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Eine wichtige Methode der direkten Demokratie: Systemisches Konsensieren

Ich hatte die Methode Systemisches Konsensieren schon einmal kurz in dem Artikel Der steinige Weg zur direkten Demokratie angesprochen. Nun haben mir die Erfinder, Siegfried Schrotta  und Erich Visotschnig, einen Text zur Verfügung gestellt, der eine kurze Einführung in die Methode gibt. Nochmals aufmerksam geworden bin ich auf die Methode durch einen Artikel von Andreas Zeuch, in dem er die Methode kritisierte, und worauf noch eine Richtigstellung folgte. Aber lest nun selbst über diese wichtige Methode für die Optimierung demokratischer Streitkulturen:

Systemisches Konsensieren – eine kurze Einführung

Warum sind demokratische Gesellschaften in so viele Konflikte und Machtkämpfe verwickelt?

Weil wir uns seit jeher einem Entscheidungsprinzip verpflichtet fühlen, das zwar unbestreitbar Großes für die Entwicklung der Demokratie geleistet hat, dessen negative Auswirkungen aber nicht genügend beachtet werden: Wo immer das demokratische Mehrheitsprinzip eingesetzt wird, hat  die Mehrheit die Entscheidungsmacht und kann damit ihre Interessen durchsetzen. Wer sich behaupten will, muss daher möglichst viele Anhänger um sich scharen, um die anderen nach Bedarf niederstimmen zu können. An Stelle der Sachthemen tritt der Kampf um Gefolgsleute in den Vordergrund. Immer dann, wenn über vitale Interessen abgestimmt wird, spaltet dieses Entscheidungsprinzip die Gruppe in streng getrennte Lager. Machtkämpfe und Konflikte sind die Folge.

Die Kluft zwischen den politischen Parteien ist nur zu einem geringen Teil durch unterschiedliche Ideologien erklärbar. Solange der Erfolg von der Zahl der Gefolgsleute abhängt, die man selbst hat, aber der Gegner nicht hat, sind Gemeinsamkeiten mit dem politischen Gegner nicht möglich. Es kommt einem politischen Selbstmord gleich, die Ideen des Gegners anzuerkennen, statt sich davon scharf abzugrenzen und sie möglichst abzuwerten.

Trotz dieser ständigen Konflikte und daraus resultierenden Fehlentwicklungen halten wir es für ganz normal, dass in der Demokratie um Mehrheiten und Macht gekämpft werden muss. Unsere kriegerische Vergangenheit hat unser Denken über Jahrtausende derart nachhaltig geprägt, dass wir keine Alternativen zum Ringen um Sieg oder Niederlage entwickelt haben. Wir haben dieses  Sieger–Verlierer–Prinzip von Generation zu Generation weitgehend kritiklos weitergegeben. Solange wir am konflikterzeugenden Mehrheitsprinzip festhalten, wird es auch weiterhin die Gesellschaft in politische Lager spalten und den Parteienstreit schüren.

Befreiung aus dem Sieger–Verlierer–Prinzip

Und doch ist eine Befreiung daraus denkbar einfach. Wir können bei unseren Entscheidungen das Mehrheitsprinzip in sein Gegenteil verkehren: Statt uns für jenen Lösungsvorschlag zu entscheiden, der die meisten Befürworter hat, können wir – vereinfacht gesagt – jenen Vorschlag wählen, der die wenigsten Gegner hat. Das Systemische Konsensprinzip oder SK-Prinzip fordert genau diese grundsätzliche Umkehr und eröffnet damit ein neues Erfolgskriterium: Gewinnen soll jener Vorschlag, der von der gesamten Gruppe die geringste Ablehnung erfährt.

Da Menschen immer dem Erfolg nachjagen, orientieren sie ihr Verhalten auch in diesem Fall am neuen Erfolgsprinzip und trachten daher, die Zahl der Gegner und ihre Ablehnung zu verringern, um den eigenen Vorschlag durchzubringen: dazu müssen Sie die Anders-Denkenden verstehen und deren Interessen im ihrem Vorschlag so gut es geht berücksichtigen. An Stelle von Kampf um Sieg oder Niederlage entwickeln die Beteiligten nun im eigenen Interesse Entgegenkommen und bemühen sich um Interessenausgleich. Aus Konflikterzeugung wird überraschend schnell und nachhaltig das Streben nach Konfliktlösung.

Bei Gruppenentscheidungen nach dem SK-Prinzip geht es dementsprechend nicht darum, die Wünsche einer Teilgruppe oder der Mehrheit zu erfüllen, sondern um Beschlüsse, die von allen möglichst gut mitgetragen werden. Dadurch erhält jede/r die Möglichkeit, sich einzubringen und mit den eigenen Vorstellungen etwas zu bewegen, ohne dafür Mehrheiten mobilisieren zu müssen. Das einzelne Gruppenmitglied  wird aufgewertet und kann seine Kreativität im Sinne des gemeinsamen Zieles einbringen. Die Konfliktenergie der Gruppe wird so in einem konstruktiven Wettbewerb nutzbar gemacht, statt sie in zerstörerischem Gegeneinander auszutragen.

Der einfachste Fall des SK-Prinzips

Die Gruppe entwickelt möglichst viele Lösungsvorschläge, und wählt dann jenen aus, der dem Konsens und damit dem Interessenausgleich am nächsten kommt (siehe).

Dies wird durch genaue Messung des Konfliktpotenzials jedes einzelnen Lösungsvorschlags verwirklicht:  Bei „Systemischen Konsensieren“ werden also zuerst möglichst viele Vorschläge eingebracht und dann kann jedes Gruppenmitglied seine subjektive Ablehnung, Unzufriedenheit, Widerstände, Ängste, Bedürfnisse und Nöte gegenüber jedem einzelnen Vorschlag durch Widerstandstimmen (W-Stimmen) ausdrücken:

  • 0 W-Stimmen bedeutet: Ich habe keinen Einwand gegen diesen Vorschlag.
  • 10 W-Stimmen bedeuten: Dieser Vorschlag ist für mich unannehmbar.
  • Zwischenwerte werden nach Gefühl vergeben.

Durch Zusammenzählen der W-Stimmen, die ein Vorschlag von allen Beteiligten erhalten hat, ergibt sich dessen Gruppenwiderstand. Er ist zugleich ein sehr genaues Maß für das Konfliktpotenzial. Dadurch entsteht eine eindeutige Rangordnung der Vorschläge hinsichtlich ihrer Nähe zum Konsens. Der Vorschlag mit dem geringsten Konfliktpotenzial kommt dem Konsens am nächsten, er gilt als «konsensiert». Es ist also die Tauglichkeit eines Vorschlags in den Augen aller Beteiligten, die entscheidet, ob und wie gut er von der ganzen Gruppe akzeptiert wird.

Dabei werden keinerlei Anforderungen an den guten Willen oder die Moral der Beteiligten gestellt. Die Methode ist auch bei heftigen Interessenkonflikten und Streit einsetzbar, denn sie schreitet selbsttätig in Richtung Konsens fort. Da es stets einen Vorschlag mit dem geringsten Gruppenwiderstand gibt, ist Konsensieren nicht blockierbar. Es eignet sich für Entscheidungen in der Familie, im Freundeskreis, in Vereinen, in Gruppen jeder Größe, aber auch in Wirtschaft und Politik.

Das Online-Konsensier-Programm unterstützt sowohl die lokale als auch die dezentrale Abwicklung für beliebig große Gruppen weltweit. Der kreative Prozess ist unabhängig von der Größe der Gruppe und funktioniert auch bei internen Lagerbildungen oder zwischen politischen Parteien und Staaten. Die Beteiligten bewegen sich systembedingt vom Konflikt zum Konsens.

Der konsensierte Vorschlag

  • kommt dem allgemeinen Interessenausgleich am nächsten …
  • erzeugt die geringste Unzufriedenheit in der Gruppe …
  • wird von allen gemeinsam am leichtesten angenommen …
  • erzeugt die geringsten Reibungsverluste bei der Umsetzung…
  • und kommt daher als Problemlösung am ehesten in Frage.

Falls das gemessene Konfliktpotenzial noch zu hoch ist – also die Akzeptanz zu gering ist – muss nach besseren Lösungen gesucht werden. Alle haben die gleiche Chance die günstigste Lösung zu finden. Vorschläge von Minderheiten oder sogar Einzelnen haben ungeschmälerte Erfolgsaussichten.

Die Stimmenzahlen als Machtfaktor haben ausgedient. Wird die Lösungssuche nach dem SK-Prinzip vereinbart, so entsteht das Machtparadoxon: Wer machtorientierte oder egoistische Vorschläge einbringt, wird Widerstand ernten und kann sich damit nicht durchsetzen. Erfolgreich kann nur sein, wer fähig und bereit ist, in seinen Vorschlägen neben den eigenen auch die Interessen der anderen zu berücksichtigen. Daher muss man sich bemühen, die Wünsche und Meinungen der Anderen zu erkunden und sie zu verstehen, um sie angemessen einbeziehen zu können. In der Gruppe stellt sich daher aus systemischen Gründen ein Gruppenklima gegenseitigen Verstehens und Entgegenkommens ein. Alle wissen, dass es jetzt ausschließlich um die günstigste Lösung aus der Sicht aller Beteiligten geht.

Entscheidungsinstrument ohne Machtstrategie

Systemisches Konsensieren erweist sich als ein Entscheidungsinstrument, ohne ein Machtinstrument zu sein. Nicht machtstrebende Egoisten, sondern gemeinschaftlich denkende Menschen setzen sich durch. Es entsteht eine totale Verhaltensumkehr gegenüber heute üblichen egoistischen und rücksichtslosen Machtstrategien.

Lösungsvorschläge, die das Problem nicht befriedigend lösen, erregen Widerstand. Das bedeutet, dass Gruppen, die nach dem SK-Prinzip entscheiden, weder einen untauglichen „Weg des geringsten Widerstands“ gehen, noch den viel geschmähten und meist untauglichen „kleinsten  gemeinsamen Nenner“ entwickeln, sondern ausschließlich vollständige Lösungen für das aktuelle Problem. Nirgends ist Platz für Feilschen und Handeln oder die Suche nach Kompromissen, mit denen die angebotenen Gesamtlösungen wieder zerstückelt, verstümmelt oder verwässert werden könnten.

In allen Gesellschaftsbereichen, in denen mittels Konsensieren entschieden wird, entsteht während der Näherung an den Konsens ein kollektives Bewusstsein über gemeinsame Ziele und die Grenzen der Zumutbarkeit. Dadurch gelingt es, Probleme und Interessenkonflikte dauerhaft zu lösen. Wir leisten damit einen Beitrag zum Entstehen einer lebenswerteren und friedlicheren Welt.

Euer Siegfried Schrotta  und Erich Visotschnig

Anbei noch der Hinweis zum Buch der Autoren: Systemisches KONSENSIEREN: Der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg

Die Kurzbescheibung zum Buch:

Auf den Geist, auf das Bewusstsein kommt es an, mit dem wir gemeinsam entscheiden und handeln. Doch Geist lässt sich nicht verordnen. Deshalb ist es sehr wertvoll, ein Instrument an der Hand zu haben, das allein schon durch seine systembedingten Wirkkräfte den Geist und das Bewusstsein in zweckdienliche Bahnen lenkt. Dieses Instrument heißt „Systemisches KONSENSIEREN“. Es hat einen außergewöhnlichen Einfluss, unter dem sich die Beteiligten wie von selbst dem größtmöglichen Konsens nähern. Dabei finden Machtspiele und Gruppenegoismen in frustrierende Erfolglosigkeit. Die Gruppe findet Lösungen, die wirksam und gleichzeitig für alle tragbar sind. Dabei gibt es keine klassischen „Verlierer“, die sonst gegen die Anderen Widerstand aufbauen würden.
Was kann man sich Besseres wünschen, als gemeinsam die besten Lösungen zu finden, die letztendlich von allen bereitwillig angenommen werden?

  1. November 21, 2014 um 2:51 pm

    Ich finde das, den mäkelnden Unkenrufen (die selbst keine bessere Lösung vorlegen) zum Trotz, eine super Idee und werde das mal in unserem Freiberufler-Verbund zur Entscheidungsfindung versuchen einzuführen!

    Übrigens: Der Link zu dem „Tool“ funktioniert leider nicht mehr.

  2. federleichtes
    Oktober 24, 2014 um 2:28 pm

    Das meinte ich mit „Stehen bleiben“:

    “Unabhängig davon was auf Regierungspapieren steht, oder die aufkommende totalitäre Kultur verkörpert, wir haben Naturrechte. Wir haben das Recht frei zu leben, unabhängig und ohne äussere Einmischung. Zu denken und uns zu BEWEGEN und zu sein. Alle Früchte von Gaia zu geniessen.”

    Mich nicht beirren lassen. Und das:

    „Wo der natürliche Impetus zur Freiheit da ist, ist er nicht zu halten.“

    Mich nicht fesseln zu lassen.

    Was Politiker und Manager arbeiten, ist weder Pflanze noch Tier noch Mensch zuträglich. Einige meinen, die diesen Beruf ausüben seien krank. Ich meine etwas anderes, dass die Arbeit die sie machen, für sie nicht die richtige ist. Eine meiner Visionen beschreibt die für sie richtige, ihr Befinden förderliche Arbeit: Sie pflanzen. Sie räumen den Dreck auf, den sie produzieren ließen – und werden nach kürzer oder längerer Zeit sich gut fühlen, schuldfrei – und ihre Scham nicht in immer größeren Wahn ertränken müssen.
    „Abführen“ ist also das Gegenteil von Strafe. Damit beginnt Hilfe, damit beginnt Brüderlichkeit als Akt der Förderung geistiger Gesundheit – . das Zurückerlangen von echter Würde. „Ich bin heilbar“, spricht der Wahnsinn, „und wenn ich geheilt bin, gibt es auch keinen Schwachsinn mehr“.

    Ich lese gerade „Selbstbewusstsein kann man lernen“, von Peter Lauster – geschrieben 1974.
    Ich zitiere:

    „Die Erziehung hemmt die Entfaltung der körperlichen Sinnlichkeit und der Liebesfähigkeit. In unserer Kultur wird zum Egoismus und zum Konkurrenzdenken erzogen.“
    Und:
    Das ganze frustrierende Erziehungssystem macht ihn anfällig dafür, an das Konsumglück zu glauben.
    …. um sich mit dem verdienten Geld Glück zu kaufen. Woher soll er wissen, dass das nicht geht? Niemand sagt ihm das.“

    Die ollen Bücher lese ich gerne. Fromm beschrieb die gesellschaftliche Realität (z.B. in Anatomie der Destruktivität) sehr genau vor fünfzig Jahren, und Lauster den Weg in den Schwachsinn vor vierzig Jahren.

    Ich möchte nicht als Arbeit bezeichnen, Menschen in den Schwachsinn zu führen. Arbeit soll ja frei machen und Freiheit erhalten, und nicht das Gegenteil bewirken.
    Die, die also dem Schwachsinn Wege bereiteten und Menschen mit hundsgemeinen Methoden zwangen, sie zu beschreiten, haben also niemals wirklich gearbeitet. Ich gehe davon aus, dass diese Menschen über eine ausgeprägte Zweck-Nutzen-Intelligenz verfügen. Und ich gehe davon aus, dass diese Intelligenz ein neutrales Werkzeug ist, das auch konstruktiv-wohlwollend eingesetzt werden kann. Goldene Zeiten kommen? Offen gesagt sehe ich die Produkte der visionierten Beschäftigungs-Umorientierung unterwegs bereits wachsen; ein gutes Empfinden: Statt konzernierter Giftmischereien kleine, feine Baumschulen – wegen mir mitten in der Stadt.
    (Steht in Berlin nicht der Prototyp eines Kugel-Treibhauses?)

    Der Eichelhäher sitzt neben mir- ich bin abglenkt.

    Gruß an die Runde (ein federleichtes Gefühl)
    Wolfgang

  3. Oktober 24, 2014 um 9:04 am

    Gestern flatterte mir zum Thema einiges auf den Bildschirm. Mangels Zeit hier schnell ein paar Zitate:
    „Wenn du darauf wartest, dass deine Freiheit dir übergeben wird, denk noch einmal nach. Souveränität fängt mit dir an. Du wählst Souveränität für dich selber, um dich souverän zu fühlen, souverän zu leben, souverän zu sein. Aber heute ist für die meisten von uns, bedauerlicherweise, die Idee Souveränität zu verkörpern ein totaler Paradigmenwechsel.“
    „Ich werde oft von Wake Up World Lesern gefragt…

    Wie gehe ich vor, um ein souveränes Wesen zu werden?

    Was ist der richtige Weg Souveränität zu deklarieren?

    Oder in anderen Worten…

    Welchen Papierkram muss ich unterschreiben, um frei zu sein ?

    Diese frage ich normalerweise …

    Suchst du das Einverständnis von jemand anderem, um frei zu sein?

    Ist das nicht ein Widerspruch an sich?

    Wer hat die Autorität dir die Erlaubnis zu geben unabhängig zu denken und zu handeln?

    Per Definition, kommt Souveränität nicht von innen, statt von ausserhalb?“

    „Die Regierung ist die Schöpfung von menschlichen Wesen. Sie kann anderen menschlichen Wesen nichts vorschreiben, solange bis besagter Mensch zustimmt mitzuspielen. Das ist unser natürliches Recht.

    Falls und wenn du zustimmst innerhalb des Systems der Regierung zu interagieren, stimmst du zu durch ihre Gesetze und Einschränkungen gebunden zu sein ebenso wie beschränkte Vergünstigungen zu geniessen. Aber als Treuhänder arbeitet dies zwangsläufig gegen dich – das System ist nicht aufgebaut, damit es dir nutzt. Du bist ein Treuhänder für die Bestrebungen der Nutzniesser-Regierung. Du wirst immer aufgefordert mehr zu geben als du nimmst…“

    „Unabhängig davon was auf Regierungspapieren steht, oder die aufkommende totalitäre Kultur verkörpert, wir haben Naturrechte. Wir haben das Recht frei zu leben, unabhängig und ohne äussere Einmischung. Zu denken und uns zu BEWEGEN und zu sein. Alle Früchte von Gaia zu geniessen.“

    Alles hier:
    http://removetheveil.net/2014/10/22/wenn-wir-freie-souverane-wesen-sind-warum-fragen-wir-nach-erlaubnis/#more-494

    Mir stellen sich an der Stelle die Verbindungen und Begründungen her zu jedem Konzept von Moral, Schuld und Sühne, zum Zwecke der Verblödung, Manipulation und Unterdrückung.

    Habt einen schönen Tag.
    Martina

    • Oktober 24, 2014 um 9:08 am

      Ah, sehr schön, Danke für den Link! 🙂 Martin

    • chattison
      Oktober 24, 2014 um 10:03 am

      Ich hatte mal einen Kater, zumindest solange, bis sich „wohlwollend fürsorgliche“ Mitbürger den geschnappt und entführt haben, weil das arme Tier den ganzen Tag frei rumlief und das arme von mir gewissenlos vernachlässigte Tier ja unbedingt menschliche Zuwendung braucht und zwar 24/7.
      Ich machte mir da keine Sorgen, weil:

      Der Kater hieß Houdini (https://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Houdini).
      Weil er aus jedem Karton, den ich anfangs für Reisezwecke für ihn gebastelt hatte, ausbrach, egal was ich da anstellte, es ist mir heute noch ein Rätsel, wie er das gemacht hat, weil er nämlich dabei keinerei Spuren hinterließ, zumal er da erst 10 Wochen alt war^^

      Naja, der kam auch flugs wieder zurück, woraufhin die Kanailllen, die sich Nachbarschaft schimpften, erbost klingelten und sich darüber beschwerten, dass ich den Kater ihrer Fürsorglichkeit entrissen hätte, nur um ihn der Verwahrlosung erneut anheim zu geben!

      Ich gab ihnen daraufhin brav den Kater und ermahnte sie, doch bitte ab jetzt besser auf ihn aufzupassen!^^
      Verblödet-verdutzt nahmen sie Houdini in Empfang und dackelten ab.
      Am Abend war er dann wieder da.

      Ich also zu den „Nachbarn“ und erbost am Klingeln:
      Hatte ich Ihnen nicht gesagt, Sie sollten auf den armen schutzlosen Kater aufpassen?! Hatten Sie mir nicht versichert, er wäre bei Ihnen sicher aufgehoben?! Ihnen kann man so ein schutzbedürftiges Tierchen ja wohl nicht anvertrauen!! Ich suche für den Kater sofort ein besseres Zuhause!!!
      Sprach´s, drehte mich um und begab mich nach Hause.

      Houdini war derweil schon wieder auf Streife im Gelände und mied interessanterweise das Areal der Nachbarn zukünftig sorgfältig, haha!
      Die Bachnarr´n (Das sind die, die ihren eigenen Ausfluss für erquickendes Quellwasser halten!)- äh – Nachbarn haben sich nie wieder bei mir blicken lassen…

      Fazit:
      Wo der natürliche Impetus zur Freiheit da ist, ist er nicht zu halten.
      Houdini fragte nicht lange, denn die Lage war für ihn klar, und er nahm sich, was ihm seiner Ansicht nach gebührte.
      Er hat sich das nicht Abgucken können, er musste dazu nichts lernen, er brauchte keinerlei Hilfsmittel.

      Die nach Freiheit fragen, das sind dieselben, die bei Rot stehen bleiben, aber sich die Freiheit nehmen, andere beim Weitergehen anzuzeigen.
      Das sind dieselben, die keinen Durst haben, aber jeden fragen, was sie trinken sollen.
      Das sind dieselben, die um Erlaubnis bitten sterben zu dürfen…

  4. Titelfrei
    Oktober 23, 2014 um 6:16 pm

    Das mag jetzt ein wenig unverfroren daherkommen, aber mir reicht die Überschrift, den Text hab‘ ich gar nicht gelesen.
    Grobes Konzept:
    Unterdrückung von Minderheiten zu Gunsten von Mehrheiten.
    Eigentliches Konzept:
    Unterstützung von Minderheiten (finanzstark) zu Ungunsten von Mehrheiten (finanzschwach)
    Tatsächliches Konzept:
    Deppen Kreuzchen machen lassen, Politiker Theater spielen lassen,
    hinter den Kulissen des Kreuzchen-Regierungs-Kasperle-Theaters abkassieren.
    Alternative – Demonstration:
    Meinung auf Schildchen schreiben, Fußball kucken und sich wie Sieger fühlen, überrascht sein, dass nix von dem was auf dem Schildchen stand passiert.

    • Oktober 23, 2014 um 11:29 pm

      Schade, dass ungelesen kommentiert. Das ist wie blind mit dem Jagdflieger unter einer Brücke durch …

      • federleichtes
        Oktober 23, 2014 um 11:48 pm

        Schade?

        „Methode für die Optimierung demokratischer Streitkulturen:

        Systemisches Konsensieren – eine kurze Einführung

        Warum sind demokratische Gesellschaften in so viele Konflikte und Machtkämpfe verwickelt?

        Weil wir uns seit jeher einem Entscheidungsprinzip verpflichtet fühlen, das zwar unbestreitbar Großes für die Entwicklung der Demokratie geleistet hat, …“

        Wer soll damit hinter dem Ofen hervor gelockt werden?

        Großes für die Entwicklung der Demokratie geleistet? Nun mal ernsthaft!

        Streitkultur? Wie meinen, Pseudo-Streitkultur?
        Tatsächlich werden die Reichen unverschämter, die Politiker dreister und die Armen ärmer und kränker. Die Verschuldung steigt, die Vergiftung unserer Heimat steigt, und die Vernachlässigung staatssozialer Aufgaben wächst. Von unseren Kindern mal ganz zu schweigen (oder möchtest Du einen aktuellen Lagebericht aus einer Fünften Klasse?).

        Wer sich mit diesem Thema beschäftigen möchte – ich hatte mich bereits (etwas) über Mr. Chattison gewundert.

        Es wird keine neue Brücke geben. Der Wahn wird sich selber aushungern, oder wir verrecken alle. Mahlzeit.

        Gruß
        Wolfgang

        • chattison
          Oktober 24, 2014 um 12:56 am

          Wer sich mit diesem Thema beschäftigen möchte – ich hatte mich bereits (etwas) über Mr. Chattison gewundert.

          Es sind die letzten Reste sentimentaler aufklärerischer Anwandlungen…

          Motto:
          *Wenn so gar niemand widerspricht, glaubt am Ende doch wieder jeder an alte Hüte.

          … die mich manchmal noch übermannen (oder muß das jetzt überfrauen heißen???).

          Ich verspreche mich zu bessern.^^

          • federleichtes
            Oktober 24, 2014 um 1:11 am

            Nein, Neieieieiein – bitte Alles andere, nur nicht „bessern“. Sie halfen mir so manches mal mit ihrem eisernen Stehvermögen wieder auf die Blogbeine.

            Sentimental? Ne, ich nich. Aber fernab von allgemeiner Moral und Schwurbelethik gilt mir, den Schwächeren helfen zu müssen – ganz ohne ein Helfersyndrom bemühen zu müssen – reiner Eigennutz, um in dieser schäbigen Welt STEHEN zu bleiben.

            Offen gesagt hatte ich vor einem Viertelstündchen eine Vision – wir beide vor einer Versammlung von Top-Managern. Einer von uns fragte, und der andere sagte: Abführen.
            Na gut, die Vision war nicht ganz stubenrein, aber wer kann sich schon gegen Visionen wehren.

            Ne, lass mal stecken, wir sind – ich jedenfalls – ganz gut davor. Meine Sprache wird schärfer, ich klopfe mir ganz unbescheiden mal auf das Schulterchen, was dem Anschein nach nicht viel aushält. WEr weiß, was ohne die Worte der geistig behinderten Frau aus mir geworden wäre. Die sitzen, irgendwo ganz unten:
            Nich aufgeben.
            Gell!

            Herzliche Grüße senden Ihnen und den Ihren die
            Federleichten

          • chattison
            Oktober 24, 2014 um 9:34 am

            Die Visiten-Vision ist nicht stubenrein?
            Im Gegenteil – nur so bleibt die (Gehirn)Stube rein!
            „Abführen“ – kennt man aus dem Pflegealltag.
            Bei der Entsorgung zweibeinigen Fäkalpotentials bin ich gerne behilflich, man vermeidet doch gerne den sozialen Dekubitus.

            Standhaftigkeit passt nicht zum Federleichten.
            Angesichts des Schmetterlings würde ich da eher von „Austanzen“ oder „Ausgaukeln“ sprechen^^

            Als reisefreudiger Moschnarchfalter rate ich mal ganz unprätentiös dazu, denn dann spart man sich das Gewicht der Abwetterkleidung, wenn man durch Schauer und Hagel hindurch flanieren kann…

            Nur nicht vom Wesentlichen abbringen lassen:

            Einfach über den Wassern stehen und staunen:

            Und wenn´s mal ganz dicke kommt, kurz ne Verschnaufpause, in sich gehen – das perlt dann so richtig^^:

          • chattison
            Oktober 24, 2014 um 9:42 am

            Bitte darum meinen Kommentar frei zu schalten!?
            Echt lästiger Scheiß das wordpress-Getue…

          • Oktober 24, 2014 um 9:44 am

            Ich stelle mal die Anzahllinks auf 5 🙂 Martin

          • chattison
            Oktober 24, 2014 um 10:04 am

            Das ist nett, danke!

      • titelfrei
        Oktober 24, 2014 um 10:07 am

        „Schade, dass ungelesen kommentiert. Das ist wie blind mit dem Jagdflieger unter einer Brücke durch …“

        Ja, genau…
        ..und genau das sind wir doch – blind. Was hinter den Kulissen der als Demokratie bezeichneten Diktatur wirklich passiert, davon haben wir doch nur ansatzweise eine Ahnung. Da lässt uns doch keiner reinschauen. Wir sollen nur Kreuzchen machen, damit man hinterher sagen kann, die Mehrheit hätte doch ihr Einverständnis für all die Machenschaften gegeben, die da ungesehen im Hintergrund laufen. Dabei spielt es doch gar keine Rolle, für wen das Kreuzchen gemacht wurde, denn mit den Kreuzchen werden nicht Diejenigen gewählt, die wirklich die Fäden in Händen halten, sondern nur für deren Laufburschen. Auf den eigentlichen Wahlzetteln werden keine Kreuzen gemacht, da stehen ganz unmissverständlich Zahlen drauf. Jene, die anhand dieser Zettel die Masse bevormunden können tragen die Macht in ihren Händen, sonst Niemand. Je mehr Zettel, umso mehr Macht.

        Kennt ja sicher Jeder:

        Glaube nicht, dass die Pharmaindustrie bereits das oberste Glied der Nahrungskette darstellt.

        So, hier scheint die Sonne, geh‘ jetzt raus.

  5. chattison
    Oktober 23, 2014 um 2:57 pm

    Ich mach´s ausnahmsweise mal kurz:

    Thema verfehlt.
    Eine Demokratie hat rein gar nichts davon, wenn nur die konsensfähigen bzw mehrheitsfähigen Entscheidungen auf Basis der Akzeptanz ermittelt und umgesetzt werden!
    Die rein pragmatisch orientierte Erfahrung beweist hier eindrücklich, dass auf diesem Wege bestenfalls Verschlimmbesserungen zu erreichen sind – FengShui-orientierte-Büro-Einrichtungsfragen und Kantinenessenreihenfolgen mal abgesehen.

    Das EINZIGE was zu zählen hat, ist die RICHTIGKEIT einer Entscheidung und nicht der Beliebtheitsgrad oder eine diffuse Gemengelage von Beliebigkeiten!

    Ob das jemandem schmeckt oder nicht, hat eigentlich ja wohl scheißegal zu sein!
    Was verbessert die Gesamtlage für alle ohne Rücksicht auf „Kosten“, Befindlichkeit oder Lobbyismus?!

    Die Ausarbeitung sinnnvoller, praktikabler Vorschläge hat durch Experten auf diesem Gebiet zu erfolgen, unabhängig von irgendwelchen Parametern außerhalb des wahren Expertentums.

    Danach erfolgt eine Erläuterung, bis auch der letzte verstanden hat, worum es geht, wie es funktioniert und was es für Konsequenzen hat.

    Danach erfolgt eine Abstimmung.

    So rum wird ein Schuh draus, andersrum dreht man sich in orthopädischem Schuhwerk im Kreis…

    • federleichtes
      Oktober 23, 2014 um 3:59 pm

      Das Wesen dessen, was als Demokratie gilt, ist Täuschung, um die Wucht des Notwendigen erträglich zu machen.

      Das Notwendige ist also richtig,
      und nicht das Richtige notwendig.

      Ich bin in Deutschland geboren, also bin ich Deutscher. Ich lebe in einer Demokratie, also bin ich Demokrat. Manchmal denke ich, ich bin nicht ganz richtig, aber das ist nicht wirklich notwendig zu denken, wenn ich bedenke, dass ich nicht nur Deutscher und nicht nur Demokrat sein muss. Wer auf das deutsche Demokrat-Sein beschränkt ist, hat sie doch nicht alle – ich meine, die Möglichkeiten des Mensch-Seins erfasst

      Ein dreifach Prosit auf die Gemütlichkeit in orthopädischem Schuhwerk. Isch barfuß.

      Gruß
      Wolfgang
      kannte das Thema gar nicht.

    • chattison
      Oktober 23, 2014 um 4:55 pm

      Das Notwendige ist immer richtig.
      Richtigkeit ist aber auch immer notwendig^^

      Von mir aus können alle sich zu Tode konsensieren – ich setze da lieber auf die Notwendigkeit und Richtigkeit und Optimalität der Selbstorganisation.

      Würde ich diese nicht favorisieren, wäre ich schon lange tot, weil meine Zellen, Neuronen, die ANDEREN etc. sich im ewigen Konsensieren überhaupt nicht mehr um das Leben selbst kümmern könnten und würden^^

      Diese Frage wird von den Konsensierern nämlich weder ansatzweise gestreift, geschweige denn beantwortet:

      Wie schafft es der Körper, bei Billionen von Individuen, maximaler Verschiedenheit von Formen und Funktionen, sich so abzustimmen, dass der Körper respektable zig Jahre famos zu runden versteht?!

      die Antwort darauf macht das ganze Demokratie-Gewinsel überflüssig….

      • federleichtes
        Oktober 23, 2014 um 5:26 pm

        Gewinsel ist eine der Optionen, zu Tode zu kommen; und nicht die schlechteste. Wiehern ist auch eine Option – sie macht mehr Spaß, besonders auf einem winselfreien Feld.

        Ich würde ja gerne Konsens, kann mich aber nicht entscheiden mit was: Schwachsinn oder Wahnsinn.

        Das Weder/Noch besteht gleich darin, Vogelfutter zu holen, für etwa zehn Sowohl-als-auch-Dompfaffen. Die Männchen kategorisierte ich als Sowohl, und die Weibchen als Auch. Das Kategorisieren erledige ich jeden Tag mehrfach, um mich nicht mit fremden Schwachsinn beschäftigen zu müssen.

        Dompfaff-Ersatz

        Eichelhäher-Ersatz

        Man hört sich.
        Wolfgang
        (Blaumeisenersatz)

  6. November 22, 2012 um 12:27 pm

    Lieber Herr Bartonitz,

    für mich ist es äußerst lehrreich zu sehen, wie die kurze Beschreibung eines komplexen Prozesses missverstanden werden kann. Ich gestehe gerne jedem zu, der die Wirkkraft des Systemischen Konsensierens nicht erlebt hat, skeptisch zu sein. Nehmen wir z.B. den kurzen Absatz:
    „Bei Gruppenentscheidungen nach dem SK-Prinzip geht es dementsprechend nicht darum, die Wünsche einer Teilgruppe oder der Mehrheit zu erfüllen, sondern um Beschlüsse, die von allen möglichst gut mitgetragen werden. ….Das einzelne Gruppenmitglied wird aufgewertet und kann seine Kreativität im Sinne des gemeinsamen Zieles einbringen. ….“
    Hier ist der ausführliche Prozess nur angedeutet, in dem alle Beteiligten ihre Vorschläge zur Lösung eines Problems einbringen und deren Vor- und Nachteile diskutieren.
    Das Werkzeug des Bewertens der Vorschläge wird nur bei Bedarf als Zwischenwertung und am Ende des Prozesses eingesetzt, um die Nähe der einzelnen Vorschläge zum Konsens (mit ausreichender Genauigkeit) festzustellen. Es entsteht ein gemeinsames Bewusstsein darüber, wie nahe man sich mit welchen Vorschlägen gekommen ist, und wie hoch das Konfliktpotenzial noch ist. Ob man also weiter nach Lösungen suchen muss, oder bereits die Beschlussreife erreicht hat. Die Antriebsquelle in diesem Prozess besteht in der Vereinbarung, jenen Vorschlag als den besten anzuerkennen, der dem Konsens am nächsten kommt.

    Bei der Soziokratie versucht ein Moderator die Bedürfnisse aller Beteiligten durch immer bessere Vorschläge zu erfüllen, bis alle Einwände behoben sind. Es ist unbestritten, dass dies bei unvereinbaren Interessen unlösbar sein kann (wodurch die Entscheidung blockierbar wird). Auch die Fähigkeit des Moderators spielt dabei besonders stark mit.

    Im Prozess des Konsensierens hingegen kommen die Vorschläge von den Beteiligten selbst und es wird nicht unbedingt der absolute Konsens angestrebt, sondern die bestmögliche Näherung. Die Gruppe ermittelt zusätzlich die „Grenze der Zumutbarkeit“, eine äußerst wertvolle Entscheidungshilfe (deren Erklärung hier zu weit führen würde). Bei der Näherung an den Konsens muss diese Grenze jedenfalls überschritten sein, dann ist die Entscheidung nicht mehr blockierbar.

    Divergierende Interessen können so weit auseinander liegen, dass sie nicht alle mit einer einzigen Entscheidung erfüllt werden können. Dadurch kann es selbstverständlich auch beim Konsensieren Enttäuschte geben, wenn ihre Interessen nicht dem allgemeinen Konsens entsprechen. Doch diese Personen sind keine Besiegten im Sinne eines Kampfes gegen Kontrahenten, sondern sie sind Mitglieder einer Gruppe, die ihnen zu verstehen gibt, was zumutbar ist. Diese Erfahrung kann im kleinen Kreis aber auch in großen Gruppen und bei Entscheidungsprozessen der Öffentlichkeit nützlich sein.

    Mit herzlichem Gruß, S. Schrotta, 22.11.2012

    • November 22, 2012 um 1:47 pm

      Vielen Dank fuer Ihre hilfreichen Ergänzungen, Herr Schrotta. So wird das Bild noch runder.
      Ebenso herzliche Gruesse, Martin

  7. November 18, 2012 um 6:14 pm

    Ardalan Alexnader Ibrahim hat mir gerade auf Xing einen ausführliche, weitergehende Kritik geschrieben:

    Hallo lieber Martin,

    Danke Dir für diesen Beitrag und die Verlinkung!

    Ich kenne mittlerweile ganz ännliche Vorgehensweisen aus dem Bereich der Soziokratie und von Marie Miyashiro in „The Empathy Factor“.

    Es gibt aber bei beiden einen wesentlichen Unterschied zu dem, was beim „Systemischen Konsensieren“ passiert. Dieser Unterschied ist für mich sehr wichtig und führt dazu, dass ich eher das „Konsent-Prinzip“ bevorzuge.

    Ich sage es mal mit Marie Miyashiro, weil ich ihren Ansatz am Besten kenne: Dort (auf S. 190 ff.) wird ein ganz ähnliches Tool verwendet wie das, was unter Deinem Link beschrieben wird. Aber dort dient dieses Tool NICHT dazu „den Gruppenwiderstand“ zu bestimmen.

    Ich beziehe mich hier auf folgende Passage Deines Beitrags:

    Durch Zusammenzählen der W-Stimmen, die ein Vorschlag von allen Beteiligten erhalten hat, ergibt sich dessen Gruppenwiderstand. Er ist zugleich ein sehr genaues Maß für das Konfliktpotenzial. Dadurch entsteht eine eindeutige Rangordnung der Vorschläge hinsichtlich ihrer Nähe zum Konsens. Der Vorschlag > mit dem geringsten Konfliktpotenzial kommt dem Konsens am nächsten, er gilt als «konsensiert». Es ist also die Tauglichkeit eines Vorschlags in den Augen aller Beteiligten, die entscheidet, ob und wie gut er von der ganzen Gruppe akzeptiert wird.
    Aus meiner Sicht ist das einfach „Demokratie“ und führt in der Praxis dazu, dass – entgegen dem Anspruch des Ansatzes – Bedürfnisse von Einzelnen Mitgliedern übergangen werden. Das ist für mich persönlich wenig attraktiv.

    Bei Miyashiro (und ich nehme an auch in der Soziokratie, die ich noch nicht so gut kenne) ist es so, dass das Tool dazu dient, die Co-Worker miteinander auf neue Art in ein Gespräch über ihre Bedürfnisse zu bringen.

    D.h. es ist dort viel weniger ein Entscheidungs-Tool, sondern mehr ein „Weg der Gruppenerkenntnis“. Wenn das Team, die Abteilung, das Unternehmen durch diesen Prozess gegangen ist, wissen alle mehr darüber, was die eigenen und die Bedürfnisse der anderen bei diesem Entscheidungsvorschlag sind. D.h. die eigentliche Leistung ist, dass sich die Gruppe näher kommt („Cohesion“) UND ZUGLEICH einer Entscheidung näher kommt („Progress“).

    Beim „Systemischen Konsensieren“ ist es aus meiner Sicht so (wenn ich das nicht falsch verstehe), dass das Gruppenbedürfnis der Cohesion – im Vergleich! – wesentlich weniger bedient wird. Unter der Hand steigen einzelne aus, dürfen das aber dann nicht mehr laut sagen, weil das ja „der geringste Gruppenwiderstand“ ist, was sich da gezeigt hat. Wenn sie dann (zu Recht) noch Einwände erheben, gelten sie erst Recht als Stänkerer. Das ist fatal. — Überhaupt ist dieses Vorgehen eher Statisch orientiert: Sie erhebt auf eine durchaus intelligente Art, was der Ist-Stand in der Gruppe ist, statt in der Gruppe eine die Gruppe verändernde Dynamik auszulösen.

    Ich glaube, dass sich sowas in der Praxis rächt. V.a. wenn es so verkauft wird, wie ich es da lese. Denn damit werden Erwartungen geweckt, die das beschriebene Vorgehen aller Wahrscheinlichkeit nach eher nicht einlösen kann. Es gibt unter der Hand – entgegen der Behauptung und entgegen der Absicht! – DOCH Verlierer in einem solchen Prozess.

    Und ich glaube, dass das nicht sein muss, dass es bessere Alternativen gibt.

    Für mich zeigt dieses Tool auch mal wieder, dass man vorsichtig sein sollte, nicht zu sehr auf Tools zu vertrauen. Tools sind nur „Sprungbretter“ oder „Landebahnen“ oder eben „Werkzeuge“ für den eigentlichen Prozess: Dass sich eine Gruppe mit allen relevanten Bedürfnissen, die via die Menschen im Raum sind, auseinandersetzt.

    Tools haben immer eine Neigung zu der Gefahr, dieses mehr Emotionale Moment zu Rationalisieren und damit unter der Hand zu unterdrücken und wegzuschieben.

    Was ich mir persönlich dagegen mehr wünsche, sind Prozesse, bei denen die Beteiligten ihre Emotionale Berührtheit einander zeigen können. Also Schutzräume in Unternehmen, in denen sich die Co-Worker emotional näher kommen.

    Wenn ich nicht falsch gelesen habe, haben die Vertreter des „Systemischen Konsensierens“ diesen Aspekt bisher noch nicht so in ihrem Fokus.

    Es kann trotzdem aus meiner Sciht in der Praxis ein ganz tolles Tool sein. Aber das hängt dann immer an den Menschen, die es gebrauchen, weniger am Tool selber.

    Hier ein Link, der eine ganz ähnliche Meinung zum Thema „Verhältnis zwischen Mensch und Methode“ vertritt:
    http://intrinsify.me/Blog/items/missverstaendnis-a3-ein-beis

    Lieben Gruß und nochmal ein großes DANKESCHÖN! Auch wenn das vielleicht anders scheint: Ich freu mich IMMER über solche Hinweise auf alternative Möglichkeiten, selbst dann, wenn sie mich – wie in diesem Fall – nach einem Vergleich mit dem, was ich bereits kenne, nicht überzeugen! :-))

    Ardalan

  1. Oktober 23, 2014 um 9:13 am

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