto und den Insassen, habe aber zu unaufmerksam beobachtet und wahrgenommen. Das ist ein Beispiel, wie wir mit der Zeit das verlieren, was Kinder noch beherrschen, das sensible und Beobachten und Wahrnehmen. Wir machen es getreu dem Motto: “Was nicht sein darf, kann nicht sein”. Wo lernen wir das? Richtig, in der Schule.

D. Man muss ein generalistischer Spezialist sein, um sein Leben zu meistern.

In der Schule werden die Kinder generalistisch zu Spezialisten erzogen. Sie müssen in vielen Fächern Spezialisten sein. Das geht in der Regel weit über die Allgemeinbildung hinaus. Reicht es nicht aus im Mathematikunterricht allgemeinbildend bis zur Prozent- und Zinseszinsrechnung zu lehren und zu lernen? Wieviel mussten Sie in ihrem Leben nach der Schule aus dem Bereich der Mathematik anwenden? Benötigen Sie die Differential- oder Intergralrechnung noch? Sicherlich nicht. Es sei denn, Sie haben sich beruflich für einen Weg entschieden, in dem dieses Wissen notwendig ist. Dann lernen Sie das aber auch später im Rahmen des Berufes oder Studiums viel schneller und effektiver. Denn Sie haben sich dann bewusst für diesen Weg entschieden und sind mit Freude und Enthusiasmus dabei. Sie erkennen den Sinn.

Mit der Konzentration auf das generalistische Spezialistentum wird der Level für Allgemeinbildung viel zu hoch angesetzt. Resultat ist, dass einfache Themen nicht mehr gekonnt werden, die aber für das Leben wichtig sind. In der heutigen Wirtschaft und Wissenschaft existieren zu viele Spezialisten, die in ihrer eigenen Welt leben und übergreifend nicht mehr in der Lage sind zu kommunizieren. Spezialisten verschiedener Fachgebiete verstehen sich einfach nicht. Die Lösung der Probleme unserer heutigen Zeit bedürfen aber Vernetzung von unterschiedlichen Fachbereichen.

E. Kinder müssen durch Disziplin und straffe Regeln lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Schule muss Sinn vermitteln, etwas zu lernen. Das tut sie derzeit nicht. Nur wenn Menschen den Sinn einer Sache kennen, sind sie mit Eifer und Leidenschaft dabei. Beispiele sehen wir bei kleinen Kindern, wenn sie laufen oder sprechen lernen. Aber das hatten wir ja schon. Die Schule kennt statt Sinnvermittlung, das Aufstellen von starren Regularien und Strukturen. Alles geht über Druck und Angst, nach dem Motto, wenn ihr das nicht könnt, habt ihr später auch Schwierigkeiten einen Beruf zu finden.  Wurden Kinder in der Kita beim Erlernen von Laufen und Sprechen auch diesem Druck ausgesetzt? Natürlich nicht. Aber warum hat man es dort nicht als angebracht gesehen und  in der Schule auf einmal als notwendig? Mit Druck geht die Freude am Lernen verloren. Voraussetzungen des Lernens und Verstehens sind Faszination, Neugierde, Enthusiasmus.

Aus der Systemtheorie kennen wir den Effekt der Selbstorgansiation. Ein Beispiel, welches sich in der Praxis sehr oft bewährt hat sind die Kreisverkehre im Straßenverkehr. Überall dort wo statt Ampeln Kreisverkehre geschaffen wurden, ist der Autostrom fließender mit weniger Staus geworden. Mit den Kreisverkehren werden straffe Regeln gebrochen und die Verantwortung in die Hände der Autofahrer gelegt. Überall dort wo Menschen in Gemeinschaften zusammenleben, werden natürlich Regeln benötigt. Aber diese sollten so weit gefasst sein, dass Menschen sich trotzdem frei und kreativ bewegen können. Das heutige Bildungssystem bietet diese Feiheit nicht.

Wenn Kinder in der Schule so auf das Leben vorbereitet werden, muss man ja davon ausgehen, dass das Leben “dreckig und gemein” ist und wir Menschen grundsätzlich nicht in der Lage sind dieses zu meistern. Ich höre sehr oft Sätze wie: “Das Leben ist kein Ponyhof.” Aber warum eigentlich nicht? Warum darf das Leben kein Ponyhof sein? Leben wir 80 Jahre, um uns größtenteils Stress aussetzen zu wollen? Warum darf das Leben kein Spaß machen? Warum darf Lernen kein Spaß machen? Wir sollten nicht vergessen, das Leben in der Gesellschaft, wie es heute existiert, haben wir geschaffen, wir ganz alleine.

Natürlich darf Lernen Spaß machen, werden Vielleicht Einige jetzt sagen. Nur, warum verhindern wir genau das? Wie gesagt, Kinder haben in der Kita noch Spaß am Lernen. Und dann kommt die Schule. Kinder können und dürfen nicht ausprobieren. Sie werden in ein starres Schema gedrückt und sollen sich dann nach dem Schulabschluss für einen Beruf entscheiden. Wenn Sie dann öfter wechseln, egal ob die Ausbildung, den Beruf oder die Studienrichtung, bekommen Sie oft zu hören, dass sie sich nun endlich einmal durchbeißen müssen, dass sie endlich mal Verantwortung für ihr Leben übernehmen müssen. Sie passen dann nicht mehr in dieses starre Schema und werden “verstoßen”.

F. Es gab bereits Versuche, neue Ideen im Bildungssystem umzusetzen. Alle sind gescheitert.

Das wird mir oft entgegnet, wenn ich in Diskussionen meinen Standpunkt vertrete. Das Scheitern ist doch aber auch logisch, wenn die Kinder danach wieder in das alte kranke, von den oben angesprochenen Paradigmen, wie Wettbewerb und Mechanismus, entlassen werden.

Des Weiteren bekomme ich in Diskussionen oft zu hören, dass unsere Schüler “Drünnbrettbohrer” wären, die nicht verantwortungsvoll und nicht pflichtbewusst wären und zu Nichts Lust hätten, was mit Schule zu tun hat. Deshalb müsse man die “Zügel” anziehen. In dieser Argumentationskette erkennt man das linear-kausale Denkschema, dem wir Menschen sehr oft erlegen sind: eine Wirkung hat eine Ursache. Denn was wird hier missachtet? Die Kinder sind in diesem System groß geworden und sind jetzt so wie sie sind. Wendet man nämlich das nichtlinear-kausale Denkschema an, erkennt man, dass die Wirkung wiederum Ursache wird. Wir haben es hier mit dem Archetyp der Eskalation zu tun: … -> Schüler sind nicht pflichtbewusst -> Regeln und Druck werden verschärft -> Schüler werden noch weniger pflichtbewusst, da sie sich nicht ernst genommen fühlen -> Regeln und Druck werden weiter verschärft -> … Eskalation heißt der Archetyp deshalb, weil das Problem exponentiell wächst. Jetzt wissen wir aber das kein System unbegrenzt wachsen kann, da es durch seine Umwelt begrenzt wird. Es gibt also eine Grenze des Problemwachstums, die auf zwei Arten erreicht werden kann, entweder in dem man bewusst dagegen steuert oder in dem das System aus sich heraus kollabiert. Ich würde doch lieber die erste Methode bevorzugen, obwohl wir leider bereits Anfänge der zweiten Art wahrnehmen, wenn wir uns die Ausschreitungen in Großbritannien, Griechenland, Spanien oder in Nordamerika anschauen.

Unser Bildungssystem kann man mit einem Schnellzug vergleichen. Wir müssen diesen Schnellzug nicht nur lenken, sondern neu konzipieren. Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass dies während der Fahrt geschehen muss. Die Mauer naht.

Über Conny Dethloff
Conny privat 2Diplom-Mathematiker und in der Wirtschaft tätig seit 1999. Berater und Manager mit Fokussierung auf die Themenbereiche Information Management und Change Management. Autor der beiden Bücher The Race – Change Management mit dem ChangeModeler und Von einem der auszog die Wirtschaft zu verstehen: Auszüge aus dem Logbuch der Reise sowie seines Logbuchs der Reise des Verstehens.

  1. federleichtes
    Dezember 13, 2012 um 2:23 pm

    In Schulen sollen Kinder ihr Denken für falsche Strukturen verwenden. Dass sie dazu keine Lust haben, geschweige sich mit Freude am weiteren Betrieb des Wahnsinns beteiligen, scheint nicht ganz widersinnig.

    Wofür wurde Schule geschaffen?
    Um ein Problem zu lösen.
    Aber die Lösung des Problems offenbart – ja wohl langsam – das dahinter liegende Problem: Mensch und Natur rücksichtslos und immer effizienter auszubeuten, zu misshandeln und zu zerstören. Das gelingt immer besser, insofern steht natürlich auch die Schule in ihrer jetzigen Form hoch in der Gunst der Zerstörungsabsicht und – natürlich in ihrem Machtbereich.

    Wer sich seiner Selbstzerstörung widersetzt, wird bestraft. Braucht es noch deutlichere Bilder für das Wesen des Systems und ihrer Betreiber?

    Mit freundlichen Grüßen

    Wolfgang

  2. Dezember 13, 2012 um 5:20 pm

    Danke für das schnelle Posten hier, Conny!

    Und dass solcher Art aus-gebildete Menschen eher verstaubte Verwalter des IST sind als kreative Führer hin zu neuen, zuträglicheren Ufern sind, da sagt Armin Rütten in meinem Interview mit ihm Erhellendes zu. Auch, was man nachträgklich noch tun kann:
    verstaubter Verwalter oder kreativer Führer – ein Interview mit Armin Rütten

    VG Martin

  3. Dezember 13, 2012 um 6:59 pm

    Hervorragender Text, mit sehr viel Mühe erstellt. Muchas gracias!

    Nichts kann sich ändern, solange „Bildung, Bildung, Bildung“ zwar das tägliche Postulat ist, auf das sich alle einige können, Bildung aber als „Chance auf mehr Geld“ statt als „Chance auf mehr Mensch“ definiert ist – und selbst Ersteres inzwischen gnadenlos versagt:

    Studie belegt: gute Ausbildung ist kein Garant mehr für Wohlstand

  4. Dezember 13, 2012 um 9:09 pm

    Ja auch von mir ein Daumen hoch,mit einer kleinen, aber wichtigen Korrektur:

    „Wurden Kinder in der Kita beim Erlernen von Laufen und Sprechen auch diesem Druck ausgesetzt? Natürlich nicht. Aber warum hat man es dort nicht als angebracht gesehen und in der Schule auf einmal als notwendig? “ Zitat von Conny

    Dies ist nicht der Fall. Kinder lernen in der Familie alles ,was Sie für das Leben brauchen!
    Die Kita und noch schlimmer die Krippe sind Abstellstationen geschundener Väter und Mütterseelen, die angetrieben durch von aussen diktierten Wertvorstellungen glauben,
    dass das, was Sie tun ,gut und richtig sei.

    (Kurzform) ganz liebe Grüße von Ralf diebeyers@wordpress.com

  5. Dezember 13, 2012 um 9:14 pm

    Noch eine kurze Anmerkung: Die wichtigsten Erkenntnisse in der“ Pädagogik“, „Erziehungswissenschaft“ und anderen sozialwissenschaftlichen Fachbereichen kommen von Maturana, Varela,Hüter, Arno Grün, Wilhelm Reich, und vielen anderen Praktikern
    im besonderen Rebeca Wild und ihrem Mann Mauricio.
    Ralf

  6. Dezember 13, 2012 um 9:41 pm

    Irgendwo las ich neulich: Es kommt nicht (mehr) darauf an, (Fakten-)Wissen zu lehren, sondern das Lernen zu lehren, also:
    Wie kann ich mir zu einem bestimmten Thema das notwendige Wissen beschaffen, damit ich zur Lösung eines Problems komme (die Lösung der Aufgabe 4 x 5, zum Beispiel).

    Ich erlebe gerade täglich, dass fünfjährige Kinder nicht in der Lage sind, richtig zu artikulieren und/oder die deutsche Sprache sicher anzuwenden, aber sie grölen (singen kann ich das nicht nennen) Lieder auf Englisch, die sie nicht verstehen und genau so schlecht und gar völlig falsch artikulieren.
    Diese Kinder sind ungelenkig, unbeweglich, die Koordination ihrer Gliedmaßen ist oft völlig unzureichend. Nein, es sind keine „Problemkinder“ oder kranke, sondern ganz normale Kinder. Da über die Bewegungsfähigkeit des Körpers auch das Denkvermögen gesteuert wird: Je höher die Anzahl der Verknüpfungen (Synapsen) im Gehirn, desto bessere Denkfähigkeit, jeder Bewegungsablauf erschafft neue Verknüpfungen, auch Umwege um bestehende. Das heißt, je beweglicher ein Mensch, desto beweglicher auch sein Denkvermögen. Und nun wird der Sportunterricht in den Kindergärten fast völlig gestrichen, in den Schulen soll er auch wegfallen… Das bleibt der Eigeninitiative der Eltern überlassen. Das nenne ich ein Verbrechen an den Kindern!
    Es liegt also nicht (nur) an den Schulen, es ist das Bildungssystem insgesamt, das auf Verblödung angelegt ist.
    Kindern, die nicht in der Lage sind, ordentlich und sicher deutsch zu sprechen, im Kindergarten Englisch beizubringen führt dazu, dass sich diese Kinder in KEINER der beiden Sprachen sicher bewegen können. Unsere Sprache bedingt aber unser Denken ebenso wie unsere körperliche Beweglichkeit – weiterr Schlüsse darf jeder selbst ziehen.

  7. federleichtes
    Dezember 13, 2012 um 10:21 pm

    Jetzt werden hier schon erfolgreich abgeschickte Beiträge „gefressen“. Bravo!
    Ob ich dem beikomme?

    Das BILDungssytem kann nicht so angelegt sein, um Kindern REALE Bilder RICHTIG zu vermitteln und sie verstehen zu lassen. Es MUSS so angelegt sein, sie von einer umfassenderen Selbst-Ständigkeit fern zu halten und stattdessen auf die relativ willenlose Abhängigkeit vorzubereiten.
    Das System ist nicht neu.
    Und an seinem Erfolg ist nicht nur das SchuldBILDungssystem beteiligt.

    Wer das Schulsystem verändern will, ist Systemfeind Nummer …

    Geht doch.

    Danke, Solveigh, für Dein konsequentes Zueendedenken

    Gruß
    Wolfgang

  8. Dezember 14, 2012 um 7:37 am

    Vielen Dank für das Feedback, das für mich Basis für weitere Gedankengänge darstellt.

    Prof. Dr. Gerald Hüther führt in vielen seiner Vorträge, die man im Netz beispielsweise auf youtube, findet aus, dass Lernen nur dann funktioniert, wenn der Mensch mit Begeisterung und Freude bei der Sache ist. In dieser Liste (http://www.youtube.com/channel/UCmCmAtPBq8Rt4AN0tYPh6KA?feature=guide) finden Sie 3 Vorträge von ihm.

    Kinder können sich über jeden noch so kleinen „Kram“ begeistern. Das erkenne ich bei meinen Kindern. Diese Begeisterung benötigen sie um zu lernen. Allerdings, und das spüren meine Frau und ich auch, ist es wahnsinnig anstrengend diese Begeisterung stets zu erwidern. Und das ist unter anderem eine Aufgabe der Eltern, damit diese nicht abflaut.
    Wir versuchen im Kleinen die Begeisterung am Lernen zu erhalten.

    Meine Tochter musste vor ein paar Wochen die kleine Malfolge lernen. Das Sitzen vor einem weißen Blatt Papier und Aufgaben lösen ist langweilig. Es verwundert uns wohl alle nicht, dass dies keine wahnsinnige Begeisterung erzeugt. Wir haben dann im Netz den Malfolgenrap, von Kindern für Kinder gesungen, gefunden. Meine Tochter ist den ganzen Sonntag mit Kopfhörern im Haus umhergelaufen, hat die Lieder gehört und mitgesungen. Die Note „1“ war dann eine logische Konsequenz. Obwohl ich, und das habe ich in meinem Bericht ausgeführt, nichts auf die Noten gebe. Der Sinn am Lernen muss ein anderer sein. Aber wir müssen ja zu einem gewissen Teil systemkonform bleiben, sonst werden wir ausgestoßen und wer will das schon. Es bleibt dann das Ändern im Kleinen, wo man etwas bewirken kann. Wenn das Jeder macht reicht das schon.

    Denn. Wir nehmen den Kindern durch starre, unflexible und auf Wettbewerb getrimmte Strukturen und Prozesse die Lust und damit die Verantwortung am Lernen, die sie noch in der Kita spüren. Sie sind in der Schule nicht mehr sinngekoppelt zu den Inhalten, die sie lernen sollen. Das spüren wir und glauben ihnen genau diese Verantwortung durch eben diese Strukturen und Prozesse, die erst zu dem Verlust geführt haben, „einzuprügeln“. Wie wahnsinnig ist das denn?

    • federleichtes
      Dezember 14, 2012 um 2:46 pm

      Hallo Herr Dethloff,

      Sie beschreiben eines der Kernprobleme von AusBILDung: Das elterliche Zuhause, wie die Eltern geBILDet sind, und, was für mich das Wesentliche ist, mit welcher Intention sie sich ihren Kindern zuwenden. Bei ihnen scheint das offensichtlich mit Liebe zu geschehen. Damit eröffnen sich ihren Kindern Chancen, einen sicheren Platz in ihrer eigenen (inneren) Welt zu kreieren.

      Standardwerk für mein Lernen war „Denken, Lernen, Vergessen“ von Fredric Vester – vor 25 Jahren. Aber wie ich bereits mehrfach anmerkte, hat das Wissen um Zusammenhänge keine Chance auf Anwendung, solange es nicht von Eltern GEGEN die allgemeine Entwicklung und deren Widerstand praktiziert wird.

      Meine jüngste Tochter wanderte mit ihren drei kleinen Kindern aus nach Spanien – in eine soziale, natürliche Umgebung, in der keine unnatürlichen Regeln gelten, in der uneingeschränktes Wohlwollen praktiziert wird. Das war ein konsequenter Schritt von einem Menschen, der aus innerem Erleben heraus intuitiv zu entscheiden vermag, was Bullshit und was notwendig ist.

      Wer Angst vor diesem Macht-Dummheit-System hat, ebnet die entsprechenden Wege für seine Kinder – mitten rein, auf die Opfer- oder Täterlaufbahn. Für das eigentliche Menschsein ist die Unterscheidung nicht wesentlich.

      Danke für Ihre Rückmeldung.

      Wolfgang

      .

  9. Dezember 14, 2012 um 4:27 pm

    „Aber wir müssen ja zu einem gewissen Teil systemkonform bleiben, sonst werden wir ausgestoßen und wer will das schon. Wir nehmen den Kindern durch starre, unflexible und auf Wettbewerb getrimmte Strukturen und Prozesse die Lust und damit die Verantwortung am Lernen, die sie noch in der Kita spüren.“
    Zitat Conny

    Mein anfängliches Daumen hoch wandelt sich ein bischen.
    Wenn ich die Hüther’sche Argumentationskette zuende denke, muss ich zum Schluss kommen, dass ich meine Kinder NICHT auf eine Regelschule geben kann.
    Angst und Druck führen nie zu „gutem“ und leichten und freudvollem Lernen!

    Und ständig höre ich hier in der Kita sei das anders. Es gibt schon Aufnahmetests für die Kita!!! In Zweierreihen marschieren, gemeinsam ruhig sitzen ,alle essen gemeinsam,
    auf Kommando gehts los zum Morgenkreis etc. etc.
    Sprüche „Wenn ihr nicht ruhig seid, schmeisst Euch der Busfahrer raus und und und.
    Wenn‘ nicht so traurig wäre, müsste man

    Und deshalb ändert sich nichts, wir müssen ja zum gewissen Teil systemkonform
    (marktkonform) bleiben. Sonst sind unsere Kinder ja Aussenseiter.
    Über ein Feedback freut sich
    Ralf

    • federleichtes
      Dezember 14, 2012 um 5:22 pm

      Wiollen wir hier wirklich etwas tiefgründiger werden, lieber Ralf? Das dürfte einigen „Herrschaften“ sicher nicht gefallen, weil damit ein Spiegel immer näher rückt.

      Schule und damit Ausbildung reflektieren sich zurück in die frühe Kindheit, und sie reflektieren damit das Familienkonstrukt, und sie reflektieren damit das Schaffen von Einkommen zur Existenz-Sicherung. Hier geht es sowohl um Familienfähigkeit, als auch um die Gestaltung eines vernünftigen Bedürfnis-Rahmens Beides wird von staatlichen, und damit wirtschaftlichen Interessen gefördert bzw. behindert. Insofern ist klar, dass positive und negative Sanktionen deutlich werden lassen, was gewolt ist – und das offenbart den Geist-des Wollens.

      Natürlich trifft Bernhard mit seinem Lebensmodell ins Schwarze. Dort ist sicher keine KiTa vorgesehen, kein Blödmarkt oder ein Zeitungskiosk. Somit scheint sichergestellt, dass sich das Gemüt eines Kindes ausbilden kann, bevor das beginnt, was wir Lenen nennen.

      Erst mal gut.

      Das Beste für Euch wünsche ich.

      Wolfgang

    • maretina
      Dezember 18, 2012 um 10:55 am

      Kinder, lieber Ralf, lassen die Eltern nochmal in die „Schule“ gehen. Diesmal in eine andere Schule, in die der eigenen Unzulänglichkeiten und Ängste. Die sich auf den holden Nachwuchs übertragen, sofern Eltern diese nicht sehen wollen und dadurch verändern können. – Kindererziehung ist in erster Linie Selbsterziehung.-Tun sie das, stärkt das den Kindern den Rücken, sie haben dann die Chance sich zu Persönlichkeiten und nicht zu Konsumenten zu entwickeln. Das ist natürlich nur ein Teilaspekt. Ein anderer Aspekt ist, dass wir wohl heute noch Höhlenbewohner wären, hätten sich alle systemkonform verhalten.
      Liebe Grüße
      Martina

      • Dezember 18, 2012 um 4:13 pm

        von Wegen Eltern in die Schule der Kinder: Herr Dueck hat das in seinem aktuellen Artikel auch thematisiert 🙂

        Digital Natives schützen Eltern vor Digitaler Demenz – „Parent Monitoring & Care“ (Daily Dueck 181, Dezember 2012)

        Hilfe, unsere Eltern sind jetzt auch im Internet. Papa hat sich wohl ein unbeabsichtigtes Abo eingehandelt, er versucht, eine Webseite anzurufen. Er wälzt das Telefonbuch und weiß nicht, wo er suchen soll. Mutti bekommt immer mehr Pakete, die beiden werden sich verschulden. Das Internet ist für Erwachsene zu gefährlich, weil sie eine Digitale Demenz davon bekommen. Wir müssen auf unsere Eltern achtgeben, es droht Gefahr.

        • maretina
          Dezember 18, 2012 um 4:23 pm

          Lieber Martin, an der Stelle hast du mich mißverstanden. Anders ausgedrückt sind Kinder Schule für ihre Eltern. – Ansonsten, danke für das Kabinettstückchen hier oben, werde ich meinen Töchtern schicken, zur allgemeinen Erheiterung.

          • Dezember 18, 2012 um 5:00 pm

            so hatte ich Dich auch verstanden, wohl selbst zu schlecht formuliert 😉

  10. Dezember 17, 2012 um 9:39 pm

    Die Finnen zeigen, wie man es richtig macht: 26 mal Daumen hoch.
    Schüler, Eltern und Lehrer sind hier definitiv weniger gestresst und leben so gesünder. Bitte ganz schnell nachmachen, oder?
    26 Amazing Facts About Finland’s Unorthodox Education System

  11. maretina
    Dezember 18, 2012 um 10:42 am

    „In der Schule verlernen Schüler das Denken.“ Ja freilich, dazu ist sie da. Wo sollen denn sonst die neuen Sklaven herkommen? Stellt Euch doch mal vor wie furchtbar es sich in diesem Geld-System auswirken würde, wenn da auf einmal Menschen erwachsen werden, bei denen die Verschaltung im Gehirn sich optimal entwickeln konnte, weil eben nicht nur die Entwicklung des Intellekts betrieben wurde, sondern die Bildung auch der körperlichen, künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten Beachtung fanden. (Danke Solveigh für den Hinweis). Kein Kind kann Alles, kein Kind kann Alles nicht. D.h. sie lernen bei genügend praktizierter und vorgelebter Offenheit mindestens gegenseitigen Respekt, und ich finde es wirklich wünschenswert wenn sie lernen wie schwer so manch eine Tätigkeit fallen kann , wieviel Übung (Musik), wieviel Genauigkeit (Handwerk), wieviel Geduld (Garten) es braucht. – Und was mir während der Schulzeit meiner ältesten Söhne außerdem aufgefallen ist, es hat System, dass die Klassen immer wieder auseindergerissen werden. Nach der vierten Klasse, Klasse Sieben, Klasse Neun und Elf. Die Kinder verlassen in der Schule immer wieder ihr soziales Gefüge, es wird neu gemischt, Stabilität ist nicht gewollt, sie vereinzeln.
    Die Finnen übrigens, sie haben viel im Bildungswesen der damaligen DDR nachgeforscht, aber das ging ja nun überhaupt nicht, Teile davon in BRD-Zusammenhänge zu übernehmen (Ironie aus).
    Grüße
    Martina

    • Dezember 18, 2012 um 11:07 am

      sie haben viel im Bildungswesen der damaligen DDR nachgeforscht, aber das ging ja nun überhaupt nicht, Teile davon in BRD-Zusammenhänge zu übernehmen (Ironie aus).

      Nein, das geht nicht, denn die DDR hat sich zum Ziel gesetzt, einen allseits gebildeten Menschen aus der Schule zu entlassen – und das selber Denken habe ich in genau dieser Schule gelernt!
      Es muss jedoch angemerkt werden, dass spätestens seit Honecker, aber beginnend schon mit dem Ende der 60iger, Anfang der 70iger Jahre der Anspruch und die Güte der Schule der DDR verwässert wurde. Dennoch war sie auch 1989 der westlichen Schule haushoch überlegen! AUCH wegen der Stabilität der sozialen Bindungen in den Klassen.

      • maretina
        Dezember 18, 2012 um 1:48 pm

        Den allseits gebildeten Menschen, ja das haben sie damals wirklich geschafft. Auf alle Fälle waren die Pläne fürs Lernen fächerübergreifend aufeinander abgestimmt und das konnte Spaß machen (nicht Alles, aber Vieles). Dieses Erlebnis wie eins ins andere greifen kann ( ich glaub das nennt sich Dialektik ), sich gegenseitig bedingt, nichts nur so für sich steht, daraus ein Bild der Welt entstehen kann das mit heutigen tumben Weltbildern aber auch gar nichts zu tun hatte. – Ich erinnere mich dunkel, dass in der DDR ausgebildete Fachkräfte, vom Industriemeister über Ingenieure bis zum Naturwissenschaftler, in den westlichen Bundesländern ob ihrer guten Ausbildung, die auch Allgemeinbildung beinhaltete, heiß begehrt waren, so dass es in den vergangenen zwanzig Jahren zunehmend schwieriger wurde richtig gute Fachkräfte (Optik/Feinmechanik z.B.) im Osten zu finden. –
        Nun ja kleine Rückschau, jedenfalls können wir im Lande bleiben, wenn wir suchen, wie was besser gemacht werden könnte. Das heißt nicht unreflektierte, unbearbeitete Übernahme, aber ein Grundstock ist da, wenn mal die Scheuklappen abgenommen werden.
        Es geht um den allseits gebildeten Menschen, nicht nur um den Intellekt allein. Das können Eltern allein gar nicht leisten, da die benötigten Ressourcen gar nicht vorhanden sein können, denn:
        „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen“
        Liebe Grüße
        Martina

        • Dezember 18, 2012 um 5:03 pm

          Völlig einverstanden!
          Die Bildung begann im Kindergarten und führte bis in den Hort. Es konnte niemand Horterzieher werden, der nicht Unterstufenlehrer war. Die Arbeit im Hort war mit den Klassenleitern abgestimmt und die beiden ergänzten sich und tauschten sich aus.

          Ja, die Abwerbung unserer Fachkräfte machte einen großen Teil des permanent gegen die DDR – und alle sozialistischen Länder – geführten kalten Krieges aus. Ausbluten, die Intelligenz rauben. Das ging nach der Annektion der DDR nahtlos und nun mit voller Wucht weiter! De-Industrialisierung und Raub der Intelligenz, auf das im Osten nie wieder der Sozialismus auferstehe! Denn jede Basis, eine Gesellschaft aufzubauen, wurde genommen, glauben sie 🙂 Es rettet sie aber nichts vor dem sicheren Untergang!

          Irgendwie erinnert mich das an die Märchen, in denen der König prophezeit bekommt, dass er dereinst von seinem eigenen Sohn getötet würde. Als seine Frau einen Sohn gebiert, bringt sie den in Sicherheit, denn sie ahnt, dass der König ihn töten will, um die Prophezeihung zu verhindern. Daraufhin lässt der König alle in diesem Jahr geborenen Söhne töten.
          Sein leiblicher Sohn jedoch wächst – ohne Wissen, wer er ist – bei einem Schäfer (oder wahlweise Jäger) weit entfernt vom väterlichen Schlosse auf.
          Als Jugendlicher wandert er „in die weite Welt“, kommt zufällig an den Hof seines Vaters – und tötet ihn. Oft aus Versehen… Die Prophezeihung hat sich erfüllt, so sehr und grausam der König auch versuchte, ihr zu entgehen.

          Das selbe geht mit „die einzige Tochter heiratet einen Bettler“, wie zum Beispiel im „König Drosselbart“.

          Was will uns das sagen: Wozu die Zeit reif ist, das erfüllt sich, ob mit oder ohne sich dagegen zu wehren.
          Die Zeit des Kapitalismus ist heute abgelaufen. Ob sich die Mächtigen dagegen wehren oder nicht.

          Und ja, wir im Osten und im gesamten sozialistischen Lager durften schon mal üben und wissen, welche Fehler wir nicht wiederholen dürfen. Wir wissen, was wir besser machen müssen.

  12. federleichtes
    Dezember 18, 2012 um 5:43 pm

    Eigentlich wollte ich längst unterwegs sein, aber …

    @ Solveigh:
    „Was will uns das sagen: Wozu die Zeit reif ist, das erfüllt sich, ob mit oder ohne sich dagegen zu wehren.“

    Lege das mal auf unser AusBILDungssystem an.
    Etwas überspitzt ließe sich dann feststellen:
    Sie züchten sich die Brut, deren … (beliebige asoziale Eigenschaften) sie umbringen wird. Vielleicht können wir uns mit diesem Gedanken wenigstens etwas Wohlwollen abringen für das, was BILDgestaltungstechnisch – subjektiv – als widersinnig erscheint.

    Jetzt aber.

    Gruß
    Wolfgang

    • Dezember 18, 2012 um 5:50 pm

      Ist nicht verkehrt, was Du schreibst, Wolfgang.
      Marx nannte das 1848: „… und so schaffen sie sich ihre eigenen Totengräber.“
      Und: „Die Proletarier (also ALLE, die „lohnabhängig arbeiten“ sollen/müssen, das erklärt er vorher) haben nichts zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.“

  13. März 26, 2013 um 1:19 am

    Das richtige Wissen kommt immer erst dann, wenn man fragt…. 😉 Mit der Schule hat das nicht allzuviel zu tun…. sondern mit dem Bewusstsein des Einzelnen…. vieles kann man erst dann lernen, wenn man es begreift…. Also was wollen wir nicht begreifen? Das Leben handelt glaub ich schon die ganze Zeit nach unseren Wünschen…. checken müssen wir das…. dann ist das Bildungssystem schon von allein da…..

    Lieben Gruß 😉

  14. März 29, 2013 um 11:48 am

    Wie Bildung gelingen kann, Prof. Hüther im Interview:

  15. Juni 22, 2013 um 11:49 pm

    Und noch ein weiterer Kritiker an unserer Verdummung in der Schule:

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: