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Keimlinge des neuen Lebens beginnen zu sprießen

Wir hatten schon mehrfach darüber gesprochen, dass sich ein Wandel nur hält, wenn er sich von „unten“, als im „gemeinen“ Volk schon vollzogen hat. Und dass wir einen weiteren Wandel brauchen, ist auch auf MicroNatio EcoEden entsprechend formuliert:

Immer mehr gerät die Ohnmacht der politischen Lenker, die wachsende Ungerechtigkeit in den Systemen, die steigende Armut und Unzufriedenheit in allen Gesellschaften in den Fokus und damit auch die Frage und Suche nach Antworten für die Zukunft. Das Explodieren von Atomkraftwerken und Bohrinseln kann bei allen Errungenschaften der modernen Industriegesellschaft wohl für niemanden ein zu akzeptierender Preis für Wohlstand und technischen Fortschritt sein.

Gibt es Alternativen, realistische Ansätze für Formen gemeinschaftlichen Zusammenlebens jenseits Burnout-Bedrohung oder inflationärer Billionen-Rettungsschirme? Werden diese Ansätze erst in einem Post-Crash-Szenario, also wenn es zu spät ist, zum Tragen kommen – oder können wir uns nicht schon heute konstruktiv mit möglichen Veränderungen unserer Systeme auseinandersetzen, um ab sofort unsere Umwelt und unsere Zukunft positiv zu verändern?!

Mit MicroNatio EcoEden hat sich eine Gruppe von Menschen zusammen gefunden, um eine weitere der über 1.000 „Inseln“ neuen Miteinanders zu organisieren. Im Gegensatz zu den bisherigen Inseln soll diese in den Bereichen Wissen, Nahrung und Energie möglichst schnell autark werden. Zudem sollen ethischen Werte gelebt werden, die auf Nachhaltigkeit auf allen Ebenen setzen. So ist weiter zu lesen:

Die künftige Genossenschaft EcoEden | Arche Noah 2.0 wird Wissen, Nahrung und Energie produzieren und diese zur Refinanzierung der millionenschweren Investitionen nutzen respektive diese drei elementaren Bestandteile des Lebens als Tauschgut nutzen, falls und wenn die herkömmlichen Systeme kollabieren werden. Hinsichtlich der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Energie sowie Wasser und Wissen werden wir komplett autark sein, wenngleich wir uns während des Bestands der herkömmlichen Sozial-, Wirtschafts- und Finanzsysteme als Halbinsel betrachten – und eine dauerhaft funktionierende Insellösung sein werden, wenn diese Systeme zu kollabieren beginnen.

Gut, hierin ist noch immer der Tauschgedanken enthalten und damit der Virus Eigentum impliziert. Allerdings wird hier auf ein Gemeineigentum gesetzt, das über das Genossenschaftsmodell verwaltet wird:

Unfangreich wurde darüber gesprochen, dass die Gemeinschaft eine genossenschaftliche Struktur erhalten wird. Es wird also keinen Guru, König oder Propheten geben, sondern einen Vorstand, einen Aufsichtsrat und einen kompetenten Beirat, die durch Mitgliederversammlungen gewählt und auch abgewählt werden können. Das Eigentum gehört den Genossen, die der Genossenschaft beitreten werden. Wer dieser Genossenschaft künftig beitreten wird, entscheidet dabei nicht das jeweilige Scheckbuch, sondern was das neue Gemeinschaftsmitglied zur Gemeinschaft an Kompetenz und Persönlichkeit beitragen kann.

Bei letztem Satz rumort zwar mein Bauch, denn wer keine passende Kompetenz vorzuweisen hat, wird draußen bleiben müssen (erinnert an das Verfahren „Stadtluft macht frei“ der mittelalterlichen Städten, denn wer ein Jahr ohne Arbeit in der Stadt überlebte, durfte bleiben und sich dann in die Ökonomie einbringen). Auf der anderen Seite ist auch eine funktionierende Dorfgemeinschaft schon heute so organisiert, dass jedes Mitglied seinen passenden Beitrag leistet, oder?

Es wird hier noch dieses Jahr losgehen und damit eines der Projekte sein, auf das gezeigt werden kann, wie ein Anders aussehen könnte.

Über Hinweise auf weitere Keimlinge an dieser Stelle freue ich mich!

  1. Mai 23, 2012 um 6:57 pm

    Zum Thema Kollaps, der in dem Artikel oben genannt wird: So sieht es heute von oben auf Montreal aus, wo 250.000 Studenten und Unterstützer gegen die neuen Gesetzgebungen sowohl der Studiengebühren als auch der Demonstrationsrechte protestieren

    250,000 RISING UP IN MONTREAL, CANADA TODAY!

    An estimated 250,000 people defy anti-protest bill 78 and mark the 100th day of student protests!

    This is what 250,000 student protesters looks like from the air – Montreal, Quebec today

    MONTREAL – A protest that organizers are describing as the single biggest act of civil disobedience in Canadian history choked the streets of downtown Montreal.

    „By 3:30 p.m., a little more than 90 minutes after the marches began to snake their way through downtown Montreal, CLASSE, which would later estimate the crowd at about 250,000, described the march as “the single biggest act of civil disobedience in Canadian history. Montreal police, refuse publicly to estimate crowd size.“

    Crowd number source: http://www.montrealgazette.com/news/Thousands+take+streets+100th+strike/6661077/story.html#ixzz1vdbjshYj

    Montreal Protests: Anti-Protest Bill 78 Passes ‚worst law‘ since War Measures Act
    Video: http://www.youtube.com/watch?v=vBNnshW_jmY

    Photo source/credit: http://instagr.am/p/K8GBkeSCGs/

    CUTV Live Recordings – live stream
    http://www.livestream.com/cutvmontreal

  2. Mai 23, 2012 um 7:40 pm

    Tolles Bild!
    Lassen wir in unseren Blogs weiterhin dafür sorgen, dass ein Bewusstsein für die Macht im Volk entsteht! Auch wenn man sich oft wie ein Rufer in der Wüste vorkommt!

    Gruß an Alle! Hans

    • Mai 23, 2012 um 7:51 pm

      Hans,
      auch wenn Du das Gefühl hast, dass Du nicht genügend gehört wirst, weil wenige Kommentare einlaufen. Statistisch ist es so, dass nur 7-8 Artikel schreiben, ähnlich viele nur Kommentieren und der Rest liest, aber dafür über die Inhalte im realen Leben diskutiert.
      Also wie Du sagst: dran bleiben 🙂
      LG Martin

  3. Mai 23, 2012 um 8:50 pm

    Bei diesem Modell habe ich Bauchschmerzen, und zwar aus zwei Gründen:

    1. Es ist eine Genossenschaft, also begründet sich das ganze Modell auf Privat-Eigentum – der Genossenschaftsmitglieder. Wenn Du einen großen Batzen Geld oder Wert in die Genossenschaft einbringst, gehört Dir auch mehr als den anderen, die nicht so viel einbringen können – Merkst Du den Mechanismus?
    Außerdem:
    Hast Du mal Wahlen bei Genossenschaften miterlebt? Es ist das selbe Dilemma wie mit den Regierungen. Die Verantwortung wird abgegeben, die Menschen, die gewählt werden sollen, kennen die wenigsten… Also, der Quatsch von kein Guru und König ist bla-bla-bla… Verdummung, Manipulation der Menschen, die in diese so genannte „Genossenschaft“ gelockt werden sollen.

    2. Was ich da lese ist ein Business-Plan, ein eiskaltes Geschäftsmodell!
    Die rechnen damit, dass sie Zulauf haben von Menschen, die Angst vor dem herbeigeredeten Crash und der ebenso herbeigeredeten „Anarchie“ und „Chaos“ nach dem Crash haben, wenn alles zusammenbricht.
    Diese „Retter“ sind dann die einzige Insel der „Glückseligkeit“?
    Weiterhin wollen sie sich bei Crash sofort „autark“ machen – Wen lassen sie dann noch in ihre „Insel der Glückseligkeit“?
    Liest sich also auch so ein bißchen wie: „Wir sind auserwählt und nur wir bestimmen, wer für würdig befunden wird, Teil unseres erlauchten Kreises zu werden.“

    Ich halte das für eine ganz gefährliche Kiste, die zudem den Menschen heute das Geld aus der Tasche zieht….

    Ich bekomme ob der Perfidität dieses Businessplanes und Geschäftsmodelles Brechreize…

    • Mai 23, 2012 um 9:03 pm

      Liebe Solveigh, vielen Dank für Deine Analyse. Ich hatte ja in meinem Text auch schon intuitiv meine Bedenken leicht anklingen lassen. Deine Sicht auf dieses Vorhaben kann ich so teilen. Es sieht nach Closed Job aus. Und wie ich schon anmerkte, der Virus der Gier ist mit dem Eigentum über die Mitgliedschaft in der Genossenschaft enthalten. Wer geht, will ja sein Eigentum wieder mitnehmen, und womöglich sogar vermehrt …

  4. Beppo
    Mai 24, 2012 um 9:21 am

    EcoEden…..Vielleicht einfach mal „Anastasia“ lesen!-Eine neue Zivilisation

  5. federleichtes
    Mai 25, 2012 um 1:58 pm

    Das erscheint bei Dir, Nick, vermutlich das, was Manfred an anderer Stelle erwähnt: Das UNBEDINGTE Gefühl für Richtig und Falsch.
    Mirt geht es so: Ich lese etwas, und eine „Lampe“ geht an – oder bleibt eben aus.
    Bei Herumpfuscherei an Symptomen geht sie an.
    Und auch hier bei Martin scheint nicht nur bei einigen „Leuchten“ diese Funktion aktiviert.

    Danke für Deine Beschreibung.

    Wolfgang

    Weil‘ zum Thema passt:
    Unsere „Püppi“ wird gerade beobachte, wie sie schlüpft – ein Fototag der besonderen Art.

  6. Mai 26, 2012 um 12:29 am

    Vielen Dank erneut, Nick, für die Bestätigungen meiner gedanklichen Vermutungen.

    Die Schwarmregeln bestätigen, was es, meiner Meinung nach, mit der realen Bildersprache und ihrer Grammatk auf sich hat … Stichwort Goldene Phi(l)harmonie.

    Allein Punkt b) macht deutlich, dass die Naturgesetze nicht einfach zufällig entstanden sind, sondern fortwährend durch Bewusstsein entstehen … und entsprechend auch Veränderungen unterworfen sind.

    “Vermeide Friktionen bzw. suche das geringstmögliche Friktionsniveau.“

    Genau das ist die Basis natürlicher Vorgänge in der Natur … umgangssprachlich lässt es sich formulieren als “Verschwende keine Energie“.

    Jedes künstliche System, welches nicht mit, durch und in der Vergangenheit sich entwickeln konnte, ist zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Da haben wir den Fortschritt wieder … das Fortschreiten vom Natürlichen kann nur reaktive Unordnung zur Folge haben.

    Gruß Guido

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