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Milton Friedman´s Ideologie des freien Marktes wurde inzwischen völlig neoliberalisiert und ist damit auf ganzer Strecke gescheitert

Vorbemerkung vom 1.8.2011: ich habe den initialen Titel „Milton Friedman´s Ideologie des freien Marktes ist auf ganzer Strecke gescheitert“ geändert in den aktuellen. Ich bin auf klare Hinweise gestoßen (worden 😉 ), dass die Ideen des Nobelpreisträgers Herr Friedman zwar schon ein freier Markt mit wenig staatlichen Eingriffen war, aber das Wohl des Menschen war ihm ein Anliegen. So war er Einer der ersten, der für ein Bürgereinkommen eintrat, das als negative Einkommensteuer ausgezahlt werden sollte, wie von Juliet Rhys-Williams 1940 vorgeschlagen.

Daher geht es nun um das Scheitern der Ideologie des neoliberalen Marktes, bei dem der Mensch quasi als Produktionsmittel betrachtet wird, wie es in dem Manifest der verlorenen spanischen Generation formuliert wird. Und das ist inzwischen meine tiefe Überzeugung. Die Ansicht der maximale Marktliberalität, dass man nur den Markt machen lassen soll, dann würde es Allen schon gut gehen, hat uns zu einer menschenverachtenden Maschinerie geführt, die inzwischen 30% unserer Gemeinschaft krankt gemacht hat. Ganz zu schweigen von dem Chaos, was im Finanzmarkt abläuft, der gleich noch 10.000e täglich hungers sterben lässst. Wie viel Perversität müssen wir noch ertragen, bis wir nicht mehr gewillt sind, hier mitzumachen und unsere Gesellschaft beginnen in eine menschlichere zurückzutransformieren?

Ich habe gerade einen offenen Brief mit einem Memorandum von Ärzten gefunden, der uns warnender nicht mehr kommen kann:

<<<<<<Beginn des Briefs >>>>>

Memorandum: Zur psychosozialen Lage in Deutschland

Wir sind Fachleute, die Verantwortung für die Behandlung seelischer Erkrankungen und den Umgang mit psychosozialem Leid in unserer Gesellschaft tragen.

Wir möchten unsere tiefe Erschütterung über die psychosoziale Lage unserer Gesellschaft zum Ausdruck bringen.

In unseren Tätigkeitsfeldern erfahren wir die persönlichen Schicksale der Menschen, die hin­ter den Statistiken stehen.

Seelische Erkrankungen und psychosoziale Probleme sind häufig und nehmen in allen In­dustrienationen ständig zu.

Circa 30 % der Bevölkerung leiden innerhalb eines Jahres an einer diagnostizierbaren psychischen Störung. Am häufigsten sind Depressionen, Angststörungen, psychosomatische Erkrankungen und Suchterkrankungen.

Der Anteil psychischer Erkrankungen an der Arbeitsunfähigkeit nimmt seit 1980 kontinuierlich zu und beträgt inzwischen 15 – 20 %.

Der Anteil psychischer Erkrankungen an vorzeitigen Berentungen nimmt kontinuierlich zu. Sie sind inzwischen die häufigste Ursache für eine vorzeitige Berentung.

Psychische Erkrankungen und Verhaltensprobleme bei Kindern und Jugendlichen nehmen kontinuierlich zu.

Psychische Störungen bei älteren Menschen sind häufig und nehmen ständig zu.

Nur die Hälfte der psychischen Erkrankungen wird richtig erkannt, der Spontanverlauf ohne Behandlung ist jedoch ungünstig: Knapp 1/3 verschlechtert sich und knapp die Hälfte zeigt keine Veränderung, chronifiziert also ohne Behandlung.

In allen Altersgruppen, bei beiden Geschlechtern, in allen Schichten und in allen Nationen zunehmenden Wohlstands nehmen seelische Erkrankungen zu und besitzen ein besorgniser­regendes Ausmaß.

Die gesellschaftlichen Kosten der Gesundheitsschäden durch Produktivitätsausfälle, medizi­nische und therapeutische Behandlungen, Krankengeld und Rentenzahlungen sind enorm.

Eine angemessene medizinische und therapeutische Versorgung ist weltweit nicht möglich. Trotz der kontinuierlichen Zunahme an psychosozialen medizinischen Versorgungsangebo­ten ist die Versorgung auch in Deutschland angesichts der Dynamik und des Ausmaßes der seelischen Erkrankungen nur in Ansätzen möglich.

Die Ursache dieser Problemlage besteht nach unseren Beobachtungen in zwei gesellschaftli­chen Entwicklungen:

1.    Die psychosoziale Belastung des Einzelnen durch individuellen und gesellschaftlichen Stress, wie z. B. Leistungsanforderungen, Informationsüberflutung, seelische Verletzun­gen, berufliche und persönliche Überforderungen, Konsumverführungen, usw. nimmt ste­tig zu.

2.    Durch familiäre Zerfallsprozesse, berufliche Mobilität, virtuelle Beziehungen, häufige Tren­nungen und Scheidungen kommt es zu einer Reduzierung tragfähiger sozialer Beziehun­gen und dies sowohl qualitativer als auch quantitativer Art.

Die Kompetenzen zur eigenen Lebensgestaltung, zur Bewältigung psychosozialer Problem­lagen und zur Herstellung erfüllender und tragfähiger Beziehungen sind den Anforderungen und Herausforderungen dieser gesellschaftlichen Entwicklungen bei vielen Menschen nicht gewachsen.

Angesichts der vorherrschenden gesellschaftlichen Orientierung an materiellen und äußeren Werten werden die Bedeutung des Subjektiven, der inneren Werte und der Sinnverbunden­heit dramatisch unterschätzt.

Wir benötigen einen gesellschaftlichen Dialog über die Bedeutung des Subjektiven, des See­lischen, des Geistig-spirituellen, des sozialen Miteinanders und unseres Umgangs mit Problemen und Störungen in diesem Feld.

Wir benötigen einen neuen Ansatz zur Prävention, der sich auf die grundlegenden Kompe­tenzen zur Lebensführung, zur Bewältigung von Veränderungen und Krisen und zur Ent­wicklung von tragfähigen und erfüllenden Beziehungen konzentriert.

Wir benötigen eine Gesundheitsbildung, Erlernen von Selbstführung und die Erfahrung von Gemeinschaft schon im Kindergarten und in der Schule, z. B. in Form eines Schulfaches “Gesundheit”.

Wir benötigen eine ganzheitliche, im echten Sinne psychosomatische Medizin, die die ge­genwärtige Technologisierung und Ökonomisierung der Medizin durch eine Subjektorientie­rung und eine Beziehungsdimension ergänzt.

Wir benötigen eine Wirtschaftswelt, in der die Profit- und Leistungsorientierung ergänzt wird durch eine Sinn- und Lebensorientierung für die Tätigen.

Wir benötigen einen integrierenden, sinnstiftenden und soziale Bezüge erhaltenden Umgang mit dem Alter.

Wir benötigen eine das Subjektive und Persönliche respektierende, Grenzen achtende und Menschen wertschätzende Medienwelt.

Wir benötigen ein politisches Handeln, das bei seinen Entscheidungen die Auswirkungen auf das subjektive Erleben und die psychosozialen Bewältigungsmöglichkeiten der Betroffenen reflektiert und berücksichtigt.

Wir benötigen mehr Herz für die Menschen.

<<<< Ende des Memorandums. Quelle >>>>>>>

Es ist das System, dem wir so bedingungslos gefolgt sind, da wir alle in unserer Unsicherheit vertraut haben, dass es uns Allen das Heil bringen wird. Da wir aber Menschen sind, die Fehler erkennen und auch wieder korrigieren können, sollten wir angehen, bevor wir uns ganz erniedrigt haben.

Ich hatte heute schon einen Beitrag gesehen der lautete:

Es kämpft gerade heftig der Profit mit der Spiritualität. Die Spiritualität wird gewinnen.

Das wünsche ich uns und ich bin überzeugt, dass wir, wie der „einfache Bürger“ Herbert Haberl auch schon formulierte, eine Aufkörung 2.0 erleben werden. Dieses Mal mit Hilfe des Internets, bei der wir uns gegen die aktuell laufende heilige Inquisition des freien Marktes der Profitmaximierung stemmen werden. Das wird dieses Mal kein Krieg werden (hoffentlich). Denn überall ist zu spüren, dass die Menschen aus Liebe zu einander zum friedlichen, kooperativen Miteinander kommen wollen. Und wenn dieser Wille überall bewusster wird, dann ändert sich unser Handeln von ganz allein und sucht sich seinen Weg zu einer besseren Welt. Dann finden sich nach und nach jene Menschen zusammen, die es anders machen werden. Jeder auf seine verantwortungsvolle Weise, in dem er den jeweils Anderen in dem, was er ist, respektiert. Und da Jeder ein perfekter Mensch ist, braucht er sich nicht von einem Anderen sagen zu lassen, wie er zu denken und zu handeln hat. Im Dialog werden wir die jeweils aktuellen Hürden gemeinsam nehmen.

  1. John G. Gellner
    Juli 31, 2011 um 12:48 pm

    How can one comment, except with „YES – BUT …….“. For every Euro, dollar or pound we can afford to correct the inequities of the world, industry can afford one hundred to perpetuate them. Who recruits the most brilliant post-graduate and post-doctoral students – big business, banks and advertising agents or the socially responsible organizations whose salaries are only a fraction of those offered by the former? In „the old days“ – e.g. the days of the Third Reich, propaganda was a mere art in which people like Dr. Goebbels were highly skilled, but in the meantime it has become a precise science in which anyone who still believes that „Die Gedanken sind frei“ must be truly naive. So whilst all the articles in this series are very interesting, and usually express precisely and in detailed scientific language what many of us have believed and felt for a long time, WHAT DO THEY ACTUALLY ACHIEVE? Or, to re-phrase this, DO WE REALLY BELIEVE THAT THERE IS ANYTHING WE CAN ACTUALLY DO TO HALT THIS MAD RUSH TOWARDS THE DESTRUCTION OF HUMANITY? If one considers man(kind) not as the ultimate creation of a God but as one species in an evolutionary cycle, maybe he will be replaced by an organism better suited to live at peace with the other forms of life on the planet. Dinosaurs, after all, ruled the earthe far longer thamhomo sapiens has.

  2. Elke
    Juli 31, 2011 um 4:17 pm

    Hallo Martin,

    dem kann man nicht mehr viel hinzufügen. Jedes Jahr veröffentlicht die DAK einen Gesundheitsreport. Wer Lust hat kann diesen downloaden.

    http://www.presse.dak.de/ps.nsf/Show/03AF73C39B7227B0C12576BF004C8490/$File/DAK_Gesundheitsreport_2010_2402.pdf

    Im Prinzip kann man nachlesen, wie sich die psychosoziale Gesundheit der Arbeitnehmer/Bevölkerung mit dem Ansteigen des Leistungsdrucks immer mehr verschlechtert. Dazu kommt die Angst vor Arbeitslosigkeit, die Knappheit der finanziellen Mittel im Niedriglohnsektor/, bei den Erwerbslosen, Hartz IV und Kinderarmut….

    Armut im Alter, Einsamkeit u.u.u.

    Übrigens entgegen der weitverbreiteten Meinung Hartz 4ler wären arbeitsscheu. kann anhand von statistischen Erhebungen belegen, dass der Anteil von seelischen Erkrankungen bei Hartz IV Empfängern besonders hoch ist….

    Lieben Gruß
    Elke

  3. Kevin
    Juli 31, 2011 um 5:14 pm

    Milton Friedman ist kein Ideologe, sondern ein liberaler Theoretiker. Das sich die beschriebenen Probleme auf ein System zurückführen lassen können, dass von ihm grundsätzlich befürwortet wird, ist eine Sache. Andererseits hat Friedman auch das Konzept der negativen Einkommensteuer weiter entwickelt und das ähnelt doch sehr dem bedingungslosen Grundeinkommen. Betrachtet man seine Ideen in der Gesamtschau, dann ist Friedman sowohl an einem effizenten als auch an einem menschenwürdigen Gesellschaftssystem interessiert.

    • Juli 31, 2011 um 5:59 pm

      hm, was anders macht denn ein Theoretiker, der ein komplettes Modell zur politischen Steuerung entwirft?
      In Wikipedia ist zu Idelogie zu lesen:

      Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Ideologie ein System von Ideen, Vorstellungen, Werturteilen und Begriffen und kann synonym zu „Weltanschauung“ Verwendung finden.

      Dass Friedmann so menschenfreundlich war, möchte ich bezweifeln, hat er doch zu so manchem rechten Putsch in Südamerika gerfördert durch die CIA seine Empfehlungen ausgesprochen …

  4. Kevin
    August 1, 2011 um 1:05 am

    Ich möchte ungern in eine etymologische Diskussion über den Begriff der Ideologie einsteigen, aber die „allgemeine Sprachgebrauch“ Definition von Wikipedia entspricht nicht dem, was mich meine Erfahrung lehrt. Wenn ich im Alltag den Begriff Ideologie höre, dann wird zumeist ein komplexes, in sich geschlossenes Überzeugungssystem damit beschrieben. Friedman ist insofern kein Ideologe. weil er Kausalmechanismen beschreibt und keine normativen Argumente anführt. Dies gilt zumindest in Bezug auf die Beschreibung des Marktmechanismus. Ein Modell zur politischen Steuerung ist es auch nicht, weil Steuerung immer die zielgerichtete Beeinflussung des Verhaltens bestimmter Adressaten bedeutet. Ein Marktteilnehmer wird aber nicht „von außen“ gesteuert, sondern vom System selbst.
    Ob er politische Umstürze in Südamerika befürwortet hat weiß ich nicht. Daran sollte man seine Theorien auch nicht messen. Falls es dennoch so war, betrifft dies ein anderes Feld.

    • August 1, 2011 um 10:01 am

      Über die Verwendung von Begriffen lässt sich sicherlich treffelich streiten. Also schauen wir lieber auf die Ergebenisse:
      In einem Markt, der allein auf gut Ergebnisse der Firmen aus ist, bleiben die Ressourcen Mensch und Umwelt auf der Strecke. Und bis der Markt hierauf mit Regeln a la Nachhaltigkeit reagiert, wird er vermutlich wieder mal am Ende sein und viel Leid auf die Welt gebracht haben, wie dargestellt.
      Mich wundert nur, dass die 1% unserer Bevölkerung, die am meisten von diesem Markt profitieren, nicht so weitsichtig sind, zu erkennen, dass es dieses Mal auch ihnen schaden wird, wenn sie nicht dafür Sorge tragen, dass das mit der Umverteilung und dem dauernden Wachstum zur Zinserfüllung ein Ende haben muss.

    • August 1, 2011 um 1:28 pm

      Und hier habe ich noch einen Artikel gefunden, der den Begriff der Ideologie im gleichen Kontext benutzt und ebenfalls feststellt, dass davon nur Hochvermögenden profitieren und der Rest in die Röhre schaut:

      Erst vor wenigen Jahren hat eine mächtige Ideologie – der Glaube an freie und unregulierte Märkte – die Welt an den Rand des Ruins getrieben. Sogar in seinen Glanzzeiten vom Beginn der 80er Jahre bis 2007 hat der nach dem Vorbild der USA deregulierte Kapitalismus grössere materielle Zugewinne nur den Allerreichsten im reichsten Land der Welt gebracht. Im Verlauf der 30jährigen Vormachtstellung dieser Ideologie sind die Einkommen der meisten US-Amerikaner ständig gesunken oder haben stagniert.

      Gefunden in Die Übel des unregulierten Kapitalismus
      Die Heilmittel für die US-Wirtschaft: Die Kriege beenden, die Kosten für das Militär und die Arzneimittel senken und die Steuern erhöhen – wenigstens für die sehr Reichen, von Joseph E. Stiglitz, Professor an der Columbia University, Nobelpreisträger für Wirtschaft

  5. Kevin
    August 1, 2011 um 2:10 pm

    Ich empfehle Ihnen die Lektüre von Friedmans Buch „Kapitalismus und Freiheit“. Betrachten Sie seine Argumentation zur Funktionsweise des Marktes und den Aufgaben, welche der Staat übernehmen sollte. Sie werden erkennen, dass die amerikanische Marktgläubigkeit der heutigen Zeit nicht mit dem vereinbar ist, was Friedman unter Liberalismus versteht. Insofern hat Stiglitz recht.

  6. August 1, 2011 um 4:32 pm

    OK, vielen Dank für die Hartnäckigkeit!
    ich werde den Text also abändern müssen, denn man hat nur Teile seiner Thesen verwendet und damit ihm Unrecht getan. In Wikipedia gibt es noch zu ihm zu lesen:

    Er griff in den 1960er Jahren die Idee der negativen Einkommensteuer von Juliet Rhys-Williams aus den 1940er Jahren auf. Danach würde das Finanzamt jedem Steuerpflichtigen, dessen Einkommenssteuerschuld unter einem festzulegenden Minimum liegt, die Differenz ohne weitere Prüfungen überweisen.

    Neben den Kernbereichen der Wirtschaftswissenschaft trat Friedman auch für mehr Freiheit in anderen Bereichen ein. Er setzte sich stets für die Abschaffung der Wehrpflicht in Friedenszeiten ein, plädierte für die Legalisierung von Marihuana und kämpfte für ein Bildungsgutscheinmodell.

    Murray Rothbard kommt in dem 1971 veröffentlichten Aufsatz Milton Friedman Unraveled zu dem Schluss, dass es schwierig sei, Friedman als Vertreter der Freien Marktwirtschaft anzusehen.

    Und ja, das Modell der negativen Einkommenssteuer entspicht definitiv dem Bürgergeld oder dem Grundeinkommen, oder wie immer man das Geld nennen mag, das einem Bürger für ein menschenwürdiges Leben zustehen sollte.

  7. August 15, 2011 um 11:04 am

    Nach den Hessel´schen „Empörten“ gibt es nun in Frankreich auch die „Bestürzten“, so stellt ein Artikel auf TELEPOLIOS fest:

    Das Manifest bestürzter Ökonomen ist in Frankreich inzwischen zum Bestseller geworden
    Mit den Turbulenzen an den Finanzmärkten, in die immer stärker auch Frankreich hineingezogen wird (Der Anleihe-Kauf wird teuer für die EZB), ist auch ein kleines Büchlein beim Nachbarn zum Bestseller geworden. Im „Manifeste d’économistes atterrés“ machen „bestürzte Wirtschaftswissenschaftler“ die Macht der Finanzmärkte und den Neoliberalismus für die Entwicklungen an den Finanzmärkten verantwortlich. Sie weisen darauf hin, dass hier lediglich Glaubenssätze als scheinbare wissenschaftliche Erkenntnisse verkauft werden. Sie sprechen von einer „Unterordnung unter eine Diktatur“ die zur „Beruhigung der Märkte“ dienen soll und räumen mit 10 falschen „offenkundigen Tatsachen“ auf. Sie fordern eine Kontrolle der Finanzmärkte, um eine sozial gerechte Entwicklung zu ermöglichen.

    Leider gibt es das Büchlein noch nicht in Deutsch. Wird aber sicher nicht mehr lange brauchen 😉

  8. Kevin
    August 15, 2011 um 12:38 pm

    Sehr lesenswerte Broschüre! Interessant ist, dass trotz aller zielgerichteter Kritik immer wieder der „Wirtschaftswissenschaftler“ der heutigen Zeit zwischen den Zeilen aufblitzt. In der Einleitung heißt es: „Europa ist in seiner eigenen institutionellen Falle gefangen: Die Staaten müssen sich von ihren privaten Finanzinstituten Geld leihen, welches diese zu extrem günstigen Konditionen von der Europäischen Zentralbank erhalten.“ (Mal frei übersetzt). Weiter heißt es, dass die Rating Agenturen Misstrauen weiter akzentuieren würden.

    Problem erkannt? Ja – aber nur einen Teilaspekt, der zwei verschiedene Bereiche berührt. Richtig ist, dass der Fehler im institutionellen Design liegt, aber man muss an diesem Punkt noch viel tiefer auf den Sinn oder Unsinn der Regeln (seien es nun nationale oder europäische) eingehen. Die Debatte sollte meiner Meinung nicht darüber gehen wie Finanzmärkte zu regulieren sind, um negative Effekte in den Griff zu bekommen, sondern eher darüber, was wir eigentlich von Finanzmärkten erwarten und welche Vor- und Nachteile bestimmte verschiedene institutionelle Rahmenbedingungen mit sich bringen. Rating-Agenturen kann und darf man meiner Meinung nach nicht verbieten, denn was tun sie denn? Sie bewerten etwas mit mathematischen Modellen, die sie für richtig halten um eine Information zur Verfügung zu stellen, die andere Nutzen wollen, um in einem Markt einkaufen zu gehen. Dass sie damit Geld verdienen und so möglicherweise in einen Interessenkonflikt geraten ist sicherlich ein Problem. Allerdings nicht, weil sie tun, was sie tun (in einer freien Gesellschaft ist das ihr gutes Recht), sondern weil sie indirekt negative Auswirkungen auf Dritte entfalten können (und tatsächlich tun!). Auch eine Politik oder öffentliche Banken, die sich nach Ratings richten, von denen sie nicht wissen, wie sie zustande gekommen sind, haben ein Problem. Allerdings: Jemandem der nach den Regeln spielt, ist nicht vorzuwerfen, dass er etwas unrechtes tut. Empfindet man es jedoch als unmoralisch oder schlecht, dann haben die Regeln ein Defizit und gehören geändert.

    Buchanan schreibt hierzu: „[…] at one time an economist was literally defined as a person who „knows how markets work,“ with work being understood in terms of the coordination of individual behavior through the institutional structure. Since the early years of this century, however, professional economists have shifted their attention. They have become preoccupied with predicting the effects of exogenous changes on observable and measurable aspects of market outcomes (price, wage rates, quantities, etc.). With this shift of attention, modern economists seem to have all but lost the earlier understanding, which was, perhaps, their primary raison d’etre in any „social“ sense.“
    (The Reason of Rules 1985)

    Nämlich, dass der Markt Regeln braucht und diese Regeln bestimmten Anforderungen gerecht werden müssen, damit er in erster Linie den Menschen nützt und nicht dem Markt als Selbstzweck. Das muss selbstverständlich auch auf die Rating-Agenturen zutreffen. Es ist schon bemerkenswert, wie diese „Erkenntnis“ über die Zeit hinweg vergessen werden konnte, wo doch selbst Adam Smith die Notwendigkeit von Regeln gesehen hatte.

    • August 15, 2011 um 12:51 pm

      …erster Linie den Menschen nützt und nicht dem Markt als Selbstzweck. Das muss selbstverständlich auch auf die Rating-Agenturen zutreffen. Es ist schon bemerkenswert, wie diese „Erkenntnis“ über die Zeit hinweg vergessen werden konnte, wo doch selbst Adam Smith die Notwendigkeit von Regeln gesehen hatte.

      Ja, irgendwo waren wir alle in einem Winterschlaf oder es war der Frosch-im-warmen-Wasser-Effekt, der uns nicht hat merken lassen, wie wir uns immer mehr geschadet haben. Nun wird es also Zeit, dass wir die vielen Experten zusammenbringen, um das Schiff wieder in die richtige Richtung bringen, dafür zu sorgen, dass die Regeln wieder für das Wohl des Menschen sorgen und nicht zum Anhäufen des Geldes auf nur Wenige.

  9. August 15, 2011 um 3:16 pm

    Und wenn Starökonomen erklären, dass sich der Kapitalismus gerade selbst zerstört, dann müssten doch zumindest bei jedem Politiker die Alarmsirenen angehen.
    «Der Kapitalismus zerstört sich selbst», von Philipp Löpfe

    Die Ungleichgewichte zwischen Superreichen und Mittelstand in den westlichen Industriestaaten werden zu einer Gefahr für Marktwirtschaft und Demokratie. Es gibt nur ein Rezept.

    Der Weg aus der Liquiditätsfalle sieht anders aus: Kurzfristig muss mit sinnvollen Investitionsprogrammen in Infrastruktur und Bildung Nachfrage geschaffen werden, um Massenarbeitslosigkeit und Deflation zu verhindern. Gleichzeitig muss der Lohnzerfall der Mittelschicht gestoppt werden. Um zu verhindern, dass die Staatsschulden ausser Kontrolle geraten, muss die massive Umverteilung zugunsten der neuen Oligarchie wieder rückgängig gemacht werden. Das geht nur – wie es auch Buffett fordert – mit einer Erhöhung der Steuern für Superreiche.

    All dies ist keine Frage der Ideologie mehr und es geht auch nicht um Fairness oder Moral. Wer das System retten will, muss jetzt handeln. «Die Märkte funktionieren nicht mehr», sagt Roubini. «Der Kapitalismus ist im Begriff, sich selbst zu zerstören.»

    Aber auch dieser Artikel sieht das eigentlich Problem nicht. Des es wird nicht reichen, einfach die Steuern für REiche hoch zu schrauben. Der Profitgedanke, der hinter dem Zinsgeld steht als auch der selbstzerstörende Effekt dieser Geldordnung muss so geändert werden, dass wieder das Wohl aller Menschen oberstes Ziel ist.

  10. August 15, 2011 um 8:40 pm

    Und weiter geht es mit der Erkenntnis, dass es Zeit wird, etwas gegen das Finmanzmonster zu tun:
    Die Politik und das Monster, von Michael Spreng, ehemaliger Berater Stoibers

    Die neue Weltfinanzkrise und die drohende Rezession haben für ganz kurze Zeit das Fenster geöffnet, der Finanzindustrie die Weltherrschaft noch zu entreißen. Wenn die Regierungen, wenn die Politik von der EU, über G 8 bis zu G 20 diese Chance verstreichen lassen und jetzt immer noch keine radikalen Konsequenzen ziehen, dann beschwören sie eine Weltkrise der Demokratien herauf. Dann werden “Die Empörten” vor jedem Regierungssitz stehen und nicht nur in London die Straßen brennen. Es ist 5 Sekunden vor zwölf.

  11. August 15, 2011 um 8:48 pm

    Und auch Albrecht Müller, ehemaliger Denker von Willi Brandt greift den Ball auf und schaut mal in die Kristallkugel, was passieren wird, wenn bei uns die Proteste losgehen.
    Wer das Volk finanziell bluten lässt, wird es auch real bluten lassen

    … Wer so zulangt, wie die Finanzwirtschaft beim Steuerzahler zugelangt hat, wer so viel zu verlieren hat wie die Superreichen, wird auch bei uns bereit sein, seine Privilegien mit allen Mitteln zu verteidigen. Wie das geht, konnten wir und können wir in Großbritannien sehen:

    Der Protest wird kriminalisiert. Dafür gibt es immer berechtigten Anlass, weil sich unter die Demokraten, die empört sind und Widerstand leisten, immer auch solche Menschen, die man als kriminell bezeichnen könnte, mischen.

    Der Protest wird gespalten. Auch das ist relativ leicht, wie man in Großbritannien sehen konnte und kann. Es ist nicht schwierig, jene, denen es ganz miserabel geht, gegen Ladenbesitzer und Mittelständler in Stellung zu bringen.

    Mithilfe der verfügbaren Medien wird Stimmung gegen den Protest gemacht. Hart durchzugreifen wird populär. In Großbritannien können wir mit Spannung beobachten, ob der Bruch der herrschenden Kreise mit dem Medienunternehmer Murdoch bestehen bleibt oder angesichts des Aufstands der Straße gekittet wird. Bei uns werden die Bild-Zeitung und das Fernsehen und der Spiegel und viele Medien mehr sich gegen jene wenden, die „fünf Minuten vor 12“ vor dem Kanzleramt oder dem Reichstag protestieren. Den riesigen Einfluss der Finanzwirtschaft können wir zur Zeit jeden Abend in den Fernsehsendungen bestaunen. Da wird, so als sei nichts geschehen, Stimmung für Spekulation und Aktienmärkte gemacht. Ein untrügliches Indiz für die Verwobenheit dieser Medien mit den Interessen der Finanzwirtschaft.

    Das polizeiliche Potenzial wird ausgebaut und steht zur Verfügung. Der Angriff mit den Wasserwerfern in Stuttgart und die Weigerung der politisch Verantwortlichen, sich für die Verletzung eines älteren Menschen zu entschuldigen, sind Zeichen für die zu erwartende Brutalität.

    Wenn es denn losgehen sollte, wäre es bedauerlich, wenn mit solchen Mitteln das grundgesetzliche untergraben würde und die Protestierenden sich übertölpeln ließen.

  12. Mai 11, 2015 um 12:34 pm

    Hallo

    Die Ideologie des freien Marktes ist eine falsche Ideologie.
    und wer etwas anderes behauptet der lügt, und/oder ist ein Lügner.

    und ich erkläre es mal ganz einfach:
    Der freie Markt würde nämlich vorausetzen, dass ALLE Marktteilnehmer über dieselben Informationen verfügen, und das ist nicht so.
    Ergo, ist das Märchen vom freien Markt nur ein Märchen.

    und ich würde mal meinen:
    eine KORREKTUR täte GUT und würde auch von NÖTEN sein, um diese IRRLEHREN, diese falschen Ideologien abzustellen.

    ein Beispiel dazu:
    WIR WISSEN es gibt Finanzagenturen?
    Ja, das WISSEN WIR,
    deren Aufgabe besteht darin Staaten, Nationen, Volkswirtschaften zu bewerten.
    Jedoch wenn man weiters weiß, dass diese Finanzagenturen an der Börse notiert sind, dann unterliegen sie dem Markt an der Börse.
    dh. den Aktionären

    Wenn man jetzt die Aktionäre kennt, die diese Aktien der Finanzagenturen im Besitz haben, dann weiß man, dass die nur nach ihren Befinden gehen …..
    und somit macht man quasi „dem Bock zum Gärtner“, und ich hoffe, des kommt mal bei ALLEN an …..
    denn es ist, wie zu MOSES Zeiten,
    der Tanz ums goldene Kalb, aus dem Kalb wird der Stier, der Bulle und der kämpft gegen den Bären, einen Scheinkampf, denn der ist manipuliert, denn diejenigen die das Kapital besitzen, gewinnen bei steigenden und bei fallenden Kursen, denn sie sind diejenigen die Kurse manipulieren.
    Es sollte jeden mal zu DENKEN geben, wenn nur mehr ca. 11% der Geldumlaufmenge in Bargeld zur Vefügung steht, was dann mit den anderen 89% ist.
    einfache Antwort:
    virtuelles, binäres Geld, 0er und 1er auf einem Computer, in einem Computerprogramm, ….

    Frage am Rande:
    Wer hat die Finanz- und Börsensoftware entwickelt, hm?

    Fehler werden zu Irrtümern, wenn man sie den nicht KORRIGIERT, darum bin ich für eine KORREKTUR, friedlich, freundlich, jedoch bestimmt und vor allem GERECHT.

    LG
    harald
    ff – https://geld21.wordpress.com/2011/04/13/geld-aus-dem-nichts/

    • tulacelinastonebridge
      Mai 12, 2015 um 9:11 am

      Ich nenne das Freunderlwirtschaft und das kommt in den besten Familien vor.
      Ein Virus sozusagen, denn´s auf der ganzen Welt gibt, wahrscheinlich auch im Tierreich. 😉

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