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Was uns eine Geschichte vom Truthahn über unser Denken und das Wiegen in Sicherheit lehrt …

In Anknüpfung an meinen Artikel zum klaren Denken möchte ich noch auf weitere Schwächen unseres Denkens eingehen. Zuerst diese kleine Geschichte:

Truthahn (Wikipedia)

Truthahn (Wikipedia)

Wir wollen uns einen Truthahn vorstellen, der jeden Tag gefüttert wird. Jede einzelne Fütterung wird die Überzeugung des Vogels stärken, dass es die Grundregel des Lebens ist, jeden Tag von freundlichen Mitgliedern der menschlichen Rasse gefüttert zu werden, die dabei nur sein Wohl im Auge haben, wie ein Politiker sagen würde. Am Nachmittag des Mittwochs vor dem Erntedankfest wird dem Truthahn dann etwas Unerwartetes widerfahren, und er wird seine Überzeugung revidieren müssen …   [Die Zuversicht des Truthahns] wuchs mit der Zahl der freundlichen Fütterungen; er fühlte sich immer sicherer, obwohl seine Schlachtung immer näher rückte. Sein Gefühl, in Sicherheit zu sein, erreichte also gerade dann seinen Höhepunkt, als das Risiko am grössten war. Das Truthahnproblem lässt sich auf alle Situationen verallgemeinern, wo die Hand, die uns füttert, auch die sein kann, die uns den Hals umdreht.

Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse ist das nach Christoph Pfluger bahnbrechende Buch des aus Libanon stammenden Mathematikers, Philosophen und Börsenhändlers Nassim Nicholas Taleb und befasst sich mit den negativen wie auch den positiven Aspekten des Nicht-Wissens, unserer natürlichen Blindheit. Herr Pfluger zählt aus dem Buch die folgenden Gründe dafür auf:

  1. Wir konzentrieren uns auf vorher ausgewählte Segmente des Gesehenen und verallgemeinern davon ausgehend auf das, was wir nicht sehen: Bestätigungsfehler
  2. Wir streuen uns durch Geschichten, die unseren platonischen Durst nach charakteristischen Mustern stillen, selbst Sand in die Augen:
    narrative Verzerrung
  3. Wir verhalten uns so, als würde der Schwarze Schwan nicht existieren:
    Die menschliche Natur ist nicht auf Schwarze Schwäne programmiert
  4. Das, was wir sehen, ist nicht notwendigerweise alles, was da ist. Die Geschichte verbirgt Schwarze Schwäne vor uns und täuscht uns im Hinblick auf die Chancen für diese Ereignisse:
    Verzerrung durch stumme Zeugen
  5. Wir «tunneln»: Wir konzentrieren uns auf ein paar gut definierte Quellen von Ungewissheit, auf eine zu spezifische Liste Schwarzer Schwäne (und vernachlässigen andere, die uns nicht so leicht einfallen).

Weil wir die Dimension unseres Nicht-Wissens nicht erfassen können, wiegen wir uns einerseits in Sicherheit, denn ohne ein Urvertrauen sterben u.a. unsere Kleinsten, und sehen anderseits häufig die kleinsten Chancen nicht.

Andreas Zeuch führt in seinem Buch Feel it!: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen mehrere Beispiele auf, wie aber gerade durch Fehler neue Ideen gefunden wurden, seien es die Postits oder das Penicillin. Wenn wir Innovation auf allen Ebenen fordern und unsere blinden Flecken überwinden wollen, braucht es eine Kultur, in der Fehler gewollt sind, damit gerade aus ihnen Neues, positive schwarze Schwäne entstehen können. Also ran an intuitive Innovation?! Ob in der Ökonomie oder in der Gesellschaft …

  1. September 21, 2012 um 10:00 pm

    lieber martin,
    hier ein vortrag den ich gerne in deinem blog sähe
    er ist von dr. deepak chopra

    anruf kommt später viel viel stress.
    liebe grüße Ralf

    • September 21, 2012 um 11:36 pm

      Lieber Ralf,

      vielen Dank für den Text, den ich hier verarbeitet habe:

      Unser Gehirn verdrahtet sich in jungen Jahren so, dass wir als Alte kaum mehr aus unseren gelernten Denkstrukturen ausbrechen können

      Und dass der Stress ein positiver ist!

      Liebe Grüße
      Martin

      • Dieter Mayer
        September 25, 2012 um 9:29 am

        Hier irrt der Verfasser. Wir brechen ständig aus erlernten Denkstrukturen aus, immer, wenn sich Probleme stellen, die auf gewohnten Wegen unlösbar wären. Krisen sind typisches Beispiel für Chaos und eine neue Ordnung, die als Lösung entsteht. Derzeit weltweit zu beobachten 😉
        Beste Grüße und Wünsche für einen gelungenen Tag
        Dieter Mayer

        • September 25, 2012 um 10:46 am

          Darum geht es ja gerade: wir sehen das Problem meist erst, wenn es auftritt. Im Falle der AKWs können wir uns einen GAU nicht erlauben. Und ja, wenn die Krisen uns zeigen, dass wir etwas falsch machen können wir aus unseren alten Mustern ausbrechen …
          VG Martin Bartonitz

  2. August 24, 2014 um 11:11 am

    Lieber Martin!

    Danke für’s Führen zur „Quelle“!

    Zum Truthahn:

    Beim Truthahn setzt der Schreiber seine eigene Art des Denkens voraus. Ich halte das für einen Fehler / Irrtum.
    Der Schreiber kann über das Denken des Truthahns nichts wissen.
    Sehr unwahrscheinlich ist m.E. jedenfalls, daß der Truthahn so denkt wie ein typischer zivilisierter – selbst-entfremdeter – Mensch!
    Was für den beschreibenden Menschen wie „Vertrauen“ des Truthahns aussieht, könnte in Wirklichkeit etwas völlig anderes sein: Seelenfrieden. Den der selbst-entfremdeteMensch nicht hat!
    Vielleicht WEISS der Truthahn um die Absicht des Menschen, der ihn füttert – und bleibt dennoch gelassen.
    Ich traue Tieren zu, daß sie die Energie-Schwingungen anderer Wesen wahrnehmen und von der Bedeutung her erkennen können.
    Warum laufen denn Hunde auffällig oft ausgerechnet zu solchen Menschen, die Angst vor Hunden haben?
    Warum laufen Hunde und Katzen (z.B.) ihren Herrchen / Frauchen nach Umzügen z.T. über Hunderte Kilometer hinterher? Woher wissen die Tiere, wo Herrchen oder Frauchen sind?

    -.-.-.-

    Zu den schwarzen Schwänen:

    Hierbei handelt es sich nicht, wie versucht wird, darzustellen, nur um „menschliche Natur“, sondern – m.E. hauptsächlich – um Schwächen unter dem Einfluß der „Kollektiven Neurose“.

    Das „Urvertrauen“ bewahren wir nicht dadurch, daß wir Risiken nicht wahrnehmen.Das ist eine sehr falsche Deutung / Sichtweise. Wahres Urvertrauen ist UNABHÄNGIG von äußeren / materiellen (grobstofflichen) Faktoren. Und dieses wahre, bedingungslose, Urvertrauen besitzt der wahrhaft Erwachsene, der in der höheren Bewußtseins-Ebene lebt.

    -.-.-.-.-

    Zu deinen Kommentaren:

    1.

    „wir sehen das Problem meist erst, wenn es auftritt. Im Falle der AKWs können wir uns einen GAU nicht erlauben.“:

    Das ist ein tragisches, aber deswegen besonders gutes Beispiel für den Mangel des typischen zivilisierten, selbst-entfremdeten, wahrnehmungs- bzw. erkenntnisgestörten sowie „gewissens-gestörten“ Menschen:
    Wahrhaft erwachsene – WEISE – Menschen hätten NIEMALS AKWs gebaut!

    Daß man diese Technik verwirklicht hat, ist m.E. ein überdimensionales Zeugnis der typischen pathologischen Unreife und Unweisheit (Dummheit) der Beteiligten! Speziell an dieser Problematik läßt sich sehr gut erkennen, wie mangelhaft und gefährlich die Leute „ticken“, die sich mit der Verantwortung für uns haben betrauen lassen.

    -.-.-.-.-

    2.
    „Unser Gehirn verdrahtet sich in jungen Jahren so, dass wir als Alte kaum mehr aus unseren gelernten Denkstrukturen ausbrechen können“:

    AUCH typisch kollektivneurotisch!
    Der GESUNDE Mensch steigt am Beginn der Pubertät in die höhere Bewußtseins-Ebene auf, wo er FREI ist und sich selbst (als Bewußtsein) neu erschaffen kann! Die alten Muster bleiben in der niederen, materiellen, Bewußtseins-Ebene zurück!

    Herzlichen Gruß!

    Wolfgang H.

  3. August 1, 2016 um 7:15 pm

    Hat dies auf 1magyaremberblog rebloggt und kommentierte:

    Sind wir nicht alle ein bißchen Truthahn,meine Freunde?

  1. September 28, 2013 um 3:08 pm

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