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Eine kleine Geschichte über die Unmöglichkeit, es allen recht zu machen …

Ich benutzte immer wieder gerne kleine Geschichten, weil diese Zusammenhänge des Lebens angenehm verdeutlichen können. Heute habe ich eine, die besonders Harmoniebedürftige interessieren dürfte und sich bei ihrem Bestreben, es allen recht machen zu wollen am Ende feststellen müssen, dass sie es einfach nicht schaffen, aber lest selbst:

Bauern erstaunt, dass Vater und Sohn den Esel nicht reiten

Ein Vater sprach zu seinem Sohne: „Komm, lieber Sohn, ich will dir die Torheit der Welt zeigen.“

Damit zog er seinen Esel aus dem Stall und sie gingen miteinander über’s Feld, führten den Esel an der Hand und kamen in ein Dorf. Da liefen die Bauern zusammen und riefen: „Seht doch, welche Narren das sind! Führen den Esel an der Hand und keiner sitzt drauf.“

Als sie nun das Dorf hinter sich hatten, setzte sich der Vater auf den Esel und der Sohn führte das Tier an der Hand. Nach einer Weile kamen sie in ein anderes Dorf. Da sprachen die Bauern: „Seht nur, der Alte reitet und der arme Junge muss zu Fuße nebenher laufen.“

Sie zogen weiter und als sie vor das dritte Dorf kamen, stieg der Vater ab, hieß den Sohn aufsitzen und führte den Esel. Kaum waren sie etliche Schritte ins Dorf gekommen, da kamen die Bauern herzu und riefen: „Ei, der kräftige Junge reitet und lässt den armen alten Vater zu Fuß gehen!“

Wie sie nun weiterritten und an das vierte Dorf kamen, befahl der Vater seinem Sohne, dass er sich hinten auf den Esel setze und er nahm vor ihm Platz. So ritten sie beide ins Dorf. Da kamen aber die Bauern zusammengelaufen, schimpften und schrieen: „Pfui über die Tierquäler! Sie sitzen alle beide auf dem Esel und wollen das arme Tier zu Tode reiten. Sollte man nicht einen Stock nehmen und beide herunterschlagen?“

Als sie nun zum fünften Dorf kamen, sprach der Vater: „Lieber Sohn, es bleibt uns nur noch eins übrig, nämlich dass wir dem Esel die Beine zusammenbinden, ihn über eine Stange hängen und ihn so tragen.“ Und so taten sie. Aber wie sie nun zum fünften Dorf kamen, da verhöhnten die Leute sie, schalten sie unsinnige Narren und jagten sie mit Steinwürfen zum Dorfe hinaus.

Da sprach der Vater zu dem Sohne: „Siehst du nun, lieber Sohn, die Torheit der Welt? Wie wir es auch gemacht haben, so ist es niemand recht. Es ist eben unmöglich, es jedem recht zu machen. Darum tu du immer nur das, was du für recht hältst – und lass die Leute reden.“

(Johann Peter Hebel)

  1. Juni 17, 2012 um 12:16 pm

    Gerade in der Facebook-Grupp Kooperation statt Konkurrenz bekommen:

  2. Januar 27, 2012 um 10:57 am

    Und wo wir schon bei Geschichten sind und auch die Ganzheitlichkeit hier des öfteren zur Sprache kommt, wollte ich mal Folgendes los werden:

    Die Geschichte des Universums beginnt immer im gemeinsamen Paradies und endet als gemeinsames Happy-End … doch dazwischen liegt immer ein Maximum an individuellen Tragödien …

    Gruß Guido
    http://www.gold-dna.de

  3. Januar 27, 2012 um 3:43 am

    Ein Spruch, der aus meiner Nachbarschaft stammen könnte:

    Da säuft man nun den ganzen Tag, und keiner dankt es einem.

    Wie schlängelt man sich unbeschadet durch die Andersartigkeit?
    Unter Gleichgesinnten lebt sich’s leichter.
    Ignoranten, denen alles glatt am Ar… vorbei geht, sind auch nicht zu verachten.
    Selbst Therapeuten lassen sich ein auf kassenkonforme Beliebigkeit, Kuschelgespräche, dass nur der „Patient“ nicht wieder kommt, weil es „weh“ tat.

    Der Forderung nach einem authentischen Sein kann sich wohl nur jeder selber aussetzen. Sie zu erfüllen ist nicht immer leicht, und ich meine, ohne ein wahrhaftiges Gegenüber schier unmöglich. Man braucht zur Reflexion eben einen Menschen mit einem klaren „Ja“, ebenso wie mit einem klaren „Nein“.

    Meinen Nachbarn kann ich nur Freund sein, indem ich akzeptierend „Ja“ sage zu ihrer Trunksucht, und als Abgrenzung „Nein“ sage zu einer Beteiligung an den täglichen Exzessen.
    Anders bei Freunden, da wird’s schon mal unbequem, Position zu beziehen und damit die Harmonie zu gefährden. Freundschaft sollte nicht, das glaube ich, darin bestehen, es einander recht zu machen, sondern das Beste für den Anderen zu wollen – auch um den Preis der Freundschaft, Gegensätze auch gegeneinander zu stellen. Konfrontation ist das Recht der Freundschaft; es ihr recht zu machen ein echter Anspruch.

    Wolfgang

    • Januar 27, 2012 um 8:10 am

      Hallo Wolfgang,
      wieder eine so weise Feststellung von Dir. Das habe ich erst in „hohen“ Jahren so begriffen. Ich sah Kritiken an meinem Verhalten immer als Angriff auf mich an. Nicht als eine Information mit der Intention, dass ich mit der Annahme mich weiterentwicklen könnte.
      „Ich sage Dir das doch nur, weil mir etwas an Dir liegt. Wäre es nicht so, würde ich Dir nichts sagen.“
      Ich wünsche Dir und Susanne einen schönen Tag,
      Martin

      • Januar 27, 2012 um 10:01 am

        Da fällt mir wieder Makarenkos Antwort gegenüber einem neuen Zögling ein, der fragt, ob es bei ihm auch „Karzer“ gäbe: „Nein, Karzer gibt es nicht. Nur Stubenarrest. Aber den gibt es nur für meine Freunde.“

    • Januar 27, 2012 um 9:58 am

      Ja, einverstanden.

      sondern das Beste für den Anderen zu wollen – auch um den Preis der Freundschaft, Gegensätze auch gegeneinander zu stellen. Konfrontation ist das Recht der Freundschaft

      Konfrontation darf aber nie soweit gehen, dass ich versuche, dem Freund meine Denkweise aufzuzwingen. Sie darf nur dazu dienen, zu einem gemeinsamen Standpunkt zu kommen, oder den Standpunkt des anderen einfach zu akzeptieren. Gerade Freundschaft lebt durch die Andersartigkeit des Freundes, an der ich mich reiben und erkennen kann – und Toleranz lernen 🙂

      • Januar 27, 2012 um 2:33 pm

        Ich glaube, das Wesen einer „tiefen“ Freundschaft zeichnet sich gerade durch das Konfrontieren dessen aus, was durch ein gemeinsames Bemühen um Entwicklung ans Licht kommt: Konflikte- die in BEIDEN Menschen auftauchen.

        Ich erlebte es einige Male, dass sich Menschen von mir abwendeten, um dann nach einer Zeit der Besinnung die Freundschaft weiter leben konnten, als wäre nichts Bedeutsames geschehen.

        Menschen im intensiven Miteinander ist für mich das Spannendste im Leben überhaupt; DA funktioniert meine Intuition ganz gut.

        Davon unabhängig, Solveigh, stimmt Deine Aussage natürlich.

        Wolfgang

      • Januar 27, 2012 um 3:05 pm

        Wann immer zwei schwingende Systeme miteinander in Resonanz treten, kommt es zu einer Annäherung. Unter bestimmten Bedingungen kann diese sich durch Resonanz immer weiter aufschaukelnde Annäherung einen Punkt erreichen, wo mit einem Schlag die Grenzen zwischen diesen Systemen zusammenbrechen. Fortan schwingen sie in Einklang. Das so entstandene Ganze ist mehr als die Summer seiner Teile. Es hat neue, eigene Eigenschaften, und es schwingt nun selbst in einem neuen, eigenen Rhythmus. Resonanz ist das Ganzheit vermittelnde Prinzip unserer Welt. „Auf diese Weise“, so der Molekularbiologe Friedrich Cramer, „lässt sich der Kosmos als ein lebendiges Zusammenspiel seiner schwingenden Teile beschreiben, als Weltresonanz“ (Cramer 1996).
        Wenn wir die Tendenz, in Resonanz zu treten, als ein universelles Prinzip anerkennen, dann ist die Liebe Ausdruck und Ziel dieses Prinzips.

        Wer anders denkt, sieht anders, und wer bisher nicht Geschautes plötzlich zu sehen imstande ist, fängt an, anders zu denken. Falls es der Wissenschaft vom Leben irgendwann gelingt, ihre bisherige analytische, zusammenfügende Denkweise zu ersetzen, könnte aus der alten Biologie der Angst eine künftige Biologie der Liebe werden.

        Gerald Hüther
        Die Evolution der Liebe

        Nur wenn reaktive Unordnung aufgelöst wird, kann daraus aktive Ordnung, sprich Harmonie, hervorgehen. Harmonie ist die Dynamik der Kohärenz. Einklang.

        Gruß Guido
        http://www.gold-dna.de

  4. Barbara Palme
    Januar 26, 2012 um 5:31 pm

    Hallo in die Runde, hallo Martin,
    auch mich hat die Geschichte an die vielen Situationen erinnert, in denen sie erzählt wurde. Sie berichtet die Erlebnisse einer kleinen reisenden Gruppe – Vater, Sohn und Esel -, die auf drei andere Gruppen treffen. Die Entscheidung, was ich tue oder wie ich es tue, kann ich durchaus selbst treffen und die Leute reden lassen. Ich kann mich auch anpassen, wenn ich es in diesem Fall für richtig halte. Die eigene Entscheidung treffen, den eigenen Weg finden und die Leute reden lassen, ist nicht immer ganz einfach. Eins sein – also identisch mit sich selbst zu sein – ist eine komplexe Sache; denn wir sind heute anders als morgen. Eine richtige Auswahl treffen kann von vielen Faktoren abhängig sein.
    Wenn ich die Geschichte so lese, dass dieser kleinen Gruppe – Vater, Sohn und Esel – auf ihrem Weg kulturell unterschiedlichen Gruppen begegnen, dann kommen wir in die Vielfalt der Erscheinungen kulturellen Lebens und die Aktzeptanz, dass diese Weisen alle nebeneinander richtig sein können.
    Herzliche Grüße
    Barbara

    • Januar 26, 2012 um 6:37 pm

      Hallo Barbara,
      durch unseren Konformismus in der Schulausbildung sind wir es nicht mehr gewohnt, dass neben unserem Denken es auch noch Anderes geben könnten und feinden es dann gleich an.
      Dabei braucht es die Vielfalt, damit neue Ideen geboren werden können. Sonst würden wir stagnieren und uns nicht weiter entwickeln können.
      Ja, wir sollten das Andere als etwas für unser Reiferwerden Wertvolles betrachten und es nicht aus Angst bekämpfen.
      Liebe Grüße
      Martin

  5. Januar 20, 2012 um 11:31 am

    Vielen Dank für diese Geschichte, Martin. Ja, so kleine Geschichten erzählen tiefe Weisheiten….

    Darum tu du immer nur das, was du für recht hältst – und lass die Leute reden.

    Das wird auch wahrhaftig, stolz sein, in sich selbst ruhen und Rückgrat beweisen genannt.

  6. Januar 20, 2012 um 11:19 am

    Elke :
    Lieber Martin,
    Das trifft aber nicht auf alles zu, was Ist und auf menschliches Verhalten schon gar nicht, da es keine konstante Größe ist, sondern von der inneren Befindlichkeit und des Tagesablaufes bestimmt wird. So kommt es vor, dass man in einer ähnlich gelagerten Situation an einem anderen Tag vollkommen anders urteilt

    Auch das macht wieder Sinn und ergibt sich aus der Eingebundenheit in ein Ganzes, welches immerzu im Fluss ist. Deshalb macht Schubladendenken und das Einpressen in Systeme keinen Sinn. Deshalb kehrt alles zyklisch wieder, so lange bis das Umfeld passt und doch Harmonie entsteht. Es ist vielleicht mit einem Zahlenschloss zu vergleichen, jeder Zyklus eine Zahl, passt die Kombination der Zyklen, dann geht das Schloss auf … und die Energie kann gestärkt weiterfließen …

    Gruß Guido
    http://www.gold-dna.de

  7. Elke
    Januar 20, 2012 um 10:57 am

    Lieber Martin,

    danke für die Geschichte. Da werden Erinnerungen wach – sie stand früher in unserem Schul-Lesebuch.

    Die Kernaussage ist zutreffend und immer wieder zu beobachten. Was dem einem Recht ist, ist für andere nicht akzeptabel. Aber denke Guido liegt da richtig, wenn alle mit einem herrschenden Zustand gänzlich zufrieden sind, gibt es wahrscheinlich keine Weiterentwicklung mehr. Was man als gut und richtig empfindet, unterbindet den Drang etwas daran zu verbessern.
    Das trifft aber nicht auf alles zu, was Ist und auf menschliches Verhalten schon gar nicht, da es keine konstante Größe ist, sondern von der inneren Befindlichkeit und des Tagesablaufes bestimmt wird. So kommt es vor, dass man in einer ähnlich gelagerten Situation an einem anderen Tag vollkommen anders urteilt.
    Allen alles Recht machen zu wollen ist ein Unterfangen was von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. So verschieden die Menschen sind, so verschieden sind ihre Ansichten und Wertvorstellungen. Wer das erst einmal verinnerlicht hat, wird sein Handeln nach dem eigenen Gewissen ausrichten und nicht mehr nach dem was andere von einem denken mögen…

    Wünsche dir und den anderen noch einen schönen Tag. Hier im Norden hat es heute fürchterlich gehagelt und gewittert – alles ist weiß wie nach einem Schneefall. Noch nicht einmal der Hund wollte raus 

  8. Januar 20, 2012 um 10:03 am

    Lieber Martin,

    ist das schon wieder so ein Zufall ? Bitte lies selbst:

    http://www.gold-dna.de/ziele6.html

    Könnten wir Menschen es in der Expansion bereits allen recht machen, käme es zu einer Dynamik der Harmonie … Kohärenz … die es unmöglich machen würde, dass sich die Expansion weiter ausbilden könnte. Somit ist in der Expansion überwiegend immer Schatten, wo auch Licht ist, wobei es anderen Dualismen nicht anders ergeht. Jede Glückssträhne geht zu Ende und jede Pechsträhne ebenfalls.

    Gruß Guido

  9. Januar 20, 2012 um 8:26 am

    Und auch das Gedicht passt so schön dazu, SEIN Leben zu leben, von Gernhardts Geist

    Trost und Rat

    Ja wer wird denn gleich verzweifeln,
    Weil er klein und laut und dumm ist?
    Jedes Leben endet. Leb so,
    Dass du, wenn dein Leben um ist

    Von dir sagen kannst: Na wenn schon!
    Ist mein Leben jetzt auch um,
    Habe ich doch was geleistet:
    Ich war klein und laut und dumm.

    • Januar 21, 2012 um 6:07 pm

      Hallo Martin, hier ein paar Zeilen von mir zum Thema, aus dem Gedicht „Hoffnung“

      Nimm diesen Moment, ohne zu fragen:
      Was wird uns der Morgen wohl bringen?
      Hoffend suchen an finst’ren, schweren Tagen,
      So wird uns das Weitergehen gelingen.

      Haben wir uns nichts mehr zu geben.
      Schau dich nicht um, gehe ohne Schmerzen.
      Nur mit dem bleiben wir haften im Leben,
      was wir gaben aus ganzen Herzen.

      f.k. 1990
      Durch den kleine Abstecher in Fragen Mayakalender bin ich auf zwei interessante Videos gestoßen, die zwar nicht die absolute Wahrheit sind, aber doch einige neue Denkansätze beinhalten. Ihr findet sie hier; http://www.mayakalender.net/videos.php
      Viele Grüße com. Mike

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