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Reicht es aus, das Geld abzuschaffen, damit wir auch von unserer Gier lassen?

Fehler im System

Fehler im System

Solveigh hat gerade auf einem anderen Blog einen interessanten Kommentar hinterlassen und dabei die Frage nach dem Sinn der Geldabschaffung und dem Grund unserer Gier beleuchtet:

Das Geld ist eben gerade nicht die Ursache, sondern Symptom der Krankheit des Systems ist. Und auch die Gier ist nur ein Symptom dieses Systems ist.

Wenn ich Gier ad absurdum führen will, reicht Aufklärung nicht aus. Zu allererst muss ich mich fragen:

Woraus entsteht die Gier? Antwort: Gier entsteht aus dem Wunsch mehr zu besitzen als der andere.

Nächste Frage: Woraus entsteht der Wunsch mehr zu besitzen als der andere? Antwort: Aus der Knappheit der Güter!

Begründung für diese Annahme: Es kommt keiner auf die Idee, mehr Sonne oder Wasser als der andere besitzen zu wollen, weil diese Güter (noch?) nicht künstlich verknappt wurden, sondern von der Natur reichlich verschenkt werden. Anmerkung: Die Profitgeier beginnen jedoch bereits, das natürlich und reichlich vorhandene Gut Wasser künstlich (durch Propaganda und Preise = Geld) zu verknappen!

Darum werden im kapitalistischen System, das auf Ausbeutung von Allem und Jedem, auf rücksichtslose Profitmaximierung, damit auf Gier und allen anderen negativen Eigenschaften der Menschen beruht, die Güter künstlich knapp gehalten.

Darum werden Technologien, die diese künstliche Verknappung nicht mehr gewährleisten (also den Profit daraus ad absurdum führt) unter dem Deckel gehalten und nicht eingeführt.

Es reicht also weder, das Geld als Symptom abzuschaffen, noch über die Gier als Symptom aufzuklären. Das gesamte Wirtschaftssystem muss von künstlich erzeugter Knappheit auf den natürlichen Überfluss umgestellt werden. Das bedeutet also vollkommenes Umkrempeln des heute herrschenden Systems, die beiden Symptome Geld und Gier erledigen als Nebenprodukt (Kolleteralschaden 🙂 ) von selbst.

Ich bin der Meinung, dass die für den Wechsel der gesellschaftlichen Systeme notwendigen wirtschaftlichen Technologien heute soweit entwickelt sind, dass der Kapitalismus die anstehenden Probleme einfach nicht mehr lösen kann. Darum die Systemkrise. Das ist eine ungeheuere Chance für die Menschheit. Ja, es besteht auch die Gefahr der Etablierung der Diktatur auf globaler Ebene. Wir Menschen entscheiden letztendlich, wohin die Fahrt geht. Und das können wir nur gemeinsam. Wenn wir uns auseinandertreiben lassen, ausgrenzen, uns gegenseitig beschimpfen, statt das Gemeinsame und uns Einende zu betonen, dann haben wir schon verloren!

Und wieder ist ein weiterer Mosaikstein hinzugekommen. Danke an Solveigh.

  1. Januar 7, 2012 um 5:50 pm

    Danke für den Film, Martin.

    Du schreibst:
    Unser Fehler ist aber häufig, über unsere Schatten zu lange wegzusehen, sie nicht mit in unser Leben zu integrieren.
    Dahlke nennt das Beispiel des Jungen, zu dem der Pastor:
    Wenn Du mir sagen kannst, wo Gott ist, bekommst du eine Apfelsine.
    Der Junge antwortet: Wenn du mir sagen kannst, wo Gott nicht ist, bekommst du zwei Apfelsinen.

    Das Leben IST ein Integrationsprozeß.
    Was Dahlke Schatten nennt, nennen wir auch das Böse oder die dunkle Seite. Leben übt sozusagen einen Gleichstellungsfunktion aus – betreibt eine Gleichstellung von Wesen A und Wesen B. Das „Dunkle“ ist so wenig dunkel, wie das „Helle“ hell ist. Geist und Liebe in concert, ich werde nicht müde, es wieder und wieder zu schreiben. (Hell ist gut, gell)
    Geist und Liebe sind auch im Menschen „in concert“ – insofern ist der Mensch nicht gut und böse, er ist lediglich ein Liebes- und Geistwesen, ist sozial und egozentrisch.

    Es gibt eine Ursache für unsere Welt und das Leben, und die Wirkung (Offenbarung) läßt auf das Wesen der Ursache schließen. Kann’s noch simpler werden?

    Wolfgang

  2. Januar 7, 2012 um 7:34 pm

    Max stellt eine äußerst spannende Frage:
    Was ist falsch an mir?

    Ich frage mal unpersönlich:
    Worauf basiert diese Frage? Auf Gut und Böse? Auf Strafe und Belohnung? Auf dem Gefühl, es sei wieder mal nicht genug, was man leiste?

    Ich kenne die Frage, die sich meinem Leben ins Fell brannte: „Himmel, was noch, was denn jetzt noch?
    Mit meiner Bauträgerfirma baute ich in knapp zwei Jahren 50 Häuser; es war eine turbulente Zeit. Ich baute in sechs Monaten ein altes Gutshaus zu einem Seminarhaus um; es war eine turbulente Zeit. Dann begann, vor 15 Jahren, eine ganz andere Zeit: Die Reise in die Psyche, in meine und die anderer Menschen. Es war eine wilde Zeit, die wildeste in meinem Leben, unvorstellbare Dinge geschahen – und plötzlich geschah nichts mehr. Hatte ich mein Reiseziel erreicht? Oh nein, es begann eine weitere Reisetappe voller Dramen und Unerklärlichem – und plötzlich geschah nichts mehr. Das Muster war klar: Strapaze, Erholung/Besinnnung, Strapaze – sehr vernünftig eingerichtet.

    Was ich daraus lernte?
    Es ist immer genug, was ich leiste – es ist immer genug, was andere Menschen leisten.
    Ich glaube, unsere menschliche Freiheit besteht darin, entscheiden zu können, was wir leisten WOLLEN. Was sind wir bereit, aus unserem Leben zu machen? Schaffen wir uns Grenzen, oder wollen wir Grenzen entdecken?

    Es gibt nach meiner Kenntnis auf der Bühne des Lebens eine Menge verschiedener Rollen zu besetzen. Und für jeden ist nicht nur etwas dabei, man kann sich auch für eine Rolle bewerben, sich verfügbar machen, das wollen, was vielleicht keiner machen würde.

    Damit sollte Deine Frage, lieber Max, beantwortet sein. Ich fühle, dass Leben mir geschenkt wurde. Was fühlst Du? Hast Du Deine „Rolle“ gefunden? Weißt Du, ob noch etwas Unbekanntes an Potenzial in Dir steckt? In diesem System hast Du Dich verwirklicht, aber ist es nicht möglich, dass Du für einen Rolle bei die Verwirklichung des Neuen Systems nominiert bist?
    Kein einziger Mensch auf dieser Welt ist falsch. Allerdings suchen einige Menschen nach Rollen, die ihren Fähigkeiten WIRKLICH entsprechen.

    Reichtum ist, Freunde zu fühlen.

    Ich wünsche Dir einen guten Abend.

    Wolfgang

    • Januar 8, 2012 um 12:59 am

      Ich möchte nur mal fest halten, dass dies eine rhethorische Frage war. Ich habe keine Selbstzweifel. Ich finde nichts falsch an mir aber es wird mir hier das Gefühl vermittelt dass etwas falsch sein muss weil ich eben nicht das aktuelle System zerstören sondern nur reparieren will. Ich habe gerade Klassentreffen gehabt und der Grossteil meiner Klasse ist bereits in Frühpension. Ich könntn durch meinen beruflichen Erfolg seit cirka zehn Jahre ausgestiegen sein aber ich habe zu viel Spass an dem was ich beruflich tue und werde wohl nie aufhören die Dinge zu tun die mich glücklich machen. Ich habe meine Grenzen noch nicht erreicht und wenn werde ich sie wahrscheinlich etwas höher setzen weil es eben Spass macht sich zu fordern.

      Gleichzeitig ist aber Glück nur etwas was man durch andere Menschen gewinnen kann und obwohl ich nicht der oberflächlichen Idee dass ich alle Menschen liebe verfalle, so tue ich für meine Nächsten das Beste was ich tun kann und für den Rest das was in meinem Rahmen möglich ist. Aber ich fühle mich nicht für den Zustand des Afrikanischen Kontinents verantwortlich …

      Ich habe vor 8 Jahren die notwendige Umstellung meines Lebens vollzogen um so zufrieden sein zu können. Nicht alle haben es verstanden aber meine Umgebung meint dass ich seitdem sehr rund laufe. Ich habe genau die echten Freunde die ich brauche.

      Ich denke ich werde mich hier ausklinken. Also danke nochmals für die spannende Diskussion. Habe doch eine andere Sichtweisen kennegelernt und verstanden wie man meine andererseits sieht. Wie gesagt: wir können scheinbar an der Dynamik des aktuellen Systems nichts ändern und es wird seinen Weg gehen. So oder so … noch viel Glück dabei.

  3. Januar 8, 2012 um 10:47 am

    Vielen Dank, lieber Max, für Deine Beteiligung.
    Sie brachte mir nicht nur thematische Klarheiten, sondern, was viel wichtiger war, das Gefühl praktizierter Verbundenheit auf einer Ebene, die ich, mangels besserer Möglichkeit des Beschreibens, „Charakter“ nenne. Ich meine die „Größe“, sich zu positionieren, und die Größe, sich zu besinnen und eine ehrliche konstruktive Innenschau zu halten.
    Es wird immer Menschen geben, die ihre Analysen nicht zur Zerstörung, sondern zur Heilung verwenden.

    Um meine Position zum Geld, wiederum etwas klarer, zu formulieren:

    Geldbeschaffung über das Notwendige hinaus ist für Menschen der Versuch, mit einer „fremden“ Macht die Sicherheit zu schaffen, die in ihrem Inneren fehlt.

    Die Verwendung von Geld über das Notwendige hinaus ist der Versuch, die zum Glücklichsein notwendige, aber fehlende innere Kreativität durch Beschaffungsmassnahmen auszugleichen.

    Geld in jeder Form schafft keinen Ersatz für Glück. Es kann missbraucht werden, sich natürliche Lebensenergie von anderen Menschen zu beschaffen. Aber man wird irgendwann verstehen, das man mit der Energie eines Menschen nicht auch dessen Glücklichsein raubte; man kann Menschen nur unglücklich machen.

    Niemand kann einen Menschen glücklich machen, außer er sich selber. Was wir tun können ist dafür zu sorgen, dass Menschen sich nicht unglücklich machen lassen. Manchmal, das ist meine Erfahrung, reicht es bereits aus, einfach nur ein Freund zu sein, der unter KEINEN Umständen etwas anderes als ein Freund sein wird.

    Glück, auch das ist meine Erfahrung, erhält sich nur durch die Fähigkeit, Gründe zum Unglücklichsein nicht zu akzeptieren.

    Damit wünsche ich Dir das Bestmögliche.

    Wolfgang

  4. Januar 8, 2012 um 11:38 am

    Was kann uns das Geld lehren?

    Die einen raffen es zusammen, schaffen sich einen künstlichen Reichtum, besitzen Vergängliches, verfallen in dem Irrglauben einer sicheren Existenz.

    Die anderen zahlen die Zinsen und sorgen für den Erhalt einer künstlichen, im Grunde nicht lebensfähigen Idee für Existenz; Schmarotzer bleiben bedürftig.

    Wurde Menschen das Leben geschenkt?
    Ist die Welt, in der Leben existieren kann, ein Geschenk?

    Oder ist Leben eine Investition?
    Ist Liebe auch eine Investition?

    Was macht die Liebe aus uns?
    Was machen wir mit unserer Liebe?

    Ist Liebe nicht ein Geschenk, in gewisser Weise Energie gleich dem Kapital?

    Was geschieht, wenn wir lieben?

    Zahlen wir damit in gewisser Weise „Zinsen“?

    Leisten wir, ohne unser Kapital, die Liebesfähigkeit, zu vermindern?

    Ist es nicht gerade so, dass wir durch unser Lieben-können unser Kapital, die Liebesfähigkeit, vermehren? Ein Zinses-Zins-Effekt?

    Wenn dem so wäre, gäbe es ja etwas noch viel Besseres als ein Perpetuum Mobile. Es ginge nicht mehr um eine quantitative Selbsterhaltung, sondern um eine qualitative Gestaltung von Existenz.
    Verdoppelt sich Glück, wenn man es teilt?
    Was geschieht, wenn alle Menschen mit Liebe versorgt sind?

    Ich wünsche Allen einen schönen Sonntag.

    Wolfgang

    • Januar 8, 2012 um 1:07 pm

      Oh, wichtige Fragen und der Vergleich von Kapital und Glück. Da hast Du mir enien schönen Rucksack vollgepackt auf meinen kleinen Sonntagslaufe 🙂 Martin

  5. Januar 8, 2012 um 12:01 pm

    Wolfgang schrieb:
    “Was geschieht, wenn alle Menschen mit Liebe versorgt sind?“

    Was geschieht, wenn ALLES Leben mit Liebe versorgt ist ? Dann hätten wir das Paradies. Dann wäre der Kosmos DAS Paradies … und ALLES wäre bereit, ein neues, ein weiteres Universum ins Leben zu rufen. Ziel erreicht … und neuer Anfang zugleich.

    “Es ginge nicht mehr um eine quantitative Selbsterhaltung, sondern um eine qualitative Gestaltung von Existenz.“

    So schaut es aus !!!

    Das Bewusstsein allen Lebens wird erwachsen … und wird in Kürze auf Teufel komm raus zu lieben lernen, bedeutet zu lieben unterm Strich doch Aufmerksamkeit zu schenken … und Energie, zum letzten Mal, versprochen, folgt der Aufmerksamkeit … ganz bewusst, einhergehend mit zunehmender Verantwortung und zunehmendem Vertrauen der bzw. in die Gemeinschaft allen Lebens.

    Gruß Guido

  6. Januar 8, 2012 um 12:59 pm

    … und Energie, zum letzten Mal, versprochen, folgt der Aufmerksamkeit.

    Hallo Guido, vielen Dank für Deinen Kommentar.
    Nein, ich glaube, wir können es nicht oft genug sagen, wo der Hase begraben liegt.
    Angst sind Emotion, auch Energie, aber Liebe eben eine ganz andere Qqualität.

    Susanne sagte kürzlich:
    Wie wäre es, wenn wir nicht Mitleid nach Somalia schicken,
    sondern gute Gefühle und den Menschen Wohlstand wünschen.

    Ist es nicht so, dass wir den (ohnmächtigen) Kriegstreibern unsere Angst schicken, uns abwenden, anstatt ihnen mit VIEL Aufmerksamkeit die „richtigen“ Zuwendungen zu geben?

    Angst ist nun gerade das Gegenteil von dem, was die glücklosen Wesen brauchen.
    Vielleicht findet Martin – in Kürze – die Lösung für eine Umkehr einer ganz und gar kontraproduktiven Art von Zuwendung.

    Was soll uns geschehen?
    Wir sind unsterblich.

    Ich schicke Euch alle Sonnenstrahlen, die sich gerade durch unseren grauen Himmel drängten.

    Wolfgang

  7. Januar 8, 2012 um 5:47 pm

    Die meisten Menschen meinen, dass sie die Guten sind. Wie kommt es dann, dass wir egoistisch sind? Ist Egoismus angeboren oder nur ein angezogenes Verhalten? Eine WDR-Sendung mit Richard David Precht. Überraschendes?:

    • Januar 8, 2012 um 6:02 pm

      Precht ist ein Neukommunist und seine Theorie ist absolut polemisch und ohne jedwede wissenschaftliche Grundlage. Ausserdem befasst er sich mit den Themen Gut und Böse die wir hier doch schon ausgenommen haben. Also lassen wir solche hirnlose Polemiker doch bitte aus der Diskussion draussen …

      • Januar 8, 2012 um 6:26 pm

        Hm, ist ein Neukommunist per se zu verurteilen? Kann ein solcher Mensch keine Gedanken bewegen, die weiter bereichern könnten? Ich werde Niemanden wegen seiner „Ideologien“ von vornherein verurteilen, denn sonst würde ich die guten Ideen solcher Menschen wegsperren und verbaue mir ggf. Innovation.
        In dieser Sendung kommen aber noch andere zu Wort, so auch u.a.a auch von den Ergebnissen wissentschaftlicher Untersuchungen berichtet. So u.a. auch die Widerlegung des Homo Oeconomicus. Auch die Frage, ob wir überhaupt noch arbeiten würden, wenn wir ein bedingungsloses Grundgehalt bekämen, wird diskutiert.
        Leider werden auch in dem Film wieder die fehlerhaftaen Simulationen zum Klimawandel behandelt 😦

      • Dr. Manfred Voss
        Januar 14, 2012 um 3:30 pm

        Also, ich weiss nicht, was ein „Neukommunist“ sein soll – mit dieser Schublade kann ich nichts anfangen … ich empfinde den Beitrag von Precht als konstruktiv.

        Ich weiss nicht, welchen „wunden Punkt“ er angerührt hat, dass er als „hirnloser Polemiker“ abqualifiziert wird …

  8. Kevin
    Januar 8, 2012 um 6:47 pm

    Den homo oeconomicus braucht man nicht zu widerlegen. Es gibt ihn nicht. Der homo oeconomicus ist nur ein Modell um theoretisch Arbeiten zu können.

    • Januar 8, 2012 um 6:52 pm

      OK, korrekt ist, dass die Annahme, dass der Mensch ein solcher wäre, widerlegt wurde. Womit der Großteil unserer wirtschaftswissenschaftlichen Modellen umfallen.

  9. Kevin
    Januar 8, 2012 um 7:18 pm

    Modelle sind in den seltensten Fällen falsch. Man arbeitet hier eher mit Kategorien der Angemessenheit. Der homo oeconomicus ist lediglich eine abstrakte Verkürzung der Realität. Ein Modellmensch. Für wirtschaftswissenschaftliche Zwecke ist und war er immer gut geeignet, weil es ein einfaches Modell ist, dass signifikant zuverlässige Prognosen ermöglicht. Problematisch wird es erst dann, wenn der Modellmensch als Realmensch betrachtet wird und Politiken auf Ersteren statt auf Letzteren zugeschnitten werden. Die ausschließliche Ausrichtung an diesem Modell wird seit einiger Zeit auch in der Wissenschaftscommunity diskutiert… aber wie gesagt, die Kritik dieses Modells sollten diejenige vornehmen, die mit ihm Arbeiten (müssen).

  10. Januar 8, 2012 um 8:26 pm

    Mir erscheint das Reduzieren des Menschen auf ein „Arbeitstier sehr kurz gegriffen, um es höflich zu formulieren.
    Nein, man bemüht sich nicht darum, elementare den Menschen betreffende Begriffe zu definieren (Leben, Psyche, Bewusstsein, Liebe, Verantwortung), sondern werkelt in einem Bereich, der von einigen Menschen als höchster Anspruch definiert scheint:
    Wie kann man das Arbeitsvieh Mensch noch besser ausnutzen.

    Nein, es reicht nicht die weitgehende Automatisierung der Produktion, man braucht auch einen Roboter, der sich die Schuhe selber zubinden kann – und den Minderwert, den er produziert, von seinem verdienten Geld kauft, damit er weiterhin arbeiten darf. Leitet sich der Begriff Überfluss von überflüssig ab?
    Okay, überspitzt, aber ich bin wütend.

    Warum haben nur so wenige Menschen den Mut, sich diesen Wahnsinn genau anzuschauen?

    Ob der Mensch noch arbeiten würde, wenn man ihn nicht dazu zwingen würde?
    Das Wesen von sinnvoller Beschäftigung wird einerseits sehr individuell beantwortet, andererseits stellt sich die Frage nach dem Sinngehalt von Arbeit doch schon – in weiten Teilen der Arbeitswelt – eine ganze Weile nicht mehr. Viele gehen morgens zähneknirschend los und kommen abends zähneknirschend nach Hause. Als Radfahrer genieße ich den Vorzug, in die Autos des Feierabendverkehrs schauen zu dürfen. Mein Gott!, und ich bin froh, ein paar Minuten später Bienen, Käfer und Enten beobachten zu können. Essen auf Rädern? Elend auf Rädern!
    Die Wissenschaftler, Kevin, sollen, das wünsche ich mir, sich ihre Studien dahin stecken, wo sie selber etwas davon haben. Wir werden sie nicht mehr brauchen, weder dieserart Studien, noch die Menschen, die sich in den Dienst der menschlichen Verelendung stellten.

    Opel in Bochum hatte ein Problem, dann hatte die Stadt Bochum ein Problem, jetzt haben die Arbeiter ein Problem dank erfolgreicher Ausbeutungsverschärfung.
    Wann erreichen wir die Zustände zur Hitlerzeit, als die Kriegsgefangenen und Deportierten maximal sechs Monate die Schufterei durchhielten und ausgetauscht wurden, als wechselte man die Batterien in seiner Taschenlampe?
    Die Leute, die jetzt glauben, sie hätten die Zügel fest in der Hand, sollen mal aufpassen – das Pferd ist dabei sich umzudrehen.
    Ich bin immer noch wütend!

    Ich sage euch mal unser HoModell 2012:
    Wir essen in diesem Jahr und zukünftig weder Fleisch noch Fisch, und Eier, Milch und Käse stehen auch auf der Roten Liste; und das nicht etwa aus gesundheitlichen Aspekten.

    Wolfgang

  11. Januar 12, 2012 um 4:49 pm

    DER GRÖßTE DIEB WAR SCHON IMMER DER STAAT, so titelt einartysken in einem brilliant geschriebenen Artikel und formuliert ebenfalls zur Gier wie folgt:

    … Aber was ist der eigentliche Zweck dahinter? Wozu dieser gewaltige Aufwand, all dieser Zauber mit Parlament, Volkes Wille, diese Instrumente zur Disziplinierung, Infantilisierung und Instrumentalisierung? Ja natürlich, die Macht. Aber dahinter? Gier, ganz ordinäre Gier. Wie mir schon vor vielen Jahren ein kleiner afrikanischer Bauer erklärt hat. Gier nach mehr und immer mehr, nach allem. Das pråchtigste Beispiel bieten die USA, wo die privaten, in der FED (Federal Reserve Board of Governors = Bundesreservorstand der Gouverneure, wie sie sich so pompös nennen) organisierten Bankenmafiosis das amerikanische Volk buchstäblich bis aufs Blut ausnehmen. Aber im Grunde behandelt diese Mafia und ihre gekaufte Regierung ihr Volk nur genauso, wie die Kolonialmächte alle Länder der Welt seit 500 Jahren ausgeplündert haben. …

    Der Artike ist unbedingt lesenswert!

  12. Januar 12, 2012 um 6:44 pm

    Wozu dieser gewaltige Aufwand, all dieser Zauber mit Parlament, Volkes Wille, diese Instrumente zur Disziplinierung, Infantilisierung und Instrumentalisierung? Ja natürlich, die Macht. Aber dahinter? Gier, ganz ordinäre Gier. Wie mir schon vor vielen Jahren ein kleiner afrikanischer Bauer erklärt hat. Gier nach mehr und immer mehr, nach allem.

    Nach einigen vergeblichen Versuchen, das Wesen der Gier zu erhellen, unternehme ich einen weiteren Anlauf – sagen wir mal, nur für mich alleine, entsprechend kurz kann ich mich fassen.

    Geht jemand einen Weg, gibt es für ihn einen Start und ein Ziel. Er geht den Weg, z.B. von A nach B, weil er etwas erreichen will. Den Weg C geht man, um auf die eine und andere Art reicher zu werden.

    Betrachten wir Macht und Gier. Ist es nicht so, dass die Gier der Macht dient?
    Ist dem so, ist die Macht das Ziel B und die Gier der Weg C.
    Ist es anders, und die Macht dient der Gier, ist die Macht der Weg C und die Gier das Ziel B.
    Ziel und Weg sind hier nur schwer zu unterscheiden – Macht kann der Befriedigung von Gier dienen, und die Gier kann auch daran bestehen, Macht zu generieren.

    Wo bleibt unser Start?
    Wenn wir Macht erlangen wollen durch eine Maßnahme C, muss am Start der Zustand Ohn(e)Macht vorhanden gewesen sein.
    Wollten wir durch die Macht eine Gier befriedigen, verhält es sich nicht viel anders – am Anfang/Start stand ein Defizit, eine Bedürftigkeit, ein Mangel.

    Ob die Gier vor oder hinter der Macht steht, ist wenig relevant. Entscheidend ist der Start: Die Bedürftigkeit.
    Wer gierig nach Luft schnappt, folgt einem Überlebensreflex, wer gierig sein Brot verschlingt, befriedigt seinen Hunger.
    Wer Länder und Völker verschlingt, befriedigt seinen Größenwahn – dessen Kehrseite eine irrationale Angst vor Nicht-Existenz ist.

    Jeder wird sich seinen eigenen Reim daraus machen.

    Ach, warum der Start vergessen wird – Nicht-Existenz ist eine traumatische Erfahrung. Die Information ist zwar weggesperrt, aber die Angst als treibende Kraft – für den Weg – ist da.

    Wolfgang

    • Dr. Manfred Voss
      Januar 14, 2012 um 7:14 pm

      Vielleicht ein wenig off-topic, aber sei’s drum, eine Antwort zu:

      „Nicht-Existenz ist eine traumatische Erfahrung“

      Jein … für manche ja (vielleicht für viele, wenn sie ohne Vorbereitung darauf stoßen, ich weiss es nicht), für andere nicht. Ich erinnere mich an mein erstes Erlebnis von totaler Auflösung ins Nichts, vor vielen Jahren … das ging so schnell, da hatte ich gar keine Zeit, Angst zu bekommen 😉 Jede Begrifflichkeit, die vor dem Spiegel meines Bewusstseins erschien, war ohne Substanz, ohne Bedeutung, löste sich auf, bis nichts mehr da war. Schwer, mit Worten zu beschreiben. „Ich werde jetzt verrückt“ … was heißt das? Ich werde ver-rückt, d.h. mein Bezugspunkt verschiebt sich. Na und? Angst? Ohne Substanz. Vielleicht hatte ich einfach Glück.

      Ich zitiere mal Ramana Maharshi: „Das (Ich) entledigt sich der Illusion des „Ich“ und bleibt dennoch als (Ich) bestehen. Dies ist das Paradoxon der Selbstverwirklichung. Der Verwirklichte sieht darin keinen Widerspruch.“

      Die grundsätzliche Angst, die (aus der Sicht des kleinen Ichs) dahintersteckt: Die Existenz des ICH’s auszuschließen, schließt letztlich jede Handlung aus. Zu leben wird sinnlos. Ich sterbe. Das namenlose Grauen des Ungreifbaren, Nichtbegrifflichen und Nichtbegreiflichen.

      Aber: Es ist ja kein „Ausschließen“ – das Ganze hat keine anderen Augen und Hände als meine (oder deine, oder alles Lebendigen) … es ist ja umgekehrt: Die Existenz des ICH, dieses „hautverkapselte Ding“ (Alan Watts), als losgelöste separate Entität anzunehmen, bedeutet, „das Ganze“ und damit die „übergeordnete Heimat“ auszuschließen. Das Gegenteil von Urvertrauen.

      So wie ich es sehe, geht es um das Ablegen der „Illusion des Ich“, nicht um ein Ablegen des „Ich“ … die innerste Essenz (oder nenne es Seele, oder wie auch immer) ist für mich SEIN, eben ein Nichts ohne Form, das Alles enthält, reine Potentialität – aber natürlich benötigen wir eine „greifbare“ Hülle, um auf dieser Welt sein und agieren zu können. Gewissermaßen das notwendige „Kostüm“, um bei dem „Kostümball“ hier auf Erden überhaupt mitmischen und Erfahrungen (= neue Information für das Gesamtbewusstsein, die „Noosphäre“) sammeln zu können … das Ganze erfährt sich selbst durch uns.

      In meiner Sicht ist „Hingabe“ der Kern und auch der fundamentale erste Schritt jeglicher Form von Spiritualität. „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Und da es beliebig viele Spielformen und Varianten von Hingabe gibt (eben in allen Teilaspekten des Lebens), gibt es auch individuell beliebig viele solche erste Schritte. Das lässt doch hoffen, oder?

      „Schritt“ ist dabei missverständlich – es ist kein aktives Tun, es nimmt dich mit, wenn du dich hineinentspannst. Irgendwann hat man diese Grundstruktur verstanden, die einem überall im Leben als „existentielle“ Frage entgegentritt. Natürlich auch als Kern von Meditation – du gibst dich dir selbst hin, wobei „Du“ dich auflöst.

      Meditationen egal welcher Art (sofern es WIRKsame Meditationen sind) sind im Kern Techniken, den Blick radikal nach innen zu richten, sich seines Gewahrseins gewahr zu werden … und durch Übung wird der Alltag zur Meditation – einkaufen, telefonieren, gehen … egal.

      Gelingt mir durchaus nicht immer, aber eigentlich ist es etwas ganz Gewöhnliches – die „spirituellen Worte“, wie z.B. „Auflösung der Ich-Identifikation“ oder sowas, klingen leider ganz leicht fürchterlich hochtrabend. Und gleichzeitig ist es das Außergewöhnlichste, was es gibt … das absurde Wunder des Alltags.

      Mir fällt dazu gerade eine Zen-Anekdote ein:

      Ein Zen-Meister wurde von einem Schüler gefragt: „Was ist Erleuchtung?“
      Der Meister antwortete: „Offene Weite, nichts von heilig …“

      P.S.:

      Eine kleine Randbemerkung hinsichtlich „Zen“: Sanskrit war die Hochsprache der Brahmanen, so wie Latein die Hochsprache der Priester war (oder noch ist, ich weiss es nicht). Gautama Buddha kam aus Indien, aus der Gegend, wo Pali gesprochen wurde. „Meditation“ heißt in Sanskrit „dhyana“, in Pali „chan“ … und Buddha lehrte in Pali, so wie Luther die Bibel ins Deutsche übersetzte, um sich dem Volk verständlicher machen zu können. Im Chinesischen heißt es heute noch „Tao Chan“, im Japanischen wurde es dann zu „Zen“. Also ist „Zen-Meditation“ ein ähnliches Doppelgemoppel wie „Volksdemokratie“ … 😉

      • Januar 14, 2012 um 7:44 pm

        Dazu fiel mir spontan ein: „Du musst sterben, um leben zu können“ 🙂

  13. Januar 14, 2012 um 4:01 pm

    Dr. Manfred Voss :

    Also, ich weiss nicht, was ein „Neukommunist“ sein soll – mit dieser Schublade kann ich nichts anfangen … ich empfinde den Beitrag von Precht als konstruktiv.

    Ich weiss nicht, welchen „wunden Punkt“ er angerührt hat, dass er als „hirnloser Polemiker“ abqualifiziert wird …

    Zumal hirnloser Polemiker eine Beleidigung eines Menschen darstellt. Ich finde solche Ausdrücke unterhalb der Gürtellinie und sie haben nichts damit zu tun, sich mit dem Gesagten auseinanderzusetzen und u.U. zu kritisieren oder zu widerlegen.

    Ich kann mit den Meinungen anderer Menschen einverstanden sein oder nicht, aber ich habe nicht das Recht irgend jemanden zu beleidigen. Das ist unwürdig.

  14. Januar 14, 2012 um 8:21 pm

    Zitat Martin:
    Ich werde Niemanden wegen seiner „Ideologien“ von vornherein verurteilen, denn sonst würde ich die guten Ideen solcher Menschen wegsperren und verbaue mir ggf. Innovation.

    Dem schließe ich mich vorbehaltlos an.
    Zur Lösung der globalen Problem braucht es – ergänzend – vielleicht gerade der bisher miss- oder verachteten Menschen, vielleicht auch der Weisheit der Kinder und der Weisheiten der Natur.

    Andererseits kann ich Menschen verstehen, die sehr emotional auf bestimmte Typen reagieren. Das halte ich für richtiger, als ihre Emotionalität zu maßregeln.

    Zur Gier.
    Das Thema ließ mir keine Ruhe.
    Klar scheint zu sein, dass die Gier der Superreichen irrational ist. Aber erscheint sie nur so, weil wir ein Verhalten nicht richtig deuten?

    Es gibt die Idee: Am Ende besitzt EINER Alles und der Rest Nichts.
    Was wäre, wenn dort – auf der Ebene der „Macht“ und des Geistes – ein Spiel läuft?
    Bei dem ein Gewinner möglich ist, der dann – meint -, die absolute Macht spüren zu können, indem er ALLES kontrolliert.
    Der glaubt, „Gott“ damit herausfordern zu können.
    Sind wir damit dem „Gegenspieler“ Gottes auf der Spur?
    (An den ich persönlich niemals glaubte)
    Ist dieser Glaube an die Absolute Macht eine persönliche Besessenheit, für die Schöpfung die Idee, die das Chaos zu seiner vollen Entfaltung braucht?

    Das Spiel der „Mächtigen“, ein notwendiger Baustein in der Entwicklung des Bewusstseins?

    Wolfgang

    • Januar 14, 2012 um 11:41 pm

      Wolfgang,
      wie heißt es so schön:
      Ohen das Schlechte kannst Du das Gute nicht erkennen.
      Wo kein Licht, da kein Schatten.
      Gegensätze ziehen sich an.
      Daher kann ich Deiner These zustimmen. Umso kräftiger die Polarität, desto stärker die Bewegungen im System. Wenn alles nur gut und reibungslos liefe, würden wir vermutlich einschlafen?
      Die Gegner des bedingungslosen Einkommens gehen davon aus, dass es nicht mehr genügend Motivation gäbe, noch einen Finger für die Deckung des Eigenbedarfs zu krümmen.
      Auf der anderen Seite beobachten wir, wie kleine Kinder gierig (besser drängend?) nach Ausprobieren und dabei Lernen sind. Was mag hier der Drang sein? Welche Polarität ist hier der Motor für unsere Taten?
      LG Martin

      • Januar 15, 2012 um 4:19 am

        Von kleinen Kindern zu großen Jugendlichen und Erwachsenen liegt eine ganze Welt: Die der Verwirrung, Verängstigung und bewusst gewordenen – ich spreche mal deutsch – Verarschung, verbunden mit dem „Gefühl“, es stimmt grundsätzlich etwas nicht.

        Kleine Kinder lernen natürlich, dann kommt das relativ sinnfreie Lernen. Jugendlich sehen heute viel deutlicher als vor 40 oder 50 Jahren, was aus dem Lernen wird: Chaos. Zerrüttete Familien, Brutalität und Rückichstlosigkeit, um nur ein paar der Symptome unserer Zeit zu nennen.

        Das Bedingungslose Grundeinkommen gibt es doch gar nicht bzw. kann es nicht geben. Es ist ein Einkommen, dass jeder Mensch dafür bekommt, dass er leben MUSS und auf Grund der gegebenen existiellen Bedingungen in der Leistungspflicht ist.

        Warum testet man das BGE nicht?
        Die Gefahr, dass dann Autonomie, Gesundheit und Glück entsteht, ist viel zu groß.
        Und es gibt eine weitaus größere Gefahr: Das unser Wirtschaftswachstum, Bedingung für die weitere Schuldenpolitk, sich ins (gesunde) Gegenteil verkehrt.

        Bett.

        Liebe Grüße an Euch von

        Susanne und Wolfgang

    • Dr. Manfred Voss
      Januar 24, 2012 um 8:32 pm

      „Das Spiel der „Mächtigen“, ein notwendiger Baustein in der Entwicklung des Bewusstseins?“

      Ich denke, ja – so unangenehm das auch zunächst klingt.

      Ich benütze eher den ehrwürdigen altgriechischen Begriff „agape“, was wir mit „göttlicher Liebe“ übersetzen und oft so schwer verstehen, da sie eben NICHT einseitig ist: „agape“ hat mit dem, was wir Liebe nennen, ungefähr soviel zu tun, wie das Feuer mit dem Schatten des Feuers an der Wand in Platos Höhle zu tun hat … durch die Abbildung in unseren eingeschränkten dualen (speziell auch verbalen) Raum kriegen wir auch immer nur einen eingeschränkten Teilaspekt zu sehen.

      Ich meine, das gilt ganz allgemein für jede „Schattenarbeit“, wo „Leichen im Keller“ ans Licht geholt werden, die mehr oder weniger in jedem einzelnen sind: Solange ein Schatten da ist, serviert uns „agape“ immer wieder erneut passende Situationen, um den darin verborgenen Schatz zu heben – wir mögen darüber schmollen, meckern oder verzweifeln … das göttliche Mitgefühl ist gnadenlos liebevoll geduldig.

      • Januar 24, 2012 um 10:24 pm

        Gnadenlos, liebevoll, geduldig – ja, lieber Manfred, wie sollte es wohl anders sein?
        Können wir nicht davon ausgehen, dass ER weiß, was er da ins Werk setzte?
        Haben wir es nicht letztlich (auch) mit SEINEM Schatten zu tun?

        Dass Du Mitgefühl als „gnadenlos“ beschreibst – hat für mich doppelt Bedeutung.
        Wer weiß, was er anrührte, wird kaum in die Verlegenheit kommen, den (für ihn) Leidtragenden Gnade zukommen zu lassen.
        (So wie ich das Verzeihen ebenfalls als eine gewisse Charakterschwäche empfinde)

        Martin sprach mich auf esoterisch verbrämte Irrlehren an:
        Gnade ist eine!
        Leicht zu erkennen, weil sie nicht dem Wesen der Liebe entspringen kann: Liebe richtet nicht.

        Göttliche Liebe steht jedenfalls den Menschen – uneingeschränkt – zur Verfügung, die sie „auf dem Weg zurück“ brauchen.

        Was „Agape“ betrifft, glaube ich, dass wir diese Form der Liebe erfahren müssen. Das ist ja gerade der Weg ins andere „Lager“, mit denen mitzufühlen, die aus ihrer existenziellen Ohnmacht heraus alles in den Abgrund zu treiben versuchen.
        Unbewusste Absicht: Wenn wir nicht existieren dürfen, dann ihr auch nicht. Für die, die über keine natürliche Macht verfügen, geht es um Sein oder Nichtsein.

        So „sehe“ ich das jedenfalls.

        Dir einen guten Abend.

        Wolfgang

  15. Januar 14, 2012 um 11:45 pm

    Es wird spannend: Die Wenigsten wissen bisher, dass mehr Geld nur über noch mehr neue Schulden in Umlauf kommt, bzw. Geld vernichtet wird, wenn Schulden zurückgezahlt werden. Und dass das Schuldgeld von den privaten Banken als Giralgeld in die Welt kommt. Nun gibt es eine erste interessante Gerichtsverhandlung, in der dieses Verfahren zur Klärung kommt: http://schuldnervereinigung.wordpress.com/2012/01/14/das-schuldgeldsystem-vor-gericht/

    • Januar 15, 2012 um 9:29 am

      Mutiger Mann. Ich bin gespannt, was dabei raus kommt und vor allem möchte ich die Gesichter sehen, wenn er den Schuldigen die Wahrheit um die Ohren knallt…

      Wir leben tatsächlich in einer Welt, in der alles „verkehrt herum“ ist. Der Schuldige bringt die Betrogenen vor Gericht, der Schuldige stürzt die Unschuldigen in Armut, Krieg und Zerstörung, der Schuldige lässt die Unschuldigen für seine Verbrechen bluten und verhöhnt sie dafür noch…. Setze die Reihe selbst fort…

  16. Mai 23, 2012 um 1:49 pm

    Über unsere eigene Gier, die wir anderen anlasten, und über das Ablenken lassen durch Belangloses uns so manches mehr, Rether halt mal wieder:

    • Mai 23, 2012 um 7:34 pm

      Wo er recht hat, hat er recht, der Hagen Rether…
      Es fängt alles bei uns selbst an…
      Sei die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst. sagte Mahatma Gandhi und einer meiner Lehrer nannte das: Verlange von einem anderen nie etwas, was Du nicht selbst tust.

      • Mai 23, 2012 um 7:43 pm

        Und sich von dem zu verabschieden, was besser zu lassen ist, man aber all die Jahre getan hat, ist furchtbar schwierig, und um so mehr die Menschen, mit denen man eng vernetzt ist, noch nicht mitmachen können. Am Ende steht man alleine auf weiter Flur. Als einfach mal so einen großen Schritt zur richtigen Seiten machen kann bedeuten, in der Einsamkeit zu stehen. Daher versuchen wir uns ja an den Händen zu fassen und gemeinsam über die Ziellinie zu laufen …

        • Mai 23, 2012 um 9:01 pm

          Was ist an Ein-Sam(e)-keit schlimm? Du bist All-Ein(s)!
          Stelle Dir DIE möglichen Entwicklungen vor!

          • Mai 23, 2012 um 9:43 pm

            Da muss ich mal in mich gehen. Ich habe mich bisher als Gemeinschaftswesen gesehen, das sein Feedback braucht. Babys ohne Bindung sterben. Wie sieht das mit Erwachsenen ohne ihre Gemeinschaft aus. Eremiten gab es, aber waren es nicht Sonderlinge?

        • federleichtes
          Mai 23, 2012 um 9:44 pm

          Am 9. Dezember letzten Jahres schrieb ich einem Freund:

          „Du hast, lieber X, die besten Voraussetzungen, um Dich in ein
          wunderbares Netzwerk einzuklinken.

          Fragen? Ich bin da.

          Fairerweise sollte ich erwähnen, das
          man auf der Ebene des Bewusstsein einige Lebensfragen
          plötzlich sehr klar sehen UND entscheiden
          kann.“ Zitatende

          Ja, Martin, was wissen wir schon, welche Menschen welche Wege – und WANN – zu gehen haben.

          Und: Was sind leichtfertig-schnelle Entscheidungen wert. Vielleicht wird es mal so sein, dass nicht Du, Meister der Fragen, etwas ergreifen willst. Woher kommen „Deine“ Fragen – jedenfalls nicht aus einem Bereich, in dem man Einsamkeit kennt.

          Wolfgang

        • Mai 23, 2012 um 9:56 pm

          Ich bin wie jeder Mensch ein Herdentier und genieße das Zusammensein mit anderen (gleichgesinnten) Menschen.

          Ich habe allerdings auch keine Angst vor der Ein-Sam(e)-keit und dem All-Ein(s)-Sein.
          Das ist eine große Befreiung – denn ich bin von „den anderen“, „der Gesellschaft“ nicht mehr erpressbar! Ich muss mich nicht mehr so benehmen, dass es den anderen genehm ist. Ich benehme mich nur noch so, wie es MIR genehm ist!
          Ganz sicherlich sind da ein paar Menschen aus meinem Leben verschwunden. Na und? Es sind andere an ihre Stelle getreten…
          Das war aber erst NACH der Selbsterkenntnis durch die Ein-Sam(e)-keit und das All-Ein(s)-Sein möglich.

        • federleichtes
          Mai 23, 2012 um 10:22 pm

          Noch was, wollte ich gestern schon schreiben.
          Wollte los, stand vor meinem Sessel im „Ankleidezimmer“, lagen dort zwei Socken, verschiedenfarbige, einer verkehrt rum. Ich nahm sie und zog sie an, und dachte: Jetzt hast Du’s geschafft.

          Herdentier oder nicht. Wahrhaftige oder authentisch lebende Menschen können gar nicht einsam sein. Klar, es leckt nicht mehr jeder Straßenköter an Deinen Schuhen. Aber das „Gleiche“ findet sich auch auf dieser Ebene – wie
          selbstverständlich. Ich könnte Dir sehr viele Beispiele nennen, wo Menschen auf mich zu kamen und – ohne mich zu kennen – Geschichten erzählten, die mich auch interessierten.

          Dir einen guten Abend

          Wolfgang

          • Mai 23, 2012 um 10:31 pm

            Das mit dem Erzählen von interessanten Geschichten durch Fremde kommt mir inzwischen immer häufiger auf meinen regelmäßigen Bahnreisen zwischen Köln und Berlin. Ja, man interessiert sich mehr für den Sitzpartner …

  17. Mai 23, 2012 um 10:51 pm

    nein, es reicht nicht aus. gier wird in vielen bereichen sichtbar, nicht nur monetär.

    kann man menschen die gier ab-erziehen? haben wir oder hat jemand überhaupt das recht dazu? man kann den menschen ja auch nicht schnellfahren aberziehen.

    • Mai 23, 2012 um 11:17 pm

      Guter Einwurf:
      Darf ich Jemand anderen zu etwas erziehen wollen, was ich meine, dass es zuträglich für ihn ist?
      Darf ich Gesetze erlassen, weil ich meine, dass es zuträglich für das Volk ist?
      Darf ich von einem anderen Menschen verlangen, dass er sich so verhält, dass es ein allgemeingültiges Gesetz sein könnte?
      Darf ich mich überhaupt über einen anderen Menschen stellen, weil ich meine, dass ich besser bin als er?

      Eines ist sicher: wenn sich Jeder so verhielte, dass sein Verhalten für die Gemeinschaft zuträglich ist, gäbe es keinen Streit zu schlichten und es bräuchte keine Gesetze und was sonst dazu gehört.

      Weil wir aber zulassen, dass wir uns so verhalten dürfen, dass wir von anderen profitieren, brauchen wir die Regeln und müssen dafür sorgen, dass sie eingehalten werden …

    • federleichtes
      Mai 23, 2012 um 11:58 pm

      Guter Einwurf? Erst dachte ich – ehrlich gesagt – was hat der Hans denn nun.

      Ja, sehr guter Einwurf.
      Man konnte ja durchaus die Auffassung vertreten, dass erst eine künstliche, sozusagen WIDERNATÜRLICHE Verknappung eine Gier erzeugt.
      Wenn „erwachsene“ Menschen um die wirklichen Bedürfnisse der Kinder wüßten, gäbe es wahrscheinlich einige Probleme für die Gesellschaft (und den Menschen) nicht.
      Aber KÖNNEN es die Erwachsenen wissen, wenn sie um Verknappungs-Modus aufwuchsen?

      Gerne erinnere ich mich an die beiden Sprüche aus meiner Kinderzeit
      „Auf lachen folgt weinen“, und
      „Übermut tut selten gut“.
      Meist war bei diesen Worten das Arschvoll bereits halb verabreicht.

      Ja, wo haben wir die Pflicht und wo kein Recht zu einer BESTIMMTEN Erziehung.
      Schätze mal, Martin wird ….

      Danke, Hans.

      Wolfgang

    • matze
      Oktober 25, 2017 um 11:10 pm

      Nicht erziehen, überzeugen. Eigentlich Vorleben, können oder wollen.

  18. Juni 29, 2012 um 8:56 am

    Der Kern des Bösen ist die Habgier. Georg Schramm über den dienstbaren Zorn zur Förderung der Vernunft:

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