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Licht und Schatten, so nah beieinander: so viel Liebe lässt weinen …

Ob es Zufall ist, mancher würde wieder sagen nein, da gibt es einen Plan, oder es ist der Spiegel in unserem Inneren. Gestern hatte ich diese überaus gruselige Geschichte über unser Medizinsystem gepostet, heute habe ich das genaue Gegenstück davon auf Facebook erhalten. Faszinierend halt, wie unterschiedlich wir ticken, aber lest selbst:

— Ein Taxifahrer in New York —

Als ich an der gewünschten Adresse ankam, hupte ich. Nachdem ich ein paar Minuten gewartet hatte, hupte ich nochmal. Dies war die letzte Fahrt meiner Schicht, deswegen überlegte ich mir einfach weg zu fahren, aber stattdessen parkte ich das Auto und ging zur Tür und klopfte… „Moment“, antwortete eine brüchige, ältere Stimme. Ich konnte hören, wie etwas über den Boden geschliffen wurde.

Nach einer langen Pause öffnete sich die Tür. Eine kleine Frau in ihren 90ern stand mir gegenüber. Sie trug ein bedrucktes Kleid und einen Hut mit einem Schleier, der aussah als stamme er aus einem Film aus der 40ern.

Neben ihr war ein kleiner Koffer. Die Wohnung sah aus als wenn dort niemand seit Jahren wohnen würde. Alle Möbel waren mit Laken bedeckt.

Es gab keine Uhren an den Wänden, kein Schnickschnack oder Utensilien auf den Schränken. In der Ecke war ein Karton, der gefüllt mit Fotos und Glasdekoration war.

„Würden sie meine Tasche zum Auto tragen?“ fragte sie. Ich nahm ihren Koffer mit zum Taxi und drehe um, um der Frau zu helfen.

Sie nahm mich beim Arm und wir gingen langsam den Bordstein entlang.

Sie hörte nicht auf sich bei mir für meine Freundlichkeit zu bedanken. „Das ist doch selbstverständlich“, sagte ich ihr. „Ich versuche nur meine Fahrgäste so zu behandeln, wie ich möchte, dass meine Mutter behandelt wird.“

„Oh, Sie sind so ein guter Junge“, sagte sie. Als wir beim Taxi ankamen, gab sie mir die Adresse und fragte: „Können wir durch die Innenstadt fahren?“

„Das ist aber nicht der kürzeste Weg“, antwortete ich rasch.

Ich guckte in den Rückspiegel. Ihre Augen glänzten. „Ich habe keine Familie mehr“, mit einer sanften Stimme sprach sie weiter. „Der Arzt sagt, dass ich nicht mehr lange habe …“ Leise führte ich meine Hand zum Zähler und schaltete ihn aus.

„Welche Strecke möchten Sie fahren?“, fragte ich.

Für die nächsten zwei Stunden fuhren wir durch die Stadt. Sie zeigt mir das Gebäude, wo sie mal als Aufzugsführerin gearbeitet hat.

Wir fuhren durch die Nachbarschaft, in der sie und ihr Mann lebten als sie frisch verheiratet waren. Sie ließ mich vor einem Möbelgeschäft anhalten, welches früher mal ein Tanzsaal war zu dem sie tanzen ging als sie eine junge Frau war.

Manchmal, als wir an bestimmten Gebäuden oder sogar Straßenecken vorbeifuhren, fragte sie mich langsamer zu fahren. Sie saß nur da und starrte in die Dunkelheit und sagte nichts.

Als die ersten Sonnenstrahlen zu sehen waren, sagt sie plötzlich: „Ich bin müde. Lassen sie uns jetzt fahren.“

In Stille gehüllt führen wir zu der Adresse, die sie mir gegeben hatte. Es war ein flaches Gebäude, wie eine kleine Kuranstalt mit einer kleinen Einfahrt umrahmt von Säulen.

Zwei Pfleger kamen zum Taxi, sowie wir anhielten. Sie waren besorgt und achteten auf jede ihrer Bewegungen.

Sie mussten sie erwartet haben.

Ich öffnete den Kofferraum und trug ihren kleinen Koffer zur Tür. Die Frau wurde schon in einen Rollstuhl gesetzt.

„Wie viel bekommen Sie von mir?“, fragt sie als sie in ihre Handtasche griff.

„Nichts“, antwortete ich.

„Sie brauchen doch einen Lebensunterhalt“, sagte sie.

„Es gibt andere Fahrgäste“, entgegnete ich.

Fast ohne darüber nachzudenken, beugte ich mich hinunter und umarmte sie. Sie hielt mich fest.

„Sie haben einer alten Frau einen kleinen Moment des Glücks gegeben,“ sagte sie. „Dankeschön.“

Ich drückte ihre Hand und ging in die Morgendämmerung… Hinter mir schloss sich eine Tür. Es war das Geräusch eines sich schließenden Lebens…

Ich holte während dieser Schicht keine weiteren Fahrgäste ab. Ich fuhr ziellos in der Gegend rum. Für den Rest des Tages konnte ich kaum sprechen. Was wäre, wenn diese Frau einen unfreundlichen oder ungeduldigen Fahrer, der nur auf das Ende seiner Schicht wartet, erwischt hätte? Was wäre, wenn ich nicht zur Tür gegangen wäre oder nur einmal gehupt hätte und dann weggefahren wäre?

Auf einen kurzen Rückblick denke ich nicht, dass ich nie etwas Wichtigeres in meinem Leben getan habe.

Wir sind alle in dem Glauben, dass unsere Leben umgeben von schönen Momenten sind.

Aber schöne Momente fangen uns unwissend – wunderschön verpackt in etwas, das Andere als klein oder nichts betrachten.

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  1. Juni 7, 2012 um 7:59 pm

    Ach mein Lieber!Lebten Wir doch nur in so einer Welt wo der eine für den anderen da wäre!?
    Da ich durch meine Krankheit bedingt nicht mehr lange auf dieser Welt ausharren muss und mich dieses Wissen nicht mit Traurigkeit erfüllt,ich sogar ein wenig Dankbarkeit fühle,erfreuen solche Geschichten mein Herz!

    Gruß Hans

    • Juni 7, 2012 um 8:10 pm

      Lieber Hans, es macht mich noch mehr glücklich, wenn ich Dir mit diesem Post auf Deinem Weg weitere Inspiration mitgeben konnte. Lieben Gruß Martin

  2. Juni 7, 2012 um 8:04 pm

    Die gruselige Geschichte über unser Medizinsystem? Oh yes, die war gestern tatsächlich mehr als das … ;)))))

  3. Juni 7, 2012 um 9:24 pm

    Eine hier passende Geschichte, die mich berührt hat:

    „Gibt es die Hölle wirklich? Kindergedanken zum Jahreswechsel“

    LG Manfred

    • Juni 7, 2012 um 10:59 pm

      Dieter, gibt es die Hölle wirklich?

      “Dieter, mein Papi hat keine Arbeit, wir haben kein Geld, für uns ist das die Hölle” und dann stürmte die Kleine auf mich los und wollte unbedingt auf meinem Schoss sitzen und lieb gehabt werden. Ihre Eltern sind sehr enge Freunde von uns, aber über diesen plötzlichen und sehr heftigen Gefühlsausbruch des kleinen Mädchens war selbst ich überrascht.

      Und dann erzählten die anderen Kinder, was sie so im Fernsehen sehen, über ihre Ängste, über ihr Mitgefühl mit den Menschen, die sie da in Not leiden sehen und all das, was ihnen so gerade durch den Kopf ging.

      Absolut süß fand ich, wie die kleine Sandra, die ja die Frage gestellt hatte “Dieter, gibt es die Hölle?” dann sagte: “Dieter, es gibt also keine Hölle, die Erwachsenen machen sich die selber, oder?”

  4. Juni 7, 2012 um 11:21 pm

    Mein Gutenachtgruß heute an Euch – Freundschaft:

  5. Juni 8, 2012 um 8:25 am

    An old Cherokee told his grandson, „My son, there is a battle between two wolves inside us all. One is Evil. It is anger, jealousy, greed, resentment, inferiority, lies & ego. The other is Good. It is joy, peace, love, hope, humility, kindness, empathy and truth.“ The boy thought about it, and asked „Grandfather, which wolf wins?“ The old man quietly replied, „The one you feed.“

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