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Der steinige Weg zur direkten Demokratie

Immer mehr Menschen wird bewusst, dass die repräsentative Demokratie, wie sie gerade bei uns implementiert ist, nicht mehr zeitgemäß ist und aufgrund von Fehlern in diesem System am Ende eine Parteidikatatur steht, in der u.A. die darin Mächtigen ihre Macht zu erhalten streben und sich dabei mit den Mächtigen der Großkonzerne verbünden. Siehe u.a. den Artikel zur Elitetheorie „vom ehernen Gesetz der Oligarchie“. Dass am Ende nicht mehr das Wohl des Volks steht, wie bei uns im Artikel 20 Grundgesetzes niedergelegt, sondern das Reicherwerden der schon Reichen weiter befördert wird, ist nicht mehr zu übersehen.

Daher kommen immer mehr Menschen zusammen, um losgelöst von Organisationen und deren Ideologien nach einem Weg zu mehr direkter Demokratie zu finden. Ziel soll es sein, dass die Menschen sich stärker an den Entscheidungsprozessen beteiligen können und dabei Lösungen gefunden werden, die bisher keiner auf dem Radar hatte.

Die beiden Totschlagargumente zur Mitbestimmung sind:

  1. Die Menschen lassen sich durch die Medien manipulieren und können so nicht objektiv abstimmen
  2. Abstimmverfahren sind zu teuer und Bürgerveranstaltungen verkommen zu Laberrunden
Nun, dass unsere Bürger inzwischen durch unsere großen Medienkonzerne mit Propaganda unserer Regierungen zugedröhnt und damit seitens der Herrschenden manipuliert werden, ist nicht übersehbar. Aber im Internet haben sich inzwischen viele alternative Journale etabliert, so dass die Bürger sich sehr wohl objektiv über die Pros und Cons informieren können. Außerdem scheint es doch inzwischen leichter zu sein, die kleine Menge an gewählten Repräsentanten um den Finger zu wickeln als ein ganzes Volk.
Wenn Abstimmverfahren so laufen, dass die zu entscheidende Lösung zuvor im Konsens erarbeitet wurde, dann kann der Preis dafür nicht hoch genug sein. Denn hier ziehen dann Alle mit und die Entscheidung wird von U-Booten nicht mehr torpediert. Aber wie sieht es nun mit der Kritik an den Laberrunden aus? Nun, die Spanier haben einige Erfahrung gesammelt, wie man effektive Versammlungen gestalten kann, um Lösungen zu erarbeiten. Eine davon ist die Debatte oder wie die Spanier es nennen:

Sinn und Zweck der Asamblea ist es ausdrücklich nicht, gegensätzliche Positionen konfliktiv aufeinanderprallen zu lassen, sondern vielmehr aus gegensätzlichen Positionen heraus gemeinsam neue Ansätze zu entwickeln. Die Asamblea stützt sich auf das Paradigma kollektiver Intelligenz und sieht sich als Gegenentwurf zu konkurrenzorientierem Kampf.

Die Asamblea kann Aufgaben an Organisationsgruppen verteilen, die dann außerhalb der Asamblea gemeinsam an Themen/Projekten/Lösungsvorschlägen arbeiten. Wichtig dabei ist, dass die Aufgaben deutlich umrissen und formuliert werden, und dass allen Beteiligten klar ist, dass die Bürgerversammlung nur Aufgaben und nicht Kompetenzen und Verantwortung delegiert. Dementsprechend sind die Ergebnisse der Arbeitsgruppen an die Asamblea zur gemeinsamen Entscheidungsfindung zurückzugeben.

Interessant sind die vereinbarten kurzen Redebeitragszeiten sowie die wenigen Handzeichen, die Zustimmung, Ablehnung, Redner wechseln, lauter, leiser, sowie das Anmelden eines Redebeitrags.

Alexander Tornow, studierter Kommunikationsspezialist und Berater, sieht allerdings noch Verbesserungen an der oben genannten Form der Asamblea:

Ich sehe bei der Asamblea die typischen Gefahren der Fraktionsbildung. Es kann irgendwann zu einem Punkt kommen, wo eine Sichtweise durchgesetzt wird – das hat immer das Potenzial, die Gruppe zu sprengen bzw. zu spalten. Auch da gibt es wirksame Tools, die damit umgehen können. Sie finden zwar nicht wie z.B. gruppenbing die besten Lösungen, ermöglichen aber einen Konsens und bewirken ein Denken, das die Akzeptanz der Gruppe statt das eigene Interesse im Blick hat. Ich empfehle da gerne das systemische Konsensieren – da wird statt der Zustimmung die Ablehnung – also der Gruppenwiderstand gemessen. Es gibt sehr viele Informationen dazu – gesammelt unter: www.sk-prinzip.net

Zum systemischen Konsensieren lässt sich nachlesen:

Wenn eine Gruppe eine gemeinsame Entscheidung treffen muss, sind Einzelne oft in Gefahr, unter die Räder zu geraten. Systemisches Konsensieren ist ein Entscheidungsverfahren für Gruppen, bei dem die Anliegen der Einzelnen wie von selbst gewahrt werden. Ein Vorschlag kann nur dann wirklich erfolgreich sein, wenn er die Interessen aller Beteiligten so gut als möglich berücksichtigt.

Wer sich hemdsärmelig durchzusetzen versucht, ist zur Erfolglosigkeit verurteilt. Entgegenkommen und Rücksichtnahme werden zur Grundlage des Erfolgs und somit zum Eigeninteresse aller. Dadurch entsteht eine konstruktive Stimmung in der Gruppe, bestehende Spannungen werden abgebaut, die Gruppenmitglieder fühlen sich zusehends wohler miteinander und treffen ausgewogene Entscheidungen.

Auf der Seite zum systemischen Konsensieren wird anhand des Beispiels Entscheidung von 4 Freunden für ein Restaurant zum Abendessen dargestellt, wie wichtig die Einbeziehungen der Ablehnungen neben einer Zustimmung ist. Denn wer die Gründe für Widerstände kennt, kann leichter seine Zustimmung ändern. Wenn also ein Teilnehmer mitteilt, dass er z.B. fettes Essen vermeiden will oder bei einem Restaurant schon schlechte Erfahrungen gemacht hat, sind dies Informationen, die Entscheidungen deutlich beeinflussen können.

Alexander hat noch einen weiteren Hinweis gegeben. Die Asamblea sowie das systemischen Konsensieren sind gut für Themen geeignet, die neu angegangen werden und noch sehr diffus sind, also bei dem es mehr um Brainstorming geht. So hat die Asamblea gut geholfen, das Gänsehaut erzeugende Manifest der verlorenen Generation der Spanier zu formulieren.

Das Werkzeug gruppenbing

Als besser geeignet sieht Alexander, und hier kann ich intuitiv zustimmen, das Werkzeug gruppenbing, das besonders effizient dann eingesetzt werden kann, wenn es entscheidungsfähige Strukturen gibt, und viel unterschiedliches Wissen bewegt werden muss.

Der Ablauf der Abstimmung erfolgt in einem mehrtägigen Seminar. Dabei kommt das Wissen nicht von außen, sondern aus der Gruppe selbst. Dazu wird die zu klärende, komplexe Aufgabenstellung in relevante Einzelthemen aufgeteilt. Themen und Teilnehmer werden einander auf einem speziellen Würfel zugeordnet, der den Ablauf der Diskussionsrunden vorgibt. Als verantwortliche Themenmacher, reflektierende Kritiker und beobachtende Überbringer nehmen die Teilnehmer dabei wechselnde Rollen ein. Der Zeitplans ist strikt, so dass das Ziel fokussiert ist, jedes Thema von allen Seiten betrachtet wird und damit das Wissen sich in der ganzen Gruppe verbreitet.

Die Vorteile lesen sich so:

  • das im Unternehmen verteilte Wissen macht es als mächtige Ressource zielgerichtet nutzbar
  • es ermöglicht Schnelligkeit und Effizienz
  • beschleunigt die Umsetzung von Projekten
  • lässt durch intelligente Verknüpfung Lösungen zu schwierigsten Fragen finden.
  • durch die Einbeziehung vieler Sichtweisen werden Risiken besser erkannt, was zu nachhaltigeren Lösungen führt
  • die Kosteneffizienz wird erhöht und der Koordinationsaufwand verringert, da jeder besser im Sinne des Ganzen handeln kann
  • es löst Dynamiken aus, die auch tiefgreifende Veränderungen ermöglichen
  • da die Lösungen aus dem vorhandenen System selbst stammen, stehen auch alle dahinter.
Entwickelt hat Alexander das Werkzeug für den Einsatz in größeren Unternehmen, wenn es darum geht, eine neue Firmen-oder Produktstrategie zu entwickeln oder ein Großprojekt zu starten.
Bürgerbegehren auf Bundesebene
Wie aber sieht es mit der direkten Demokratie in größeren Dimensionen aus? Die vorgestellten Methoden scheinen geeignet für Kommunen oder größere Firmen. Wie sieht es aber nun mit Staatsentscheidungen aus?
Nun, in Spanien haben sich mehrere Tausend Bürger an der Entwicklung des oben genannten Manifests in mehreren Komittees beteiligt. In diesem Fall wurde mit Delegierten gearbeitet, die auf einer nächst höheren Ebene die Ergebnisse der einzelnen Komittees zusammengetragen haben. Es wurden in dieser Runde im Falle von Konflikten weitere Lösungsalternativen besprochen. Da die Delegierten jedoch keine Entscheidungsbefugnisse hatten, wurden die weiteren Alternativen wieder in die Komitees gebracht und erneut im Diskurs bearbeitet. Und so weiter. Am Ende steht also ein Lösungsentwurf, der eigentlich nicht mehr entschieden werden muss, weil alle daran mitgewirkt haben und dies als einzig sinnvoll erachten.
Da in Spanien vor der Machtübernahme durch die Faschissten ähnliche Verfahren durch die Anarchisten angewendet wurden, darf man davon ausgehen, dass entsprechend große Dimensionierungen funktionieren. In dem Buch Anarchie! erzählt Horst Stowasser, wie ihm eine alte Dame, Zeitzeugin und offenbar wohlhabend, berichtete, dass die U-Bahn nie pünktlicher waren als zur Zeit der Anarchisten. Was doch deutlich für eine effektive Organisation durch entsprechend flache Hierarchien nachweist.
Mir scheint also, dass es a) mit der Manipulation der Bürger nicht so kritisch ist, da Dank Internet nicht alle Informationsquellen gleichgeschlatet werden können, b) es genügend Werkzeuge gibt, um Abstimmungsverfahren effizient und effektiv zu gestalten, der Weg zu mehr Demokratie nicht so steinig sein dürfte.
Die Frage stellt sich mir eher, ob die wirklich Herrschenden, und es sieht ja so aus, dass es die Banken und Großkonzerne inzwischen sind, zulassen werden, dass unsere Politiker entsprechende Gesetze in den Bundestag einbringen. Aber hier stirbt bekanntermaßen die Hoffnung zuletzt.

  1. Oktober 8, 2011 um 9:17 pm

    Dominik Storr:

    Politiker haben überhaupt keine Kompetenz. Demokratie geht nur in der Region. Parteien müssen rechtlich den Vereinen gleichgestellt werden. In Parteien strömen Menschen, die viel reden aber wenig handeln. Politiker seien reine Schauspieler. Monsanto hat mehr Macht als unsere Parlamentarier zusammen. Es funktioniert nur von unten nach oben und nicht wie jetzt.

  2. Oktober 9, 2011 um 3:31 pm

    Hallo Martin
    Warum mußte ein „Wessi“ 13 Jahre zur Schule gehen, bevor ein sein Abitur bekam? Weil er ein Jahr Schauspielunterricht hatte! (schöner Witz mit viel Hintersinn)
    Ich schließe mich Dominik Storr an. Interessenausgleich und darum geht es ja am Ende bei einer Demokratie, geht nur auf regionaler Ebene. Wir brauchen doch gar nicht ins Weite blicken. Zur Wende hat es viele gute Erfahrungen gegeben mit den „runden Tischen“. Leider sind sie am Ende politisiert, in Form von Parteiinteressen, worden und damit hatten sie ihre eigentliche Funktion verloren. Die müssen wir nur wieder aufgreifen.
    Was die SPD, und sie ist symptomatisch für alle Parteien heute, betrifft, liegt der Scheideweg schon lange zurück, was letztendlich ja zur Spaltung in SPD und Spartakusbund, später KPD führte. Zu diesem Zeitpunkt begann die Führung, gegen die Interessen Mehrheit der eigenen Mitglieder, die Interessen der Industriellen zu vertreten (Kriegskerdite 1914). Kurioser Weise liegt der Zeitpunkt nah mit der Privatisierung des Geldes in den USA zusammen! Dazu gibt es einen schönen Roman von Ilja Ehrenburg, „Der Fall von Paris“, der diese Situation sehr gut beschreibt. Leider hat die kommunistische Strömung die gleichen Fehler am Ende begangen, habe ich ja live selbst erlebt. Aus diesem Grund lehnte ja Lenin und Totzki auch eine Massenpartei ab, weil er gerade die Entwicklung der Sozialdemokratie genau studiert hatte, Also ein alter Schlauch mit neuem Wein. Auch die heutige „Linke“ hat ihrem Ziel, einen demokratischen Sozialismus zu errichten und die Mitglieder zu vertreten, längst abgeschworen. Das war für mich der Anlaß, sie zu verlassen. Eine Partei sollte in der heutigen Zeit andere Statuten haben, um demokratisch zu sein. Dies gilt für alle Parteien und deshalb kommt für mich keine Wahl in Frage. Sie sind alle nur Feigenblätter, die sich für eine unsozilale Entwicklung hergeben, um Völkermord, Hunger und Unterentwicklung zu zementieren! Eine Partei der „Andersdenkenden“ wird in diesem Land verboten (KPD), siehe Entwicklung Studentenbewegung 68 bis hin zur „Bewegung 2. Juni und RAF. Viele Grüße Mike

  3. Oktober 11, 2011 um 6:25 pm

    In dem Artikel Eine globale Bewegung entsteht berichtet Tomasz Konicz ebenfalls von der neuen Art demokratischer Gestaltungsprozesse:

    Viele der engagierten Kampteilnehmer in New York haben den Anspruch, diese Alternative, dieses „Neue“ vorzuleben. Tatsächlich kann den Demonstranten auf dem Liberty Square in New York nicht vorgeworfen werden, Chaos oder Unordnung zu hinterlassen.

    Der ehemalige Zuccotti Park ist in spezielle Zonen aufgeteilt worden, in denen Informationen, Nahrung, Bekleidung oder medizinische Versorgung gewährt werden. Hierfür sind spezialisierte Teams verantwortlich, die sich im Verlauf von Diskussionen in „Allgemeinen Versammlungen“ herauskristallisiert haben. Demonstranten in entsprechenden Arbeitsgruppen sorgen so auch für die Absicherung des Geländes vor Polizeiübergriffen oder für die Müllbeseitigung.

    Die ersten Aktivisten, die einem Aufruf der Zeitschrift Adbusters folgten und ab dem 17. September auf dem Park ausharrten, haben keinerlei organisatorische Vorbereitungen oder logistische Unterstützung. Der gesamte Organisationsprozess entwickelte sich basisdemokratisch über sogenannte „Allgemeine Versammlungen“, auf denen alle Beteiligten stimm- und redeberechtigt sind. Innerhalb dieses wochenlangen demokratischen Organisationsprozesses haben sich die spezifischen Strukturen des Protestcamps ausdifferenziert.

    Die konkreten „Regeln“, die sich die Demonstranten in New York auf den Versammlungen selbst gegeben haben, befinden sich auch in permanenter Veränderung. Das Protestcamp gleicht somit einem sozialen Labor, in dem tatsächlich neue Formen des Zusammenlebens erprobt und auf ihre Praktikabilität überprüft werden. Ähnlich verhält es sich mit neuen kollektiven Eigentumsformen, sowie der alternativen Distribution von Ressourcen, die mitten im Zentrum des Finanzkapitalismus erprobt werden.

    Diese „führerlose“ und hierarchiefreie Struktur beschrieb der renommierte Journalist Chris Hedges, der etliche Tage unter den Demonstranten verbrachte, in einer seht lesenswerten Reportage. Die Besetzung der Wall Street habe eine alternative Gemeinschaft geschaffen, die das „profitangetriebene hierarchische System“ des Kapitalismus herausfordere. Selbst wenn die New Yorker Polizei unverzüglich das Camp räumen sollte, sei es für die Mächtigen bereits zu spät, um gegenzusteuern, da „diese Vision und Struktur eingeschrieben wurde in Tausende von Menschen“, die in dem Protestcamp lebten und kämpften, so Hedges. Dieser in New York vorgelebte Entwurf sei nun dabei, in „Städte und Parks im ganzen Land“ transferiert zu werden. Hedges zufolge kann der gemeinsame Nenner dieses Kerns der Protestbewegung in einem Wort zusammengefasst werden:

    „Rebellion. Diese Demonstranten sind nicht gekommen, um im System zu arbeiten. Sie wollen keine Reform des Wahlrechts. Sie haben kein Vertrauen in das politische System oder in die beiden großen Parteien – und dies sollten sie auch nicht. Sie wissen, dass die Presse ihre Stimmen nicht verstärkten wird, und deswegen haben sie ihre eigene Presse geschaffen. Sie wissen, dass die Wirtschaft den Oligarchen dient, und deswegen haben sie ihr eigenes Gemeinschaftssystem geschaffen.“ Chris Hedges

  4. Oktober 11, 2011 um 7:02 pm

    Da fängt mein Herz glatt an zu hüpfen, so habe ich mir das auch vorgestellt! Nur wir sollten bei aller Freunde nicht vergessen, es ist das günstige Prinzip, das gerade wirkt, das am Ende auch mit seinen „Kinderkrankheiten“ fertig werden muß. Ein Mensch der wie ich mit diesen hier herrschenden Lebensformen nicht viel am Hut hat und eine starke Sehnsucht nach wärmeren Lebensformen hat, ist die jetzt anbrechende Zeit ein großes Geschenlk, dat kannste ma gloobn. Viele Grüße com. Mike

  5. Oktober 20, 2011 um 8:04 pm

    Da fühlen wir das WIR.

    Diese ganzen praktizierten Verständigungen, um Ansätze und sogar Lösungen zu finden, geben Hoffnung.

    Wenn WIR darauf achten, dass abwechselnd die Übersicht behalten wird und nicht immer die Gleichen für die Organisation zuständig sind, dann haben wir alle Chancen in eine harmonischere und schönerer Zukunft zu gehen.

  6. swaantje janke
    Oktober 25, 2011 um 6:06 pm

    jetzt brauchst du nur noch die politik zu reformieren und von der wirtschaft lösen. kein sitz im aufsichtsrat, kein nebenjob noch SPENDENGELDER! neue, idealistische politiker, die ein gutes festgehalt bekommen und bei bedienung der wirtschaft gefeuert werden.
    in einem video sagten sie: der politiker ist ein sozialarbeiter!
    flache hierarchien und eine nicht korrumpierbare politik klingen wie ein wunderbarer anfang.

    • Oktober 25, 2011 um 6:16 pm

      Und dazu möglichst kleine Strukturen, in denen es erst gar nicht zu erruptiven Korruptionen kommen kann …

  7. Oktober 27, 2011 um 4:14 pm

    Hier kommt ein Bericht eines Teilnehmers einer Asamblea, die von eienr Gewerkschaft in Österreich organisiert wurde und ambivalent mit den Ergebnissen ist. Einerseits findet er die Kultur dieser Bewegung und der Art der offenen Meinungsbildung gut. Andererseits sieht er dennoch die Gefahr von Manipulation von Propagandaspezialisten, die sich beteiligen könnten als auch die Gefahr eines Verlaufens, wenn nicht bald lkonkrete politische Forderungen gestellt würden.
    Sind die neuen „sozialen Bewegungen“ politisch?, von Wolfgang Lieb

    Überrascht hat mich weiter die Diskussionskultur in den von mir besuchten Arbeitsgruppen. Es gab – wie gesagt – keine Einführungsreferate (Inputs) und auch keine klassischen Podien. Die Diskussionen wurden überwiegend nur von Moderatoren mit Fragen angestoßen, um dann in eine offene Diskussion zu kommen – was zumeist auch klappte. Die Diskutanten traten nicht als Repräsentanten von bestimmten Gruppen auf und es gab nicht die übliche Hierarchie von „Experten“ und „Betroffenen“ bzw. „Laien“. Obwohl sehr offen, hielten sich die Diskussionen an die aufgeworfenen Fragen und verhedderten sich nicht an oft „steilen Thesen“ einzelner Gesprächspartner. Jede und Jeder konnte seine Meinung oder seine Position vortragen, alle waren gleichberechtigt. Jedes Argument wurde fair respektiert. Auch wenn Thesen hartnäckig vertreten wurden, gab es keine „Flügelkämpfe“ oder gar hitzige Debatten darüber, wer nun Recht hat. Es gab allerdings auch keine Zusammenfassungen oder keine „Ergebnisse“ aus den Arbeitsgruppen, so dass kontroverse Positionen einfach im Raum stehen blieben.

    Dass hier noch keine Ergebnisse erzielt wurde, liegt einfach daran, dass in 2 Tage die neue Asamblea-Kultur noch nicht beherrscht wird. Die Spanier haben auch Wochen gebraucht, bis das rund lief. Also Geduld, die Deutschen brauchen was länger, und optmieren dann auch gleich 🙂

  8. Dezember 18, 2011 um 9:25 pm

    Defizitorientierte Drecksäcke, pardon, da kann ich einfach nicht widerstehen; in klarer Luft und sauberem Boden wachsen Blumen gerne.

    Wie sieht‘ aus im „Lager“ der Occupisten?
    Ich sehe keins – und das sieht sehr gut aus.
    Allerdings fühle ich den Stachel, bereits
    mächtig, dabei unlokalisierbar bleibt.
    Könnte sein, dass relativ ungestört Bewusstsein wächst.

    Was die vorstehenden Ausführungen betrifft:
    YO, oder wie ein guter Freund sagt: YEPP!

    Wir sprachen heute über einen Begriff, der mir
    seit längerer Zeit abhanden gekommen war:
    Ziviler Ungehorsam.
    Vielleicht ergreift das Thema Martins Wohlwollen.

    Etwas anders sprachen wir auch, über das Wesen der Politik.
    Ich erinnerte mich an einen Kommentar, der sagte,
    wir bewegten uns in eine Zeit hinein, in der die Menschen
    ihre Aufmerksamkeit auf andere als politische Themen richten –
    die ideale Zeit, um unbequeme politische Entscheidung
    fällen zu können.

    Was für eine Realität ist das?

    Man wartet nicht auf erhöhte Aufmerksamkeit, man erzeugt sie nicht,
    um eine gewisse demokratische Qualität zu garantieren, nein, man
    plant genau das Gegenteil.
    Was macht ein Krimineller, der in eine Wohnung einbrechen will?
    Genau, er wartet, bis die Bewohner schlafen, und dann schlägt er zu.

    „Occupy“, eine sehr zahme Beschreibung dessen, was der Staat
    in solchen Fällen durch zieht: HAFT. Um seine Bürger zu schützen
    und aus erzieherischen Gründen, und um entsprechend kriminell
    veranlagte Zeitgenossen abzuschrecken.

    Klar, wir brauchen politschen-demokratischen Nachwuchs, oder?
    Ja, wofür eigentlich, wenn keine funtionierende Demokratie
    existiert?
    Schein-Demokraten, auch nicht schlecht.

    Einerseits schützt Unwissenheit vor Strafe nicht –
    andererseits kann Staatsgewalt das Unwissen nicht beschützen.
    Gut ist sicher ein Bewusstsein, das die Empörung im Zaum hält.
    Das Pferd lässt grüßen.

    Allen einen guten Abend.

    Wolfgang

    Ach, DANKE für den TIPP.

  9. Dezember 18, 2011 um 10:47 pm

    Lem hatte ich in meiner Sturm- und Drangzeit auch sehr gerne gelesen.

    Ich geben Dir recht, wenn Occupy konkreter würde, ließe sich die Bewegung fassen. Aber was ich sehe, ist eben genau der Anarchismus, der sich hier hält und nur der grobe Rahmen eines Miteinanderlebens formuliert sein will. Wir können es auch als Impulsgeber, als Nährboden für Macher interpretieren, die Rahmen des jetzigen Systems für die notwendigen Reformen sorgen, bis echte Demokratie gelebt werden kann. Es ist jedenfalls eine spannende Zeit …

    • Dezember 19, 2011 um 10:07 am

      Wer meine Kommentare ein wenig verfolgt hat, wird genau diesen Ansatz zu den Bedenken wiederfinden. Wer sich mit diesem System anlegt, hat von ersten Tag an schlechte Karten. Und die sogenannte friedliche Revolution war nur möglich, weil sich das soz. System gegenüber der Welt keinen weiteren „Schwarzen Peter“ mehr leisten konnte oder weil die Machthaber am Ende doch Menschen waren („Ich liebe Euch doch alle“). Wie es auch gewesen sein mag, eine solche Wende kann das bestehende System nicht vor weisen. Alle Regimgegner wurden und werden entweder kriminalisiert oder aus dem Weg geschafft. Meine Meinung nach und dies versuche ich mit den „Aktivisten“ zu diskutieren, heißt dafür sein, neue Alternativen zu entwickeln und für Menschen lebbar zu machen. Dazu habe ich gerade bei tom einen Ansatz nieder geschrieben, der ja bekanntlich schon in einigen Fällen funktioniert. Viele Grüße in die Runde com. Mike

  10. Januar 6, 2012 um 10:32 pm

    Die Politikwissenschaftlerin Patrizia Nanz

    Denn im Augenblick ist es so, dass ich denke, dass die Vertrauenskrise der Politik vor allem eine Krise ist, weil die Bürger nicht mehr davon überzeugt sind, dass die politische Klasse ihre Interessen vertritt. Das heißt sozusagen, die Parteien, das Monopol der Parteien in der parlamentarischen Demokratie ist im Augenblick das Grundübel. Und wenn die Parteien sich wieder darauf besinnen würden, die Willensbildung des Volkes eben sozusagen zu institutionalisieren, dann wäre schon viel gewonnen.“

    Aus: Vertrauenskrise der Politik
    Politikwissenschaftlerin: Monopol der Parteien ist „Grundübel“

  11. April 8, 2012 um 2:58 pm

    Ich hatte in dem Artikel das Sytemische Konsensieren als eine der Methoden genannt, die beim „Regieren“ von unten nach oben nützlich sein sollte. Es gibt nun ein Wiki, an dem mitgearbeitet werden darf:

    Open Source Wiki – Systemisches Konsensieren

  1. Oktober 6, 2011 um 9:42 pm
  2. Oktober 9, 2011 um 12:03 pm

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