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Wer ist stärker: der Mönch oder der General?

Ich habe mal wieder eine kleine Geschichte für Euch, die zeigt, dass Macht auch ganz anders geht. Aber dazu braucht es wohl einen langen Weg zu sich selbst, was uns in der heutigen, zunehmend materiellen Welt immer schwieriger fällt, oder?

Im Shaolin-Kloster erzählt man sich die Geschichte eines Generals, der mit seinen Soldaten zu Pferd unterwegs war. Eines Tages traf er auf einen Zen-Mönch, der gerade in Meditation versunken war. Der General war empört und rief ihm zu:

“He, du da! Mönch! Geh mir aus dem Weg.”

Der Mönch saß regungslos da und schwieg.

“Bist du denn taub? Hast du nicht gehört? Ich habe dir gesagt, du sollst mir aus dem Weg gehen!
”Ich glaube, du weißt nicht, wen du vor dir hast? Vor dir ist ein Mensch, der dich jederzeit töten kann, ohne mit der Wimper zu zucken.”

Da schaute der Mönch auf und antwortete:

”Ich glaube, du weißt nicht, wen du vor dir hast! Vor dir sitzt ein Mensch, der jederzeit sterben kann, ohne mit der Wimper zu zucken!“

Kann ein Mensch, dessen Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein nicht gestärkt ist, sprich durch Gehorsam gebeugt wurde, in einer konkurrierenden Welt gesund, also nicht von sich entfremdet überleben? In einer Welt, in der es um ein ver-urteilendes Vergleichen geht, um sich über den Anderen zu seinem eigenen Nutzen und zum Nachteil des Anderen erheben zu dürfen?

Würden wir uns noch über Andere erheben wollen, wenn wir uns wirklich selbst liebten? Ich möchte nochmals die sehr berührende Rede Charlie Chaplins zu seinem 70. Geburtstag bringen, die sehr klar macht, worum es im Leben eigentlich geht:

  1. Oktober 20, 2012 um 11:11 am

    Hier noch ein Video zur Zen-Kultur in Kyoto, der sehr viel guttuende Ruhe ausstrahlt, ganz im Gegensatz zu unserer lärmenden Großstadtwelt:

  2. federleichtes
    Oktober 21, 2012 um 11:53 pm

    ”Ich glaube, du weißt nicht, wen du vor dir hast! Vor dir sitzt ein Mensch, der jederzeit sterben kann, ohne mit der Wimper zu zucken!”

    Wenn das Leben eines Menschen bei der Geburt beginnt, tritt gleichfalls der Tod auf seine Bühne. Dazwischen liegt nur Zeit, die Gelegenheit zu erscheinen und Erscheinungen mit Mut entgegen zu treten. Mögen wohl Lebensangst und Todesangst aus derselben Quelle sprudeln?. Gleichwie, einige Menschen haben die Chance zur Gestaltung eines würdevollen Lebens, und zwar nicht mit der „verbrieften“ unantastbaren Papiertiger-Würde, sondern mit einer ihnen eigenen Würde, die aus Herzlichkeit, Schwesterlichkeit und Wahrhaftigkeit auf natürliche Weise erscheint.

    Mit der eigenen Würde gestalten sich Lebenswege am Einfachsten, das ist meine Erfahrung. Und viele Menschen würden diesen Weg wählen, wenn sie nicht denken würden, es wäre ein unmöglicher Weg.

    Eine schöne Geschichte, die mehr Aufmerksamkeit verdiente.

    Danke dafür.

    Wolfgang

  3. Oktober 22, 2012 um 2:01 pm

    Das Thema „Angst vor dem Tod“ ist dermaßen fundamental, dass ich nicht daran vorbeikomme, einige Bemerkungen hierzu in einem eigenen Artikel anzuschließen.

    VG Manrfred

    • federleichtes
      Oktober 22, 2012 um 8:32 pm

      Der Tod bringt hier Leben in die „Bude“. Sehr interessant.

      Und: JA, das ist mir ein gescheiter Weg, Steine aus den (Lebens-)Wegen räumen, und nicht versuchen zu klären, ob Stolpern normal, sündhaft oder notwendig ist.

      Der „Mönch“ ist unbesiegbar, weil er weiß, dass er mit seiner Erscheinung dem Leben dient – bis er genug, entsprechend der ihm verfügbar gemachten Macht (Energie und Information), leistete. Vielleicht wusste er auch um den schicksalhaften Aspekt, der Lebenserscheinungen immanent ist; vielleicht war er auch von Dankbarkeit erfüllt wegen der Optionen, die ihm Leben offenbarte und nach denen er greifen durfte.

      Die Existenz von Angst befreien und mit Gefühlen füllen: Erfüllung?

      Am Rande bemerkt.
      Vor zwei Stunden sprach ich länger mit einem befreundeten Ehepaar. „Bei mir läuft ein Versuch“, sagte ich. „Seit vier Wochen öffne ich meine Post nicht mehr – ich habe niemanden gebeten mir zu schreiben. Wenn ich Informationen brauche, beschaffe ICH sie mir“.
      Das könnte ich doch nicht machen, hörte ich. Doch, ich kann. Und ich kann auch nicht krankenversichert sein. „Ja das geht aber wirklich nicht“, hörte ich. Doch, das geht wirklich. „Ja, aber, was wenn …“ hörte ich. Und? soll ich annehmen, dass ich krank werde oder mir ein Unglück zustösst? Bin ich verrückt – NEIN! Sollen andere mit selbsterfüllenden Prophezeiungen „leben“ – ich nicht.

      Ich schreibe dazu noch mal etwas ausführlicher bei Bewusstseinssprung.

      Gruß
      Wolfgang

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