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Die Bodensee Charta – Leitbild der Lebensunternehmer Genossenschaft

Als zweiten Artikel zum Thema Hebung von Potentialen sowie Klärung und Erfüllung von Visionen einzelner Menschen, wie ich das in meinem ersten Artikel beschrieb, möchte ich das Leitbild der darin erwähnten Genossenschaft der Lebensunternehmer, wie sie in der Klausur auf dem Bodensee von 14 Personen unterschiedlicher Organisation vom 12.-14.7.2006 entwickelt und verabschiedet wurde, wiedergeben.

Präambel des Leitbilds der Lebensunternehmer

Die Entwicklung der Menschheit gibt dem Menschen immer mehr und immer handlungsmächtigere Mittel in die Hand, sein Leben mit immer weiter reichender schöpferischer Kraft zu gestalten und zum immer aktiveren Mitgestalter dieser Erde zu werden. In dieser Phase der Evolution des Menschen und der Menschheit halten wir es für eine zukunftsentscheidende Aufgabe, dazu beizutragen,

a) dass jeder Mensch zu einem möglichst selbständigen und verantwortungsvollen „Unternehmer seiner besten Potentiale“ wird – zu einem „Lebensunternehmer“

b) und dass jeder Mensch zu einem Lebensunternehmer in ganzheitlicher und globaler Verantwortung

Letztlich geht es um nichts geringeres, als das Denken in Kategorien der „Macht des Stärkeren“ durch ein Denken und Handeln mit der „Macht der Würde“ jedes einzelnen Menschen zu überwinden. Die Werte des Weltethos und der Erdcharta sind uns dabei Leitlinien zur fortschreitenden Konkretisierung des neuen „Leitbilds Lebensunternehmer“.

Das Team der Bodensee-Charta treibt die Vision der selbstverantwortlichen, mündig werdenden Bürgerinnen und Bürger an und die Veränderung von einer passiven und defizitorientierten Gesellschaft zum aktiven und stärkenorientierten Lebensunternehmertum. Dafür entwickeln und fördern wir den Aufbau einer Struktur für life-long-learning und life-long-guidance.

Dies bedeutet für uns insbesondere:

  1. Lebensunternehmertum gilt uns als oberstes Prinzip. Wir fördern alle Menschen auf ihrem Weg, Unternehmer der eigenen Visionen und Potentiale zu werden.
  2. In allen die Entwicklung fördernden Sektoren wie Bildung, Beratung, Erziehung oder Betreuung gilt für uns das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“, um die Menschen zur selbstgesteuerten und eigenverantwortlichen Lebensgestaltung zu befähigen.
  3. Wir verpflichten uns, für die Verwirklichung unserer Prinzipien stärkenorientierte, vielfältige und nachhaltige Methoden zur Begleitung und Unterstützung zu entwickeln, um die unausgeschöpften Potentiale nutzbar zu machen.
  4. Wir entwickeln hierzu in gegenseitiger Ergänzung, umfassender Vernetzung und internationaler Zusammenarbeit einen gemeinsamen Instrumentenkoffer und eine gemeinsame Vermarktung.
  5. Hinter der Forderung nach „lebenslangem Lernen“ steht für uns der Grundsatz, dass die Theorie und Wissensvermittlung am Selbst erfahrbar zu machen ist. Unter „lebenslangem Lernen“ verstehen wir die permanente Weiterentwicklung der formal sowie der informell erworbenen Kompetenzen.
  6. Wir sind zutiefst überzeugt von unvorstellbar reichen Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten jedes Menschen entsprechend dem Gedanken  von Hans Vaihinger, nach dem es schlicht Dummheit sei, an positive Möglichkeiten nicht zu glauben, denn genau damit verschließe sich der  Mensch selbst neuen Entdeckungen und Chancen.
  7. Unser Ziel ist die Sichtbarmachung und die Anerkennung aller Kompetenzen, egal wo und wie diese erworben worden sind. Die Bildungssysteme müssen durchlässig gestaltet werden, damit für alle Menschen Chancengleichheit verwirklicht werden kann.
  8. Für alle Prinzipien und Ziele dieser Charta gilt die Berücksichtigung aller Zielgruppen und aller Generationen. Unser Ziel ist es, Life long guidance von der frühen Kindheit bis zum hohen Alter und zur Sterbebegleitung in das Leben zu integrieren. Eigenverantwortung und Annahme beziehungsweise aktive Inanspruchnahme von Beratung fördern sich dabei gegenseitig.
  9. Die Förderung und Umsetzung des „Leitbilds Lebensunternehmer“ sehen wir als eine entscheidende Steigerung des Sozialkapitals eines Gemeinwesens, einer Region, von Netzwerken an und damit als einen entscheidenden Faktor in der Standort- und Regionalentwicklung.
  10. Durch das „Leitbild Lebensunternehmer“ soll
    – in der Medizin
    – in der Erziehung
    – bei juristischen Sanktionen
    der Präventionsgedanke eine neue Gewichtung erlangen in der Form der Einbindung der Kraft der Vision des Einzelnen.

Und gleich noch ein Video, dass deutlicher macht, worauf sich der Lebensunternehmer Mensch konzentrieren sollte:


.
Und noch der gesprochene Text getippt:

Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der jeder das tut, was ihm Spaß macht und davon leben kann. Es liegt in der menschlichen Natur nach Produktivität zu streben. So fangen wir einfach damit an.

Was uns wichtig ist:

  • für den Glauben an die Kraft der eigenen Idee.
    Jeder Mensch auf der Welt ist einzigartig und hat etwas, was er besser kann als alle anderen. Jeder hat sein ganz eigenes Talent, das es zu entdecken und zu fördern gilt. Die meisten Menschen trauen sich nicht mehr zu träumen und sind desillusioniert. Wenn ich nicht selbst an meine Träume glaube, werde ich Schwierigkeiten haben, sie wahr zu machen.
  • Für das Ankommen im „Hier-und-Jetzt“.
    Das Leben liegt in der Bewusstheit der Gegenwart. Die Vergangenheit ist bereits geschehen und besteht nur noch in der Erinnerung. Die Zukunft ist lediglich eine Vorstellung von dem, was geschehen könnte, ohne Garantie oder Gewähr. Das, was das Leben ausmacht, ist die Gegenwart, die es zu nutzen und zu gestalten gilt.
  • Für die Freiheit man selbst sein zu dürfen.
    Viel Kraft und Zeit geht verloren, wenn Fassaden aufrechterhalten werden. In der Annahme das eigene Handel den Bedürfnissen anderer anpassen zu müssen, verliere ich mich selbst. Ich kann erst das Meine finden, wenn ich weiß wer ich bin. Und der, der ich bin wird nicht über Rollen oder Fassaden gefunden, sondern über die persönliche Entfaltung.
  • Für einen gesellschaftlichen Wandel.
    Menschen werden nicht mehr nach ihren Abschlüssen und Zertifikaten bemessen, sondern wirken durch ihr Tun. Es braucht eine neue Art des Denkens. Geld darf nicht mehr alleine als Maßstab für Wertigkeit gelten. Das was ich leiste steht im Fokus.
  • Für ein gesundes Miteinander in der Kommunikation.
    In der Gemeinschaft und mit der Inspiration von anderen kann ich meine persönlichen Träume viel leichter verwirklichen.
  • Für eine Wertschätzung von Fehlern und Problemen.
    Je länger ein Problem versteckt wird, desto größer werden dessen negative Auswirkungen. Im Aufzeigen und Offenbaren von Fehlern können sie gelöst werden. Es braucht sogar Probleme um sich weiterzuentwickeln. Ohne Probleme ist kein Fortschritt möglich. Jede Innovation und Weiterentwicklung hatte ein Problem als Ursache, das es zu lösen galt. (Bill Gates wollte Computer leichter benutzbar machen, Edison das elektrische Licht…)
  • Für eine neue Art von Effizienz.
    In dem Sinne, dass ich nicht alles selber machen brauche, sondern für jeden Bereich, der nicht der meine ist, denjenigen finde, der es gerne übernehmen möchte. Das, was mich blockiert in meiner Weiterentwicklung darf ich abgeben an den jeweiligen „Spezialisten“ und mich ganz auf das Eigene konzentrieren, denn dort bin ich der Spezialist.
  • Für Nachhaltigkeit.
    Wenn ich mir selbst, meinen Mitarbeitern, meinen Kunden, meinem sozialen Umfeld und der Umwelt, mit meinem Tun etwas Gutes tue, dann wird dieses Gefühl auf alle beteiligten Bereiche positiv übertragen. Es entsteht automatisch ein konstruktives System, dass sich gegenseitig befruchtet.
  1. federleichtes
    November 10, 2012 um 2:15 am

    Für die Menschen, die mit großem Idealismus anderen Menschen helfen möchten, gab es von mir 5 Sterne; ist es nicht schon ehrenwert, Ideale zu formulieren? Bereits das kann Menschen auf einen besseren Weg führen. Aber wie realistisch ist das Projekt „Lebensunternehmer?

    Folgen wir der Idee, wir säßen in einem Kino und gestalteten den laufenden Film als Darsteller. Dann stellt sich die erste Frage:
    Wer schrieb das Drehbuch?
    Und die zweite viel wichtigere Fragen:
    Wer schrieb DIE Rollen, und
    wer bestimmte, welche Individualität welche Rolle spielt.
    Konkret:
    Woher stammt der Text für die Rollen und
    woher die Informationen, die ein bestimmtes Verhalten verursachen?

    Hier darf ich meine Theorie, was Leben ist, hervor kramen:
    Leben ist informierte Energie.
    Bedeutet:
    Menschen wurden mit Energie (oder einer Energiequelle) ausgestattet,
    FEST VERBUNDEN mit Informationen, die ihr Handeln und Wirken, quasi den Verlauf ihrer Existenz bestimmen. Wenn dem so ist, führen wir nicht unser Leben, sondern umgekehrt:
    Das Leben gibt uns Existenz, um sich selber zu (aufzu-)führen.

    Nach meiner Einschätzung, die aus Beobachtung und dem Miteinander mit Menschen entstand, folgen sehr viele Menschen unselbst-bestimmt einem Roten Faden, der als Programm in ihnen sowohl begrenzt als auch sie dazu bestimmt, Bestimmtes zu tun oder zu lassen. Wird das Menschen deutlich, sagen sie ja: „Dazu bin ich bestimmt“.

    Daraus sollte – auch für Rudi Berner – logisch folgen:
    Solange ein Mensch an sein informativ-vorgegebenes Informations-Potenzial gebunden ist, spielt er im Kino sitzend nicht seine Rolle, sondern die, die ihm vom Leben zugewiesen wurde.

    Das ändert sich erst – hört, hört, auch das ist sehr logisch:
    Wenn er nicht mehr über die (mit Informationen verbundene) Lebensenergie versorgt WIRD, sondern sich von der Zwangsversorgung befreien konnte und sich selber mit Energie versorgen kann.
    Und natürlich spreche ich hier von Natürlicher Energie. Sie wird verfügbar unter bestimmten Umständen, sie entsteht nicht, sondern wird (nur) mobilisiert.
    Und natürlich können Menschen, deren Bestimmung ist, dem parasitären System zu dienen, nicht ihr Leben führen – auch das halte ich für sehr logisch.

    Logisch, meinen Grundannahmen folgend, ist auch meine Schlussfolgerung zum „Projekt Lebensführung“.
    Den Menschen, deren Rollen im parasitären System festgeschrieben sind, kann man nicht helfen. Und den Menschen, die sich daraus befreien konnten und selbst-bestimmt leben, braucht man nicht helfen.

    Mein Kommentar soll das Projekt nicht abwerten. Es steht im Einklang mit anderen Massnahmen, die zwar jede für sich sinnlos erscheinen mögen, gemeinsam aber von großer Bedeutung sind. Die Biene läßt grüßen.

    Gruß
    Wolfgang

    • November 10, 2012 um 9:33 am

      Den Menschen, deren Rollen im parasitären System festgeschrieben sind, kann man nicht helfen. Und den Menschen, die sich daraus befreien konnten und selbst-bestimmt leben, braucht man nicht helfen.

      Wenn ich dem Initiator der Methode Vision Coaching, das eins der Werkzeuge der Lebensunternehmer eG ist, glauben schenken darf, so konnten damit über 1.500 Menschen aus ihrer Lethargie, ihres erdrückenden Lebens herausgeholt werden.

      Stellt sich dann nach Deiner Ansicht die Frage: wären sie eh raus gekommen, ob mit dieser, einer anderen Methode oder gar ohne?

      • federleichtes
        November 10, 2012 um 2:04 pm

        Hallo Martin.

        Der Ansatz, Menschen zu „helfen“, wirft eine Reihe von Fragen auf.
        Was unterscheidet im Kern die X-Theorie von der Y-Theorie?
        Ich glaube nichts.
        X wirkt mit roher Gewalt, Y mit subtiler Raffinesse auf das Handeln der Menschen ein.
        Und sind gleich bei meiner Annahme, dass es zwei grundsätzlich verschiedene Menschenwesen gibt.
        X beugt sich nur der Gewalt, Y kann man einen vom Pferd erzählen.

        Und bei einer der Volksweisheiten:
        „In der Not frisst der Teufel Fliegen“.

        Was bedeutet das.
        1. Menschen gehen zur Arbeit, nicht weil sie Spaß dran haben, sondern aus Angst.
        Die eine ganze Reihe „vernünftiger“ Überzeugungen (Motivatoren) formuliert. Wir hören die Überzeugungen sprechen, aber das Wort Angst kommt in der Regel darin nicht mehr vor.
        Aber Angst fordert nach Besänftigung, und je mehr Angst ein Mensch hat, je weniger interessiert er sich für das, womit er sie besänftigt.
        Wie sonst lässt sich das wahnsinnig anmutende Wüten in der Arbeitswelt erklären.

        2. Werfen wir einen Blick auf den „Staat“ (Gemeinschaften, Organisationen), entdecken wir auch hier die Angst als Antrieb, sich selbst zu erhalten. Daraus entstand (auch) der Begriff Vollbeschäftigung – und es ist erlaubt, sich darüber Gedanken zu machen. Dabei geht es eigentlich nur um die „Idee“, ein in jeder Hinsicht künstliches Gebilde existent zu halten, koste es, was es wolle, selbst um den Preis, das die, denen es dienen soll (!), auf den notwendigen Wegen verrecken.
        Wird anschaulicher durch die Zuzugs-Politik. Ich unterhalte mich gelegentlich mit einem Polizisten, der in der Hundestaffel arbeitet. Er sagte, die Menschen, die aus dem Osten hierher kommen, seien seine „Kunden“.
        Also, dem Staat ist es furzegal, WER hier welche Räder am Drehen hält.
        Auch darüber lässt sich nachdenken. Und versuchen zu verstehen, dass Ideologien Geist sind, der sich unter Benutzung des Lebens künstlich existent hält. Und auch er handelt aus Angst: Nicht-Existent zu sein.

        Worüber reden wir eigentlich –

        Man kann verstehen, dass Menschen von zwei grundsätzlichen und grundsätzlich verschiedenen Antrieben beherrscht werden.
        Der eine ist Angst – diese Menschen MÜSSEN an etwas glauben und damit leiten ihre Angst ab.
        Der andere Antrieb ist Verwirrung – diese Menschen versuchen stehen zu bleiben und über die Standfestigkeit ihr Existent-Sein zu sichern.

        Aus diesen aus der Praxis gewonnenen „Erkenntnissen“ leitet sich mein Handeln, das im Wesentlichen aus Nicht-Handeln besteht, ab. Ich bin DA, und versuche durch das Wesen meiner Existenz, Verwirrung und Angst aufzulösen. Weil ich glaube, dass nur entängstigte und entwirrte Menschen ihr eigentliches Wesen entdecken und dem entsprechend existieren können.

        Mir ist Dirigismus, in welcher Form er sich auch zu verstecken vermag, nicht angenehm.
        Weil im Kern die Absicht zu stecken scheint; Menschen auszubeuten.

        Gruß
        Wolfgang

        • November 10, 2012 um 4:28 pm

          Wie siehst Du das dann bei einem Konzept von Firmen, deren Mitglieder sich auf Augenhöhe bewegen und Entscheidungen miteinander schließen. Hier sind Menschen besonders intrinsisch motiviert. Erzählen sie sich gegenseitig vom Pferd, um sich einen Sinnkopplung an ihr Tun vorzugaukeln?
          LG Martin

  2. federleichtes
    November 10, 2012 um 5:43 pm

    Meine Kernaussage lautete:
    Mensch A braucht die Methode a, um sich ausbeuten zu lassen, und Mensch B die Methode b. Natürlich ist das grob vereinfachend – soll ja auch nur ein Prinzip erkläre, das ich erkannt zu haben meine.

    Was hältst Du von der Aussage:

    Wir brauchen die Wirtschaft,
    wie sie derzeit strukturiert und dimensioniert ist,
    nicht.

    Entsprechende Detailfragen dazu wurden hier bereits erörtert. Und es fällt mir zugegebenermaßen nicht leicht, Zeit in weitere Erörterungen zu investieren. Ebenso beteilige ich mich nicht an der Idee, Menschen künstlich zu motivieren und damit über ihre Zustände Angst/Verwirrung sie energetisch auszubeuten bzw. sie in das System der Ausbeutung zu treiben.

    Ich meine, was sagt qualitativ die Zahl 1500 (aus der Lethargie befreiter Menschen) aus.
    Wie viele Amokläufer waren dabei?
    Wie viele wurden Zuhälter oder Nutten, und wie viele endeten in Zuständen, die schlimmer waren als vor der „Hilfe“.
    Bauen gar welche Panzer zusammen?

    Du verstehst, was ich meine
    In der Konsequenz wird mit jedem „Menschen in Arbeit“ das Ausbeutungs- und Plünderungssystem gefüttert. Wer meint, er erweise der Menschheit damit einen Dienst, dass er möglichst viele Menschen zu der Teilnahme daran motiviert, soll das glauben, bis er etwas anderes wissen kann.

    „Erzählen sie sich gegenseitig vom Pferd, um sich eine Sinnkopplung an ihr Tun vorzugaukeln?“
    Ich sag’s ja, und Nick weiß es: Ob ein schlafendes, stehendes, trabendes oder galoppierendes Pferd – es bleibt ein Pferd.

    Herzlichen Dank.

    Wolfgang

    • November 10, 2012 um 6:04 pm

      Bleibt dann am Ende die Frage offen:

      Bin ich lieber ein unglücklicher Sklave des Kapitalismus und lecke meine Wunden (Depression etc.)?
      Oder lieber ein glücklicher Sklave, der sich im System so arrangiert hat, dass er mit Spaß an der Sache dabei ist, ohne auf Kosten anderer zu leben, aber auch nicht krank dabei zu werden?

      Die dritte Variante ist Dein Weg: raus aus dem System und trotzdem glücklich sein und Menschen zu helfen, die noch nicht so weit sind.

      Aber bist Du wirklich ganz raus? Bist Du komplett autark und zahlst keine Mehrwertsteuern mehr, die das System genauso weiter voran treiben?

      Mit nachdenklichen Worten schreibe ich nun einen Artikel zum Thema, sich seiner eigenen Potentiale bewusst zu werden, um mit diesem Wissen seine Wünsche in diesem System leben zu können.

      LG Martin

      • federleichtes
        November 10, 2012 um 6:23 pm

        Auf die Schnelle.
        „Oder lieber ein glücklicher Sklave, der sich im System so arrangiert hat, …“
        Ich bezweifle, dass ein Sklave glücklich sein kann. Glück entsteht erst in (relativer) Freiheit. Natürlich kan man sich freuen, wenn der Peitscher statt zehn mal nur neun Streiche austeilt. Wem das reicht – bitte sehr.

        „Aber bist Du wirklich ganz raus? Bist Du komplett autark und zahlst keine Mehrwertsteuern mehr, die das System genauso weiter voran treiben?“

        Natürlich zahle ich Mehrwertsteuer, aber eben, weil ich in diesem System existieren muss – und eben nur so viel, dass ich existieren kann. Andererseits könnte ich über das Sozialsystem meine 465-Euro-Rente aufstocken und damit dem System ein mehrfaches an Schaden zufügen, als ich mit der Mehrwertsteuer leiste.
        Aber damit würde ich mich dem System direkt zuwenden und persönlich mehr Schaden leiden, als mit Geld auszugleichen ist.
        Das ist mein Prinzip, zur Nachahmnung nicht unbedingt empfohlen.

        Was die Potenziale betrifft:
        Sie können nur in dem Maße sich entfalten, wie man das System verweigert. Mir bedeutet das konkret: Jedwede Ausbeutung minimieren und seine persönliche Entwicklung maximieren.
        Und aus Erfahrung sage ich Dir: Mein Zug fuhr immer schneller und immer bestimmter.

        Gruß
        Wolfgang

        Und ich postuliere mal, beschrieben als ein Gefühl:
        Im Kern des Lebens wartet die Leere, das Nichts oder Nicht-Sein, oder wie immer das Phänomen beschrieben wird. Von ihr gehen affinitive und aversive Kräfte aus, und entsprechend fühlen sich einige Wesen davon angezogen und andere flüchten – und nicht wenige sind ambivalent. Und wenn ich sage, dass Affinität Gefühl und Aversion Affinität bedeutet, wird vielleicht klarer, dass wir hier über zwei sehr verschiedene Kräfte sprechen.

        Pardon – hier schlich sich ein Scrheibfehler ein:
        FALSCH – dass Affinität Gefühl und Aversion Affinität bedeutet.
        RICHTIG – dass Affinität Gefühl (aktiv) und Aversion EMOTION (re-aktiv)bedeutet.

        • November 10, 2012 um 7:41 pm

          Wie würdest Du eine Anleitung formulieren, wenn ein Mensch Dich um Hilfe dabei bittet, sein durch Steigerung seines Potentials zu entfalten und sich dabei dem System zu entziehen?

  3. federleichtes
    November 10, 2012 um 6:10 pm

    Unterwegs sah ich eine Frau an einer Bushaltestelle stehen. Und dachte: Sie steht da und wartet, und gleich bezahlt sie Geld dafür, relativ unbequem zu reisen, vielleicht um Geld auszgeben für relativ unwichtige Dinge, um dann wieder auf den Bus zu warten ….

    Und mir erschien das Grundsätzliche dieses Tuns: Aus dem Glück der Existenz nicht nur Bedeutungslosigkeit zu gestalten, sondern auch – ohne Bewusstsein – sich an der Zerstörung der Grundlagen für Existenz zu beteiligen.

    Und ich dachte weiter:
    Je dichter wir um den Kern des Lebens kreisen, je häufiger sehen wir in Erscheinungen den Kern des Lebens erscheinen: Unsere Wahr-Nehmung (hoho!) wird immer bestimmter, oder: ES wird immer bestimmter im Sinne von bestimmbarer.

    Ich gehe‘ dann mal wieder.

    Gruß
    Wolfgang

  4. federleichtes
    November 10, 2012 um 10:39 pm

    @ Martin:
    „Wie würdest Du eine Anleitung formulieren, wenn ein Mensch Dich um Hilfe dabei bittet, sein durch Steigerung seines Potentials zu entfalten und sich dabei dem System zu entziehen?

    Hm, aus Deiner Anfrage ergeben sich einige mehr oder weniger spekulativ ausgerichtete Antworten. Ja, es kam schon mal ein BESTIMMTER Mensch und fragte mich – allerdings kamen unvergleichbar mehr unbestimmte Menschen, die versuchten mich anzuleiten. Hier bei Dir allerdings änderte sich meine Begegnungs-Qualität insofern, als dass ich in einen Raum eintauchte mit vielfältigen, unverbindlichen Anleitungsangeboten, unter denen ich zwanglos auswählen konnte.

    Eine Grundfrage lautet: Kann ein Mensch mit SUBJEKTIVEN Erfahrungen eine OBJEKTIVE Anleitung geben; oder anders: Lassen sich aus persönlichen Erfahrungen Regelmäßigkeiten ableiten, die allgemein gültig sind.

    Kurzer Rückblick
    Im Januar des Jahres 1987 sagte ich: Ich
    WILL
    DEN Menschen
    HELFEN.

    Darin steckt, nicht einem, zwei, oder einigen mehr Menschen zu helfen, sondern der Anspruch, etwas Allgemeingültiges zu leisten. Entsprechend verlief mein Leben, ausgerichtet, über das Leben Mit – Menschen das immer besser zu verstehen, was Menschen – Leben. Und fragte mich einer, wie ich das anstellte, müsste ich sagen: Von mir aus völlig planlos, ich war nur ein kleiner Angestellter, erfüllt von den Leistungen Vieler und geleitet von einer Weisheit, die ES offensichtlich wissen musste.

    Damit sollte klar sein: Ich spreche hier nicht als Wolfgang Jensen, sondern nur aus, was DIE Entwicklung derzeit zu sagen hat oder zu sagen bereit ist.

    Werden 500 Worte ausreichen, um wenigstens einem Menschen dabei zu helfen, Sein-Leben vom Kopf auf die Füße zu stellen?

    Schauen wir mal, ich arbeite daran.

    Gruß
    Wolfgang

  5. federleichtes
    November 11, 2012 um 3:19 am

    Der Fotoordner Februar ist fertig bearbeitet – das macht Hoffnung.

    Lieber Martin,

    als ich Dein Thema Bodensee hier erscheinen sah, war mein erster Gedanke: Was hat er denn da wieder für einen alten Knochen ausgebuddelt.
    Als Du das Thema aufmachtest, wusstest Du, was sich entwickeln würde?
    Wusste ich, was aus dem alten Knochen werden würde?

    Damit sind wir bei einem Kern:
    Menschen KÖNNEN NICHT DENKEN, was geschehen wird. Sie können Pläne denken, Konzepte Denken und Programme denken in einem Rahmen, der wenig mit dem eigentlichen Leben zu tun hat. Es bleibt für das, was wirklich geschieht, in der Vorherschau IMMER eine Unwägbarkeit.
    Praxis. Unterwegs dachte ich: Ich kenne die Wegstrecke sehr, sehr genau, weiß wann und wie welche Ampel schaltet, und fahre auch bei ROT, wenn ich WEISS, es kann keiner kommen. Und dann kommt doch einer, weil sie die Ampelschaltung änderten, oder einer, der auch bei Rot fährt. Bedeutet: Mit reiner Information ist eine Dynamik nicht VÖLLIG kontrollierbar.

    Und gleich ein weiterer Kern.
    Das Denken oder der Gedanke folgt IMMER einem Impuls, der vorher entstand. Ich nenne diesen Impuls Gefühl, wenn das beschreibt, was auf der intuitiven Ebene geschieht.
    Praxis: Meine Brennnessel ließ ich wachsen, die olle Sonnenblume ließ ich stehen, weil ich Bewusstsein habe über die Bedeutung von Pflanzen für Tiere. Und daher kam der Impuls zu denken: Rühr mal nicht (unnötig) an bewährten Zustanden.

    Und da wir schon mal dabei sind, gleich ein paar Worte aus der Feder eines Ökospinners.
    Anfang des Jahres beschlossen wir, dem Ölbachtal, also einem bestimmten Gelände, nicht nur besondere, sondern fortwährend besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Wir hatten dort im vergangenen Jahr sehr schöne Begegnungen mit einer Vielfalt von Pflanzen und Tieren, und „dachten“, es wäre gut, wenigstens einen der vielen Ort, die wir in den Jahren besuchten, genauer kennen zu lernen. Beschlossen – getan. Nach zehn Monaten ziehen wir mal Bilanz Wir kennen von der Ameise bis zum Mäusebussard und vom Kleinen Klee bis zum Faulbaum sehr viel, was an diesem Ort kreucht, fleucht und wächst. Wir wissen, wie die Tiere im Januar aussehen und sprechen, wie sie im Februar aussehen und sprechen, und ein paar Wochen noch, dann wissen wir ziemlich genau, was im Zeit-Zyklus eines Jahres im Ölbachtal abläuft.
    Das nenne ich Bewusstsein: Eine Erscheinung zu sehen und sie so vollumfänglich wie möglich wahrnehmen und einschätzen zu können. Wie verhält sich das Rotkehlchen im Februar? Wir wissen es. Wir sehen einen Vogel fliegen und wissen, wer so fliegt. Wir hören einen Vogel sprechen und wissen, wer da spricht und warum er so spricht. Wir gehen einen Weg und kennen die Pflanzen am Wegesrand. Wir wissen, wo die Vögel wann brüten. Aber nun kommt das eigentliche Phänomen von Bewusstsein: Es bleibt trotz vieler bestätigter Informationen, genauen Kenntnissen und eines umfassenden Verständnissen von einzelnen Erscheinungen und ihrem Zusammenwirken offen, weil es weiß: Da ist das Unvorhersehbare.
    Bedeutet: Durch Bewusstsein verringert sich nicht die Aufmerksamkeit für das Besondere im Allgemeinen. Vielleicht könnte man diesen Zustand Gewahrsein nennen.

    Damit sind wir bei Guidos neuem Thema: Liebe.
    Wir schenkten dem Ölbachtal ganz absichtslos, aus dem Gefühl der Verbundenheit und Dankbarkeit heraus, unsere Aufmerksamkeit. Die Vielfalt der Pflanzen, Bäume und Tiere schenkte uns viel mehr, ein Teil des Unbezahlbaren, zurück: Gewahrsein. Das ist mir das Wesen von Liebe: Absichtslose, ziellose und uneingeschränkte Zuwendung zu allen Erscheinungen, um das Wesen der Erscheinungen zu verstehen, Teilnehmer zu werden, Antell zu nehmen und damit Teil der Erscheinungen zu werden. Dann, und ich glaube nur dann, entsteht BEWUSSTES-SEIN: Das Gefühl für das Unteilbare.

    Liebe kann man nicht lernen, aber rman kann ihr eine Chance geben, zu erwachen – und man kann das anfangs zarte Pflänzchen behüten und pflegen, um ihm die Chance zu geben, stark und unbrechbar zu werden.

    Dir einen starken Sonntag.
    Begleitet von einem Foto, das Susanne heute Nachmittag machen durfte,
    und mit dem wir auch Manfred herzlich grüßen.

    Wolfgang

  6. November 11, 2012 um 5:31 am

    Lieber Martin, dürfte ich der 12. in Eurem Bunde sein?
    Ralf

    • federleichtes
      November 11, 2012 um 1:21 pm

      Mich würde interessieren, lieber Ralf,
      wie es um den „Bund der ElF“ bestellt ist.
      Weil ich nicht nur weiß,
      wie es Silke geht,
      sondern weil ich sicher bin,
      keinen Bund geschlossen zu haben –
      und für das Projekt meine Bedenken anmeldete.

      Mag es „Zeiten“ gegeben haben,
      in denen die Kraft der Liebe beliebig verfügbar stand
      für einen maniupulativen Geist,
      der sich in seiner Euphorie grenzenlos bediente?

      Das ist spekulativ, auch wenn wir dieses Muster deutlich beobachten können, auch
      im JETZT und auch HIER.

      Heute aber gibt es eine aufmerksame Liebe, die nicht mehr unter dem Diktat des Musters steht. Der Kreis schloß sich wieder, und wir werden sehen, wie fatal das, was Leben vielleicht erschaffen sollte, auf Geist wirkt. Wenn ich die Situation richtig einschätze, werden sich einige der „Geister“ noch gehöriger wundern, als es bereits der Fall ist.
      Weil es Menschen gibt, die keinen Bund schließen können; Wasser kann man nun mal nicht naß machen. Dass sie sich daran nun erinnern, war „nur“ eine Frage der Zeit. Ganz lustig, gell.

      Uns einen entspannten Tag.

      Wolfgang

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