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Unser System der Geldschöpfung ist zutiefst undemokratisch

Zu dieser Schluss kommen Tobias Tulinus und Florian Hauschild in ihrem Artikel Wie Banken Geld machen auf dem Blog le bohémien. Sie erklären in diesem Artikel, wie neues Geld als Schuld in die Welt kommt. Und das nicht durch den Staat sondern durch private Banken, denen es erlaubt ist, ein Vielfaches von dem, was an Einlagen da ist als neues Buchgeld bei einer Kreditvergabe auf Knopfdruck zu erzeugen. Das ist das so genannte Giralgeld. Die Autoren haben sich ihren Artikel von Bankexperten absichern lassen. Besonders interessant ist die Frage, welche Bedeutung diese Form der Geldschöpfung für uns Bürger hat.

Nach demokratietheoretischen Gesichtspunkten ergeben sich hierbei folgende Fragen:

Wieso hat der Staat Privatbanken die Lizenz zur Geldschöpfung übertragen? Die direkte Vergabe von Krediten an die öffentliche Hand durch die Zentralbank ist im Euroraum seit der zweiten Stufe der Europäischen Währungsunion von 1994 verboten, d. h. der Staat muss sich Geld bei Geschäftsbanken bzw. am Rentenmarkt leihen.

Wieso verschuldet sich der Staat – also wir alle – bei Privatbanken in Geldeinheiten, die diese schöpfen?

Wieso wird das Bereitstellen eines funktionierenden Geldsystems als größtenteils private und nicht als öffentliche Aufgabe betrachtet?

Wieso gibt es keine kommunalen, öffentlichen Banken, die ebenfalls Geld schöpfen dürften?

Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen führen zu einer weiteren, entscheidenden Frage: Nämlich wie ohne ein demokratisches, gerechtes Geldsystem ein demokratisches politisches System und eine stabile Wirtschaftsordnung möglich sein soll. Die Frage, ob wir in einer Demokratie oder unter einer Diktatur der Finanzmärkte leben wollen, hängt zentral von der Art des Geldsystems ab, das wir nutzen.

Interessant ist auch die Kritik an der Kritik des Zinssystem von Jens Berger und eine erneute Erwiderung an dieser Kritik von Erwin E. Kreutzer auf seinem Blog Paukenschlag am Donnerstag.

Es wird also unbedingt Zeit, dass wir die Geldschöpfung wieder in die Hände der Gemeinschaft bringen. Mir scheint es zudem angebracht, etwas gegen die Umverteilung des Reichtums durch die Verzinsung zu tun. Warum richten wir nicht eine Arbeitsgruppe ähnlich dem Ethikrat zur Klärung der Nutzung von Atomkraftwerken?

  1. Werner ROTH Dipl. Wirtsch.Ing.
    September 12, 2011 um 9:13 am

    Die Schuldenbremse macht Schluß mit der „Verschuldungsblase“. Die Vorgehensweise unserer Kanzlerin ist richtig! Kein sofortiger STOP sondern wie bei Medikamenten langsam „herausschleichen“. Es kann nicht immer in eine Richtung weitergehen – es gibt auch Grenzen des Wachstums! Im schlimmsten Fall geschieht dies mit einem großen Crash und Zusammenbruch. Rechtzeitige Umkehr der Fahrtrichtung kann das verhindern! Richtig ist, dass die „Verschuldungsblase“ zu einer massiven Umverteilung im Zusammenhang mit den Steuersenkungen geführt hat. Die Zinsabschlagssteuer war dabei der größte Fehler! Keine Vereinfachung sondern eine Subventionierung des Kapitals und der Banken zulasten der Kreditnehmer und der Bürger, die auf ihr Humankapital = Arbeitsleistung allein angewiesen sind! Arbeit lohnt sich nicht mehr, da diese höher besteuert und mit Sozialabgaben belastet wird, als die Vermehrung des Geldes! Eine Entsolidarisierung kann über die damit verbundene empfundene Ungerechtigkeit zu gesellschaftlich bedenklichen Folgen – auch für die bisher Begünstigten – führen.

  2. September 12, 2011 um 9:37 am

    Um ein solches demokratisches Geldsystem zu realisieren, brauchen wir Menschen denen das bewußt ist und die sich dafür einsetzen. Damit der Einsatz aber auch langfristig wirksam wird, brauchen wir eine eigene Stimme im Rahmen einer direkten Demokratie und im Rahmen von Netzwerken statt Hierarchien.

    Solange der Staat bzw. unsere Repräsentanten u. ihre Freunde aus der Wirtschaft (anstatt die mündigen Menschen in unserer Gesellschaft) alle Gewalten unter sich haben, bleiben alle menschenfreundlichen Ideen blosse Wunschträume …

    … solche Dinge möglichst vielen bewusst zu machen, nennt man „Aufklärung“

    in diesem SInne „weiter so“

    einen freundlichen Gruss an dich und deine Leser

    Martin

  3. September 12, 2011 um 5:42 pm

    Hier hat sich noch Jemand mit der Zinskritik von Herrn Beger auseinandergesetzt:

    Laut Berger ist die Kritik am Zinssystem häufig durchmischt mit religiösen, völkischen, ja anitisemitischen Grundton. Eine Behauptung ohne empirischen Beweis. Und ich möchte nicht wissen, wieviele Leute, die durch die Zwangsarbeit im ehemaligen 3. Reich erst zu Vermögen gekommen sind, sich unter den heutigen Aktionären von Banken und Industrieunternehmen befinden, die von der Finanzkrise enorm profitieren und gar nicht daran denken, dass Zinssystem zu kritisieren…

    Ich halte den Beitrag Bergers, der in den Nachdenkseiten erschien, für sehr oberflächlich und an seiner Argumentation kann man ablesen, dass er sich mit den Argumenten der Kritiker gar nicht wirklich auseinandergesetzt hat. Ich habe es getan, und da Bergers Argumentation meines Erachtens viele Schwächen aufweist, habe ich den Artikel Punkt für Punkt aus meiner Sicht abgearbeitet.

  4. September 12, 2011 um 9:04 pm

    Auch Jürgen Elsässer ist einer der Protagonisten in dem neuen NuoViso-Film „Kriegsversprechen“. Er berichtet über seinen Einblick in die Machenschaften westlicher Geheimdienste und erzählt, wie Operationen unter falscher Flagge zum täglichen Geschäft der Geheimdienste gehören, um die europäischen Nationen im internationalen Kampf gegen den Terrorismus zu vereinigen.

  5. September 15, 2011 um 9:15 am

    Im Spiegel Online Artikel Lehren aus der Lehman-Pleite schreibt Stefan Kaiser darüber Wie die Finanzwelt die Politik erpresst:

    Die Politik wähnte sich mächtig, als sie vor drei Jahren die US-Investmentbank Lehman Brothers pleitegehen ließ. Ein fataler Irrtum. Die Finanzkrise hat gezeigt, wie sehr das Wohl der Staaten an ihren Banken hängt – und dass Regierungen den Märkten nur hinterherhecheln. Gerade jetzt in der Euro-Krise.

    Selbst wenn sich Europas Regierungen dazu durchringen sollten, das schuldengeplagte Land pleitegehen zu lassen , dürfte dies ein Sieg für die Finanzwelt sein. Durch die Rettungspakete von EU und IWF sowie die Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank liegt der Großteil der griechischen Schulden nämlich längst bei der öffentlichen Hand. Die größten Risiken einer Pleite tragen also die Steuerzahler und nicht die Banken.

    Die Politik wird wohl noch eine ganze Weile eine Getriebene der Märkte bleiben.

  6. September 18, 2011 um 11:28 pm

    Und auch wenn diese Petition zur Änderung des Geldschöpfens gescheitert ist, wird es nicht das letzte Wort sein:
    https://epetitionen.bundestag.de/files/1024.pdf

  7. September 19, 2011 um 1:20 pm

    Andreas Popp über die EU als Dikattur, den ESM und den Euro:
    „Der EURO ist eine Granate, um andere Völker zu knechten.
    … Wir sollten uns einen Staatsbankrott wünschen, damit wir es dann besser machen können.“

  8. September 26, 2011 um 11:47 pm

    Und auch dieser Artikel zeigt auf, dass unser Schuldensystem nicht mehr zu retten ist:
    Den Euro erhalten, auf Kosten der Zukunft

    Das von Geschäftsbanken kreierte Geld wird, bei Rückerstattung des Kredites, natürlich wieder neutralisiert. Die bezahlten Zinsen werden als Gewinn verbucht. Allein in der Eurozone bleibt zwischen vorhandenem Geld und bestehenden Schulden eine gigantische Kluft von zumindest 15 Billionen Euro. Ja, natürlich, das System der modernen Finanzwelt ist unüberschaubar komplex. Direkt darauf angesprochen, würde jeder linientreue Finanzexperte eine Menge Erklärungen dafür finden, dass der Anschein hier trügt, dass alles schon seine Richtigkeit hat, dass Finanzierungen innerhalb des Finanzsektors anders zu bewerten seien, was auch immer. Ich wäre aber gespannt, was etwa Frau Merkel dazu sagen würde, fände sie sich endlich eimal mit der direkten Frage konfrontiert: Wie lassen sich 25 Billionen Euro an Schulden begleichen, wenn nicht mehr als 9,5 Billionen zur Verfügung stehen?

  1. September 11, 2011 um 10:17 pm

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