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Grundsätze für Demokratie am Arbeitsplatz

Andreas Zeuch hatte in einem Plädoyer gefordert, dass die Prinzipien der (direkten) Demokratie auch hinter den Toren unserer Unternehmen angewandt werden sollten. Ich habe nun ein schönes Beispiel einer Betriebsverfassung gefunden, die ich im Folgenden zur Nachahmung hier bringen möchte. Es sind die Grundsätze der Firma Opel Hoppmann:

Grundsätze für Demokratie am Arbeitsplatz

  1. Das Unternehmen und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eine wirtschaftliche und eine soziale Verantwortung. Sie engagieren sich für ein gutes Betriebsergebnis ebenso wie für ein menschliches Miteinander und soziale Gerechtigkeit im Betrieb.
  2. Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Vorgesetzte begegnen einander mit Respekt vor der Person der / des anderen. Sie verhalten sich gegenseitig so, wie sie es vom anderen auch erwarten.
  3. Der gesundheitliche Schutz und die Sicherheit für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Arbeitsplatz werden ernst genommen.
  4. Auch in wirtschaftlich schwierigen Situationen wird alles versucht, um Entlassungen zu vermeiden.
  5. Freie Meinungsäußerung darf nicht zu persönlichen Nachteilen führen.
  6. Fachliche und persönliche Weiterbildung gehören zusammen und werden gefördert. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mitdenken und mitreden sollen, müssen auch über entsprechende soziale Fähigkeiten verfügen.
  7. Der Eigeninitiative der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird so weit wie möglich Raum gegeben.
  8. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ein Recht auf Information, Anhörung und Mitsprache, in besonders geregelten Fällen auf Mitbestimmung. Die Entscheidungen der Geschäftsleitung unterliegen so einer Kontrolle durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
  9. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden über ihre Entlohnung hinaus am Erfolg des Unternehmens beteiligt.
  10. Das neutrale Kapital gehört niemanden persönlich und nutzt allen: Das Unternehmen wird in seinem Bestand gesichert; die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mehr Arbeitsplatzsicherheit; die Gesellschaft profitiert von der gemeinnützigen Tätigkeit der Stiftung.
  11. Die Ziele des Umweltschutzes nehmen einen hohen Rang ein.
  12. Die Realisierung einzelner dieser Grundsätze bedarf besonderer Absprachen oder schriftli-cher Regelungen, die unter Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszuarbeiten sind.

Folgende Rechte sind den Arbeitsteams durch die Betriebsvereinbarung zugesichert:

Versammlungsrecht:
Bezahlte Arbeitsteambesprechungen nach Bedarf während der Arbeitszeit, sonst nach Feierabend als Überstunden.

Informations- und Anhörungsrecht:
Das Arbeitsteam ist von beabsichtigten Maßnahmen der Geschäftsleitung bzw. des Vorgesetzten grundsätzlich zu unterrichten, wenn davon das Arbeitsteam unmittelbar betroffen wird. Die In-formation muss so rechtzeitig erfolgen, dass das Arbeitsteam darüber beraten, dazu Stellung nehmen und am Entscheidungsprozess beteiligt werden kann.

Einspruchsrecht:
In besonderen Fällen können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Team, wenn sie mit einer Entscheidung des Vorgesetzten nicht einverstanden sind, beim Vermittlungsausschuss einen Ein-spruch mit aufschiebender Wirkung einlegen. Der Vermittlungsausschuss besteht aus dem Vorsit-zenden der Stiftung Demokratie im Alltag, dem Betriebsratsvorsitzenden und dem Geschäftsführer der Martin Hoppmann GmbH. Die Entscheidung des Vermittlungsausschusses erfolgt einvernehm-lich und ist endgültig.

Vorschlagsrecht:
Die Arbeitsgruppen können Initiativen ergreifen und gemeinsam Vorschläge einreichen.

Weiterbildungsrecht:
Die Arbeitsteams haben Anspruch auf einen Seminartag im Jahr.

Viele weitergehende Infromationen gibt es auf der Web-Site: Darstellung des Modells – Mitarbeiterbeteiligung bei Opel Hoppmann

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Weiter Beispiele von Organisationen, die sich schon demokratische Strukturen gegeben haben sowie Berater, die Firmen auf ihrem Weg dorthin unterstützen, habe ich in Kommentaren zu dem eingangs erwähnten Plädoyer von Andreas Zeuch gesammelt:

Das Demokratievakuum – ein Plädoyer für demokratische EntscheidungsKulturen in Unternehmen.

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