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Heinrich Heine über den seelig schlafenden Deutschen Michel – ist er heut auch noch so?

Zur Abwechslung bringe ich mal ein Gedicht, das in einer Zeit vor unseren Demokratien geschrieben wurde und noch immer zeitlos passend ist:

Zur Beruhigung, von Heinrich Heine

Wir schlafen ganz, wie Brutus schlief –
Doch jener erwachte und bohrte tief
In Cäsars Brust das kalte Messer!
Die Römer waren Tyrannenfresser.

Wir sind keine Römer, wir rauchen Tabak.
Ein jedes Volk hat seinen Geschmack,
Ein jedes Volk hat seine Größe;
In Schwaben kocht man die besten Klöße.

Wir sind Germanen, gemütlich und brav,
Wir schlafen gesunden Pflanzenschlaf,
Und wenn wir erwachen, pflegt uns zu dürsten,
Doch nicht nach dem Blute unserer Fürsten.

Wir sind so treu wie Eichenholz,
Auch Lindenholz, drauf sind wir stolz;
Im Land der Eichen und der Linden
Wird niemals sich ein Brutus finden.

Und wenn auch ein Brutus unter uns wär,
Den Cäsar fänd er nimmermehr,
Vergeblich würd er den Cäsar suchen;
Wir haben gute Pfefferkuchen.

Wir haben sechsunddreißig Herrn
(Ist nicht zuviel!), und einen Stern
Trägt jeder schützend auf seinem Herzen,
Und er braucht nicht zu fürchten die Iden des Märzen.

Wir nennen sie Väter, und Vaterland
Benennen wir dasjenige Land,
das erbeigentümlich gehört den Fürsten;
Wir lieben auch Sauerkraut mit Würsten.

Wenn unser Vater spazieren geht,
Ziehn wir den Hut mit Pietät;
Deutschland, die fromme Kinderstube,
Ist keine römische Mördergrube.

—–

Die #globalchange Protest am Wochende in Deutschland waren ja noch was ruhig im Vergleich zu denen anderer Länder. Warum? Scheint das Gedicht für den Deutschen Michel gut zu treffen. So gesehen waren aber 40.000 dann doch gar nicht so schlecht …

Bevor hier Jemand meint, ich riefe zum Erdolchen von irgend Jemandem auf: ich sehe dies nur in Bezug auf das System selbst, das zu ändern ist. Und das geht nur friedlich, wie es Mahadma Ghandi vorgemacht hat. Denn sonst steht am Ende auch nur wieder ein totalitäres System. Zudem wird bei den ersten Ausschreitungen richtig heftig durchgegriffen werden und dann werden sich die friedliebenen Menschen nicht mehr trauen, mitzumachen. Aber genau sie sind es, die mit ihrer Liebe an der neue Welt mitbauen müssen. Und hier zähle ich mich zu und oute mich: Im Grunde meines Herzens bin ich kein Kämpfer, aber ein Helfer dort, wo es Not tut. Und das scheint mir bei all den üblen Dingen, die da schief laufen, angesagt.

  1. Net Collider
    Oktober 17, 2011 um 10:12 am

    Geniales Gedicht! Ja, ich denke, es hat heute noch immer Gültigkeit.

  2. Heinrich Schmitt
    Oktober 17, 2011 um 12:20 pm

    Und in einem anderen Gedicht sagt Heine:“…denn man macht aus deutschen Eichen
    keine Galgen fuer die Reichen !“

  3. Oktober 19, 2011 um 9:19 am

    Gewalt fordert immer mehr Gewalt.

    Das Konzept für die Zukunft ist – konkret, stark und fair für alle.

    Mit kleinen Schritten wird sich das Konzept für die Zukunft langsam entwickeln.

    WIR, die wir gemeinsam die Weichen stellen,
    WIR sind die, die zuerst davon wirklich profitieren und je mehr dabei sind desto mehr wird jeder profitieren.

    Mit jedem Schritt fühlen wir uns ein Stückchen freier und unser Vertrauen in die Menschen wird größer.

    Und wenn es NUR ein Lächeln ist, weil der Mensch gegenüber vom Grundsatz das gleiche wünscht.

  4. Oktober 25, 2011 um 9:26 pm

    Schöne Worte Maria, aber ich möchte zwar nicht eure Träume stören, doch ein wenig wachrütteln. Es hingen immer keine Reichen an den Eichen, aber….. wir sollten nicht übersehen, das sich trotz einem Überraschungseffekt, den wir vielleicht erzielt haben, schon seit langen auch medientechnisch eine Kampange angerollt ist, um diese Bewegung in den Griff zu bekommen. Die sollten wir nicht unterschätzen. Auch M. Ghandi fiel diesen Strukturen zum Opfer und die Reihe aufrechter Menschen ist sehr lang, dies sollten wir nicht vergessen! Ob wir ein friedliches Umschwenken hinbekommen, hängt davon ab, wie viele Menschen wir für diese Ideen begeistern können und wie es uns gelingt eine Alternative zu installieren und vorzuleben. Da liegt meines Erachtens der Schwerpunkt. also nicht nur laut Parolen brüllen, sondern leise überzeugen! Wir müssen Foren organisieren, um über den Zustand des Staates, der Gesellschaft zu informieren. Ich habe gestern in Leipzig wieder Ansprachen gehört, die jeglicher Aktualität entbehren, weil sie noch von Tatschen ausgehen, die schon Jahre nicht mehr der Realität entsprechen. Viele Grüße com. Mike
    PS @ Martin: n-1 ist topp, kann ich echt nur empfehlen,weil auch die Vernetzung untereinander echt gut funktioniert.

  5. Oktober 26, 2011 um 10:18 am

    @ Mike
    Langsam und mit konkreten Dingen, die überhaupt nicht mit der politischen Lage direkt zu tun haben. Einfach positives ins Leben bringen:

    – Ein Nachbartreffen der einfachen Art: jeder bringt was fürs Büffet sowie Teller, Stühle,…
    – Ein Lächeln verteilen – ganz einfach, weil so viel wiederkommt und noch mehr verteilt wird.
    – Konkret auf Menschen zugehen, mit denen in der Vergangenheit was schief gelaufen ist.
    – Sich an Kleinigkeiten freuen und dieses auch äußern – die Blume, ein Moment der Ruhe
    – Darüber reden, wofür man ist und wofür man sich einsetzt.
    – …

    FÜR lässt viel mehr Veränderungen zu als GEGEN.

    Beispiel:
    Ich bin für die Nutzung von Stoffbeuteln und Körbe für den Einkauf. Mein Gegenüber sieht das und kann dann frei entscheiden, ob er es als Anregung nimmt und beim nächsten Mal auch Stoffbeutel zum Einkauf mitbringt.

    Wenn ich mich GEGEN Plastikmüll äußere, hat das Gegenüber das Gefühl sich verteidigen zu müssen. Es wird viel weniger ändern.

    Einfach Dinge auf den Weg bringen und darauf vertrauen, dass diese Anregungen auch bei anderen Menschen ankommen. Das ist in unserer vernetzten Welt eine reale Chance auf Veränderungen.

    Und dann ist es möglich auch mit ganz konkreten Änderungen sehr viele Menschen zu erreichen.

    Und WIR fühlt sich extrem gut an – unter http://www.Traumder10.de kannst du den Traum lesen oder hören.

    Viele Grüße
    Maria

  6. Klaus Schmidt
    Mai 2, 2012 um 10:58 pm

    Der Bürger ist das, was der Staat vom Volke übrig lässt. Die Spielregeln wurden verändert.

  7. August 17, 2012 um 8:36 am

    Und noch ein alter Weckruf von Kurt Tucholsky (Danke an Soveigh, die ihn an andere Stelle gerade einbrachte):

    Deutschland erwache!
    1930

    Daß sie ein Grab dir graben,
    daß sie mit Fürstengeld
    das Land verwildert haben,
    daß Stadt um Stadt verfällt. . .
    Sie wollen den Bürgerkrieg entfachen
    (das sollten die Kommunisten mal machen!)
    daß der Nazi dir einen Totenkranz flicht -:
    Deutschland, siehst du das nicht -?

    Daß sie im Dunkel nagen,
    daß sie im Hellen schrein;
    daß sie an allen Tagen
    Faschismus prophezein . . .
    Für die Richter haben sie nichts als Lachen –
    (das sollten die Kommunisten mal machen!)
    daß der Nazi für die Ausbeuter ficht -:
    Deutschland, hörst du das nicht -?

    Daß sie in Waffen starren,
    daß sie landauf, landab
    ihre Agenten karren
    im nimmermüden Trab . . .
    Die Übungsgranaten krachen . . .
    (das sollten die Kommunisten mal machen!)
    daß der Nazi dein Todesurteil spricht -:
    Deutschland, fühlst du das nicht -?

    Und es braust aus den Betrieben ein Chor
    von Millionen Arbeiterstimmen hervor:

    Wir wissen alles. Uns sperren sie ein.
    Wir wissen alles. Uns läßt man bespein.
    Wir werden aufgelöst. Und verboten.
    Wir zählen die Opfer; wir zählen die Toten.
    Kein Minister rührt sich, wenn Hitler spricht.
    Für jene die Straße. Gegen uns das Reichsgericht.
    Wir sehen. Wir hören. Wir fühlen den kommenden Krach.
    Und wenn Deutschland schläft -:
    Wir sind wach!

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