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Nachlese: Neue Arbeit – neue Kultur – ein Vernetzungstreffen mit Prof. Frithjof Bergmann

Frietjhof Bergmann

Frietjhof Bergmann

Ich bin gerade zurück von einer Veranstaltung der Initiative Ideen³, die den Wind des Wandels trug. Getragen von einem Mann, der sich schon seit 25 Jahren mit dem Thema neue Arbeit jenseits von Lohnarbeit beschäftigt. Prof. Friethjof H. Bergmann geht davon aus, dass Jene, die an dem arbeiten, was sie wirklich, wirklich wollen, kein Work-Life-Balancing benötigen. Für sie ist Arbeit gleich Leben. Wer nicht nur irgend etwas arbeitet, um sein Einkommen zu haben, um zu leben, der lebt nicht wirklich. Es waren heute, am ersten Tag etwa 60 Personen anwensend, die alle in irgendeiner Art und Weise am neuen Arbeiten interessiert sind oder schon so unterwegs sind. Hier ein kurzes Video mit Herrn Bergmann zu „Neue Arbeit – neue Kultur“:

Hier ein „kurzes“ Gedächtnisprotokoll seiner einführenden Worte:

Herr Begmann empfindet die Worte: „arm“, „sozial Schwache“ als schlimm: „Ich lade Sie ein, mit mir 3 Tage in einem Slum zu verbringen, dass wissen sie, wer wirklich sozial schwach ist.“

Besser findet er die Begriffe „Wüstenmenschen“. 80% aller Menschen gehöten dazu, die heute nicht wissen, ob und was es morgen zu essen gibt. Und die „Oasenmenschen“, wie die Nord-Europäer, die über das auszuhaltende Maß versorgt sind.

Entsetzliche Zustände in Rumänien und anderen Ost-Europäischen und arabischen Staaten führen gerade zu einer Völkerwanderung.

Die Arbeit ist für Herrn Bergmann eine Polarität: Viele Menschen erleben ihre Arbeit als eine milde Krankheit. „Es ist ja schon Mittwoch, und damit nur noch 2 Tage bis zum Wochenende. Das halt ich noch aus.“, „Bis zum Ruhestand halt ich es aus.“ Es sterben Viele an ihrer Arbeit, vorher stirbt schon ihre Seele.

Arbeit dagegen, die man wirklich, wirklich tun will, gibt Kraft. Dann ist Urlaub eine unwillkommene Unterbrechung. Diese Arbeit entwickelt Menschen. Wer Arbeit dagegen nicht in dieser Art leben kann, der lebt im Prinzip nicht, betäubt sich mit Konsum oder härteren Drogen.

Tausende Jahre arbeiteten Menschen als sich selbst frei oder ion Leibeigenschaft auch ihre Herrn versorgenden Bauern. Die Lohnarbeit ist erst etwa 200 Jahre alt. Viele haben damals davor gewarnt. Um nur einige Beispiele zu nennen: Thomas Jefferson, Charles Dickens in seiner Weihnachtsgeschichte, Karl Marx in seinem Kapital.

Die Pathologie der Lohnarbeit habe sich zugespitzt. Sie ist zum Teufel geworden. Es hat  schlimme Dinge in die Welt gebracht hat. Wir haben immer mehr das Gefühl, in einem Szunami dieser vernichtenden Lohnarbeit zu ertrinken.

Das Wort Krise ist für ihn ein unmöglicher Begriff! Man verbindet es mit Diphterie. Eine Nacht Fieber und gut ist.

Wir erleben gerade einen Strukturwandel, eine Transmorphose, in ihrer Stärke vergleichbar mit der Spracherfindung. Entweder wird es ganz verheerend oder es wird was ganz Wunderbares daraus:

Eine neue Interpretation für das WWW: WirtschaftsWachstumsWahnsinn

Wirtschaftswachstum sei die falsche Medizin, damit mehr Menschen zu den Oasen gelangen.

Er hatte eine Reihe von interessanen Projekte nzur Förderung eines besseren Lebens gezeigt:

  • in Detroit das Urbaning Framing als Vorzeigeprojekt als sich selbstversorgende Stadt (Bilder)
  • Geothermie, bei der Rohre in 3 Meter unter der Erde ein Haus im Sommer kühlt und immer Winter wärmt
  • Community Pro-Power Maschine, die ein kleiner alles Verbrenner ist
  • Micro-Machines: anfangen selbst herzustellen und nicht darauf warten, bis ein Arbeitsplatz geschaffen wird.
  • Fabricator: Computer erstellt aus Staub dreidimensionale Produkte
  • Electric Motorcycle: Herstellung in einer kleinen Werkstatt
  • ICAN Building System: selbst ein Haus zu bauen, ist eine Therapie, die Medizin oder Religionen nicht schaffen

In Zukunft sieht Herr Bergmann eine Dreteilung der Arbeitswoche:

50% = 20h, arbeiten, was wir wirklich, wirklich wollen
25% = New Work Enterprise (vergleichbar der alten Arbeit nur mit intrinsicher Motivation)
25% = soziale Arbeit

Ein Teilnehmer fragte: „Wie erfährt ein Mensch, was er wirklich, wirklich will?“ Herr Bergmann führte an, dass dies ein längerer Prozess sei. Hier möchte ich auf meinen Artikel verweisen, der sich mit einer möglichen Lösung beschäftigt: Schaffe Deine eigene Realität, oder crealiity

An den nächsten beiden Tagen werden die Teilnehmer ihre eigenen Projekte vorstellen, sodass dann das Netzwerken beginnen kann. So wird auch die im obigen Artikel erwähnte Plattform crealiity.com durch die Initiatoren der Idee, Roman Padiwy und Ulrike Sabitzer, vorgestellt werden. Ein kurzes Video dazu in Englisch:

Hier noch kurz der Hinweis auf die Web-Seite von Herrn Bergmann: Neue Arbeit – neue Kultur.de

In seinem viel gelesenen Buch Die Freiheit leben macht er deutlich, wie überholt und unbrauchbar unser Vorstellungen von Freiheit letztlich sind und führt zu einem Freiheitsbegriff, der uns persönlich ermächtigt, Schritte in diese Freiheit zu unternehmen.

Mein Fazit:

Es hat 25 Jahre gebraucht, bis Herr Bergmann nun erkennen darf, dass die Zeit reif ist. Es gibt schon sehr viele Menschen (siehe auch die Kulturell Kreativen), die schon mit dem Neuen unterwegs sind, nur dass sie noch nicht voneinander wissen. Es wird Zeit, sich zu vernetzen und sich bewusst zu werden, dass man nicht ein Exot ist.

Weitere Artikel mit Bezug zum Wandel der Arbeitswelt:

Das Demokratievakuum – ein Plädoyer für demokratische EntscheidungsKulturen in Unternehmen.
(in den Kommentaren zum Artikel sind weitere Unternehmen und Köpfe gelistet, die die neue Arbeit propagieren)

Auf welche Dinge legen Sie in ihrem Arbeitsleben den größten Wert? – Ubuntu Lebensphilosophie

Resonanzschmiede: Leitlinien für den Wandel hin zu einer neuen Unternehmenskultur

Die Bodensee Charta – Leitbild der Lebensunternehmer Genossenschaft

Lebst du schon oder arbeitest du noch? Beispiel der zukünftigen Firmenkultur bei it-agile

Darüber, wie Unternehmen mit einer Vertrauenskultur richtig Kosten sparen …

  1. November 23, 2012 um 2:13 pm

    Danke für den Artikel. Ich habe auch meine Eindrücke kurz zusammengefasst:
    http://wp.me/p2kEr4-bv

    • November 23, 2012 um 3:10 pm

      Vielen Matthias, für den Hinweis auf Deinen Artikel, in dem Du u.a. schreibst:
      „Richtig spannend wird es dann in der Diskussionsrunde. Viele junge Menschen sind da, die leidenschaftlich davon erzählen, wie sie ihren ganz eigenen Weg mit der Arbeit gesucht haben und finden und immer weiter suchen. Andere sind fasziniert von der Idee, dass Arbeit möglich ist, die man wirklich wirklich will. Sie machen die Erfahrung, die ich auch gemacht habe: dieser Gedanke ist im ersten Moment so neu, so anders, so inspirierend. Eine offene, emotionale, leidenschaftliche Atmosphäre. Es sind mutmachende Geschichten, die sich zugleich ergänzen und verbinden. Heiße Gespräche, während die Füße immer kälter werden.“

      Ich würde mich ganz besonders freuen, wenn Du einen Artikel zu Deiner Dissertation hier veröffentlichen magst.

      Viele Grüße, Martin

  2. federleichtes
    November 23, 2012 um 3:58 pm

    Hallo Martin.

    Du schreibst:

    „Es hat 25 Jahre gebraucht, bis Herr Bergmann nun erkennen darf, dass die Zeit reif ist. Es gibt schon sehr viele Menschen (siehe auch die Kulturell Kreativen), die schon mit dem Neuen unterwegs sind, nur dass sie noch nicht voneinander wissen. Es wird Zeit, sich zu vernetzen und sich bewusst zu werden, dass man nicht ein Exot ist.“

    Wir hatten das Thema, sich durch Projektion vom eigenen, selbst-bestimmten und selbst-verantwortlichen Handeln zu entfernen, bereits besprochen. Offensichtlich nicht intensiv genug.

    Warum sollten Menschen sich vernetzen, die mit großer Sicherheit ihren Weg gehen. Sie SIND vernetzt mit dem, was auf ihren Wegen geschieht. Sie sind vernetzt mit Freunden in unzerstörbaren Gemeinschaften und schöpfen somit aus einer Energiequelle, deren Kraft nicht durch ein Netz (ver-)läuft.

    Natürlich sind sie „Exoten“ in einer verrückten Welt – aber sie wissen das und fühlen sich nicht so. Nenne es Rollen-Bewusstsein. Nenne es „Sinn für das Eigen-Ständige.
    Aber diese Freunde haben etwas Bestimmtes gefunden und suchen (nicht mehr) das Bestimmte im Unbestimmten.

    Uns halfen die Schriften von Don Miguel Ruiz – der klare Anweisungen liefert, sich selbst bestimmen zu lernen.

    Dir einen guten Tag.

    Wolfgang

  3. November 24, 2012 um 12:04 am

    noch eine „Exotische“ Webseite: Demokratie am Arbeitsplatz http://www.demokratischearbeit.wordpress.com

  4. November 24, 2012 um 11:40 pm

    Der Eifelphilosoph hatte Anfang des Jahres einen richtig guten Artikel zu den im Dunkeln tappenden Eliten in Davos geschrieben, worin er passendes sagt:

    Der Kapitalismus – wie wir jene konzerndominierte Wirtschaftsstruktur nennen, die eigentlich den Namen Korporatokratie verdient – vernichtet Volkswirtschaften, Demokratien und Lebensläufe von Milliarden von Menschen, die weit davon entfernt sind, Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung leben zu können. Die einen verwirklichen die Vorstellungen ihres Jobcentermitarbeiters (der selbst kurz vor seiner Entlassung steht), die anderen die ihres Arbeitgebers (der selbst dicht vor der Pleite steht). Fremdbestimmung in asozialer Abhängigkeit ist unser Motto geworden.

    gefunden in: Davos: wie die Hilflosigkeit der Leistungselite uns den Urlaub und die Demokratie kostet

  5. Michael Bonke
    November 25, 2012 um 11:18 am

    Hallo alle,
    ich war am Freitag in Köln dabei und habe abends noch die Gelegenheit bekommen, Frithjof Bergmann für meinen Podcast „SunPod“ zu interviewen:
    Herzlichst
    Michael

  6. Dezember 2, 2012 um 2:28 pm

    Wunderbares Beispiel dafür, was machbar ist, wenn man wirklich, wirklich tut, was man will (Danke an Bernhard, der es an anderer Stelle hier hinterließ):

  1. November 23, 2012 um 2:14 pm
  2. November 25, 2012 um 2:06 am
  3. November 25, 2012 um 11:17 am
  4. November 27, 2012 um 1:25 pm
  5. November 27, 2012 um 1:27 pm
  6. November 29, 2012 um 10:21 pm
  7. Dezember 2, 2012 um 2:19 pm
  8. Januar 7, 2015 um 4:40 pm

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