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Wie einfach es sein kann, unsere Welt zu verbessern …

Wolfgang hat in einem Kommentar gestern nochmal zusammengefasst, was auf unserer Welt alles schief läuft. Und wenn man nur solche Nachrichten anschaut, könnte man schnell depressiv werden. Daher bringe ich gerne regelmäßig schöne Beispiele, was passieren könnte, wenn jeder selbstverantwortlich einfach was täte, wie dieser einsame Mann:

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Oder wie diese beiden Frauen in dem kleinen Örtchen Todmorden es zu einer Lebensmittel-autarken Gemeinschaft führten:

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Auf diese Geschichte bin ich auf dem Blog Schall & Rauch gestoßen, der sich sonst mehr mit den sehr kritischen, unter die Rubrik „Verschwörungstheorien“ fallenden Fakten auseinandersetzt. Der Autor schreibt über einige sehr wichtige Aspekte, was in Todmorden passierte. Bevor ich lange drumherumschreibe, hier ist sein Text dazu:

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Todmorden ist eine Kleinstadt auf der britischen Insel und liegt zwischen Yorkshire und Lancashire. In Eigeninitiative haben die Bürger jeden Fleck Erde mit Früchte und Gemüse bepflanzt. Nicht nur ihre eigenen Gärten, sondern auch öffentliche Grasflächen und triste Ecken, die nutzlos dalagen. Ihr Programm nennt sich „Incredible Edible„, was so viel wie „unglaublich essbar“ heisst. Es ist einfach konzipiert, macht aber die Gemeinde unabhängig und zu Selbstversorgern.

Während der warmen Jahreszeit sieht man überall Gärten mit duftenden Kräutern, schmackhaften Früchten und frischem Gemüse in der Stadt, die in der Nähe von öffentlichen Gebäuden, Schulen, Supermärkten, Parkplätzen und sonst überall wachsen und gedeihen. Es wurden Hochbeete und kleine Äcker angelegt, die mit dem, was die Natur liefert, voll sind. Das Besondere am Konzept: alles ist gratis und Jeder kann zugreifen und sich nehmen, was man will.

Gegründet hat das „Incredible Edible“ Programm Mary Clear, eine Grossmutter mit 10 Enkelkindern, und Pam Warhurst, ehemalige Besitzerin eines Esslokals. Die beiden Frauen haben das Ziel, Todmorden als erste Stadt in England zur völligen Selbstversorgung im Bereich Lebensmittel zu verwandeln und es hat funktioniert. Die Einheimischen haben nach anfänglicher Skepsis die lokalen Produkte gerne angenommen.

Das Programm besteht aus 70 Anpflanzungen, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Dort findet man Äpfel, Kirschen, Aprikosen, Erdbeeren, Himbeeren, Bohnen, Karroten, Kartoffel, Zwiebel, Salate und viele Sorten an verschiedenen Kräutern. Das Erstaunliche ist: [Martin: Achtung!] die Bevölkerung respektiert das System des „Selbsterntens“ und nimmt nur so viel, wie man benötigt.

Wenn man eine brachliegende Grasfläche nimmt, die vorher nur für Abfall und als Hundeklo verwendet wurde, und es in einen Ort voller Kräuter und Früchte verwandelt, dann wird es nicht zerstört. Ich denke wir sind darauf eingestellt, Lebensmittel nicht zu beschädigen,“ sagt Pam Warhurst, um die Bedenken auszuräumen, ein Angebot an kostenlosen Früchte und Gemüse würde zu Missbrauch führen.

Sie betont sogar, genau das Gegenteil sei passiert. Das „Incredible Edible“ Programm hat die Beziehung in der Gemeischaft verbessert und die Kriminalität reduziert, seit dem sie angefangen haben. Die Polizei hätte ihr berichtet, seit Einführung des Programms wäre die Kriminalität erheblich gesunken. Die Bewohner zeigen mehr Verantwortung und kümmern sich um ihre Stadt.

Das Programm ist so erfolgreich, viele andere Gemeinden in England und im Ausland sind sehr daran interessiert und möchten selber mit diesem Konzept des „öffentlichen Gemüse- und Früchtegarten“ anfangen. In 21 anderen englischen Städten werden ähnliche Konzepte gestartet und es gibt Interesse aus Hong Kong, Kanada, Spanien und Deutschland. Mary Clear hat die Idee auch vor einer Gruppe Parlamentarier in London vorgetragen.

Nicht nur wurde das Gemeinschaftsgefühl verbessert, sondern die Menschen schätzen auch Lebensmittel jetzt besser und sind daran interessiert, wie Nahrung wächst und gedeiht. Es hat ein Lernprozess stattgefunden, in dem man die Zusamenhänge der Natur begreift, wie entsteht, was man auf dem Esstisch bekommt und zu sich nimmt.

Die Idee bei den beiden Damen enstand aus der Frage, wie können sie die Welt verbessern und was kann man selber tun? „Es ist eine Revolution,“ sagt Pam Warhurst, „aber wir sind sanfte Revoluzzer. Alles war wir tun basiert auf Güte.

Wir dachten uns, es gibt so viel Schuldzuweisung in dieser Welt – die Regierung ist schuld, die Politiker, die Banken, die Technologie – wir dachten, lass uns einfach was Positives stattdessen machen.

Als vor drei Jahren das „Incredible Edible“ Programm begann, hat Mary Clear etwas Ungewöhnliches gemacht. Sie entfernte die Mauer vor ihrem Haus und animierte die Passanten, in ihren Garten zu kommen und sich selbst zu bedienen, was immer für Früchte zu nehmen, die sie wollen. Sie stellte eine Tafel mit der Aufforderung auf, „kommt und bedient euch„, aber es dauerte sechs Monate, bis die Leute es „kapierten„, sagt sie.

Jetzt haben sie es kapiert und machen selber mit, graben, pflanzen, jäten, bewässern und freuen sich über ihre Resultate. Es ist ein Gemeinschaftwerk geworden. Jung und Alt arbeiten zusammen. Und im Frühling, wenn alles blüht, ist die Stadt auch noch zu einem wunderschönen Ort geworden.

Mittlerweile werden Kurse veranstaltet, wie man Früchte einmacht, Obst einlagert, Brot backt und vieles mehr. Die Menschen lernen mit Lebensmittel umzugehen, speziell die Jugentlichen sind sehr daran interessiert. Es hat auch zu einer Stärkung der lokalen Wirtschaft geführt.

Die Gasthäuser und Restaurants beziehen jetzt ihr Gemüse aus Bauernhöfen in der Umgebung, die auch mehr biologisch angebaute Lebensmittel produzieren. Es ist ein blühender Markt im Ort entsanden, wo Menschen sich treffen und mitteinder reden, was früher nicht der Fall war.

Ein Rentner drückt das neue Gemeinschaftsgefühl so aus: „Es ist etwas nobles, Lebensmittel anzupflanzen und es mit anderen zu teilen. Es gibt einem das Gefühl, wir machen etwas Wichtiges, statt nur zu jammern, der Staat kümmert sich nicht um uns. Vielleicht sollten wir alle lernen, um uns selber mehr zu kümmern.

Dazu sage ich super, zwei engagierte Frauen haben die Initiative ergriffen und „frech“ ihr Konzept der Lebensmittelselbstversorgung für alle durchgezogen. Sie haben niemand gefragt, dürfen wir das, oder, was denken denn die Leute darüber, sondern einfach gemacht.

Wir sind in einer Situation, wo viele wissen, es ist etwas faul am System, nur sie tun nichts dagegen. Vor dem Bildschirm sitzen und sich jeden Tag die negativen Nachrichten reinziehen, ist nicht gut genug. Ja, der Andere soll machen, oder, geht nicht, kann nicht, klappt sowieso nicht. Wir sehen doch an diesem Beispiel es geht.

Selber Lebensmittel zu produzieren ist das Gefährlichste was man tun kann, denn es besteht die Gefahr, die eigene Freiheit zu erlangen!

Kategorien:Ökologie, Ökonomie, Gesellschaft, Politik Schlagwörter:
  1. August 29, 2013 um 4:34 pm

    Ja, so etwas möchte ich auch in meiner Heimatstadt.
    Meinen kleinen Garten habe ich ja schon. Aber es sollte noch viel mehr werden.

    Überall Essbare Städte und es gibt viel weniger Stress.

  2. Dezember 20, 2011 um 2:01 pm

    Österreich – die neue „Gemeinwohl-Ökonomie“ will die Wirtschaft umkrempeln
    Demonstrieren und diskutieren – schön und gut. Aber wie soll sie konkret aussehen, die faire Wirtschaftswelt von morgen? Eine Welt, die dem Nachwuchs eine Zukunft bietet und die Profite bei denen lässt, die sie erwirtschaften? Vor einem Jahr wurde die neue Gemeinwohl- Bewegung gegründet, die bei den Unternehmen selbst ansetzt und sie zu sozialerem Wirtschaften bewegt – heute machen bereits knapp 400 Unternehmen mit.

  3. Dezember 19, 2011 um 5:41 pm

    Wolfgang kann nicht nur kommentieren, auch Geschichten erzählen.

    Mein Urgroßvater war Schäfer. Ich lernte nur seinen Sohn kennen, einer von elf, der nicht wie acht seiner Brüder im ersten Weltkrieg gefallen war. Bei ihm hatte ich nichts zu lachen. Sein Griff war für einen kleinen Jungen ebenso hart, wie seine Worte. Ganz anders meine Großmutter mit ihrem sonnigen Gemüt, die sich traute, ihn „Affenarsch“ zu nennen, wenn er es wieder mal zu doll mit uns beiden trieb.

    Auf unserem Friedhof in Bochum-Werne lernte ich Beate kennen. Ihre Passion sind Blumen und Tiere, eine wahre Meisterin der Biodiversität (Zusammenwirken von Flora und Fauna). Sie betreut nicht nur einige Kindergärten, sie rennt auch in jeder freien Minute durch die Natur und sammelt Saat der Wildblumen in dem Bemühen, die Folgen der Müllkultur etwas zu mildern. Beate, für mich ein Grüner Engel.
    Ja, wie man in den Wald hinein ruft,..

    Wirklich?
    Beates Schicksal trotzt dieser Binsen“wahrheit“. Man beklaut sie, man zerstört ihre wenigen Besitztümer, sie plagt sich mit einer an Alzheimer erkrankten Mutter herum, man geht ihr direkt ans Fell – drei Mal wurde der Rahmen ihres Fahrrades angesägt, und sie ist einsam, ein Fremdkörper in einer Welt, in der das Verrückte normal wurde.

    Echt, es ist wirklich einfach, die Welt besser zu machen. Man lasse sich Kind und Frau nehmen, man zaubere Eicheln aus der Kargheit, und schon ist man auf dem rechten Weg, anderen das Paradies zu bereiten.

    Und die Moral von der Geschicht‘?

    Ich fahre jetzt mit dem Fahrrad zu Susanne, um ihr frisch gebackenes Brot zu bringen, lasse mich von Autofahrern beschimpfen, deren Abgase ich wegatme, denen ich wertvolle Sekunden stehle auf dem Weg zum Wühltisch, fahre durch eine Dunkelheit, die mich glauben lassen will, sie könne meinen Blick auf das Licht am Ende des Weges trüben.

    Es ist das Licht im Leben.

    Wolfgang

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