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Wird die Transformation unserer Gesellschaft von der Ware zu den Commons laufen?

Ich verfolge seit dem letzten Jahr den Blog keimform.de, auf dem das Thema Commons immer wieder behandelt wird. Ich hatte auch schon darüber geschrieben und gefragt: Ist das Gemeingüter-basierte Leben die Lösung für alle unsere Probleme?.

Stefan Meretz

Stefan Meretz

Nun hat Stefan Meretz, Ingenieur und Informatiker, der sich mit der politischen Ökonomie Freier Software und Commons befasst und dazu schreibt, einen Vortrag in Kassel im Rahmen der Vortragsreihe Auf der Suche nach anderen Wegen zu einem schönen Leben des AK SPUNK gehalten, in dem er den Übergang von einer Kapital-orientierten zu einer Commons-basierten Gesellschaft diskutiert hat.

Die Ankündigung zu dem Vortrag verfasste er so:

Emanzipatorische Bewegungen verbindet zwei Gewissheiten: Der Kapitalismus verstößt gegen die Lebensbedürfnisse vieler Menschen und er ist endlich. Den Kapitalismus aufzuheben, ist also historisch notwendig. Ist eine Aufhebung aber auch möglich? Welche Konzeptionen der Aufhebung gab und gibt es? Warum reden wir überhaupt von „Aufhebung“ und nicht bloß von „Abschaffung“?

Um diese und andere Fragen klären zu können, benötigen wir ein begriffliches Verständnis des Kapitalismus. Begriffen ist eine Sache dann, wenn ihre „widersprüchliche Selbstbewegung“ gedanklich erfasst werden kann. Was sind die Elemente der widersprüchlichen Selbstbewegung des Kapitalismus? Welches Verhältnis besteht zwischen den Handlungen der Menschen und den strukturellen Handlungsbedingungen, die der Kapitalismus setzt? Was heißt das für eine Aufhebung des Kapitalismus? Was tritt an seine Stelle, was geschieht mit den Altlasten? Welche „Keimformen“ des Neuen im Alten gibt es bereits?

Ich finde die Ansätze interessant, aber schaut und hört selbst:

  1. Juni 10, 2012 um 8:29 pm

    Ja Nick, ohne die Anwendung dieses Commons-Gedanken in der Breite wird sich sicher nicht der Kapitalismus verdrängen lassen. Allerdings nehme ich schon eine Reihe von Projekten wahr, die ein Leben parallel zu unserem kapitalistischen System zu implementieren versuchen.

    Stephan hatte in seinem Vortrag darauf hingewiesen, dass es schon ein großes, international operierendes Netz von Commons-Praktizierern gäbe. Ich hatte auch http://keimform.de nochmals nachgehakt und von ihm die Antwort erhalten:

    Ich erwähne im Vortrag neben Wikipedia die inzwischen recht bekannten Projekte WikiSpeed (http://www.wikispeed.com/) und Open Source Ecology (http://opensourceecology.org/).

    Ja, es gibt Bewegung, aber sie ist noch so klein, dass noch nicht einmal wie von Dir vermutet, die Agenten zwecks Unterwanderung unterwegs sind. Hm, auf Wikipedia wohl doch, denn die Firmen versuchen laufend Beiträge zu manipulieren …

    LG Martin

  2. Juni 10, 2012 um 10:14 pm

    Kann man überhaupt einen Einzelaspekt des Ganzen sich herauspicken und einer Veränderung unterwerfen, wenn doch alle Aspekte zusammenhängen. Somit kann sich eine dauerhafte Veränderung erst einstellen, wenn das Umfeld entsprechend diese Veränderung auch zulässt. Ich für mich kann versuchen autark zu leben, auch von heute auf morgen. Das wird schon schwer genug, wenn mein bisheriges Umfeld gleich bleibt. Je mehr Veränderung innerhalb einer Umgebung angestrebt wird, desto schwieriger wird dieses Unterfangen, je schneller es über die Bühne gehen soll …

    Hier kommt die Zyklik von Ereignissen und Entwicklungen wieder ins Spiel, denn irgendwann kommt ein Punkt, in dem viele Zyklen zusammenlaufen, und je mehr Zyklen sich treffen, desto mehr dauerhafte Veränderung kann sich im Nachhinein einstellen. Es ist wie ein mehrschichtiges Zahlenschloss … irgendwann macht es auf allen Ebenen Klick und das Schloss springt auf.

    Gruß Guido

    • Juni 10, 2012 um 10:30 pm

      Hier kommt die Zyklik von Ereignissen und Entwicklungen wieder ins Spiel, denn irgendwann kommt ein Punkt, in dem viele Zyklen zusammenlaufen, und je mehr Zyklen sich treffen, desto mehr dauerhafte Veränderung kann sich im Nachhinein einstellen. Es ist wie ein mehrschichtiges Zahlenschloss … irgendwann macht es auf allen Ebenen Klick und das Schloss springt auf.

      Ja, hier hat es auch in meinen Hirnwindungen Klick gemacht. Danke!

  3. federleichtes
    Juni 11, 2012 um 3:06 am

    „Puh“ spricht mir aus der Seele.
    Sachlich – wie immer – Volltreffer.
    Und höflich bist Du auch.

    Danke.

    Wolfgang

  4. August 15, 2012 um 8:19 pm

    Aus dem Richtungs-weisenden Artikel Eine kurze Phänomenologie der Commons, von Ugo Mattei:

    Ein Rechtssystem, das auf Commons aufbaut, muss die Vorstellung von Hierarchie zugunsten eines partizipatorischen und kooperativen Modells aufgeben. Eines Modells, welches die Konzentration von Macht verhindert und die Interessen der Gemeinschaft ins Zentrum stellt. Nur in einem solchen Rahmen kann der Anspruch auf soziale Rechte wirklich erfüllt werden. In dieser Logik sind Commons nicht einfach Ressourcen (Wasser, Kultur, das Internet, Land, Bildung), sondern eher eine mit anderen geteilte Wahrnehmung unserer Realität, die sich radikal dem scheinbar unaufhaltsamen Trend entgegenstellt, alles einer betriebswirtschaftlichen Logik zu unterwerfen. Trotz der dramatischen Krise von 2008 werden auch heute noch erhebliche öffentliche Mittel durch staatliche, angeblich keynesianische Eingriffe in den Privatsektor verschoben. Die Logik der Plünderung könnte offensichtlicher nicht sein.

    Weniger Staat, weniger Markt, mehr Commons – das ist, so glaube ich, der einzige Weg, um einer anderen Erzählung von sozialer Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen.

    YES!

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