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Iran-Konflikt: ist Israles Existenz bedroht? Wahn und Wirklichkeit

Aus aktuellem Anlass möchte ich eine Vortragsankündigung hier veröffentlichen, geht es doch um das Leben so vieler Menschen, die sich nicht wehren können und Mächten einfach nur ausgeliefert sind. Es geht um den Vortrag:

Iran-Konflikt: ist Israles Existenz bedroht? Wahn und Wirklichkeit

gehalten von Prof. Dr. Moshe Zuckermann, Israelischer Soziologe und Professor für Geschichte und Philosophie an der Universität Tel Aviv.

Freitag, 30. November 2012, 19 Uhr,
Gewerkschaftshaus – Großer Saal – Schwanthalerstr. 6
Kostenbeitrag: 7,- Euro – ermäßigt 4,- Euro

Veranstalter: Münchner Kampagne KEIN KRIEG GEGEN IRAN
in Kooperation mit der GEW, Stadtverband München


Moshe Zuckermann wurde 1949 als Sohn polnischer Holocaust-Überlebender in Tel Aviv geboren. Als Heranwachsender lebte er 10 Jahre in Deutschland, wo er auch studierte – daher sein exzellentes Deutsch. Mit 21 Jahren kehrte er nach Israel zurück. An der Universität Tel Aviv lehrte er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas. Von 2000 bis 2005 leitete er dort das Institut für Deutsche Geschichte. Seit 2010 ist er auch wissenschaftlicher Leiter der Sigmund Freud Privatstiftung in Wien. Er ist Autor zahlreicher wegweisender Veröffentlichungen, darunter:

  • Zweierlei Holocaust. Der Holocaust in den politischen Kulturen Israels und Deutschlands (Göttingen 1998)
  • Zweierlei Israel? Auskünfte eines marxistischen Juden an Thomas Ebermann, Hermann L. Gremliza und Volker Weiß, (Hamburg 2003)
  • Sechzig Jahre Israel. Die Genesis einer politischen Krise des Zionismus, (Bonn 2009)
  • „Antisemit!“. Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument, (Wien 2010)
  • Wider den Zeitgeist, Gesammelte Aufsätze Band I, (Hamburg 2012)

Zum Inhalt seines Vortrages hat uns der Referent folgenden kurzen Text zugesandt:

„Es gibt nachvollziehbare Gründe, warum Sicherheit in der politischen Kultur Israels einen so dominanten Stellenwert einnimmt: jahrhundertealte Verfolgungsgeschichte, Holocaust-Erfahrung, feindliche Nachbarschaft. Zu fragen bleibt freilich, ob sich die Bedeutung von Sicherheit nicht mittlerweile von der realen Bedrohung gelöst hat und zur fetischartigen Ideologie geronnen ist.

Denn insofern Sicherheit am besten noch durch Frieden zu erreichen wäre, hat Israels Politik – seit 1967 bis zum Exzess gesteigert – alles daran gesetzt, diese Voraussetzung für Sicherheit zunichte zu machen, Sicherheit gar als Antithese von Frieden erscheinen zu lassen. Die realen historischen Grundlagen für das Sicherheitsbedürfnis der jüdischen Bevölkerung wurden in den Dienst einer politisch immer skrupelloser instrumentalisierten Ideologie gestellt.

So ist auch die Politik gegen die Herstellung einer iranischen Atombombe zu bewerten. Die reale Grundlage der Bedrohung ist längst einer Ideologie des Bedrohtseins gewichen, welche umso bizarrer anmutet, als davon ausgegangen wird, dass der Besitz einer solchen Bombe mit ihrer militärischen Anwendung gleichzusetzen sei, wobei jeder weiß, dass kein Land im Nahen Osten sich anmaßen könnte, Israel existenzbedrohend anzugreifen, ohne damit den eigenen Untergang heraufzubeschwören.

Noch bizarrer: Wie leicht ließe sich diese Bedrohung aus der Welt schaffen, wenn Israel es sich einfallen ließe, den Konflikt mit den Palästinensern zu lösen, mithin den Friedensweg einzuschlagen. Man spricht viel von der Irrationalität des Mullah-Staates. Die Irrationalität der Sicherheits- und Nahostpolitik Israels ist mit Sicherheit nicht leicht zu übertreffen.“


Moshe Zuckermann
Erschreckende Nonchalance

erschienen in der Zeitschrift Ossietzky Nr. 8/2012

Zuckermann beschreibt hier den aktuellen politischen Diskurs in Israel, insbesondere die manipulative politische Panikmache des israelischen Regierungschefs Netanjahu. Durch seine ständig wiederholte Beschwörung einer vermeintlich akuten Existenzbedrohung Israels durch den Iran sei es ihm gelungen, „das eigentliche Kernproblem des Nahostkonflikts – den seit Jahrzehnten fortwesenden Territorialkonflikt zwischen Israelis und Palästinensern – aus dem Bewusstsein der Weltöffentlichkeit zu verdrängen.“ Zuckermann beobachtet eine geradezu erschreckende Gleichgültigkeit der israelischen Bevölkerung angesichts der „existentiellen Gefahr“, die ihr durch einen israelischen Angriff auf den Iran droht.

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„Kein Satz wird so häufig mit dem amtierenden Präsidenten Irans, Mahmud Ahmadinedschad, assoziiert wie dieser: Israel muss von der Landkarte radiert werden. Das Problem ist nur – er hat diesen Satz nie gesagt.“

Der folgende Beitrag der deutsch-iranischen Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur, Professorin an der Hamburger Universität,erschien am 11. Mai 2010 in der Süddeutschen Zeitung – eine Pflichtlektüre für alle, die nicht der Propaganda zur Rechtfertigung eines Krieges gegen den Iran zum Opfer fallen wollen.
Katajun Amirpur
Der iranische Schlüsselsatz

Über ein umstrittenes Zitat von Ahmadinedschad
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Kategorien:Politik Schlagwörter: , , , , , ,
  1. November 19, 2012 um 12:40 am

    Da haben wir doch wieder, was in einem zurückliegenden Artikel hier im Blog zur Sprache kam:

    Ich sehe ( Video ) den Solar Plexus des Weltenkörpers … und die Folgen

    Alles dreht sich um die Proportion von Polaritäten und deren Wahrnehmung im Kontext des Konsens der Geschichte … einer Geschichte, von der Voltaire sagte:

    Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat.

    Gruß Guido

  2. Martina
    November 19, 2012 um 8:09 am

    Wann ging von persischem Boden das letzte Mal ein Angriffskrieg aus?

    • November 19, 2012 um 8:12 am

      Und gleich noch die Frage: wie viele Kriege hat Israel auf fremden Boden geführt?

  3. Oliver De Girolamo
    November 22, 2012 um 10:53 pm

    Ja das Auserwählte Volk, der Irrtum allen Glaubens…. Sind wir nicht alle Söhne Noa….oder noch weiter zurück Adams. Macht uns das nicht alle zu auserwählte, die Budisten, die Hinduisten, die Moslems, die Christen, die Herätiker, und die Abgrund tief absolut Bösen Juden die von je her an allen Boshaftigkeiten der Erde die schuld tragen?? (Die wirklich schuldigen sind jetzt nicht relevant)

    Der Glaube hat schon immer den Menschen verführt. Die einen für den einfachen Weg die anderen als Wegbereiter des einfachen Weges.

    Der Glaube war schon immer das Schwert welches den Gläubigen und Nichtgläubigen zu Ordnung ruft. Spielt es da eine Rolle ob dies mit Bronzeschwertern oder Thermalbomben passiert.

    Solange der Mensch, der einzelne, nicht begreift das er derjenige ist der Schuld daran trägt an diesen Kriegen im Namen des Glauben wird der Teufel (EGO) immer viel Nahrung haben.

    Ein kleines Beispiel: In einem Land mit 82 Millionen Menschen kommt es zur Revolution von denen stehen 70.000 Menschen auf, die Macher sind ein paar hundert und die profitierenden Organisatoren gerade mal 10….

    Im Umkehrschluss ist eine Hand voll Menschen fähig das Bild der Welt zu verändern.

    Und sie machen es weil sie es können und das gemeine Volk jammert und lamentiert, ich kann ja eh nichts tun dabei ist es allem Schuld

    • Martina
      November 24, 2012 um 10:35 pm

      Was ist Schuld?

    • November 24, 2012 um 11:27 pm

      Ein kleines „herzlichen Glückwunsch“ Bernhard, Du hast den 10.000 Kommentar hier hinterlassen 🙂

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