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Die Schule der Tiere

Die Schule der Tiere

Die Schule der Tiere

Ich bin gerade wieder durch das Bild mit der Nase auf diese schöne Geschichte gestoßen worden:

Es gab einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine Schule. Der Unterricht bestand aus Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern unterrichtet.

Die Ente war gut im Schwimmen, besser sogar als der Lehrer. Im Fliegen war sie durchschnittlich, aber im Rennen war sie ein besonders hoffnungsloser Fall. Da sie in diesem Fach so schlechte Noten hatte, musste sie nachsitzen und den Schwimmunterricht ausfallen lassen, um das Rennen zu üben. Das tat sie so lange, bis sie auch im Schwimmen nur noch durchschnittlich war.

Durchschnittliche Noten waren aber akzeptabel, darum machte sich niemand Gedanken darum, außer: die Ente.

Der Adler wurde als Problemschüler angesehen und unnachgiebig und streng gemaßregelt, da er, obwohl er in der Kletterklasse alle anderen darin schlug, darauf bestand, seine eigene Methode anzuwenden.

Das Kaninchen war anfänglich im Laufen an der Spitze der Klasse, aber es bekam einen Nervenzusammenbruch und musste von der Schule abgehen wegen des vielen Nachhilfeunterrichts im Schwimmen.

Das Eichhörnchen war Klassenbester im Klettern, aber sein Fluglehrer ließ ihn seine Flugstunden am Boden beginnen, anstatt vom Baumwipfel herunter. Es bekam Muskelkater durch Überanstrengung bei den Startübungen und immer mehr „Dreien“ im Klettern und „Fünfen“ im Rennen.

Die mit Sinn für’s Praktische begabten Präriehunde gaben ihre Jungen zum Dachs in die Lehre, als die Schulbehörde es ablehnte, Buddeln in den Unterricht aufzunehmen.

Am Ende des Jahres hielt ein anormaler Aal, der gut schwimmen und etwas rennen, klettern und fliegen konnte, als Schulbester die Schlussansprache.

Quelle: „Legasthenie muss kein Schicksal sein“ von E.-M. Soremba; Lehrerin ; Herder Verlag 1995

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Das passt so herrlich zu Kritik an unserem Schulsystem: darüber, wie wir unsere Kinder verdummen ….

Aber auch: Ausbildung 2.0 – es ist an der Zeit, unser 200 Jahre altes, industriell-fertigendes Bildungssystems auf den Kopf zu stellen

Es ist so schwer, von Glaubenssätzen wegzukommen. Gestern hatte ich in einem Beitrag von Prof. Senf, der schätzungsweise 75 Jahre als sein mag, die folgende Geschichte von ihm gehört:

Als ich 11 Jahre alt war, bekam meine Tante einen dicken Bauch. Dann ging sie ins Krankenhaus. Dort besuchte unsere Familie sie. Und es war ein Baby bei ihr. Nun wollte ich wissen, woher dieses Baby kam. „vom Klapperstorch“, war die ernste Antwort.

Und auf die Frage, ob das was mit dem dicken Bauch zu tun hatte. „Ja, es war die Aufregung, die so groß wurde, dass sie hierher musste.“

Und auf die Frage, wie denn ein Baby bestellt würde: „Der Mann legt eine Rose auf das Fensterbrett, wenn das Ehepaar sich ein Kind wünscht.“

Und auf die Frage, ob er das auch könne: „Nein, das muss immer der Mann einer Frau tun.“

Mit dieser Glaubensregel wuchsen damals viele Kinder auf. Und als der erste Film über eine Geburt im Fernsehen lief, war das Geschrei groß, dass man doch so etwas nicht tun könne.

Prof. Senf zog die Parallele zur heutigen Frage, wo kommt eigentlich das Geld her?: „So was fragen nur Verschwörungstheoretiker …“ (Interessant heute im Handelsblatt, geschrieben vom ehemaligen Leiter der Dresdener Bank: Geldsysteme sind kein Naturgesetz)

Das mit den Glaubenssätzen hatte ich gerade noch mit meiner Ältesten besprochen, die zu der Erkenntnis kam, dass sie nicht mehr anderer Menschen Glaubenssätze übernehmen muss. Sie hatte wohl eine Reihe von Päckchen mit sich rumgetragen, die sie bisher erdrückten und mit denen sie sich unbewusst nicht abfinden konnte, aber dennoch „beherzigte“.

Und hier nochmals zum Abschluss die Geschichte mit den fünf Affen, die aufzeigt, warum wir von Gewohnheiten so schlecht lassen können, und die seit einigen Wochen auf unserem Firmen.Blog der Renner ist:

Wie eine Geschichte mit fünf Affen die Analogie zu den Problemen beim Ändern von alten Prozessen aufzeigt …

  1. Mai 23, 2012 um 11:09 am

    ‚Das System ist schuld‘
    vgl. Gunter Dueck kritisiert u.a. das Bildungs-System in ‚Professionelle Intelligenz‘, S. 77:
    „Diese Menschen sind durch alle Siebe des Bildungs-Systems gegangen und daher alle intelligent… aber unfähig!“

    http://www.sueddeutsche.de/bildung/betriebe-bilden-oft-unzureichend-aus-unreife-meister-1.1351451
    Mentale Diabetes:
    http://ed.iiQii.de/gallery/Science-TheOnlyNews/MatthiasBohn_vbio_de

    • Mai 23, 2012 um 11:29 am

      Eigentlich müsste doch auch hier wieder den herrschenden Eliten klar sein, dass für ein nachhaltiges Profitieren von den vielen Zuarbeitern sie mehr Produktivität erwarten dürfen, wenn diese nicht nur Arbeitsintelligenz besitzen sondern auch Lebensintelligenz. Ohne Letzteres geht die Gemeinschaft vor die Hunde und und Kranksein auf allen Ebenen ist angesagt. Früher sorgte man sich um physische Hygiene, weil dann die Menschen länger leben konnten und damit länger ausbeutbar waren (siehe auch Was hat denn der Bau der Berliner Kanalisation in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit Compliance zu tun?). Sollte dann den Mächtigen nicht daran gelegen sein, dass sie sich nun um die psychische Hygiene kümmern und dafür Sorge tragen sollten, dass unsere junge Menschen wieder lebensfähiger „erzogen“, besser -> gebildet werden?
      Ich hatte schon einmal geschrieben: Wenn Du Gutes für den Menschen erreichen willst, argumentiere wirtschaftlich!

      Aber noch besser ist, wir tun es an der Basis wieder bewusst und lassen unsere Kinder in diesem Schulsystem nicht allein sondern mischen uns ein. So wie es Eltern tun, die sich inzwischen überall für alternative Schulen einsetzen.

  2. federleichtes
    Mai 25, 2012 um 11:01 am

    Die Schule der Tiere
    ist gar keine so schlechte – wenn man mal zu ihnen geht und sich unterweisen läßt.

    Machtmissbrauch ist für mich ein mehrfach heikles Thema.
    A. Mir scheint, als erschiene es DURCHGÄNGIG in den Lebensbildern und -themen.
    Was auf ein Schlüsselproblem hinweist.
    B. Für den Menschen ist Machtmissbrauch offensichtlich ein verdrängtes Thema, was auf ein traumatisches Thema hinweist.
    Unschwer erkennbar, dass A und B zusammenhängen.

    Macht wird nur missbraucht aus einem Antrieb heraus. Der kann
    A archaisch-informativer Natur sein (was ich glaube), und
    B mit einer energetischen Kompensation, eine im Wesenskern vorhandene Ohnmacht auszugleichen (was ich beobachte).

    Machtmissbrauch vollzieht sich – ich möchte beinahe sagen, leider – auf zwei grundsätzlich verschiedene Weisen.
    Der egozentrische Geistwesen-Mensch missbraucht seine individuell-persönliche Macht – gegen die Gemeinschaft
    Die Gemeinschaft der Sozialwesen missbraucht ihre Macht, indem sie sie nicht gegen die Geistwesen-Menschen einsetzt.

    In der Schule der Tiere, die auch eine Schule der Natur ist, lernt man, dass
    1. Es um die Erhaltung der Art geht und dafür alle Mittel rechtens sind.
    2. Individuelle Macht (des Stärkeren) nur zur Erhaltung benutzt wird.
    3. Die Populationen so angelegt sind, dass für jeden Fresser genügend Fressbares einer anderen Art verfügbar ist.
    4. Es im Miteinander der Arten eine Art Spiel gibt. Z.B. bauen Vögel ihre Nester so, dass sie von Nahrungssuchenden Mitspielern schwer gefunden werden.

    Susanne sieht ein ganz einfaches Gesellschaftsmodell:
    Jeder nimmt sich so viel, wie er braucht.
    Und ich sehe eine Verkehrung der derzeitigen Wertschätzung:
    Bewunderung verdient, wer mehr produziert, als er verbraucht.
    (für die etwas leistet, die es selber nicht mehr können)

    Hallo Nick,

    woher wusstest Du, was ich schreiben wollte?

    Dir einen guten Tag.

    Wolfgang

  3. Oktober 6, 2012 um 8:20 pm

    Wir sind alle verschieden. Jeden auf den gleichen Bildungsstand zu bringen ist in Systemen wichtig, die auf Konkurrenz und Wettbewerb fußen. “Chancengleichheit” ist hierbei eine Größe, die von der Gesellschaft angestrebt wird. Jeder soll hinsichtlich dem „Wettlauf um Ressourcen“ vom gleichen Ausgangspunkt starten können, damit sich niemand benachteiligt fühlt oder sogar gegen andere wendet. Aber wahrscheinlich ist es in einem System, welches Kooperation dem Wettbewerb vorzieht, nicht nötig, jeden auf einen ähnlichen Bildungsstand zu bringen.
    Wir sind alle verschieden. Und auch wenn unser aller Leben auf identischen Grundprinzipien basiert (z.B. atmen, essen, schlafen, usw.), sind wir immer noch sehr verschieden, in der Art und Weise wie wir denken, fühlen und folglich auch lernen. Unsere verschiedenen Interessen und die Vielfältigkeit unserer Ideen sind genau das, was das Leben miteinander so interessant und farbenfroh macht. Anstatt alle „so gleich wie möglich“ machen zu wollen, sollte die globale Gesellschaft anstreben, die Bedürfnisse eines jeden Einzelnen zu erfüllen, damit Menschen ihre Verschiedenheiten bestaunen und genießen können, anstatt sie fürchten zu müssen.

    gefunden auf einem der am besten durchdachten Konzepten für die Transformation unserer derzeit Mensch und Natur krankmachenden Gesellschaft hin zu einer nachhaltig gesunden:
    Global Society Blog – Bildung

  4. Oktober 6, 2012 um 8:45 pm

    Als mir klar wurde, dass ich meine Kinder selbst unterrichten werde, suchte ich nach einem Lehrplan, aber rasch merkte ich, dass ich so etwas gar nicht benötige. Ich finde, dass jeder Erwachsene, der in der Schule halbwegs aufgepasst hat, mühelos ein Kind unterrichten kann, ohne einen Lehrplan zu verwenden.

    Ich wage sogar zu behaupten, dass die Schulbildung, die meine Kinder bis zum Alter von zehn genossen haben, weitaus besser war als jene, die sie in einer Schule erhalten hätten. Ich hatte es auch besser als ein durchschnittlicher Lehrer. Erstens brauchte ich meine gesamte Aufmerksamkeit nur drei Schülern zu widmen. Zweitens stand mir ein viel größeres Klassenzimmer zur Verfügung, weil für meine Kleinen die Welt das Klassenzimmer war.

    Sehr bald erkannte ich, dass die einzige sinnvolle Bildung jene ist, die sich die Kinder selbst wünschen. Daher unterrichtete ich sie in den Dingen, für die sie sich interessierten. Sie lernten die Insekten kennen, die sie fanden, wenn sie an Land waren, und die Vögel und anderen Tiere, die diese Insekten fraßen. Sie beschäftigten sich mit den Fischen und Seehunden, die wir beim Segeln sahen, und lernten, dass winziges Plankton durch die Ozeane treibt und die Grundlage der marinen Nahrungskette darstellt.

    gefunden in: 20 Jahre auf dem Meer: „Zu Hause ist, wo das Boot ist“

  5. Januar 5, 2014 um 6:21 pm


    Entgegen der Doktrin des offiziellen Lehrplans kommt es also ganz und gar nicht darauf an, dass und was in der Schule gelernt wird, sondern lediglich darauf, dass sich alle nach dem Modell der Gaußschen Normalkurve sortieren lassen. Alle müssen miteinander vergleichbar sein. Und damit das klappt, müssen sich alle an denselben Standards messen lassen. Wollte man ernstlich alle am Schulerfolg teilhaben lassen, dann müsste ja jeder nach seiner Facon selig werden können.

    Es müssten in der Schule so viele verschiedene Talente und Begabungen zum Zuge kommen, wie es Lernende und Lehrende in ihr gibt.

    Wenn sich aber die Schule tatsächlich daranmachen wollte, allen eine Chance zu eröffnen, das ihnen Gemäße zur Erscheinung und zum Leuchten zu bringen und es zu seiner vollen Möglichkeit zu entfalten, dann gäbe es nichts mehr zu zensieren. Denn die Zensur dient ja ausschließlich dazu, die drop outs zu identifizieren und sie ihrer Selbstachtung zu berauben.

    Auch das eine gut kaschierte Wahrheit über die Schule: Sie ist nicht daran interessiert, an ihren Schülern Könnerschaften zu entdecken und diese für das gemeinsame Lernen zu nutzen, sondern daran, sie bei ihren Unfähigkeiten, Unzulänglichkeiten, bei ihren Schwächen, Mängeln und Fehlern zu behaften, denn nur dann kann sie den Glauben an ihre Unentbehrlichkeit und heilsgeschichtliche Notwendigkeit nähren.

    Daraus entsteht auch die irrige Vorstellung, dass Menschen zum Lernen nicht gemacht seien und durch sanften Druck oder deutlichen Zwang dazu gebracht werden müssen, es zu wollen, oder – wenn schon nicht zu wollen – es doch wenigstens zu tun. Tatsächlich muss man nur kleine Kinder dabei beobachten, wie sie sich mit nicht ermüdendem Eifer bemühen, diese oder jene selbstgesetzte Aufgabe zu bewältigen, um zu verstehen, dass die Angeödetheit, mit der junge Leute der Lernanforderung begegnen, nicht etwa eine anthropologische Konstante ist, sondern ein von der verfassten Pflichtschule erzielter „Erfolg“. Erst wenn die Lernlust den Kindern ausgetrieben wurde, werden sie ja schulreif, reif für Beschulung.

    Fundstelle: Bildung braucht Gastlichkeit, von Prof. Marianne Gronemayer

    Wenn man Fesseln lange genug trägt, hält man sie für Flügel. (John Steinbeck)

  6. federleichtes
    Januar 5, 2014 um 9:54 pm

    Schule, ich lasse mich immer wieder neu begeistern – obwohl ich, selbst in den Ferien, täglich Berichte aus der Schule höre. Gestern sprachen wir über „Arschloch-Lehrer“, gemessen an ihren Fähigkeiten ein sehr höflicher Arbeitstitel. Und erinnerst Du Dich an ein paar meiner vielen Berichte aus dem täglichen Erleben, in denen es um Arschloch-Staatsbedienstete ging?

    Lieber Martin,

    ehrlich gesagt komme ich mir auf Deinem Blog zunehmend blöder vor. Wollte ich Dir eine Zusammenstellung meiner Erklärungen zu allgemeinen und speziellen Problemen bzw. Phänomen geben, die auf NULL-RESONANZ stießen, Du würdest sagen:
    „Was willst Du eigentlich auf diesem Blog?“

    Schau mal, erst vor ein paar Momenten schrieb Mathias über das „Kali Yuga“, dem dunklen Zeitalter. Wie oft ich darüber schrieb, dass Menschen nur über ein eingeschränktes Bewusstsein verfügen dürfen, gehört auch – was das Reflektieren betrifft – zu den Vorkommnissen, warum ich mich blöde fühle. Spreche ich chinesisch? Gelte ich hier als Volltrottel, der mit seinen Gedanken die Zeiten zwischen seinen Mahlzeiten füllt? Und ich denke an die vielen von Dir servierten Themen, die zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit beschrieben. Und? Falls es Dir an Zeit für weitere Recherchen fehlt, liefere ich Dir täglich zehn weitere Themen, die jedem Normalen Menschen die Haare in die Höhe treiben.

    Kali Yuga musste kommen, na gut, wie gestalten wir die Entwicklung dahin und die Dynamik Richtung Zenit? Legen wir sie in die Hände von Genies, die mit den Weisen kooperieren und sich von Heiligen beraten lassen? Oder von Managern und Milliardären? Oder brauchen wir gar zusätzlich noch Psychopathen und Verbrecher?
    Welches Wissen stellen wir den Menschen zur Verfügung, um den Zenit der Dämlichkeit sprich Feindseligkeit auch erreichen zu können? Na, was meinst Du? Welches „Wissen braucht man für ein Kali Yuga-Szenario? Etwa Wissen, das Menschen dämlich und dämlicher, abgestumpfter und isolierter macht und sie von Human-Idealen entfernt?

    Das glaubst Du sicher nicht.

    Ich glaube, dass man bereits kleinen Kindern eine gewisse Folgerichtigkeit erklären kann. Dass man zum Beispiel A tun muss, um B zu erreichen. Hattest Du nicht mal von einer „Verkehrten Welt“ gesprochen? Und, wie entstand in Deiner Wahrnehmung diese Vorstellung? War das Intuition? Und wie mag sie entstanden sein? Weil in unserer Gesellschaft als Wissen gilt – zu gelten hat, das auf eine „spezielle Weise“ informiert, um der Dynamik des Kali Yuga gerecht zu werden?

    Natürlich, wenn man das weiß bzw. Bewusstsein über das Werden hin zur absoluten Feindseligkeit hat, wird man sein Verhalten überprüfen – UND ES ÄNDERN: Das ist auch ein notwendiger Schritt in der Enttraumatisierung. Und wenn Du glaubst, dass alle Erkenntnis kommt durch Denken, ohne Teil-Erkenntnisse schrittweise ins Leben integrieren zu müssen; wenn Du meinst, Erkenntnis käme ohne Enttraumatisierung, ohne Ent-Ängstigung und ohne Ent-Wirrung – na denn, viel Glück. Dazu gebe ich Dir einen Satz direkt mit auf Deinen weiteren Erkenntnisweg:
    „Erfolg im Sinne des Systems verhält sich im Kali Yuga reziprok zu Erkenntnis“.

    Als wir heute am Ümmingersee spazieren gingen, sagte ich zu Susanne: Vor sieben Jahren habe ich ein völlig neues Leben begonnen. Und ich meine, ich hätte in diesem Bewusstsein geschwelgt und gestrahlt wie ein Schneekönig. Etwas später sagte ich: Welch prächtiges Leben wir führen, der Kühlschrank leer und die Vorratskammer prall gefüllt mit einigen Vogelfutter-Sorten in besten Qualitäten.

    Ja, lieber Martin, natürlich hätte ich auch die Fresse halten – und Dir stattdessen die Freundschaft aufkündigen können.

    Wolfgang

    • Januar 5, 2014 um 10:31 pm

      Ein wahrlich heftiger Rüttler wieder von Dir 😉

      Ja, ich komme immer wieder mit solchen Erkenntnissen um die Ecke. Ich mache dies aber auch für Jene, die erst vor Kurzem begannen, Fragen zu stellen, um auch Ihnen weitere Impulse zum genauer Hinschauen zu geben.

      Für Dich uns Susanne und manchem Anderen hier auf dem Blog mag das eine alte Kamelle sein. Allerdings fand ich in diesem Artikel doch ein paar bemerkenswerte Aspekte, die so stringent formuliert noch nicht zu finden waren.

      Selbst gemachte Erfahrungen sind sicher wertvoller. Wir haben unseren Verstand sicher aber auch mitbekommen, um von Erfahrenen zu lernen …

      VG Martin

      • federleichtes
        Januar 6, 2014 um 12:45 am

        Erstens empfinde ich zwischen dem Anstoß Mathias‘, die Trauma-Therapie genauer zu besprechen, und Deinem Anspruch, Dich um Menschen zu kümmern, die gerade das Lesen lernten, einerseits eine Wohlwollen-Kluft, andererseits eine Herabwürdigung einer Entwicklung, die ich für entscheidend für die weitere Bewusstwerdung halte.

        Ich bin nicht der Typ, der andere Menschen anspringt – und in meinem Freundeskreis bist Du der Einzige, bei dem es mir nötig erschien. Fundamental ärgert mich, dass Du eine Menge, Menge, Menge geleistet hast und nicht zu denen gehörst, die gemeinsam eine Menge lernten. Und zwar, indem sie nicht allgemeine Ansprüche erfüllten, sondern die, die sie an sich selber stellten.

        Auf Deinem Blog gibt es zahlreich Hinweise zu „Hilfe zur Selbsthilfe“. Natürlich ausgesprochen von Menschen mit Lebenserfahrung, mit therapeutischer Erfahrung und nicht-akademischer Herzens(aus)bildung. Natürlich sind wir alle keine Nummern in dem Zirkus, in dem „Berühmtheiten“ sich bewundern lassen. Egozentriker? Hier wirken keine, alle sind sich einer kooperativen Notwendigkeit bewusst und bieten ihre geistige Nahrung selbstverständlich an – das Brot gemeinsam brechen.

        Heute trafen wir einen Mann, der durch Deutschland reist und für Gerechtigkeit wirbt.

        Während ich die Böschung zu ihm rauf krabbelte, fragte er:
        Bist du Christ?
        Ich sagte:
        Na klar, aber keiner von der Kirche.

        Die Zeit mit diesem Menschen war mega-federleicht. Und ihn zu treffen war eine Sache von plusminus zehn Sekunden. Hätten wir nicht mit dem Mann vom Kiosk ein längeres Gespräch angefangen, hätte Susanne nicht etwas erledigen müssen, wären wir nur etwas langsamer oder etwas schneller gegangen, hätten den Mann auf der Bank oder den Fotografen nicht fotografiert oder die Idiotischen Modellrennbootfahrer (Scheiß auf die Tiere auf dem See) noch fotografiert – es hätte keine Begegnung mit diesem SEHR besonderen Menschen gegeben. Mit der Gerechtigkeit?

        Was ich damit sagen möchte.
        Das Wesentliche des Lebens breitet sich nicht aus, wie es rational planbar wäre. In einer Kali-Yuga-Welt hat nicht das Bedeutung, was den Anschein erweckt, sondern das, was gerade nicht den Anschein von Bedeutung zu erwecken vermag. Es können Kinderaugen sein, deren Blick Dir die entscheidende Erkenntnis vermitteln; es kann eine Raupe sein, die von einem Baum auf Dein Sakko fällt; es kann auch ein zeitloser Moment sein, der Dich einen „Flow“ – Gedanke aus dem Gesamt-Bewusstsein – wahrnehmen lässt und die Tür zu einem echten Erkenntnisweg öffnet.

        Wegen mir kannst Du hier alle Horrorfilme der Neuzeit besprechen, aber es stört mein Gerechtigkeitsempfinden außerordentlich, wenn der Verursacher und erste Leistungsträger einer Gemeinschaft nicht mit ihnen am gedeckten Tisch sitzt.
        Wenn Du etwas nicht verstehst, ist es Deine Pflicht, zu fragen. Wenn Du an Aussagen zweifelst, Deine Pflicht, diese anzumelden – in der Pflicht, DIR SELBST GEGENÜBER.

        Falls Du meinst, ich hätte an diesen, wie Du sie nennst, Rüttlern Spaß – Irrtum. Falls Du meinst, diese Rüttler wären erfolgt am Rande des mir Möglichen – Irrtum. Das Gebot der Stunde lautet Wohl-Wollen und nicht Brechstange. Das Gebot der Stunde lautet auch, den Geist des Kali-Yuga zu verlassen, mit faden, jedem Ethos widersprechenden Kulturgeboten zu brechen. Heute sagte ich zu Susanne:
        Jesus‘ Kreuzigung war ein öffentlicher Auftritt, und sicher hat er vorher noch geduscht und gebügelte Socken angezogen.

        So what?
        Woanders verhungern die Kinder oder leben auf Müllhalden, und wir sollen Kaliyuga-Krawatten umbinden? Fenster putzen, das Auto waschen und täglich die Treppe wischen? Klar, wir können das würdelose Sterben nicht verhindern, aber wir müssen nicht dieses Sterben auch noch verhöhnen, indem wir hier eine wertlose Kultur pflegen. Kritik außerhalb der Selbstkritik gehört nach meinem Empfinden auch dazu. Scheiß-Schule? Kürzlich schrieb mir ein Freund, man könne nicht nur Gutes tun, es hätte immer auch Schattenseiten – Jing Jang eben. Und der würde die Schule als soziale Begegnungs-Lernstätte sicher nicht kritisieren.

        Das mal in aller Kürze.

        Gruß

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