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Wieder eine Gänsehaut-Geschichte: was kommt nach der Geburt?

Der Vogel kämpft sich aus dem Ei.
Das Ei ist die Welt.
Wer geboren werden will,
muss eine Welt zerstören.
Hermann Hesse, Werk: Demian

Spricht Jemand darüber, was nicht gedacht werden soll, meist über die erkannt versteckte Wahrheit, dann wird er schnell als Verschwörungshteoretiker hingestellt. Hinzu kommt, dass wir in eine IST-Welt geboren und mit vielen Weltbildern gefüttert werden. Einmal so programmiert ist es in der Regel schwer, sich ein anderes Leben, eine andere gesellschaftliche Struktur vorstellen zu können. Die folgende kleine Geschichte macht diesen Zusammenhang sehr schön deutlich:

——

Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch seiner Mutter.

„Sag mal, glaubst Du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“ fragt der eine Zwilling.

„Ja, auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das, was draussen kommen wird“, antwortet der andere.

„Ich glaube, das ist Blödsinn!“, sagt der erste. „Es kann kein Leben nach der Geburt geben; wie soll das denn bitteschön aussehen?“

„So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir mit unseren Beinen herumlaufen und mit dem Mund essen.“

„So einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Und wie willst Du herumlaufen? Dafür ist doch die Nabelschnur viel zu kurz!“

„Doch, es geht ganz bestimmt! Es wird eben alles ein bisschen anders.“

„Du spinnst! Es ist doch noch nie einer zurückgekommen von nach der Geburt! Mit der Geburt ist das Leben zu Ende! Punktum.“

„Ich gebe ja zu, dass keiner weiß, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden, und sie wird für uns sorgen.“

„Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?“

„Na hier! Überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!“

„Quatsch! Von einer Mutter habe ich nie etwas bemerkt. Also gibt es sie auch nicht!“

„Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst Du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt!“

——————
Geschichte nach Henry Nouwen
——————
Diese kleine Geschichte behandelt das Thema des Nicht-Vorstellen-Könnens ähnlich wie die der Fünf Affen:
Wie uns eine Geschichte über fünf Affen lehrt, warum wir von Gewohnheiten so schlecht lassen können

  1. Oktober 4, 2011 um 3:13 pm

    Schöne Geschichte!

    Gruß Hans

  2. Oktober 9, 2011 um 2:15 pm

    Hallo Martin, sehr schöne Geschichte, ich erlebe mit meinen „Genossenschaftskandidaten“ geade auch so eine Geschichte und ich überlege ernsthaft, ob ich es mit Ihnen wirklich machen will. Der Mensch ist eben das Opfer seines eigenen biochemischen Cocktails an Hormonen und Botenstoffen, die er durch seine Vorstellungen selbst erzeugt hat. Versuche nur eine liebgewordene Gewohnheit los zu werden und es entbrennt in dir ein Kampf 😉

  3. August 23, 2014 um 3:33 am

    Danke, lieber Martin!

    Ich hatte diese Geschichte erst vor kurzem wieder mal gelesen. Eine sehr treffende Analogie!

    Für mich ist allerdings die Frage, was NACH diesem Leben kommt, nicht mehr so wichtig. Denn seit ich die Angst überwunden habe und alles, was ist und was kommen mag, im inneren Frieden, in Liebe, annehmen kann, darf es sein, was immer es will.
    Statt mir darüber einen Kopf zu machen, konzentriere ich mich auf mein Leben im HIER und JETZT und beschränke Denken und Planen auf das Notwendigste.
    Der „Sinn des Lebens“ ist für mich „WAHRES SEIN“ – und das ist m.E. eine ganze Dimension höher als das, was René Descartes gesagt hat: „Ich denke, also bin ich“.

    Herzlichen Gruß!

    Wolfgang H.

    • August 23, 2014 um 9:30 am

      Mir geht es bei der Geschichte wie bei der Geschichte mit dem Truthahn darum, dass wir reichlich blinde Flecken haben, und die schwazrn Schwäne nicht sehen. Unsere Wahrnehmung sieht nur einen minimalen Teil des gesamten Sprektrums der möglichen Wirklichkeit, so dass unsere Realität weit weg von ihr ist. Eine gewisse Demut vor dem Nichtwissen kommt mir dabei in den Sinn.
      VG Martin

      • August 23, 2014 um 10:41 pm

        Welcher „Truthahn“?
        Was habe ich evtl. verpaßt?

        Sicher haben wir „blinde“ Flecken!
        Wahrnehmen ist hauptsächlich „WIEDER-Erkennen“ dessen, was wir schon in unserem Bewußtsein haben. Alles wirklich NEUE muß erst „begriffen“, abgetastet / „gescannt“ werden.

        Jeder Mensch sieht die Realität durch seine individuelle „Brille“ der Erfahrungen. Und die Unterschiede können durch – gute, wahre – Kommunikation ausgeglichen werden.

        Solche gute, wahre, Kommunikation findet aber in der kranken zivilisierten Gesellschaft kaum statt – wie ich auch hier in diesem Blog zu meinem Bedauern erkennen mußte.

        (Latente) ANGST (wesentlicher Aspekt der Kollektiven Zivilisations-Neurose, KZN) steht der offenen, guten, optimalen, Kommunikation, dem freien, ungehinderten, Austausch entgegen.

        Diskussionen / Gespräche / Korrespondenz usw. ohne Zugang zur WAHRHEIT sind aber sinnlos, nicht zielführend. Wer sich immer wieder von der Angst / Neurose und der „Angst-Abwehr“, dem „Abwehr- / Vermeidungs-Verhalten“ vom Erkennen der Wahrheit / Wirklichkeit abhalten läßt, kommt NIE dort an, wo sein wahres Leben eigentlich stattfinden soll. Wobei gleichzeitig bei den meisten eine dynamische Schwächung der Versorgung mit spiritueller Energie / „Lebens-Energie“ / geistiger Liebe läuft und tendenziell zu größerem Risiko von psychischen und/oder körperlichen Störungen führt.

        Der von der KZN beeinträchtige Mensch hat typischerweise in der Kindheit das Ur-Vertrauen verloren und die ANGST / Unsicherheit ist eingezogen und dominiert die Szene.Etlichen Kindern passiert das schon, bevor sie überhaupt ein bewußtes Erinnerungsvermögen besitzen, so daß sie sich an eine traumatisierende Situation nicht erinnern könnten.
        Da sind dann nur Gefühle abgespeichert und die abgespaltenen Gefühls-Energien dazu. DIE können in einer entsprechenden therapeutischen / (geist-)heilerischen Intervention herausgelassen und das Problem damit beseitigt werden..

        Mit dem Problem bei den sehr jungen Kindern befaßt sich die Arbeit von Michael Balint zur „Grundstörung“. Es gibt da eine Arbeit über seine Veröffentlichungen im Internet von etwa 15 Seiten, die einen sehr guten Einblick gibt.

        Kinder, die von Angt / Unsicherheit (Verlust des Ur-Vertrauens) befallen sind, haben schon eine Reihe von Störungen, die zumeist nicht erkannt werden – oft deswegen, weil den Eltern das Verhalten der Kinder GEFÄLLT, es ihnen BEQUEM und deshalb ANGENEHM ist.

        Wenn Kinder z.B. nicht mehr „unbequeme“ Fragen stellen.
        Evolutionär betrachtet ist das aber schon eine erhebliche (Entwicklungs-)Störung. Denn das steht im Zusammenhang mit einer Kommunikations- und Lernstörung. Genauer: Störung des GANZHEITLICHEN, WAHREN, Lernens.
        Daß solche Kinder noch in der Lage sind, rational(e) Informationen aufzunehmen, ist KEIN wahres Lernen.

        Je nach Intensität der Betroffenheit der Kinder entwickeln sie dann auch andere / weitere Störungen – und in der Pubertätsphase kommt dann noch die Störung des ganzheitlichen / wahren Erwachsenwerdens hinzu. Die Betroffenen – und das ist die große, große, Mehrheit der Menschen der zivilisierten Gesellschaft! – steigen nicht zum wahren Erwachsenen-Bewußtsein auf. Das ist in etwa vergleichbar mit Raupen, die NIE zu Schmetterlingen werden.

        Was nun die aller-, allermeisten Menschen der modernen Gesellschaft AUCH nicht bemerken, ist das exponentielle Wachstum der KZN und ihrer Auswirkungen / Symptome – ebenso wie die akute Bedrohung durch die – statistisch „fällige“ / „überfällige“ Kollektive PSYCHOSE, der Katastrophen-Krisenform der KZN, die nach bisherigen Erfahrungen im groben Durchschnitt etwa alle 50 Jahre ausbricht (Kriege und ähnliches).

        DIES also ist das wichtigste und dringendste Thema der Gegenwart.

        Die ANGST (auch die latente Angst!) ist ÜBERWINDBAR!

        Theoretisches Philosophieren kann ein interessanter Zeitvertreib, ein Steckenpferd oder sonstwas sein. Aber das ist nicht die Ebene, auf der das Problem zu lösen ist – dazu muß man eine Ebene / Dimension HÖHER, in das WAHRE Sein / Leben.

        Wir, die zivilisierte Gesellschaft, sind nicht nur EINER Lüge / Unwahrheit erlegen oder einigeR solcher, sondern der typische zivilisierte – (selbst-)entfremdete – Mensch lebt GANZ und GAR in der Unwahrheit, Unwahrhaftigkeit, in einer / der „Lebens-Lüge“.

        Bei etlichen Tieren ist in ihrer Lebensweise, ihren Lebenszyklen, zu erkennen, daß sie im Laufe ihres Lebens das Medium wechseln. Wie der Schmetterling, der erst als Raupe festen Grund unter den Füßen braucht und erst nach der Metamorphose fliegen kann. Oder andere, die den ersten Teil des Lebens im Wasser zubringen und dann an Land oder in die Luft gehen.
        Das gilt für den Menschen ALS GEIST-Wesen analog.
        Den ersten Teil des Lebens bringt er im „materiellen Bewußtsein“, dem „Niederen Selbst“ / „Ego“ zu, den zweiten Teil des Lebens – als „Erwachsener“ – im „Höheren / wahren Selbst“, dem geist-energetischen Bewußtsein.

        Soviel an dieser Stelle.
        Gern zu weiterem bereit.

        Herzlichen Gruß!

        Wolfgang H.

        • August 24, 2014 um 9:51 am
          • chattison
            August 24, 2014 um 12:55 pm

            Da kam ja die Replik
            Der Schreiber kann über das Denken des Truthahns nichts wissen.

            Der Schreiber dieser Zeile kann auch nichts über das Denken des solchermaßen Verunglimpften wissen.

            Es ist diese Form von Hochmut, die weder den Fall des Schwarzen Schwans zu berücksichtigen imstande ist, noch diesen zu verhindern wüsste, da sie blind vor Selbstgewissheit schlicht gar nichts erkennt.

            Der Schwarze Schwan wird sichtbar durch Mißtrauen – vor allem gegenüber dem vermeintlich sicher Gewussten gegenüber.

  4. chattison
    August 24, 2014 um 2:28 pm

    @Martin

    bitte um Klärung, woran´s denn diesmal wieder hapert?!

    • August 24, 2014 um 2:34 pm

      hm, sehr merkwürdig. Du hattest nich mal einen Link drin. Lag im Spam, und ich habe den ersten dann freigegeben.

      Ich kann mir keinen Reim drauf machen …

  5. April 23, 2016 um 12:09 am

    Hat dies auf diwini's blog rebloggt.

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