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Warum es so wichtig ist, ein positives Weltbild zu haben, zeigt eine Geschichte mit zwei Hunden

Spiegelbild

Spiegelbild

Eines Tages besucht ein Hund den Tempel der tausend Spiegel. Er steigt die hohen Stufen hinauf, betritt den Tempel, schaut in die tausend Spiegel, sieht tausend Hunde, bekommt Angst und knurrt. Mit gekniffenem Schwanz verläßt er den Tempel in dem Bewußtsein: die Welt ist voller böser Hunde. Kurze Zeit später kommt ein anderer Hund in den gleichen Tempel. Auch er steigt die Stufen empor, geht durch die Tür und betritt den Tempel der tausend Spiegel. Er sieht in den Spiegeln tausend andere Hunde, freut sich darüber und wedelt mit dem Schwanz. Tausend Hunde freuen sich mit ihm und wedeln zurück. Dieser Hund verläßt den Tempel in dem Bewußtsein: Die Welt ist voller freundlicher Hunde.
indische Weißheit, gefunden im XING-Profil von Christine Reimann

Seit ich mich im letzten Jahr vermehrt damit beschäftigt habe, ob es möglich ist, Menschen nachhaltig zu mehr Leistung  zu motivieren, wird mir immer klarer, welcher unsinnigen Idee wir über die Jahre gefolgt sind. Dabei hätte es gereicht, wenn wir uns wie der zweite Hund in die Augen geschaut hätten: im Vertrauen darauf, dass der Gegenüber es aus eigener Motivation schon richtig machen wird.

Dabei haben unsere Älteren doch auch schon diesen  Spruch immer wieder auf den Lippen gehabt: „Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es auch wieder heraus.“

Aber wundern sollte es uns auch wieder nicht. Denn schauen wir in die Geschichte, so sehen wir  einige Jahrtausende lang ein Sklaventum. Und klar, ein Sklave ist wenig motiviert, sich aus eigenem Antrieb fürseinen Herrn zu bewegen. Also musste die Peitsche zur Motivation her. Es ist schon erstaunlich, wie viele Generationen später wir noch immer diesem Bild der Motivation hinterher gehangen haben.

Heute sind die Peitschen subtiler. Wenn es positiv formuliert wird, sind es Streicheleinheiten des Lobens oder das Belohnen mit Incentives: „Gut gemacht, krieg’st auch was dafür.“ Wenn es schlecht läuft, wird mit dem Verlust des Arbeitsplatzes gedroht. Letzteres funktionier dann besonders gut, wenn ein Heer von Arbeitslosen gepflegt wird, das signalisiert: „Streng Dich an, da stehen noch mehr, die gerne Deinen Job haben wollen.“

Mit dem Wissen, dass man sich als Lohnarbeiter diesen Mechanismen ausliefert, stellt sich doch dann schnell die Frage: „Warum schließe ich mich nicht mit Anderen auf Augenhöhe zusammen, in einer gemeinnützigen Stiftung oder einer Genossenschaft? Denn ich bin motiviert genug. Man muss mich nicht motivieren. Ich will jeden Tag selbst besser werden. Seitdem ich als Kind auf die Welt kam, habe ich einen unbändigen Drang, etwas zu bewegen. Erst mein Greifen und Sehen, dann das Krabblen, Laufen, Sprechen, Klettern, die Welt begreifen durch Löcher-in-den-Bauch-fragen. Leider wurde mir mein Forscherdrang in der Schule arg gebremst. Aber es gab ja noch die Freizeit mit den Hobbies. Überall, wo ich Sinn entdeckte, hängte ich mich rein mit Spaß ohne Ende.“

Kennt Ihr das auch? Also, warum sollten wir uns motivieren lassen wollen, wenn wir doch mit einem solch unbändigen Drang des Tuns von Sinnvollem ausgestattet worden sind?

Es wird Zeit, dass wir das dunkle Zeitalter zurücklassen, in dem wir das über tausende Jahre alte Weltbild eines Menschen, der ein egoistischer Nutzenmaximierer oder Faulpelz sein soll, hinter uns lassen. Treten wir ein in das Zeitalter, in dem wir den Menschen wieder als sozial verantwortlich agierendes Wesen sehen, das mit Spaß an der Sache ist, wenn es den Sinn in dem, was es tut, erkannt hat!

  1. Oktober 24, 2011 um 11:31 pm

    ….den Menschen wieder als sozial verantwortlich agierendes Wesen ….

    Um auf diesen Weg zu kommen, müsste man in der BRD erst einmal die Überbevormundung der Bürger durch die staatliche Reglementierungswut und deren vielschichtigen Kontrollinstanzen beseitigen. Und wenn „Mensch“ dann genug sich erschrocken hatte fühlt er sich dann eventuell eher im Stich gelassen? Könnte er Eigen- und besonders Sozialverantwortung übernehmen?
    Oder hat das die breite Masse schon verlernt (abgelernt bekommen)?

    • Oktober 24, 2011 um 11:49 pm

      Liebe Vallartina,

      Oh ja, das ist eine wichtige Frage. Es ist ja so schön, unter die Fittiche der Eltern zu kriechen. Da fühlt man sich beschützt, denn die Eltern kümmern sich schon. Das gleiche Verhältnis haben viele Erwachsene mit dem Blick auf den Staat. Das wird sicherlich für die meisten von uns ein langer Prozess werden, der sich aber lohnen sollte.
      Ich hatte das Thema desozialisierung durch Überregulierung hier schon mal behandelt: Überregulierung: An die Stelle einer sozialmoralischen Selbststeuerung tritt die soziale Fremdsteuerung durch Vermehrung von Vorschriften und Gesetzen

      • Oktober 25, 2011 um 10:49 pm

        Interessanter Artikel. Ich bin noch am Nachdenken: „….die Überregulierung wg. fehlendem sozialverantwortlichen Verständnis der Bürger, der Politiker usw. …“.
        Heisst dies das bequeme Sozialstaats-Denken der breiten Bevölkerung, die sich so oft hinstellt und sagt „ich zahle Steuern, Beiträge, also soll’s der Staat auch richten!“ ?
        Dieser wunderbare deutsche Sozialstaat, der die Bürger durch seine staatlichen ‚Vorsorgen‘ beruhigte, rundum versorgte dann aber langsam und stetig zum Wohlfahrtsstaat auswuchs, wurde also sich selbst zum Verhängnis?

  2. Oktober 25, 2011 um 10:20 am

    Alexander Tornow hat einen äußerst inspirierenden Artikel über den Bewusstseinswandel, in dem wir unsere gerade befinden und der sich mit der Occupy bzw. echte Demokratie jetzt! Bewegung ausrückt.

    Occupy und Globalchange – Die Natur liefert das Vorbild

    Genau das ist der spannende Prozess, in dem wir momentan stecken. Und dabei geht es nicht nur um die Macht der Banken oder der Beteiligung an politischen Prozessen. Letztlich geht es um einen Systemwandel, von dem unser Überleben abhängt. Es geht darum, durch Kooperation und neue Abstimmungsmustern im Kleinen wie im Großen zu etwas zusammenzuwachsen, das nachhaltig einen Lebensraum bieten kann.

  3. Oktober 25, 2011 um 12:48 pm

    Warum schließe ich mich nicht mit Anderen auf Augenhöhe zusammen, in einer gemeinnützigen Stiftung oder einer Genossenschaft?

    Wegen unserer Erziehung, der auf diesem Wege vermittelten Werte bzw. Regeln und der über Jahrzehnte beim Einhalten bzw. NIcht-Einhalten dieser Regeln gemachten Erfahrungen und ….

    … natürlich weil wegen dem unsichtbaren Gehege, in dem sich die meisten Menschen befinden, kaum jemand weiss daß es da noch etwas anderes gibt als den Industriejob in einer Industriegesellschaft im Gehege …

    trotzdem, hier ein paar Kooperationsmöglichkeiten mit Blick in eine gute Zukunft: http://www.onlinetechniker.de/?q=node/544

  4. Oktober 25, 2011 um 10:00 pm

    Ja die Frage, warum, stellt sich unmittelbar. Ich möchte es noch drastischer formulieren, ich erlebe ja diesen Personenkreis täglich, sie sind nicht entmündigt, sie sind entwürdigt und viele davon gebrochene Persönlichkeiten. Sie hat das System schon mit 30 oder 35 Jahren ausgespiehn und ihre gemachten Erfahrungen sagt ihnen, vertraue nur ganz wenigen. Dies macht es so schwer, die Menschen für einen Neuanfang zu begeistern, sie haben es für sich selbst schon oft genug versucht, weil ja das non plus ultra nicht die Gemeinschaft sondern das Individuum ist, wie ihnen überall eingetrichtert worden ist. Hier waren die Menschen für blühende Landschaften vor 22 Jahren auf die Straße gegangen, die heute teilweise völlig entvölkert sind. Das sitzt tief! Wir müssen beginnen diesen Prozeß umzukehren und wieder ein lebensfähiges Gemeinwesen zwischen Land und Stadt herstellen, die sicherlich nicht für jeden seinen Traumjob bereithält, aber eine würdevolle Arbeit von der man leben kann. Sicherlich ist auch der onlinetechniker ein Schritt, aber für wie viele Menschen, denn ernähren kann uns das Internet nicht. ich werde mich damit noch beschäftigen, versprochen ist versprochen. Viele Grüße com. Mike

    • Oktober 27, 2011 um 10:50 am

      Hallo Mike,
      das mit den eingeknickten Menschen, deren Wille gebrochenen wurde, damit sie sich in das herreschende System einfügen, kann ich mir gut vorstellen 😦

      … und ernähren kann uns das Internet nicht, das stimmt, aber wir haben ja hier in Deutschland, dank unserer fruchtbaren Böden (ich weiss, mittlerweile vor allem durch Kunstdünger) und unserer hochrationalisierten Landwirtschaft kein Ernährungsproblem.

      unsere wesentlichen Probleme und die Lösung beschreibe ich auf meiner Startseite http://www.onlinetechniker.de/ und da ist halt das Internet, die technische Grundlage dafür 🙂

      … wie gesagt die Tür ist immer offen 🙂

      • Oktober 27, 2011 um 11:16 pm

        Hallo Martin, vielen Dank für das Angebot, hoffentlich kommt es nicht zu spät für einen völlig ruinierten Querkopf wie mich. Letzte Rechnung ist schon wieder lange überfällig und die Summe zu klein um überhaupt den Rechtsweg einzuschreiten. Ja ich erlebe gerade „ganz untern“! Das Buch von Wallraff müßte man neu schreiben. Es wird Zeit das wir gemeinsam nach einem beschreitbaren Konsens suchen. Da brauchen wir wieder mehr Bauern und weniger diese riesen Ungetüme die zwar Nahrung erzeugen, aber zu welchem Preis und mit welcher Vernichtung unserer Umwelt….

  5. Oktober 26, 2011 um 9:33 am

    !!!! Handeln !!!!

    Es gibt so viele Dinge, die auf den Weg gebracht werden – Dinge, die parallel laufen mit dem gleichen Grundgedanken.

    Jeder, der dies weiß und mit den anderen in Kontakt tritt, der wird seine, ihm selbst so wichtigen, Dinge um viele Schritte weiterbringen.

    Es wird eine Atmosphäre des Vertrauens für die eigenen Kräfte und zu den Motivationen der Anderen entstehen.

    Dann wird sich langsam die ganze Welt verändern.

    Ich werde Menschen bündeln, die miteinander so viel mehr erreichen – an Handlungen, an Veränderungen und an Menschen.

    All jene, die innerlich aufgegeben haben und nur noch den eigenen Nutzen sehen, erhalten einen Hauch Hoffnung. Und der reicht oft, die eigene Welt zu öffnen.

    Ich vertraue darauf.
    Maria Donner

  6. Oktober 26, 2011 um 11:20 am

    Hallo Vallartina, entschuldige, das ich dich gestern irgendwie überlesen habe, ein Mann sollte wirklich nicht mehr wie ein Ding zur gleichen Zeit tun. Ich versuche mal einen gewagten Ansatz, der etwas länger werden wird.
    Ich glaube, das die Sache zeitlich und inhaltlich verknüpft ist und deshalb es auch hier eine Wechselwirkung zwischen „Täter und Opfer“ gibt. Was ich gestern geschrieben habe, war die reine Feststellung für den Augenblick. Aber das Ganze hat auch eine historische Komponente und erinnert mich an den Satz, „das jede Generation selbst verantwortlich ist, sich seine Existenzbedingungen zu geben“, also einen Interessenausgleich herzustellen oder das System zu verändern. Das ist meiner Ansicht nach die kurze Zusammenfassung der menschlichen Entwicklung. Wir waren der Auffassung und viele sind es mit voller Überzeugung heute noch, das Wahlen, der Weg sind, dieses Recht wahrzunehmen! Nach dem Krieg gab es zwei verschiedene Weltordnungen und man kann darüber denken wie man will, die reine Existenz hat die neoliberalen Kräfte nicht so walten lassen, wie sie es wollten und jetzt wieder betreiben, verschärfend kommt noch hinzu, das sich auf Grund der Entwicklung die Möglichkeiten noch potenziert haben. Die meisten Behauptungen und Beweise die heute aus diesen Kreisen hervorgebracht werden, entbehren jeglicher Grundlage und sind reine Vernebelungstaktik (Privatiesierung von Post und Bahn, BGE usw.), mit dem Ziel für sich eine Maximierung der Gewinne zu erzielen. Wer jetzt nur denkt das sind aber böse Menschen, vergißt das sie alle auch den Marktgesetzen unterliegen und wer nicht gewinnt, der verliert eben. Aus diesem Gesichtspunkt, der nie genannt wird, verhalten sich firmen so wie sie auftreten. Zum Beispiel zeigen viele Länder das staatlich kontrollierte Unternehmen sehr wohl konkurrenzfähig sind. Das Planwirtschaft in der DDR schlecht funktioniert hat, lag doch an der Mangelwirtschaft und nicht an der Wirtschaftsform. Dann kam die Wende und mit ihr eine riesige Propagandawelle, so das sich kaum noch jemand wagte, überhaupt einen sozialeren Gedanken zu äußern. Das war die stunde auf die sie 40 jahre gewartet hatten und selbst nicht wenig getan hatten, das sie wieder eintritt. Auf der anderen Seite haben sich auch viele Bürger auf ihren Wohlstandsspeck verlassen und sich gesagt, so schlimm kann es doch nicht werden, mich betrifft es ja nicht. Da tun sich Parallelen zu den Jahren um 1930 auf. Es gab nur wenige die gegen Harz IV oder den Bundeswehreinsatz in Afghanistan auf die Straße gingen. Man mußte nicht dagegen vor gehen, denn die Bewegungen haben sich auf Grund ihrer Erfolglosigkeit selbst aufgelöst. Selbst Betroffene Familien schweigen. Unter all den Falschmeldungen und Manipulationen ist quasi eine gerechte Kontrolle zusammengebrochen, die diesen Kräften, aller Couleur Tür und Tor geöffnet haben. In vorangegangenen Krisen hat selbst die Wirtschaft große Einbußen verkraften müssen. Heute sind Krisen Geschäftszweck, um den Markt zu bereinigen und die Monopolisierung weiter voran zu treiben, also die Zentralisierung der Macht in noch weniger Händen.
    Hinter der Fremdregulierung steckt meines Erachtens System. Sie wird dir als Dienstleistung an deiner Person angeboten, es ist ein verlockendes Angebot. du denkst du gewinst , wenn du es nicht mehr selber erledigen mußt, (fängt schon mit der Spülmaschine an) du läßt dich darauf ein und verlernst deine Selbstregulierungsmechanismen. Am Ende bist du unfähig dir selbst zu helfen und bist von einem System abhängig, das mit dir verfahren kann, wie es ihm gefällt – ein Ring alle zu knechten oder so. Arbeitsteilung dagegen setzt im gegensatz dazu auch immer eine Arbeit, also bewußten Umgang, von dir selbst voraus! Deshalb leben wir in einer Dienstleistungsgesellschaft, die geschlossene Geldkreisläufe geschaffen hat, siehe Pharma und Konsorten. Aus diesem Grunde bin ich auch der Meinung diese Gesellschaft verändern heißt nicht das Bestehende in erster Instanz abzuschaffen, daran wird sich jeder Versuch verheben, wie alle vorhergehenden, sondern in den Spiegel zu schauen, sich bewußt werden wer und wo man ist und mit zu helfen neue Strukturen zu schaffen. Aber aufgepaßt, auch da gibt es schon Ansätze die gut aussehen, aber nur ein anderes Kleid tragen! Viele Grüße an die Runde com. Mike

  7. kuddels
    Oktober 30, 2011 um 4:11 pm

    Doch Heute ist der Spruch : Dummer Arbeiter—guter Arbeiter, noch genauso aktuell, wie vor hundert Jahren. Das ist mir so bewst geworden in meiner 50-jährigen Berufszeit.
    Deine Artikel, gut geschrieben!!So kann ich es nicht artikulieren. Gruß Kuddel

    • Oktober 30, 2011 um 4:59 pm

      Danke für die Blumen Kuddel. Und ja, irgendwie hat sich unterm Strich nicht viel geändert. Ich wünsche uns allen, dass wir mehr Mut entwickeln, Kooperationen einzugehen, z.B. uns in Genossenschaften zusammenschließen und mehr Gemeingutökonomie wagen. Wenn wir wieder regional wirtschaften und auch regionales Geld verwenden, dann sollte uns die aktuelle Finanzkrise nicht mehr so sehr erwischen. Dann tut es Prinzip nur jenen 1% weh, zu denen das Geld bisher hingelaufen ist. LG Martin

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